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Das Priv. Lyzeum der Evgl. Gemeinde im Wandel der Zeiten.

Treffen der früheren Lyzealistinnen.

Auch die Zusammenkunft der ehemaligen Schülerinnen des Privaten Lyzeums der Evangelischen Gemeinde mit dem Lehrerkollegium nahm einen überaus harmonischen Verlauf. Zwar waren durch die übereilte Verschiebung doch manche wieder abgereist und andere leider verhindert, wer aber kam, hat einen sehr schönen Abend in dem sinnig geschmückten Gemeindehaus mitverlebt. Der Direktor be­grüßte die Erschienenen im Namen des Kollegiums herz­lich. Er wies darauf hin, daß die Schule jetzt 66 Jahre ununterbrochen besteht und genau dreißig Jahre im jetzigen Schulhause ist. Der Wandel der Zeit spiegelt sich auch in der Geschichte des Lyzeums. Einst verwies der hohe Magi­strat die Schülerinnen auf die Straße, weil ein Schulhof fehlte. Heute lernt jedes Kind, daß die Straße dem Ver­kehr dient. Einst fürchteten Eltern, daß die Einführung des Turnunterrichtes Mehrausgaben für zerbrochene Bril­lengläser verursachen könnte, heute ist Spiel und Sport eins der wichtigsten Lehrfächer geworden. Wie treu von jeher hier gearbeitet worden, beweist der erste Nevisionsbericht von 1868, in dem der Oberschulinspektor selbst Umwandlung der Schule in eine anerkannte höhere Töchterschule, und zwar aus Staatskosten, beantragt. Mit herzlichstem Dank gedachte die Versammlung aller früheren Lehrer, die be­dauerlicherweise zu spät eingeladen und nun verhindert waren. Besonders gedachte man der Heimgegangenen, vor allen der früheren Leiter Pfr. Schäfer, Reich und Fritsch, sowie der verehrten Lehrerinnen Frl. Scart- man, Menger, Böttcher und Ruhl. Ihr Ziel, die Schule durch gute Leistungen hochzubringen, soll und muß auch das Ziel des heutigen Kollegiums sein. Der Unterricht ist heute bekanntlich wieder völlig anders als in der Vorkriegszeit. Die Mitarbeit der Schülerinnen wird überall erstrebt, zu eigenem Denken und Urteilen soll der Unterricht anleiten. Aber es scheint sich in der Gegenwart wieder ein Wandel anzubahnen. Dieser Wandel geht so­gar von den jungen Mädchen selber aus. Die letzten Jahr­zehnte standen im Zeichen der Angleichung der Mädchen- schulbildung an die der Knabenschulen. Dagegen wehrt sich das junge Mädchen von heute. Mit darum und nicht bloß aus Geldnot entvölkern sich die Oberlyzeen und Stu­dienanstalten. Tas Ziel wird wieder die gebildete Haus­frau. Aber die Zeit kommt diesem gesunden Streben der jungen Mädchen nicht entgegen. Selbst im Elternhaus werden die Berufe für die Tochter bevorzugt, die Pensions­berechtigung und Versorgung bieten, ohne nach der Veran­lagung der Tochter zu fragen. Wenn nun gar Frauen­arbeit im „Warenhausdes Lebens unter die billigen Sachen" gerechnet wird, wenn in Un­ternehmerkreisen allen Ernstes gefragt worden ist, ob schlanke oder korpulente Verkäuferinnen einzustellen sind, dann kann sich jeder vorstellen, daß diese Bewertung er­niedrigend und ertötend aus die weibliche Seele wirken muß. Darum riefen wir die ehemaligen Schülerinnen zu­sammen, daß sie hier helfend eingreifen, daß sie die Kame­radschaft pflegen, die alten, lieben Erinnerungen austau­schen und ihre Erfahrungen aus dem Berufsleben den jüngeren Schwestern in Aussprechabenden mitteilen, um sie zu allem Guten geschickt zu machen. Wer Deutschlands Heranwachsender Jungmädchenwelt hilft, das Ewig-Weib­liche zu bewahren, rettet zugleich Deutschland, denn „Deutschland, soll es auf eine Zukunft voll Sonne jetzt bauen, braucht deutsche Frauen".

