Die 400 lutherischen Nuhlandsdeutschen nach
Brasilien unterwegs.
Die 400 lutherischen Nußlandsdeutschen, die mehrere Monate im Flüchtlingslager zu Chardin verbracht hatten, befinden sich jetzt auf der Fahrt von Europa nach Brasilien wo sie eine Heimt finden sollen. In Marseille wurden sie von dem Vorsitzenden des lutherischen Hilfswerks, Prof. Ulmer-Erlangen, als Beauftragten des lutherischen Welt- konvents, Regierungsrat Kundt, als Vertreter des Reichs- ausschusfes „Brüder in Rot" und Oberst Eaelzer Netto, dem Bevollmächtigten Brasiliens empfangen. Prof. Ulmer begrüßte die Flüchtlinge an Bord im Namen aller lutherischen Kirchen und teilte ihnen Näheres über die Hilfsaktion mit, an der sich Lutheraner Deutschlands, Nordamerikas und anderer Länder beteiligt haben. Die deutsche Sammlung unter Führung des lutherischen Hilfs- werks der Eotteskastenvereine brachte etwa 70 000 RM. Außerdem sind von dein Reichsausschuß „Brüder in Rot" 3000 Dollar und vom deutschen Roten Kreuz eine Ausrüstung im Werte von 4500 Dollar gespendet worden. Die beiden' kleinen lutherischen Kirchen in Holland brachten 2000 Kleidungsstücke und 8000 RM. zusammen. Weiter war auch der Generalsekretär des Genfer „Nansenamts", Major Johnson, in Marseille. Die „Nansenamt" hat die Hilfsaktion durch diplomatische Verhandlungen unterstützt. Die Flüchtlinge werden im Staat Santa Catharina auf den Kuß-Culmyschcn Ländereien Siedlungen erhalten, für die der lutherische Weltkonvent 25 000 RM. angezahlt hat. Zur wirtschaftlichen und technischen Betreuung der entstehenden Siedlung ist Regierungsrat a. D. Dr. Lange vom Hilfswerk für ein Jahr zur Verfügung gestellt worden.
Keine Crashalme in den Mund nehmen!
Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Schadenverhütung e. V., München, Bayerstraße 37/39.
Im Sommer wird alljährlich durch die leichtsinnige Unsitte, Grashalme in den Mund zu nehmen und daran zu kauen, eine gefährliche Krankheit verbreitet, die vom Strahlenpilz verursacht wird. Dieser Pilz befindet sich verhältnismäßig häufig auf Eetreidehalmen und auf Gräsern, auf den Mehren wie auf dem Stroh und erregt, auf Menschen übertragen, schwere eiterige Entzündungen, die sogar tödlich verlaufen können.
Die Entzündungen entstehen nach dem Kauen befallener Gräser hauptsächlich im Zahnfleisch und in der Wangenschleimhaut, überhaupt in allen Teilen des Mundes. Das Pilzgeflecht senkt sich in das menschliche Gewebe ein, bringt es zum Verfall, und die Folge davon sind erst sehr harte, dann weiche Geschwülste, die bis auf die Kieferknochen gehen können und sehr schmerzhaft sind.
Was die Erkrankung besonders gefährlich macht, ist die Fähigkeit des Strahlenpilzes, sich auf dein Wege über die Blutbahnen im ganzen menschlichen Körper zu verbreiten, wodurch Blutvergiftung entsteht.
Diese Gefahren des Strahlenpilzes werden leider immer noch viel zu wenig gekannt und berücksichtigt, sonst wäre es nicht möglich, daß selbst unter Erwachsenen immer noch die Unsitte zu beobachten ist, an abgepflückten Grashalmen zu kauen.
Tierverlosungen auf Jahrmärkten.
