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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 190 1932

Fulda, Montag, 15. August

9. Jahrgang

Reichsregierung Papen bleibt

Ergebnislose Verhandlungen mit Hitler.

Neubestätigung des Kabinetts Papen.

Der Parteiführer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Adolf Hitler, wurde am Sonnabend- nachmittag um 16.15 Uhr vom Reichspräsidenten zu der entscheidenden Unterredung über die Regierungsum­bildung empfangen.

Der Empfang Hitlers beim Reichspräsidenten dauerte nur eine Viertelstunde. Dem Empfang wohnten der Reichs­kanzler sowie der Staatssekretär Meißner, von national­sozialistischer Seite Hauptmann Röhm und der Abgeord­nete Frick bei.

Die Unterredung verlief völlig ergebnislos. Die Reichsregierung von Papen bleibt unverändert im Amte.

In der glühenden Augustsonne, in der schattenlosen WilhelmstraHse in Berlin, wo die Gebäude der Reichs­regierung liegen, standen Tausende von Menschen und hatten ihren Blick auf die beiden Vorgartenportale gerichtet, die zum Palais des Reichskanzlers führen. Im gleichen Hause hat auch der Reichspräsident vorübergehend Wohnung genommen, weil in seinem Palais, das einige Häuser weiter liegt, Bauarbeiter und Handwerker mit Reparaturen beschäftigt sind. Von der Fahnenstange des Reichskanzlerpalais, der sogenannten Reichskau-lei, weht die Präsidentenflagge, woran jeder erkennen kann, daß Hindenburg anwesend ist. Gerade um die Mittagszeit des Sonnabends, als die Sonne am heißesten brannte, stauten sich die Massen in der Wilhelmstraße, die Polizei mußte Absperrungen vornehmen, die Autos mußten Umwege machen. Als ein kleines niedriges Auto vorsuhr, ertönten laute Heilrufe. Wer in dem Auto saß, > war für die meisten nicht zu erkennen, aber Hitlers An­hänger ivußten, daß es ihr Führer war, und begrüßten ihn. Stundenlang wartete die Menge. Eine Stunde etwa dauerte die Aussprache Hitlers mit dem Reichskanzler, und bald darauf sollte die noch weit wichtigere Unter­redung Hitlers mit dem Reichspräsidenten stattfinden. In der Menge hatten sich überall Gruppen gebildet, in denen lebhaft über die möglichen Entscheidungen debattiert wurde.

Als Hitler zum Reichskanzler kam, hatte er bereits Reichswehrmini st er von Schleicher einen Be­such abgeftattet. Herr von Papen war über die Wünsche des nationalsozialistischen Parteiführers am Tage zuvor durch die Beauftragten Hitlers, Hauptmann a. D. Röhm und Grafen Helldorf, Führer der Berliner SA., unterrichtet worden. Beide waren auch beim Rcichs- Wehrminister gewesen, ebenso bei dem Chef des Reichs­präsidentenbüros, Staatssekretär Meißner. Hitlers 1 Besuch in der Reichskanzlei sollte die Entscheidung bringen. Der Reichspräsident selbst drängte auf schnellen , Abschluß der Verhandlungen.

! Die ersten Nachrichten über Hitlers Aussprache mit , dem Reichsktmzler gaben tvenig Hoffnung auf eine Einigung. Hitler, so wurde mitgeteilt, sei in der Unter« ! I . ""il üci der Forderung geblieben, die seine Presse schon ankündigte, bei der Forderung, daß ihm, dem j ^uhrerder Nationalsozialisten, das Kanzleramt über- . 9, E un^ daß er eine ausschlaggebende Stellung ' r , Relchsregleruna erhalten müsse. Der Reichskanzler Earte, Ä ln der Lage zu sein, diese für ihn 31t weit- ] gehende Forderung anzunehmen, und machte Hitler G e - schlug vor, Hkler solle den Posten eines Vizekanzlers übernehmen und gleichzeitig das Amt

' des preußischen Ministerpräsidenten. Diese Vorschläge Papens wurden aber von Hitler abgclchnt. 7 J

i So war der Stand der Dinge, als Hitler in den , Nachmittagsstunden zum Reichspräsidenten führ

I *

Hitlers Empfang bei Hindenburg.

