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Milchvieh-Stände

Die Stalleinrichtungen sind sehr verschieden, weil die Verschiedenheiten der Wirtschaftsverhältnisse und der Nutzungszwecke die Durchführung mannigfaltiger Bauge- danken erfordern. In Weidegegenden findet man T i e f - st ä l l e, in denen das Milchvieh nicht festgebunden wird, sondern sich frei bewegen kann. Dort gibt es Stände im eigentlichen Sinne des Wortes überhaupt nicht. Der Zucht- beirieb erfordert den Langstand, der je nach der Größe der Viehrasse 2,25 bis 2,80 Meter lang ist. Er ist gleich­mäßig eben und nur im letzten Drittel etwas stärker ab­fallend zu der flach daran ansetzenden Jaucherinne. Lang­stände bieten den Kühen verhältnismäßig viel Bewegungs­freiheit. Sie ist tragenden Tieren recht dienlich, aber von Narbteil für Milchkühe, weil selbst bei reichlicher Einstreu

die Tiere mcyt lautier zu halten sind. Mittelstände find nur 2 bis 2,25 Meter lang. Sie verbinden mit den Langständen dis bequeme Anbindevorrichtung und gewähren den Tieren in der Länge bequemen Platz, selbst dann noch, wenn die Krippen durch absperrende Freßgitter abgetrennt sind und dadurch die Tiere zum Zurückrreten von der Krippe nötigen. Die Besonderheit der Mittelstände liegt, abgesehen von ihrer Länge, darin, daß die Standplatte etwas erhöht ungeordnet und dahinter eine tieferliegende Kotplatte folgt, die zur getrennten Aufsammlung des Kotes dient. Das Lager bleibt daher viel sauberer als bei den Langständen. 'RucRände sind infolge besondersartiger Wirtschaftsver- RmRe nur in ganz bestimmten Gegenden Deutschlands verbreitet.

Geht man in der Verkürzung der Standplatte noch jener, so entsteht der K u r z st a n d. Kurzstände sind haupt- ächlich in stroharmen Gegenden üblich. Falls starker Weide­gang einen Ausgleich gegenüber der vtallhaltung schafft, sind ihre Nachteile für Zuchtvieh nicht so ernst zu nehmen, Je nach Größe und Gewicht der Tiere bekommen die Kurz- siânde eine Länge von 1,55 bis 1,75 Meter. Der Kurzstand ist recht eigentlich in Holland zu Hause. Dort schließt sich an die kurze Standplatte unmittelbar eine tiefe Rinne, Grupe genannt, an. Die Grupen haben eine Tiefe von 25 bis 40 Zentimeter und eine Breite von 40—60 Zentimeter. Da hinein fällt der Kot unmittel­bar, und auch der Harn wird darin gesammelt. Wird auf getrennte Sammlung der Ausscheidungen Wert gelegt, so kann die Grupe mit einem Lattenrost abge - b eckt werden. Diese Einrichtungsart stellt schon einen Lsbergang zu Stalleinrichtungen dar, wie sie in den Gülle- Wirtschaften üblich sind. In die Grupe wird oft Torfmull gestreut, um den Harn aufzusaugen. Der Lattenrost muß

J-I mehrfach gereinigt werden. Die getrennte Samm- - " der festen und flüssigen Ausscheidungen wird auch da- r.b ermöglicht, daß zwischen die Jaucherinne und die st : "st llatte eine bewndere Kotplatte eingsi^-altet wird, o wie es bei den Mittelständen üblich ist. Die Kotplatten, üie eine Breite von 60—90 Zentimeter haben, liegen um 15 bis 20 Zentimeter gegen dis Kurzstände vertieft. Sie erhalten ein geringes Gefälle auf die Jaucherinne zu. Ein­treu kommt auf die Kotplatte nicht. Tiere, die bisher auf Laugständen standen, treten in der ersten Zeit mitunter über den Kurzstand hinaus, gewöhnen sich aber bald an die enge­ren Verhältnisse. Für die Milchviehhaltung bringen die Kurzstände den großen Vorteil mit sich, das Vieh stets sauber zu halten; das verbessert die Hüte der Milch außerordentlich.