Hierzu schreibt der Tierschutzverein Pforzheim: Jahrmarktstrubel, Karussells, viel Spektakel, Schießbuden mit dem großen Aushängeschild „Großes Vogelschießen", sogenannte Eeschicklichkeitsbuden, wo man Nummern angelt und anderes, Gewinne: tausend Sachen, Blumenstöcke, Zigaretten, Schokolade, Haushaltungsgegenstände, Nippes etc. Und dann Käfige voll mit den zarten kleinen exotischen Prachtfinken, auch große Glasbehälter gefüllt mit Goldfischen, Schildkröten u. anderes. Eifriges Animieren, viele versuchen ihr Glück. Da hat schon wieder einer einen Vogel gewonnen. Der Angestellte fährt roh in die Schar Vögel hinein und greift einen heraus, steckt ihn in eine weiche Tüte und händigt das arme verlorene Tierchen dem Gewinner aus, der oft schon angeheitert, namentlich abends, verschwindet mit dem unglücklichen Tierchen im Trubel des Festes. Dem Tierfreund blutet das Herz bei einer solchen Roheit und er ist verzweifelt, daß heute noch so etwas erlaubt und von den Behörden zugelassen wird. Aber bei denen findet man wenig Verständnis. Als ich dieserhalb beim Bezirksamt, beim Polizeidirektor, vorstellig wurde, bekam ich zur Antwort, daß doch die Budenbesitzer hohes Platzgeld der Stadt bezahlen und daß man sie deshalb auch r u h i g Geld verdienen lassen müsse, zudem sei doch da nichts dabei, da inan ja solche Vögelchen in jeder Handlung auch kaufen könne.
Wenn an vielen Orten jetzt den Budenbesitzern zur Auflage gemacht wird, daß sie anstatt loser Papiertüten, feste Schachteln oder kleine Transportkästchcn für die Vögelchen geben müssen, so ändert das am Los der Tierchen gar nichts. Wenn man sie auch in Handlungen kaufen kann, so ist das aber doch ein Unterschied. Hier der Trubel, das Animieren, der Alkohol, der Zufall. Dorthin geht nur einer, der so ein Pärchen dieser reizenden Tierchen baden will, der vorher alles vorbereitet, sich unterrichtet hat über deren Haltung und Pflege. Hier nichts von alle dem, nur gemeinste Gewinnsucht von feiten des Unternehmers. Hje und da mal eine Ausnahme genügt nicht, dieses unwürdige Gebühren zu entschuldigen. Jeder, der einmal etwas darüber nachdentt, sich auch selbst diese Dinge fZ^auat, daß so etwas überhaupt möglich, daß eine Tierquälerei, wo gar niemand etwas davon hat außer dein gewissenlosen Zigeuner, nicht von heute auf morgen verboten ist Aber sie haben es ja zum Teil schon oben gehört, die Stadt verdient Geld damit und deshalb ist es so schwer, es abzuschaffen! Wir müssen gemeinsam vor- gepeit, die Vereine, die Verbände. In Baden ist erreicht, daß den Bezirksämtern zur Auflage gemacht ist, derartigen Buden die Verlosungen von Tieren vornehmen wollen, keine Genehmigung mehr zu erteilen.
(Allgem. Tierschutz-Zeitschrift f. Hessen.)
Hüte Dich vor Miesmachern!
Das sind Leute, die die kranke Wirtschaft totreden, weil sie eine Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit verbreiten. Sie gesallcn sich in der Rolle des Propheten einer dunklen Zukunft, sind natürlich besonders gut unterrichtet und allein imstande, ein richtiges Urteil über die Wirtschast und ihre Entwicklung zu geben.
Sie wissen aber bestimmt nicht mehr als andere, und o»ch bestimmt sind sie nicht gescheiter: aber sie sönnen durch >hr Gerede Dir zuniindsten vorübergehend die gute Laune verderben, die Freude an der Arbeit nehmen und Deine ~Qtfraij lähmen
â kein« Mühe, diese Leute zu überzeugen, das ist Pergebhd), denn ihre ganze Weisheit steckt nur in der
Zunge. Kannst Du die Reden der Schädlinge nicht auf ein ungefährliches Gebiet führen, dann kehre ihnen entschlossen den Rücken.
Die Weihe der Nacht.
Nächtliche Stille!
Heilige Fülle,
Wie von göttlichem Segen schwer, Säuselt aus ewiger Ferne daher,
Was da lebte,
Was aus engem Kreise
Auf ins Weitste strebte,
Sanft und leise
Sank es in sich selbst zurück
Unb quillt auf in unbewußtem Glück.
