Nicht zum Wirtschaften nur um des Wirtschaftens willen will und soll aber Papens Aufbauplan führen, sondern zu einem Wirtschaften um des Menschen, des Arbeitnehmers willen. Den Millionen Arbeitsloser sollen wieder Lebensraum,Betätigung, Existenzgrundlage neugeschaffen werden in und mit der Wirtschaft. Um dieser Arbeitslosen willen ivird von denen, die noch Arbeit haben, nun noch verlangt, daß sie zusammenrücken, um Platz zu machen für einen Teil der aus dem Arbeitsprozeß Ausgeschiedenen. Für ein Jahr sollen sie verzichten auf gewisse bisher bestehende Tarif- rechte, ohne daß aber an sich das System des Tarifvertragswesens zerstört wird oder werden soll. Viel ist schon im Laufe der Krisenzeit freiwillig, aus Solidaritäts- gefühl gegenüber den vom Schicksal benachteiligten Arbeitsgenossen geschehen. Kurzarbeit, „Krümpersystem", Kampf gegen das Doppelverdienertum, Lohnkürzung bis fast zum Existenzminimum herunter kennzeichnen diesen Weg. Aber leider stand auch mancher Buchstabe dem Wirken des Geistes bindernd entgegen, der durch bittere Not dazu geführt wurde, nicht mehr mit sozialen Wunsch- träumen, sondern mit der häufig so unsozialen Wirklichkeit rechnen zu müssen und auch rechnen zu wollen. Wenn jetzt solche Hindernisse auf Jahresfrist beseitc- geschoben werden sollen, so wäre cs Ausfluß stärk- st c n sozialen G e i st e s , im Hinblick auf das Ziel der Wiederèinstellung der Arbeitslosen sich nickt gezwungen, sondern innerlich freimütig und aus Überzeugung sich dieser Notwendigkeit zu beugen.
Ja, der Notwendigkeit, — denn das Muß, als Rettung vor dem Chaos den uns jetzt vorgezeichneten Weg zu gehen, ist heute im Goethcschen Sinne unser aller „Pflicht", ist „die Forderung des Tages".
„Christus in der Großstadt".
Eröffnung des Deutschen Katholikentages in Essen.
In Essen wurde 6er viesjäbrtge Deutsche Ka1ho- Iltcntag unter Teilnahme fast aller namhaften katholischen Persönlichkeiten der Politik und des öffentlichen Lebens, der hohen Würdenträger der Kirche und zahlreicher sonstiger Vertreter des In- und Auslandes eröffnet. Der deutsche Katholikentag, der unter Dem Mono: „Christus in der Großstadt" steht, verlegte seine Tagung mit Vorbedacht nach Essen, in das Stadtgewirr voller Arbeiy aber auch voller Wirtschastselend und sozialer Not
Präsident Bernhard Otte-Berlin erklärte auf dem Be- grüßungsabend in seiner Eröffnungsansprache u. a.: Wir befinden uns in einer Zeitwende, die gebieterisch nach neuen Lebensformen dränge. Zwar offenbare sich immer noch eine große sittliche Kraft in unserem Volke. Von Moskau aus wehe aber noch immer
eine Welle der Gottesfeindschaft
und der Gottlosenpropaganda in die übrige Welt. Die Abwehr der Gefahren könne nur durch Zusammengehen aller erfolgen, die noch die Hände zum ewigen Gottessohn falten, aber nicht mit Denen, Die im Haß gegen Andersdenkende zum Dolch oder Revolver greifen Ter Redner befaßte sich dann ausführlich mit Der Sozialpolitik. Wahre Sozialpolitik müsse ausgehen von Der Menschenwürde Sie fei anzuseben als Anspruch des schaffenden und arbeitenden Menschen auf Schutz und Erhaltung seiner Persönlichkeit. Die Meinung, daß die moralischen Kräfte Jm Volke durch Den Wohlfahrtsstaat gefährdet würden, müsse als ein Widerspruch zur christlichen Sozial- auffaijung wirken
Der Redner sprach weiter über die Idee der beruss- ständischen Ordnung. Trotz aller noch bestehenden Unklarheiten liegen hierin Möglichkeiten einer segenbringenden und schöpferischen Neugestaltung des wirtschaftlichen und gesell- schafflichen Lebens Die Formen. an Deren Herausbildung wir mitichaffen wollen, sollen sowohl dem in der Wirtschaft tätigen Einzelmenschen als auch seiner Korporation
mehr eigene Verantwortung
auferlegen uno sollen mehr innere Verbindung mit der beruflichen Arbeit und dxn für den arbeitenden Menschen bestimmten Einrichtungen schaffen.
