Reise zurück.
In einem großen Teil Deutschlands kehren in diesen Tagen die Urlauber und die Ferienreisenden zum „stillen ^erd" zurück: die Schulferien sind für viele Provinzen zu Ende und mit ihnen meist auch die Ferien der Großen, die mit und in ihrer Freizeit von der Freizeit der Kinder abhängig sind. Mit einer gewissen Wehmut und mit einer nur halb zerdrückten Träne im Auge hat man Abschied genommen vom Strand und von der gelben Düne und den bunt bewimpelten Sandburgen, hat man Abschied genommen von dem Schnee auf den Bergen und von den Fuhuschreien und der imitierten Berglertracht, hat man Abschied genommen von der blühenden Heide und der fremden Stadt, in der es fo viel Herrliches zu sehen gab, und muß nun wieder hinein in das alte Joch, das man wieder ein ganzes Jahr minus vier oder fünf Ferienwochen zu schleppen hat. Ach, es ist schwer, sehr schwer ^^"slber das nützt nun alles nichts: was sein muß, muß reinf Ein paar Tage, ein paar Wochen lang kann man ia vielleicht noch von schönen oder „süßen" Erinnerungen zehren und sich noch nachträglich in eine Art Ferienzustand oder Ferienrausch zurückdenken. Aber schließlich hat auch das ein Ende, denn die neue Arbeit wartet, und im Dämmerzustand läßt sich schwer was Ordentliches schaffen. Eines ist sicher: die Erwachsenen leiden mehr als die Kinder unter den Feriennachwehen, zumal wenn sie ein bißchen träumerisch veranlagt sind und nicht sofort wieder hinaus müssen aus dem Hause. Die Kinder sind vielleicht noch am letzten Ferientage und ein Stückchen darüber hinaus ein klein wenig verstimmt und verheult, aber bald haben sie sich mit ihresgleichen wieder zurecht- und zurückgefunden, und es geht sofort an eine große Berichterstattung über all die Erlebnisse und Abenteuer und Wunder der Ferientage, die geradezu unerhört und vorher noch nie dagewesen waren. Und diese phantasie- volle Erzählerei wird meist auch noch in den ersten Schultag mit übernommen, und der Herr Lehrer und das Fräulein machen gern mit, indem sie fragen und selbst erzählen und bewundernd und staunend die Berichte der Jugend anhören. Aber dann natürlich ist auch das einmal aus, und das Schreibheft und das Einmaleins und, wenn es noch höher kommt, die lateinische Grammatik treten wieder in ihre behördlich festgelegten Rechte.
Auch die Großen sollten und müssen sich schließlich trösten. „Es kann ja nicht immer so bleiben . . ." usw. Wie gesagt, Arbeit findet man ja ohnehin in Mengen vor, ganz gleich, ob man ein Mann oder eine Frau ist, und ob cs sich um Haus- oder Berufsarbeit handelt. Und dann, gestehen wir uns das ruhig ein: zu Hause ist es schließlich doch am schönsten unb am besten, und man hat alle Be- quemlichkeiten, die man sich wünscht, und braucht nicht erst in die Ferne zu schweifen, wo doch das Gute so nahe liegt. Das hat sogar schon der Geheime Rat von Goethe, den wir in diesem Jahre mit Recht so feiern, gewußt! Und wenn mal eine Reichstagswahl in die Ferien fällt, ist es vielleicht auch besser und sicherer, daß man sie zu Hause feiert, weil das in der Fremde immerhin einige Störung in die Ferienruhe bringt. Also freuen wir uns, daß wir wieder da sind, grübeln wir nicht allzulange über Vergangenes, mag es auch noch so schön gewesen sein. Denken wir lieber an die Zukunft, und wie wir sie uns gestalten wollen, und gehen wir frisch an die Arbeit. Und im übrigen gibt es ja wieder mal Ferien!