Und von allen Sternen nieder
Strömt ein wunderbarer Segen,
Daß die müden Kräfte wieder
Sich in neuer Frische regen,
Und aus seinen Finsternissen
Tritt der Herr, so weit er kann, Und die Fäden, die zerrissen, Knüpft er alle wieder an.
Friedrich Hebbel.
iiiiniiiniiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiDiiiiniiiitiiiiiiitiiiiniiitiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiinilHiiiiiiiiiniiiiiiiiiiijiiitiiii
Ich wunderte mich stets ...
Eine Geschichte uon Al ex a n d e r von Keller.
Ich wunderte mich stets über Archibald Dunmores Beschäftigung. Er war ein netter, noch junger Mann mit einem verträumten Gesicht und wundervollen Gesten, die mich stets an die abgezirkelten Bewegungen von Artisten erinnerten. Als ich ihn einmal fragte, ob er jemals im Leben im Zirkus gearbeitet hätte, lachte er, ohne eine Antwort zu geben. Seine Sprache war die eines gebildeten Mannes, aber manchmal, wenn er in stillen Stunden vor dem Kamin saß, kam ein Zug in sein Gesicht, der mich stutzen ließ. Ein kalter, höhnischer Zug, und bei solchen Gelegenheiten preßten seine Fäuste die Sessellehnen, daß die Knöchel wie weiße Punkte heraustraten.
Es gab keinen Zweifel, daß Archibald Dunmore ein etwas eigenartiger Mensch war, der gern seine eigenen Wege ging und seinen eigenen Gedanken nachhing. Und obwohl wir fast ein Jahr lang Tür an Tür wohnten und uns fast täglich sahen und sprachen, wußte ich doch nichts über sein früheres Leben.
Tagsüber saß Archie — er hatte mich gebeten, ihn stets so zu nennen — in seinem Zimmer und dressierte seinen Affen. (Sitten kleinen, widcrhaariaen Kerl, der irgendwo in den wildesten Gegenden Afrikas heimisch sein mochte, denn trotz der langen Gefangenschaft und Dunmores Erziehungskunst war er wild und ungebärdig; und Archies Erziehungskunst war groß. Er verstand es, das Tier mit einem Blick zu lenken — eine kleine Handbewegung genügte oft, und der Affe zog sich zähnefletschend in seinen Winkel zurück. Bei solchen Gelegenheiten pflegte Dunmore zu lachen und war sichtlich guter Laune.
„Ich war einmal in den Tropen", sagte er eines Tages, „und habe viel mit Affen zu tun gehabt. Man kann sie gleich Kindern erziehen, aber ihre Erziehung ist unter Umständen dankbarer als die der Menschen . . ."
„Unsinn, Archie! Sie wollen doch nicht behaupten, daß so ein Tier,,eine, merychenähnliche .SeZ hätte?"
„Seele . . .", entgegnete er und blickte mich an. „Das weiß ich nicht. Aber sie können stärker lieben und hassen als die Menschen . . ."
Die Vormittage waren ganz mit Freds Erziehung — so hieß der Affe — ausgefüllt. Dunmore räumte dazu sein Zimmer fast aus, und die Schule dauerte bis Mittag, aber ich erfuhr niemals, was er eigentlich mit dem Affen trieb, denn er ließ ihn in meiner Gegenwart niemals Kunststücke machen, wie dies andere Dresseure zu tun pflegen. (Sinntal kam ich unerwartet in Dunmores Zimmer — er hatte mein zweimaliges Klopfen überhört — und war sichtlich wütend darüber, obwohl er sich nichts anmerten ließ. Was ich aber sah, erregte mein Staunen. Von der Decke hing ein Trapez, auf dem'eine Puppe befestigt war, und Fred sprang vom Kasten aus mit einem Satz die Puppe an; es sah komisch aus und ich begann laut zu lachen.
„Dumme Versuche", sagte Dunmore gleichsam ent» schuldigend, „die das Tier niemals begreifen kann. Sie haben recht, diese Geschöpfe haben keine Seele — sie sind boshaft wie die Teufel, aber sie arbeiten ganz mechanisch."
