Die Gängerbundessefle als Volksdeutsche und großdeutsche Kundgebung
Das Frankfurter Sange 4 bundesfest im Juli d. Js. wird sich in den Rahmen der vorangegangenen Sängerfeste einfügen. Hat doch die deutsche Sängerbundbewegung schon seit der Zeit ihrer Entstehung nie mals die Kunstausübung als Selbstzweck aufgefaßt^ Tic Gründung des Deutschen Sängerbundes war die Frucht eines jahrzehntelangen Ringens deutscher Männer nach dem Ziele, das deutsche L i ed in einer großen Volksgemeinschaft dem Dienste des geeinten Vaterlandes zu weihen. Aus den Freiheitskriegen ist diese gewaltige volkstümliche Bewegung geboren worden und durch die Einheitsbestrebungen der deutschen Stämme wurde sie ständig genährt. Es ist kein Zufall, daß die deutsche Sängcrbundesbewcgung nach 1870 die Zeit eines gewissen Stillstandes erlebte. Glaubte das deutsche Volk damals doch, im Bismarck-Reich die Erfüllung seiner Wünsche gefunden zu haben, so daß die großdeutsche, Volksdeutsche Bewegung weiten, in kleindeutschem, rein staatlichem Tenten befangenen Kreisen als überholt galt. Aber die deutsche Sängcrbundesveweguug hielt an den alten g r 0 ß d e u t s ch e n Idealen fest. Das vierte deutsche Süngerbundessest fand in Wien statt, und zwar im Jahre 1890. Der Eindruck war so stark, daß auch das 6. Teutsche Süngerbundesfest wieder in Österreich, in G r a z, abgehalten wurde. Über 12 000 Sänger fanden sich im Jahre 1902 in Graz zusammen. Bezeichnenderweise bereitete die österreichische Regierung diesem als großdeutsch ihr verdächtig erscheinenden Feste große Schwierigkeiten. Herrschte doch damals die im deutschen Rationallampf Österreichs berüchtigte Regierung Badeni. Die Militärbehörden verweigerten die Mitwirkung der Regimentskapellen. Der Garnison wurde der Besuch des Festes verboten. Um so begeisterter und herzlicher war die Anteilnahme der Bevölkerung. Gerade dieses Sängerbundesfest in Graz hat vielen Reichsdeutschen die Augen über die Lage des Deutschtums in der alten Südostmark des Reiches geöffnet. Für die österreichische Regierung ist diese mächtige Kundgebung eine Warnung gewesen, die ihren Eindruck nicht verfehlt hat. Tie Sängerbundestagung in Breslau, die im Zeichen der Lieder und der Gesinnung Felix Dahns stand, war ebenfalls eine Kundgebung bewußter deutscher Volks- gesinnung in der kämpfenden deutschen Ostmark. Nachdem der Kriegsausgang das Reich in seiner alten Form zerstört und rings an den Grenzen neue deutsche Außengebiete geschaffen hatte, erlebte der Volksdeutsche und großdeutsche Gedanke seine naturn 0 t- w e n d i g e W i e d e r g e b u r t. Und mit der neuen Volksdeutschen, großdeutschen Bewegung erhielten auch die Sängerbundesfeste einen neuen gewaltigen Auftrieb. 43 000 Sänger trafen sich im Jahre 1924 in H a n n 0 V e r. „Nicht lärmender Jubel, sondern feierlicher Ernst und sittliche Vornehmheit, gepaart mit tiefer Herzensinbrunst, durchwehten die Festtage." Wenn auch wegen der wirtschaftlichen Notlage keine Massenbeteiligung österreichischer Sänger möglich war, so hatten sich doch aus den besetzten und abgetretenen Gebieten zahlreiche Festteilnehmer eingefunden. Eine ergreifende Toten- gedenkfeier und eine Kundgebung für Rhein und Ruhr betonten den ernsten, sittlich-nationalen Charakter des Festes. Ein Schwur am Hermannsdenkmal im Teutoburger Walde schloß die große Kundgebung ab, die ein Beweis der innersten Verbundenheit des deutschen Sängerbundwesens mit dem Aufstieg der deutschen Idee war. Tie EreignissederWienerSängerbundstagung die alles mit sich fortreißende Begeisterung des deutschen Brudergefühles sind noch in frischer Erinnerung. Inzwischen sind die Zeiten noch ernster geworden. Aber gerade darum wird auch Frankfurt am Main eine Kundgebung der Notgemeinschaft und der Wiederaufstieg- Hoffnung aller Deutschen werden.
