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Nach' der Wahlschlacht

Wieder liegt ein Wahlkampf hinter uns, der vierte in diesem Jahre: für die He^en, die zweimal zum Landtag wählten, sogar der fünfte Wahlkampf. Am halben Dutzend fehlt aso nicht mehr viel, für den Zeitraum eines halben Jahres reichlich genug. Das werden heute nicht nur die Schatzmeister der Parteien mit einem sorgenvollen Blick auf ihre Kassen feststellen, auch der Bürger wird sich mit ; Wahlkampflärm bis obenhin gesättigt fühlen und wird I mit Befriedigung gelesen haben, daß er nach der jüngsten Verordnung nach der Wahl zehn Tage lang vor politischen Reden N u h e hat. Das wird gut tun. Leider lassen sich mit dem Burgfrieden nicht auch die Alltags­sorgen wie ein böser Geist zehn Tage lang in die Wüste verbannen.

Der hinter uns liegende Wahlkampf hat einige Be­sonderheiten, die bisher noch kein Wahlkampf aufzeigen konnte. Die erste lvar die: wer dieReichsregierung wählen wollte, kam in einige Verlegenheit, denn es gab in der Tat keine Partei, die im Wahlkampf sich hinter die jetzige Reichsregierung stellte und volle Verantwortung für ihr Tun und Lassen übernahm. Dem einen gefiel Papens Außenpolitik nicht, die anderen bekämpften Papens Innen­politik. Die zweite Besonderheit war die: keiner der ; Reichsminister hat diesmal als Wahlredner

! in den Wahlkampf eingegriffen. Bisher waren wir es ge­wohnt, zu sehen, wie die Reichsminister und auch vie Minister der Länder im Wahlkampf ihre Amtsröcke aus­zogen und als Parteiagitatoren in den Versammlungen sich feiern ließen. Diesmal haben wir erstmalig einen Wahlkampf mit einer Regierung im A b st a n d v o n d e n Parteien. Das war für das neue Deutschland so neu, daß selbst das Ausland darauf aufmerksam wurde. So schrieb das große Londoner Blatt, dieTimes", die Re­gierung Papen überwache eher die Wahl, als daß sie an ihr teilnehme, und vertrete hierbei _ben Grundsatz, daß der Staat über den Parteien stehe. Sie verfolge zwar den | Konflikt mit Interesse, aber mit Abstand. So das Lon­doner Blatt.

Die Neutralität der Regierung zeigte sich sichtlich auch in der Freigabe des R u n d f u n k s. Alle wichtigen Par­teien sind zu Worte gekommen, keine konnte sich beklagen, t Daß die Kommunisten ausgeschlossen blieben, war bei bk einer Partei, die sich offen in den Dienst einer fremden Macht stellt, selbstverständlich. Auch die Presse hat diesmal nicht unter dem Unbehagen gestanden, wie z. B. im Wahlkampf zum Preußischen Landtag, wo es für die Blätter der Opposition langfristige Verbote und Ver­warnungen in großer Zahl gegeben hat. Diesmal tourben nur einige wenige Blätter für einige Tage ver­boten.

Die dritte Besonderheit dieses Wahlkampfes war die B e f ü r ch t u n g , der Kampf werde schließlich gar nicht mit dem Wahltag, sondern mit einer Vertagung der Wahlen abschließen. Besonders als der Ausnahmezustand verhängt wurde, haben sich diese Befürchtungen sehr ver­stärkt, sind aber ebenso schnell wieder verschwunden, als die Regierung zeigte, daß sie Herr der Lage war und die Wahlen unbedingt sichern wolle.

Wenn man von diesem Wahlkampf spricht, muß man auch der zahlreichen Todesopfer gedenken, und man inuß sich mit Grauen an die fürchterlichen Überfälle er­innern, die in den ersten Wochen an der Tagesordnung waren. Hoffentlich gelingt es, für die Zukunft die Wieder­kehr derartiger blutiger Ereignisse zu verhindern.

