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Zulöaer Anzeiger äSÄS . yiae für Ma un» vogâiP KSIÄSS SKlÄwI- ua» Kauacial. Za, »an «r°isbl°« " KiSÄ Ansprüche. Verlag: Chrtstran Serpel FuWa. Neöaktion unü Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-^nschluß Nr. 2-S- zeile kostet 0.90 Mk. / Bei Rechnungsstelluna Druck: Friedrich EhrenUau, Lauterbach t. H. Nachörmt der mit * versehenen prüfe! nur mit <rruellenangabe.Zul»aer flnzeigrr'gèsiotti. Hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen

Nr. 194 1932

Fulda, Freitag, 19. August

9. Jahrgang

Piccards 12-Stunden-Flug

Die zweite Fahri in die Stratosphäre.

Professor Piccard ist am Donnerstagnachmittag um 5.30 Uhr nach seinem zwölfstündigen Flug in die Stratosphäre glücklich in Oberitalien zwischen BeronaundMantua gelandet. Er war längere Zeit über der Stadt Verona in 1000 Meter Höhe gesichtet worden. Piccard hat diesmal eine Höhe von über 16 000 Meter erreicht.

Weitere Einzelheiten über den Start.

r»m Donnerstag früh um 5 Uhr 7 Minuten ist Pro­fessor Piccard zu seinem zweiten Flug in die Stratosphäre vom Flugplatz Dübendorf bei Zürich aufgestiegcn.

Mehrfach ist der Start wegen ungünstiger Wetter- Verhältnisse verschoben worden. Als vorsichtiger Gelehrter hat 'Piccard abgewartet, bis ihm die maßgebenden Wetterstationen ein ruhiges, gewitter- und sturmfreies Wetter für kurze Zeit garantieren konnten. Nun hat er es gewagt, nachdem er noch einmal durch Windmessungeu mit kleinen Ballons festgestellt hatte, daß in Höben von 10 000 Bieter ziemliche Windstille herrschte.

Die Vorbereitungen zum Start

haben am Mittwochabend um 10 Uhr mit der Füllung der riesigen Ballonhülle begonnen. Es dauerte mehrere Stunden, bis die Hülle mit Wasserstoffgas gefüllt war. Dann begann man mit der schwierigen Arbeit, die Alu- 'Nsnmmgondel unter der Hülle zu befestigen. Schweize- Pioniere halfen dem Professor bei seinen Vor­bereitungen. Gegen 4 Uhr morgens war alles bereit, die Gondel, war unter dem 60 Meter hohen Ballon mit 36 Toppelseilen und ebensoviel einfachen Seilen befestigt.

200 Pioniere hielten den Ballon

k Jviulclcn auf das Kommando. Gondel und Ballon Wurden auf einer besonders konstruierten Waage ge­wogen; sie hatten zusammen 1210 Kilogramm Gewicht.

Kurz vor dem Aufstieg hielt Professor Piccard noch eine kurze Ansprache an die Presse, wobei er besonders die Grunde darlegte, warum er diesmal Dübendorf zum Start gewählt habe und nicht wieder Augsburg wo sein erster Ausstieg stattfand. Die Gegend von Zurich sei durch die Berae der Umgebung besser gegen Winde

einigen TietncH Probemanövern begann um 5.05 Pro- tcfior Piccard seinen Flug und kommandierte:Lana- s a m l o s l a I i c n !"

®an8 ruhig, und majestätisch erhob sich der riesige Ballon zunächst senkrecht in die Luft. Als er eine Höhe von einigen hundert Bietern erreicht hatte, wurde er seitlich gegen Nordivesten abgetrieben. Er schien aber nicht mehr zu steigen. Man sah deutlich, wie in diesem Augenblick Professor Piccard Ballast abwarf. Dann stieg ^,rr. Ballon in größere Höhe. Eine neue entgegengesetzte Luftströmung trieb ihn nach Süden ab. Kaum 20 Mi- ^'Lnn^n??'" Star-t erreichte er eine Höhe von 3000 *** 40ß° ^er. Er erschien nur noch wie eine große wcrße Kugel am Himmel.

Gleichzeitig mit dem Ballon stieg auch der bekannte schweizerische Flieger Mittelholzer mit seinem Flug­zeug auf, um dem Ballon zu folgen und Filmaufnahmen zu machen. Auch mehrere Autos setzten sich in Be­wegung, um dem Ballon auf der Erde zu folgen.

Der Weg des Ballons.

Ter Ballon stieg ohne Zwischenfall fast senkrecht auf.

einiger Höhe wurde er dann langsam nach Südosten abgetrieben. Um ^7 Uhr sah man ihn von der Stadt Chur aus in einer Höhe von etwa 10 000 Meter, als er das Oberrheintal überflog. Dann wurde er von verschie­denen Punkten von T i r o l aus gesichtet. Der Wind trieb den Ballon weiter in südöstlicher Richtung, man sah ihn um 11 Uhr im Gebiet der Bernina-Alpen über die ita­lienische Grenze fliegen. Der Ballon war stets sehr gut zu sehen, obwohl er zu dieser Stunde schon eine Höhe von über 16 000 Meter hatte. Er wurde dann stärker in südöstlicher Richtung abgetrieben und erreichte um die Mittagszeit den Gardasee in Oberitalien.

