Einzelbild herunterladen
 

M-aer /tagest

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich T flCItMffctt ffft* ^tkßtl fthA Anzeigenpreis: Für Behörden, Genossen.

1.70 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch UMM VV^KIPVU^ schäften, Banken usw. kostet die Kleinzeile

Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, önfAA. Itfj A ^AMt|»frt( 4 ^1i(A<l^y ^1*M^Mrt/t 0.30 Mark., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine QMlVU UIW VjUUllVUII * ^UIVUvv nUIwlUU Mk., für alle anderen 0.15 Mk. Die Reklame- Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Re-aktion un- Geschäftsstelle: Könkgstraße 42 * Zernsprech-Rnsthluß Nr. 2-8- zeile kostet 0.90 Mk. / Bei Rechnungsstellung Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H, Nachâruck der mit * versehenen Artikel nur mit (ßuelknanßabe »Zulâaer flnzelg»r"gestattrt. Hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen.

Nr. 180 1932

Fulda, Mittwoch, 3. August

9. Jahrgang

Politische Erholungspause.

Das große Rätselraten.

Jetzt beginnt das große Rätselraten, ob sich im neuen Reichstag doch noch eine Mehrheit zur Regierungsbildung zusammenfindet, oder ob die jetzige Reichsregierung am Ruder bleibt, von Fall zu Fall sich dem Reichstag stellt und seine Billigung erzwingt oder mindestens seine Duldung. Pariser Blätter, die ja immer mehr über Deutschland wissen wollen als wir selbst, haben Telegramme veröffent­licht, die Abgesandten Hitlers aus dem Braunen Haus in München seien schon nach Berlin abgefahren und hätten dem Reichskanzler und dem Reichswehrminister ihre For­derungen auf sofortige Umbildung der Regierung und Übergabe derMachtan die Nationalsozialisten yor- gelegt. An der Geschichte ist natürlich kein wahres Wort. Der Reichskanzler ist am Dienstag von Berlin weg in Urlaub gefahren und hat niemand empfangen, und der Reichswehrminister hat sich zur gleichen Zeit auf eine In­spektionsreise nach Mitteldeutschland begeben. An den zuständigen Stellen lautet die Parole: Abwarten! Ab­warten bis E n d e A u g u st, bis der Reichstag zusammen- tritt. Bis dahin haben sich die Gemüter schon wieder etwas beruhigt.

Die Regierung v. Papen überläßt es vorerst den P a r- teien, sich über die möglichen Folgen der Wahl zu unter- '" halten.

Die große Frage ist die: Werden die Nationalsozialisten darauf bestehen, daß ihre Beauftragten in die Reichsregierung eintreten, sofort oder später, oder werden sie auf diesen Anspruch verzichten und nur bestimmte Bedingungen für eine freundliche Haltung gegenüber dem jetzigen Reichskabinett stellen? Die Äußerungen der nationalsozialistischen Blätter lassen noch keine bestimmten Schlüsse zu, vorerst sprechen die Blätter ganz allgemein davon, daß der Spruch des Volkes dem Nationalsozialismus die politische Führung . LMLMocheu. habe. Stark beachtet werde»: natürlich auch die Äußerungen des Zentrums und der Baye­rischen Volkspartei, weil ja diese beiden Parteien bei einer möglichen Mehrheitsbildung eine Rolle spielen. Das Zentrum ist in seiner Presse immer noch sehr zurück­haltend, weniger dagegen die Bayerische Volkspartei. Von München kommen Stimmen, die so klingen, als ob inan sich dort innerlich auf ein Zusammengehen mit den Nationalsozialisten schon einstelle. Ganz deutlich wird da in den Parteimitteilungen der Bayerischen Volkspartei gesagt, die Nationalsozialisten müßten jetzt andieVer - ant Wortung ran, sonst wäre die Wahl sinnlos; aber den Trauin von einer Parteidiktatur müßten sie v 0 r h e r aufgeben, ebenso den Traum, daß sie das Zentrum und die Bayerische Volkspartei zerstören könnten. Dann bestehe Aussicht. Das klingt immerhin schor» recht deutlich wie eine Einladung und Aufforderung an die Gegenseite, sich zu erklären. In einigen Wochen wird man klarer sehen. Vorerst liegen die Dinge noch so, daß die Meinung ( am meisten für sich hat, daß die jetzige Reichsregierung 1 am Ruder bleibt.

/ * ) platzsorgen im Reichstag.

1 . Die nächsten Sorgen, die man im Reichstag hat, ver- : Ursachen die Frage, wie man die 607 Volksvertreter einiger- I maßen bequem unterbringen soll. Scbon im letzten Reichs­tag bei den 577 machte die Platzverteilung viel Schwierig.

