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Zulöaer PttZelgèr

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Nr. 151 Donnerstag, 30 Juni 183!

Deutscher Landgemeindetag.

Präsident Landrat a. D. Dr. Gercke-Pressel hat den engeren und den Gesamtvorstand des Deutschen Land- oemeindetages zu einer Sitzung zusammenberufen, die a m L. JuliinS obleng abgehalten werden soll. Auf der Tagung sollen das wichtige Problem der Arbeits­beschaffung sowie die letzte Reichsnotverordnung und ihre Auswirkung auf die Landgemeinden erörtert werden.

Was man noch wissen muß.

Gerüsteinsturz. — Acht Arbeiter verletzt.

Esten. Auf einer Baustelle am Stausee im Stadtteil Warden stürzte ein Baugerüst ein. Hierbei wurden acht Ar­beiter zum Teil schwer verletzt.

Uralzew sagt aus.

Dresden. Die Verhandlung im Meineidsprozeß Dr. Lange vegann mit der Vernehmung U r a l z e w s. Dieser behauptet, daß Dr. Lange sich an seinem Geschäft beteiligt habe, teilweise mit Geld und teilweise nur mit seinem Namen. Die Kredit­bewilligung habe Dr. Lange von ProvisionsaeWäh­rung an ihn abhängig gemacht; oft habe er die Provision auch sofort abgezogen. Lange habe ihm einmal gesagt, daß er ihm die Kredite „vermasteln" könne, auch wenn sie der Vorstand genehmigt habe.

Kreuzer „Salamis" wird abgewrack».

Hamburg. Der Schiffsrumpf des für Griechenland ge­bauten Kreuzers „Salami §", der seit Jahren im Walters­dorfer Hafen liegt, wird nach Bremen geschleppt werden, um dort endgültig avgewrackt zu werden.

Im Zusammenhang mit einem Vorfall auf dem Madrider Truppenübungsplatz, auf dem während der Schlußansprache an die Kriegsschüler ein Bataillonskommandeur verächtliche Äußerungen über die Republik machte, wurden der General- stabschef Goded sowie die Kommandeure der Madrider Division und der ersten Brigade zur Disposition gestellt.

Bauernaufruhr bei einer Zwangsversteigerung.

Pforzheim. Zu einem regelrechten Bauernaufruhr kam es in der Gemeinde Göbrichen, als bei einem Landwirt eine Zwangsversteigerung vorgcnonimen werden sollte. Da die auf mehrere hundert angewachsene Menge gegen den Gerichtsvoll­zieher eine drohende Haltung einnahm, wurde das Pforz­heimer Überfallkommando herbeigerufen, das den Landwirt, dessen Sohn und einige Demonstranten verhaftete. Es rotteten sich große Menschenmengen vor dem Rathaus zu­sammen. Es kam zu einem regelrechten Sturm auf das Rat­hausgebäude, wobei die Fensterscheiben und Dachziegel zer­trümmert wurden. Plötzlich fielen auch Schüsse. Die Beamten machten gleichfalls von der Schußwaffe Gebrauch, wobei ein Landwirt und vier weitere Personen, darunter eine ältere Frau, verwundet wurden. Auch mehrere Polizeiheamie wur­den durch Steinwürfe verletzt. Schließlich konnte die Polizei die Straße räumen.

Das südslawische Kabinett zurückgctreten.

Belgrad. Der schon feit einiger Zeit erwartete Rücktritt des südslawischen Kabinetts ist erfolgt. Ministerpräsident Marinkowitsch begab sich in das Königliche Schloß, wo er den Gesamtrücktritt der Regierung unterbreitete. König Alexander nahm das Rücktrittsgesuch an. Als neuer Ministerpräsident wird der bisherige Haudelsmintster Dr. Kramer und als Außenminister der derzeitige Hofminister Jestitsch genannt.

