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Feinde.

Skizze von Susanne Tornwald t.

Ein kleines Tiroler Gebirgsdorf.

Die alte Kirche inmitten des Friedhofs über trauben- schweren Weingärten stand schlaukgctürmt und hoch vor einem zartgrünen Himmel. Die Sonne war hinter west­lichen Bergen verschwunden, tauchte östliche Bcrgspitzen in allerhand goldene Töne und hatte die Wolken rosenrot gemalt, bis auf einen dicken Wolkenberg, der schneeweiß dazwischen leuchtete, was absonderlich und sehr schön aussah. Ich kam durch das steinerne Friedhofstor und an der Totenrapelle vorbei.

Nein, ich kam nicht vorbei. Zwei Buben und ein Mädele sah ich davor; sie hatten die kleinen Pfoten flach zum Gebet aufeinander gelegt und guckten andächtig. Eng beieinander unter den gleichen Blumen, vor den gleichen Kerzen und hinter demselben Weihwasserbecken standen zwei Särge. „Wer...?" fragte ich leise dasMädelchen. — „Dieertrunkene BueEn", flüsterte sie geheimnisvoll zurück, „der Kleine hot'n Großen reifn wolle, do hot'n der Große mitg'nomme." Dann tauchte sie einen Zweig ins Weihwasser, sprengte über die Sarge und schlug ein Kreuz. „Grüß Gott!" weg waren die Drei, im Trab den Berg zum Dorf hinunter.

Ich stand ganz versunken in dieses furchtbare „Do hot'n der Große mitg'nomme", sah die brüderlich aufgebahrten Särge, ging dann langsam die paar Schritte zur Kirche weiter.

Die war leer. Dämmerung darin, Duft alten Weih­rauchs um die sorglos sich selbst überlassenen schöngetriebenen Geräte auf dem Altar. In ben holzgerahmten Kästen über den Beichtstühlen knackte aufgespeicherte Sommertagshitze. Ich schob mich ins holzgeschnitzte Gestühl am Mittelgang, so daß ich den Hochaltar im Rücken hatte, denn die Eingangstür unter der Orgel stand ioeit offen und rahmte zusammen- gesunkene Gräber unter schmiedeeisernen Kreuzen und dem grell flammenden Gelb eines Goldbällchenbuschs. Dämmerung und Mystik dieses fremden kleinen Gotteshauses spannen mich ein. „Da hat ihn der Große mitgenommen..." gleich­mäßig, unaufhörlich wie Rosenkranzperlen glitten die Worte an mir vorüber, ohne daß sich mehr eine klare Vorstellung damit verband, nur etwas wie leiser Sckstuder. Ich erschrak herzhaft, als in dieser Versunkenheit tapsende Schritte vom Hochaltar zu mir herabkamen. Ich gefror sozusagen. Was sollte man schon von tapsenden Schritten hinter sich denken, wenn man die offene Tür vor sich hatte? Sie hielten neben mir an. Eine Stimme sagte beruhigend irdisch: „Nu wolle wir's Kirchle zuschperre." Es war der Mesner, ein freund­licher Mann mit schwarzem Bart. Wir gingen. Er sperrte 's Kirchle zu. Als wir an der Kapelle vorbeikamen, fragte ich ihn, was es mit den toten Buben auf sich habe.

Man stellt sich da unwillkürlich etwas Sieben- oder Acht­jähriges vor. Aber hierzulande ist die Bubengrenze weiter g 'steckt. Der Schlechtleitner-Guido ist vierzehn und der Ptattner-Alois schon einundzwanzrg gewesen, sagte Del Mesner. Ob ich den See drüben im Talkessel kenne, fragte ei mich. Wohl, ich kannte ihn, hätte einmal darin geschwommen, es sei jedoch kein Vergnügen gewesen: Unterwasserfelsen, die einem die Knie ritzen, Wasserrosengeschling ... So, so. Nur man solle das Schwimmen da lieber bleiben lasten, der See hätte schon manchen hinuntergeschluckt.