Krieg in Südamerika?

- Mobilmachung in Bolivien

; und Paraguay.

1 In Südamerika herrscht in höchstem Grade Kriegs- stimmung. Nach Meldungen aus Buenos 9lire§ ist der Krieg zwischen Bolivien und Paraguay offiziell zwar noch nicht erklärt, doch wird er als unmittelbar bevorstehend be­trachtet.

Die neue Verschärfung der Lage ist auf die Einnahme des paraguayanischen Forts Bonqucron durch bolivia­nische Truppen zurückzuführen, wodurch das Kriegsficbcr in ben beiden Staaten seinen Höhepunkt erreicht hat. In der Hauptstadt von Paraguay ist der Belagerungszustand erklärt worden. Der paraguayanische Außenminister Arbo hat in Beantwortung der Note des Präsidcntci» des VMerbnndrats die Bereitwilligkeit Paraguays erklärt, sich . einer schiedsrichterlichen Entscheidung zu unterwerfen.

In La Paz, der Hauptstadt Boliviens, wurde die Nachricht von der Einnahme des Forts Bouqueron von der Bevölkerung mit stürmischer Begeisterung aus­genommen. Die Menge veranstaltete große nationale Kundgebungen in den Straßen. Der Zündholzkönig Patino soll der bolivianischen Regierung mehrere Mil­lionen Mark und 15 Kriegsflugzeuge zur Verfügung ge­stellt haben. Der bolivianische Außenminister Zallcs lehnte in einer amtlichen Verlautbarung die vom para- guayanischcu Gesandten in Chile vorgeschlagene Vermitt­lung ab.

Das Fort Bouqueron gehört zu dem von beiden Staatei» heiß umstrittenen Gran-Chaco-Gcbict, um desscnl- willen es bereits im Dezember 1928 zu einem Abbruch der Beziehungen zwischen den beiben südamerikanischen Rc- wMiken gekommen war. Der Airs druck» eines bewaffneten

leiten. Man hat sich schließlich dadurch geholfen, daß man einfach in den meisten Reihen die Pulte vor den Sitzen entfernt hat. Jetzt wird man wahrscheinlich die l e tz t e n Pulte, die noch geblieben sind, auch noch ent­fernen müssen. Nur noch in der vordersten Reihe wird dann eine Schreibgelegenheit bestehenbleiben.

*

Die NSDAP, dementiert.

Die Reichspressestelle der NSDAP, in München teilt mit:Die am 1. August veröffentlichte Havasmeldung aus Berlin über eine angablich im Lause der Nacht zum Montag unter Vorsitz Adolf Hitlers stattgefundene Kon­ferenz und anschließende Entsendung der Abgeordneten Strasser, Göring und Frank mit einem Ultimatum Hitlers an die Reichsregierung ist von A bis Z frei er­funden. Schon allein der Umstand, daß keiner der drei Abgeordneten zur angegebenen Zeit in München war, zeigt, wie unverantwortlich von gewisser Seite gegen die NSDAP, gewühlt wird."

*

Ein Sitz für die Volksrechipariei.

Die Volksrechtpartei teilt mit: Nachdem der Christlich-Soziale Volksdienst im Wahlkreisverband West­fale»» Nord und Süd ein Grundmandat nur mit Hilfe der Volksrechtpartei gewinnen konnte, fällt entsprechend dem abgeschlossene»» Vertrag ein Sitz der Reichsliste der Volksrechtpartei zu. Gewählt ist damit der Reichsführer der Polksrechtpartei, Oberschulrat Bauer- Stuttgart.

*

Abstimmung im Reiseverkehr.

Bei der Reichstagswahl 1932 hat das Reichsministe­rium des Innern erstmalig die Bordwahl und die Ab- ftimmung im Reiseverkehr eingerichtet. Auf den großen Seeschiffen konnte abgestimmt werden, wenn mindestens 50 Wähler mit Stimmscheinen an Bord waren. Auf den Übergangsbahnhöfen war Gelegenheit geboten, mit Stimmscheinen auch außerhalb der all­gemeinen Abstimmungszeit zu wählen.

Nach ben bisherigen Mitteilungen haben sich die Neuein­richtungen durchaus bewährt. So sind abgegeben wor­den auf dem Hauptbahnhof in Hamburg 1184 Stimmen, in Frankfurt a. M. 1291, auf den Berliner Bahnhöfen 3228, in München 5159 Stimmen. Insgesamt war auf 47 Bahn­höfen Abstimmungsmöglichkeit geboten.

