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1.70 NM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg

aXÄSS Zulöa- und Haunetal. Zul-aer Kreisblatt Ansprüche. Verlag: Christian Seip eh Fulda. Re-aktkon und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-flnschluß Nr. 8484

Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H, üachèruck der mit * versehenen Frtikel nur mit «Quellenangabe.ZulSaer ftn^eiger'geftatttL

Nr. 183 1932 Fulva, Samstag 6« August

Anzeigenpreis: Für Behörden, Genossen schäften, Banken usw. kostet die Kleinzeile 0.30 Mark , für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für alle anderen 0.15 Mk. Die Reklame­zeile kostet 0.90 Mk. / Bei Rechnungsstelluna hat Zahlung innerhalb 8 Tag n zu erfolgen.

9. Sättigung

Die neuesten Attentate.

Bombenanschlag auf eine Aeichsbanknebenstelle.

Unruheherde Ostpreußen, Altona, München.

Auf die Reichsbanknebenstelle in Lösten wurde ein Bombenanschlag verübt. An der Hauptfront des Bank­gebäudes in der Hindenburgstraße wurde an den Pfeilern, die einen vorgebauten Balkon tragen, eine Bombe nieder- gelegt und zur Entzündung gebracht. Der gußeiserne Sprengkörper, der eine starke Ladung gehabt haben muß, explodierte mit lauter Detonation, die in weitem Umkreist gehört wurde. Es wurde der untere Teil des einen Pfeilers, an dem die Bombe niedergelegt war, beschädigt und die Scheibe zu dem großen Fenster des Kassenraumes zersplittert; durch die Splitter wurden an der Betondecke des Kassenraumes und des Balkons weitere Beschädigun­gen ungerichtet. Wenige Augenblicke nach der Explosion eilten Publikum und Polizei herbei, die einhellig aus­sagten, daß sie in den Ausgangsstraßen keine verdächtigen Personen gesehen hätten. Lediglich von einem gegenüber­liegenden Grundstück wurde im Dunkel der Nacht kurz nach der Explosion ein verdächtiger Mann beobachtet, der sich eiligst in Richtung des nahen Bahnhofes entfernte.

In der gleichen Nacht wurde ein Sprengstoff- anschlag auf eine Mitgliederversammlung der NSDAP, in I u ch a (Kreis Lyck) verübt. Die Versamm­lung, an der 19 Personen teilnahmen, fand im Saale der Gastwirtschaft Gehdasch statt. Um 22 Uhr erfolgte eine Detonation, bei der die Fensterscheiben des Saales in Trümmer gingen. Personen wurden nicht verletzt. Über den oder die Attentäter ist noch nichts bekannt.

Die weiteren ostpreußischen Überfälle.

Auf die Wohnung des Ortsgruppenleiters der NSDAP, in F r e y st a d t wurde ein Anschlag verübt. Ein großer Stein wurde durch das Fenster geschleudert. Als der Ortsgruppenleiter zwei Schreckschüsse abgab, flüchteten die Täter.

In der Komnickstraße in Elbing hatten sich nachts zahl­reiche Kommunisten angesammelt. Als die Nationalsozia­listen Schmidt und Grün vorüberkamen, wurden sie angegriffen und mit Messern niedergestochen. Sie erlitten gefährliche Verletzungen an Kopf und Rücken.

Auf den Sturmführer in K l e i n - B a b e n z, der sich mit seinem Fahrrad auf dem Wege nach Rosenberg be­fand, wurde geschossen. Zwischen Fincken stein und Alt-Christburg wurde ein Herr von Wedel aus dem Walde beschossen. In Deutsch-Eylau wurde ein faustgroßer Stein in das Fenster der Ortskrankenkasse ge­worfen. Personen kamen nicht zu Schaden

Waffenbeschlagnahme bei Nationalsozialisten.

Tie Altonaer Polizei teilt mit: Auf einem kleinen Gartengelände in Stellingen hat die Polizei gelegentlich von Durchsuchungen in zwei Fällen bei Nationalsozialisten eine geladene Pistole und zwei Trommelrevolver mit 48 Schutz beschlagnahmt.