Wett und Wissen

w. Der V - Vischer. Zum Unterschied von den vielen Fischer mit F, die es in der deutschen Literatur gibt, hat man den Ästhetiker und Dichter Friedrich Theodor Vischer, dessen Geburtstag sich a m 3 0. Juni zum 125. Male fährt, den V-Vischer genannt. Friedrich Vischer, eines Württem­bergischen Pfarrers Sohn, Nachkomme des berühmten Erz­bildners Peter Vischer, war unser größter Kritiker nach Lessing. Seine „Ästhetik" gehört zu unseren klassischen Werken über Literatur und Kunst. Noch bedeutender war Vischer als Dichter. Sein Roman „Auch Einer", die Geschichte eines Sonderlings, ist ein wunderschönes Buch, das sogar in einer Volksausgabe erschienen ist. Zwei Worte ans diesem Roman sind in den Sprachschatz aller Gebildeten übergegangen, das Wort von der „Tücke des Objekts" und das Wort „Das Moralische versteht sich immer von selbst", d. b.: sollte ncü von selbst versieben. Aus-

Jakob Uoggireuter

Roman aus den bayerischen Bergen von Hans Ernst

Urheberschutz: Herold-Verlag, Homburg (Saar)

105 (Nachdruck verboten).

' Ein Lachen klang in die dunkle Nacht und dann die Worte: „Mir scheint, ich werd' da für ein' andern verwechselt?"

, «Mei Gott!" stammelte Jula und fuhr zurück, als hätte sie einen Stotz vor die Brust bekommen. Dann stotterte sie ber= jroirrt:

«Da hab' ich mich aber schön verschallt! ... ®u? ... An dich hab' ich freilich net denken können."

„So?... Gar net ein bitzl?" Ein wehes Lachen und dann ein heiseres „Gut Nacht!" Die schlanke Gestalt Jakob Boggt- reuters verschwand in der Finsternis, tappte dahin auf dem Weg, der zum Dorf führte.

- „Aber so wart' doch! Ich mutz dich ja um was frag’n", schrie Jula dem Davoneilendcn nach.

' Keine Antwort kam und mit wankenden Schritten hastete sie der Bank zu. Mit weitgeössneten Augen saß sie da und sah hinan, in den sternenbesäten Acther, bis ihr die Tränen un­aufhaltsam über die Wangen tropften. Lange satz sie so; und als sie aufstchen wollte, fühlte sie sich so müde und zerschlagen, datz sie sich an die Bank stützen mutzte. Da fühlte ihre Hand etwas lindes ... sammctweichcs, und ein leichter Schrei drang über ihre zuckenden Lippen und immer nur rief sie: „Ein Grntz von ihm ... er hat mich uocl) gern und alles, alles kann

- noch gut werd'n."

Bittend streckte sie die Arme in die schwarze Nacht.

„O Herrgott im Himmel, latz mich doch glücklich werd'», gib wir mein Bub'n, ich hab ihn ja soviel lieb!"

Trunken vor Freude preßte sie die zarten Blüten an ihre Brust und suchte ihre Kammer auf. Mit einem frohen Lachen, Aic es an ihr fremd geworden war, huschte sie sich unter die Decke und nahm^die weichen Sterne an die Lippen.

Grundsätze deutscher Wirtschaftspolitik.

Rückkehr zu Haus und Hos.

Dr. Schacht über die Umgestaltung der Wirtschaft.

Über Grundsätze deutscher Wirtschafts­politik sprach in .Hannover Reichsbankpräsident a. D. Dr. Schach t. Er war bekanntlich einer der ersten, der sich gegen die Bezahlung der K r i e g s t r i b n t e aus ge­pumptem Gelde als einen politischen Unfug wandte. Wären wir nach dem Kriegsende sparsam in der Lebens­haltung gewesen, so wäre der Wahnsinn der Tributzahlun­gen schon früher zutage getreten und wir wären heute schon weiter.

über die jetzt notwendig gewordene Einstellung der deutschen Wirtschaftspolitik äußerte sich Dr. Schacht folgern dermaßen:

Zwei Hauptfaktoren, die zum Gedeihen der Wirt­schaft unerläßlich seien, würden durch den kollektivistischen Bureaukratismus vernichtet:

die größtmögliche Anstrengung des einzelnen und das Gefühl, für den wirtschaftlichen Erfolg oder Mißerfolg verantwortlich zu sein. Die Verantwortung des einzelnen Arbeiters, Angestellten und Unternehmers müsse wieder zur Geltung kommen.

