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Fuldaer Anzeiger

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Nr. 224 1932

Fulda, Freitag, 23. September

9. Jahrgang

Abrüstung, nicht Aufrüstung!

Die Gleichberechtigung

eine Lebensfrage Deutschlands.

Der Reichsaußenmini st er über seine Ausgabe in Genf.

Die Verhandlungen über die allgemeine Abrüstung sind an einem wichtigen Punkt angelangt. Es wird sich bald entscheiden müssen, ob die allgemeine Abrüstung, diese große Friedenshoffnung der Völker, in der Gegen­wart möglich ist oder nicht, ob die Erwartungen, die sich an den Zusammentritt der Allgemeinen Abrüstungskonfe­renz und an den Verlaus ihrer ersten Phase knüpften, be- gründet waren oder ob eine große Enttäuschung bevorstcht. Den Standpunkt Deutschlands zur Ab­rüstungskonferenz beleuchtet in diesem kritischen Augenblick ein Artikel des Reichsaußenmini stersvonNeu- rath in der Zeitschrift der Deutschen Liga für Völker­bund. Es heißt darin u. a.:

Die allgemeine Abrüstung hat vor über zwölf Jahren begonnen, als Deutschland seine Unterschrift unter die Ent­waffnungsbestimmungen des Versailler Vertrages setzte und sich damit zu einer radikalen Abrüstung verpflichtete. Die deutsche Abrüstung war nach dem klaren Wortlaut des Vertrages nur die

Einleitung zur allgemeinen Abrüstung.

Der Kamps um Deutschlands Gleichberechtigung in Genf.

Englisch-französische Sabotageversuche.

Während der Sitzung des Büros der Abrüstungs­konferenz in Genf forderte der russische Außenkommissar Litwinow die Versammlung auf, nun e n d l i ch die für eine wirkliche Abrüstung allein entscheidenden Hauptfragen in Angriff zu nehmen. Sowohl der englische Außenminister Simon wie auch der französische Kriegsminister Paul- Boncour erklärten darauf bezeichnenderweise, daß das Büro der Abrüstungskonferenz in keiner Weise für politische Fragen zuständig sei. (Gemeint ist die deutsche Gleichberechtigungsfrage.) Trotzdem der Präsident Henderson geltend machte, daß einige große politische Fragen, insbesondere die deutsche Frage, jetzt sehr dringend geworden seien, wurde die Verhand­lung bis zur nächsten Woche vertagt.

Es hat sich somit ergeben, daß Simon und Paul- Boncour in völliger Übereinstimmung mit dem Stand­punkt der französischen Regierung eine Behandlung der Gleichberechtigungsfrage im Büro der Abrüstungs­konferenz verhindern wollen, um den Weg für die von Frankreich gewünschte Erörterung der Gleichberechti-

gungssrage entweder in der V o l l v e r s a m m l u n g des Völkerbundes oder im Völkerbundrat frei zu machen.

Präsident Henderson soll jetzt die Absicht haben, in den weiteren Verhandlungen den Vorschlag zu machen, daß sämtliche politischen Fragen des Abrüstungs­problems unverzüglich vom Büro in Angriff ge­nommen werden müssen. Er soll insbesondere beabsich­tigen, daß die deutsche Forderung auf Anerkennung der Gleichberechtigung in öffentlicher Sitzung des Büros zur Verhandlung gelangt. Henderson soll den größ­ten Wert darauf legen, daß Deutschland eine Rückkehr in die Abrüstungskonferenz ermöglicht wird und der grundsätzliche und moralische deutsche Anspruch auf Gleich­berechtigung Anerkennung findet.

Der deutsche Standpunkt wird durch die in Genf immer weiter um sich greifende Überzeugung gestärkt, daß ohne Beteiligung Deutsch­lands praktisch die Abrüstungskonferenz lahmgelegt und

eine entscheidende Herabsetzun

un-

gen nur unter der Mitarbeit Deutschlands zu er­reichen ist. Es versteht sich jedoch nach wie vor von selbst, daß Deutschland nicht in der Lage ist, an einem Ab­rüstungsabkommen mitzuwirken, das nur für die anderen Mächte und nicht für Deutschland gilt. Die deutsche Gleichberechtigungsforderung ist nunmehr zu einer großen internationalen Frage geworden, von deren Lösung das Schicksal der Abrüstungskonferenz abhängig ist

Die einseitige deutsche Entwaffnung sollte nur ein über gangsregime zur allgemeinen Entwaffnung st' sollte dieser sozusagen den Weg bahnen. Nur unter dic... Voraussetzung haben Deutschlands Vertreter der Ab­rüstung Deutschlands zugestimmt. Nur in diesem Sinne wurde die deutsche Abrüstung von den Siegermächten ge­fordert, wie in der Note vom 16. Juni 1919 mit aller Deutlichkeit ausgeführt ist.

