Nr. 146 Freitag, 24. Juni 1932
Schweigegelder des Devaheimkonzerns.
Die Chefs des Industrie-Courier als Zeugen.
Im Tcvahcim-Prozeß wurden Dr. Otto Ehrlich, der Verleger des Industrie-Courier, und Dr. Kurt Spiecker der Chefredakteur des Industrie-Courier, darüber vernommen' ob die 22 000 Mark, die der Industrie-Courier vom Devaheim- lonzern, und zwar vom Generaldirektor Jeppel erhielt,
als Schweigegelder zu bewerten
seien. Auf Grund dieser Vorkommnisse schwebt gegen Dr Ehrlich und Dr. Spiecker bei der Staatsanwaltschaft Berlin ein Ermittelungsverfahren wegen Erpressung, d" n'M"ldlrektor Jeppel behauptet, daß der Betrag von 22000 Mart von Dr. Ehrlich und Dr. Spiecker erpreßt worden sei, mit dem Hinweis, daß sonst im Industrie-Courier Ent- hullungen über Blißstande beim Devaheimkonzern erscheinen wurden. Von den beiden Zeugen wurden diese Bekundungen Jeppels als unwahr bezeichnet. Trotz des auf ihnen ruhenden Verdachtes wurden Dr. Ehrlich und Dr. Spiecker beeidigt Die Vereidigung begründete das Gericht damit, daß dem General- direktor Jeppel nicht nachgewiesen werden könne, daß er die an den Industrie-Courier gezahlten 22 000 Mark
aus Mitteln des Devaheimkonzerns bezahlt habe. Aus diesem Grunde könne auch dahingestellt bleiben, ob die 22000 Mark, die Jeppel aus seinen Erspar nl,scn gezahlt haben will, dem Industrie-Courier als Honorar für Artikel oder als Schweigegelder überwiesen worden seien. -
WsNiger Devisen für Einfuhr.
Verkürzter Devisenhöchstbetrag für Juli.
Der Reichswirtschaftsmini st er hat angeordnet, daß die Ei n f u h r h ä u s e r für den Monat Juli 1932 den Höchstbetrag ihrer allgemeinen Devisen-Genehmi- gung nur bis zur Höhe von 50 Prozent in An. spruch nehmen dürfen. Für die diesen Betrag übersteigen, den Zahlungsverbiudlichkeiten werden die Firmen auf die Inanspruchnahme von Lieferantenkrediten und die Ausnutzung der Kreditlinien des Stillhalteabkommens verwiesen.
Was man noch wissen muß.
Beilegung des Tarifstreites im Buchdruckereigewerbe.
Frankfurt (Main). In den Verhandlungen vor dem Schlichter für Südwestdeutschland, Dr. Kimmich, in dem Streit um den Tarif des Hilfspersonals im deutschen Buch» druckereigewerbe wurde ein Schiedsspruch gefällt, der vo« beiden Seiten angenommen wurde. Danach wird der Reichstärif bis zum 3 0. April 19 33 verlängert. Die im Buchdruckertarif bereits festgelegten Abänderungen finden sinngemäß Anwendung.
„Do. X" und D 2500" in Stettin.
Stettin. Das Flugschiff „Do. X" ging nach einigen Schleifen über der Stadt glatt auf dem Stettiner Flughafen a m Da in urschen See nieder. Zu gleicher Zeit landete in «^j^P^tUg^ das größte Landslugzeug Deutsch-
Zehnköpfige Falschmünzerbande festgenommen.
Bremen. In Vegesack waren in der letzten Zeit falsche F ü n f m a r k st ürk e in größerer Zahl in den Umlauf ge- kommen. Jetzt hat die Landjägerei zehn Personen sestgenom- men, die das Falschgeld teils hergestellt, teils vertrieben haben. Es handelt sich durchweg um junge, arbeitslose Leute, die das Geld zu Vergnügungsreisen nach Bremen, Delmenhorst usw. benutzten. Sieben von ihnen wurden wieder aus der Haft ent- lassen, da Verdunkelungsgefahr nicht mehr besteht,
Der große peruanische Schatz auf den Cocosinseln gefunden.
London. „Star" berichtet, daß es gelungen sei, auf den Cocosinseln den großen Schatz zu finden, nach dem schon viele Expeditionen gesucht haben. Er soll angeblich 240 Millionen Mark wert sein. Es handelt sich um Wertgegenstände, die von reichen Peruanern während der Revolution von 1863 dort vergraben worden waren.
Die Mandschurei wird Kaiserreich.
Tschantschun. Die Gerüchte über die Ausrufung des Mandschurischen Staates zum Kaiserreich mit dem Prinzen P u j i werden aus japanischen Quellen bestätigt. Die Aus- rnfüng soll erst erfolgen nach der Anerkennung der Unabhängigkeit des Mandschurischen Staates durch die japanische Regie- rung.
Krieg im
Minenübungen der Neichsmarine.