Noch vor Weihnachten soll der erste Aussprechabend stattfinden, K.

Aus den Parteien.

Nationalsozialistische Kundgebung.

Im vollbesetzten Stadtsaal fand am Samstagabend eine öffentliche Kundgebung der NSDAP., umrahmt von schnei­dig vorgetragenen Märschen der Hersfelder S.A.-Kapelle, statt. Herr Schüßler eröffnete die Versammlung und erteilte dann dem Hauptredner des Abends, Herrn Len­ge m a n n M. d. R. aus Kassel, das Wort zu dem Thema des Abends: „Gegen Klassenkampf und Her­renklub. Für Adolf Hitler."

Einleitend ging der Redner auf die Ereignisse des Jahres 1930 ein, wie die NSDAP, um die Macht gekämpft habe und wie man sie dann 2 Jahre lang verfolgt habe. Aber sie sei dadurch nur fester zusammengeschmiedet wor­den. Das Verdienst der NSDAP, sei es gewesen, daß Brüning gehen mußte. Dann sei Herr von Papen gekom­men, den man bis dahin nur im Herrenklub gekannt habe. Herr v. Papen habe als langjähriger Zentrumsmann die langvorbereitete Notverordnung Brünings erlassen, die die Nationalsozialisten genau so bekämpft hätten wie alle anderen. Wenn je eine Demokratie bestanden habe, so hätte v. Papen nach dem großen Wahlsieg der NSDAP, am 31. Juli zurücktreten müssen. Herr v. Papen habe ge­glaubt, die Nationalsozialisten für sich einspannen zu kön­nen. Aber die NSDAP, verlange, daß der Kurs in der Politik von ihr bestimmt werde, wenn sie an der Regie­rung sei. Es sei eine Lüge, daß man der NSDAP, auch den preußischen Ministerpräsidentenposten angeboten habe. Wäre dies der Fall gewesen, so wäre Hitler vielleicht zur Uebernahme der Verantwortung bereit gewesen. Das Volksganze gehe der NSDAP, über die eigne Partei, und das sei auch der tiefere Grund, weshalb Adolf Hitler die ihm angebotenen Posten abgelehnt habe. Sodann ging der Redner auf die bekannten Vorgänge im Reichstag am 13. August ein. Die Nationalsozialisten hätten die Kommuni­stin Klara Zetkin nur deshalb angehört, um dem Reichs­kanzler keine Handhabe zu geben, den Reichstag aufzu­lösen. Doch habe man in Neudeck schon alles abgekartet, und v. Papen habe es verhindert, daß das neue Präsidium vom Reichspräsidenten empfangen wurde. Auch nach der Auflösung des Reichstages hätte die Regierung, wenn sie streng verfassungsmäßig und demokratisch sein wolle, zurück- kreten müssen. Doch v. Papen wolle die NSDAP, nicht an un Macht lassen, weil er genau wisse, daß unter ihrer ^urrschaft die Lasten auf alle gleichmäßig verteilt wür- ?un. Die neue Notverordnung zur Ankurbelung der Wirt- Mmüsse man als unsittlich bezeichnen, weil sie nur einer

Nutzen bringe und die Neueingestellten hur auf Kosten der beschäftigten Arbeiter bezahlt würden. In keinen weiteren Ausführungen ging der Redner 'auf das Erhalten der Deutschnationalen gegenüber der NSDAP, ein. Er fragte, wo denn die Herren von den Deutschnatio- nalen gewesen seien, als es galt, in marxistische Versamm- 'UNgen zu gehen, die Arbeiter aufzuklären unb sie für den nationalen Gedanken zu gewinnen. Die Nationalsozialisten hatten das Volk aufgeklärt und alle Verfolgungen auf sich Benommen. Wenn die Nationalsozialisten nicht gewesen waren, so hätten wir heute schon ein Sowjetdeutschland. Die Nationalsozialisten dächten nicht daran, eine Diktatur der Alldeutschen und Deutschnationalen zu ertragen. Die NSDAP, scheue keine Koalition, wenn dadurch das Vater­land gerettet würde. Die Deutschnationalen hätten keinen Grund, den Nationalsozialisten Zusammengehen mit dem Zentrum zum Vorwurf zu machen. Die DNVP. habe ja