Ich sagte nichts dazu. Er sollte nur erzählen. Das ta! er auch, wenn auch verkehrt herum, vom Ende her. Später stellte sich alles so dar: der Plattner-Aloi? und der Schlecht­leitner-Guido hätten, verschieden wie sie geschaffen waren, bestimmt nichts miteinander zu tun gehabt, wenn sie nicht Nachbarn gewesen wären. Was man so Nachbarn nennt. Der Schlechtkoflerhof thronte über den gestuften Mauern seiner Weinberge und über dem Wiesenhof vom Plattner. Unten lag der See, jenseits der Glückswirt und eine Stunde weit das Dorf. Man hatte talwärts denselben Weg, der über den Schlechtkoflerhof führte. Man konnte sich also wohl oder übel nicht aus dem Wege gehen. Dem Guido machte das wenig aus, aber in den Alois Plattner fraß sich etwas Gif­tiges, etwas Unchristliches, wenn er den Guido zu Gesicht be­kam. Dabei sah er sanft und blond aus, dieser Alois, und ließ sich, was Lesen, Schreiben und Religion anlangt, lebens­lang nicht übertreffen. Der Kleine dagegen war ein rechter Dreibast mit seiner ewig knallenden, schöngezwickelten Peitsche und seinem Fahrrad, auf dem er in schauderhaft zugerichteten Lederhosen wie ein Toller den Weg talab sauste. Der ließ auf der Alm Kühe Kühe sein, um nach Edelweiß in die gefährlichsten Felsenwinkel zu kriechen. Mit dem See stand er auf du und du, wußte genau. wo der das Schwimmen er«

Schutzimpfungen durch Bienenstiche.

Sind Kreuzotterbisse in Zukunft harmlos? — Mäuse und Meerschweinchen werden durch Schlangengift gerettet. — Das Denkmal der dankbaren Liebespärchen.

Von Georg W. Claudius.

Die außergewöhnlich heißen Sommertage dieses Jahre? haben in verschiedenen Gegenden Deutschlands zwei Erschei­nungen in auffallendem Maße gezeitigt: Schlangenbisse und Bienenstiche. Besonders erstere erfuhren im Durchschnitt gegen das vorige Jahr eine hundertprozentige Steigerung.

Angesichts dieser Tatsache müssen Versuche und Fest­stellungen, die im Laufe des Sommer? auf diesem Geoiete gemacht wurden, besondere? Interesse wecken. Es handelte sich darum, ein geeignetes Schutzmittel gegen Schlangenbisse zu finden. Das vor ärztlicher Seite empfohlene Aussaugen, Aus­brennen oder Ausschneiden der kleinen Bißwunde genügt leider nicht, um in allen Fällen die Todesgefahr zu beseitigen, ganz abgesehen davon, daß der Betroffene nicht immer in der Lage ist, diese Hilfsmittel anzuwenden. Ebenso wenig hat man Alkohol als Gegengift immer zur Hand, und noch weniger Menschen sind in der Lage, sich mit dem von wissenschaftlichen Instituten gelieferten Schlangenserum zu versehen. Ganz ab­gesehen davon, daß die Wissenschaft heute gar nicht in der Lage ist, die von Aerzten, Forschern und Jägern angeforderten Mengen von diesem teuren Serum herzustellen.

Als idealer Schutz gegen Schlangengift kann nur eine Impfung angesehen werden. In dieser Richtung bewegten sich die Forschungen der Aerztin Marie Phisalir, die kürzlich in einer Fachzeitschrift über chre Untersuchungen berichtete. Im Laufe ihrer Experimente kam sie dazu, ein Meerschweinchen im Gewicht von einem Pfund durch acht Bienen stechen ?u lassen. Der Stachel selbst blieb in jedem Fall in der Haut des Tieres zurück. Die Folgen beschränkten sich auf vorübergehende Schmerzerscheinungen, verbunden mit leichter Anschwellung der Gewebe rings um die Stichwunden.

Drei Tage nachher erhielt das Versuchstier eine Kreuz-« ottergift-EinsPritzung unter die .Haut. Unter normalen Um­ständen würde die Dosis genügt haben, um das Meerschwein­chen innerhalb sechs Stunden zu töten. Doch jetzt überstand das Tier die Injektion, ohne daß sich nennenswerte Vergiftungs- erscheinunZen geMMLäMu.

laubte und wo nicht, ünd' brachte seit ein paar Tagen der Zita vom Ebcnerdnerhof die Arme voll Seerosen mit. Wofür ihm die Zita nach eigner Aussage „viel gern" hatte.