16 700 Meter hoch gestiegen. Piccard mit dem Ergebnis zufrieden

Nach der Landung.

Volta Mantovana, 19. Aug. (Funkmeldung.) Um 17.30 Uhr landete der Ballon Professor Piccards 3 Kilometer von Volta Mantovana, wobei die Gondel gegen einen Hügel stieß. Piccard lehnte es ab, sich über die technischen Ergebnisse zu äußern, bevor er die Bordinstru­mente geprüft habe, die glänzend gearbeitet hätten. Pro­fessor Piccard war sehr ermüdet, besonders in­folge des außerordentlichen Temperaturunterschiedes zwi­schen der eisigen Kälte der Stratosphäre und der auf der Erde herrschenden Hitze.

Piccard in Dejenzano.

Dejenzano, 19. Aug. Professor Piccard und sein Be­gleiter Cosyns wurden bei ihrer Ankunft gegen 22.15 von den Ortsbehörden begrüßt. Gleichzeitig kamen zwei Lastwagen an, auf denen Ballonhülle und Gondel sowie alle Instrumente verstaut waren, die Piccard selbst ab- moutiert Hacte. Piccard zog sich sofort nach seiner Ankunst auf sein Zimmer zurück. Doch fand er noch Zeit, den Presse­vertretern gegenüber seiner großen Genugtuung

über das Gelingen des Fluges Ausdruck zu geben. Er erklärte, daß er beim Aufstieg mehrere Male die Adria und das Thvrrhenische Meer habe sehen können. Die Meßinstrumente hätten außerhalb der Gondel eine Temperatur von 5 5 Grad unter Null und i n der Gondel von 15 Grad unter Null ausgezeichnet. Der Ballon habe eine Höhe von 16700 Metern erreicht. Das ausgezeichnete Wetter habe es gestattet, zahlreiche Beobachtungen anzustellen, auf deren Durch­führung er von Anfang an gehofft habe.

Die vor dem Hotel harrende Menge brachte Professor Piccard begeisterte Huldigungen dar, so daß er vier mal auf dem Balkon erscheinen mußte.

Die wissenschaftlichen Instrumente Piccards beschädigt.

Paris, 19. Aug. Ein Vertreier der Agentur Havas berichtet aus Dejenzano, der Begleiter von Professor Pic­card, Ingenieur Cosnns, habe erklärt, daß j ä m t l i ch e wissenschaftlichen Instrumente bei der Landung beschädigt worden seien. Doch seien die wissenschaftlichen Dokumente intakt geblieben.

Wir werden lange im Amte sein

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am 27.Y1931 16000m/

Flugzeug-flöhen- tvelfnekord 1930

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i Hugzeugpehord 26. Y29 Willi Neun dorf 72739m

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Mount Everest (Jndien) hoch fler Berg der Welt noch nicht befliegen

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Mount McKinley (Alaska) höchster Berg in Nordamerika bestiegen 1925 6187m

Frühere Höhen- rckorvc.

Unser Schaubili gibt einen Vcv gleich der bisheri gen Höhcnrckorv( mit beut neue« ©tmtofpbnrcnfluß Professor Piccards

geschützt als die freie Ebene' von Augsburg, wo der Sallon stark unter seitlichem Druck gestanden habe. Piccard bebauerte cs besonders, daß keine Vertreter aus >lug^burg oder Bayern anwesend waren.

^m 4.52 Uhr kletterte Piccard durch die enge Luke f >n die Gondel hinein,

wobei ihn die Umstehenden unterstützten. In der Luke sichend, lief er noch zurück:Vielen Dank an alle, die geholfen Haven, und A u f Wiederse h c n è Ein vielstimmigesAuf Wiedersehen"' antwortete

Ingenieur C o s y n s war schon vor Professor Piccard in die Gondel gestiegen, und Professor Piccard unterhielt sich noch mit Ingenieur Kipfer, der beim ersten Flug LWt »SU über _bie verschiedenen Einzelheiten, Nach

Der Reichskanzler über die Ziele seines Kabinetts.

Der Deutsche Reichskanzler von Papen hat einem Der- irder der englischen Presse gegenüber wichtige Erklärungen über die Ziele seines Kabinetts aus dem Gebiete der äußeren und inneren Politik abgegeben.

Er betonte zunächst, die Forderungen Deutschlands nach der

Küstungsglcichhcit.