selbst ein „Liebes"bündnis mit dem Zentumsmann von Papen geschlossen, auch in Bayern und Württemberg pak­tiere sie mit dem Zentrum. Weiter werfe die DNVP. den Nationalsozialisten vor, sie hätten noch keine politische Mit­arbeit geleistet. Im Jahre 1923 hätten sie die richtigen Voraussetzungen über den Dawesplan gemacht. Die Deutschnationalen aber hätten damals alles angenommen, selbst das Republikschutzgesetz, das Wilhelm II. die Rückkehr nach Deutschland unmöglich gemacht habe, und die Deutsch­nationalen seien doch so streng monarchistisch. Der NSDAP, gehe es um das ganze Volk, und wenn eine Regierung eine Notverordnung erlasse, so müsse sie mit den Opfern zuerst bei sich anfangen. Die Nationalsozialisten hätten den Beweis erbracht, daß sie oben anfangen. Der Redner verlas sodann ein Schriftstück des früheren Premiermini­sters von Kanada, in dem zum Ausdruck gebracht wurde, daß der englische Generalstab 1918 zur Kapitulation bereit gewesen sei. Durch Spione habe man aber von den Vor­bereitungen zum Umsturz in Deutschland erfahren, so daß unsere Feinde neuen Mut und Ausdauer schöpfen konnten. Diese Ausführungen seien ein Beweis für Nichtigkeit des Dolchstoßes, den die Nationalsozialisten den Marxisten nie vergessen würden. In dem kommenden Wahlkampf müßten alle d i e wachgerüttelt werden, die bis jetzt noch dem nationalen Gedanken fernstanden.

Nach einigen musikalischen Darbietungen der SA.- Kapelle ergriff Herr Etzel das Wort. Er führte kurz ungefähr folgendes aus: Man kämpfe in den verschieden­sten Auffassungen und um die verschiedensten Ideen: alle wollten Herr sein. Aus der nationalen Idee sei die soziale Idee erwachsen. Durch das frühere Dreiklassenwahlrecht sei der Klassenstaat entstanden, und mit ihm der Klassen­kampf, in dem sich das ganze Volk zerfleischte. Heute sei man wieder ein Stück weiter auf dem langen und schwie­rigen Genesungswege. Auch jetzt noch habe die NSDAP, alle Fronten gegen sich. Dagegen spreche durchaus nicht der Umstand, daß von außen her der Gegensatz als über­brückt scheine. (Zentrum — NSDAP.) Denn die einzel­nen Nationalsozialisten, die jahrelang den Grimm in sich hineingefressen hätten, könnte so schnell keine Freundschaft mit ihren Verleumdern schließen. Die NSDAP, sei be­wußt radikal, aber der Radikalismus bedeute eine Revolu­tion auf geistigem Gebiete. Die Weltanschauung der Na­tionalsozialisten sei ein geschlossenes Ganzes, und wer mit ihnen paktieren wolle, der solle sich ihnen anschließen. Es komme noch die Stunde, so fuhr der Redner fort, in der dem Mann von links die Augen geöffnet würden und er einsehe, wie man ihn betrogen habe. Die Zukunft liege bei der NSDAP., die über das beste und wertvollste Men­schenmaterial verfüge. Die Sympathisierenden sollten jetzt endlich kommen und ihre Kraft miteinstellen in das Ringen um die deutsche Seele.

Nach der Schlußansprache des Herrn Schüßler been­dete die SA.-Kapelle die gut verlaufene Kundgebung.