Darauf sprach der Präsident und badische Kultusminister Dr. Baumgartner. Er behandelte den Kampf gegen Bolschewismus und Gottlosenpropaganda und zeigte die äußeren wiitichaitlichen und inneren seelischen Gründe für das Anwachsen dieser Bewegung. Jede Staatsgewalt habe ihre Zchranke am göttlichen Recht, am Recht der überstaatlichen Kirche^ aber auch an der Freiheit des christlichen Gewissens. Der Staat habe Sozialpolitik im tiefsten und umfassendsten Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit gegen jedermann zu »eibeu Er müsse nicht nur Wohlfahrtsstaat, sondern auch Kulturstaat im höheren Sinne sein, indem er die geistigen, sittlichen und religiösen Güter schütze und fördere.
Die Internationale Ehristlönig-Tagnng.
Dm zweiten^ Tage der Internationalen C h riftk ö n i g - T a g u n g in Berlin war der Besuch zebr stark. Mit Spannung erwarteten die Hörer die Berichte der französischen, englischen, belgischen und holländischen Redner. Der Jesuiten- pater Dassonville berichtete über Frankreich. Die Bevölkerung Frankreichs sei in ihrer breiten Masse nicht gottlos, aber religiös gleichgültig. Eine Gottlosenbe- wegung im Linne Moskaus kenne Frankreich nicht. Die bestehende Freimaurerbewegung sei nur antiklerikal. Eine gewaltige Waffe im Kamps gegen jede Gottlosenbewegung sei die Armut der französischen katholischen Kirche. Es fehle dem Kommunismus und Materialismus jede Mög- lichkeit, einen Angriffspunkt zu finden. Es fei auch hier d^toeis erbracht, daß Kirche und Kapital miteinander nicht wentllch leren. Ähnlich lautete auch der Bericht von Monngnore Picard aus Belgien. Pater Kennan, Jesuit, der fachliche und praktische Engländer, sprach über neue Blute des Katholizismus in seinem Vaterlande. Die ane, mit der man in England der Gottlosenbewegung entgegentrete, sei die Aufklärung durch öffentliche Vortrage an Straßenecken, in großen Parks, z. V. dem Hydepark in London. Zwei weitere Redner, ein Holländer und ein Belgier, sprachen von einer Re- nalssance der katholischen Kirche trotz aller Anfeindungen von den verschiedensten Seiten. a
Die Republikanische Beschwerdestelle ein privaiuniernehmen.
Nach einer Antwort des kommissarischen preußischen Innenministers handelt es sich bei der Republikanischen Beschwerdestelle um eine privateEinrichtung ohne jeden amtlichen Charakter, über ihre Beziehungen zu Privatpersonen Ermittlungen anzustellen, fehle daher der Staatsregierung die rechtliche Handhabe. Es ist aber Vorsorge getroffen, daß der Verkehr der Republikanischen Beschwerdestelle mit amtlichen Stellen auf das Maß beschränkt bleibt, das sich aus der Gewährleistung des Petitionsrechts in Art. 126 RV. ergibt. Eine Anmaßung ihr nicht zustehender Aufsichtsrechte über Be- Hörden oder Beamte wird nicht geduldet werden. Eine Schließung der Republikanischen Beschwerdestelle ist aus rechtlichen Gründen jedoch unzulässig.
MMM Reiht auf MstWsiiiiSgleilh
Keine weitere Mitarbeit in Genf ohne die Anerkennung der Gleichbercchtigungsforderung.
Reichswehrminister von Schleicher gewährte einem italienischen Pressevertreter eine aufschlußreiche Unterredung über die Frage der deutschen Forderung nach Wehrgleichheit. General von Schleicher betonte unter anderem:
Je weiter die Erfüllung des deutschen Wunsches nach allgemeiner und entschiedener Abrüstung aller Völker hinausgeschoben werde, um so energischer müsse Deutschland die Anerkennung des Grundsatzes der Gleichberechtigung fordern. Es gäbe keine selbstverständlichere Forderung. Ein 65-Millionen-Volk, das für den kulturellen Fortschritt der Welt unendlich viel geleistet habe, könne man auf die Dauer nicht als Paria behandeln. Die Gleichbercchtigungsforderung entspringe nicht nur den Geboten nationaler Ehre und internationaler Gercchtigkett, sie sei auch eine der dringendsten Fragen praktischer Friedenspolitik. Ein Staat, der seinen Bürgern nicht die Sicherheit gegen äußere Bedro- Hung gewährleisten könne, sei in seinem Lebensnerv getroffen und bildet deshalb — und nicht wegen der Lügen über geheime Rüstungen — in den internationalen Beziehungen einen Faktor der Unsicherheit.