Klauenpflege des Milchviehs

Da bei ständiger Stallhaltung die Tiere an einen be- aimmten Platz gebunden sind, so sind es vor allen Dingen ae Klauen, welche fortwährend wachsen, weil sie nicht ab­genutzt werden. Es bilden sich auf diese Weise die sogen. Pantoffelklauen; diese sind nicht nur ein Schön- heitsfehler sondern schaden den Tieren außerordentlich. Je länger die Klauen werden, desto mehr muß das ganze Kör- * pergewicht nicht von der harten Klaue (wie es normal sein sollte) sondern von dem weichen Ballen getragen werden. Die Sehnen und Bänder werden dadurch übermäßig aus­gedehnt und gezerrt, und sehr oft entstehen sogar blutige Ouestchungen. Es ist begreiflich, daß die Tiere dadurch stän­dig Schmerzen haben, und es ist daher unbedingt erforder- lieh, daß man mindestens im Jahre einmal jedem einzelnen stiere von einem tüchtigen Hufschmied die Klauen n a ch - ehen und gewissenhaft beschneiden läßt. Die weni­ger Mark für eine derartige Ausgabe werden sich doppelt jOststen. Wer die Klauenpflege seines Milchviehes vernach- lafsigt, begeht eine Tierquälerei, welche eigentlich bestraft werden müßte.

Rotes Wasser der Kaninchen

Jetzt in der Uebsrgangszeit sind Erkältungen bei Kanin- sn i j?;t leiten. Als Folge davon tritt leicht rotes Wasser T'r Blut-Urin auf, d. h. er ist blutrot gefärbt. Die nkten Tiere sitzen still zusammengekauert in einer Ecke. Lie Behandlung muß darauf abzielen, die K r a n k h e i t s - u r s a ch e zu beheben. Man wird zunächst nachforschsn, ob nicht irgendwie Zugluft an den Stall kommt; sie muß' so- fort verhindert werden. Dann sorgt man für einen warmen Stall durch tiefe Stroh st reu. Kräftige Ernährung 'orgt für eine gute Entwicklung und Körperwärme. In "rächt kommen Hafer- und Bohnenmehlbrei, gekochte Kar- : „ 'ein und Mohrrüben und ein wenig Gartenpetersilie. Die lstünmtterung wird ausgesetzt. Zum Trinken dient reines, abgestandenes Wasser. Dann wird noch geraten, täglich ■ stmR mit einer mittelharten Bürste das Tier zu bürsten, besonders in der Nierengegend.

Ladestiege

Das Ausladen der geernteten Kartoffeln ist durch das notwendige Hin- und Hergehen in dem aufgelockerten Boden schon beschwerlich genug. Bei Verwendung hoher Kasten­wagen, in denen die Kartoffeln in loser Schüttung zur Miete oder zur Einsäuerungsgrube weggefahren werden, kommen für die Arbeitskräfte noch besondere Anstrengungen des Aus­ladens hinzu. Sie bedingen schnelle Ermüdung, welche die Leistungsfähigkeit herabdrückt. Dann pflegen die Sammel­körbe nicht gerade pfleglich behandelt zu werden. Die Ver­wendung einer Ladestiege kann daher eine merkliche E r - leicht è rung und Beschleunigung der Kar­toffelernte herbeiführen. Mit Bequemlichkeit oder gar Faulheit hat das nichts zu tun; denn der menschlichen Ar­beitskraft find Grenzen gesetzt, und es ist nur vorteilhaft, den Zeitpunkt hinauszuschieben, an dem sie erreicht werden; denn Haushalten mit der Arbeitskraft führt zur Leistungs­steigerung. Die gleichen Dienste wie die Ladestiege tut auch eine L a d e t r e p p e, die an dem oberen Ende der Treppen­backen hakenförmig gebogene Bandeisenfortsätze trägt, mittels deren sie an den oberen Holmen des Kastenwagens einge­hängt wird. Eine solche Ladetreppe steht zwar etwas steiler, sie ist aber leichter und daher bequemer fortzuschaffen.

Rahm-SammelMmo

Die neuzeitlichen milchwirtschaftlichen Bestrebungen aus Verbesserung der Erzeugnisse, die durch den Erlaß des Reichsmilchgesetzes Nachdruck bekamen, haben zu einer Belebung des Molkerei-Genossenschaftswesens geführt. Leider legt der Kapitalmangel in der Landwirtschaft und der gedrückte Markt für landwirtschaftliche Erzeugnisse dieser Entwicklung starke Fesseln an. Es kommt daher wesentlich darauf an, wenn möglich, die Lieferbezirke vor­handener Molkereien auszuweiten. Daraus erwächst für die neu erfaßten Gebiete eine Verbesserung der Milchverwertung und für die Molkerei eine bessere Vertei­lung ihrer Unkosten und eine Erhöhung ihrer Rentabilitäts­aussicht. Man hat schon früher in Gebieten, die für die Er­richtung von Genossenschafts-Molkereien noch nicht reis waren, als Vorstufe dazu, Rahmsammel-Stationen eingerichtet. Der Gedanke lag nahe, im Zeitalter des Auto­mobils solche Stationen nicht fest am selben Ort anxulegen, sondern fahrbar zu machen.