Es wäre dann noch einiges darüber zu sagen, wie die Parteien, hauptsächlich die großen Parteien, ihren 8 -«Nahltamps geführt huben. Bei den Preußenwahlen sah man schon, daß heute der Kampf im wesentlichen durch stärkstes Herausstellen der Parteigrößen durchgefochten wird. Von ihnen fordern die Parteien un­erhörte Leistungen. Der Parteiführer wird von Versamm­lung zu Versammlung geholt, im Flugzeug und Auto durch das ganze Reich, von Norden nach Süden, von Osten nach Westen. Er muß vier- unb fünfmal an einem Tag sprechen, muß Tausenden die Hände schütteln und soll überall frisch und siegesbewußt ausschauen. Ein Kunststück sondergleichen Die Partciredner haben sich ihren Urlaub hart verdienen müssen. Manche Parteien sind von den üblichen Wahlversammlungen abgekommen und haben ihre Kundgebung mit Sportkämpsen, musikalischen Darbietungen, Aufmärschen und Feuerwerk ausgeschmückt. Man begnügt sich ja heute nicht mehr damit, den Wähler durch Gründe zu überzeugen, man packt ihn von allen Seiten.

Nun ist auch dieser Wahlkampf vorüber. Was er für Deutschland bringen wird, wird die Zukunft zeigen. Welche Bedeutung selbst das Ausland diesem Wahlkampf zugc- schrieben hat, liest man in dem Londoner BlattDaily Herold", das sagt: Das Wahlergebnis wird die Geschichte Europas und der Welt beeinflussen. In diesem Wort liegt zugleich das Bekenntnis des englischen Blattes, daß ganz Europa und die ganze Welt aufs engste mit dem Wohlergehen des deutschen Volkes verbunden i sind.

Aus Seffen-Raffan und Aachkargrdiett«.

Merkblatt für den 2. August.

1914: Deutscher Einmarsch in Luxemburg Ultimatum Deutschlands an Belgien.

Von allen Unglücksfällen, die uns im Leben erreichen können, ist vielleicht der größte die häusliche Uneinigkeit.

Wetterbericht.

Mitteleuropa befindet sich bis auf die Nordseeküste im Bereich eines Hochdruckgebietes, während über England '""""noch ein Wirbel lagert. Da vor allem über Süd- deutphland durchweg heiteres und warmes Wetter herrscht, tommt es vereinzelt zum Auftreten von warmen Gewit- rern. Allgemeiner Druckanstieg in Südeuropa deutet aber

^ im ganzen das Hochdruckgebiet feinen Ein- M.^Mren wird unb die Störungen nur vorübergehender Ä ~ Witterungsaussichten für Dienstag: ^cndaucr des bestehenden Witterungscharakters.

* Fulda, den 1. August 1932,

Aachklang und Ausklang.

Wahlrausch, der Tag der w Wt genau so aus Wie gestern,

S Ä f Aenn alles ein anderes Gesicht hätte. Zu neuen Ufun lockt ein neuer Tao" denkt oder zitiert man, Wenn man klassisch kommen will Bilanz machen", 1'^^ man alles mehr sachlich und praktisch b -r "^ ''Eier, Bilanz am Tage nach

Lachen Wählende; denn ist der Tag, d i Wählen cm vorläufiges Ende bereitet, der Wabl b -fn) pnufc cntrc,tet- d'° Wahlmüdigkeit nach der

Das Fuldaer Wahlergebnis.

Wahlbeteiligung 86,4 Prozent. Abgegebene gültige Stimmen (einschließlich 905 Stimmscheine. Ungültige Stimmen 147.

Wahlberechtigte 18107. 15512

Re am

lchstagsw.

31. 7 1932

Landtagsw. am 24. 4. 32

Neichstagsw. am 14. 9.1930

Sozialdemokraten

1486

1199

1125

Nationalsozialisten

305!)

3124

2017

Kommunisten

1978

1375

641

Zentrum

8361

8585

7240

Dcutschnationale

378

356

228

Radikaler Mittelstand

6

32

Deutsche Vvlkspartei

86

178

298

Ncichsp. d. D. Äkittclstandes

60

182

608

Staatspartei

22

131

410

Landvoltpartei

5

26

14

Ehristl.-Soz. Volksdienst

156

284

473

Deutsch-Hann. Partei

5

11

Sozialistische Arbeiterpartei Splitterparteien

14

24

16

5

Der Wahlkampf.