Dies sei eine wichtige Frage, und es ginge nicht an, dap Deutschland noch weiterhin Diskriminierungen ausgesetzt sei und als eine zweitklassige Nation behandelt würde. Deutschland habe nicht den Wunsch oder die Ab­sicht der Wiederaufrüstung. Aber es verlange, daß die anderen Nationen ihr Abrüstungsversprcchen auch wirk- lich hielten. Sollte man Deutschland das gleiche Maß der Sicherheit verweigern, so würde die deutsche Regierung die notwendigen Schritte tun, wie sie vom Reichswehr­minister von Schleicher angedeutet worden seien.

Der Reichskanzler ging jedoch über die Frage nach dem etwaigen Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund hin­weg und vermied es, sich hierüber zu äußern. Er erklärte aber, daß auch die

ungleiche Behandlung Deutschlands in der Kolonialfrage

verschwinden müsse. Auch hier liege eine Ungerechtigkeit vor, die früher oder später beseitigt werden müsse, denn Deutschland habe die feste Absicht, Kolonien zu erwerben.

Hinsichtlich der inneren Politik

äußerte sich der Reichskanzler dahin, daß er nicht die Ab­sicht habe, dem Reichstag aus dem Wege zu gehen. Er setze seine Hoffnung hierbei aus den gesunden Menschen­verstand der Parteien, die einsehen müssen, daß keine andere Regierung die jetzige ersetzen könne. Er gab sich der Hoffnung hin, daß er mit diesem Standpunkt Erfolg haben werde.

Sollte aber der Reichstag kein Vertrauensvotum ab- geben ober sein Mißtrauen aussprcchcn, so würde die Regierung die Schritte tun, die der dann ent« stehenden Lage angemessen sein würden. Aber sie würde auch hierbei der Verfassung die nötige Achtung entgegen- bringen. Der Reichskanzler ließ hier anbei entfliessen, daß seine Regierung noch lange Zeit im Amte bleiben werde.

Dann ging der Reichskanzler noch aus seine Besprechung mit Hitler

ein. Herr Hitler habe ihm gegenüber zugegeben, daß er während der letzten Monate erhebliche Schwierigkeiten mit dem ungeduldigen Teil seiner Anhänger gehabt habe. In­folgedessen könne er sich nicht darauf entlassen, sich an einem Kabinett nur zu beteiligen, sondern er müsse d i e g a n z e Gewalt verlangen. Es könne also kein Zweifel bestehen, daß Hitler im Gegensatz zu dem von den National­sozialisten veröffentlichten Dementi die volle Macht ver­langt habe. Im übrigen sprach sich der Reichskanzler

beruhigend über die Absichten der Hitler-Partei aus. Herr Hitler habe ihm die Versicherung gegeben, daß er keine ungesetzlichen Mittel anwenden werde, und er, der Kanzler, habe keinen Grund, ihm nicht zu glauben. Eine Gefahr von feiten der Hitler-Partei be­stehe also nicht.

Die Regierung stehe jedoch auf dem Standpunkt, daß es ihre Pflicht sei, jede gewaltsame Revolte gegen ihr An- feOen und gegen ihre Autorität zu unterdrücken, nötigen­falls unter Anwendung von Waffengewalt.

*

Reichsiag am 30. August.

Der Präsident des Reichstags, Löbe, hat nach einer mit dem Reichskanzler gehabten Rücksprache den Reichstag auf Dienstag, den 30. August, nachmittags 3 Uhr, cinbcrufcn.

*

Die Kolonialfrage.

Zu der Bemerkung des Reichskanzlers von Papen in seiner Unterredung mit einem englischen Pressevertreter bezüglich der Kolonialfrage wird von zuständiger Stelle erklärt, diese Bemerkung sei so auszufassen, daß die Kolonialfrage im Rahmen der Verhandlung über die all­gemeine Gleichberechtigung Deutschlands be­sprochen werde. Die Frage werde aber nicht vor­dringlich behandelt. Sie sei wohl durch den Besuch des früheren Kolonialstaatssekretärs von Lindequist bei dem Reichskanzler angeregt worden. Reichswehrminister von Schleicher habe keine Verhandlungen über die Ko- loniasfragc geführt.

*

Sie revolutionäre Bedeutung

der nationalsozialistischen Bewegung.

In der nationalsozialistischen Parteikorrespondenz NSK. erklärte der Chef des Stabes, R ö h m, die national­sozialistische Bewegung sei ihrem Ursprung und ihrem Ziele nach eine revolutionäre Bewegung, weil sie eine grundlegende Neugestaltung des Staates nach Wesen und Inhalt erstrebe. Der Träger dieses revolutionären Gedankens könne nur der S A. Bi annsei n. Es müsse immer wieder herausacstellt werden, daß sein Streben und

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der ncugcwählle Reichstag ist zu seiner ersten Sitzung an den 30. August einberufen worden.

* Zwischen Reichsregierung und Rc idR cn i >k iv- r M Finanzierung vcö «rbcitSbcschaffungspr-gramm« «rh°E

* Professor Piccard hat feinen zweiten S-ratosptzärenslux unternommen.