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Der hessische Staatspräsident zur inner- politischen Lage.

Darmstadt, 25. Juni. Auf Anfrage von journalistischer Seite äußerte sich heute Staatspräsident Dr. Adelung über die innerpolitische Krise folgendermaßen: In Hessen besteht ein Uniformverbot nicht mehr. Das Temonstrationsver- bot hat sich mit Rücksicht auf blutige Zusammenstöße wäh­rend der hessischen Wahl wieder notwendig gezeigt. Die Befürchtungen, die auch die hessische Regierung an die Auf­hebung des SA.- und Uniformverbots durch das Reichs­kabinett geknüpft hat, sind leider in Erfüllung gegangen. In der Zeit politischer Siedehitze,in der die Bevölkerung durch rednerische und journalistische Zügellosigkeiten und Beschimpfungen der Staatsorgane in ,unerhörter Weise pro­voziert wird, mußte die Wiederzulassung der verbotenen Parteiuniformen usw. natürlich aufreizend wirken und die Zustände noch verschärfen. Es ist charakteristisch, daß die nationalsozialistischen Kreise, die sich in hetzerischer Weise hervortun, nunmehr für ihre Privatarmee das Recht des „Selbstschutzes" verlangen. Dann selbstverständlich wür­den auch alle andern Organisationen dieses Recht für sich in Anspruch nehmen, ein ganz unmöglicher Zustand. Ich habe den Eindruck, daß der Herr Reichsminister des In­nern sich darüber selbst klar ist, welche gefährlichen Wege es darstellt, die Polizeigewalt der Länder einzuschränken, daß damit der Schutz von Leben und Gesundheit der Bür­ger beeinträchtigt würde. Ich glaube aber, daß das Reichs­kabinett den Nationalsozialisten gegenüber Bindungen ein­gegangen ist, denen es sich nicht zu entziehen vermag. Wir leben in einer Zeit gefahrvollster innerer Krise. Der Herr Reichspräsident von Hindenburg hat die Aufhebung des Uniform- und SA.-Verbots an die Voraussetzung geknüpft, daß die Meinungskämpfe sich dann in ruhigen Bahnen ab­spielen und Gewalttätigkeiten vermieden würden. Wenn sich seine Erwartungen nicht erfüllen sollten, so sei er ent­schlossen, gegen Ausschreitungen jeder Art vorzugehen. Die Erwartung des Herrn Reichspräsidenten hat sich, wie vor- auszusehen war, nicht erfüllt. Man darf nunmehr erwar­ten, daß der Herr Reichspräsident, der parteipolitisch nach keiner Seite hin gebunden ist, die Gefahr erkennt und jetzt seine Maßnahmen trifft.

Letzte Nachrichten.

Am Dienstag neue Notverordnung zur Uni­form- und Demonstrationsfrage.

Berlin, 27. Juni. Wie verlautet, ist für Dienstag mit dem Erlaß der Notverordnung für die Uniform- und De­monstrationsfrage zu rechnen. Ihr wird eine Ausfüh­rungsverordnung angefügt werden, die namentlich an die Bestimmungen des Paragraphen 4 der alten Ver­ordnung über Demonstrationen anschließt, wonach der Reichsinnenminister darüber verfügen kann, ob Versamm­lungen anzumelden sind. Zn der Ausführungsverordnung wird der Reichsinnenminister entsprechende Bestimmungen treffen, damit die Polizei die Möglichkeit zu Vorkehrungen in der Hand hat, die Zusammenstöße zu verhindern. Im gleichen Sinne werden die Länder auch nach der kom- menden Notverordnung das Recht zu zeitlich be - fristeten Verboten haben, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung sie erforderlich machen.

Zwei Todesopfer des Verkehrs.

Darmstadt, 27. Juni. Ein Motorrad fuhr nachts auf einen am Straßenrand haltenden Lastwagenzug auf, wobei der Führer des Kraftrades und dessen Begleiter sofort ge­tötet wurden.

Ueberfälle auf deutsche Turner in Nordböhmen

Prag, 27. Juni. Anläßlich des deutschen Gauturntages in D u x in Nordböhmen kam es während des Fackelzuges zu schweren Angriffen seitens tschechischer Zuschauer, die sich bei dem tschechischen Sokolhaus ver­sammelt hatten und gegen die deutschen Turner mit Messern, Schlagringen und Stöcken vorgin­gen, 20 Turner wurden verletzt, drei von ihnen schwer.

