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- Cm 808âuf für Zager.

Die Jägerei hat viele Jagdsignale. Bisher fehlte sklber ein allen Jägern und auch Privatpersonen be­kanntes Notsignal. ES ist nunmehr vom Allgemeinen Deutschen Jagdschlitzverein ein Jäger-Notruf eilige- fuhrt worden, der in ganz Deutschland Gültigkeit hat. Jedermann must Uw lennenlernen, um im ge­gebenen Moment auch seinerseits zur Hilfeleistung hcrbei- cilcn zu können. Der Ruf lang, kurz, kurz, lang (..) kann mit jedem gerade verfügbaren Instrument gesandt werden, so mit der Radfahrkliugel, der Motorrad- oder Autohnpe, der Pfeife oder auch durch Abgabe von Schüssen, indem einem einzelnen Schuß nach etwa drei Sekunden ein Doppelschuß folgt und nach weiteren drei Sekunden wieder ein einzelner. Wer im Blasen gewandt ist,, der kann durch seinen Fliutenlaus einen Trompetenstoß in den feststehenden Intervallen abgeben, der über Berge und Täler hörbar ist. Hat der Jäger keinerlei Instrumente, so läßi sich der Jagdnotruf, das SOS des Jägers, auch durch einfaches Pfeifen oder Rufen abgeben. Es ist durch Schaffung dieses einheitlichen Signals eine Notwendigkeit erfüllt worden; denn gerade der Jägcrbcrus ist gefahrcu- reich, zumal in dieser unsicheren Zeit, und ein Znhilse- kommen der einzelnen Wcidgcnosscn unbedingt erforderlich.

Spinale Kinöerlahmung.

Seit einiger Zeit ist bei uns wieder von spinaler Kinderlähmung die Rede: in Magdeburg sind mehrere Fälle vorgckommcn, und wenn auch von amtsärztlicher Seite glaubhaft versichert wird, daß die Gefahr einer Epidemie nicht bestehe, und daß andere Kinderkrankheiten mehr Opfer fordern als die Kinderlähmung, so muß doch immerhin mit der Möglichkeit einer Ausbreitung der Krankheit gerechnet werden. Die spinale Kinderlähmung das Wortspinal" Weist darauf hin, daß die Krankheit vom Rückenmark ausgeht ist eine Infektionskrankheit, die hauptsächlich jüngere Kinder befällt: sie beginnt mit hohem Fieber, Delirien, Krämpfen und ähnlichen Er­scheinungen und führt zu einer Lähmung der beiden unseren Ertrcmitäten und oft zu stetigen Verkrümmungen der Fußgelenke. Das Wesen der merkwürdigen Krankheit, bereit Ursachen noch nicht ganz bekannt sind, besteht in einer herdweise auftretenden Entzündung desjenigen Teiles des Rückenmarks, aus dem die Bewegungsnerven entspringen. Wiederholt sind größere Kinderlähmungs- cpidcmicn vorgckommcn. Der Erreger des Leidens, der mikroskopisch nicht sichtbar ist, findet sich in den Absonde­rungen des Rachens, der Nase und in anderen Ausschei­dungen des Körpers; eine Ansteckung ist also leicht mög­lich. Bei dem geringsten Verdacht ist das erkrankte Kind und womöglich auch das Pflegepersonal zu isolieren. Alle Gegenstände, die im Krankenzimmer gebraucht wurden, sind gewissenhaft zu desinfizieren, erst recht natürlich die Ausscheidungen des Kranken. Das preußische Wohlfahrts­ministerium hat übrigens schon vor längerer Zeit eine gemeinverständliche Belehrung über die Krankheit heraus- gegeben. Mitunter kommt eine Krankheit von der Art der Kinderlähmung auch bei Erwachsenen vor.

Welt und Wiffen

w. Rudolf Standern 70 Jahre alt. Am 1. August wird Rudolf Blanckertz, der Inhaber der von seinem Vater ge­gründeten Stahlsedcrsirma Heintze und Blanckertz, 70 Jahre alt. Blanckertz hat sich mit der Rekonstruktion historischer Tchrcibwerkzcuge besaßt und eine Sammlung von Schriften und Tchreibwerkzeugen aller Zeiten und Völker zusammcn- gebracht. Einen großen Teil dieses Schriftmuseums hat et bem Deutschen Museum in München überlassen.

w. Ein Glückwunschschreiben des Reichspräsidenten an Geheimrat Hoffmann. Reichspräsident von Hindenburg hat dem früheren Berliner Stadtbaurat Geheimrat Hoffmann in einem herzlichen Schreiben seine Glückwünsche zur Vollendung des 80. Lebensjahres ausgesprochen. Reichskanzler v. Papen bat, zugleich im Namen der Reichsregierung, telegraphische Glückwünsche gesandt

Oer Sternenhimmel im August.

