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Nr. 168
Mittwoch, 20 Juli
1932
Kurze politische Nachrichten.
Der Mandschureiausschuß des Völkerbundes, der sich vcrcits seit Monaten in Ostasien aufhält, kam im Hafen von Tsingtau an. Der Führer des Mandschureiausschusses, ■ Lord Lytton, ist sehr schwer erkrankt. Sein Zustand ist so schlecht, daß er in Tsingtau an Land getragen werden mußte. Der Völkcrbundausschuß ist ohne seinen Führer über Tsinanfu nach Peking weitergereist.
-j-
Amtlich wird mitgeteilt: Aus organisatorischen Gründen ist in dem Haushaltsgesetz für 1932 die Stelle des Ministerialdirektors in der Reichskanzlei nicht mehr vorgesehen. Infolgedessen hat der Reichspräsident den bisherigen Inhaber dieser Stelle, Ministerialdirektor Dr. v o n H a g e n o w, in den e i n st w e i l i - gen Ruhestand versetzt. Der Reichskanzler hat an diesen verdienten Beamten anläßlich seines Ausscheidens aus dem Reichsdienst ein Dankschreiben gerichtet. Die hiermit eingeleiteten Veränderungen in der Reichskanzlei haben ferner zum Fortfall der Stellen von zwei beamteten Hilfsarbeitern geführt.
Die neu gewählte nationalsozialistische mecklenburgische Regierung hat ihr Amt angetreten. Ministerpräsident Granzow und Staatsminister Dr. Scharf begrüßten die Beamten. Der Minister führte u. a. aus, daß die Regierung sowohl wie die Beamtenschaft der Ministerien den übrigen Behörden des Landes ein Vorbild an Pflichterfüllung und Verantwortungsbewußtsein geben müßten.
Auf eine Klage Hitlers gegen den Hauptschriftleiter der sozialdemokratischen Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung, Wurbs, wurde diesem verboten, zu behaupten, Hitler bereite den Bürgerkrieg vor und habe Putschanordnungen erlassen.
Ver mischte Nachrichten
Reichsgericht bestätigt Angriff-Verbot.
Leipzig. Das Reichsgericht bestätigte das vom Polizeipräsidium gegen die nationalsozialistische Zeitung Der Angriff ausgesprochene Verbot, nachdem der Verlag des Angriffs gegen das Verbot Beschwerde erhoben hatte.
Nicht Kartoffel-, sondern Marienkäfer.
. Frankfurt a. M. Die Meldung, daß der gefährliche Kartoffelkäfer, zwischen Frankfurt und Offenbach festgestellt worden sei, ist nicht richtig. Die Larven wurden sofort den behördlichen Stellen übersandt und vom Landwirtschaftlichen Institut der hessischen Landesuniversität Gießen untersucht. Es stellte sich heraus, daß man es mit Larven und Puppen des Marienkäfers zu tun hat, die denen des Kartoffelkäfers sehr ähnlich sehen.
Grauenhaftes Verbrechen aufgedeckt.
. r^^1*’, D^ Erfurter Kriminalpolizei ist einem grauen» haften Verbrechen auf die Spur gekommen. Es gelang ihr, den Arbeiter Bachmann und seine Geliebte festzunehmen, Die Geständnis in den Jahren 1928 bis 1931 drei
nach eigenem Geständnis tn Den Jahren 1928 bis 1931 drei ihrer unehelichen Kinder kurz nach der Geburt getötet und die Leichen außerhalb der Stadt vergraben hatten. Die sofort eingeleiteten Nachforschungen haben bereits zur Auffindung der Überreste eines der getöteten und in der Nähe eines beliebten Ausflugszieles in der Erfurter Umgebung einge- grabenen Kindes geführt.
Aus dem Gerichtssaal
Das Attentat auf den
Reichsbankpräsidenten.
Dr. Roosens Finanz- und Währungspläne.