, Zwangsversteigerung Neidhardt in Fulda.
i Das auf den Namen des Malermeisters Otto Neidhardt Jin Fulda eingetragene Wohnhaus Rhabanusstraße 15 nebst bebautem Hofraum wurde am Mittwoch im Wege der (Zwangsvollstreckung versteigert. Rechte bleiben keine be- ! stehen. Der Einheitswert ist auf 7000 Mark festgesetzt. Das geringste Gebot, enthaltend Eerichtskosten, Steuern 'unb dergl., betrug 761,44 Mark. Das Höchstgebot mit 9 700 Mark gab der Rentner Anselm Blum in Fulda ab.
Er erhielt sofort den Zuschlag.
Zwangsversteigerung Katzmann in Fulda.
- Die auf den Namen des Handelsmanns Liebmann Katzmann in Fulda eingetragenen Grundstücke Wohnhaus Löherstraße Nr. 48 mit Hofraum, Hausgarten, Hinterhaus und Lagerhaus wurden am Mittwoch zwangsversteigert. Der Einheitswert sämtlicher Grundstücke ist auf 15 400 Mk. festgesetzt. Mitzuübernehmen sind Hypotheken im Betrage von 22 741,33 Mark. Das geringste Gebot, enthaltend Eerichtskosten, Steuern und dergl., betrug 1686,31 Mark. Das Höchstgebot mit 1700 Mark gab Herr Bankier Simon Katzmann in Fulda ab. Der Zuschlagstermin ist auf den 10. August festgesetzt.
j Verkehrsunfälle.
Gestern vormittag gegen 8 Uhr stieß eine auswärtige Radfahrerin an der Ecke Abtstor— Wilhelmstraße mit einem Personenkraftwagen zusammen, wobei sie Hautabschürfungen erlitt. Die Radfahrerin mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Ihr Fahrrad wurde stark beschädigt. — An der Straßenkreuzung Truchseßstraße—Buseckstraße—Brauhausstraße ereignete sich gestern abend gegen 18 Uhr ein Zusammenstoß zwischen einem Motorrad- fahrer und einer hiesigen Kraftdroschke. Es entstand geringer Materialschaden.
Wirtschaftsprüfer.
Von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main-Hanau wurden die von dem Herrn Preußischen Minister vpir Handel und Gewerbe öffentlich bestellten Wirtschaftsprüfer Dr. Werner Apelt, Dr, Curt Bunk, Dr. Christian Gutberlet, sämtlich in Frankfurt a. M., Ernst P r e in ß l e r, Frankfurt a. M.-Neu-Isenburg und Robert Siewert, Frankfurt a. M., ferner von der Jndnstrie- uud Handelskammer Hannover der öffentlich bestellte Wirtschaftsprüfer Dr. Ludwig L ii ck h a rdt, Hannover, beeidigt. Im Auftrag des Hessischen Ministeriums des Innern (Abt. für Arbeit und Wirtschaftj wurden als Wirtschaftsprüfer öffentlich bestellt und beeidigt Jakob Z i n n - d o r f, Offenbach a. M., von der Industrie- und Handelskammer Offenbach a. M.; Adolf Görlitz, Darmstadt und Dr. Hans Jünger, Darmstadt, von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt; Emil Krause, Worms am Rhein, von der Industrie- und Handelskammer Worms am Rhein.
Fuldaer Viehmarkt.
Aus dem heute hier abgehaltenen Viehmarkte waren 120 Stück Vieh aufgetrieben. Es kostete das Stück: Bullen 180—240 Mk., Ochsen 270—320 Mk., Fahrstiere 220—260 Mark, Jungstiere 100 bis 150 Mark, frischmelkende Kühe 280—340 Mk., hochtrüchtige Rinder 220—280 Mk., Jungrinder 120—180 Mk., ältere trächtige Kühe 160—220 Mk. Kälber das Pfund lebend Gewicht: 26 bis 30 Pfennig. Der Handel war schleppend, es verblieb Ueberstand. Der nächste Viehmarkt findet am 25. August 1932 statt.
dès „Anzeigers" / Die letzten Tages-Neuigkeiten.