Ich blickte auf den Affen und bemerkte, wie er, auf dem schwankenden Trapez hockend, das Gesicht der Puppe mit seinen dürren Fingern zerriß: und niemals in meinem Leben habe ich im Gesicht irgendeines Lebewesens einen solchen Ausdruck mörderischen Hasses gesehen wie in dem Augenblick tm Gesicht des Affen . . .
Um diese Zeit — cs war Frühjahr und Zirkussaison — machten die „Fliegenden Manschen" viel von sich reden. Es waren zwei Amerikaner, die am fliegenden Trapez die un= glaublichsten Künste vollfühNen; daß sie bei ihren Vorstellungen auf ein Fallnetz verzichteten, gab ihrer Arbeit in den Augen des Publikums einen erhöhten Reiz.
Ich sah sie mir eines Tages an uitb war tatsächlich entzückt. Der junge Mann hatte einen durchgebildcten Körper von hoher Vollkommenheit und schien über eine Riesenkraft zu verfügen: das Mädchen aber, feine Partnerin, war das Bild eines Engels. Nie in meinem Leben habe ich einen gleich herrlichen weiblichen Körper gesehen, nie ein zarteres Gesicht. Sie war wirklich blendend fd)ön. Eilt alter Herr neben mir schien sie längere Zeit 51t kennen, denn er ließ sich mit ihr in ein längeres Gespräch ein.
„Früher", sagte er, „waren es drei, zwei Manner und das Mädchen — sie heißt übrigens Mabel — dann aber scheinen Zwistigkeiten ausgebrochen zu sein, und der zweite Mann verschwand: er war übrigens der Tüchtigere . . . Wird wohl Liebe und Eifersucht mitgespielt haben — eine gefährliche Sache bei einem solchen Beruf . . ."
Als ich Dunmore davon erzählte, schien er wenig Interesse daran zu haben. „Zirkus", sagte er rind schnippte verächtlich mit den Fingern, „und was dieses Mädchen an belangt . . ." Er verstummte, und der bekannte grausame Zug legte sich um seine Lippen. Aber ich maß dem keine Bedeutung bei. Archie hatte manchmal seine Stimmungen, und es war eine stillschiveigende Uebereiukunft zwischen uns, daß einer den anderen nicht stören durfte. Als ich ihn später aufforderte, mit mir in den Zirktcs zu kommen, lachte er. „Ich habe kein Faible für derlei Dinge", sagte er, „denn Sie müssen wissen, daß ich ZirkUsleute hasse..."
An einem trüben Abend war ich in Gesellschaft eines Reporters, der mich dann später den beiden Artisten, den „Fliegenden Menschen", vorstellte, und ich verbrachte einige angeregte Stunden. Die beiden Leute waren liebenswürdige und anspruchslose Menschen, und wir plauderten lange Zeit. Schließlich gab mir das Mädchen auf meine Bitte hin ihr Bild. Ich' hatte einigen Einfluß bei größeren Zeitungen und ihr versprochen, es veröffentlichen zu lassen. Am Morgen zeigte ich es Dunmore. .
Er lehnte in seinem tiefen Sessel und wärmte die Fuße am , Kamin. /Der Affe saß r^'g-WohnM,neben^ihm, und
er streichelte ihm den Kopf? Als ich das Bild aus der Taschck nahm, spürte ich einen leisen Geruch von Chypre, und ich erinnerte mich an das Mädchen, das augenscheinlich dieses Parfüm bevorzugte; aber der Affe begann plötzlich zu schnuppern und fletschte die Zähne. Dann sprang er mit einem Satz gegen meine Hand und schnappte danach. Ich glaube, ich verdanke es nur Dunmores raschem Eingreifen, daß ich heute keine verstümmelte Hand habe. Er warf einen zerstreuten Blick auf das Bild, dabei lachte er und rieb sich die Hände wie ein Verrückter, und ich verließ etwas^ verärgert sein Zimmer. Und erst später kamen mir diese Dinge wieder in den Sinn ...