Die politischen Verhältnisse brachten es mit sich, daß der größte Teil des deutschen Volkes innerhalb kurzer Frist viermal an die Wahlurne treten mußte. In jedem Falle kam es zu heftig geführten Wahlkämpfen, die alle Leiden­schaften der Wählermassen, besonders der radikalen Ele­mente, aufpeitschten und die Volksseele in Erregung brach­ten. Wenn auch unsere Stadt von der Heftigkeit der Par- teienkämpfe um die Stimmen der Wählerschaft nicht in dem Maße ergriffen wurde wie andere Städte und Gebietsteile, so konnte man trotzdem bei dem nunmehr hinter uns liegen­den Wahlkampf söststellen, daß eine gewisse Schärfe in die Wahlpropaganda hineingelegt wurde, wie wir sie in Fulda nicht gewohnt sind. Durch die Aufhebung des Unü formverbotes traten die Gegensätze noch stärker hervor. Besonders an den beiden letzten Tagen vor der Wahl kam es häufig zu Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, so daß die Polizei in mehreren Fällen einschreiten unb von dem Gummiknüppel Gebrauch machen mußte, der denn auch seine Wirkung nicht verfehlte. Wie sich bei objektiver Betrachtung dieser Vorgänge fest­stellen läßt, waren die Tätlichkeiten durchweg auf Provo­kationen der Kommunisten zurückzuführen. Dies dürfte auch bei dem blutigen Zusammenstoß an der GastwirtschaftZur Sonne", über den wir an anderer Stelle eingehend berich­ten, der Fall sein.

Was haben wir nicht alles an Wahlen erlebt in diesen letzten Monaten! Einigemal wählte das ganze Reich, einigemal wählten Länder unb Freie Städte, einigemal wählten Provinzen, und wir kannten uns kaum noch aus vor Wahlen und Wahlpropaganden und Wahlkämpfen. Eines der Länder wählte sogar zweimal hintereinander, auf besonderen Wunschda capo" I Aber das alles ist nun glücklicherweise vorüber, und wir können die unter­brochene Ferienruhe vielleicht doch noch wieder ausnehmen und fortsetzen. Man mag politisch noch so interessant und begeistert sein, ein bißchen mehr Muße, ein bißchen mehr Stille darf man sich trotzdem wohl wünschen! Laut genug ist es ja hergegangen in den letzten Wochen, obwohl man, wie man ehrlich anerkennen muß, alles getan hatte, um den überströmenden Strom eiuz »dämmen und in ruhigere Bahnen zu lenken, um allzu wilden Kundgebungen einen Dämpfer aufzusetzen. Aber es blieb so noch genug übrig, was selbst sanfte Gemüter in einige Aufregung setzen konnte. Eine Wahlschlacht ist schließlich kein Kinderspiel.

Kleinere Orte, die abseits von der großen Heerstraße liegen, haben das allcs'nicht so empfunden, obwohl auch hier das Wahlgetriebe groß genug war. Aber was man aus denZentren des Verkehrs", aus den großen Kara­wansereien, aus den Großstädten hört, das klingt noch ganz anders. An den öffentlichen Anschlagsäulen klebten tagelang und jeden Tag in neuer Fassung Wahlplakate der betriebenen Parteien in ungemessenen Ausmaßen, bunt, bunter, am buntesten, mit riesigen, schreienden Druck­schriften, schon von weitem die Aufmerksamkeit selbst der Kurzsichtigsten anlockend. Und wen das noch nicht ge­nügend reizen könnte, dem fielen unbedingt die vielen, vielen Fahnen und Flaggen und Wimpel der vielen, vielen Parteien ins Auge. Mit und ohne Inschriften, mit und ohne Bildwerk hingen sic von Dachgiebeln, von Bal­könen, aus Erkern, aus Fenstern oft bis fast auf die Straße herab. Zu übersehen waren sie also bestimmt nicht! Und dazu kam dann die Wahlzcttclverlcilung aus den Straßen, die Wahlzettelverteilung in ben Häusern und durch den Briefkastenschlitz an der Wohnungstür, kamen die Aufrufe sämtlicher und noch einiger Parteien. Auf bett Straßen häuften sich dann die flüchtig oder aufmerk­sam gelesenen, aber dann meist weggeworfenen Zettelchen zu ansehnlichen Papierteppichen oder zufammengefegten Papierhügeln, und die Straßrnkchrcrgardc hatte nicht zu lachen.

Vorüber, vorüber, alles vorüber! Was gestern noch bedeutungsvoll war oder doch so schien, ist heute ein Nichts, ist heute wirklich nur ein Fetzen Papier. Die Wahl- plakate verschwinden unb machen wieder Theaterzetteln, Verlustanzeigen oder Einladungen zu harmlosen Ver­sammlungen Platz, die Fahnen werden cingezogen und eingerollt uub bis zur nächsten Wahl in irgendeine Ecke gestellt, und der in der Wahlzeit so viel umschwärmte Herr Wähler und sein weibliches Pendant sind wieder schlichte Bürger und Bürgerinnen mit vielen, ach! so vielen eigenen Sorgen, die mit Politik kaum noch etwas zu tun haben. Wahl aus! Es beginnt ein neues Kapitel!