Wenn die Gleichbercchtigungsforderung abgelehnt würde, so werde sich die deutsche Regierung nicht mehr an den Arbeiten der Abrüstungskonferenz beteiligen. Was diese Nichtbetciligung für die Existenz des Völkerbundes bedeute, liege auf der Hand. Die deutsche Regierung werde darüber hinaus durch den Bruch der feierlichen Abrüstungsversprcchungen der Sicgernrächtc des Weltkrieges gezwungen sein, die nationale Sicherheit auf nationalem Wege herzustcllcn, wenn cs auf der» internationalen nicht möglich sei.
General von Schleicher kam sodann auf die Frage des Umbaues des Reichsheeres zu sprechen. Das heutige deutsche Wehrsystem der langdienenden Berufswehrmacht sei für kontinentale europäische Verhältnisse das s ch w ä ch st e und gleichzeitig relativ t e u e r st e.
Ein zwölf Jahre dienender Soldat verursache in der Besoldung, in der Vorbereitung auf einen bürgerlichen Beruf und in Versorgungsansprüchen hohe Kosten, die nur zum Teil einen militärischen Nutzeffekt haben. Der Soldat der allgemeinen Wehrpflicht oder der kurzdienenden Miliz sei erheblich billiger, und die Aufwendungen für ihn kämen zu nahezu 100 Prozent der Landesverteidigung zugute.
Nach dem Hinweise, daß Deutschland weder eine Luftflotte noch Flugabwehrgeschütze, keine schwere Artillerie oder U-Boote besitze, unterstrich der Reichswehrminister zum Schluß den unhaltbaren Widerspruch in den Fragen der
Landesbefestigung und Waffenherstellung:
„In Deutschland entfestigte Landesgrenzen, in den Nachbarstaaten modernste Grenzbefestigungen, die mit ihren großkalibrigen Geschützen weite deutsche Grenzbezirke beherrschen! In Deutschland für jede Waffenart eine genau vorgeschriebene private Fabrik mit geringen jährlichen Fertigungsmengen, jenseits der Grenzen mächtige staatliche und private Rüstungsindustrien, die nicht nur ihre eigenen großen Heere und Flotten versorgen, sondern auch aus dem deutschen Waffenausfuhrverbot ihren Vorteil im internationalen Waffenhandel ziehen! Alle diese Beschränkungen müssen entweder allgemeine Anwendung finden, oder sie müssen für Deutschland wegfallen."
Eine Mustersatzung für Sparkassen.
Die preußische Staatsregierung hatte eir Verordnung über die Sparkassen sowie die kommunalen Giroverbände und kommunalen Kreditinstitute erlassen. In Verfolg dieser Verordnung ist nunmehr auch der Entwurf einer neuen Sparkasjenmuster- s a tz u n g herausgegeben worden, die von allen öffentlichen Sparkassen anzunehmen ist. Damit ist die gesetzliche Reform der Sparkassen abgeschlossen. Es ist zu erwarten, daß die einheitliche Regelung, die in Preußen erfolgt ist, dazu beitragen wird, das VertrauenzudenSpar- kaffen weiterhin zu bessern.
Das Handwerk in Gorgen.
Vom Reichsverband des deutschen Handwerks wird mitgeteilt:
Die Berichte über die wirtschaftliche Lage des Handwerks im Monat A u g u st lassen erkennen, daß eine Besserung der Verhältnisse nicht eingetreten ist. Fast durchweg wird für alle Gewerbezweige berichtet, daß ein völliger Mangel an Aufträgen zu verzeichnen ist. Die unsichere politische Lage und die Ungewißheit über die zukünftige Entwicklung führen zu einer weitgehenden Zurückhaltung des Publikums auch da, wo an und für sich noch die Möglichkeit zur Vergebung von Aufträgen vorhanden wäre. Da die letzten Reserven in den Handwerksbetrieben zum größten Teil verbraucht sind, so sind die Sorgen für die Zukunft sehr groß.