An der B 0 r d w a h l waren u. a beteiligt von der Ham­burg-Amerika-Linie die SchisseDeutschland".Resolute", Tacoma",Oceana",Magdalena" undGeneral Artigas", vom Norddeutsche»» Lloyd dieLützow". von der Woermann- unb Deutsch-Ostafrika-Linie dieWangoni", von der Hamburg- Südamerikanischen Dampfschifsahrtsgesellschaft dieMonte Rosa", von der Reederei Griebel Stettin dieRügen", von der Reederei Bräunlich-Stettin dieHertha". Mittels der B 0 r d - w a h l wurden bisher 2297 Stimmen ersaßt, davon 2269 gül­tige. Von ben gültigen Stimmen entfielen aus die Sozial­demokraten 374, die Nationalsozialisten 970, die Kommunisten 204, das Zentrum 150, die Deutschnationale Volkspartei 352, die Deutsche Volkspartei 106, die Staatspartei 101, und zwölf Stimmen aus die übrigen Parteien.

Im bayerischen Hochgebirge waren im Schnee­fernerhaus, aus der Zugspitze und dem Watzmannshaus Wahl­lokale eingerichtet. Auf der Zugspitze wurden 729, auf dem Watzmann 158 Stimmen abgegeben.

Streites zwischen Bolivien und Paraguay wurde damals durch die sofort einsctzendc Vermittlungsaktion anderer Staaten, vor allem Argentiniens, hintangehalten. Neben der von der Panamerikanischen Konferenz eingesetzten Kommission für Aussöhnung und Schiedsgerichtsbarkeit, die in Washington eigens zu einer Sitzung einberufen wurde, beschäftigte sich auch der Völkerbundrat unter dem Vorsitz Briands mit der Frage. Schließlich wurde von beiden Ländern die Vermittlung der panamerikanischen Schiedsgcrichtskommission angenommen. Die, Frage, welcher Teil im Gran Chaco die friedlichen Beziehungen gestört habe, sollte durch einen Ausschuß, der aus je einem Vertreter Argentiniens, Brasiliens, Uruguays, Kubas und der Vereinigten Staaten und aus je zwei Vertretern Boliviens und Paraguays gebildet wurde, entschieden werden. Nachdem es im Juli 1931 neuerlich zu einem Zusammenstoß im Gran-Chaco-Gebiet gekommen war, nahmen beide Regierungen im Oktober 1931 den Vorschlag der Vereinigte»» Staaten und neunzehn anderer ameri- kanischer Repriblikei» an, der den Abschluß eines Nicht­angriffspaktes empfahl, der jedoch bisher nicht zustandc- gekommen ist.

*

Dikiatorischc Vollmachten für den Präsidenten von Paraguay.

Buenos Aires. Der Kongreß von Paraguay hat, wie aus A s u n c i 0 N gemeldet ivirb, bem Staatspräsidenten Sala- m anen diktatorische Vollmachten zur Vorberei­tung der militärischen Maßnahmen gegen Bolivien erteilt. Tausende von Paraguayanern haben sich freiwillig zum Militärdienst gemeldet. Die Kadcttenschule in Asuncion hat ein eigenes Regiment unter dem Beseht eines früheren engli­schen Ossiziers gebildet. "

Papens Pläne.

Die Zeit des politischenBurgfriedens" in Deutsch­land wird mehr oder weniger angenehm mit allerhand Diskussionen darüber ausgefüllt, wie sich denn nun ange­sichts der Wahlergebnisse unsere innenpolitische Lage weiter entwickeln wird. Man hat für diese Dis­kussionen, die sich wohl allmählich in Verhandlungen fort­setzen werden, noch einige Wochen Zeit, weil dem Artikel 23 der Verfassung gemäß der neue Reichstag erst am 30. Tage nach seiner Wahl einberufen werden muß. Dann konstituiert" er sich zunächst, was siehe den preußischen Landtag! wohl nicht ganz ohne Schwierigkeiten abgeheu dürfte, und erst nach Überwindung dieser Hindernisse wird diegroße Politik" akut.