Gegen den Terror.

Sonderkommiffar für Ostpreußen.

Die politische Verlustliste.

Die Reichsregierung hat ihre Beratungen üb,r die Maßnahmen, die sie gegen den politischen Terror anwenden will, abgeschlossen. Diese Maßnahmen sehen schärfste Be­stimmungen gegen den Mißbrauch von Waffen und Sprengstoffen, gegen Einbrüche in Waffcngeschüftc, ferner Bestimmungen zur Erleichterung von Verhaftungen und zur Erschwerung der Entlassung festgenommener Personen und so weiter vor. Weiterhin ist die Einsetzung von Standgerichten für die schnelle und scharfe Ab- urteilung von Terrorakten geplant. Die Durchführung dieser Bestimmung lvird auf Grund des Artikels 48 durch fine Notverordnung in Kraft gesetzt und soll den Justiz­behörden der Länder übertragen werden. Wie es heißt, wll bei den Beratungen der Reichsregierung auch die Frage der Verhängung der Todesstrafe gegen Plüsche Ausschreitungen besprochen worden sein. Wann d>e Reichsregierung die verschärften Bestimmungen in Kraft setzen lvird, steht noch nicht genau fest. Zunächst soll noch einmal abgewartet werden, wie sich die politischen Verhältnisse namentlich in den Gebieten entwickeln, in Venen letzthin die meisten Terrorakte zu verzeichnen waren.

Die lwußifd)c Regierung hat sich abermals eingehend mit der L a g e O st p r c u st c n ö beschäftigt. Der Bcvoll- machtigte des Reichskvnnnissars für Preußen, Dr. Bracht, >aßt zu den blutigen Vorfällen in Ostpreußen noch einmal ausdrücklich erklären, daß er alle Maßnahmen ergreifen und alle Mittel anwenden werde, die geeignet seien, die Ruhe und das Leben der friedlichen Bürger zu schützen. Dr. Bracht hat den Oberregierungsrat im preußischen Innenministerium Dr. D i e l s als besonderen Kommissar wich Königsberg entsandt, der sich in Ostpreußen rin Bild von der Untersuchung der Vorfälle machen und ihm dar­über berichten soll. Zu den Attentaten in Schles- wig-Holstein teilt Dr. Bracht mit, daß nunmehr die Vorfälle gerichtlich untersucht würden. Über die Urheber sei noch nichts feftgcftcöt worden. Der Regierungspräsident

Bei einer polizeilichen Überholung eines SA.-Ver- kehrslokals in S t e i l s h o p wurden verschiedene Waffen gefunden, so ein Trommelrevolver, eine Gaspistole und ein Dolch. Ferner wurden in einem Versteck unter den Fliesen ein Trommelrevolver, ein Terzerol, ein Schlag­ring, zwei Dolche, ein Totschläger, ein Gummischlauch und sechs Patronen gefunden. Sämtliche Waffen sowie eine im Besitz des Wirtes befindliche Selbstladepistole wurden beschlagnahmt.

Reichsbannerwaffen in Sachsen.

Aus Zwickau wird gemeldet: Im Mülsen Sankt Jakob sind drei, in Oelsnitz zwei, in Krimmitschau drei und in Kunersdorf ein Reichsbannerangehöriger wegen unerlaubten Waffenbesitzes verhaftet worden. Bis jetzt sind 125 Pistolen und etwa 7000 Schuß Munition ans Tageslicht gelangt. In die Angelegenheit sind nunmehr 40 führende Persönlichkeiten des Reichs­banners verwickelt. Die Waffen sind unter Deckadressen aus Suhl geliefert worden. Man rechnet damit, daß oie Lieferungen sehr umfangreich sind.

Nächtliche Schießerei in einem Chemnitzer Kaffeehause

In Chemnitz kam es in der Nacht in dem Kaffee­haus Herold, einem Verkehrslokal der Na­tionalsozialisten, zu einer Schießerei. Es er­schienen zwei Fremde, deren Parteizugehörigkeit noch nicht festgestellt werden konnte. Zwischen diesen und anderen Gästen kam es zu einer erregten Auseinandersetzung. Plötzlich fielen einige Schüsse. Der Dentist Krebeck aus Chemnitz wurde durch einen Revolverschuß schwer verletzt; er ist seinen Verletzungen erlegen.