Die polizeiliche Abstempelung der Invaliden-, Witwen-, Waisen- und Unfallquittungen erfolgt, wie uns von der Polizei mitgeteilt wird, zwecks Erledigung eines glatten Dienftbetriebes am 29. und 30. September sowie am 1. Oktober bis 13 Uhr auf der Polizeiwache.

Vom Ring der Bauwirte.

Die Bau- und Wirtschaftsgemeinschaft e. E. m. b. H. Fulda, Ring der Bauwirte, hielt am Samstag abend im Evangelischen Gemeindehaus eine Mönatsversammlung ab, die trotz der ungünstigen Witterung gut besucht war. Nach kurzer Begrüßung des Vorsitzenden des Vorstandes gab dieser einen Rückblick auf die am 6. und 7. August in Bre­men abgehaltene Versammlung der Bauwirt-Ring-A.-E. Vom Reichsaufsichtsrat ist die Ueberleitung der verschie­denen Bau- und Wirtschaftsgemeinschaften e. E. m. b. H. in Bauwirt-Ring-Aktien-Eesellschaften in die Wege ge­leitet. Aus diesem Grunde ist es unbedingt erforderlich, daß sich die Mitglieder der Fuldaer Gruppe die baldige Erhöhung des Geschäftsanteils angelegen sein lassen. Ent­weder kann der Differenzbetrag von 77,20 Mark bar ein­gezahlt werden oder die Begleichung wird dadurch er­möglicht, daß der Betrag von den bisherigen Einzahlungen auf Bauanteil II eventuell auch auf Bauanteil I abgebucht wird. Diese Umbuchung wird vom 1. Oktober an veran­laßt, wenn von den Genossen bis dahin keine Barzahlung des Differenzbetrages von 77,20 Mark geleistet wurde. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten seit Juli 1931 ist der Stand der Fuldaer Gruppe durchaus gesund. Auch die Bauwirte-Bewegung insgesamt mache trotz der Wirtschafts­krise weiterhin erfreuliche Fortschritte. Der Gesamtmit­gliederbestand betrug am 13. August 37 238, die Zahl der finanzierten Baudarlehen stieg auf 1387 am 13. August und die der finanzierten Hypothekenablösungen auf 431. Insgesamt sind bis zum 13. August 22,4 Millionen Mark verteilt worden. Nach einer regen Aussprache schloß der Versammlungsleiter die Zusammenkunft.

Kaffee Hag

gut bis zum Seiten Tropfen und völlig unschädlich«

„Der Raub der Sabinerinnen."

Mit diesem beinahe klastischen Schwank besucht das bestens bekannte Landestheater des Vühnenvolksbundes zu einer ersten Vorstellung in der Spielzeit 1932/33 unsere Stadt. Einige Stunden ungetrübter Heiterkeit zu bieten, ist die beste Einleitung einer Spielzeit. Dieser Schwank, kräftig und harmlos zugleich, gemütvoll und mit einem Spott, der nicht verletzt, erfreut sich mit Recht einer unge­heuren Beliebtheit. Tausendmal ist der „Raub der Sabi­nerinnen" mit immerwährender Zugkraft über die Bühnen gegangen und jung und alt hat über die geradezu un­sterbliche Figur des Theaterdirektors Emanuel Striese Tränen gelacht. Mehrfach haben auch Vereine diesen Schwank gespielt, aber völlig wirksam in der Fülle seines Humors und seiner Situationskomik wird dieses Stück nur, wenn es von guten Schauspielern gespielt wird. Beim Landestheater des B.V.B. wissen wir dieses Stück in guten Händen und dürfen uns auf seine Aufführung am 29. Sep­tember im Stadtjale jetzt schon freuen.

Die Industrie stellt ein.

Offenbach, 26. Sept. Die Firma Ludwig Krumm A. E. Gold-Pfeil hat auf Grund der Notverordnung ihre Arbeits­zeit von 48 auf 43 Stunden verkürzt. Nach dieser Maß­nahme wurden in den letzten 14 Tagen über 100 Arbeiter neu eingestellt.

