Zul-aer Mzeiger
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Nr. 182 — 1932
Fulda, Freitag 5. August
9. Jahrgang
Schlitz mit dem Terror!
Die ReichSlegierung greift ein!
Wiederherstellung von Sicherheit und
Ordnung.
Die Mitglieder des Reichskabinetts hielten am Donnerstag, soweit sie in Berlin waren, eine Besprechung ab, um sich mit den in den letzten Tagen begangenen Terrorakten zu beschäftigen und über Massregeln zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu beraten.
Die Reichsregierung sieht die Ereignisse, die sich besonders in zahlreichen Orten Preußens abgespielt haben, für sehr ernst an. Die Reichsregierung wird vor allem die Strafen für die Terrorakte verschärfen und eine Abkürzung des Verfahrens einführen. Ferner handelt es sich bei den vom Reichskabinett geplanten Maßregeln vor allem auch um verschärfte Handhaben zur Beschlagnahme von Waffen, zur Durchsuchung größerer Gebiete nach illegalen Waffen usw. Illegaler Besitz und unrechtmäßige Handhabung von Waffen sollen härter bestraft werden als bisher. Zur sofortigen Aburteilung von Attentätern und sonstigen an politischen Unruheakten beteiligten Elementen sollen Sondergerichte eingesetzt werden. Die vorstehend umrissenen Maßregeln sollen in einer neuen Notverordnung zusammengefaßt werden, die so rasch wie möglich in Kraft gesetzt werden soll.
Die Beratungen des Reichskabinetts standen unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers, Freiherrn v. Gahl. Reichswehrminister V. Schleicher nahm an der Sitzung nicht teil, da er von seiner Inspektionsreise zu Beginn der Beratungen noch nicht zurückgekehrt war.
Auch das preußische Staatsministerium beschäftigte sich mit der bedenklichen innenpolitischen Lage. Hierbei standen die polizeilichen Maßnahmen im Vordergrund, die zur Abwehr der besonders in Ostpreußen vorhandenen Gefahren getroffen werden sollen.
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Todesstrafe — wenn nicht umgehend Ruhe wird.
Es dürfte lediglich von den Vorgängen der nächsten 18 Stunden abhängen, ob verschärfende Bestimmungen zur Bekämpfung des Terrors, die vom Reichskabinett bereits beschlossen worden sind, durch eine neue Notverordnung des Reichspräsidenten in Kraft treten sollen, oder nicht. Da diese neuen Bestimmungen u. a. auch die Todes st rase vorsehen, will man zunächst noch abwarten, »b sich diese äußerste Maßnahme nicht doch noch umgehen läßt, da sic im Falle ihres Inkrafttretens dann auch mit unverminderter Schärfe durch- geführt werden müßte. Die Aburteilungen würden vor Sondergerichten auf dem schnellsten Wege zu erfolgen haben.
Kriegsgefahr hüben und drüben.
Amerika vermittels zwischen
i Bolivien und Paraguay.
Nach einer Meldung aus Washington haben von 19 amerikanischen Staaten 15 ihre diplomatischen Vertreter in Washington angewiesen, Noten zu unterzeichnen, in denen
Bolivien und Paraguay zur sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten aufgesordert werden.
Der Präsident des Völkerbundrates hat der bolivianischen Negierung eine Beschwerdenote der Regierung von Paraguay übermittelt, in der erklärt wird, daß das Vorgehen Boliviens einen
Bruch der Verpflichtungen des Völkcrbundabkommcns bedeute. In einer Bcaleitnote ersucht der Rats- Präsident Bolivien um Mitteilung, welche s r i c d l i ch e n Mittel es zur Beilegung des Streits vorschlage.
Die internationalen Versuche, eine Einigung herbei- zuführen, stoßen nach Genfer Auffassung auf Schwierigkeiten, da wirtschaftliche Interessen verschiedener Gruppen zu berücksichtigen sind. Das strittige Chaco- Gebiet wird seiner wirtschaftlichen Bedeutung unb internationalen Stellung nach mit dem Mossul« Gebiet verglichen.