Tödlicher Ausgang eines politischen Zusammenstotzes.

Am Samstag nachmittag kurz vor 6 Uhr wurden der nationalsozialistische Bezirksleiter Essel und der SS.-Führer Reimund Mayer an der GastwirtschaftZur Sonne" von Kommunisten belästigt und geschlagen. Im Verlauf dieses Zusammenstoßes gab Mayer einen Schuß ab, der den ledi­gen 26jährigen Willi Fröhlich aus bet Sandhohle traf und ihn tödlich verletzte. Nach den kriminalpolizeilichen Ermitt- lungeN, die z. Z. noch nicht abgeschlossen sind, nahm der Zu­sammenstoß folgenden Berlouf: Bevor die Nationalsozia­listen Essel und Mayer in der Nähe der GastwirtschaftZur Sonne" erschienen, hatte sich dort eine größere ®lenfd)en= menge augcsammelt. worunter sich auch etwa 2025 uni­formierte Kommunisten befanden, die zum Teil ihre Schul- teniemcu ab geschnallt hatten und in der Hand hielten. Als die beiden Nationalsozialisten zum Buttermarkt in Rich­tung Florengasse gingen, lösten auch andere Kommunisten ihre Schulterriemen und aus der Bienge wurden den beiden Nationalsozialisten Schimpfworte wieBluthunde" und Mord bände" zugerufen. Schließlich traten verschiedene

Am Sainstag bedienten sich die Kommunisten eines be­sonders originellen Propagandamittels, nämlich einer Kuh, die sie mit Hakenkreuzen und gegen die Nationalsozialisten gerichteten Plakaten dekorierten. Die Polizei machte diesem sonderbaren Umzug bald ein Ende und führte die Kuh wieder friedlicheren Bestimmungen zu. Im übrigen hatte die Polizei durch Einsetzung eines gemieteten Streifen­wagens dafür Sorge getragen, daß im großen und ganzen Zusammenrottungen und weitere Schlägereien vermieden wurden. Diese Einrichtung hat sich durchaus bewährt, und es wäre zu wünschen, daß unsere Schutzpolizei dauernd mit einem Kraftfahrzeug ausgerüstet würde.

Der Wahlsonntag

verlief, abgesehen von kleineren Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, äußerst ruhig. Infolge der großen Hitze und eines starken Reiseverkehrs nach der Rhön waren die Straßen zeitweise wie ausge­storben. Viele Hunderte hatten es vorgezogen, in den kühlen Fluten der Badeanstalten Erfrischung zu suchen. Am Abend wurde es wieder lebhafter in den Straßen, insbesondere nach dem Beginn der Bekanntgabe von Wahlresultaten durch die Zeitungen. Die mit Radio-Empfangsgeräten nusgestatteten Gastwirtschaften hatten sich eines starken Besuchs zu erfreuen.

Landkreis Fulda:

SPD. 1618, NSDAP. 2368, KPD. 1848, Zentrum 18 229, LNVP. 380, DVP. 605, Ehr.-foz. Volksdienst 44.

Großenlüder: SPD. 24, NSDAP. 71, KPD. 48, Zentr. 929, DNVP. 12, DVP. 1.

Horas: SPD. 64, NSDAP. 97, KPD. 270, Zentrum 546, DNVP. 8, Ehr.-foz. Bolksdienst 2.

Flieden: SPD. 160, NSDAP. 54, KPD. 99, Zentrum 872, DNVP. 20, DVP. 2, Ehr.-foz. Volksdienst 8.

Petersberg: SPD. 145, NSDAP. 119, KPD. 183, Zentr. 491, DNVP. 7, DVP. 2.

Neuhof: SPD. 289, NSDAP. 178, KPD. 65, Zentrum 920, DNVP. 27, DVP. 5, Chr.-soz. Bolksdienst 2.

Bad Salzschlirf: SPD. 87, NSDAP. 529, KPD. 25, Zentrum 781, DNVP. 124, DBP. 62, Chr.-soz. Volksdienst 9.