Schotten, 26. Sept. In dem Betriebe des hiesigen Bau­geschäfts von Meiski wuden in den letzten Tagen 36 Leute neu eingestellt. Dem Vernehmen nach wird dem Bauge- schäft dafür der Reichszuschuß von 400 Mark pro Kopf ge­währt werden.

Fulda, 26. Sept. In der Fuldaer Industrie sind in den letzten Wochen verschiedene Neueinstellungen vorgenommen worden. So haben die Fuldaer Emaillirwerke 84 Personen neu eingestellt, die Fuldaer Gummiwerke 34 Neueinstellun­gen vorgenommen und die Wachsindustrie die Belegschaft insgesamt um 68 Köpfe vermehrt.

Limburg, 25. Sept. (Ein Zweites Limburger Todesopfer der Kinderlähmung.) Die spinale fordert. Es handelt sich um einen etwa vier Jahre alten Jungen, der im Krankenhaus gestorben ist. Die andern drei erkrankten Kinder befinden sich auf dem Wege der Besserung.

Gießen, 26. Sept. (Durch den Hufschlag eines Pferdes schwer verletzt.) Der 20 Jahre alte Landwirtschaftsgehilfe Emil Brück wurde Sonntag auf dem benachbarten Gut Neuhof durch den Hufschlag eines Pfer­des am Kopf so schwer verletzt, daß er mit einer schweren Gehirnerschütterung in bewußtlosem Zustand in die Gieße­ner Klinik eingeliefert werden mußte. Der junge Mann lag heute noch bewußtlos darnieder.

Friedberg, 26. Sept. (Qualvolles Ende.) Ein junger Gärtnergehilfe, der Arbeitslosigkeit in den Winter­monaten befürchtete, bestieg in selbstmörderrischer Absicht einen Hochspannungsmast. Beim Berühren der Leitung er­litt er so schwere Verletzungen, daß er nach qualvollem Schmerzenslager jetzt im Bürgerhospital gestorben ist.

Friedberg, 26. Sept. (Französischer Deserteur f e st g e n o m m e n.) Die hiesige Polizei nahm einen fran­zösischen Soldaten fest, der seinem Truppenteil in Nancy entflohen war.

* Gedern, 25. Sept. (E i n Achtzigjähriger.) In voller geistiger und körperlicher Frische konnte heute Jakob Pfeiffer dahier seinen achtzigsten Geburtstag feiern. Ueber die Hälfte seines Lebens hat der noch sehr rüstige alte Herr seine Kraft den Eisenwerken in Hirzenhain gewidmet, wo er 45 Jahre lang als Modellschreiner tätig war. Seit 1927 lebt er im wohlverdienten Ruhestand. Möge ihm auch weiterhin ein ruhiger Lebensabend beschieden sein!

Bad Kreuznach, 23. Sept. (Kosmetik im Dienst der Verbrecherfahndung.) In der Freilaubers- heimer Gemarkung hatten in der letzten Zeit die Felddieb­stähle stark zugenommen. Der Flurschütze Rinke, der die Gemarkung zu betreuen hat, war diesem Treiben gegen­über machtlos. Er besitzt zwar einen ausgezeichneten Poli­zeihund, der aber den Fehler hat, daß er ein weißes Fell besitzt. Die weiße Farbe warnte schon von weitem die Felddiebe, so daß sie immer rechtzeitig Reißaus nehmen konnten. Da kam Rinke aus einen genialen Gedanken. Er sagte sich, wenn Frauen sich ihre Haare in allen möglichen Farben färben lasten können, warum sollte er nicht seinem Hund eine andere Farbe zulegen. Er ließ das Fell des Tieres schwarz färben. Seitdem soll der Flurschütz seine Tätigkeit viel erfolgreicher ausüben können. Die Feld­diebe meiden die Freilaubersheimer Gemarkung.

Letzte Nachrichten.

Goering über die Bedeutung der Wahlen.