Als besonders interessante Erscheinung bringt der Monat August in den Tagen vom 9. bis zum 13. Sternschnuppcnsätte, die auch in diesem Jahre günstig zu beobachten sein werben Da der Mond am 9. im Ersten Viertel steht, ist er noch nicht so hell, daß er uns die Verfolgung dieses Phänomens er- schwcrcn könnte. Bei der Betrachtung wird uns auffallcn, daß fast alle Sternschnuppen, die wir sehen, nach rückwärts ver­längert aus dem SternbUde des Perseus zu kommen scheinen Daher hat die Erscheinung den NamenPerseidcn" eihalten

Die Bedingungen für die Betrachtung des gestirnter Himmels werden 'jetzt auch wieder günstiger, die Sonn« wandert immer tiefer am Himmel herab, die Tage werden kürzer und die Nächte länger, die Zeit der Mitlcrnachts-

Nordhälfte:

1. Löwe D = Denebola. 2. Haar der Berenice, 3. Jagd­hunde, 4. Großer Bär, 5. Drache, 6. Kleiner Bär P Polar­stern, 7. Kepheus, 8. Kassiopeja, 9. Andromeda, 10. Fuhr­mann K = Kapella, 11. Perseus, 12. Widder.

Mond: Erstes Viertel 9. August, Vollmond 16. Autrust. Planeten: Saturn.

Südhälfte:

1. Pegasus, 2. Wassermann, 3. Delphin, 4. Steinbock, 5. Adler A Atair, 6. Schwan D = Deneb, 7. Leier W = Wega, 8. Schütze, 9. Schlangenträger, 10. Herkules. 11. Krone, 12. Schlange, 13. Skorpion A = Antares, 14. Waage, 15. Bootes A = Arktur.

dämmerung ist vorbei und die Sterne zeigen sich wieder tm gewohnten Glanze. Noch immer beherrscht die Wega in der Leier als hellster Stern das Firmament, hoch zu unseren Häupten erkennen wir sic an ihrem intensiven Glanz. In der Nähe ist der Schivan durch die charakteristische Form eines liegenden Kreuzes leicht auszufinden. Sein hellster Stern heißt Deneb, er bildet den Kops des Kreuzes, im Fußpunkt steht Albireo, ein Doppelstern, der schon bei der Betrachtung im kleinen Fernrohr in zwei wunderbare Komponenten zerlegt werden kann. Etwas tiefer stehen die unscheinbaren Sternlein des Delphin und noch mehr nach Süden finden wir den Adler mit dem hellen Atair. In der Nähe des Horizonts steht hier das Tierkreisbild des Schützen, der viele schöne Sternhaufen enthält, die jedoch nur im Fernrohr gesehen werden können, und in der westlichen Hälfte des Himmels erkennen wir Herkules; Krone und Bootes. Hier neigen sich Waage und Skorpion zum Untergang. Im Osten ist die Andromeda jetzt so Weit über den Horizont gestiegen, daß wir mit Hilfe unserer Sternkarte ihre Form verfolgen und den berühniten Nebel aufsuchen können. Die Verlängerung ihrer drei Hauptstcrne

nach links führt uns zum Perseus, der wegen Der eiern» schnuppeufälle in diesem Monat unsere besondere Ausmerk- famfeit beansprucht. Der Große Wagen strebt im Nordwesten seinem tiefsten Stande zu.

Von den Planeten sind Merkur und Jupiter unsichtbar, der erste überholt am 17. August die Sonne und erscheint auf kurze Zeit in den letzten Tagen des Monats am Morgen- bimmcl. Venus ist Morgenstern, und der Mars geht kurz nach Mitternacht ans. Am Abendhimmcl ist lediglich der Saturn zu sehen.

Die Mondphasen fallen auf folgende Tage: am 2. August ist Neumond, am 9. Erstes Viertel, am 16. Vollmond, und am 24. Letztes Viertel.