Und dann geschah das Merkwürdige, das eine große Stadt einen Tag lang in Atem hielt. Einen ganzen Tag, und das ist viel für eine Großstadt, in der das Lebcii^ lebhaft pulsiert und dahinfließt wie ein reißender Strom. Ich war an einem Abend zu Hause geblieben und sprach mit, Dunmore über alltägliche Dinge. Erst war er ein wenig zerstreut und klagte, Fred sei ihm wieder einmal durchge- gangen und treibe sich gewiß irgendwo auf den Dächern herum; aber das war des öfteren öorgelommeit, und ich maß dem keine Bedeutung bei. Gegen zehn Uhr hörten wir dann unsere Wirtin kommen und waren etwas erstaunt; sic war im Zirkus gewesen, wie alle Welt und aus ihren lauten Reden mit ihrer Tochter, die mit ihr wohnte, entnahmen wir, daß irgend etwas geschehen sein mochte. Ich ging in die Küche und erfuhr die schreckliche Geschichte. _ .
Die „Fliegenden Menschen" hätten den ersten Teil ihres Programms erledigt. Das Mädchen war über ein Seil auf ein hohes Trapez geklettert, und knapp hinter ihr folgte der Mann. Sie schwang sich zuerst auf dem Trapez, bis sie in Stimmung kam, wie sie es immer zu tun pflegte, dann ließ sie es los und schnellte sich ab, um auf ein anderes, schwingendes Trapez zu kommen . . . Und in diesem Augenblick fei ein kleines, struppiges Tier, das niemand früher gesehen hätte, von irgendwoher auf dieses Trapez gesprungen und hätte das Mädchen angefallen . . . mitten im fürchterlichsten Schwung... das arme Ding stieß einen schrecklichen Schrei aus, der ihr, der alten Frau, jetzt noch in den Ohren klinge, und fei dann abgestürzt. Wie ein Sack. Es habe direkt einen dumpfen Krach gegeben, als das Mädchen mit dem Kopf auf die harte Erde auffchlug . . .
Ich stürzte zu Dunmore und erzählte ihm die Geschichte, und er hörte mir aufmerksam zu, ohne irgend etwas zu sagen. Nur sein Gesicht nahm jenen steinernen Ausdruck an, und seine Hände umklammerten die Sessellehnen. Dann erhob er sich und sagte, er sei müde und wolle früher ins Bett . . .
Erst am nächsten Tag erfuhren wir zu unserem Schrecken, ♦ daß es der Asse Archibald Tunmores war, der bett Sturz verschuldet hatte.
Mir fielen zwar die merkwürdigen Lehrübungen Dunmores ein, aber ich war augenscheinlich zu erschüttert, um mir irgendwelche Gedanken darüber zu machen. Wir gingen schweigend die Treppe hinab, und als wir auf die Straße traten, kam uns ein junger Mann entgegen . . . Ich erkannte ihn augenblicklich — es war der Partner des unglücklichen Mädck)ens. Aber er schien mich nicht zu sehen, sondern blickte nur Dunmore an und wurde plötzlich weiß wie der Tod. Seine Augen quollen ihm aus den Höhlen, und sein Kinn fiel herab . . . Er versnchte etwas zu sagen, aber es klang nur wie ein fürchterliches Schluchzen. Und Dunmore ergriff meinen Arm und zog mich fort. Er sprang dann in eine Troschke und winkte mir noch zu, und das war das letzte, was ich im Leben von Archibald Tunvore sah.
Zwei Stonate später bekam ich eh?en Brief aus Buenos Aires: „Lieber Freund! Sie werden sich oft über meine merkwürdige Beschäftigung gewundert haben, und ich nehme an, daß Sie jetzt alles wissen. Mabel war meine Frau — ich habe sie die Tricks gelehrt und die Lruppe gegründet. Sie hat es aber vorgezogen, mich mit unserem Partner zu betrügen. Tas ist alles. Stets der Ihre. Archibald Dunmore."
Vücherecke.