Wie das Prager Montagsblatt meldet, wurde festge­stellt, daß der Angriff, an dem sich auch tschechische Frauen beteiligten, planmäßig vorbereitet war. So waren z. B. die Rinnsteine am Marktplatz mit Benzin überschüttet worden, um durch die beim Angriff zu Boden geworfenen Fackeln und das darauf entstehende Feuer den Turnern den Weg auf die Gehsteige abzuschnei­den. Deutsche Parlamentarier, die bei den Bezirksbehör­den gegen die Störung des amtlich in der sudetendeutschen Stadt bewilligten Festes einschritten, wurden von der tschechischen Menge auf dem Heimweg angegriffen. Der Bürgermeister wurde bespuckt und be­schimpft, so daß er und die Parlamentarier von der Gendarmerie geschützt werden mußten. Zwei Personen wurden verhaftet. Die auswärtigen Turner wurden nach vorzeitigem Abbruch der Turnvorführungen unter Gen- darmerieschutz zur Bahn begleitet. Die tschechische An­greifermenge hatte sich aus den umliegenden Ortschaften zusammengezogen.

Im amtlichen Bericht heißt es, daß es sich um „kommu­nistische Angreifer" gehandelt haste.

Neue Opfer des politischen Terrors.

Berlin, 27. Juni. Bei politischen Zusammenstößen in allen Teilen des Reiches zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten wurden ein SA -Mann und ein Reichsban­nermann getötet, neun Personen schwer, drei lebensgefähr­lich und eine große Anzahl leichter verletzt. Eine Reihe von Verhaftungen wurden vorgenommen.

Reichsminister a. D. Dr. Scholz gestorben.

Berlin, 27. Juni. Reichsminister a. D. Dr. Ernst Scholz, der frühere Führer der Deutschen Volkspartei, ist nach längerer Krankheit, 58 Jahre alt, in den Abend­stunden des Sonntags in Berlin gestorben.

Eingaben der hessischen Nationalsozialisten an den hessischen Znnenminister und den Reichspräsidenten.

Darmstadt, 26. Juni. Der Führer der hessischen Natio­nalsozialisten, Gauleiter L e n z, hat wegen des erneuten Demonstrationsverbots in Hessen an den hessischen Innen­minister sowie an den Reichspräsidenten Eingaben ge­richtet. In derjenigen an den Minister Leuschner heißt es, das Verbot widerspreche durchaus dem Sinn der letzten Notverordnungen der Reichsregierung und der aus diesen erkennbaren Tendenz der Reichspolitik, die auf Wieder­

herstellung der politischen Freiheit der Staatsbürger ge­richtet sei. Die Nationalsozialisten forderten, daß auch die hessische Regierung den aus den Maßnahmen der Reichs­regierung erkennbaren Willen der Reichsführung respek­tiere und ihn nicht durch Maßnahmen sabotiere, die die Ausübung der den Nationalsozialisten Wiedergegebenen

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.

18. Kreisfeuerwehrtag des Kreises Fulda.

Rückers, 27. Juni.

Der diesjährige Kreisfeuerwehrtag der Wehren aus dem Kreise Fulda fand am Sonntag in Rückers bei Flie­den statt. Aus diesem Anlaß hatte das schmucke Dorf reichen Flaggenschmuck angelegt und viele Ehrenpforten errichtet. Bereits in den frühen Morgenstunden trafen die Abgeordneten der freiwilligen und Pflicht-Feuerwehren im Tagungsort ein. Nach einem feierlichen Gottesdienst vereinten sich die Kameraden im Saale des Gastwirts Seng zur

Abgeordneten-Verjammlung.

Herr Bürgermeister Kreß -Rückers hieß die Erschiene­nen herzlich willkommen und begrüßte insbesondere den Herrn Landrat als treuen Freund und Förderer des Feuerlöschwesens, ferner sämtliche Bezirks- und Ortsbrand­meister sowie die Herren Bürgermeister zahlreicher Ge­meinden. Der Redner wünschte der Tagung einen guten Verlauf, die zur Förderung des Feuerwehrwesens beitra­gen möge. Bürgermeister Kretz erklärte sodann den 18. Kreisfeuerwehrtag für eröffnet.