Ministetbesprechungèn über die inneren Sicherheitsmaßnahmen.
Berlin, 4. Aug. Die in Berlin anwesenden Mitglieder der Rrichsregierung sind heute vormittag 11 Uhr unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers von Gayl zu einer Ministcrbesprechnng zusainiiieiigctreteii. Wie wir aus gut unterrichteter Quelle hören, wird bei dieser Gelegenheit das Problem der inneren Sicherheit unb die notwendig werdenden Maßnahme n beraten.
Der „Völkische Beobachter" über die innerpolitische
Entwicklung.
München, 4. Aug. Der „Völkische Beobachter" schreibt in einem Leitartikel betitelt „Entscheidende Wochen" u. a., seit Jahren sei es das Ziel Brünings gewesen, die Nationalsozialisten auszuschalten. Nur deshalb sei Brüning von der SPD. toleriert worden. Diese Taktik sei nun zu Ende, und man gehe in Holder Gemeinsamkeit dahin, die Nationalsozialisten teilnehmen zu lassen an der Regierung. Diese Leute gäben sich noch immer den Anschein, als glaubten sie „es bei uns mit ungefährlichen deutschnationalen Bürgern zu tun zu haben". Wenn man politisch eine jetzt viel beredete Koalition mit dem Zentrum behandeln wolle, so stehe zunächst fest, daß die NSDAP, dreimal stärker sei als diese Partei. „Das würde bedeuten, daß wir zum mindestens von vier Ministern drei zu stellen hätten unter ein-
* Kohlhaus, 4. Aug. (Verkehrsunfall.) Auf der Straße Kohlhaus-Edelzell ereignete sich gestern vormittag gegen 10.30 Uhr ein schwerer Zusammenstoß zwischen dem Motorradfahrer B. aus Löschenrod und einem Schlüchterner Personenkraftwagen. Dem im Richtung Edelzell fahrenden Kraftwagen kam das Motorrad entgegen. In der unübersichtlichen Kurve kurz hinter Kohlhaus stießen beide Fahrzeuge in voller Fahrt zusammen. Der Motorradfahrer wurde zur Seite geschleudert und erlitt an beiden Beinen schwere Knochenbruche. Er wurde sofort dem Landeskrankenhaus in Fulda zugeführt. Sein Motorrad wurde stark beschädigt. Der Kraftwagen wurde an einem Kotflügel nur leicht beschädigt.
Hünfeld. (Schweine markt vom 3. 8.) Die Preise stellten sich je nach dem Alter der Tiere auf 7, 12 und 18 Mark das Stück. Bei gedrücktem Handel verblieb ein größerer Ueberstand. Der nächste Markt findet am 16. August statt.
* Aus dem Schlitzerland. (Ernt e.) Die Getreideernte ist bei uns eben in vollem Gang und hat beträchtlich später als im Vorjahr ihren Anfang genommen. Da die Frucht sich stellenweise viel gelagert hat, so nehmen, da hier Mähmaschinen nicht benutzt werden können, die Erntearbeiten eine längere Zeit in Anspruch als sonst. Abgesehen von der Sommergerste, welche z. B. in Queck und Hutzdorf in stärkerem Maße angebaut wird und schon großenteils gedroschen ist, hat man schon in Sandlofs das erste Korn eingefahren. Wenn die Witterung weiterhin so günstig bleibt, darf mit einer durchaus guten Getreideernte hierzulande gerechnet werden.
* Stumpertenrod, 2. Aug. (UeberfaIl auf einen Nationalsozialisten.) Der Kameradschaftsführer der Hitlerjugend Schellnhausen, Vogel, der seine Eltern in Gelnhaar besucht hatte, wurde daselbst in der Nacht vom Sonntag auf den Montag von einer Anzahl am Wege lagernder Kommunisten mit Gummiknüppeln, Schlagringen und dergl. dermaßen bearbeitet, daß er bewußtlos liegen blieb. Nach wiedererlangtem Bewußtsein konnte der Mißhandelte sich noch mit Aufbietung aller Kräfte nach Hause schleppen.
