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Kul-aer Anzeiger

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Nr. 234 1932

Fulda, Mittwoch, 5. Oktober

9. Jahrgang

Nr neuen EleWmWWMWlhe«.

Fünfmächtekonferenz über die Gleichberechtigung?

Deutschland verlangt vorher Sicherungen.

Die englische Regierung beabsichtigt, bereits in diesen Tagen in Berlin, Paris, Washington und R o m in diplomatische Fühlungnahme einzutreten, um die Stellungnahme dieser Regierungen zu dem Gedanken einer Konferenz der fünf Mächte in London zu klären, die möglichst noch nächste Woche zusammentreten soll. Man will dem Zusammentritt der fünf Mächte nicht den Charakter einer offiziellen Konferenz, sondern mehr den direkter vertraulicher Besprechungen zwischen den leitenden Staatsmännern der fünf Mächte geben. Eine offizielle Einladung an die vier Mächte zur Teilnahme an dieser Konferenz wird daher nicht ergehen. Auf englischer Seite betont man, daß die Grundlage derartiger Bespre­chungen der Teil 5 der großen englischenNoteinder Gleichberechtigungsfrage sein könnte.

Die grundsätzliche Anerkennung der deutschen Glcichberechtigungssorderung wird jetzt aus englischer Sei/c als unerläßlich angesehen. Man will jedoch die Ver­handlungen über die p r a k t i s ch e Regelung der Deutsch­land auf dem Gebiet der Abrüstung einzuräumenden Stellung sofort aufnehmen. Der Widerstand der fran­zösischen Regierung gegen solche Verhandlungen in der Gleichberechtigungsfrage wird aus englischer Seite nicht als unüberwindbar angesehen. Ausdrücklich wird erklärt, daß das Ziel dieser Verhandlungen nur die Rückkehr Deutschlands in die Abrüstungskonferenz sein könnte.

Zu dieser Meldung wird von zu st ä n d i g e r deutscher Seite erklärt, daß Deutschland selbstverständ­lich diese Anregungen mit dem größten Interesse verfolge. Aber ebenso selbstverständlich ist es, daß die Besprechungen nicht auf der Basis und in dem Ton geführt werden, der im englischen Memorandum an Deutschland zu

Deutschland muß vorher Sicherungen dafür haben, daß man ihm aus der Konferenz nicht in diesem Ton be­gegnet und daß cs nicht plötzlich vor einer Einheitsfront der Mächte steht. Diese Sicherung muß Deutschland auch von französischer Seite aus haben. Wenn Deutsch­land zu diesem Verhalten gezwungen ist, so trägt daran allein die Gegenseite die Schuld.

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Engiisch-sranzösische Besprechung über die Zünsmächtelonserenz.

Gleichberechtigungsfrage steht im Vordergrund.

Die zuständigen englischen Kreise b e st ä t i g e n jetzt, daß die englische Regierung die Einberufung einer Fünf- mächteköuferenz nach London zur Erörterung der Abrüstung und der deutschen Wehrfrage erwägt. Der eng­lische Vorschlag war Gegenstand der Unterredung zwischen dem englischen Außenminister Sir John Simon und dem französischen Ministerpräsidenten H e r r i o t in Paris. Die englische Regierung ist bisher mit den anderen Mäch­ten außer Frankreich wegen dieses Vorschlages noch nicht amtlich in Verbindung getreten. Die deutsche Gleich- berccktigungsforderung soll auf der Konferenz in allererster Linie behandelt werden. Die eng­lische Regierung, so heißt cs, lege den größten Wert dar­auf, daß Deutschland sich wieder an den Abrüstungs­verhandlungen in Genf beteilige.

Vorwärts mit Gott!"

22000 Glückwunschsen-ungen an Hindenburg.

Ans Anlaß des 85. Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg sind im Büro des Reichspräsidenten insgesamt 22 000 Sendungen der verschiedensten Art cin- gcgangcn, Briefe, Postkarten, Geschenke und Telegramme. Die Zahl der Telegramme allein beläuft sich auf 1700.

Die Glückwünsche der Staatsoberhäupter und Regierung zum 85. Geburtstag Hindenburgs.