Herr Kreisbrandmeister Schum, der erstmalig als solcher die Abgeordnetenversammlung leitete, begrützte be­sonders den Vorsitzenden des Kurhessisch-Waldeckischen Feuerwehrverbandes, Herrn Kreisbrandmeifter Schüß - l e r -Hersfeld.

Anschließend hielt Herr Landrat Freiherr von G a g e r n eine längere Ansprache, in der er u. a. darauf hinwies, datz während der 18 Jahre seit dem Bestehen des Kreisfeuerwehrverbandes Fulda noch nie ein so schicksals­schwerer Sommer wie in diesem Jahre zu verzeichnen ge­wesen sei. Zeder verantwortungsbewußte Mensch blicke schweren Herzens und sorgenvoll in die Zukunft. Es gibt keine größere Pflicht, so führte der Herr Landrat weiter aus, als diejenige der Feuerwehr, die unter der Devise steht: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr". Unser Volk besitzt nicht mehr in dem hohen Maße wie früher sein festes Gottvertrauen. Hierin liegt die Ursache der Zer­rissenheit, der Zersplitterung und der Verwirrung unseres Volkes. Das Fuldaer Land ist gottseidank noch von dem alten Geist beseelt. Seine Bevölkerung hat den Glauben an Gott und die Hoffnung auf seine Hilfe noch nicht auf­gegeben. Ter Redner ermahnte sodann, daß jeder ein­zelne heute mehr denn je auf sich selbst angewiesen sei und seine Pflicht auf seinem Posten tun müsse. Zum Schluffe seiner Ausführungen sprach der Herr Landrat die Hoff­nung aus, daß die Feuerwehren des Kreises Fulda auch in Zukunft von dem Sinn ihres Wahlspruches durchdrun­gen sein mögen. Sodann widmete der Redner den

zwei Veteranen im Kreisfeuerwehrverband Fulda, die auf eine 52jährige Tätigkeit als Feuerwehrleute zu- rückblicken können, herzliche Worte für ihre treue Pflicht­erfüllung durch Generationen hindurch. Die Zubilare sind Bezirksbrandmeister E b e r t_ in Neuhof und Orts­brandmeister D i e g m ü l l e r in Rückers.

Herr Kreisbrandmeifter Schüßler -Hersfeld betonte hierauf in seiner Ansprache, daß der Kurhessisch-Wal- deckische Feuerwehrverband einen großen Teil der Arbei­ten der Feuerwehren leiste. Die Kleinarbeit läge jedoch in den Händen der Kreisfeuerwehrverbände, die u. a. für einheitliche Uniformierung, Gründung freiwilliger Weh­ren usw. Sorge tragen müßten. Der Hauptverband sorge für Abhaltung von Führerkursen und für die Ausbildung von Mannschaften zur Bedienung von Motorspritzen, die die Handdruckspritze immer mehr verdränge. Der Kurhess.- Waldeckische Feuerwehrverband besitze in Kassel eine eigne

Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten

Merkblatt für den 28. Zuni.

1865: Der Dichter Julius Otto Bierbaum zu Grünberg in Schlesien geb. — 1914: Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand von Oesterreich-Este und seine Gemahlin in Sarajewo ermordet. — 1919: Unterzeichnung des Vertra­ges von Versailles.

Wer einsam ist, der hat es gut, — Weil keiner da, der ihm was tut. Wilhelm Bus ch.

Wetterbericht.

Tas skandinavische Tiefdruckgebiet, das an seiner Süd­seite einzelne Ausläufer bis in unser Gebiet herein ent­wickelt hatte, füllt sich langsam auf. Wir befinden uns zur Zeit im Bereich eines Zwischenhochs, das durchweg eine leichte Beruhigung der Wetterlage gebracht hat. Neuer Druckfall über Großbritannien deutet aber darauf hin, daß die Wetterlage im ganzen noch unbeständig bleibt und wir auch weiterhin immer noch mit Störungen zu rechnen haben. Durch die vermehrte Sonneneinstrahlung infolge der Aufheiterung werden die Tagestemperyturen sich durch­weg etwas höher halten als seither, jedoch ist mit ausge­sprochen sommerlichen Temperaturen zunächst noch nicht zu rechnen. — Vorhersage bis Montag abend: Wolkig bis auf­heiternd, einzelne Schauer, stellenweise gewittriger Natur, bei südlichen Winden leichte Wärmezunahme. — Witte­rungsaussichten für Dienstag: Weitere Besserung, aber immer noch nicht beständig.