Immer wieder wird festgestellt, daß das völlige Daniederliegen des Vaumarktes eine der Hauptursachen für die schlechte Wirtschaftslage des Handwerks ist, da von diesem Schlüsselgewerbe auch sonst die Belebung der übrigen Handwerkszweige auszugehen pflegt. Ter große Auftragsmangel führt überall da, wo wirklich noch ein Auftrag vergeben wird, zu einem starken Druck auf die Preise für Lieferungen und Leistungen des Handwerks, so daß die einkommenden Erträgnisse einen Verdienst kaum abwerfen, sondern lediglich nur zur Deckung der allgemeinen Unkosten herangezogen werden können. Dieser Preisdruck wird nicht allein von dem selbständigen Unternehmer ausgeübt, sondern noch verstärkt durch die ungeheure Zahl der Schwarzarbeiter, die sich mit der zunehmenden Arbeitslosigkeit immer noch vermehrt. Wenn auch das Handwerk einsieht, daß die Schwarzarbeit im letzten Grunde nur durch eine Wiederingangsetzung der Gesamtwirtschaft beseitigt werden kann, so wird doch allgemein bedauert, daß die Reichsregierung sich nicht zu einem allgemeinen Durchgreifen gegen die Schwarzarbeit entschließen kann. Die Zwangslage des Handwerks wird dadurch noch vergrößert,/daß die Kund- Ichaft sehr lange Zahlungsfristen in Anspruch nimmt und der emzelne Handwerker nicht einmal scharf vorgehen um nicht die letzten Kunden zu verlieren.
. ^"n dem Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichs- re^erung verspricht sich das Handwerk im allgemeinen mcht sehr viel, weil es bislang bei der Vergebung von Aufträgen sehr wenig berücksichtigt ist. Der übergroße
Die Denkschrift über den Umbau der deutschen Reichswehr dem französischen Außenministerium übermittelt.
Berlin, 1. Sept. Der hiesige französische Botschafter hat dem französischen Außenministerium die Denkschrift über die Reorganisation der Reichswehr übermittelt, die ihm Relchsautzenminister v. Neurath gestern im Namen der Reichsregierung übergeben hatte.
Deutschlands Forderungen in der Nüstungsfrage erregen Aufsehen.
Scharfe Ablehnung in Frankreich. — Zurückhaltung in England.
Der deutsche Schritt in Paris und die Erklärungen des Reichswehrministers, voll Schleicher gegenüber dem Ber- treter einer italienischen Zeitung werden von der Pariser Presse lebhaft besprochen. Der Ton der Blätter ist von großer Schärfe und nimmt bisweilen drohende Formen an. Jedes Maß verliert „Ere Nouvelle", das BMrf in dein der Niinisterpräsident zu Wort zu Lammen pflegt. Es stellt an den Beginn feiner äußerst gehässigen Ausführungen die Frage, ob Minister von Schleicher den Bersailler Vertrag beerdigen wolle, und meint dann il a., es sei klar, daß man im Bersailler Vertrag die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen gegen diejenigen habe ergreifen wollen, die nicht gezögert hätten, den Krieg vorzubereiten. Aus den anderen französischen Pressöstiminen seien nur einige angeführt. „Quotidien" fordert ein ein- mütiges entschlossenes Nein und die Sammlung der Franzosen um den französischen Ministerpräsidenten. Deutschland beschuldige Frankreich, nicht abgerüstet zu haben. Frankreich könne erwidern, daß Deutschland Heimtilch auf= gerüstet (!) habe. — Auch „Journëe Industrielle", das sich uicht scheut, das Gespenst eines Krieges an die Wand zu malen, verlangt von Herriot eine eindeutige Stellungnahme.
