gehalten werden, dann hätte es sich um. soundsoviel vermehrt. Die wirklich einfältigen Leute wurden durch dieses Verhalten der Zigeunerin erst recht vertrauensselig. Alles verfügbare Geld wurde nun zusammengetragen und von der Zigeunerin fein säuberlich in ein schwarzes Tuch eingenäht und dann in eines der Kopfkissen gesteckt, wo es erst nach 9 Tagen wieder das Licht des Tages, „recht erheblich vermehrt", erblicken sollte. Nachdem sie noch ein recht gutes Beschwörungsgeld erhalten hatte, verschwand dann die Zigeunerin unter den besten Wünschen für eine recht fruchtbare Vermehrung der sauer erübrigten 200 Märker. Am 9. Tage wollte sie wieder auf der Bildfläche erscheinen. Als aber die 9 Tage vergangen waren, zeigte sich keine Zigeunerin, aber eine unbändige Neugierde bei den Wohnungsinhabern, die es kaum erwarten konnten, zu erfahren, um wieviel sich nun ihr Geld vermehrt habe. Erwartungsvoll machte man sich über das Kissen her, zerschnitt es und holte den Barchent heraus. Auch dieser wurde aufgetrennt und inmitten der Federn kam das schwarze Tuch zu Tage, in dem man nun einen wahren Schatz vermutete. Auf dem Tisch des Hauses wurde nun das Tuch — wobei allen Umstehenden das Herz bis zum Halse schlug — auseinandergeschlagen. Aber es fühlte sich alles so leicht an, Silber war sicher keines mehr drin, vielleicht aber Papier- — ja Papiergeld jauchste schon alles, da fiel die letzte Hülle und Leere, gähnende Leere starrte den Enttäuschten grinsend entgegen. Da endlich ging den Betrogenen ein Licht auf. Und jetzt rannte man zum Kadi. Es wird aber jetzt schwer sein, die Schuldige zu finden, denn inzwischen ist kostbare Zeit vergangen und das Geld vielleicht schon längst den Weg alles Geldes gegangen.
Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten
Merkblatt für den 1. Oktober..
1386: Gründung der Universität Heidelberg. — 1826: Der Maler K. v. Piloty in München geb. ■— 1845: Der Maler und Zeichner Adolf Oberländer in Regensburg geb. — 1879: Eröffnung des Reichsgerichts zu Leipzig.
Ein Mann muß sich selbst genug sein.
W. v. H umbold t.
Wetterbericht.
Trotz der Entwicklung eines kräftigen zentraleuropäischen Hochdruckgebiets werden über Frankreich entstandene Tiefdruckstörunqen sich auf unser Wetter auswirken. Sie werden sich voraussichtlich jedoch nicht tiefer in den Kontinent hinein entwickeln, sondern sich hauptsächlich nordwärts verlagern, so daß sich bald wieder Hochdruckeinfluß geltend machen wird. — Vorhersage bis Freitag abend: Nach stärkerer Bewölkung und Niederschlagstätigkeit bald wieder aufheiternd, bei abnehmender Schauerneigung Tagestemperaturen um 15 Grad, meist östliche und südliche Winde. —• Witterungsaussichten für Samstag: Stellenweise Frühnebel und nachts recht frisch, sonst vielfach aufheiternd und meist trocken.
* F u l d a, den 30. September 1932.
Helft helfen!
Die Kirchenregierung der evangelischen Landeskirche in Hesien-Kassel bittet ihre Mitglieder, sich auch an der dies- tähriaen Hiudenburosnende trotz aller Not der Zeit tatkräftig zu beteiligen. Dem Herrn Reichspräsidenten wird zu seinem 85. Geburtstag oadurch die größte Freude bereitet werden, daß alle, die dankbar zu ihm aufblicken, ihn in den Stand setzen, anderen helfen zu können.
Schont die Uferschutzbauten!
Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Schadenverhütung e. V. München, Bayerstraße 37/39.
Die Uferschutz-, Regulierungs- und Tammbauten werden trotz ihrer Bedeutung für die Landeskultur von der Bevölkerung nicht immer genügend geschont. Achtlos werden Beschädigungen der Dämme und Böschungen durch rücksichtsloses Viehweiden, Abweiden junger Faschinentriebe durch Schafe, Gänse, Enten usw. zugelassen oder beim Baden durch Abreißen, durch mutwilliges Feueranzünden an Schutzbauten Zerstörungen verursacht. Beschädigte Dämme und Böschungen sind der Anfang weiterer Wasserangriffe und bedeuten damit erhöhte Hochwassergefahr. Die Instandsetzungskosten sind beträchtlich. Da Verfeh- lungen solcher Art nicht immer rechtzeitig festgestellt werden' können, ergeht an die Bevölkerung, insbesondere an die interessierten Bevölkerungskreise, die dringende Mahnung, Beschädigungen von Uferschutzbauten zu
Letzte Nachrichten.
Funkmeldungendes „Anzeigers".
Herriot verläßt morgen Genf.