In dem Prozeß gegen Den Volkswrri Werner Kerl- scher und Den früheren Rechlsanwatt Dr. M a; Roosen, die am 9 April D. I. auf Den Reichsbankpräsivenlen Dr Lulher geschossen haben, als Dieser tm Segriff war, oom Potsdamer Bahnhof in Berlin nach Basel zu einer Sitzung der Baseler Tributbank zu fahren, schttderten Die beiden An- geklagten zunächst ihren Lebenslauf. A'js Der NSDAP, der sie angehört hatten, sind sie ausgetreten, weil Die Panel, wie Dr. Roosep erkäne, den „geschichtlichen Augenblick der Macht- ergreifung verpaß, habe". Da er für das von ihm mit Kerlscher auSgearbeitete
Währungsprogramm oei der Reichsregierung und der Reichsbankleitung keinen Erfolg gehabt habe, sei er zu dem Entschluß gekommen, durch eine aufsehenerregende Tat Die Ofsentlichkeil auf seine Ftnanz. und Wäyrungspläne aufmerksam ru machen. Dr. Roosen halte
111 Thesen über finanzielle Fragen ausgestellt. Diese Thesen übersandte er Dem damaligen Reichskanzler Dr. Brüning und dem Relchsbankpräsi- d e n t e n. In einem Schreiben hatte er behauptet, daß die Reichsbank das Volk bestehle, da sie
Banknoten gegen Kellerwechsel ausgebe. Um zwei Milliarden sei auf Diese Weise das Volk bestohlen worden, aufgefreffen von Beamten und Großbanken. Das fei ein Delikt, das über Dem Gesetz stehe und nur durch eine Tätlichkeit verhindert werden könne. Aus diesem Grunde hätten sie Den Reichsbankpräsidenten an» geschossen, weil er sonst „das ganze Haus wegirage".
Ncichsbankpräsidenl Dr. Luther, der dann vernommen wurde, schilderte das Attentat und er» klärte, daß er infolge des Attentats noch heute an Gehör- ftörungen leide, Die aber seine Arbettssähigkett nur unwesentlich beeinträchtigten. Es fommt zu längeren Auseinandersetzungen, als Der Verieidiger von Dem Reichsbankpräsidenlen sagt, daß Dieser zwar ein vortrefflicher Oberbürgermeister und ein eben» solcher Minister gewesen sei, aber daß man nicht wisse, ob er für das Amt des Reichsbankpräsidenien
Die notwendige banktechnische Vorbildung
besitze. Der Obcrstaaisanwali beantragte, Die Frage abzu- lchnen. Auch Dr. Luther roeigerte sich. die Frage zu beant»
Dr. Roosen erklärte nun, daß es gar nicht mehr not»
Worten.
wendig sei, die Frage zu beantworten, da Der Retchsbank- präfibent durch vas' Nichlbeamworicn der Frage zugegeben habe, daß er die banltcchiiifcben Vorlennmisie nicht besitze.
Nah und Fern
O Südamerikafahrten des Luftschiffes „Graf Zeppelin". Im August werden die Perkehrsfahrten des „Graf Zeppelin" nach Südamerika wieder ausgenommen. Sie finden an folgenden Tagen statt: 15. 8., 29. 8., 12. 9. und 10. 10. Zur Postbeförderung sind zugelassen gewöhnliche und eingeschriebene Briefsendungen und gewöhnliche Pakete, die die besondere Aufschrift „Mit Luftschiff Gras Zcppeliu" tragen müssen.
O Ein großes Meteor nicdcrgcgangcn. Über dem vorderen Hardtrand ging ein großes Meteor in Forin^einer feurigen Kugel nieder. Es zerplatzte in mehrere Stücke, die wieder zerplatzte«: iuib_^nn auf die Erde fielest. Im Augenblicke des Niedergehens des Meteors war der Himmel taghell erleuchtet.
O Großfeuer auf einem Gut. Auf dem Gute Jürgensdorf bei Stavenhagen entstand abends ein Großfeuer. In dem Hofschuppen kam das Feuer aus und verbreitete sich über den Maschinenschuppen und den Großviehstall. Die drei Gebäude konnten nicht mehr gerettet werden. Mitver- brafnnt sind 300 Fuder Kleeheu, 80Ö Fuder Heu, sechs große Wagen, 250 Zentner Wintergerste und verschiedene landwirtschaftliche Maschinen.
Das Gerich, beschloß, die Peryandlung bis Mittwochvor- mittag zu unterbrechen, Damit Die SerteiDiger genügend Zeil hätten, um Die Beweisanträge in bezug auf Den Reichs, banfpräftbenteii Dr. Luther in konkreter Form schriftlich nieder, legen zu können Es erging dann ein Beschluß des Gerichts nach dem die Vollstreckung des Haftbefehls gegen Dr. Roosen und Kertscher für einen Tag ausgesetzt wird, damit auch Diesen genügend Gelegenheit geboten werde, sich mit ihren Vcrieidigern über die Beweisämräge zu unterhalten.