Kommunistische Umtriebe in München.

Unter der ÜberschriftKommunistische Umtriebe' liest man im Münchener Polizeibericht:Die Kommunisten hatten für Donnerstagabend Demonstrationen im Westen und Osten der Stadt anberaumt. Die geplanten Auf­märsche konnten aber Uiâ zur Entfaltung kommen, da die Polizei vor den Demonstranten am Platze war. Bei der Räumung der Straße in Westend mußte verschiedentlich vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht werden. Bei den Säuberungsaktionen in Giesing wurden 1 4 K o m m u- nisten fest genommen. Bei ihnen wurden Pistolen, Schlagwaffen und Dolche beschlagnahmt. In W e st e n d wurde ein Nationalsozialist von etwa zehn Kommunisten tätlich angegriffen. Beim Einschreiten der Polizei wurde von einem der Beteiligten eine Armee­pistole weggeworfen. Im übrigen gelang es den Polizei­streifen wiederholt, unberechtigt waffenführende Personen festzunehmen/

Eine Verlustliste der SA.

Der Völkische Beobachter in München bringt unter der Überschrift:Die furchtbare Blutbilanz des roten Bürgerkrieges" folgende Zahlen: 8186 tote und verletzte Nationalsozialisten vom 1. Januar 1932 bis heute.

59 Tote beklagt die NSDAP, allein in diesem Jahr. Im Jahre 1931 betrugen die Verlustziffern der NSDAP. 6303 Tote und Verletzte.

in Schleswig führt die Taten auf die außerordentliche politische Spannung vor der Wahl zurück. Soweit die Kommunisten in Frage kämen, seien die Bluttaten zweifel­los auf die Verhetzung der Massen durch die kommu­nistischen Führer und durch die kommunistische Presse zurückzuführen. Bei den Nationalsozialisten habe man den Eindruck, daß ein Teil der jungen SA.- und SS.-Lcute nicht mehr in der Hand der Führer sei.

Wie Dr. Bracht weiter mitteilt, hat

eine Statistik der Überfälle

vom 1. Juni bis 20. Juli zu folgendem Ergebnis geführt (die Statistik umfaßt ganz Preußen außer Berlin): Aus- geführt wurden 322 Überfälle. Dabei gab es 72 Tote und 497 Schwerverletzte. In 203 Fällen waren die Angreifer Kommunisten, in 21 Fällen Reichsbanncrleute, in 75 Fällen Nationalsozialisten, in 23 Fällen ist die Schuld­frage uicht geklärt. Die Berichte der Regierungspräsiden­ten, auf denen die Statistik beruht, sind zum größten Teil schon unter der alten preußischen Regierung ausgestellt worden.

Hauptmann Göring, der politische Beauftragte Hitlers, hatte eine Unterredung mit Dr. Bracht, die den geplanten Maßnahmen zur Bekämpfung des politischen Terrors galt. Er dürfte dabei zum Ausdruck gebracht haben, daß auch die NSDAP, für rücksichtsloses Vorgehen gegen die Unruhestifter ist.

*

Die Einstellung von Hilfspolizei.

Besprechungen im Reichsinncnministerium.

Im Reichsinnenministerium fanden Besprechungen zwischen dem Reichsinnenminister und den Ministern der Länder statt, die ihre Polizeikräfte durch Einstellung von Hilfspolizisten verstärkt haben oder verstärken wollen. Hierfür kommen die Länder Oldenburg, M c ck l e n - b u r g und B raunschwcig in Frage, die sänitlich eine nationalsozialistische Landesregierung haben. In Olden­burg sind bereits vor den Rcichstagswahlcn SA.-Leute als Hilfspolizeikräfte eingestellt worden.