Paris, 30. Sept. Nach Meldungen aus Genf wird Ministerpräsident Herriot morgen Genf verlaßen, um erst wieder zu der auf den 10. Oktober anberaumten Sitzung des Büros der Abrüstungskonferenz dorthin zurückzukehren.
Turbinenstörung auf dem italienischen Riesendampfer
„Nex".
Gibraltar, 30. Sept. Der neue italienische 51000 Ton- nen-Dampfer „Rex" traf heute früh um 2.30 Uhr im hiesigen Hafen mit dreistündiger Verspätung ein. Er hat eine Störung an den Turbinen erlitten. Gegenwärtig sind Dockarbeiter an Bord beschäftigt. Gerüchte sind im Umlauf, daß die Reparatur mehrere Tage in Anspruch nehmen dürfte. Der Eindruck, daß der Schaden ernster N a t u r ist, wird durch das offizielle Stillschweigen noch verstärkt. An Bord des Riesenschiffes, von dem die Erbauer gehofft haben, daß es bei seiner ersten Fahrt einen neuen atlantischen Rekord aufstellen würde, befinden sich u. a. der amerikanische Botschafter in Rom und der vormalige Newyorker Bürgermeister Walker.
„Deutsche Wochen im Südwestfunk."
Wie im vergangenen Herbst veranstalten auch in diesem Jahre wieder die verschiedensten wirtschaftlichen Verbände im gesamten Gebiet des Reiches „Deutsche Wochen".
Ihre Aufgabe soll sein: die Bevölkerung auf den Wert und die Güte der verschiedenartigsten deutschen Waren hinzuweisen, die entgegen immer noch bestehenden Vorurteilen— besser wie größten Teils ebenso billig sind, wie gleiche Erzeugnisse des Auslandes.
Der Südwestdeutsche Rundfunk veranstaltet im Rahmen dieser Deutschen Wochen eine Reihe besonderer Vorträge, auf die im Nachstehenden besonders hingewiesen sei:
4. Oktober — 18.50 Uhr: Einleitender Rundfunk-Vortrag: „Deutsche Wochen 1932" von Dr. Fritz Langsdorf, Frankfurt a. M.
11. Oktober — 18.50 Uhr: Rundfunkvortrag: „Der deutsche Obst- und Gemüsebau, Möglichkeiten zu einer Qualitäts- und Absatzsteigerung" von Eartenbaudirek- tor Lange, Frankfurt a. M.
18. Oktober — 18.50 Uhr: Rundfunkvortrag: „Rationali- sierungsbcwegung im Handwerk" von Dr. Wagner, Wiesbaden.
19. Oktober — 18.45 Uhr bis 19.25 Uhr: Rundfunkgespräch: „Stadt und Land" von Karl Hepp, Vors. der Landwirtschaftskammer Wiesbaden und Prof. Dr. Neumark.
22. Oktober — 18.50 bis 19.15 Uhr: Rundfunkvortrag: „Industrie und Landwirtschaft zur Frage der Stärkung des Binnenmarktes" von Dr. Herbert Fabian, Frank- a. M-Nied.
28. Oktober — 18.50 bis 19.15 Uhr: Rundfunkvortrag: „Qualitätsarbeit im Handwerk" von Dr. Knöpp, Frankfurt a. M.
2. November — 18.50 bis 19.15 Uhr: Rsicndfunkvortrag: „Maler und Bildhauer" W. Fahrenbruch — „Deutsche Landschaft, Deutsche Arbeit, Deutsche Schrift".
4. November — 18.25 bis 18.50 Uhr: Rundfunkvortrag: „Die deutsche Industrie und die Deutsche Woche" von Fabrikant Karl Becker, Offenbach a. M.
8. November — 18.50 Uhr: Rundfunkvortrag von Prof. Schmidt: „Die Erziehung zur deutschen Arbeit".
9. November — 18.50 bis 19.25 Uhr: Rundfunkvortrag: „Stadt und Landfrau im Dienste der Deutschen Woche" von Johanna Bopp, Darmstadt.
Im Rahmen der Stunde des Landes des Südwestfunks, findet anläßlich der Deutschen Woche ein Zyklus von Vorträgen über: „Die Lage der deutschen Landwirtschaft", statt.
Außerdem findet in der zweiten Hälfte des Oktobers eine graphische Ausstellung: „Deutsche Landschaft, Deutsche Arbeit, Deutsche Schrift" unter Leitung von Maler und Bildhauer W. Fahrenbruch im Gebäude der ehemaligen Vereinsbank, Frankfurt a. M., Junghofstraße. statt. Es werden Originalzeichnungen, Holzschnitte, Radierungen, farbige Zeichnungen, die die Seele der deutschen Landschaft, das Wesen der deutschen Arbeit
urcd die Eigenart der deutschen Schrift zeigen werden, ausgestellt.
Die deutsche Jugend wird durch die bündische Jugendbewegung in geeigneter Form sich in den Dienst der Deutschen Woche stellen.
Theatergemeinde Fulda.
„Der Raub der Sabinerinnen" von Franz und Paul Schönthan.