Wirb für Deine Heimatzeitung!
Der Kampf der Sienni mib Feuerwehr;
Es ist jetzt Schwarmzeit der Bienen, das ist ein landwirtschaftliches Ereignis, eines der wenigen, an denen auch der Berliner unmittelbaren Anteil hat. In B e r l i n gibt es nach guter Schätzung etwa 65 bis 70 Millionen Bienen, so daß also eigentlich, j^der Reichsdeutsche eine hauptstädtische Biene hat. Auch die Berliner Bienenvölker werden um diese Zeit vom Flug und Wandertrieb erfaßt und lassen sich, genau wie auf dem Lande, einem dem Menschen unergründlichen Triebe folgend, so nieder, daß sie ihr Bienenvater und Betreuer möglichst nicht mehr finden, zumindest aber nur sehr schwer erreichen kann.
Für solche Fälle hat der Berliner seine Feuer- w e h r. Wo es absolut nicht mehr geht, da geht es immer noch durch die brave Feuerwehr. Wenn sich nun ein Bienenschwarm hoch oben im Baum, an einer unerreichbaren Giebeleckc oder sonst einem menschensicheren Platz niedergelassen hat, so ruft man eben die Feuerwehr an, sie möge bitte... Zumindest zwanzig mal am Tage wird nm diese Zeit die Feuerwehr zum Bienenfang angefordert, an günstigen Fluglagen viel häufiger. Tic Feuerwehr hat mit dem Einfangen schwärmender Bienen schon eine recht durchgebildete Erfahrung, manche Imker oder solche, die es werden wollen, sönnen sich noch eine Scheibe von diesem Wissen abschneiden.
Die eingesammelten Völker kommen znnächst einmal in die „B i e n enki st e". Man versucht zuerst den Besitzer zu ermitteln, das gelingt aber bei weitem nicht in allen Fällen. Im Sammeltransport werden sie dann abends nach Dahlem ins Bieneninstitut gebracht und dort angesiedelt, sie avancieren also zu wissenschaftlichen Bienen. Was ihnen aber, da sie rein Objekt und nicht Subjekt der Forschung sind, nicht immer gut bekommt. Man darf in diesem Bienenzusämmenhang erwähnen, daß die Imker infolge des schlechten Wetters zur Zeit der Linden- und Akazienblüte ein schlechtes Honigjahr Voraussagen.
Schützt euch vor Schiangenbissen.
In der warmen Jahreszeit tritt die Gefahr des Schlangenbisses wieder in den Vordergrund, und zwar kommt bei uns nur die Kreuzotter in Betracht. Die Kreuzotter bevorzugt Heide- und Moorgegenden. Man findet sie namentlich im Heidekraut und Moos und auch unter Heidelbeersträuchern. Beerensammler und Leute, die berufsmäßig Wald und Wiese außerhalb der Wege durchstreifen müssen, laufen somit am meisten Gefahr, gebissen zu werden. Ein fester Lederstiefel schützt aber im allgemeinen genügend vor dem Biß. Wer sich auf derartiges Schuhzeug nicht verlassen kann oder der strumpflosen Mode huldigt, sei also beim Betreten von Wald und Wiese außerhalb der festen Wege etwas vorsichtig. Im übrigen ist der sofort richtig behandelte Kreuzotterbiß nicht unbedingt lebensgefährlich. Unter allen Umständen müssen aber gebissene Personen nach Abbinden des verletzten Gliedes oberhalb der Bißstelle und womöglich Aussaugen der Wunde sofort zum Arzt geschafft werden, der die nötigen Gegenvorkehrungen trifft und gegebenenfalls Giftschlangenserum anwenden kann.
Fürbitte.
Gedenke, daß du Schuldner bist Der Armen, die nichts haben, Unb deren Recht gleich deinem ist An allen Erdengaben! Wenn jemals noch zu dir des Lebens Gesegnet goldne Ströme gehn, Laß nicht auf deinen Tisch vergebens Den Hungrigen durchs Fenster sehn; Verscheuche nicht die wilde Taube, Laß hinter dir noch Aehren stehn, Und nimm dein Weinstock nicht die letzte Traube.
Hermann L i n g g.
B3rss utrd Handel.
Frankfurter Eiergroßhandelspreise vom 9. Juli. Das Geschäft hielt sich während des ganzen Wochenverlauss in äußerst engen Grenzen. Die Preise haben infolge verstärkten Angebots teilweise eine Ermäßigung um K Pfg. erfahren. Deutsche Eier konnten ihre Preise behaupten. Es notierten in Psg. per Stück ab loco Frankfurt/Main: Russen 5%—6, Holländer 5%—7%, Dänen 5—7%, Flandern 6%—7, deutsche Landeier 7—7%, deutsche Frischeier 6%—8 %. Von den Balkanlkindern wurden infolge des hohen Zolls keine Eier eingeführt.