Während die deutsche Abrüstung sofort nach dem ^^^MHâ.Anarift genommen wurde und nach zwei ayrèn in allen wesentlichen Punkten bereits durchgeführt

ein,

>eser

Das Ganze halt!

die allgemeine Abrüstung, die nach dem Artikel 8 seiner Tagung eine der Hauptaufgaben des Völkerbundes darstellt, heute, zwölf Jahre, nachdem sie feierlich ver­sprochen worden ist, noch immer nicht begonnen.

Die deutsche Delegation hat immer wieder verlangt, daß das Abrüstungsshstem des Versailler Vertrages für die allgemeine Abrüstung richtunggebend sein müsse. Sie hat das gefordert

im Namen der Gleichberechtigung und im Namen der Abrüstung.

Im Namen der Gleichberechtigung, weil nur eine Abrüstung, die nach gleichen Methoden und Maßstäben für alle Völker

für alle Völker durchgeführt wird, dem Prinzip der Rechtsgleichheit entspricht, im Namen der Abrüstung,

Hindenburg auf dem Manöverfeld.

Schluß der Herbstmanöver und große Kritik.

Nachdem die letzten Stunden der Reichswehrmanöver noch ein eindrucksvolles Bewegungsgefecht unter Verwendung aller durch Attrappen dargestellten modernen Waffen 5 bis 10 Kilometer westlich von Frankfurt (Oder) mit Einsatz aller Manövertruppen gebracht hatten, wurdeD a s g a n z e h a l t" geblasen. Der Reichs­präsident hatte sich in den frühen Morgenstunden auf das Manöverfeld begeben, wo er von dem das Manöver leitenden Chef der Heeresleitung, General von Hammerstein, fortlaufend unterrichtet die Entwicklung des motorisierten Kavalleriekorps gegen den schwerer beweglichen blauen Verteidiger aufmerksam ver­folgte. Hindenburg ließ sich, ständig in angeregtem Ge­spräch mit seiner Umgebung, wiederholt Einzelheiten der neuen Ausrüstung und der Attrappen vorführen. Besonders lange verweilte der Generalfeldmarschall am äußersten linken Flügel der angreifenden roten Truppen um Petersdorf, Peters Hagen und Triplin, wo bei umfassendem Angriff mit Einsatz von Tank- attravven und einem Kraftrad-Schützen-Bataillon be-

weil die deutsche Abrüstung, wie nicht bestritten werden kann, eine wirklich durchgreifende gewesen ist und die ent­scheidenden Faktoren der Rüstung getroffen hat. Die deutschen Vertreter sind mit dieser Forderung nicht durch­gedrungen. In der Resolution, mit der die erste Phase der Abrüstungskonferenz ihr Ende fand, wird ein System der allgemeinen Abrüstung skizziert, das von dem der deutschen Abrüstung sich gründlich unterscheidet, leider

im Sinne der Nichtabrüstung statt im Sinne der Abrüstung.

t s liegt auf der Hand, daß die Mitwirkung Deutschlands an der allgemeinen Abrüstung, seine Beteiligung an den Ab- rustungsverhandlungen in Genf sinn- und zweck­los wären, wenn die Konvention für die allgemeine Ab­rüstung, die das Ergebnis dieser Verhandlungen sein soll, nachher für Deutschland keine Gültigkeit besäße, sondern einen

Dauerzustand zweierlei Rechtes in der Wehrsrage für verschiedene Gruppen von Völkern herbeiführen würde. Deshalb mußte die deutsche Regierung auf eine Ent- fcheioung in der Gleichbercchtigungsfrage drängen.

ch brauche säum darauf hinzuweisen, daß die Frage der Gleichberechtigung

für das deutsche Volk als eine Lebensfrage Angesehen wird, über die es keine Meinu n gsver - > icdeuheit gibt.

®â fst ganz ausgeschlossen, daß Deutschland an einer hin ^ Jn über allgemeine Abrüstung teilnehmen könnte, w c» â auf dem Prinzip der Gleichberechtigung, d. h. der R^«A,heit der Rechte und Pflichten aller ten, aufgebaut ist. Deutschland ist nach wie imh « "" der allgemeinen Abrüstung mitzuwirken, ^'un ein tieferes Interesse an einex mög- fjaticn wirksamen allgemeinen Abrüstung

scluitn^^. Presseorgane des Auslandes haben uns be- icyuldlgt, wir wollten

aus der Abrüstungskonferenz eine Aufrüstungs- konferenz

machen. Wie abwegig solche Vorwürfe sind, ergibt sich h v f Ausführungen von selbst. Die Tatsachen SiW ste»a»c3« auf den Kopf gestellt. Zugleich ftjJ' bas; die deutsche Haltung den Verhandlungen tGemeinen Abrüstung einen neuen uu d ent­scheidenden I m p u l s gibt."

*

Reichspräsident von Hindenburg bei den Herbstmanövern. Reichspräsident von Hindenburg begrüßt die M i l i t ä r a t t a ch è s der fremden Staaten.

und des europäischen Friedens die einseitige deutsche Ab­rüstung darstellt, und wie unerläßlich die Durchsetzung der deutschen Gleichberechtigung, also entweder Abrüstung der anderen oder Umbau der deutschen Wehrmacht, ist.