Der französische Ministerpräsident ist jedoch zunächst vorsichtig und hält mit seiner Meinungsäußerung zurück. Herriot kehrte gestern von seiner Reise zurück, die bekanntlich einer Besprechung auf der Insel Guernesey mit Sir Herbert Samuel, dem englischen Innenminister, diente. Der Kabinettschef im französischen Außenministerium, Alphand, hatte sich nach Cherbourg begeben, um den: französischen Ministerpräsidenten Herriot das Schriftstück, in dem der deutsche Standpunkt in der Abrüstungsfrage dargelegt wird, zu überreichen. Nachdem Herriot Einblick in das Schriftstück genommen hatte, soll er — wie „Echo de Paris" meldet — zu feiner näheren Umgebung gesagt haben „Diese Erklärung überrascht uns nicht. Sie war angekündigt worden, und wir erwarteten sie. Bevor ich dazu Stellung nehme, will ich zunächst den vollständigen Wertlaut der Note lesen. Aber auch dann wird es noch verfrüht sein, eine Meinung zu äußern. Denn diese Note muß den Ministern unterbreitet werden und zum Gegenstand vor Besprechungen mit den interessierten Re- gieruugen gemacht werden."
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Der größte Teil der aus Paris datierten Nachrichten in der englischen Presse über den neuen deutschen Schritt wegen der Gleichberechtigtung in der Rüstungs- H frage wird ton der englischen Presse an hervorragender Stelle wiedergegeben, doch enthalten sich hie Missten Bläkrer noch jeder redaktionellen • lich infolge des späten Eintreffens der Meldung. Sofern schon Aeußerungen vorliegen, sind sie sehr vorsichtig ab- ßcfa^t
Teil ist an die Großindustrie und in die Großstädte gegangen, so daß das Handwerk auf dem flachen Lande überhaupt gänzlich unberücksichtigt geblieben ist. Das Handwerk könnte daher nur mittelbar einigen Anteil an der Vergebung von Reichsaufträgen haben, indem die dabei beschäftigten Arbeitnehmer der Großindustrie etwas kaufkräftiger werden. Diese Auswirkung ist natürlich nur sehr gering geblieben. Deshalb erwartet das Handwerk eine fühlbare Hilfe-der Reichsregierung hinsichtlich der Ingangsetzung der Reparatur des Althâusbesitzes.
Vertreterkagung des Lutherischen Hilfswerkes.
Das Lutherische Hilfswerk der verbündeten Gotteskasten- und Martin-Luther-Vereine hält vom 10. bis / 13. September seine 49. Jahrestägung unter dem Vorsitz von Prof. D. Dr. Ulmer- Erlangen in Breslau ab. In der Christuskirche wird Landesbischof D. Marahrens, Hannover, in der Katharinenkirche Konsistorialrat Scheumann-Detmold die Festpredigt halten. In weiteren 14 lutherischen Kirchen Breslaus und der Umgebung werden Festpredigten von Pfarrern aus der Diaspora oder aus der Arbeit an ihr gehalten werden.
Eine öffentliche Kundgebung im großen Saal der Neuen Börse wird Zeugnis ablegen von der lebendi - genArbeitderBrnder Hilfe, die das Lutherische H^ilfswerk in aller Welt leistet. Es werden Vorträge über die lutherische Diaspora in Lippe, in Brasilien und in der Ukraine gehalten werden. Die geschlossene Vertretertagung im Breslauer Rathause wird insofern von besonderer Bedeutung sein, als über die im vorigen Jahre vom Organisationsausschuß einstimmig empfohlene Namensänderung in „M a r t i n - L u t h c r - B u n d" von den Vertretern der 20 dem Hilfswerk «»geschlossenen Organisationen abgestimmt werden wird. Auch wird beschlossen werden, welchem Werk die Martin Luther-Gabe, die im vorigen Jahre für die deutsche lutherische Shuode in Brasilien und in diesem Jahre für die Gemeinden Lage und Bergkirchen in Lippe eingesammelt wurde, im nächste» Jahre zugute tommen soll.
Im Jahre 193.3 wird die Jahrestagung des Lutherischen Hilfswerks in Hannover im Rahmen der 400^ Jahr-Feier der Einführung der Reformation abgehalten werden.
Zunahme der spinalen Kinderlähmung in Pommern.
Die spinale Kinderlähmung greift in Pommern weiter um sich. In» Kreise Lauenburg sind in den letzten Tagen 18 Fälle zu verzeichnen. Um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, hat der Regierungspräsident tu Köslin verfügt, daß vorn Mittwoch ab im ganzen Kreise Lauenburg, also auch in Lauenburg selbst, sämtliche Schulen bis zu den Hcrbstfericn geschlossen werden. Es handelt sich nm über 100 Schulen.
Die meisten Krankheitsfälle sind bisher gutartig verlaufen. Aus mehreren anderen Kreisen der Provinz Pom- mern werden ebenfalls weitere Fälle von spinaler Kinderlähmung gemeldet.