über die mit Spannung erwartete Unterredung, die der Reichspräsident mit dem Führer der Nationalsozia­listen, Hitler, hatte, wird nunmehr folgende amtliche Darstellung gegeben:

Reichspräsident von Hindenburg empfing in Gegen­wart des Reichskanzlers von Papen den Führer der NSDAP., Adolf Hitler, zu einer Brsprechnng über die politische Lage und die Frage der Umbildung der Rcichs- rcgierung.

Der Reichspräsident richtete an Hitler die Frage, ob er bereit sei, selbst sowie mit anderen gegeigneten Per­sönlichkeiten der NSDAP, in die von dem Reichskanzler von Papen geleitete Regierung cinzutreten. Herr Hitler v c r n c i n t c dies und stellte an den Herrn Reichspräsi- deuten die Forderung, ihm die Führung der Reichsrcgic- rung und d i c g e s a m t c S , a a t ö g c w n l 1 i n v 0 l - lem Umfange zu übertragen

Reichspräsident von Hiudenbürn lehnte diese Fo rdetung sehr bestimmt mit der Begrün- er cs vor seinem Gewissen und seinen Pflichten dem Laterlande gegenüber nicht verantworten tonne, die gesamt ReglerungsgewaU ausschließlich der ^EtonalsoziaUst schen Bewegung zu übertragen, die diese Macht einseitig anznwendcn gewillt sei. Er bedauerte, daß Herr Hitler sich nicht in der Lage sehe, entsprechend seinen vor den Reichstagswa sieg abgegebenen Erklärungen eine

vom Vertrauen des Herrn Reichspräsidenten berufene nationale Regierung zu unterstützen.

Die Aussprache schloß alsdann mit einer e r n st e n Mahnung des Reichspräsidenten an Hitler, die von ihm «»gekündigte Opposition der NSDAP, ritterlich zu führen und feiner Verantwortung vor dem Vaterlande und vor dem deutschen Volle sich bewußt zu bleiben.

Vor dem Empfang bei dem Herrn Reichspräsidenten hatte im Laufe des Vormittags eine Aussprache des Reichskanzlers mit Herrn Hitler stattgefunden. In dieser Aussprache hatte sich der Reichskanzler erboten, dem Herrn Reichspräsidenten Herrn Hitler als Vizekanzler in der gegenwärtigen Regierung vorzuschlagen und ferner einige weitere geeignete Persönlichkeiten aus der natio­nalsozialistischen Bewegung mit wichtigen politischen und fachlichen Ministerien zu betrauen, um dieser Bewegung einen ihrer Stärke entsprechenden Einfluß auf die Staatsführung einzuräumen.

*

Eine Erklärung der Äationalsozialiften.

Die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP, teilt mit:Der Führer wurde zu Besprechungen zum Reichs­kanzler von Papen und im Anschluß daran zu Reichs­präsident von Hindenburg gebeten. Auf die ihm vor­gelegten Fragen, ob er und die Partei bereit seien, in eine Regierung von Papen zur Mitarbeit einzutreten, er­klärte der Führer: Wir sind gewillt und entschlossen, die volle Verantwortung für die deutsche Politik in jeder Be-

Es gärt weiter

Anschläge, Haussüchusgeo, Verhaftungen.

Waffenabgabe im Fundbüro.