Marburg, 3. Aug. (Marb u rger Studenten fahren zum A r b e i t s d i e n st.) Gestern morgen hat der erste Trupp Marburger Studenten Marburg verlassen, um die Ferien in einem Arbeitslager bei Caldern zu verbringen. Die Deutsche Studentenschaft ist Träger dieses Freiwilligen Arbeitsdienstes, der von der Gemeinde Caldern unternommen wird. Es sollen an der Lahn einige große Uf erbrüte ausgeführt werden. Zu den Arbeiten sollen auch Erwerbslose aus dem Landkreis hinzugezogen werden. Bedürftige Studenten erhalten eine Tageszülagè von 50 Pf.
Gießen, 1. Aug. (Der Kuckuck im Rotkehlchen- n e st.) In einem Gebüsch im Steinbruch bei Altenbuseck brütete ein Rotkehlchenpaar seine Eier aus, ohne zu merken, daß darunter ein Kuckucksei war. Da der Steinbruch in der Nähe des Waldes ist, jo hatte die Kuckucksmutter dem Gelege der kleinen Sänger ein Ei hinzugefügt. Der junge Kuckuck macht üch nun auf dem Nestrande breit und schnappt den kleinen Stiefgeschwistern das meiste Futter weg. Die niedlichen Xierdw haben eifrig zu tun, um dem großen Fresser den hungrigen Schnabel zu stopfen.
Bad Nauheim, 2. Aug. (Vom Hoteldiener zum Bischofssohn avanciert.) Ein hier weilender Kirchenfürst aus Amerika traf einen 17jährigen Hotelpagen, der seinem kürzlich verstorbenen Sohn sehr ähnelte. Der Herr hat nun den Jungen an Sohnes Statt angenommen rind will ihn in Amerika studieren lassen.
Butzbach, 3. Aug. (Einführung des neuen Butzbacher Bürgermeisters.) In einer öffentlichen Sitzung des Stadtrats fand hier gestern nachmittag durch Kreisdirektor Rechthien-Friedberg die Einführung des neuen Bürgermeisters Dr. Scheller in sein Amt statt. Für die Stadt Butzbach begrüßte Beig. Joutz das neue Stadtsoberhaupt. Bürgermeister Dr. Scheller übernahm darauf sein Amt mit einer kurzen Ansprache. Die vier nntionalsozialistischdn Stadtratsmitglieder waren zu der Sitzung nicht erschienen.
Frankfurt a. M., 3. Aug. (Schweres Bauun - g l ü ck.) Ein ^werks Baüunglück ereignete sich gestern nachmittag in der Heimstättensiedlung der Nassauischen Heimstätten-Gesellschaft in Goldstein. Eine über einem Kellergeschoß fertiggestellte Decke war mit allerlei Bau- gerät zu schwer belastet worden und brach schließlich, da sie noch nicht recht trocken war, in sich zusammen. Drei Arbeiter, die sich gerade auf der Decke befanden, wurden mit in den Keller gerissen und zwei andere Arbeiter, die ihren Kollegen zu Hilfe kommen wollten, erfuhren das gleiche Schicksal. Ein Arbeiter wurde so schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus geschafft werden mußte, die anderen vier wurden leichter verletzt.
Frankfurt a. M., 3. Aug. (I n die Falle gegangen.) Verschiedene Beschwerden beim Postamt Fechenheim ließen keinen Zweifel, daß hier Briefe und Päckchen beraubt wurden: es fragte sich nur, wo der Täter zu finden sei. Der Verdacht lenkte sich auf den Postaushelfer Otto K., den man auf die Probe stellte. Er war abwechselnd mit Briefbestellung. Paketannahme oder Kastenleerung beschäftigt. Zunächst wurde ein Amerikabrief auf ein Bund
deutiger Führung unsererseits: Also alle politisch entscheidenden Ministerien bei entsprechender Regelung in Preußen."