Frankfurter Buttergroßhandelspreise vom 9. Juli. Am Buttermarkt blieben die letzten Preise unverändert. Die Zufuhren haben wegen der Steigerung des Frischmilchbedarfs etwas abgenommen, trotzdem blieb der Absatz an den Konsum sehr gering. Die Verkaufspreise des Großhandels lauten in 1 Ztt. Tonnen: Holländische Butter 128—130, Deutsche Butter je nach Qualität 120—125, abfallende Qualität 110—115 RMk.
Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 11. Juli. (Nichtamtlicher Vorbericht.) Rinder: Ochsen: alj 32—35, a2) 28—31, bl) 24—27; Bullen: a) 28—30, b) 22—27; Kühe: a) 25—28, b) 20—24, c) 16—19; Färseji: a) 33—36, b) 28 bis 32, c) 24—27. Kälber: b) 34—37, c) 29—33, d) 22 bis 28. Schafe: al) 25—29, b) 20—24. Schweine: b) 42—45, c) 43—46, b) 41—45, e) 37—42. Aufgetrieben waren: Rinder 1343 Stück, darunter: Ochsen 293, Bullen 137, Kühe 477, Färsen 389, ferner Kälber 499, Schafe 43, S^weine 4 229. Marktverlauf: Rinder, stutzig; Kälber und Schafe, langsam; Schweine, mittelmäßig.
Amtliche Berliner Notierungen vom 8. Juli.
* Devisenbörse. Dollar 4,20-4,21; engl. Pfund 15,06 bis 15,10; boll. Gulden 170,13—170,47; Danz. 82,20—82,36; franz. Franc 16,52—16,56; schweiz. 82,02—82,18; Belg. 58,50—58,62; Italien 21,48^21,52; schweb. Krone 77,07—77^3; dän. 81,62 bis 81,78; vorweg. 74,38—74,52; ischcch. 12,46—12,48; österr. Schilling 51,95—52,05; Argentinien 0,93—0,94; Spanien 34,12 bis 34,18.
♦ Produktenbörse. Roggen und teilweise auch Weizen werden zur Lieferung aus neuer Ernte stärker offeriert. Bei schleppendem Absatz behaupteten sich die Preise kaum,
Getreide und Olsaaten per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark.
9. 7. 8. 7.
242-244 242-244
185-187 187-189
160-172 160-172
159-163 159-163
!,7-34,2 30,7-34,2
Welz., mârk. pommerid).
Rogg., mark. Braugerste Sommcrgst. Futtergerste Winiergersle Hafer, mark, pommersch. westpreuß.
Weizenmehl per 100 kg fr Berl. vr. in«. Sack 3!
Roggenmehl per 100 kg fr Berl dt.
inkl Sack 25,6-27,4 25,6-27,4
9. 7. 8. 7. Weizkl. f.Bln. 10,5-10,7 10,5-10,7 Roggkl. f.Bln. 10,0-10,5 10,0-10,5 Leinsaat — — Raps — — Erbsen, Vikt. 17,0-23,0 17,0-23,0 kl. Speiseerbs. 21,0,24,0 21,0-24,0 Fultcrerbsen 15,0-19,0 15,0-19,6 Peluschken 16,0-18,0 16,0-18,6 Ackerbohnen 15,0-17,0 15,0-17,6 Wicken 16,0-18,0 16,0-18,0 Lupine, blaue 10,5-11,5 10,5-11,5 Lupine, gelbe 15,0-16,5 15,0-16,5 Seradella — — Leinkuchen 10,3-10,6 10,3-10,6 Erdnußkuchen 10,9-11,0 10,8 Trockenschtzl. 9,0 8,8-8,9 Soyaschrot 10,5-11,4 10,3-11,2 Kartoffelfl. — ~,
♦ Berliner Butternotierungen. 1. Qualität 106, 2. Qualität 96, abfallende Sorten 89 Mark per Zentner.
Heiteres.
Papas Handschrift. Eine Fliege war ins Tintenfaß gefallen. Der kleine Knabe rettete das unglückliche Insekt und setzte es auf ein Stück weißes Papier. Nach längerer aufmerksamer Beobachtung rief der Junge: „Mama, hier ist eine Fliege, die schreibt geradeso wie Papa!"