Dieser Versuch ist z. B. von der Oberland-Milchoerwer- tung, Ravensburg, durchgsführt worden. Es wurde ein von der Luftschiffbau-Zeppelin G. m. b. H. Werft in Friedrichs­hafen gebauter fahrbarer Rahmsammler eingestellt. In einem Kraftwagen mit verschließbarem Aufbau ist eine Milchschleuder von 750 Liter Stundenleistung untergebracht, die elektrisch angetrieben wird. Den Strom liefert, soweit nicht ein Steckkontakt-Anschluß da ist, eine mitgeführte Bat­terie. Die Vollmilch wird der Schleuder über ein'MeboefZß und einen Behälter durch eine besondere Pumpe zugeführt. Der Rahm verbleibt in den Rahmkannen des Wagens, wäh­rend die Magermilch in die Anlieferungskanne zurückfließt. Darin liegt ein großer Vorteil, indem jeder Betrieb seine eigene Magermilch in denkbar frischem Zu- ü a n b e zur Verfütterung zurückerhält. Die Verschleppung ansteckender Krankheiten ist so kaum denkbar, und Verderben er für die Jungviehaufzucht unentbehrlichen Magermilch kann ebenfalls leicht vermieden werden. In dem Auto sind • «ch Milchuntersuchungsgegenstände unterge-

bracht. Das bisher im Betrieb befindliche Rahmsammel- Auto fährt täglich zweimal, während der Melkzeit zu den Genossen und sammelt auf 7 Haltestellen jeden Tag den Rahm von 3000 Liter Milch ein. Dabei betragen die Ein- bolekosten je Liter Milch nur etwa % Pfg. Der auf der Wanderausstellung in Mannheim erstmalig gezeigte fahr­bare Rahmsammlèr ist zum Arbeitsversuch bestimmt worden.

Herbstlicher Futterbau

Wer im Herbst gut vorsorgt, hat tm Frühjahr, wenn Rüben- und Silokammern leer sind, bereits zeitig gehalt­volles Grünfutter. Am bekanntesten ist immer noch das R o g g e n w i ck gemenge. Man mischt 30 Kilogramm Zot­telwicke mit nur 10 Kilogramm Roggen auf % Hektar. Der Anteil des Roggens darf, besonders bei frühem Einschnitt, nicht höher sein, weil die Wicke sich zu spät entwickelt und dann nicht bezahlt macht. Die pannonische Wicke ist noch langsamer, zudem größer im Korn, so daß hier die Gesamt- kosten von 14 Mark auf 19,15 Mark steigen. Im Herbst in Zeitabständen gesätes Roggenwickgemenge ist meistens im Frühjahr zur gleichen Zeit reif und, wenn es nicht ge­müht wird, bald hart, so daß es sich empfiehlt, auf besseren Böden Weizen in die Mischung zu nehmen. Hierdurch wird auch der Rohfasergehalt erheblich vermindert. Zur Heu- und Silofutterbereitung nimmt man lieber 10 Kilogramm Inkarnatklee und 3)4 Kilogramm welsches Weidelgras auf

Hektar, weil ersterer nicht immer winterfest ist. Dieses Gemenge kostet etwa 9 Mark. Wer ganz sicher gehen will, nnt 12,5 Kilogramm Zottelwicke mit herein und senkt den ^ 'teil von Inkarnatklee auf 6 Kilogramm und den des - Kcdelgrases auf 2,5 Kilogramm.

Erleichtertes Strohbindert

Die Beseitigung des ausgedroschenen Strohs bereitet bei den großen Dreschmaschinen, die mit Strohpresse und Stroh- Förderer-Einrichtungen verbunden sind, keine Mühe. An­ders dagegen bei kleinen Dreschmaschinen, bei denen das von den Schüttlern auf die Schurre beförderte Stroh hinter der Maschine niederfällt und dort meist zur Seite geschafft wird, um aufgebunden und weggesetzt zu werden. Das Aufbinden ist mühevoll, weil es in dauernd gebüchter Haltung und meist

in einer staubreichen Luft erfolgen muß. Man kann sich die Arbeit bedeutend erleichtern und vereinfachen, wenn man die Schurre mit einem bequem erreichbaren A b r a f f t i s ch verbindet. Es ist zweckmäßig, außerdem einen B i n d e b o ck anzufertigen und in praktisch erreichbarer Nähe aufzustellen. Nach Erfahrungen, die Dipl.-Landwirt Ohl in den Mit­teilungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft ver­öffentlicht, genügt es, wenn Abrafftisch und Bindebock aus Latten hergestellt werden, wie es die Abbildung zeigt. In den Bindebock wird zuerst ein Seil gelegt; dann kann man das ausgedroschene und von der Dreschmaschine kommende Stroh aufrechtstehend zusammennehmen und auf den Binde­bock legen. Ist das Bündel groß genug, dann wird es mühelos zusammengebunden. Die auf diese Weise erreichte Arbeiteerleichterung verhütet eine starke Ermüdung und steigert dementsprechend die Leistungsfähigkeit der mit dem Strohbinden betrauten Personen.