Die 6frafanfräge im Devaheim-Prozeß.
Hohe Gefängnis st rasen beantragt.
Im Tevaheim-Prozeß beantragte der Staatsanwalt nach mehrstündigem Plädoyer gegen den Pastor D. Cremer drei Jahre Gefängnis, gegen den Kaufmann Claußen drei Jahre Gefängnis, gegen den Generaldirek- tor Wilhelm Jeppel zwei Jahre sechs Monale Gefängnis. Gegen den Sohn Pastor Cremers, den Proku- risten Ernst Wilhelm Cremer, beantragte der Staatsanwalt acht Monate Gefängnis, gegen den Direktor Paul Jeppel, den Bruder Wilhelm Jeppels, vier Monate Gefängnis, gegen den Direktor Heinrich Kocks drei Monate Gefängnis. Claußen wurde auf Antrag des Staatsanwalts verhaftet.
Der Staatsanwalt hatte in seiner Anklagerede darauf hin- geiviefen, daß durch die Devaheimkatastrophe Die wirtschaftliche Existenz eines großen Teiles des Volkes fast restlos vernichtet wurde. Es müsse aber ausdrücklich feftgcficllt werden, daß zwischen der Kirche und den kirchlichen Organisationen einerseits und den Angeklagten andererseits
ein klarer Trennungsstrich zu ziehen sei.
Wenn man überhaupt von einer Mitschuld kirchlicher Verbände reden wolle, so sei es eine tragische Schuld, Die Darin begründet liege, daß durch Die Entwicklung der Wohlfahrtsfürsorge kirchliche Organisationen, Darunter der Zentra lausschußfür Innere Mission, zur offiziellen Verteilungsstelle eines großen Teiles der staatlichen Wohlfahrtsstellen gemacht worden seien.
Der Generaldirektor Wilhelm Jeppel sei einer von Denen, welche zur Kirche gegangen seien, um Geschäfte zu machen. Auch Der angeklagte Kaufmann Claußen habe bei jeder Gelegenheit hervorgehoben, daß er sich im Interesse der evangelischen Sache betätige. Mit Diesem allem habe aber die Kirche nichts zu schaffen. Die Taten des Pastors Cremer, einer der peinlichsten Erscheinungen dieses Prozesses, und der übrigen Angeklagten seien um so strenger zu beurteilen, weil sie mit Dem ausdrücklichen Hinweis auf ein gemeinsames Glaubenswort begangen seien.
O Drei Todesopfer bei einem Bootsunglück. Der Pontonier-Fahrverein von Aarwangen (Schweiz) machte einen Bootsausflug auf der Aare. Infolge der starken Strömung konnte in der Nähe von Wangen ein Boot nicht landen und wurde seitwärts gegen einen Brückenpfeiler geschleudert. Dabei kenterte es und sämtlkche 24 Insassen fielen ins Wasser. Drei Personen ertranken.
0 Die Sahara zum ersten Male im Sommer überflogen. Vor einigen Tagen gelang es einem französischen Militärflugzeug, die Sahara zu überqueren und von Algier aus Jnshalla zu erreichen. Der Apparat wurde während der Landung leicht beschädigt. Diesem Fluge, der an und für sich nicht sehr lang ist, wird besondere Bedeutung bei» gemessen, weil die Sahara zum ersten Male im Sommer und bei größter Hitze überflogen werden konnte.
0 Schweres Autobusunglück. In der Nähe von Plocsti in Rumänien stürzte ein mit 15 Personen besetzter Autobus einen Abhang hinunter, weil der Führer am Steuer eingeschlafen war. Eine Frau wurde getötet, vierzehn Personen wurden schwer verletzt.
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Standarten im Nebel
Roma« von Herbert B. Frederedors.
Copyright by: Carl Duncker Verlag, Berlin W. 62.
22)
Der Gaul Hardekow wiehert hell und schmetternd wie eine Trompete, wartet nicht ab, setzt sich in Galopp, Schaum aus dem Maul, die Nüstern gebläht, Kopf gerade vorgestreckt.
Friedrich hat die Zügel in der Linken, steht fast in ben Sugeln, weit vornübergeneigt, den Säbel für den ersten Hochichwung straff nach hinten im gestreckten Arm.