Die Festsetzung der Löhne habe zu erfolgen »ach der individuellen Verschiedenheit der Betriebe und auch der unterschiedlichen Leistungen des Ar­beiters. Die Wiederherstellung der freien Lohnpolitik sei das einzig durchgreifende Mittel, um die derzeitige Arbeits- tosigkeit zu beseitigen. Alle Projekte, die in irgendeiner Form zusätzliches Geld

drucken wollen, seien von der Hand zu weisen. Es fehlte uns nicht an Geldumlaufmitteln, sondern an Kapital, das er­arbeitet und erspart werden müsse. Der Standpunkt gegen die Wünsche nach einer neuen Zahlungsmittelvermehrung, nach einer Binnen mark oder etwas Ähnlichem eraebe fict

gezeichnete Geola-re uno Epigramme neuen in Vischers Ge­dichtband „Lyrische Gänge". Sehr komisch ist sein „Faust — Dritter Teil", eine Satire auf die Ausleger des zweiten Teils von Goethes „Faust". Das Buch, das unter dem Pseudonym „Deutobold Symbolizetti Allegoriowitsch Mystifizinski" er­schien, hat seinerzeit die Goethe-Philologen zu hellem Zorn gereizt. Vischer, der 1848 Mitglied der Deutschen National- versanimlung war, starb 1887 als Professor der Ästhetik am Stuttgarter Polytechnikum.

Kartoffelkäfers efahr.

Das Hessische Ministerium der Finanzen, Abteilung für Landwirtschaft, hat soeben an die Bürgermeistereien und Schulen über die Kreisämter Merk- und Flugblätter über den Koloradokäfer (Kartoffelkäfer) ausgegeben, damit die Schulkinder und auch die Allgemeinheit mit diesem Schäd­ling rechtzeitig bekannt werden. Der Küfer hat sich in den letzten Jahren, anscheinend durch Einschleppung aus Ame­rika mittels Einführung bewurzelter Pflanzen, in Frank­reich in erschreckender Weise ausgebreitet, und die befal­lene Zone ist bereits nahe an die deutsche Grenze herange­rückt. Und darum müssen wir gerade unsere hessischen Ge­biete, die Frankreich so nahe liegen, als ernstlich bedroht betrachten. Die Verbreitung des Schädlings, der zerstö­rend auf den Kartoffelbau einwirkt, wo er in Mengen auftaucht (wie die Reblaus beim Weinstock), erfolgt offen­sichtlich durch den Wino. Während das Insekt kriechend nur 2—3 m am Tage zurücklegt und fliegend sich auch nur über kurze Strecken von 40—500 m fortbewegt, können so­wohl einzelne Tiere als auch ganze Schwärme durch Winde 40 km und mehr am Tage fortgeführt werden.

Es bedarf daher aller Matznahmen, die dazu führen, etwaiges Auftreten dieses schlimmen Schädlings rasche- stens zu erkennen, um unseren heimischen Kartoffelbau vor drohender.Vernichtung zu schützen. Es ist vaterländische Pflicht aller, hierbei mitzuwirken. In erster Linie kom­men die sich mit Kartoffelbau Beschäftigenden in Betracht. Es empfiehlt sich daher, sich an Hand der von den Bürger­meistereien ausgehängten Merk- und Flugblätter alsbald Aufklärung über die Erkennungsmerkmale und die Lebens­weise des Tieres zu verschaffen. — Auch die Schule kann hier in besonderem Matze mitwirken, inbem die Lehrer in einem Vortrag mit Bildmaterial auf die Erkennungsmerk­male des Tieres besonders hinweisen, nicht blotz bei Kin­dern, sondern auch vielleicht in einem Abendvortrag -für Erwachsene. — Beim Landwirtschaftsamt steht ein Bild­band (für Episkop) zur Verfügung, das über die Biologie des Schädlings Bescheid gibt. — Wir wollen hoffen, daß Deutschland von einem Einfall dieses schlimmsten aller Kartoffelschädlinge verschont bleibt.

Als sich Jackl dem Dorf näherte, begegnete ihm bei den er­sten Häusern eine lang aufgeschossene Mannsgestalt, die Grund zu haben schien, nicht erkannt zu werden, denn sie wollte sich ohne Gruß an ihm vorbeidrängen. Da stellte sich ihm Jacki in den Weg.

. „Schau, schau! Leitenweberbub, wo willst denn du noch hin?"

Der andere wich einen Schritt zurück und sagte grob:

„Geht's dich ebbes an?"

„Vielleicht! A bitzl was!"

Der junge Leitenweber fing zu lachen an.

„Du? Weil nur du schon wieder da bist. Da wird unser­eins nimmer.viel z' suchen hab'» da drob'n bei der Wittib!"

„Da kannst recht hab'n, ja!" Jackl lachte, trat einen Schritt zurück und betrachtete den andern, der in der Dunkelheit wie ein langer schwarzer Pfahl auf der Straße stand.