Weitere Kämpfe im Chaco-Gebiet.
Berichte aus Bolivien und Paraguay besagen übereinstimmend, daß die Kämpfe ihren Fortgang nehmen. Bolivianische Flugzeuge haben die russische Emigrantenkolonie Nemmonite erneut mit Bomben belegt. Der Präsident von Paraguay verlangt in einer neuen Kundgebung an die Armee Taten, die des Kampfgeistes ihrer Vorväter würdig seien.
Die Regierung in A s u n c i o n dementiert die Berichte, daß bolivianische Truppen einen Angriff auf Puerto Casado am Paraguay-Fluß ausgeführt hätten.
Südamerika mobilisiert weiter.
Bolivianische B c f ü r ch tu n g c n.
Obwohl weder Bolivien noch Paraguay eine Kriegserklärung hcrausgcgebcn haben, geht doch in beiden Ländern die Mobilmachuna weiter.
Keine allgemeine Zinssenkung
Gegenüber Meldungen, daß in der Frage der Zins- konversion Meinungsverschiedenheiten im Reichskabinett mit dem Reichswirtschaftsminister Dr. Warmbold entstanden seien, wird von zuständiger Stelle erneut betont, daß die Reichsregierung das gegenwärtige Zinsniveau in Deutschland für zu hoch halte. Eine generelle Zi?^ senkung aber werde nicht angestrebt, und an der Abs,^., eine individuelle Regelung herbeizuführen, habe sich nichts geändert. Das Kabinett sei übereinstimmend dieser Ansicht, und es bestehe keinerlei Anlaß, von einer Krise zu sprechen.
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Um die Regierungsbildung.
Der Vorstand der Z e n t r u m s p a r t e i hat sich in einer Sitzung in Köln mit den Fragen bezüglich der Regierungsbildung in Reich und Preußen beschäftigt. Offiziell ist über Inhalt oder Ergebnis dieser Beratungen nichts gesagt worden, es wird nur von Zentrumsseite betont, daß man irgendwelche Beschlüsse in dieser Sitzung nicht gefaßt habe, schon deswegen nicht, weil der Fraktionsvorsitzende, Prälat Kaas, zur Zeit krank sei. Jedoch ist so viel über die Sitzung an die Öffentlichkeit gedrungen, daß man beschlossen habe, mit der Bayerischen Volkspartei eine feste Abrede zu treffen, K o a l i t i o n s - Verhandlungen nur gemeinsam zu führen. Die engere Verbindung mit der Bayerischen Volkspartei ist schon seit Jahren der Wunsch des Zentrums, aber in München hat man diese Neigung — früher wenigstens — nur schwach erwidert. Es ist klar, daß das Zentrum der Möglichkeit eines Sondervorgehens der Bayern vorbeugen will. In der Kölner Porstandssitzung soll man sich darüber einig geworden sein, mit den N a t i o n a l s o z i a l i st e n keine Regierungsgemeinschaft zu bilden, doch will man sich bereit erklären, ein Reichskabinett mit nationalsozialistischen Mitgliedern unter bestimmten Bedingungen zu tolerieren. Die Bedingung dürfte sein, daß von Papen, der dem Zentrum persönlich nicht genehm ist, vom Kanzleramt zurücktritt. Man spricht deshalb schon davon, daß Dr. Bracht, der stellvertretende Reichskommissar, das Kanzleramt übernehmen würde. Daß der Kanzler auch bei den Nationalsozialisten wenig Freunde hat, zeigen die sehr scharfen Angriffe des preußischen NSDAP.-Führers K u b e auf den Kanzler, aber auch auf den Reichsinnenminister und aus den Reichskommissar Dr. Bracht. Kube sagt, sie, die Nationalsozialisten, hätten keine Lust, im Reich oder in Preußen eine Statthalterschaft verkappter Zentrumsleute zu dulden. Man schließt aus diesen Angriffen, daß die NSDAP, das Kanzleramt, den Posten des Reichsinnenministers und das Amt des preußischen Ministerpräsidenten für sich fordern werden.