Die Diskussion über die Stellung des Heeres innerhalb der Staatsordnung und über die Frage, wieweit das Heer der Träger innerer Reformen fein tann, wenn das Parlament ver- jagt setzt Albrecht Erich Günther fort im Leitartikel des 2. JuniheZtes der bekannten Halbmonatsschrift „Deutsches Volkstum" und zwar anhand einer Untersuchung des Kampfes Oliver Cromwells gegen die Volksjouveränität. Einen überraschenden Beitrag zum Problem der Autarlie gibt im gleichen Heft A d a in H ü f n e r mit einer Darstellung der Ansichten J. G. Fichtes aber den totalen Staat. Fichte veröffentlichte im Herbst 1800 unter dem Titel „Der geichlosicne Handetsstaat" eine Abhandlung, in der bereits alles Weient- tiche, das zur Autarkiefrage gehört, enthalten ist. Hüfner zeigt, wie hochaktuell Fichtes Ansichten auch für die heutigen Erörterungen sind und in wie erstaunlicher Weise die genialen Visionen des großen deutschen Philosophen heute Wirklichkeit geworden sind.'— Von prinzipieller Bedeutung sind die beiden anschließenden Aufsätze Claus Claasens über „D i e sozial-philosophischen Grundlagen dcS Nationalsozialismus" und Dr. Wilhelm Stapels über „D i e Wiederherstellung der U n i v c r i i t it t“. Gerade der Aufsatz Stapels wird wegen seiner rückhaltlosen Kritik an dem Howschulbetrieb unserer Tage und wegen seiner tiefbegründeten Zielsetzung für einen neuen inneren Aufbau her Universitäten in akademischen Kreisen kein geringes Aufjeben erregen. Im 2. Teil dieses reichen Heftes (00 Pfennige) findet der Leser wieder eine Reihe kleinerer Beiträge, unter denen eine Bilanz der politischen Vorgänge der letzten 14 Tage aus der Feder Heinz Brauweilers, weiterhin eine Untersuchung über die gegenwärtige verfassungsrechtliche Situation und schließlich die energische Ablehnung eines in Genf aufgetauchten amerikanischen „Abrüstungs" -Vorschlages besonders beachtlich sind. Von der verantwortungsbewußten und gründlichen Art der nationalen Arbeit des „Deutschen Volkstums" und seiner Mitarbeiter gibt gerade dieses interessante 2. Juniheft ein besonders anschauliches und eindrucksvolles Bild. -t.
Dr. Kurt Herzberg, Charaktcrforschung. Volts- verband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G.m.b.H., Berlin-Charlottenburg 2. — Unermeßlich in seinen Variationen ist der menschliche Charakter, tausendfältig sind die Nuancen der Formen und Motive seines Handelns. Die moderne wissenschaftliche Charakterforschung fördert das Verständnis des praktischen Lebens ebenso wie das der Kunst. Der mit dem Gebiete der Charakterologie bestens vertraute Fachgelehrte versucht in diesem Werke das Wesen der Charakterforschung dadurch vor Augen zu führen, daß er vor allem in Einzeldarstellungen die Hauptrepräsentanten chnrakterkundlich wichtiger Werke zugänglich macht, dabei aber auch die Forscher der medizinischen Psychologie, der Psychoanalyse, der Individrialpsycho10qie. der Erblehre, der Soziologie usw. berücksichtigt, soweit sie für die Person lichkeitsforschUng 3. B. des nervösen Charakters, der psnche- pathischen Persönlichkeit, der Umwelteinflüsse wichtige Auf schlüssc liefern. Angesichts der großen Bedeutung auf- klärender Charaktererkenntnis sowohl für die Beurteilung und das Schicksal des einzelnen, als auch der Gesellschaft überhaupt, steht dieses aufschlußreiche Werk im Brennpunkt allgemeinen Interesses. Die wissenschaftlichen Jahres reibenbänbe des Volt- verbandes der Bücherfreunde, in deren Rahmen dieses Wert erscheint, haben jidj tu einer seht wertvollen Bücherei entwickelt. Hier finde» Werke erster Fachgelehrter Aufnahme, deren wissenschaftlich bodmiruelic Themen jeden modernen Menschen angehen. Der beispiellos niedrige Preis von 2,90 RM für diese wichtigen l' rt erscheinunqen. Hervorragend ausgestütiet. in Halbleder ar bunden, stellt meiern ältesten beu lieben DuchverdanSk das beste Zeugnis aus.