Aus Seffen-Aaffa« und DachvargeAeten.
Merkblatt für den 4. Oktober.
1515: Der Maler Lukas Cranach d. J. in Wittenberg geb. — 1669: Der Maler Rembrandt in Amsterdam gest. — 1814: Der französische Maler Millet in Eruchy geb. — 1830: Der Eeneralfeldmarschall Graf Borck v. Wartenburg gestorben.
Ist groß der Brunnen oder klein, — Das las; dir keine Sorge sein! — Aus beiden trinkst dn frischen Mut, — Ist nur das Wasser rein und gut. R. Reinick.
Wetterbericht.
In der Nacht zum Sonntag brachten Ausläufer des kräftigen skandinavischen Tiefdruckwirbels über unserm Gebiet leichte Niederschläge, denen eine vorübergehende Aufheiterung folgte. Da eine weitere Störung, die über Nordengland liegt, sich unserem Gebiet nähert, dürfte bald mit neuen Niederschlägen, die wahrscheinlich schon in der Nacht zum Montag einsetzen, gerechnet werden. Später sind darauf bei Abkühlung einzelne Schauer wahrscheinlich. — Vorhersage bis Montag abend: Nach Niederschlägen, die in der Nacht zum Montag einsetzen werden, wechselnd bewölktes Wetter mit einzelnen schauerartigen Niederschlägen, bei nach Nordwest drehenden Winden kühler. — Witterungsaussichten für Dienstag: Fortdauer der unbeständigen und kühlen Witterung.
" Fulda, den 3. Oktober 1932.
Des Reichspräsidenten Geburtstag in Fulda.
Anläßlich des gestrigen 85. Geburtstages unseres Herrn Reichspräsidenten, des Eeneral-Feldmarschalls von Hindenburg, hatten die staatlichen, städtischen und zahlreiche Privathäuser Flaggenschmuck angelegt. Auch die evangelische Kirche hatte aus diesem Anlaß geflaggt. Zn den Gottesdiensten dieser Kirche wurde in markanten Worten auch des Geburtstages dieses hochgeachteten obersten Staats- Mnnes in unserem Volke gedacht.
Mittags gegen 12 Uhr fand im Hofe der hiesigen Kaserne Paradeaufstellung unseres Art.-Regts. 5 statt. Hierzu hatte sich eine sehr große Zuschauermenge eingefunden. U. a. waren auch der evangelische und katholische Militärgeistliche' erschienen. Der Kommandeur der 1. Abt. des Art.-Regts. 5, Herr Oberstleutnant Berg hielt eine kurze Ansprache, in der er darauf hinwies, daß das Art.- Regt. 5 zusammengetreten sei, um des 85. Geburtstages des obersten Befehlshabers von Hindenburg zu gedenken. Jeder Deutsche weiß, was uns dieser Hohe Herr bedeutet. Zweimal wurde er vom deutschen Volke als Reichspräsident gewählt, auf daß er das deutsche Volk führe und leite. Was der oberste Kriegsherr im Weltkriege geleistet, das soll nicht besonders erörtert werden. Erinnert sei nur an seine Befreiung von Tannenberg gegen feindliche Eingriffe im Weltkriege und ferner daran, daß er Mitkämpfer der Einheitskriege von 1866, 1870/71 gewesen ist. Redner schloß seine Ansprache mit dem Wunsche, daß Gott unseren verehrten Reichspräsidenten noch lange gesund erhalten möge, auf daß er sein Volk noch lange führen möge zur inneren Einigkeit. Sodann wurde ein dreifaches Hurra auf den oèeren Kriegsherrn und den Herrn Reichspräsidenten, in Ltz^auch die zahlreichen Zuschauer begeistert einstimmten, ausgebracht. Nach dem Vorbeimarsch des Art.-Regts. 5 hatte dieser feierliche Akt sein Ende erreicht.
Landmanns Arbeitskalender im Oktober.
Die Roggenbestellung soll möglichst bald zu Ende gebracht werden, auch der Weizen muß tu die Furche, wobei sich viele Fragen ergeben, die der Landwirt in den gegenwärtigen schwierigen Zeiten selbst zu beantworten hat; nämlich ob er nicht in Anbetracht seiner diesiahrigen Ernteergebnisse einen Saatgutwechsel vornehmen soll, ob er Originalsaat oder erste Absaaten verwenden soll, was beim Drillen infolge der dazu benötigten geringeren Aussaatmenge trotz des höheren Preises für das Saatgut sogar auf eine Ersparnis hinauskommen kann Auch wird man noch einmal sorgfältig überschlagen, welche Flachen man mit Körnerfrucht bestellen und welche man vielleicht lieber dem Futteranbau Vorbehalten soll; ferner ist beim Weizen das Beizen nicht zu vergessen. Zu diesen Be- stellungsarbeiten tritt in den rapsbauenden Gegenden noch das Behäufeln des Winterrapses.