Und wieder lachte Jackl. „Komisch, daß man uns zwei hat verwechseln können!"

„Verwechseln? Was verwechseln?" \

„Für dich hat mich heut' schon wer ang'schaut."

„A, der muß aber blind g'wes'n sein!"

„Ein bitzl, ja! Vorm Himmelsteinerhof bin ich vorhin ge­stand'» und da hat mir wer den Platz verboten und hat tiiii g'sagt, ich soll mach'», datz ich weiterkomm'. Mir scheint, Lei- tenweberbub, da ob'» bist »et gut ang'schrieb'»."

Ein kurzer, heiserer Laut.

„A, da legst dich nieder!"

Die hagere Freiersgestalt kehrte nm und eilte mit flinken Schritte» dem Wirtshaus zu.

Stumm stand Jackl in der Finsternis und lachte. „Die erste Mission is jetzt erledigt. Jetzt kommt aber die Hauptfach' noch." Er wandte sich um und schritt dem Voggtreuterhof zn. —

Am anderst Morgen um die 9. Stunde kam ein Knecht vom Hiuimelstcinerhof zum Voggtreuter.

„D' Bäuerin läßt sag'n, du sollst so gut sein und heut' zu Abend uüberfomma und sollst ihr hclf'n die Steuern zamm- rechnen, weil Heul' vom Finanzamt a Schreib'» kemma is."

daher von selbst. Wenn aller Arbeitsverdienst wieder verzehr: würde, könne sich kein Kapital bilden. Daraus ergebe sich die Sinnlosigkeit jener

demagogischen Anträge über gesetzliche Einschränkung des Lohnes.

Solche Forderungen seien unwirtschaftlich und auch unsittlich. Der einzelne habe Verständnis dafür, daß eine große Leistung auch hoch bezahlt werde. — Als furchtbarer Alp, so suhr bei Redner fort, laste

das Arbeitslosenproblem

auf der deutschen Wirtschaft. Es gebe nur zwei Wege, dem Arbeitèlosenproblenr wirklich beizukomnien. Ter eine sei durch starke Auflockerung der politischen Bindungen von Arbeitslohn und Arbeitszeit die Jnitiativc in Industrie, Handel und Gewerbe wieder anzufache». Der zweite Weg sei die mögliche Dezentralisierrcng der dafür ge= eigneten Arbeitslosen durch Unterbringung in den einzelneo H'aus- und Landwirtschaften.

In der Rückkehr aus der abstrakten Geldwirtschaft zum Haus und zum Lande liege unsere Rettung.

Hieraus folgert für Deutschland, daß es unter keinen Um­ständen

seine landwirtschaftliche Grundlage verlieren dürfe. Die landwirtschaftliche Produktion sei für das Volk als Ganzes gesehen eine nationale Lebcnsnotwendigkeb ohne Rücksicht auf die Kosten. Den Bestrebungen unserer Gegner, uns mit allen Mitteln niederzureißen, kann nur auf zwei Wegen begegnet werden: einmal auf dem Wege einer starken W c h r h ä s l i g k e i t und eines entschlossenen Wehrwillens, und jum zweiten, indem immer deutlicher gemacht werde, daß der eigene wirtschaftliche Vorteil mit dem des Nachbarn Hanv in Hand gehe.

Wir müßten der Welt zeigen, daß wir noch über eine große Macht, die K o n sumkrâft eines auf höchste kulturelle Bedürfnige eingestellten 70 MUlioncn- Bolkes, verfügten, deren Mißachtung aus daS Ausland zurückfallc.

Erste Hilfe bei Insektenstichen.