In der Hauptstadt von Paraguay verteilt das Rote Kreuz weiter Gasmasken an die Zivilbevölkerung. Die Regierung läßt große Mengen von Gasmasken an- fertigen, denn der bolivianische Flugzeughafen ist nur vier Flugstunden von A s u n c i o n entfernt. Zivilisten drängen sich zum Heeresdienst. In Puerto Nuevo mußte die Polizei Hunderte von Zivilisten wieder von den Fahrzeugen herunterholen, auf denen sie zu den Truppen an die Grenze fahren wollten. Hunderte von jungen Mädchen umlagern das Kriegsministcrium und verlangen Unterricht im Schießen. Kinder ziehen durch die Straßen und singen die Nationalhymne.
In La Paz, der Hauptstadt Boliviens, befürchtet man, daß ein etwaiger Krieg zu einer Sperrung der Grenzen Boliviens durch die benachbarten Neutralen führen werde; das Ware eine sehr einschneidende Maßnahme, da Bolivien keinen Zugang zum Meere hat, während Paraguay jederzeit Zufuhren auf dem Paraguay-Fluß erhalten kann. Praktisch würde sich also ein solcher Schritt der Nachbarstaaten zu einer Unterstützung Paraguays auswirken.
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Vor Fricdensverhandlungen in Brasilien?
Buenos Aires. Die brasilianische Regierung teilt mit, daß ihre Truppen die Stadt Apia Hy wieder besetzt haben. Sie war im Verlauf der Revolution in die Hand der Aufständischen des Staates Sao P a n l o gefallen. Im Anschluß hieran sind Verhandlungen cingelcitet worden, um zwischen Vertretern der Regierung und der Aufständischen eine Konferenz zustandezu- bringen, aus der über die Einstellung der Feindseligkeiten und Regelung der politischen Streitigkeiten verhandelt werden soll.
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Bedrohliche Lage im Kernen Osten.
Vor neuen japanischen Angriffen.
Wie aus Tokio mitgeteilt wird, haben etwa 1000 chinesische Freischärler die japanische Garnison in der mandschurischen Hafenstadt Inkan in der Liautungbucht angegriffen und in Bedrängnis gebracht. Ein japanischer Kreuzer und drei Zerstörer landeten daraufhin See- soldaten und Matrosen, die in den Kampf cingriffen.
Chinesische Freischärler haben gleichzeitig tüt javanischen Streitkräfte in den mandschurischen
Städten Tschangtschun Liäutschang, Mukden und Jnfau überraschend angegriffen und Erfolge erzielt. Die Lage an den Grenzen der Provinz Jehol wird ständig bedrohlicher. Nach einer halbamtlichen chinesischen Meldung haben die Japaner größere Truppenmassen gelandet und beabsichtigen, die ganze Provinz Jehol zu besetzen, als Vorbereitung für den
Angriff auf Tientsin und Peking.
Im Hinblick aus die gefährdete politische Lage beabsichtigt die chinesische Zentralregrerung, eine besondere Tagung -ach Peking einzuberufen.
Marschall Tschanghsueliang hat Peking verlassen. Wie es heißt, beabsichtigt er, den General Jen- Hstschan zu veranlassen, seine Truppen für die Abwehr des erwarteten japanischen Vormarsches auf Peking zur Verfügung zu stellen.
Oie harinäckigen Polen.
Ihr Protest erneut zurückgewiesen.
Der Berliner polnische Gesandte begao sich zum Reichs- außenminister, um mit ihm, wie verlautet, „laufende Angelegenheiten" zu besprechen. Im Verlaufe der Besprechungen wurde seitens des polnischen Gesandten auch die Angelegenheit des Flaggenzwischenfalles in Warsckmu gestreift, nachdem die polnische Regierung bereits eine Ro:e an die Reichsregierung gesandt hatte. In dieser Mole hat die polnische Regierung, ohne auf Einzelheiten einzugehen, lediglich noch einmal ihren Protest zum Ausdruck gebracht.