Gleichzeitig nimmt die H a ck f r u ch t e r n t e und -einbringung alle Kräfte in Anspruch und erfordert eine sehr genaue Einteilung der verfügbaren Leute. Während die Rieselwiesen bewässert werden und das Grabenreinigen beginnt, wollen auf dem Hof die Silos und Sauergruben gefüllt werden mit Grünfutter, besonders auch mit Gras, das nicht mehr zu Heu trocknet, mit Serradelle, Grünfuttergemengen und mit Rübenblättern, Rübenköpfen und Schnitzeln.
Der Weidegang des Viehs nimmt allmählich ein Ende, Bodennässe und Nebel beschränken auch für die Schafe die Zeit, in der wir sie draußenlassen können. Im Stall müssen wir allmählich zur Trockenfütterung übergehen. Die Geflügel-, besonders Gänsemast ist in vollem Gange, unnütze Fresser aus dem Hühnervolk wandern in den Topf. Die Ziegen haben Deckzeit.
Im G a r t e n ist höchster Betrieb. Neben der Beendigung der Obsternte erfordert gerade in diesem Jahre das bereits eingelagerte Obst bereits Überwachung, gegen Ende des Monats erneuern wir die Fanggürtcl an den Stämmen, mit bereit Putzen wir beginnen, während der Schnitt der Obstbäume nicht vor dem Blätterfall beginnen soll. Die Baumscheiben werden aufgelockert, mit Streu oder trockenem Dung bedeckt, nachdem man vorher die für das Wachstum des nächsten Frühjahrs entscheidende Wurzeldüngung vorgenommen hat. Auch die Erdbeerbeete müssen gegen Ende des Monats mit kurzem Dung belegt werden. Neue Spargelbeete werden angelegt und vor allem ist beste Pflanzzeit für Obstbäume, wobei man nur gute Sorten in tadellosen Stämmen anpflanzen soll, denn Kümmerer lohnen ihren Platz und die Pflege nicht. Spalierobst imb Wein müssen geschützt iverbcn, ehe die -’^^tfröfte beginnen. Im Gemüsegarten sind Möhren (Mohrrüben, Gelbrüben, Karotten) zu ernten, ebenso rote Rüben und Zwiebeln, auch die letzten Kürbisse, während die abgeernteten Beete gleich nmgegraben werden und wir mit dem Pflanzen des Wintersalats beginnen.
Im Wald ist die Eichel- und Buchclmast noch aus- zunutzen, auch sind Eicheln und Bücheln auf Futtervorrat und als Salat zu sammeln. Die Bienen wollen jetzt Ruhe. Bei rauher Witterung beginnen wir mit dem Enl- wintern und Füttern, auch schützen ivir sie vor Feinden wie Mäusen und bienenfressenden Vögeln, die aber wegen ihrer überwiegenden Nützlichkeit nur abgehalten und ver- trieben, jedoch nicht getötet werden dürfen. In der Teich- rest Paarung der Krebse und Laichzeit der Forellen,
Heil deutschem Wort und Sang!
75jähriges Jubiläum des Männergesang-Vereins „Liederkranz".
-r- Fulda, 3. Oktober.
Fünfundsiebzig Jahre Pflege deutschen Männergesangs bedeutet eine 75jährige Förderung deutscher Kultur. Denn was der Deutsche in seinen Volksliedern besingt, vom Scheiden und Meiden, von Liebe und Treue, von Kameradschaft und Freundschaft, von Wald und Flur und Berg und Tal, vom Rhein und Wein, von Heimat und Vaterland, ist ein Beweis dafür, daß in unseren alten, ewig schönen Volksliedern ein Stück kostbaren Volksgutes enthalten ist. Die Pflege dieses Volksgutes liegt in den Länden der vielen taufenden deutscher Gesangvereine. Und daß diese Vereine auch im Fuldaer Land und dessen näherer und weiterer Umgebung sich die Pflege des deutschen Volksliedes sehr angelegen sein lassen, zeigte das Jubelfest des M.G.V. „Liederkranz". Denn verbunden mit der Jubelfeier war ein W e t t s i n g e n, in dem die beteiligten Vereine manche gute Probe ihres Könnens ablegten.