Na, auf so einen Halodri, auf so eine grüne Rotznas' wird man nicht eifersüchtig sein! Aber es ist einmal unangenehm, wenn einer all das kann, was man selbst nicht kann. Einer, der sieben Jahr weniger zählt. Es ist arg, so ein Zarter, Langaufgeschossener zu sein, dem meistens der Rücken wehtut und der sich dazu auslachen lassen muß. Das besorgte der Guido gründlich und mit ganz unbeschwertem Gemüt. Immer war das so gewesen: als Fünfjähriger hatte er dem Zwölf­jährigen die Äepsel vor der Nase wcggestohlen. Mit sieben ihn in Angelegenheiten beim Kühe-Eintreiben gebracht. Mit zwölf den "Achtzehnjährigen ins Heustadl gesperrt, was der oben im Heu mit seinem Buch vor der Nase erst gemerkt hat, als es mit Nachtessen und Morgcubrot aus und gar war und er den Spott auf nüchternen Magen zu schlucken kriegte. Einzelheiten aus der Fülle der Ereignisse, die in einem Jungendasein schwer wiegen wie im Völkerdasein schwerste diplomatische Verwicklungen. — Der Alois ließ sichs auch nicht verdrießen, und wenn er von seiner Buchweisheit her dem andern einen Schaden tun konnte, dann tat er ihn. Zwischen diesen beiden, Alois und Guido, war eine feste Feindschaft ins Kraut geschossen. Furcht und Haß einerseits, Verachtung andererseits.

Damit kamen der letzte Sonntag und die Dorfmusik beim Glückswirt und der reichliche offene Rote, den der Alois als Sporn benötigte. Denn er machte sich nicht viel aus dem Tanzen (was dem Tanzen anzumerken war), dagegen viel aus der Zita und die ihrerseits aus dem Tanzen, so daß der Ring irgendwie durch den reichlichen offenen Roten wieder ge­schlossen werden mußte. Wenn einer das Herz mit Liebe und den übrigen Menschen mit offenem Roten eingeheizt hat gerät er in Feuer. Als die Burschen begannen, die Z' ü mit ihrem neuesten, speckhoscten, halbgaren Kavalier au;;u sichen, der ihr die Seerosen heranschaffen müßt', weil „der Loisl 's Wasser nur vom Buchschtabiere her kenne tät'", sta • er auf und sagte kühn: „Ihr könnet's ja erlebe, daß ic- d' Ros'n bringe tu!" und begab sich auf der Stelle, geleitet von der Horde der sensationslüsternen Spötter, ans Werk.

Jenseits des Sees — er ist nicht breit, der See — wusch und putzte der „spcckhosete, halbgare Kavalier" sein Rad. Es war eine Tätigkeit, der er sich mit Hingabe zu wid­men Pflegte. Er warf einige wohlwollende Bemerkungen herüber, als er erfaßt hatte, um was es sich handelte, und sah sich die Sache an. Der Alois ging vorsichtig tastend ins Wasser, da, wo er den Seerosen am nächsten war. „Du Lackl", brüllte der Guido von drüben, „da kannscht do nit ran, do versäufscht ja!" Darum ging der Alois erst recht vor. Das Master ging ihm bald bis an den Hals. Dabei war die nächste Seerose immer noch gut zwei Meter weit ab; er mußte seine paar mühseligen Schwimmstöße wagen.

. Währenddessen hatte der Guido drüben das Rad an einen Stein gelehnt, seine gefährlich fleckige Büx und das Hemd ausgezogen — was er sich ruhig leisten konnte, denn darunter faß ein für allemal die Badehose — und angefangen, ziel­bewußt auf den Alois loszukraulen. Im Augenblick, als der mit den langfingrigen Stengeln ins Handgemenge kam und schrie: „Hülfe! 's hot mich! I vertrink'!", sah er vor sich des wasserspuckenden Goido braunes, ärgerliches Gesicht — „Lackl, Du blöder... b'sinn' Di... hier, holt Di fescht! I ziag Di scho außi..."

WaS ist nun in dem Alois vor sich gegangen? War es Todesangst, bis ihm den Verstand nahm? Wut, daß der andere, der junge, dieser Halodri wieder konnte, was er, der Loisl, nicht konnte? Haß, der ihn über eigenes Leben und Sterben nur an die Vernichtung des anderen denken ließ? Aeußerlich war es so: Der Alois packte sest mit beiden Händen um des Guido Kopf, zog ihn unter sich, versackte mit dem schlagenden, sich wehrenden Körper zwischen grünem, ver­spinnendem Geschling, über dem sanft und trügerisch die weißen Rosen schwammen. Als man. sie mit Stangen und Netzen herausfischte, waren die beiden ineinander verkrampft, wie in unersättlichem Kambs. —

Am nächsten Frühmorgen sind sie miteinander in einem Grab begraben. Ein wundersamer verschwommener Herbst-. morgen, die Berge in blauen Schleiern, durch die mit zarten Strahlenfingern die Sonne griff. Festlicher Glanz von vielen bunten Herbstblumen war über allen Gräbern.