Die braunschweigische Landesregierung ist in ihrer Absicht zur Einstellung von Hilfspolizei noch dadurch be- stärkt worden, als auch in den Sitzungen der braun­schweigischen Landtagsfraktion der Nationalsozialisten- und der bürgerlichen Einheitsliste der Wille zum Ausdruck gekommen ist, der braunschweigischen Staatsregierung den Auftrag zu geben, die staatliche Polizei durch eine Hilss­polizei zu verstärken. In der Aussprache zwischen dem Reichsinnenminister und den Länderministern mußten noch finanzielle und juristische Fragen wegen der Ein­stellung der Hilsspolizei geklärt werden. Die finanziellen Fragen betrafen die Polizeikostenzuschüfle, die das Reich den Ländern zu gewähren hat, die juristischen Fragen die Stellung der Hilfspolizei im Staate. In politischen Kreisen Braunschweigs wird angenommen, daß schon dem­nächst 100 Hilfspolizeibeamte dort eingestellt werden können.

Die Besprechung ergab, daß es sich in den Ländern im wesentlichen um Überlegungen handelt, wie die Ruhe und Sicherheit im Bedarfsfälle aufrechterhalten werden könne.

Soweit schon Schritte zur Verstärkung der Polizei getan sind, handelt es sich um vorübergehende Maßnahmen, die in Kürze wieder aufgehoben werden.

Ministerwük-sche der NSDAP.

Die Gerüchte über die Forderungen der National­sozialisten hinsichtlich der Regierungsbildung verdichten sich immer mehr. Jetzt verlautet, daß die Nationalsozia­listen das Kanzleramt verlangen, und zwar für Hitler selbst, und das Reichsinnenministerium für Gregor Strasser. Alle anderen Ministerien sollen von Fachleuten geleitet werden. Entscheidende Besprechungen zwischen Regierung und Nationalsozialisten werden aber nicht vor Rückkehr des Reichskanzlers v. Papen von seinem Urlaub stattfinden

Beamienwechfel in Preußen.

Beschlüsse des Staatsministeriums.

Das preußische Staatsministerium hat folgende Be­schlüsse gefaßt:

Der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen, Dr. Siehr, wird entsprechend seinem Anträge zum 1. Oktober 1932 in den Ruhestand versetzt und einstweilen beurlaubt.

Der Vizepräsident im Oberpräsidium der Provinz Ostpreußen, Dr. Steinhoff, wird bis auf weiteres von seinen Dienstgeschäften beurlaubt. Seine Wiederverwen­dung ist in Aussicht genommen. Mit der Stellvertretung des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen wird Ober­regierungsrat Agricola von der Regierung in Königs berg in Preußen beauftragt.

Der Ministerialrat im preußischen Siaatsnunnrenum Dr. Weichmann ist in gleicher Eigenschaft in das Ministe­rium für Handel und Gewerbe versetzt worden.

Der Landrat i. e. R. Rotberg in Fallingbostel ist mit der kommissarischen Verwaltung des Landratsamtes im Kreise Goslar beauftragt worden.

Der Oberpräsident von Ostpreußen Dr. Sicbr ist von seinem Amt zurückgetreten.

40 Wagenladungen Obst ins Meer gestürzt.

Paris. An der spanisch-französischen Grenze in derbere wurden 40 Eisenbahnwagenladungen mit spanischem Obst i n s Meer gestürzt, weil sie nicht nach Frankreich eingeführl werden durften. Das Obst stammte aus Südspanien und traf erst an der Grenze ein, als das französisch-spanische Abkommen über die Kontingentierung des Obstes bereits in Kraft getreten war. Da ein Verkauf in den Grenzorten sich als aussichtslos erwies, stürzte man die ganze Ladung, die einen Wert von etwa 1 Million Franc hatte, ins Meer.

Kleine Zeitung für eilige Lelee

* Im Reichsinnenministerium fanden Vnorcu u-wen übe, die Einstellung von Hilsspolizri in den natlonal!o»-mwm" regierten Ländern statt. ~ ,

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* Auf die Reichsbanknebenstrue m-^ ^A Orte» wurde ein Bombenanschlag verüb. Auch °uS anderen kn« Ostpreußens werden wieder Anichlage g - .

* In Paraguay ist ein Amazoucubataillou zum Kampl- gcgcn Bolivien gebildet worden.