Den Auftakt des Festes bildete ein
Festakt
mit anschließendem Kommers, der am Samstagabend im Stadtsaal stattfand. Mit einem Vorspruch, gesprochen von Frl. Johanna Heil, wurde der offizielle Teil des Abends eröffnet. Die Begrüßungsrede hielt der Ehrenvorsitzende des Jubelvereins, Prokurist Zirkenbach. In kerniger Art entledigte sich der Redner seiner Aufgabe. Er ging kurz auf die Geschichte des M.G.V. Liederkranz ein, erklärte, wie aus dem im Jahre 1857 gegrllndten M.G.V. „Liedertafel" und dem 1862 entstandenen M.G.V. „Sänger- kranz" im April 1871 der M.G.V. „Liederkranz" hervorging. Der Gefallenen des Vereins wurde in einem lebenden Bild würdig und weihevoll gedacht. Zum Schlüsse feiner Ausführungen erinnerte der Redner an den 85. Geburtstag des Reichspräsidenten von Hindenburg und schloß mit einem Hoch auf Reichspräsident und Vaterland.
Als Vertreter der Stadt Fulda und der preußischen Staatsregierung sprach Oberbürgermeister Dr. Danze- brink, der zunächst die Entstehung der deutschen Männer- gesangvereine schilderte und dabei bis auf die Zeit von 1808 zurückging, wo durch den heute noch oft gesungenen Komponisten Zelter der erste M.G.V. gegründet wurde. Oberbürgermeister Dr. Danzebrink bezeichnete
das deutsche Lied als Kern deutscher Kultur.
Wer es pflegt, tritt ein in den Bann deutscher Volksverbundenheit. Unb weil gerade das deutsche Lied, neben vielem anderem, auch die Liebe zum Vaterland stark herausstellt, ist es auch als Bindeglied zwischen den im Ausland wohnenden Deutschen und der Heimat hoch zu bewerten. Deshalb nehmen auch Stadt und Staat regen Anteil an der Pflege des Chorgesanges. Diesem Anteil auch äußeren Ausdruck zu verleihen, konnte Oberbürgermeister Dr. Tanzebrink im Auftrage der Preußischen Staatsregierung dem Jubelverein die
Silberne Zelter-Plakette überreichen. Der Redner, dessen Ausführungen von echtem vaterländischen Empfinden getragen wurden, schloß seine Ansprache mit dem deutschen Sängergruß.
Der nächste Redner, Lehrer Echzell aus Kassel, der Vorsitzende des Mitteldeutschen Sängerbundes, überbrachte die Grüße dieses Bundes sowie Les Hauptausschusses des Deutschen Sängerbundes. Je eins Ehrenurkunde dieser beiden Korporationen überreichend, stellt er hierauf von großer Sachkenntnis zeugende kritische Betrachtungen über die Entwicklung des Liedes in den Vordergrund. Im heutigen Kampfe des Materialismus gegen den Idealismus soll der deutsche Männergesang zu dem Aufbau unseres Vaterlandes beitragen durch dis lebendigen Kräfte, die im deutschen Volkslied enthalten sind. Mit einem Hoch auf den Jubelverein und das deutsche Lied schlossen diefe trefflichen Ausführungen.
Für den Fulda-Rhön-Sängergau sprach fobanti Kaufmann Ruland, der neben seinen Glückwünschen für den feftgebenben Verein noch ganz besonders die Verdienste des ersten Eauvorsitzenden, Prokurist Zirkenbach, um die heimische Sängersache hervorhob.
Im weiteren Verlauf des Abends überreichten die Damen des Vereins ein Fahnenband und der Gremmel'sche
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Beförderung.
Mit Wirkung vom 1. Oktober wurde der hiesige Standortälteste, Herr Major von Berg, zum Oberstleutnant befördert.
25jähriges Dienstjubiläum.
Am 5. Oktober ist es Herrn Werkmeister Karl Ving vergönnt, sein 25jähriges Dienstjubiläum im hiesigen Reichsbahn-Ausbesserungswerk zu begehen.
Jagdreiten.
Die 2. Jagd der hiesigen Garnison wird morgen, Dienstag, geritten. Stelldichein am Südrand von Horas (vor der Furt). Halali am Westufer der Fulda bei Gläserzell. Die Zuschauer wollen sich um 11.30 Uhr auf dem Feldweg nördlich vom Carlshof bei Maberzell einfinden.
Konzerte „Alte Meister".