Berlin. Dem Reichspräsidenten sind aus Anlaß seines Geburtstages seitens zahlreicher Staatsoberhäupter und Re­gierungen Glückwünsche zngegangen; so haben u. a. tele­graphische Glückwünsche gesandt der Kaiser von Japan, die Könige von Bulgarien, Dänemark, England, Italien, Nor­wegen, Schweden und Siam, der Rcichsvcrweser des Sönig« "ichs Ungarn, die Präsidenten der Vereinigten Staaten von Unierika, der Österreichische Bundespräsident und die Prä- Iwenten von Finnland und Litauen sowie der italienische Ministerpräsident Mussolini.

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Hindenburgs Dankesworte an das deutsche Volk.

Die Ansprache, die der Reichspräsident als Dank für die ihnl entgegengebrachtcn Glückwünsche und erwiesenen Aufmerksamkeiten im Rundfunk hielt, hat folgenden Wortlaut:

Zur Vollendung des 85. Lebensjahres sind mir aus allen Teilen des Reiches und auch von den Deutschen jen­seits unserer Grenzen zahlreiche Glückwünsche zugegangen. All diese Grüße und Gaben von groß und klein, von reich und arm haben mich t i e f g e r ü h r t. Ich habe dlcse vielen Zeichen persönlichen Gedenkens zugleich als

Holländische Absage an Deutschland.

Starkes Befremden in Berlin über den Ausgang der Kontingentierungsverhandlungen.

Von holländischer Seite wird zu den jetzt beendeten deutsch-holländischenKoutingentierungsver- Handlungen eine amtliche Mitteilung heraus­gegeben, in der es heißt, daß die Regierung nach Kennt­nisnahme der deutschen Pläne zu dem Schluß gekommen fei, daß die deutschen Vorschlägekeine Grundlage für eine ersprießliche Erörterung" darstellten.

Diese holländische Haltung hat in Berlin starkes Be­fremden hervorgerufen. Holland hat bekanntlich selbst feit einiger Zeit zahlreiche Kontingente festgesetzt, die die deutsche Ausfuhr nach Holland um etwa 50 Millionen Mark jährlich beschränkten. Holland hat diese Maßnahmen getroffen, ohne vorher die deutsche Regierung davon zu unterrichten oder mit ihr in einen Meinungsaustausch über ihre Auswirkung einzutreten. Bei dieser Sachlage ist es unverständlich, daß sich die holländische Regierung der Erörterung über die deutscherseits beabsichtigten Kon- tingentierungsmaßnahmen entziehen will.

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Km die Kontingentsverhandlungen.

Das Präsidium des Reichslandbundes hat zu den Mitteilungen über die deutsch-belgischen Kontingentie­rungsverhandlungen in einem Schreiben an die Reichs­regierung folgendermaßen Stellung genommen:Die offiziöse Bekanntmachung über die im Zuge der deutsch­belgischen Kontingentierungsverhandlungen festgesetzten Kontingentsätze bedeuten in einigen Punkten höchstwahr­scheinlich keine Verbesserung des Schutzes der deutschen Erzeugung gegenüber der voraussichtlichen Ein­fuhrentwicklung in den nächsten Monaten und sind in den übrigen Punkten das H ö ch st m a ß der deutscherseits zu gewährenden .Einfuhrmcngen Infolgedessen muß es praktisch als ausgeschlossen bezeichnet werden, daß, wie offiziös angedeutet wird, anderen Ländern unter Um­ständen irgendwelche weiteren Kontingenterhöhungen zugebilligt und dann auch auf Belgien angewandt werden sollen. Dies wäre für die deutsche Landwirtschaft uner­träglich und stände im offenen Widerspruch zu den Er­klärungen der Reichsregierung, nach welchen die Einfuhr­kontingente seitens der Reichsregierung bereits autonom festgesetzt seien. Die Gewährung weiterer Nachlässe an an­dere Länder und Anwendung dieser Nachlässe auf Belgien würde zu einer Sabotierung des Zollschutz- s y st e m s geführt haben.

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Oevisenverhandlungen mit Italien.