Schwank nennen die Verfasser ihr Bühnenstück und nicht Lustspiel. Und sie taten recht daran. Denn das Lustspiel folgt anderen künstlerischen Gesetzen als der Schwank, der mit seiner bewußten Betonung des Karikaturhaften und der mehr losen Aneinanderreihung komischer Momente eine Mittelstelldng einnimmt zwischen der derb-komischen Posse und dem feineren Lustspiel. In diesem drängt die gesamte Handlung trotz aller im Wesen der Bühnendichtung begründeten hemmenden Momente in einheitlicher, klar überschaubarer Linienführung auf einen einzigen, ganz bestimmten Zielpunkt zu. Zielstrebigkeit in der Durchführung der Gesamthandlung und festumgrenzte Umrahmung der einzelnen Bilder und Szenen sind also die künstlerisch-technischen Vorbedingungen eines echten Lustspiels. Und ein solches ist „Der Raub der Sabinerinnen" nicht. Sondern in diesem Stücke laufen mehrere, von einander abhängige Handlungsmotive nebeneinander her, die wohl ineinander übergreifen und sich häufig auch gegenseitig ergänzen, die aber untereinander sich nicht organisch bedingen. Tenn mit dem tragenden Hauptmotiv: was wird aus der Uraufführung der dichterischen Jugendarbeit des Professors Martin Gollwitz? hat die fast den ganzen zweiten Akt ausfüllende Behandlung der Jugendsünden des Dr. Neumeister, des Schwiegersohnes des Professors, organisch nichts zu tun, und ebenso wenig auch das Techtelmechtel zwischen Paula Gollwitz und dem Saisonschaufpielèr Sterneck. Auch liegt dem gefälligen Spiele der heiteren Muse nicht etwa eine tiefere sittliche Idee zugrunde. Aber das haben die Verfasser auch gar nicht beabsichtigt, sondern sie wollten lediglich ein amüsantes Unterhaltungsstück geben, und das ist ihnen trefflich gelungen, trefflich vor allem wegen ihres schier unerschöpflichen Reichtums an köstlichen Einfällen und komischen Situationen.
Auf den Brettern steht oder fällt das Stück mit der Darstellung des Theaterdirektors Emanuel Striese. Ihn haben die Verfasser mit besonderer Liebe und Sorgfalt behandelt. Schon sein sächsischer Dialekt sichert ihm von vornherein eine bestimmte komische Wirkung. Reizt diese Mundart schon in der Umgangssprache einen Nichtsachsen zum Lachen, wieviel mehr erst bei einem solchen mit drolligster Komik gewürzten Stück. Und dazu hatte der Emanuel Striese gestern abend in Herrn Paul Richter-Mauer seinen ebenbürtigen Partner gefunden. Damit war der Erfolg des Abends gesichert. Wie er den guten Professor Gollwitz durch die falsche Aussprache der römischen Namen aus dessen aufzuführender Tragödie schier zur Verzweiflung brachte, war geradezu unnachahmlich. — Eine Glanzleistung gab auch Hans Guthke mit seinem etwas hilflosen, ängst-gut- mütischen Professor Gollwitz. Wie der in seiner Not und Ratlosigkeit sogar seiner Frau gegenüber einmal über sich selbst hinauswächst und energisch wird und auf den Tisch klopft, ist ist köstliche Komik. Herzerquickend und frisch war auch das Dienstmädchen des Frl. Annette de Vries. Bei ihr wirkte noch ihr unverfälschter rheinischer Dialekt besonders belustigend. Aber auch alle anderen Darsteller zeigten sich ihren Aufgaben voll gewachsen, so vor allem der liebenswürdige Racker Paula, den Frl. Maria Wolters mit aller Frische und klug berechnender Schläue spielte. Und war es schon sehr drollig, wie der ehrsam-bescheidene Professor sich in seiner Verzweiflung von seinem etwas leichtlebigen Schwiegersohn 500 Mark borgt, so war die Art, wie der sie ihm lieh, ein wahres Kabinettstiickchen. Unübertrefflich auch die den einzelnen Situationen angepaßte glänzende Mimik dieses Schwiegersohnes des Herrn Bodo Bronsky. Alles in allem eine einheitliche, schauspielerisch gute Gesamtleistung, der denn auch ein voller Erfolg beschieden war.
Und nun noch ein Wort an das Theaterpublikum. Der Erfolg jeder Bühnenaufführung ist abhängig nicht nur von der schauspielerischen Leistung der Darsteller, sondern auch von dem Interesse der Zuschauer an dem Gegenstand und von deren innerer Bereitschaft, die erst die wahre Resonanz für das Spiel abgibt. Und dazu gehört auch die Pünktlichkeit. Und da hapert es hier in Fulda noch. Wenn eine Vorstellung um 8 Uhr angesetzt ist, darf es nicht vorkommen, daß sich erst gegen 8.30 Uhr der Saal mählich zu füllen beginnt. Kl.
Löjähriges Dienstjubiläum.
Am 1. Oktober begeht Herr Werkführer Josef Rehm im hiesigen Eisenbahnbetriebsamt sein 25jähriges Dienstjubiläum.
Deutschlands meistgekaufte Margarine
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