Adam Brühler, Violine, Fulda-Berlin und Heinz Schröter, Frankfurt a. M. veranstalten morgen, Dienstag, den 4. Oktober, abends 8 Uhr im Bürgerverein ein Konzert mit Werken Alter Meister. Die Hauptwerke des Programms sind eine Violinsonate von Nardini und das Violinkonzert in E-Dur von J. S. Bach. Die Vortragsfolge enthält des weiteren Klavierstücke von Telemann, Vach, Ramen und Scarlatti, sowie Violinstücke von Händel, Pugnani und Couperin. Sämtliche Werke werden in Fulda erstmalig zur Wiedergabe gebracht. Die Eintrittspreise sind äußerst niedrig angesetzt, um allen Musikfreunden den Besuch des Konzerts zu ermöglichen. (Näheres siehe Anzeige.)
Kassel, 1. Okt. (1000 Mark Belohnung für die Ermittlung von Brandstifter n.) Aus Anlaß einer großen Zahl von Brände, die in den Monaten Juli und August 1932 in den Landkreisen Fulda und Schlüchtern stattgefunden haben, hat die Hessische Brandversicherungsanstalt in Kassel für zweckdienliche Angaben, die zur Ermittlung des Täters oder der Täter führen, eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Die Verteilung hat sich die Brandversicherungsanstalt unter Ausschluß des Rechtsweges Vorbehalten.
Butzbach, 2. Okt. (Beim Aepfepflücken vom Tode ereilt.) Im benachbarten Ostheim wurde auf dem Felde ein Landwirt, der mit dem Pflücken von Aepfeln beschäftigt war, vom Tode ereilt. Mitten in der Arbeit erlitt er einen Schlaganfall und brach tot zusammen.
Männerchor Schlüchtern durch seinen Vorsitzenden einen Fahnennagel. Mit herzlichen Tankesworten für alle dem „Liederkranz" übermittelten Ehrungen quittierte der Ehrenvorsitzende Zirkenbach.
Der Festakt war umrahmt von musikalischen Darbietungen der Feuerwèhrkapelle und Gesangsvorträgen des Jubelvereins, die von den zahlreich Erschienenen bestens ausgenommen wurden.
Der anschließende Festkommers, an dem sich verschiedene Gesangvereine von Fulda und Umgebung beteiligten, brachte noch viel schöne Darbietungen deutscher Sangeskunst. Eine recht frische Note brachte die Barrenriege des Turn- und Fechtklubs in das reichhaltige Programm. Jede einzelne Leistung stand auf beachtlicher Höhe und wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
Gegen 12 Uhr abends war die Veranstaltung beendet und die Festteilnehmer suchten ihre Quartiere auf, um zu dem am Sonntagvormittag stattfindenden
Gesangswettstreit gerüstet zu sein. Dreizehn Gesangvereine, nach ihrer Stärke eingeteilt in drei Gruppen, rangen hier um die Siegespalme. Auf die einzelnen Leistungen der Vereine einzugehen, ist wegen Raummangels nicht möglich. Der Leser mag sich ein Bild machen durch die Preisverteilung, die folgendes Ergebnis zeitigte:
Es erhielten im E r u p p e n s i n g e n : In der Gruppe I. 1. Preis mit 70 Punkten, der Gremmel'sche Männerchor Schlüchtern, 2. Preis mit 58 Punkten der M.G.V. Blitzenrod, 3. Preis mit 40 Punkten der M.G.V. Hünfeld. — In der Gruppe II. 1. Preis mit 70 Punkten der M.G.V. Herolz, 2. Preis mit 60 Punkten der M.G.V. Friedewald, 3. Preis mit 52 Punkten der Musikverein Herbstein, 4. Preis mit 42 Punkten der M.G.V. 1926 Lehnerz, 5. Preis mit 38 Punkten der M.G.V. „Liederkranz" Hünhan. — In der Gruppe III.: 1. Preis mit 52 Punkten der M.G.V. „Gemüt- lickkeit" Petersber" 2. Preis mit 44 Punkten der M.G.V. „Frohsinn", Märbach, je 3. Preis mit 42 Punkten das Männerquartett Bronnzell und der Sängerchor 1930, Burghaun, 5. Preis mit 32 Punkten der M.G.V. „Rhönklang" Edelzell.
Im Ehrensingen wurden folgende Preise verteilt: Gruppe I. 1. Preis mit 78 Punkten Eremmel'scher Männerchor Schlüchtern, 2. Preis mit 76 Punkten M.G.V. Hünfeld. Gruppe II. 1. Preis mit 76 Punkten M.G.V. Herolz, 2. Preis mit 70 Punkten M.G.V. 1926, Lehnerz, 3. Preis mit 62 Punkten M.G.V. Friedewald. Gruppe III. 1. Preis mit 56 Punkten M.G.V. „Gemütlichkeit" Petersberg, 2. Preis mit 50 Punkten M.G.V. „Frohsinn" Mar- back«. 3. Preis mit 44 Punkten Sängerchor 1930, Burghaun.