Die Waffensuche der Hamburger Polizei im Hamburger Gängeviertel, die 26 Handfeuerwaffen mit dazugehöriger Munition zutage förderte, hat zur Folge gehabt, daß Personen, die sich widerrechtlich im Besitz von Waffen befanden, sich ihrer zu entledigen trachteten. So sind in den letzten Tagen in Hamburg nicht weniger als 25 zum Teil geladene Schußwaffen von der Polizei gefunden oder

als Fundsachen bei ihr eingeliefert

worden. Während im Zusammenhang mit der Waffen­suche am 9. August bekanntlich wichtiges Material über den illegalen Rotfrontkämpferbund ge­funden wurde, hat die am 12. August im Einvernehmen mit den preußischen polizeilichen Dienststellen erfolgte . Durchsuchung der Geschäftsstellen der Kommunistischen Partei und ihrer Nebenorganisationen nichts Belastendes ergeben.

Haussuchungen bei der KPD. in Stade und Altona.

In S t a d e wurden die Q u a r t i e r e der k o m m u- nt st i s ch c n P a r t e i f u n k t i o n ä r e überraschend von Beamten der Polizei und der Landjägerei durchsucht. Es wurden einige Gummiknüppel und ein Seitengewehr ge­funden. Außerdem wurden eine umfangreiche Korre­spondenz und Schriftenmatcrial beschlagnahmt und der Staatsanwaltschaft übergeben. In einem Falle gelang cs, die gerade eingehende Post der Parteileitung sichcr- zustellen.

Auch in Altona wurden Durchsuchungen bei kom­munistischen Parteiangehörigen sowie in den Büros und Lokalen durchgeführt. " Es soll verschiedenes Material be­schlagnahmt worden sein, doch geben die Behörden dar­über keine Auskunft.

Die Haussuchungen in Allcnstein.

Bei der auch in A l l e n st e i n durchgcführtcn Polizeiaktion gegen Funktionäre der KPD. wurden bei 17 kommunistischen Funktionären Haussuckun-

Der 26. Deutsche Mietertag.

Die wohnungspolitische Lage.

In Würzburg trafen sich die Vertreter der ge­samten deutschen Mieterorganisation zu ihrer ersten Tagung anläßlich des 26. Deutschen Mietertages. Der Bnndesvorsitzcnde konnte in seiner Begrüßungs­ansprache eine Reihe Behördenvertreter und Vertreter verwandter Verbände begrüßen. Landtagsabge- o r d n c t e r Kurz betonte, daß der bayerische Land­tag die Bestrebungen der Mieterorganisation in jeder Weise fördere und '

beiden Parteien, Mietern und Vermietern, gerecht werden

wolle. Der Vertreter des Deutschen Bau- g ewerkb und es Berlin würdigte die Verdienste des Mieterbundes. 80 Prozent aller Bauhandwerker seien heute arbeitslos. 500 000 könnten jahraus, jahrein mit Jnstandsetzungsarbciten beschäftigt werden. Es sei ein Rückgang der Wohnkultur in Deutschland fest­zustellen.

Bundesvorsitzender Herrmann-Dresden hielt dann einen --------------- .------------

Ziehung zu übernehmen, wenn man uns dafür die ein­deutige Führung der Regierung anvertraut. Ist das nicht der Fall, so kann die nationalsozialistische Bewegung weder an der Macht noch an der Verantwor­tung teilnehmen. Insbesondere kommt ein Eintritt in die Regierung Papen für die Partei nicht in Frage.

Da aber der Reichspräsident von Hindenburg es ab­lehnte, die nationalsozialistische Bewegung als stärkste Partei mit der Führung der Regierung zu betrauen, wur­den die Verhandlung als ergebnislos abgebrochen.

Die nunmehr getroffenen Maßnahmen für die weitere Fortführung des Kampfes der nationalsozialistischen Be­wegung werden in einer in der kommenden Woche statt­findenden Führertagung bekanntgegeben werden.

Der Führer verließ noch am Sonnabend Berlin.

Zu dem amtlichen Kommuniquè über die Zusammen­kunft Hitler-Hindenburg-Papen, das in manchen Punkten nicht unbedeutende Unrichtigkeiten enthält, wird die NSDAP, noch Stellung nehmen."