Am Schluß des Aussatzes heißt es u. a.: Die Fronten sind klar —, es gibt kein Ausweichen mehr. Die Entscheidung ob für oder gegen Deutschland fällt nunmehr in diesen Wochen. Bleibt das Zentrum an dem Marxismus kleben, so wird es dank seinen Führern bis in unterste Grade hinein uön der deutschen Zukunft als grundsätzlicher Staats- und Volksfeind aufgerufen und bement)pred)enb behandelt werden!" Es habe aber den Anschein, so fügt das Blatt hinzu, als ob das Zentrum sich für seinen alten roten Koalitionsbruder gegen Deutschland entscheiden werde.
Berlin. Die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Höltermann und Lemmer forderten in einer Unterredung mit dem Reichsinnenminister schärfste Maßnah- m en gegen die wachsende Zahl von Terrorakten.
Hindenburg. In Sosnitza wurden heute früh zwei patrouillierende Polizeibeamte von dem Soziusfahrer eines Motorrades schwer a n g e s ch o s s e n.
Friedrichshafen. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" wird seine für den 15. August geplante 3. Südamerikafahrt wegen der dortigen politischen Wirren auf eine spätere Zeit, vielleicht Oktober, verschieben.
Minneapolis. Senator Borah hat sich in einer Rede erneut für eine endgültige Lösung der Reparations- und Kriegsschuldenprobleme eingesetzt.
Briefe gelegt und beobachtet, ob der Brief noch dortlag, nachdem K. den Raum betreten und wieder verlassen hatte. Als man nackichaute, lag der Bries nicht mehr an jener Stelle und man erlangte die Gewißheit, daß sich K. für Dinge interessiert, die ihn nichts angingen. Um ihn aber vollends zu überführen, wurde unter die eingegangene Be- stellpost ein Brief an Frau Liselotte Breuer in der Bachfeldstraße geschoben, der schon durch seinen stattlichen Umfang ausfièl und zwei Zehnmarkscheine und ein Fünfmarkstück enthielt. Als K. des Briefes ansichtig wurde, nahm er ihn zur Bestellung an sich, obwohl es in ganz Fechenheim keine Vachfeldstraße gibt. Mit dem Brief begab er sich in den zweiten Stock eines Privathauses,_ wo er auf dem Klosett sich das Geld aneignete, die Schreiben in dem Umschlag vernichtete und fortwarf. Die Freude war kurz, denn gleich darauf wurde er angehalten und ihm gesagt, als er leugnen wollte, daß es sich um einen Fangbrief handelte. Da gab er alles verloren und gestand, auch andere Sendungen vernichtet bezw. beraubt zu haben. So hat er beim Abstempeln von Päckchen und bei der Kasten- leerung oder beim Vorsortieren mancherlei verschwinden lallen. Besonders interessierten ihn fehlgeleitete Briefe. Als er wieder einmal einen schweren Brief vor sich hatte und glaubte, er enthalte ein Fünfmarkstück, nahm er den Brief an sich, mußte aber entdecken, daß statt des Geldes eine Autoplakette in dem Schreiben lag. Diese Plakette hat sich dann am Abfluß seines Klosetts gefunden. K. ist verheiratet und hat vier Kinder. Er hatte Schulden beim Fürsorgeamt, das ihn aber nicht drängte, und Waren auf Abzahlung gekauft. Das mochte er als drückende Last empfinden und so mag es zu den Verfehlungen gekommen sein. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr neun Monate Zuchthaus, das Kleine Schöffengericht verurteilte K. wegen Amtsverbrechens zu einem Jahr Zuchthaus und Aberkennung der Fähigkeit ein öffentliches Amt bekleiden zu können auf die Dauer von fünf Jahren.