Dieser Anschauungsunterricht ist mit besonderem Interesse von den ständig über die Manöverlage unter­richteten fremden Militärattaches verfolgt worden, die neben den rein militärischen Vorgängen auch der praktischen Lage im Zusammenhang mit der Grenz­ziehung im Osten und dem militärischen Kräfteverhältnis beiderseits der deutsch-polnischen Grenze ihre Aufmerk­samkeit schenkten.

Die Truppen wurden nach dem Zusammenziehen auf dem Manöverfeld in der Nacht zum Abtransport in die Garnisonen verladen. Auf T r u p p e n b e s i ch t i g n n g und Schlußparade ist aus Ersparnisgründen ver- greifet worden.

Oie Herbstmanöver der Flotte beendet.

In Wilhelmshaven traf die gesamte deutsche Flotte nach Beendigung der Herbstmanöver ein. Die Manöver, die im ganzen zwei Wochen angedauert haben, nahmen in der O st s e e ihren Anfang. Dann wurde S k a g e n passiert, wo man Zeit fand, den Gräbern der in der großen Seeschlacht Gefallenen einen Besuch ab­zustatten. In der Nordsee spielten sich dann die übrigen Manöver ab. Es wurde der Schutz der Handels­schiffahrt geübt, Geleitzüge wurden gesichert und andere Aufgaben erfüllt, die an die Marine gestellt werden.

Hindenburgs Dank an die Manövertruppen.

Die in Frankfurt abgehaltene Schlußbesprechung und Kritik der Herbstmanöver dauerte eine gute Stunde. Der Reichswehrminister faßte dann das Ergebnis in einer

Ansprache an die Führer der Wehrmacht zusammen. Reichspräsident dankte schließlich Führung Truppen für die im Manöver gezeigten Leistungen sprach den Manövertruppcn seine Anerkennung aus

Del mischie Aachrichien

Gehaltskürzung bei der TD Boni?

Der und und

sonders spannende Gefechtsmomente sich ergaben. Der Reichspräsident ließ einzelnen Truppenteilen wieder­holt seine Anerkennung aussprechen. Reichswehrminister General von Schleicher, der wiederholt dem Reichspräsidenten Meldung erstattete, ver­folgte mit seinem Stabe das Manöver zu Pferde.

Hindenburg, der wo er sich zeigte Gegenstand lebhafter Huldigungen war, liest nach dem Abbruch der Kampfhandlungen noch einige Truppenteile an sich vor- bcimarschiercn und begab sich dann im Kraftwagen in das reich beflaggte Frankfurt, wo die Schlußbesprechung unter seiner Leitung stattfand.

Nach der abschließenden Manöverlage hat die nach der Annahme und den beigegebenen Attrappen auf das modernste ausgerüstete motorisierte Kavallerie von Rot den Erfolg der teilweisen Vernichtung und Ab­drängung der im wesentlichen nach den Abrüstungsbe- stimmungen des Versailler Diktats arbeitenden blauen Division aus Küstrin zu verzeichnen. Blau hat nicht ein­mal der roten Aufklärung den Weg nach Berlin verlegen können. Im Ernstfalle wäre also zunächst die Reichshauptstadt für feindliche Zugriffe frei, wenn auch inzwischen erfolgter Abtransport kampf­kräftiger Truppen zur Verteidigung Berlins anzunehmen wäre.

Jedenfalls hat das Manöver schlagend bewiesen, welche Gefährdung der deutschen Sichersteit

Berlin. Die Zemrale der T e u i s ch c n B a n t Disco nto-Gesellschafi hat dem Betriebsrat unter­breitet, daß die Angestellten sich mit einem vierprozenti» gen Gehaltsabbau einverstanden erklären sollten, um den Abbau von 200 bis 300 Angestellten zu verhindern. Außer­dem müsse aus gleichem Grunde für die Angestellten jährlich ein unbezahlter Sonderurlaub von einer Woche cingeführt werden. Da für diesen Sonderurlaub ein viertel Monatsgehalt ausfallen würde, betrüge der Einkommens- abbau scchsProzent.

u n.d

Ein chinesischer Admiral ermordet.

Sckpmghai. Der chinesische Konteradmiral Wulung-Tsung, der Chef der hydrographischen Abteilung des chinesischen Marineministeriums, wurde in seiner Wohnung in Rantao ermordet. Mehrere verkleidete Männer drangen in seine Wohnung ein und feuerten vier Rcvolverschüsse auf ihn ab. Schwerverletzt wurde er ins Krankenhaus gebracht, wo er kurze Zeit nach der Einlieferung starb.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

Reichspräsident v. Hindenburg besichtigte die Schluhübllu- gen der Herbstmanöver und hielt die Ärihf ab.

* Im Preußischen Landtag kam es bei be' d«rat«nsder Anträge über den Eehorsamsverweigeruagsbeschluß zur mehr fachen Unterbrechung der Sitzung.

Die deutsche Delegation für die Wlkttbundberatnugeu ist in Genf eingctrofsen.