Die Note wird von der Reichsrcgicrung unverzüglich beantwortet werden, und zwar in demselben Sinne, den der Retchsaußenminister dem polnischen Gesandten gegenüber bereits am 2. August zum Ausdruck gebracht hatte, daß nämlich der Sachverhalt schon geprüft sei und das Berhallen des deutschen Geschäftsträgers von Rintelen durchaus der internationalen Übung entsprochen habe. Aus diesem Grunde müsse der Protest der polnischen Regierung zurückgewiescn werden.
Die Deutsche Reichsbahn im 3uni.
Nach dem Geschäftsbericht der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft für Juni 1932 stand im Güterverkehr einer leichten Belebung mbreszettlich beeinflußter Gütertransporte ein nicht unbeträchtlicher Abfall im Versand von Baustoffen, Kohlen und künstlichen Düngemitteln gegenüber. Der Personenverkehr blieb im Juni bedeutend hinter dem des Vormonats zurück
Die Betriebseinnahmen stellten sich im Juni aui insgesamt 245 416 000 Mark, die Ausgaben der Betriebsrechnung aus 307 535 000 Mark. Unter Hinzurechnung des Dienstes der Schuldverschreibungen und Anleihen sowie der festen Lasten ergab sich eine Gesamtausgabe von 322 665 00s Mari. Die Gesamtausgaben übersteigen das im Juni ausgekommene Einnahmeergebnis um rund 77 Millionen Mark, so daß nunmehr seit Beginn des Geschäftsjahres rund 447 Millionen Mark durch die Betriebseinnahmen nicht gedeckt sind.
Der Personalbestand betrug im Juni insgesamt 609 988 Köpfe.
Sprengstoffund bei Potsdam.
Keine politischen Hintergründe.
In Mi ch e n d o r f bei P o t s d a m wurde nach Meldung des Amtsvorstehers auf dem Grundstück eines vor einiger Zeit verstorbenen Sprengmeisters eine ziemlich erhebliche Anzahl von Sprengkörpern und einige Kilo Pikrinsäure, die zum Stubbensprengen Verwendung, linden sollten, aufgefunden.
Der Sprengstoff lagerte in einem Schacht und war Durch den Tod des Besitzers vollkommen
in Vergessenheit geraten.
Politische Hintergründe hat die Auffindung dieses Spreng stofflagers nicht. Die Behauptung, wonach es sich um ein Sprengstofflager einer politischen Terrorgruppe handeln soll, ist, wie von zuständiger Stelle betont wird, unrichtig. Die Sprengstoffe wurden der Vernichtung zugeführt.
SA.-Führer wegen Waffenbesitzes verurteilt.
Das Polizeipräsidium in Gleiwitz teilt mit: Die Polizei durchsuchte das Wachtlokal der SA. in Gleiwitz- Sosnitza, wo 26 Mann untergebracht sind, nach Waffen. Es wurden gefunden: eine Mauserpistole mit 26 Schuß Munition, ein Trommelrevolver mit 25 Schuß Munition, ein Taschentesching, vier Gummiknüppel, ein Seitengewehr, ein langes Messer und Ladestreifen mit 28 Revolverpatronen. Die Waffen wurden beschlagnahmt. Der SA.-Führer wurde im Besitz einer Pistole mit 13 Schutz und eines Schlagringes getroffen. Er wurde festgenommen und vom Schnellgericht zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt.
Auf Grund des § 17 der Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen wurde er im Interesse der öffentlichen Sicherheit in Polizeihaft genommen.
Kleine Zeitung für eilige Leser .
* Gegen den allenthalben nufflackernden Terror will die Rcichsrcgierung jctU energisch Vorgehen.
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* Aus Ostpreußen, Q
Reichsgebietes kommen politische Überfälle.