Kiel, 27. Sept. In einer Wahlversammlung der NSDAP, erklärte gestern Reichstagspräsident Goering u. a., die Hoffnungen vieler Millionen, die am 31. Juli ein neues Reich anbrechen sahen, seien enttäuscht worden. Dieser hoffentlich letzte Wahlkampf habe Len Sinn, die Re­aktion zu zerschlagen. Es sei möglich, daß die NSDAP, jetzt Mandate verliere, unmöglich aber sei, daß die Deutsch­nationalen sie gewinnen könnten.

Unglück auf einem französischen U-Boot.

Auf dem französischen Unterseeboot „Persèe" ereignete sich gestern eine schwere Explosion. Das Boot wurde von Schleppern in den Hafen von Cherbourg gebracht.

Wie festgestellt wurde, ist ein Dieselmotor an Bord explodiert. Der Ingenieur, der den Einbau der Motoren zu überwachen hatte, ist bei der Explosion ums Leben ge­kommen. Drei weitere Mitglieder der Besatzung wurden schwer und sechs leichter verletzt.

Nah und Fern

O Ter Reichspräsident beglückwünscht Geheimrat Vaihinger. Der Reichspräsident hat dem „Als-ob"-Philo- fophen Geheimen Regierungsrat Professor Dr. £>an§ Vaihinger anläßlich der Vollendung seines 80. Lebens­jahres in einem herzlichen Schreiben feine Glückwünsche übermittelt.

O Die Werkspionage bei der A. E. G. von französischer Seite verraten. Zu der Werkspionage bei der A. E. G. und der Verhaftung des Betriebsingenieurs Schröter und des Chemikers Dr. Hertz erfährt man, daß die französische Kon­kurrenzfirma der A. E. G. auf das Angebot von Schröter und Hertz nur zum Schein eingegangen ist und die A. E. G. von der beabsichtigten Werkspionage sofort in Kenntnis gesetzt hat.

O Tödlicher Jagdunfall eines Berliner Berlegers. Der 56jährige Verleger Wilhelm Elsner, Mitinhaber der Ber­liner Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung Otto Elsner, der als Gast des Fürsten Esterhazv an einer Jagd in Komorn in Ungarn teilnahm, wurde bei einer Hirsch­jagd von einer Kugel getötet. Die polizeiliche Unter­suchung hat ergeben, daß für das Unglück niemand ver­antwortlich ist, da Elsner einen ihm zugewiesenen Platz verlassen hat und so in die Schußlinie gekommen ist.

O Die Haffkrankheit tritt wieder auf. An der Küste des Frischen Haffs ist die Haffkrankheit, die in den Jahren 1924 bis 1925 zahlreiche Todesopfer forderte, wieder auf­getaucht. Von amtlicher Seite wird bestätigt, daß in den Gemeinden Groß-Heydekrug, Zimmerbude und Peuse am Frischen Haff Krankheitserscheinungen, die der Haffkrauk- hèit gleichen, festgcstellt wurden. Die Krankheit tritt in leichterer Form auf als in den früheren Jahren. Bisher sind dreiundzwanzig Erkrankungen gemeldet.

9 Ein neuer Ticfsectauchrelord. Der Tiefseeforscher Dr. Williams Beebe tauchte an der Küste einer kleinen Insel der Bermudagruppe in einer stählernen Taucher­glocke 750 Meter tief hinab. Beebe, der eigentlich eine Tiefe von 1000 Meter erreichen wollte, gab interessante Berichte uno machte Photos von bisher nie gesehenen Fischen und Pflanzen.

Bunte Tageschronik

Potsdam. Der Musiker Erich Amelungfrn bat wegen schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse sich nnd wme velveii sechs und acht Jahre alten Kinder mit Gas vergütet

Solingen. Die Botin einer hiesigen Färberei wurde von einem Radfahrer überfallen und ihrer Geldtasche, in der sich 2000 Mark Lohngelder in Silber befanden, beraubt. ~er ^atcr hatte der Fran Pfeffer ins Gesicht gestreut.