_ I^öt ist er dicht vor dem Russen, reißt den Gaul zur seite, die Klinge des Kosaken saust vorbei, da ist Hardekow am zweiten, hoch den Säbel, Hieb, Hieb! — Pfiff in der Stuft, keine Melodie, nur Sausen! Er sieht sich nicht um, pariert ben Lanzenstoß des dritten dadurch, daß er sich halb vom Pferd fallen läßt, kein Preuße kennt diese verwegene Taktik! - und stiebt davon.
Zehn Minuten darauf ist er mitten in der Bredouille, haut um sich, schlägt zwei, drei Russen von den Gäulen, bekommt eine leichte Wunde auf der Stirn rot Bl»t über den Augen — fortwischen — so — weiter! Hoch! Tief! Hoch! Herunter — wie heiß es ist! Sommer, nicht wahr? Blut, das verdammte Blut läßt mich nicht sehen.
Verdammt — wer stößt mich da am Bein"— wer - Herrgott — was ist das?
Blut strömt aus dem Schenkel, er wankt, preßt sich fest 9uf dem Gaul — Schmerz — unsinniger Schmerz — Blut «oer den Augen — nein, Schwärze, dunkel, ist denn schon Nacht?
Plötzlich sieht er schwarze Husaren, er hat sich zu den Preussen durchgeschlagen.
6ie, ber Hauptmann Friedrich Hardekow —- auf dein Weg zu Yorck -"
w"d. alles weich und sanft — was wiegt ihn weich geht doch kein Gaul? — Man kann cnd- s w 'wlafen, sich ausstrecken, so, kein Laut mehr, wunder-
ST Aua — was ist das. Eva? — Nacht. Nichts als tiefe, tiefe Nacht.
^ zurückgezogen, obwohl sie cs Vink mit tk' ^ b beherrschen, die Husaren räumen den real Verlusten, nehmen mit, was sich noch ben einem Gaul hängen kann, die Arm: um dcu^Vordennann im Sattel geschlungen.
über'boG reglog, mit sehr weißem Ee- Lächeln am ^hen und mit glücklichem ober wart Naben stoßen rauschend niede, m ^'»gezogenen Hälsen und schiefgelegten Una ürf^ aus das Stillwerden des Unglücklichen da unten, der einmal ein Mensch war.
In dem Vorwerk Kiaukalek, das man erst am Tag, zuvor den Russen abgenommen hat, ist für Yorck das eiw zige Halbwegs respektable Zimmer reserviert worden Der General sitzt vor einer großen, sehr ungenauen Karte, hiei und dort sind Ergänzungen eingezeichnet. Neben ihm lieg! ein Blaustift, er malt mit roter Kreide Stellungen ein grübelt, nickt, stützt den Kopf auf:
, Das ist die Entscheidung. Yorck, nicht wegsehen, sick nichts vormachen, keine Müdigkeit vorschützen —■ auch wenn du todmüde bist. Die Russen haben alle Trümpfe in bei Hund, sie haben die Soldaten, die Zeit und das Recht füi sich: für wen kämpfst du? Heute ist Weihnachten, in drei Stunden kann alles entschieden sein. Diebitsch will mich sprechen, Paulucci droht schon beinahe. Macdonald weichi aus, was, zum Teufel, sollen mir jetzt die Franzosen. Seydlitz kommt und kommt nicht — gut —
Er steht auf und ruft:
„Ordonnanz!"
In der Tür erscheint ein Bursche.
„Leutnant von Kessel!"
Der Leutnant tritt ein, Yorck geht auf ihn zu, faßt i$n scharf ins Auge:
.. »Der russische Parlamentär soll über die Vorposten zurückgeschickt werden. Er soll dem General Diebitsch mitteilen:
„In Ordnung! — Verstanden?"
Der Leutnant bejaht und geht ab.
Die Vorposten des preußischen Hilfskorps stehen west genug von den russischen ab, um eine Zusammenkunft bei Generale zwischen den Linien zu ermöglichen.
Zorck und Diebitsch, beide nur von einem Adjutanten begleitet, treffen sich in einem verschneiten Wäldchen. Seibt salutieren förmlich, dann schwingt sich zuerst der Russe drnn Yorck vom Pferde.
.^?M. Begrüßung, Yorck ist sehr kühl und zurückhaltend Bei Diebitsch ist Carl von Clausewitz, einer der preußischen Offiziere, die es nicht ertrugen, unter französischer Oberhoheit zu dienen. Yorck sieht ihn lange an — der hat sick entschieden — und wird deshalb von Berlin aus als Deserteur gesucht.