Es ist ein Hügel über Alois Plattner und Guido Schlecht­kofler. Auf den beiden schmalen Holzkreuzen stehen die Namen und „Ruhe in Frieden!"

Das überraschende Ergebnis reizte zu neuen Versuchen., Ein anderes Meerschweinchen erhielt zehn Bienenstiche und außerdem eine Einspritzung, die aus dem Gift von sechs Bienen stammte. Acht Tage später erfolgte die Injektion einer unter gewöhnlichen Umständen unbedingt tödlichen Dosis Schlangen­gift. Letztere Einspritzung wirkte sich dieses Mal in keiner Weise aus.

Bei Versuchen mit Mäusen wurde das gleiche Ergebnis erzielt.

Nun versuchte die Aerztin das Experiment in umgekehrter Reihenfolge. Sie impfte Mäuse mit einer Schlangengiftlösung, der durch vorherige Erhitzung die tödliche Wirkung genommen worden war. Achtundvierzig Stunden später erhielten die eine Mau? fünf, die anderen je drei Bienenstiche. Die Versuchstiere überstanden das Experiment, während zwei Mäuse, die nicht vorher durch eine Schlangengift-Einspritzung geimpft worden waren, in fünfzehn Stunden vezw. tn drei Tagen eingingen.

Das Ergebnis dieser Versuche kann demnach kurz zu­sammen gefaßt werden: Es scheint keinen Zweifel mehr dar« über zu geben, daß Kreuzotter- und Bienengift sich gegenseitig in ihren nachteiligen Wirkungen aufheben.

Obwohl ähnliche Versuche, wie die von der Aerztin Marie Phisalix unternommenen, noch nicht bei Menschen gemacht wurden, besteht doch keine Veranlassung, daran zu zweifeln, daß sie den gleichen Erfolg zeitigen würden. Wir hätten also die Möglichkeit, uns durch Schutzimpfungen mit dem Giftstoff der Bienen gegen die nicht nur nachteiligen, sondern oft genug tödlichen Auswirkungen eines Kreuzotterbisses zu schützen. Eine Impfung gegen Bienenstiche durch Einspritzung von Schlangengift erscheint dagegen in anbetracht der verhältnis­mäßigen harmlosen Wirkungen des Bienengifte? auf den menschlichen Organismus von geringerer Bedeutung.

Auf jeden Fall sind — falls bis dahin das Bienenserum in genügenden Mengen auf den Markt gelangt — für den nächsten Sommer die Aussichten des Naturfreundes auf ungetrübten Genuß der Wander- und Lagerfreuden gewaltig gestiegen. Die Liebespärchen in aller Welt aber sollten den Bienen aus lauter* Dankbarkeit ein Denkmal setzen. Keine Kreuzotter wird mehr m der Lage sein, eine sommerliche Idylle am sonnigen Wald-

Hein bietet.

Skizze von E. L. Hagedorn.

„Du, Hein, der Sommer ist nu auch vorbei", sagte Willi zu seinem Freunde. Der knurrte etwas, das Zustimmung oder auch was anderes bedeuten konnte, und guckte einer kleinen Ackerschnecke m, die mit Ausdauer auf einem vergilbten Kajtanienvtatt eine Weltreist unternahm. Da sie aber daran nichts Genießbares fand, glitt sie mühelos und ohne Er­schütterungen auf ein Stück Zeitungspapier über und betastest mit ihren Stielaugen eine schwarzumrandete Anzeige mit der fettgedruckten Schlagzeile „Gemäldeauktion". Plötzlich zuckte in Willi ein Gedanke auf:

„Einen anständigen Anzug, wenn ich den hätt', da täte ich morgen Geld verdienen."

„Wo denn?" fragte Hein.

Wille stieß mit der Spitze seines rechten Schuhs auf die Anzeige: „Da!"

Hein lachte kurz auf: „Willste vielleicht Bilder kaufe«?" „Klar."

Hein wurde wütend: „Bist ja verrückt. Wovon denn, von Deinem Stempelgeld?"

Willi zuckte mit der Schulter: „Man muß nur Mut» haben. — Kannste mir keinen Anzug pumpen? Soll Dein Schaden nich sein."

„Hab' selber keine bessre Schale. Mein Bruder, der hat einen, aibt'n aber nicht her."

„Bloß drei Stunden brauch ich ihn, dann kriegst'n wieder."