Die Sternkarte ist für den 1. August um 10 Uhr abends, 15. August um 9 Uhr abends für Berlin, also für eine Polhöhe von 52X- Grad berechnet.

Börse und Handel.

Frankfurter Eicrgrotzhandclspreisc vom 30. Juli. Das Geschäft war in der abgelaufenen Woche sehr klein, wobei auch die Nähe des Ultimos ungünstig auf den Absatz ein­wirkte. Die Läger konnten daher nicht geräumt werden, obwohl die Zufuhren infolge des Produktionsrückganges an und für sich recht klein waren. Die leicht erhöhten Preise der Vorwoche blieben unverändert. Es notierten in Pfg. per Stück ab loco Frankfurt/Main: Rußen 5X6, Holländer 6%7%, Dänen 67%, Flandern 77X, deutsche Landeier 77%, deutsche Frischeier je nach Größe 6X8X.

Frankfurter Buttergrotzhandelspreise vom 30. Juli. Der Absatz hat sich in der laufenden Woche, trotz rückgängiger Anlieferungen, weiter verschlechtert, wozu noch die ver­stärkten Auslandsangebote kamen. Die Notierungen der Vorwoche blieben daher nur knapp behauptet. Eine ge­wisse Verstimmung herrscht in Handelskreisen darüber, daß bei deutscher Butter sehr viel saure Ware angeliefert würde, was den Absatz erheblich erschwere. Die Umsätze erstreckten sich daher in der Hauptsache auf Auslandsbutter, die ihren Preis auch voll behauptete. Die Verkaufspreise des Großhandels lauten (in 1 Ztr.-Tonneu): Holländische Butter 128130, deutsche Butter beste Qualitäten 122 bis 126 RMk., geringe Ware kam nicht zur Notiz.

Frankfurter Schkachtviehmarkt vom 1. August. (Nich^ amtlicher Vorbericht.f Rinder: Ochsen: al) 3035, a2) 2730, bl) 2426; Bullen: a) 2630, b) 2225; Kühe: a) 2528, b) 2124, c) 1419; Färsen: a) 3135, b) 2730, c) 2426. Kälber: b) 3538, c) 3034, d) 24 bis 29. Schafe nicht notiert. Schweine: b) 4750, c) 4650, d) 4448, e) 3843. Aufgetrieben waren: Min­der 1246 Stück darunter: Ochsen 288, Bullen 112, Kühe 435, Färsen320; ferner Kälber 498, Schase 4 6, Schweine 3 926, darunter 80 Litauer. Marktverlauf: Rinder ruhig; Kälber und Schafe ruhig; Schweine rege.

Getreide und Olsaalen per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark.

30. 7. 29. 7.

Weiz., mark, pommersch.

Rogg., märt. Braugerste Sommergst. Futiergersie Winlergerste Hafer, mark, pommersch. westpreuß.

Weizenmehl per 100 kg fr. Berl, br inkl. Sack 2

219-221 219-221

159-161 159-161

159-171 159-171

164-169 164-169

K

8,7-33,5 28,7-33,5

Roggenmehl per 100 kg fr. Berl. vr.

inkl. Sack 23,5-25,7 24,0-26,0

30. 7. 29. 7. Weizkl. f.Bln. 11,5-11,8 11,5-11.8 Roggkl. f.Bln. 10,2-10,5 10,2-10,5 Leinsaat Raps Erbsen, Vikt. 17,0-23,0 17,0-23.6 kl. Speiseerbs. 21,0-24,0 21,0-24,6 Futtererbsen 14,0-17,5 14,0-17,5 Peluschken 16,0-18.9 164) 18.6 Ackerbohnen 15,0-17,0 15,0-171 Wicken 17,0-19,0 17,0-19,6 Lupine, blaue 11,0-12,0 11,0-12,6 Lupine, gelbe 16,0-17,0 16,0-17,6 Serradelle Leinkuchen 10,2-10,4 10,2-10,-1 Erdnutzkuchen 11,2 11.3 11,2-11,3 Trockenschntzl. 9,0-9,6 9,4-9,6 Soyaschrot 10,3-11,1 10,3-11,1 Kartoffelfl. 17,8-18,2 17,8-18,2

* Berliner Buttcrprcise. 1. Qualität 108, 2. Qualität 98, abfallende Sorten 91 Mark je Zentner.