Kommunisten an Mayer und Essel heran, wobei sie Mayer ansaßten und ihn belästigten, ohne daß die beiden National­sozialisten in irgend einer Weise hierzu Veranlassung ge­geben hätten. Als Mayer und Essel ihren Weg fortzusetzen versuchten, wurden sie von einer Anzahl Kommunisten ver­folgt und mit Schulterriemen heftig geschlagen, so daß sie zur Fluckt bezwungen waren. Hierbei trennten sich Essel und Mayer. Nachdem Letzterer eine kurze Strecke in Rich­tung Florengasse gelaufen war, drehte er sich plötzlich um und hielt der ihm nachstürmenden Menschenmenge eine Armeepistole Modell 08 entgegen und feuerte darauf auch gleich los. Der Schuß traf den 26jährigen ledigen Kom­munisten Willi Fröhlich. Der Verletzte wurde von der In­zwischen eingetroffenen Polizei sofort mit einem Kraft­wagen nach dem Landeskrankenhaus gebracht, wo er bei der Einlieferung feiner schweren Verwundung am Kopfe erlag. Mayer wurde von der Polizei seftgenommen und dem hiesi­gen Amtsgericht vorgeführt, wo er sich in Hast befindet. Mayer war nicht int Besitze eines Waffenscheines. Er hatte einen solchen, unter Berufung auf Drohungen von kommu­nistischer Seite, die an ihn gerichtet worden waren, bei der Polizeibehörde beantragt, die jedoch die Erteilung des Waffenscheines aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnte.

32 Nationalsozialisten festgenommen.

In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurden 32 Nationalsozialisten festgenommen, die sich auf dem Dach einer Autogarage in der Pfandhausstraße befanden, um von dort aus einen angeblich geplanten Anschlag auf die Geschäftsstelle der NSDAP, zu verhindern. Hierbei wurden bei verschiedenen Nationalsozialisten Schußwaffen und Messer gesunden. Bei den Festgenommenen handelt es sich vorwiegend um jugendliche Personen, die nach einer ent­sprechenden Verwarnung durch die Polizei sofort wieder entlassen wurden. Lediglich 6 Nationalsozialisten wurden auf Grund der letzten Notverordnung int Interesse der öffentlichen Sicherheit in polizeiliche Haft genommen.

Einzelrichter-Sitzung.

Ein diebischer Lehrling.

Der 19jährige Lackiererlehrling W. R. aus Schwarzbach hatte längere Zeit seinem früheren hiesigen Meister Farbe, Lacke und Politur heimlich entwendet und zu Hause ver­borgen. Der Täter leugnete anfänglich den Diebstahl auf das Entschiedenste. Erst nachdem bei einer Haussuchung Waren im Werte von 46 Mark bei ihm aufgefunben wur­den, legte er ein Geständnis ab. Der Meister erhielt die gestohlenen Farben usw. wieder zurück. R. wurde wegen Diebstahls zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt. Bei Zahlung einer Buße von 25 Mark soll Strafaussetzung gewährt werden.

Verstöße gegen die Sonntagsruhevorschristcn.

Weil der 25jährige Molfereigehilfe K E. aus Fulda an einem Feiertage im Mai während der Sonntagsruhe in der Lüh er st raße auf Drängen verschiedener Kundinnen Milch verkauft hatte, erhielt er einen gerichtlichen Strafbefehl über 10 Mark, wogegen er Einspruch erhob. Da der Ange- klagte noch nicht vorbestraft ist, verringerte der Einzelrichter die Strafe auf 3 Mark. Der Friseur E. R. in Fulda hatte einen gerichtlichen Strafbefehl über 10 Mark erhalten, weil er am 1. Mai das Friseurgewerbe ausgeübt haben sollte. Da R. gerichtliche Entscheidung beantragte, kam es zu einer Verhandlung vor dem Einzelrichter, in der Eid gegen Eid standen. Der Fall konnte nicht genügend aufgeklärt werden, so daß das Urteil auf Freisprechung lautete.

Neue Meister.

Vor der hiesigen MeifterprüfungskommWon bestanden ihre 'Meisterprüfung die Tischler Georg Baumgarl. Heinrich W a s s e r in a n n und August Zerr, sämtlich von Hersfeld.

Alsfeld, 31. Juli. (N ach 16 Jah r - n v o n i^«^ Kriegsverletzung genes en.) Bei, den K« l um Verdun im Jahre 1916 wurde der ' Hannes Reitz aus Burg-Gemünden durch enu n ® J ter, der ihm in nächster Mhe des

drang, schwer verletzt. Bei der Lage des Geschoßte,les war