StallhKstege

Im September hat man die beste Möglichkeit, die war­men Tage für die sachgemäße Stallpflege auszunutzen. So­bald nachher die Nächte Kälte und Reif bringen, trocknen die Anstrichmittel nicht mehr gut, und verlieren dadurch an' Haltbarkeit. Zuerst muß das Dach genau nachgesehen werden. Etwaige Risse oder Löcher sind mit Klebmassen oder Dachkitten, die fertig im Handel in verschiedenen Farben erhältlich sind, zu dichten. Darauf wird, wenn die teerfreie Dachpappe schon vier oder fünf Jahre auf dem Stall ist, eine möglichst farbige Bitumenmasse nach ge­st r i che n. Hierdurch bekommt das Dach wieder eine Halt­barkeit für drei oder vier Jahre. Bei Teerdächern muß der Teeranstrich alle zwei Jahre wiederholt werden, da sonst die Pappe zu brüchig und rissig wird. Die Wan­dungen der Ställe erfordern vor dem Winter auch noch eine besondere Pflege. Regen und Schnee wirken dauernd auf das Holz ein und verursachen so nach und nach Fäulnis. Durch die Verwendung von gewöhnlichem Karbolineum oder dem farbigen Karbolineum oder von guter Oelfarbe kann man das Holz am besten konservieren. Das farbige Karbolineum, das meist etwas teurer ist als das gewöhn­liche, wird man wohl für die Stallungen, die ein nettes Aussehen bekommen sollen, vorziehen. Vor dem Anstrich muß die Wand daraufhin untersucht werden, ob Mäuse­oder Rattenlöcher oder Spalten im Holz sind. Die Mäuse­löcher wird man am besten mit Blech zunageln. Auf di» Ritzen und Spalten im Holz setzt man nach außen hin am besten Latten. Ist der Stall schon sehr schlecht, dann wird man innen bei einfachen Wandungen ein Jsoliermaterial annageln. Das Annageln von teer­freier Dachpappe nach außen ist auch sehr zu empfehlen.

Lesefrüchte

„Soweit es beim Siedler wie auch in der bäuerlichen Wirtschaft auf Selbstversorgung ankommt, wird das als Wirtschaftsma t bezeichnete Verfahren Anwendung finden. Dgs A b s a tz f e r k e l erhält täglich 3 Kg. Kartof­feln und ein gutes halbes Pfund Eiweißfuttermittel, im übrigen bis zur Sättigung Gemüseabfälle, gestoßene Bren­nesseln und Wirtschaftsabfälle aller Art. Nach einer drei- bis fünfmonatigen Vorbereitungszeit dieser Art kann man lediglich mit Kartoffeln aus der eigenen Wirtschaft und ge­kauftem Eiweißfutter oder, falls Milch vorhanden, mit 5 bis 6 Liter Magermilch die Schweine bis zu einem Gewicht von 130 Kg. mästen. Man verwende als E i w c i ß f u t te r täg­lich 150 Gr. Fischmehl und 250 Gr. Erdnußmehl oder Soja­schrot und verabreiche gedämpfte Kartoffeln, im Mttel etwa 12 bis 16 Kg. täglich." Dr. Stahl-Ruhlsdorf.

„Von besonderer Bedeutung sind für landwirt­schaftliche Siedler aller Art die M o l k e r e i - Ge­no s s e n s ch a f t e n. Es ist für den Siedler geradezu eine Existenzfrage, ob er die nicht in seinem eigenen Betriebe verbrauchte Milch molkereimüßig verwerten kann. Der Großlandwirt als Vorgänger der Siedlung hatte in der Regel die Möglichkeit, die gesamte Ueberschußmilch als Frischmilch nach der Stadt zum Verkauf zu bringen. Dazu ist der Siedler nicht ohne weiteres in der Lage. Die An­schaffung von Geräten zur Verbutterung im Hause erfordert aber nicht unerhebliche Mittel. Außerdem gestaltet sich der Absatz der sogenannten Landbutter dank der fortschreitenden Aufklärung der Verbraucherschaft über die Ansprüche, die sie an die Qualität der Butter mit gutem Recht stellen kann, immer schwieriger. Unter diesen Umstünden wird eine leicht erreichbare Molkerei, die dem Siedler seine Milch zur Verarbeitung abnimmt, geradezu zu einer Lebensnot- wendigkeit für ihn." Karbstein,Oppeln.