Standarten im Nebel

Ro»*« mb Herbert B. Fredersdorf.

Copyright by; Carl Duncker Verlag, Berlin W. 62.

32)

' _Ich habe mich immer" nur in der Welt herumgetrieben. Eva, ich habe so spät gesehen, wohin ich gehöre, ich konnte mich nicht viel mit Gedanken belasten; ich hätte zusammen- brechen müssen bis jetzt, bis vor wenigen Tagen bis > Ragnit."

Der Arzt kommt wieder und bittet Eva, Friedrich ein Schlafmittel zu geben. Er nimmt die Medizin, sie verdunkelt das Zimmer und geht hinaus.

Borck ist in verzweifelter Stimmung. Mas hatten er 1 und seine Leute von der Konvention erhofft? Zuerst einen allgemeinen Aufschwung, kräftigstes Nachsetzen der Russen , Triumph.

I In der Wirklichkeit sieht alles anders aus. Die Russen haben die Stärke ihrer Armeen stark übertrieben. Wittgen­stein hat vielleicht die Hälfte der Leute zur Verfügung, die er vorgab, zu haben, und diese Hälfte ist matt, abgekämpft, unlustig. Bei den anderen russischen Führern ist es nicht anders, Borck muß zusehen, wie Macdonald seinen taktisch ausgezeichnet angelegten Rückzug durchführt.

Er erklärt Roeder und Seydlitz am 4. Januar kurz:

Wir gehen morgen nach Königsberg."

Roeder wendet besorgt ein:

Wir sind noch ohne jede Nachricht von Berlin."

;Ich kann nicht warten und zujehen."

) Seydlitz sagt leise:

Die Konvention sieht vor, daß wir den Raum zwischen"

Ich weiß selbst, Seydlitz, was die Konvention vorsieht; ich kenne den Käfig, in den man uns einsperren will, aber

Er haut mit der Faust auf den Tisch, daß das Tintenfaß umfällt und sich ein breiter, dunkelblauer Strom über die ausgebreitete Karte von Ostpreußen ergießt:

<Ich habe meinen Kopf sowieso verwirkt, jetzt will ich nicht hier im Treck hocken bleiben, die verdammten Russen kriechen wie die Schnecken, ist ja auch nicht ihr Land, in dem sie marschieren! Seydlitz, geben Sie den Befehl weiter:

Fertig machen zum Abmarsch Richtung Königsberg!" Die Offiziere salutieren. Seydlitz tritt noch einmal an den General heran:

Exzellenz wollten den Hauptmann Hardekow noch ein­mal aüssuchen."

, Borck schlägt sich mit der Hand an die Stirn:

'Gut, daß Sie mich erinnern, der Bursche soll satteln!"

Eva ist wie immer bei Friedrich, der schon besser aus­sieht als vor vier Tagen. Borck tritt unangemeldet ein, eilt auf den jungen Offizier zu, der sich krampfhaft bemüht, im Bett eine Art von militärischer Haltung- einzunehmen, drückt ihn an beiden Schultern in die Kissen zurück:

Liegen bleiben, Hauptmann, jetzt werden Sie mir schnell gesund, verstanden?"

Jawohl, Exzellenz."

Sie haben ja die beste Pflege, nicht wahr, Eva? Wie lange wird es denn noch dauern, bis der junge Mann transportfähig ist?"

Wenn alles jo gut geht wie bisher, zehn Tage viel­leicht."

Borck überlegt kurz:

Hören Sie zu, mein Sohn. Ich werde meiner Frau in Marienwerder schreiben, daß Ihr beide kommt. Wenn es geht, wird sie Euch in meinem Hause unterbringen, sonst gibt es in der Stadt Unterkunft. Ich habe einen Auftrag für Sie, Hardekow, einen Auftrag, der einen ganzen Kerl erfordert und der vorderhand nicht gerade öffentlich zu werden braucht.

Ich muß Leute haben, wir brauchen eine stärkere Macht, um die Franzosen vorwärts zu treiben. Ich kann keine Aushebungen veranstalten, aber es könnten sich ja Leute freiwillig melden."

Er senkt die Stimme, fixiert Friedrich scharf:

Die werden Sie mir einexerzieren, fertig machen, nicht auf die alte preußische Art, von der Sie nichts verstehen, sondern als Jäger. Sie haben doch auch unten in Afrika gedient?"