Nachdem das mit Italien abgeschlossene Devisen­abkommen von deutscher Seite gekündigt worden ist, wurde mit Italien eine Vereinbarung getroffen, durch die die Bezahlung der Einfuhr italienischer Wein­trauben erleichtert werden sollte. Die italienische Re­gierung hat gleichwohl mit Wirkung vom 1. Oktober 1932 ab eine allgemeine Sperre für die Bezahlung deutscher Warenlieferungen nach Italien verhängt. Vor Ergreifung von Gegenmaßnahmen sind zunächst Ver­handlungen mit Italien eingeleitet worden, um eine Aufhebung der Zahlungssperre zu erreichen-

Beweis treuer vaterländischer Gesinnung und Verbundenheit begrüßt. Mit besonderer Befriedi­gung habe ich auch davon Kenntnis erhalten, daß der Ruf der H i n d c n d n r g - S p e n d e, die meinen alten krregs- beschädiqtcn Kameraden und ihren Hinterbliebenen m Fällen der Rot bisher so segensreich geholfen hat, guten Widerhall gefunden und neue Mittel zu diesem Zweck er­bracht hat. Sy danke ich denn heute von ganzem Herzen allen, die meiner gedacht, die in meinem Sinne vielen Bedürftigen Hilfe gebracht und die mich durch das Ge­löbnis treuer Mitarbeit am Wiederaufbau des Vater­landes erfreut haben.

Wir stehen vor schweren Aufgaben. Nach außen ringen wir um unsere Freiheit und unser Recht, im Innern um Arbeit und Brot. Nach wie vor wird ex mein Ziel sein, als gerechter Sachwalter des gesamten Volkes über den Parteien stehend alle Deutschen hierfür zusammenzuschlictzen.

Ich baue dabei aus ten gesunden Sinn des deutschen Volkes, dessen Geschichte lehrt, daß es sich auch m früheren Zeiten der Not und der Gefahr einig hinter eine starke und von nationalem Willen beseelte Führung gestellt ha. Es geht nicht um die Anschauungen und Wunsche von Personen, Gruppen und Parteien,

cs geht um das Vaterland, es ^eht um Deutschlands

Zukunft! \

Dieser zu dienen, für sie Opfer zu bringen, muß der Wille jedes deutschen Mannes, jeder deutschen Frau sein.. Wer in dieser Erkenntnis zu mir steht und. hilft, hat rmr die beste Geburtstagsfreude bereitet, c« diesem Sinne. Vorwärts mit Gott!"

Am Beobachtungsfiand.

Nicht bloß die berühmten Auguren, in diesem Falle also die Herren Diplomaten selbst, sondern auch wir mehr oder minder gewöhnlichen Zeitgenossen werden uns des Lachens oder Lächelns nicht haben erwehren können, als in der Völkerbundversammlung Herriot pathetisch er­klärte, daß dieser Bund die Geheimdiplomatie abgeschafft habe.Daß du die Nase ins Gesicht behältst!" dürfte Onkel Bräsig im Falle einer derartigen Behauptung gefügt haben. Das ist nicht einmal äußerlich richtig, denn es gibt kein Parlament der Welt, wo der Außenminister vor aller Öffentlichkeit und ohne Rückhalt sein gesamtes Wissen und Wollen auskramt. Er denkt nicht daran, und niemand verübelt ihm das. Wenn er ein bißchen mehr aus sich herausgehen und indiskrete Fragen neugieriger Volksvertreter wirklich beantworten will, dann hat er ja überall einen besonderen parlamentarischen Ausschuß. Dort aber werden die Türen fest verschlossen, und die Zu­hörer bindet ein eisernes Schweigegebot gegenüber der Öffentlichkeit. Und würde wirklich trotzdem jemand den Mund auftun, riskiert er ein Verfahren wegen Landes­verrats. Doch muß man sagen, daß eine solche Indiskre­tion wohl noch nie erfolgt ist, auch wenn die Gegensätze zwischen Regierung und parlamentarischer Opposition so scharf wie nur denkbar sind. Im Deutschen Reichstag bleibt derAuswärtige Ausschuß" übrigens auch dann bestehen, wenn wie das jetzt der Fall ist der Reichstag ausgelöst wurde. Denn ein bißchen unterrichtet werden über das, was in der aus­wärtigen Politik hinter den Kulissen voigcht, muß die Volksvertretung wohl wünschen wenn sie freilich an dem Gang der Außenpolitik noch weniger ändern kann als sonst. Auch anderswo läßt sich dieDiPlomatie höchst ungern dreinreden. Übrigens bisweilen nicht ganz mit Unrecht, weil mitunter dabei schon recht viel Porzellan zerschlagen ist; jedoch die Diplomaten sind auch wieder nicht un­fehlbar! Nur haben sie meist eine für Kritik recht emp­findliche Haut. Und daher war auch der deutsche Außen­minister nicht gerade vor Freude außer sich, als ihm der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichs­tages mitteilte, er wolle den Ausschuß für den nächsten Dienstag einberufen: ob der Herr Minister usw. Und der Herr Minister antwortete recht zurückhaltend, daß er den Nutzen einesGedankenaustausches" zwischen Regierung und Ausschußnicht in Abrede stellen wolle". Erscheinen aber würde er nur nach Vereinigung des bekannten innen­politischen Konflikts der Negierung mit dem Reichstag.