Wahre Vornehmheit. A.: „Was für ein Mann ist Herr T.?" — B.: „Er ist ein Mann, der zu stolz ist, Holzklasse zu fahren, der sich aber nicht schämt, Polsterklasse zu fahren mit einem Billett für die Holzklasse."
Standarten im Nebel
Roman von Herbert B. Fredersdorf.
Copyright by: Carl Duncker Verlag, Berlin W. 62.
14)
Er zieht mechanisch den Stülphandschuh ab, tastet nach den feinen Fingern — nein, das ist Fleisch, eine zarte Mädchenhand — er stammelt:
„Eva — woher kommen Sie denn — mitten in bei Nacht?"
,Jch habe Sie gesucht — meine Mutter ist tot.“
Ihre Mutter ist tot — meine Eva ist gestorben und tiies ist ihre Tochter — aber das erklärt doch noch nichts — Kapstadt, mein Gott, ein junges Mädchen fährt doch nicht mm Südafrika nach Kurland, um — mich zu finden.
„Mutter hat viel von Ihnen erzählt — sehr viel — -unb oft an Sie gedacht — bis zuletzt, General Borck."
Seydlitz und die anderen sind herangekommen, sehen mit Erstaunen den General und das Mädchen. Borck winkt ihnen nur:
„Reitet weiter, ich komme später — ich — laß irgend etwas anrichten, Seydlitz, wir kommen in einer Weile nach."
Der Major salutiert vor Borck und der Dgme, reitet mit den beiden Burschen langsam davon. Borck hat sich gefunden, sieht Eva voll an:
„Kind — Eva. — Und Sie sind gekommen, um mir das zu sagen? Um mich zu erinnern?"
Die Pferde setzen sich in Gang, nebeneinander, mit nickenden Köpfen, als wüßten sie tiefe und sonderbare Geheimnisse.
Eva sieht in die weiße Ebene, während sie spricht. während Borcks Blicke wie verzaubert an ihrem Gesicht hängen:
„Meine Mutter hat Sie geliebt — nur Sie — niemand als Sie."
Borcks Kopf ist gelenkt, sie fährt fort:
„Weshalb haben Sie ihr nicht geantwortet?"
Der General fährt auf:
„Geantwortet, wann?"
„Sie schrieb Ihnen, kurz nach Ihrer Abreise aus Kap. stabt — vor siebenundzwanzig Jahren."
Der Schritt der Pferde klingt wie ein leiser, unendlich ferner und namenlos trauriger Trommelwirbel im Schnee: es dauert eine ewige Minute, ehe Borck antworten kann:
„Ich habe niemals einen Brief erhalten."
Eva zieht ein zerknittertes Papier hervor:
„Und sechs Jahre darauf, als die Erinnerung nicht von ihr wich als ihre Liebe wuchs, statt zu schwinden, ging sie heimlich in Kapstadt an Bord, wäre zu -Ihnen gefahren, allein, eine junge, hilflose Frau — wenn sich nicht das Kind an ihrem Leibe geregt hätte, ich — da mußte sie wohl um-
reyren — uns schrieb Ihnen noch einmal — viel später — der Brief kam zurück, — viele, viele Monate darauf."
Borcks Hand zittert wie die Hand eines uralten Mannes, als er das beschmutzte, von Stempeln und Bemerkungen verschmierte Papier aus Evas Hand entgegennimmt, öffnet, zu lesen beginnt.
Eva will zurückbleiben — er legt die Rechte'an die Zügel ihres Pferdes:
„Bleiben Sie bei mir, Kind — ich kann das nicht allein lesen — Ihrer Mutter Brief."
Leises Trommeln am Boden, als zöge weit irgendwo auf einer unsichtbaren Straße ein Trauerkondukt — zartes Singen des stiebenden Schnees, als weine weit irgendwo in einer unsichtbaren Ferne eine Frau.
Eva sieht — und wendet schnell den Blick ab, wie aus den Augen des eisernen, preußischen Generals Tränen tropfen, auf die Blätter fallen, die von bebenden Händen ge- halten werden.
Borcks Kinn zittert, obwohl er die Zähne zusammen- preßt, die Unterlippe fast zerbeißt — er liest, Wort für Wort Satz für Satz, Sehnsucht für Sehnsucht, den Liebesbrief der Toten, den Brief, der vor einem halben Menschen- olter geschrieben wurde und den ihm jetzt das Ebenbild der Geliebten gab, in Nacht und Eis und Herzensnot.