*

Beschleunigte Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

Der Reichspräsident brachte, wie weiter amtlich mitgeteilt wird, vor seiner Abreise nach Neudeck gegenüber dem Reichskanzler, der sich von ihm ver­abschiedet, zum Ausdruck, daß nachdem nunmehr Klarheit über die politische Lage geschaffen sei mit der größten Beschleunigung die zur Behebung der Arbeitslosigkeitvordrin glichen Aufgaben gefördert werden müßten. Der Reichspräsident erklärte hierbei dem Reichskanzler, daß er seiner tatkräftigen Unter­stützung bei der Erledigung dieser Aufgaben gewiß sein könne.

gen vorgenommen. Bei verschiedenen Angehörigen der KPD. wurden Waffen gefunden, darunter be i d e m kom­munistischen Führer Grzcski eine Militärpistole sowie einige Gummiknüppel. Grzeski wurde wegen uner­laubten Waffenbesitzes festgenommcn und dem Gcrichts- gefängnis zugeführt.

Zum Reichenbacher Sprengstoffanschlag.

Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der unter dem Verdacht der Mitbeteiligung an dem Reichenbacher Spreng stoffanschlag verhaftete SS. - Mann Wagner aus Reichenbach (im Eulengebirge) nach an­fänglichem Leugnen eingestandcn, daß der Sprengkörper von Jenke zur Explosion gebracht worden ist, und daß dieser dabei tödlich verunglückte.

Sieben SA.-Leute in München festgenommen.

Im Zusammenhänge mit den Terrorfällen in der Nacht zum 4. August in München sind, wie der Mün­chener Polizcibericht mitteilt, neuerdings sieben Ange­hörige der SA. festgenommen worden. Sie wurden dem Richter vorgeführt, der Haftbefehl erlassen hat.

Dr. Bracht an die Königsberger Polizeibeamten.

Der mit der Wahrnehmung der Geschäfte des preu­ßischen Ministers des Innern beauftragte Reichskommissar Dr. Bracht hat folgenden Erlaß hcrausgegcbcn:An die Beamten des Polizeipräsidiums Königsberg sind seit der Reichstagswahl außerordentliche Anforderungen gestellt worden. Mit großer Pflichttreue und unter Anspannung aller Kräfte haben die Beamten ihren schweren Dienst vcr sehen. Der Tätigkeit der Polizei ist cs mit zu verdanken, daß die in der letzten Zeit im Polizcibczirk Königsberg vorgèkommenc Störung der öffentlichen Ordnung sich nicht weiter ausgcbrcitct und die Lage sich wesentlich beruhigt hat. Ich spreche daher allen Beamten des Außen- und Innendienstes, insbesondere der Krimi­nal- und Schutzpolizei meinen Dank für ihre pflichttreue Arbeit im Dienste der Allgemeinheit aus. Ich ersuche, den Erlaß sämtlichen Beamten in geeigneter Weise besannt» zugeben."

Bortrag über die wohnungspolitischc Lage.

Wichtig sei die Senkung und Angleichung von Alt und Neubaumieten auf die Friedcnsmictc. Als ein Lichtblick in der heutigen Zeit müsse das S i c d l u n g s Problem gewertet werden. Deutschland komme nicht darum herum, etwa 6 Millionen Erwerbslose durch Um­siedlung wieder mit der Scholle in Verbindung zu bringen.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die Unterredung zwischen Hindenburg und Httler ist er- gebnislos verlaufen. DaS Rcichskabinett Papen bleibt un verändert im Amt.

* Reichspräsident von Hindenburg hat einen EhrettMe« die beste deutsche Leistung beim Eurvparundflug Hrf^nL

* Der kommissarische preußische stnn"«"'"^r - r- ~ bat einen neuen Erlaß zur schnellen Aufklärung von ^err alten hcrauSgcgtbcn. Teilnehmer neue Er

* In LoS Angeles haben die dcutzchen folge erzielen können. .forschungsballon hat bei

* Ein unbemannter deutscher liaw» einem «ufffics eine Höhe von Ss M M^r cm L