Jst's also nicht gerade viel, so ist's doch etwas! An Material für einen solchen Gedankenaustausch fehlt cs wirklich nicht; denn mehr als genug geschehen ist außen­politisch in den fünf Monaten, die die Regierung Papen das Steuer der Politik in Händen hat. Und nicht minder viel geschieht zur Zeit. Da ist z. B. die Abberufung des seit mehr als sieben Jahren in Berlin als österreichi­scher Gesandter residierenden D r. F r a n k. Er hatte vor­her ganz vorn im Kampf für den österreichisch-deutschen Zusammenschluß gestanden und war es geblieben, als er zwecks Förderung des Anschlutzgedankens nach Berlin ge­kommen war. Durch seine Hände gingen, von seinem Parteifreund, dem Großdeutschen Dr. Schober, aus, die Anregungen zum deutsch-österreichischen Zollunions-Pakt. Darüber ist Dr. Schober gestürzt, nach Dr. Curtius, und das Ende kennen wir alle. Deutschland selbst konnte nicht helfen, Österreich stürzte in den Abgrund furchtbarster finanzieller und wirtschaftlicher Not, so daß der jetzige Bundeskanzler Dr. Dollfuß keinen andern Ausweg mehr zu sehen glaubte als den derlöblichen Unterwerfung" unter die Erpressungen der Franzosen. Soll der jetzige österreichische Gesandte in Berlin nun auch dieser Zwangs­politik geopfert werden? über das rein Persönliche hin­aus könnte man im Auswärtigen Ausschuß des Reichs­tages also Wohl einen Gedankenaustausch darüber für not­wendig halten, wie überhaupt der heutigeZwangs- kurs" der österreichischen Politik gegenüber Deutschland vor sich gehen wird.

Auch das ThemaDeutschlandItalien" hat ja plötzlich an Aktualität ganz außerordentlich, aber nicht sehr erfreulich gewonnen. Es handelt sich dabei nur um Fragen des gegenseitigen Warenaustausches, der sich heute, wie überall, in den Geleisen der Devisenwirtschaft voll­zieht. Von irgendwelchem Politischen ist also nicht die Rede und die deutsche Regierung hat auch verlautbaren lassen, daß bei der weiteren Behandlung der Differenzen irgendwelche politische Erwägungen von kei n em Einfluß sei n dürften, so gut diese allge­meinen politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien auch sind. Man hat uns ja gerade den angeblichen politischen Hintergrund des deutsch-österreichischen Zoll- unions-Vertrages schärfstens zum Vorwurf gemacht. Ita­lien war dabei" nicht der letzte Gegner und andererseits sind wir auch wirtschaftlich gar nicht in der Lage, uns durch . Zugeständnisse auf diesem Gebiet politische Freundschaften zu erkaufen oder politische Freundschaften auszunutzen. Die Durchführung der Kontingentierungspolitik im Rah­men der bestehenden Handelsverträge hat ja schon bei den

Kleine Zeitung für eilige Leser

* England regt die Fortsetzung der Besprechungen über die Gleichberechtigung Deutschlands zwischen Deutschland, l ag land, Frankreich, Italien und Amerika air. .. ,.

* Die Herbsttagung der Deutschen Landwirtschafügestchcha,- findet in Danzig statt. _

* In einer Wiener Klinik starb ^Lahre alh deralte Afrikaner", Slatin Pascha, der einst unter dem Name« sangcner dcö Mahdi" weltberühmt war.