Diebitsch wiederholt seine Vorschläge, weist darauf hin. daß Yorck der Weg zurück verlegt sei, daß die Niederlage Napoleons vernichtend fortgehe, bittet ihn, sich zu entschèi-
Eeneral Yorck betrachtet die weißen Bäume, die in den fast schwarzen Nachthimmel ragen, sein Blick gleitet über die Uniformen der Russen, ein Tier ruft leise und klagend rm Wald, es erinnert ihn plötzlich an Eva.
„Ein Reutralitätsvertrag wäre möglich, meine Herren, wenn die Ehre unserer Waffen in keinem Punkt gefährdet würde, aber —"
Es ist eine Eule, sie schreit jetzt lauter, wie ein Kind, — nein, man darf stch nicht so rasch entscheiden. Wenn alles nur Finten sind und ich doch durchkomme. stehe ich als Verräter da, bin ich Verräter — ich — nein!
„Ich lasse morgen rekognoszieren, marschiere langsam weiter Sic können mich nach wie vor absperrem wenn. PU
es wirklich können: für heute nacht sott ein völliger Waffenstillstand gelten.“
Und fährt nach einer kurzen Pause, nach dem zustimmenden Nicken Diebitichs fort:
„Wenn Sie mir wieder Parlamentäre schicken, geben Sie ehemaligen preußischen Offizieren den Auftrag. Sie haben ja sehr viele unter Ihren Truppen!"
Aufs Pferd, Salutieren — davon.
Als Clausewitz mit Diebitsch allein ist, meint er:
„Hüten Sie sich vor Yorck, Exzellenz! Er bekommt cs fertig, trotz der vereinbarten Waffenruhe heute nacht los- zugehen und uns über den Haufen zu rennen!“
Stores reitet in scharfem Trab zurück ins Vorwerk, wo Kleist auf ihn wartet.
*
Dtt Atem weht wie Rauch in der eisigen Luft, steht als Dampffahne vor dem Gesicht, treibt nach hinten — ist verschwunden. Seydlitz hat sich eng in ben Mantel gewickelt die Pferde reißen den Wagen in schärfstem Trab vorwärts, über ihren Körpern quirlt die erwärmte Luft wie Nebelschwaden über herbstlichen Tümpeln.
Dicht hinter der preußischen Grenze, nahe Memel, tauchen unvermutet Kosaken auf, einer, drei, ein Dutzend. Bei Fahrer läßt die Peitsche auf die Pferderücken sausen, di, Gäule fallen in Galopo, der Wagen fliegt hin und her Der Major hat die Pistolen aus dem Gürtel gerissen, obwohl an Schießen während des Fahrens gar nicht zu denken ist.
Dann mehren sich die Kosakengruppen, es mag ein gaw Zer Pulk sein, sie stürmen auf ihren kleinen, zottigen, barten Pferden heran, überholen den Wagen mühelos, steiler sich davor auf, ein Hetmann schwenkt einen Lappen, bei einmal weiß war.
Seydlitz steckt die Waffe resigniert ein. Die Russen um ringen den Wagen, der Führer salutiert höflich, kann seit Wort Deutsch oder Französisch sprechen, wiederholt nur:
„Marquis Paulucci — Hinfahrt —“
Seydlitz nickt, was soll er tun?
„Hoffentlich läßt Paulucci uns weiter, sonst muß ich vet suchen, ohne Erlaubnis durchzukommen."
Der Marquis empfängt Seydlitz höflich, aber als Eo fangenen. auch wenn man ihm den Degen beläßt.
„Ich habe gehört. Herr Major, daß Ihr General Rorc im Begriff steht, mit Diebitsch abzuschließen."
„Ich bin nicht im Bilde, Herr Marquis, ich komme am 23^rlin "
„Ich bin empört, daß Yorck nicht mit mir verhandelt der ihm seit Wochen VorschMe unterbreitet. .
„Ich bin überzeugt, daß General Borck vorläufig . niemandem abschließèn wird, Herr Marqurs.
Paulucci, der Italiener in russischem Dienst, irM römische Profil zur Seite: .. , - <
„Ich habe nicht die Absicht, Sie Weiterreisen zu lassen.
(Fortsetzung folgt.) _