Wiesbaden, 3. Aug. (W a s d i e F r a u e n wählten.) In Wiesbaden haben bei der Reichstagswahl Männer und Frauen getrennt abgestimmt. Interessant ist, daß nur bei Sozialdemokraten und Kommunisten die Zahl der männlichen Stimmen größer ist als die der weiblichen, bei den anderen Parteien überwiegen dagegen die Wählerinnen. Ihre Zahl ist am größten beim Zentrum, für das 65,5 Proz. weibliche Stimmen und 34,5 Prozent männliche Stimmen abgegeben wurden. Dann folgen die Deutschnationalen mit 56,4 Prozent Frauenstimmen und 43,6 Prozent Männerstimmen. Bei der Deutschen Volkspartei ist das Verhältnis von Frauen- zu Männerstimmen 54,8 zu 45,2. Auch bei den Nationalsozialisten überwiegen die Wählerinnen, sie stellten 53 Prozent. Bei den Sozialdemokraten entfielen 50,5 Proz. der Stimmen auf die Männer, bei den Kommunisten gar 59 Prozent.
Wiesbaden, 2. August. (Hessen-Nassau h a t die gering ste Säuglingssterblichkeit.) Hessen- Nassau hat seit einigen Jahren unter allen Vergleichsgebieten die geringste Säuglingssterblichkeit aufzuweisen. Bereits 1913 starben in Hessen-Nassau von 100 Säuglingen im ersten Lebensjahr nur 9 gegen 15 im Reichsdurchschnitt. Im Jahre 1926 waren es in Hessen-Nassau nur noch 7, im Reich 10; 1928 in Hessen-Nassau 6, im Reich 9; 1930 in Hessen-Nassau 5 und im Reich 8. Dieses Verhältnis blieb auch im Jahre 1931. Jedenfalls steht Hessen-Nassau in dieser Hinsicht recht günstig da .
Darmstadt, 3. Aug. (I n der Berufung f r e i gesprochen.) Bor dein Bezirksschöffengericht mußten sich am Montag 53 Nationalsozialisten aus Darmstadt und Umgebung wegen Vergehens gegen das Waffenmißbrauchsgesetz verantworten, weil sie am 17. Mai 1931 in Reichenbach, wo es zu Zusammenstößen gekommen war, mit Schulterriemen angetroffen worden waren, an welchen auffallend große Karabinerhaken angebracht waren: sie waren verdächtig, diese Schulterriemen als Waffen gebrauchen zu wollen. Vor einiger Zeit wurden schon sieben andere Nationalsozialsten wegen der gleichen Angelegenheit zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, und dieses Urteil, das für die jetzigen Angeklagten maßgebend sein sollte, ging durch alle Instanzen bis vor das Oberlandesgericht, von dem cs bestätigt wurde. Trotzdem aber kam nun das Bezirksschöffengericht zu einem anderen Resultat, indem es nur einen Nationalsozialisten aus Ober-Ramstadt zu drei Monaten Gefängnis verurteilte, weil er zugab, den Karabinerhaken eigens als Waffe angebracht zu haben. Elf Angeklagte aus Bensheim waren nicht erschienen, weshalb das Verfahren gegen sie abgetrennt und Vorführungsbefehl erlassen wurde. Alle übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.
Worbis, 3. Aug. (W iederein sch weresUn glück a n e i n e m Bahn ü berga n g.) Wie der „Eichsfelder Anzeiger" zu berichten weiß, ereignete sich am 1. August in der Nähe von Groß-Bodungen ein Zugunglück. Als der Zug, der um 16.19 Uhr von Groß-Bodungen nach Bleicherode fährt, den sogenannten „Nachtweg" kreuzte, stieß er am Bahnübergang mit einem Gefährt zusammen, Las von zwei Kühen gezogen wurde und dem Landwirt Linie! mj rop- Bodungen gehörte. Der Landwirt und seine ^rau, e ie stm aus dem Wagen befanden, wurden auf die Schienen geschleudert und überfahren. Beide waren sofort tot.