" Fulda, den 27. Juni 1932.

□ Ferienrcisendc! Besorgt euch rechtzeitig Wahlscheine! Wer sich am Wahltage auf Reisen befindet, soll möglichst frühzeitig bei der Gemeindebehörde seines Wohnortes einen Wahlschein beantragen. Ferienreisenden, die An­fang Juli verreisen und am 31. Juli sich außerhalb ihres Wohnortes aufhalten, wird empfohlen, den , Wahlschein schon jetzt zu beantragen. In dem Anträge ist neben Den Personalien und der ständigen Wohnung auch anzugeben, wohin der Wahlschein nächgesandt werden soll. Die Stimmlisten und Stimmkarteien liegen vom 10. bis zum 17. Juli zu jedermanns Einsicht aus. Wer sich in dieser Zeit außerhalb seines Wohnortes aufhält, kann die Stimmliste oder Stimmkartei durch einen dritten Stimnv- berechtigten einsehen lassen.

Staatsbürgerrechta unmöglich' machten? — Ter^Rdichspran- tont wird um sein unverzügliches Einschreiten gegen dzs Beschränkung der politischen Freiheit der Natiormlsozral:- sten und zur Verwirklichung der Absichten der Reichsregie- rung auch in Hessen gebeten.

Geschäftsstelle, die jederzeit den Wehren zur Verfügung stehe.

Bei Feststellung der Anwesenheitsliste ergab sich, daß sämtliche Pflicht- und freiwillige Wehren aus dem Breite bis auf vier vertreten waren. Herr Branddirektor G a u l e r -Fulda referierte eingehend über die vom Kur- heff.-Waldeckischen Feuerwehroerband geschaffene neue Un­fallversicherung und über die neuen Unfallverhütungsvor- schriflen. Herr Kreisbrandmeifter Schüßler -Hersfeld wies sodann darauf hin, daß sich der Herr Regierungs­präsident in einem Rundschreiben an die Herren^Landräte gegen die unsachgemäße Einreibung von durch^Feuer zer­störten Gebäuden gewandt habe. Derartige Fälle haben wiederholt Bestrafungen von Wehren zur Folge gehabt. Herr Kreisbrandmeifter Schum empfahl den Spritzen­meistern dringend, die Spritzen und Geräte in bester Ord­nung zu halten. Zm weiteren Verlauf der Tagung wurde Johannesberg bei Fulda zum nächstjährigen Tagungsort gewählt.

Herr Vezirksb^andmeister Ebert -Neuhof richtete herzliche Abschiedswsrte an die Kameraden, da er infolge seines Alters und seiner Gesundheitsverhältniffe von sei­nem Amt zurücktreten müsse. 52 Jahre lang habe er im Tienst der Nächstenliebe gestanden. Davon 32 Jahre als Bezirksbrandmeister. Er dankte seinen Vorgesetzten, dem Herrn Landrat, dem Herrn Kreisbrandmeister sowie den Herren Bürgermeistern und Landjägern für das ihm er­wiesene Vertrauen. Den ihm unterstellten Wehren dankte er für die Disziplin und Mannestreue. Der Redner er­wähnte, daß er unter 7 Krsisbrandmeistern gedient habe. Er ermahnte die Kameraden, auch fernerhin der Feuer­wehrsache die Treue zu wahren und den Feuerwehrrock in Ehren zu tragen. Zum Schlüge seiner Ausführungen brachte Herr Bezirksbrandmeister Ebert ein Hoch auf den Herrn Landrat und den Herrn Kreisbrandmeifter aus.

Herr Landrat Freiherr von Gagern widmete dem aus seinem Tienste scheidenden Bezirksbrandmeister nochmals ehrende Worte für seine vieljährige treue und gewissenhafte Arbeit als Feuerwehrmann und brachte ein Hoch auf den Jubilar aus, der auf Antrag des Herrn Branddirektors E a u l e r -Fulda

zum Ehrenbrandmeister ernannt wurde. Ferner wurde ihm das Recht zum Tragen der Uniform als Bezirksbrandmeister verliehen. Hierauf schloß Herr Kreisbrandmeister Schum die Tagung.