Infolgedessen diskutiert man vorläufig mehr als man Entschließungen oder gar Beschlüsse faßt. Das gilt im übrigen nicht zuletzt auch für die Reichsregierung selbst, deren Leiter sich einem ausländischen Berichterstatter gegen­über gleichfalls sehr zurückhaltend äußerte. Politisch wenig­stens und hier ist ja auch vorläufig alles in der Schwebe. Herr v. Papen betrachtet das Ergebnis der Wahl vom 31. Juli als die Entscheidung des Volkes dahingehend, daß das Bestreben der Regierung,das Land vonder Parteiherrschaftz u befreien", gebilligt worden sei. Und daher beabsichtige seine Regierung keineswegs, sich um die Bildung einer Koalition im Reichstag zu be­mühen, auf deren Unterstützung die Reichsregierung ange­wiesen sei. Dem kann man allerdings entgegenhalten, daß die Reichsregierung gleich bei der ersten Frage dergroßen Politik" auch keine Mehrheits-Koalition gegen sich haben darf, dann nämlich, wenn es sich darum handelt, ob der in sicherer Aussicht stehende Antrag auf Aufhebung der Papenschen Notverordnungen vom 14. Juni und nament­lich die vom 20. Juli im Reichstag zur Entscheidung steht!

Aus einer weiteren Andeutung des Reichskanzlers in jenem Interview kann man entnehmen, daß er vor den neuen Reichstag auch mit einemkonstruktiven Programm" treten und dann den neuen Volks­vertretern bzw. den Parteien überlassen will, durch Ab­lehnung dieses Programms seine Durchführung zu ver­hindern, also das Kabinett zu stürzen, oder nicht. Der- artiges ist bisher von jedem Reichskanzler vor jedem neu­gewählten Reichstag geschehen nur wurde vorher durch entsprechende Verhandlungen mit den Parteien dafür ge­sorgt, daß derStart" einer solchen Regierungserklärung nicht zum parlamentarischen Mißerfolg führte. Herr von Papen will anscheinend also andere Wege einschlagen.

Einen breiten Raum nehmen in den Ausführungei» des Reichskanzlers seine Maßnahmen und Vorschläge zur Verfassungs- und Verwaltungsreform ein.Ich bin der Auffassung, daß Deutschland ein Ober­haus braucht", und des weiteren wünschte von Pc . inc Abänderung des R c i d? s t a . w a h l r c ch t ?, das heute den Parteien eine viel zu große Mach» ei.. :hc. Wieder, wie vor kurzem schon einmal, erklärt der Reichs­kanzler, daß wir andere Sorgen und desto weniger Zeit hätten,an die Staatsform zu denken", die nicht im ge­ringsten zur Debatte steht, übrigens ist ja auch gar nicht zu erwarten, daß sie in die Debatte geivorfen wird.

Einen kleinen, andeutungsweisen Ausblick auf kommende Verhandlungen darf man wohl aber in einem Satz der Ausführungen des Kanzlers sehen, wonach er den Augenblick für gekommen" sieht, daßdie natio­nalsozialistische Bewegung am Wiederaufbau des Vaterlandes tätig mithelfen müsse". Wenn das nicht nur im und durch den Reichstag geschieht, sonder,» auch im Kabinett, so wäre allerdings in jenem Satz zum mindesten eine Regierungsumbildung angekündigt. Freilich dürfte gerade hierüber eine Entscheidung nicht heute oder morgen fallen.

Sischof Dr. Schreiber 60 Zahre alt

Der Werdegang des Kirchenfürsten.

Arn 3. August vollendete BischofDr. Christian Schreiber das 60. Lebensjahr. Er wurde in Somborn bei Gelnhausen (Provinz Heffen-Rassau) geboren. Nach Ablegung des Abiturientenexamens studierte er Philo sophie und Theologie, zuerst in Fulda und dann in Rom im Collegium Germanicum. In» Oktober 1898 erhielt er die Priesterweihe. Von Ostern 1907 bis Herbst 1921 war er in Fulda als Professor der Theologie tätig. 1921 berief ihn Papst Pius XI. auf den

Bischofsstuhl der wiedererrichteten Diözese Meißen.

Ain 10. September 1929 ernannte ihn der Papst zum Apostolischen Administrator des auf Grund des preußische»» Konkordates gegründeten Bistums Berlin. Die feierliche Inthronisation Dr. Schreibers als Bischof von Berlin fand am 31. August 1930 statt

Meine Zeitung für eilige Leser

* Der Reichskanzler ist für einige Tage auf Urlaub ge­gangen.

* Die Anschläge in Königsberg in Pr. sind noch nickt auf­geklärt. Inzwischen wurden and verschiedenen Zeilen ocs Reiches neue Überfälle gemeldet.

* Infolge neuer Feindseligkeiten zwischen B-Omen und Paraguay ist in Südamerika die Kriegsstimmung '« Ml en Grade gestiegen.

* Beim Auswärtigen Amt wurden llntcrschlagmgen in

von 42 000 Mark frstgcstellt. , .. t

* Zu Hofgeismar wurde Lei Haussuchungen be. National, sozialisten ein Panzerwagen beschlagnahm.

* Die Einberufung des Preußischen ^andtrgs steht bevor,