Ter Sommer mit seinen Stechmücken und Fliegen aller Art, mit Hornissen und Wespen, Hummeln und Bienen, ist die Zeit der gefährlichen Insektenstiche. Der schwüle heiße Sommertag erhöht zumeist die schmerzhafte Wir­kung des Stiches. Die Stichstelle und ihre Umgebung rötet sich, beginnt stark zu schwellen, eitert bisweilen und kann zu Blutvergiftung führen. Wird man von einem Insekt gestochen, so ist ^daher rasche Hilfe nötig. Schmerzmildernd wirkt ein sofort vorzunehmender Umschlag mit recht kal­tem, reinem Wager oder Spiritus. Sehr zu empfehlen ist auch das Abtupfen des Stiches mit Salmiakgeist. Der in die Stichwunde eindringende Salmiak tötet das Gift ab und lindert den Schmerz. Wenn alles fehlt, so leistet das Auflegen feuchter Lehmklllmpchen, ein seit altersher ange- wandtes Bauernmittel, erste Hilfe. Wird man von einem besonders gefährlichen Infekt, z. B. von einer Hornige, gestochen, und ist Blutvergiftung zu befürchten, so sind zer­quetschte Spitzwegerichblätter ein vorzügliches Hausmittel. Dabei werden die lanzettförmigen Blätter des an Wiesen- ründern und Straßengraben häufigen Spitzwegerichs in reinem Wasser gereinigt, durch Schwenken in freier Luft etwas abgetrocknet, dann jerquetscht und auf die Wunde gelegt. Der Spitzwegrichui»schlug mutz aber jeweils er­neuert werden, wenn die zerdrückten Blätter trocken ge­worden sind. Als weiteres Mittel bei Insektenstichen sind Dampfbäder mit nachfolgendem kalten Wickel zu empfeh­len. Dabei wird das verletzte Körperglied, z. B. die Hand, so über siedendes Master gehalten, daß der aufsteigende Dampf auf die Stichstelle einwirkt. Das Dampfbad ist so­lange wie möglich zu nehmen, doch sind Verbrennungen durch heißen Dampf zu vermeiden. Der nadjfolgcnbe kalte Wickel kann öfters erneuert werden. Da Insektenstiche ge­fährlich ausarten können, rufe man bei starkem Anschwel­len und Röten des gestochenen Gliedes den Arzt.

Evai^elischcr Bund und Wissenschaft.

EPH. Der 4. Studientag des Ev. Bundes in Hessen, der wieder in Gießen abgehalten wurde, war aus den Vertrauensniännerkreisen und vonTheologiestudierenden zahlreich besucht. Am bormittag referierte der Vor­sitzende _ des hessischen Hauptvereins, Pfarrer Berck, Roßdorf, über: „Der evangelische Kirchenbegriff im theologischen Streit der Gegenwart". Die Aussprache stand unter Leitung von Universitätsprofessor D. Bon kamm und drehte sich um die durch das Referat be­rührten Fragen nach der unsichtbaren Kirche. Kiröbe

„So? Na ja —,—" Der Alte lachte, als hätte er einen gu­te» Einfall. „Sagst deiner Bäuerin, ich komme schon nüber!" Er guckte in die Sonne und lachte wieder.

Beim Mittagessen sagte er dann zu Jackl:

„Ich hab' g’meint, du bleibst zwei, drei Tag' auS?"

„Ich hab' mir's anders überlegt."

„So?" Der Alte sah rasch vom Teller auf. „Bleibst heut' • daheim?"

„Ja! Ich hab' allerhand Schriftliches zu erledigen."

„Kannst mir an G'fall'n tun, wenn d' willst, B'ub?"

Jackl legte den Löffel weg. „Aber gern! Was soll's denn ’ sein?"

Der Alte hustete verlegen, dann sagte er flink: „Drüb'n bei der Wittib die Steuern zammrechnen!"

Dem Jungen fuhr es rot über die Wangen, dann frug er nach einer Weile ruhig:

„Wer hat's denn sonst allweil g'macht?"

„Seit der Bauer tot is, hab's ich allweil g'macht. So a Weiberleuk kennt sich ja mit die papierneii Sach'n net so aus. 1 Aber hcut', grad heut' hab ich not Zeit, weil ich in d' Aus- . schußversammlung muß."

Jackl schritt einigemal im Zimmer auf und ab, blieb dann mit einem Ruck stehen. „Wann's ihr aber net recht is, daß ich komm'?"

Der Alte lächelte verschmitzt.

„Dös glaub' i' net."

Seit seiner gestrigen Fürsprache glaubte er ganz genau zn wiste», wie es um das Herz der jungen Bäuerin stand. Den ; Besuch verschwieg er aber dem Sohn.

„Also, was is? Nimmst mir den Weg ab?"

„Na, ja! In Gott'snam', wenn du net Zeit hast, geh ich nüber."

Und alS der Abend anfing sich in bunten Farben über Berg und Wald zu legen, schritt Jackl den schmalen Wiesen- Pfad hinüber zum Himmelsteinerhof.

Die Dienstboten, die auf der Hausbank saßen, hoben ver­wundert bett Kopf, als der seltene Besuch in den Hof kam.

(Schluß folgt).