Jawohl, Exzellenz."

Einzeln, Schwärmen üben, immer zwei Kerle zusam­men drillen, bis sie wie Zwillinge Zusammenhängen, ab- lo>en laßen beim Feuern. Sie werden alles Nötige gestellt bekommen. Ich gehe jetzt nach Königsberg, werde dort eine Weile bleiben müssen. Sie setzen sich in Marienwerder fest, werde Sie bei den dortigen Behörden avisieren, in Ordnung, mein Sohn?"

Friedrich strahlt, stammelt nur:

Ja, jawohl!"

. »Ich weiß nicht, ob Sie sich was aus Orden machen, eingegeben hab ich Sie. Ob Sie einen bekommen, weiß man nie, die Herren in Berlin haben oft merkwürdige Vorstellungen von Courage. Na wird vielleicht doch werden, leben Sie wohl, mein Junge, wir sehen uns in diesem Jahr nicht zum letzten Male!"

aus^^ Friedrich die Hand, umarmt Eva, stapft hin-

Friedrich versucht munter, das verletzte Vein ein we­nig anzuheben:

,,®5 seht schon, Eva, patz auf, jetzt wird es doppelt schnell gehen. -

*

Der Adjutant Macdonalds, der dem König die uner­hörte »andlunasrveiie des Generals von Aarck melden iolE

reist doppelt jo schnell wie Major Thiele, kann alle Erleich­terungen der Kaiserlichen Kurierpost benutzen, wechselt alle paar Stunden die Pferde kommt lange vor Thiele in,Berlin an.

Am Abend des 4. Januar rasselt die Post in Berlin ein. Der französische Adjutant begibt sich sofort zum Mar­schall Angereau, bei dem der Staatskanzler und Graf St. Marsan zum Abendessen sind. Hardenberg nimmt die Nachricht entgegen, überfliegt den Brief Macdonalds, die Schreiben Borcks und Massenbachs an den Marschall, ent­schuldigt sich sofort und begibt sich zum König, der vor wenigen Stunden in Berlin angekommen ist.

Friedrich Wilhelm liest die Hiobspost, wie Hardenberg sie nennt, ist zuerst ruhig, fährt' dann, als er den ganzen Umfang der Ereignisse zu übersehen beginnt, empor:

Der Schlag könnte einen rühren der General ist wahnsinnig! Sofort, Hardenberg, fertigen Sie sofort den Beseh! aus: Borck ist feines Kommandos enthoben, abge­setzt, wird arretiert bis zum Spruch des Kriegsgerichts! Befehl übernimmt bis auf weiteres Kleist. Mein Flügel­adjutant Natzmer soll die Befehle sofort nach Ostpreußen bringen!"

Hardenberg versucht matte Einwendungen, der König ist aufgesprungen:

.Es geht nicht um unsere Empfindungen, es geht um mein Wort. Alle die Nachrichten, auf die Borck Bezug nimmt, sind unzuverlässig; noch lebt Napoleon, noch sind wir seine Alliierten. Lassen Sie die Ordres sofort aus­fertigen und legen Sie sie mir vor! Kein Wort mehr, Borck ist ein erledigter Mann!"

Am nächsten Morgen erst kommt Thiele an, wird zu seiner Ueberrajchung schroff behandelt, aber sogleich vorge- lafsen, findet den König in zorniger Aufregung. Er legt seine Schreiben vor, der König läßt ihn in Haltung stehen, bis er die langen Berichte gelesen hat, ist dann weniger ungnädig:

,,Daß der Borck mir meine Truppen erhalten wollte, ist ja gut und schön, aber daß er diese infame Konvention abschließt, daß er, ein Offizier, es wagt, sich politisch zu be­itätigen und die Regierung meiner wehrlosen Provinz Preußen kompromittiert, das verzeihe ich ihm nicht! Rei­ten Sie zurück. Mein Adjutant bringt die erforderlichen .Befehle direkt nach Preußen!"

Der Kapitän Legrand steht in feinem Quartier in El­bing vor bem Spiegel und sieht in das halbblinde Glas:

Ta bin ich Uniform, Säbel, Pistole im Gürtel, Rot, Blau und goldene Tressen sieht gut aus gut? Lächer­lich ich habe es lange nicht bemerkt habe mich nicht gedrückt wie?

(Fortsetzung folgt.)