Vor der vornehmen Privatvilla standen einige Kraft­wagen. Ein gutes Dutzend Interessenten hatte sich eingefunden. An den Wänden und auf Staffeleien waren die zum Verkauf ausgestellten Bilder in ein günstiges Licht gerückt. Man bvt zögernd, einige kleinere Oelgemälde waren zu niedrigen Preisen zugeschlagen worden. Nun schritt der Auktionator zu einem Gemälde, das in einem breiten Nußbaumrahmen allein an der Schmalseite des Raumes hinL. Ein Landschaftsbild, das durch seinen zartbläulichen Ton und die peinliche Ausführung be­sonders auffiel. Sofort kam Leben in die Besucher. Man blätterte in dem Katalog, schrieb Notizen auf den Rand, eine Spannung lag über dem stillen Raum.

„Ein echter Jan Brueghel", rief die etwas heisere Stimme des Auktionars, „der Samtbruegyel, 1608 schätzungsweise. Katalogwert 80 000 Mark. — Wer bietet?"

„Zehntausend" rief ein dicker Herr und putzte eifrig seine goldgerandete Brille.

„Zehntausend sind geboten..."

„Elftausend", sagte ein kleiner Mann und blickte auf den Dicken.

„Elffünfhundert", überbot dieser.

„Elftausendfünfhundert zum ersten..."

„Zwölftausend", schrie der Kleine und trippelte nervös zwei Schritte vor.

„Zwölftausend sind geboten. Zum ersten, zum zweiten..

„Dreizehn", erscholl eine Stimme von der Tür her.

Alle blickten sich nach dem jungen Mann in dem schlichstn blauen Anzug um; keiner hatte ihn vorher bemerkt. Es mußst ein Interessent sein, der eben erst gekommen war.

„Dreizehntausend zum ersten..."

Der Dicke fuhr sich mit seinem seidenen Taschentuch über, die Glatze: „Dreizehntausendfünfhundert".

„Fünfzehntausend", bot der junge Mann. Einige lachten schadenfroh. Der Keine nervöse Herr steckte seinen Katalog in die Rocktasche. Hier gab eS einen Kampf, dem er nicht ge­wachsen war.

„Fünfzehntausend sind geboten. Zum ersten, zum zweiten, niemand mehr..."

Der Dicke schnappte nach Luft: „Sechzehntausend".

„Siebzehn", sagte der junge Mann und zündete sich gleich­mütig eine Zigarette an.

„Siebzehntausend zum..." Der Auktionator wurde von dem dicken Herrn unterbrochen, der ihm einige Worte zu- flüsterte. „Siebzehntausend sind das letzte Gebot", sagte der Ausrufer, „ich unterbreche für eine halbe Stunde."

Der dicke Herr stürzte sofort auf den jungen Mann los: „Kann ich Sie einen Augenblick sprechen?"

„Bitte."

Er zog ihn in das Nebenzimmer, in dem nur einige billige Möbel wahllos umher standen.

„Für wen bieten Sie?" fragte der Dicke.

„Geschäftsgeheimnis."

„Das Bild ist nicht mehr wert als fünfzehntausend Mark, wo heute das Geld so knapp ist."

„Dann hätten Sie doch keine sechzehn bieten sollen."

„Ich habe einen Auftrag, von einem Amerikaner." Er blickte den jungen Mann triumphierend an.

„Möglich. Interessiert mich aber nicht."

„Weiter als bis achtzehn gehe ich nicht."

„Dann werde ich kaufen."

„Was wollen Sie mit dem Bild? Sie werden darauf sitzen bleiben."

„Es gefällt mir." . .

„Ich gebe Ihnen zweihundert Mark, wenn Sie nicht über achtzehn bieten." , .

Der junge Mann verzog geringschätzig die Mundwinkel und blickte aus dem Fenster: „Und meine Provision?"

„Dreihundert... vierhundert."

Der Dicke schwitzte, schneutzte sich in sein Taschentuch und sah sein Gegenüber gespannt an.

„Fünfhundert", stieß er endlich hervor.

„Gemacht!" ---*

„Mensch, Hein" fragte Willi und kaute an einem Schnitzel „was sattste denn angefangen, wenn Du auf die swbzchU Mlle hängen geblieben wärst?"

„Getürmt! Was denn anders? Prost!"

Neber die Stoppelnd

Ueber die Stoppeln läuft geschwind ^Sausewind —

wollte die Aehren zerren und zausen, sinkt den Meeren wettebrausen — Mun rennt er über die Stoppeln her, »Und sucht nach den Aehren «und fällt in die Mühlenflügel schwer, als ob sie Golfes Arme waren.

s. Schüler.