Nach gmeinschaftlichem Mittagessen folgte um 2 Uhr eine große Angriffsübung, der die Idee zu Grunde lag, ein durch Blitz ausgebrochenes Schadenfeuer, das sich auf mehrere Scheunen und Wohnhäuser ausgebreitet hatte, zu bekämpfen. Die Wehren von Rückers, Schweben und Flie­den sowie die Kreismotorspritze Fulda griffen mit 3 Schlauchlinien ein. Nach beendeter Uebung hielt Herr Kreisbrandmeister Schum die Kritik, die im allgemeinen für die beteiligten Wehren zufriedenstellend ausfiel. An­schließend schilderte Ehrenbrandmeister Ebert -Neuhof ein am 12. Mai 1890 in derselben Gegend ausgebrochenes Schadenfeuer, das infolge Explosion eines Petroleumfages entstanden war u. zahlreiche Häuser, Scheunen, die Kirche und die Schule in Trümmerhaufen verwandelte. Da gro­ßer Wassermangel herrschte, mußte die Feuerwehr den Brand mit Jauche bekämpfen. Herr Landrat Freiherr von Eagern richtete sodann Worte der Anerkennung an die Wehren, die durch diese Uebung gezeigt haben, daß die Bewohner des Fuldaer Landes mit Stolz auf die länd­lichen Feuerwehren blicken können. Ein imposanter Festzug, in dem vier Feuerwehrkapellen musizierten, bewegte sich sodann durch die Straßen zum Festplatz, wo bei herrlichstem Wetter der Frohsinn zu seinem Rechte kam.

Die Ekkehard-Tpiele in Fulda.

Als ich am Sonnabend die Ekkehard-Spielschar musizie­rend durch die Straßen Fuldas ziehen sah und hörte, daß die Schar eine Gründung Roßbachs sei, da wurde ich fast traurig gestimmt. Ich kannte Gerhard Roßbach vom Grenzschutz-Ost her und wußte, daß gerade sein Freikorps als besonders draufgängerisch galt. Was konnten diese jungen Menchen und ihr Tun mit dem alten Freikorpsfüh­rer zu tun haben?

Der heutige Vortragsabend feiner Spielschar bewies mir, daß Roßbach seinem Kämpfertum nicht untreu gewor­den ist. Nur bewegt sich sein Kampf heute auf einer ande­ren Ebene als 1919'20, und die Mittel sind anders gewor­den. Aber geblieben ist wie 1919 20 sein hohes Kampfziel. Und das heißt Deutschland. Er kämpft nicht mehr wie da­mals um die deutsche Grenze, um deutsches Land, ihm geht es heute um den deutschen Menschen und vor allem um die deutsche Jugend. Sie will er durch die hohen erzieherischen Werte echter deutscher Volkskunst schützen gegen die ver­flachenden Wirkungen des Alltags, gegen Banausentum und Schmutz und sie so mit Glauben und Kraft erfüllen zum Kampfe um das neue Reich. Ich sehe in seiner Arbeit eine wertvolle Ergänzung des Ringens um die deutsche Seele, das sich bei anderen Bewegungen und Bünden in anderer Weise vollzieht.

Der Spielabend wurde eingeleitet mit dem Vortrag deutscher Volkslieder. Der ehrliche Beifall zeigte, daß bas echte deutsche Volkslied, eben weil es alle Saiten unseres Herzens mitklingen läßt, immer wieder tiefe Wirkungen auszulösen vermag. Besonders gefielen „Tie Grenadiere" und „Rote Husaren" von Hermann Löns. Feierlich, weihe­voll schwebte das alte Wallfahrerlied „Meerstern, ich dich grüße" durch den Raum. Und stolz und todestrotzig, von einer metallischen, gepflegten Stimme gesungen, erklang „Volkers Nachrgesang" von Emmanuel Geibel: Und kommt die Früh' im Muf gen Kleid:

Gott grüß' dich, grimmer Schwerterstreit!

Dann magst du. Tod, zum Reigen

uns geigen?

Der Sprech- und Bewegungschor „Ter Morgen" ließ viel­leicht am klarsten erkennen, in welcher Richtung Rotzbachs Arbeit liegt. Junge deutsche Menschen, die niedergeschla­gen von seelischer und körperlicher Not, am Leben verzwei- feln, richten sich an dem Glauben und der Tat stärkerer Brüder wieder auf und erschauen aus Nacht und Ver­neinung wieder Morgen und Licht. Die schönen Volks­tänze, die den Abend beschlossen, fanden ungeteilten Beifall