Im Höch st ehrensingen war das Ergebnis folgendes: Gruppe I. 1. Preis mit 82 Punkten Eremmel'scher Männerchor, Gruppe II. 1. Preis mit 70 Punkten M.G.V. 1926, Lehnerz, Gruppe III. 1. Preis mit 62 Punkten M.G.V. „Gemütlichkeit" Petersberg.
Dirigentenpreise erhielten: Gruppe I. mit 19 Punkten der ME.V. Hünfeld, Gruppe II. mit 18 Punkten der M.G.V. Herolz, Gruppe III. mit 15 Punkten der M.G.V. „Gemütlichkeit" Petersberg.
Der Preisverteilung voraus ging noch eine
Kundgebung für das deutsche Lied.
Hierbei hielt der 3. Vorsitzende des Mitteldeutschen Sängerbundes, Herr Lehrr Becker-Fulda, eine Aitsprache an die Sänger. Er ermahnte zum Festhalten an der Sängersache. Das deutsche Lied muß zur Volkssache werden; es muß hineingetragen werden in alle Volkskreise und Volksteile bis hinein in die Familie. Dies sei mit ein Mittel zur Weiterarbeit an der Entwicklung des Deutschtums. Pflichterfüllung sei auch Sängersache. Als leuchtendes Vorbild der Pflichterfüllung sollen wir unserem 85- jährigen Reichspräsidenten nachstrcben. Mit einem Hoch auf den Reichspräsidenten und dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes wurde diese eindrucksvolle Kundgebung beendet. — Mit dem üblichen Festball, der am Abend im Etadtsaal stattfand, schloß sich der Kreis der Veranstaltungen, die anläßlich des 75. Geburtstages des „Liederkranz" durchgeführt wurden.
Frankfurt a. M., 1. Oktober. (Raubmord an einem B r o t k u t s ch e r.) Am Samstagabend gegen 19’4 Uhr wurde auf der Mainuferstraße zwischen Offenbach und Frankfurt ein Kutscher einer Offenbacher Brotbäckerei von zwei unbekannten Tätern überfallen, durch drei Schüsse getötet und seiner Barschaft von 200—300 RM. beraubt. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.
Frankfurt a. M., 1. Okt. (Der Polizeipräsident von San Francisco in Frankfurt, Darmstadt und Mainz.) Der Polizeipräsident von San Francisco O'Breil und ein leitender Beamter der dortigen Polizei, die zur Zeit in Bad Nauheim zur Kur weilen, statteten gestern Frankfurt einen Besuch ab, um das Kriminalmuseum zu besichtigen. Vorher waren die Herren in Darmstadt und Mainz.1 Sie statteten in Darmstadt dem hessischen Innenminister einen Besuch ab und besichtigten darauf in Begleitung von höheren Beamten des Ministeriums und Offizieren der hespfchen Polizei die Einrichtungen der Schutzpolizei in Darmstadt und der Mainzer Polizei. Besondere Beachtung und Anerkennung fanden die Darmstädter Polizeischule und die Notrufanlage des Mainzer Polizeiamts sowie die Uebungen größeren Stils.
Wiesbaden, 2. Okt. (Von der Hochzeit ins Krankenhaus.) In der Nacht zum Sonntag rannte in der Kreuzung von Friedrichstraße und Kirchgasse ein aus einem Vorort von einer Hochzeitsfeier heimkehrendes, mit sieben Personen besetztes Auto aus Nierstein gegen einen städtischen Omnibus. Der Wagenführer Petry erlitt eine Gehirnerschütterung, ein Teil der übrigen Fahrgäste, die alle ins Krankenhaus gebracht werden mutzten, Nervenschocks und Schnittwunden durch Glassplitter.
Darmstadt, 1. Okt. (Zwei Jahre Zuchthaus für e i n e n K i r ch e n d i e b.) Der vielfach vorbestrafte Metzger Emil Bleymehl aus Ottweiler an der Saar war in die Kapelle des katholischen Krankenhauses in Viernheim eingedrungen und stahl einen Abendmahlskelch aus Mep sing, von dem er an nahm, er sei aus Gold. Unter Ber- fagung mildernder Umstände wurde er zu zwei wahren Zuchthaus verurteilt.
Lindenfels (Odenwald), 2. Okt. (K e in W aff er auf Obst trinken.) Dem zehn Monate alten Kind eines hiesigen Tagelöhners hatten Hütekinder Zwetsck)en und dann Wasser gegeben. Alsbald stellten sich die Folgen ein und das Kind ist trotz ärztlicher Behandlung gestorben.