Der General blickt auf, schämt sich nicht der Tränen, die über die Furchen seines verwetterten Gesichtes laufen, denkt nicht an die Tränen, sieht wie durch einen Schleier neben sich das Mädchen, Eva, Eva wie damals — er beugt M zu ihr, faßt unendlich zart mit der Hand hinter ihren blonden Kopf, den er näher zieht, und küßt sie auf die Stirn.
®no Hat sich zusammengenommen, hat sich bemüht, an tausend Dinge zu denken, an Friedrich, an die Zukunft, an den Gaul unter sich — in diesem Augenblick stürzt alles von ihr ab, sie faßt Borcks Hand und schluchzt, wie nur ein kleines, verlassenes Mädchen schluchzen kann.
Der General richtet sich auf, steckt den Brief ein setzt sich im Sattel fest und sicher zurecht:
„Nach Haus, Kind!"
„Nach Hause?"
».Das ist jetzt Mitau, Hauptquartier der Preußischen Division — was nachher kommt. weiß nur Gott!"
Borcks Quartier ist nicht gemütlich. Der Wohnraum ist e>n kahles Zimmer mit einem großen Tisch in der Mitte M dem Karten liegen, ein paar bunte Stifte, zerbrochene Gänsekiele, das Tintenfaß steht dick da, zwei Leuchter — oor dem Tisch der Stuhl des Generals, an den Wänden noch ein paar Stühle, ein kleiner Tisch, ein Schrank.
Aber der Raum ist warm, das Feuer knistert und knallt, wenn der Wind durch die Esse herabfährt. - Eva M Aarck gegenüber, der die Ellenbogen aufgestützt hat und tie Hande ineinanderlegt, während er das schöne Mädchen unverwandt betrachtet. Er ist äußerlich ganz ruhig geworden, niemand wird ihm die Erschütterung der letzten halben Stunde anmerken: 1
„tote sind zu mir gekommen — um mir diesen Brief zu bringen, den Brief und die Grüße — mehr als tausend Meilen — Eva? —- Nein, sehen Sie mich an, Kind."
Eva sieht in die grauen Augen, die in ihrer Seele forschen. Ihr Herz zittert.
Habe ich ihn mir so vorgestellt? Ja, — er kann nicht anders aussehen, er kann nicht anders fragen — das âst der Mann, um dessentwillen meine Mutter alles wollte — der Mann, der einmal so ähnlich war, wie Friè- j drich heute ist:
„— Ich habe keinen Menschen, zu dem ich eher hätte kommen können."
„— und reisen Monate hindurch, um sich in.einen Krieg zu stürzen?"
„Ich wollte Sie fennenlernen."
Borcks Blick verändert sich nicht:
„Eva, wenn Sie wirklich Vertrauen zu mir haben, dann können Sie offen sein — dann müssen Sie offen sein."
Er steht auf, geht hin und her, kommt um den Tisch herum, steht plötzlich neben ihr und hebt ihren gesenkten Kopf am Kinn empor:
„Vor wem rennen Sie denn weg?"
Eva wird blutrot:
„Vor keinem Menschen!"
„In wen sind Sie denn verliebt, Kind?"
Sie sieht ihn mit großen Augen an, die sich langsam mit Tränen füllen:
„Er ist mir nachgereist."
„Soso."
Der General wendet sich ab, um sie nicht das seine Lächeln sehen zu lassen, das er nicht unRrdrücken kann:
„Aus Afrika?"
„Ja, aus Kapstadt."
„Wie heißt er denn?"
„Hardekow, Friedrich Hardekow."
Borck, der seine Wanderung wieder ausgenommen hat, bleibt einen Augenblick lang stehen, denkt nach:
„Kein holländischer Name."
„Er ist Preuße — in niederländischem Dienst — wie Sie damals."
„Sieh an — und der Junge — wo ist er denn jetzt?"
„In Berlin."
„— wartet da auf Sie, wie?"
Eva antwortet nicht, Borck betrachtet sie:
„Wird er Herkommen?"
Sie sieht ihp mit einem so hilflosen Blick an, daß er sich räuspern muß:
„Wird schon kommen — wenn er so ist, wie Sie denken, Eva."
Sie nickt heftig.
m NomKirchturm Hallen langgezogen die Schläge der Uhr. Borck fahrt auf:
„Aber für heute ist's genug — nachmittags angekom- d?"" der Ritt — unsere Unterhaltung — jetzt wird geschlafen — und morgen werden wir weiter sehen. Sie haben schon eine Unterkunft aekundon?"
lÖortiegunß folgt.).