Die erste M i n e n s u ch h a l b f l o t t i l l e veranstaltete zusammen mit einer S p e r r f l o t t i l l e von sechs UZ.-Booten eine Minenübung in der nördlichen Ostsee. Der Übung lag der Gedanke zugrunde, daß zunächst eine Minensperre ausgelegt werden sollte. Dann sollte eine Flotte, markiert durch ein Minentrausportschiff, von den Flottillen durch das Minengebiet geleitet und dabei die Sperre aufgespürt und hinweggeräumt werden. Nachdem die Minensucher die Sperre gelegt hatten, brachten sie S u ch g e r ä t e aus und suchten ein Fahrwasser auf, das ausgebojt wurde. Die Sperrboote lösten die Minensucher nach einiger Zeit ab, worauf sie die Sperre fanden. Mit ausgesetzten Motorbooten, Sperrbooten und den von den Minensuchern rottenweise ausgebrachten schweren Minenräumgeräten wurde dann das Minenfeld beseitigt und ein mineufreies Fahrwasser ausgebojt.
Lustschutzübungen in Ostpreußen.
In Allenstein begann die große ostpreußische Luftschutzübung, die von dem Präsidenten Paetsch vom preußischen Innenministerium geleitet wird, und die sich bis zum 25. Juni hinzieht. An einem Tage der Übung wird auch Reichsinnenminister Freiherr von Gahl teilnehmen. Außer diesen Herren sind aus Berlin noch zahlreiche Teilnehmer der zuständigen Ressorts, Vertreter aller Innenministerien der Länder und Vertreter der Kommunalverwaltungen, der Industrie, der Wirtschaft, der Verbände und Vereine und der Presse aus ganz Ostpreußen und dem Reich vertreten. Die Teilnehmerzahl der Gäste beziffert sich auf einige hundert. Am ersten Tage finden Besichtigungen der Warnzentralen, Flugwachen, Feuerwehren, Entlüftungstrupps usw. statt.
18 Millionen Franken für Gasmasken in der Schweiz.
Rach mehrtägiger Aussprache hat der Schweizerische Nationalrat mit 113 gegen 53 Stimmen entsprechend dem Antrag des Bundesrats zur Beschaffung von Gasmasken einen Kredit von insgesamt 16 bis 18 Millionen Franken bewilligt. Die Ausgabe wird auf
Kein deutsch-französisches Militärbündnis geplant.
Lausanne. Zu den Mitteilungen der amerikanischen Presse, nach denen Reichskanzler von Papen der französischen Regierung ein Miltärbündnis Vorschlägen will, wird an z u st ä n- digerdeutscher Stelle erklärt, daß diese Gerüchte in keiner Weise den Tatsachen entsprechen. Irgendwelche Vorschläge in dieser Richtung seien nicht erwogen worden.
Geheimnisvoller Leichenfund.
Essen. In Essen-West wurde eine Wohnung im Hause Seibertzstraße 4 nach Waffen durchsucht. Schutzpolizeibeamte fanden in einem ausgemauerten Kellerloch unter Gerümpel verborgen die mumifizierte Leiche eines etwa sechs Jahre alten Kindes. Da der Fundort in der Nähe der Wohnung eines im Februar 1930 verschwundenen Knaben namens Günter Kosten liegt, sind die Ermittlungen nach dieser Richtung hin ausgenommen.
Cholera in Tschifu.
Schanghai. Im Hafen Tschifu ist die Cholera ausgebrochen. Bisher wurden 67 Erkrankungen festgestellt, von denen sechs tödlich verliefen. Nach chinesischen amtlichen Meldungen ist die Cholera aus Südchina eingeschleppt worden.
Kurze politische Nachrichten.
Die Pressestelle des Stahlhelm - Bundesamts teilt mit: Am 28. Juni, dem Tage, an dem vor 13 Jahren das Diktat von Versailles unterzeichnet wurde, spricht der Gründer und 1. Bundesführer des Stahlhelms, Franz S e l d t e , im Rundfunk über das Wollen des Stahlhelms für Staat und Volk. Der Vortrag findet um 19 Uhr im Programm der Berliner Funkstunde statt.
*
In Chile ist durch ein Regierungsdekret, das den Kommunismus für geächtet erklärt, das Standrecht verkündet worden. Alkoholausschank und das Betreten der Straße ist abends verboten, der Jahrgang 1911 Zur 60tägigen Dienstleistung eingezogen, jede Äußerung gegen das heutige Regime mit schwersten Strafen bedroht.
Bestellungen auf diese Zeitung
«erben feberaeit entgegengenommen.
Frieden.
etwa acht bis zehn Jahre verteilt. In diesem Jahre werden 1,350 Millionen für die Anschaffung und Unterbringung von Gasmasken aufgewendet.
Frankreich gegen Luftangriffe am besten geschützt.
Die französischen Luftabwehrmanöver, die seit zwei Tagen in der Gegend von Arras unter persönlicher Leitung von Marschall Pötain stattfanden, sind beendet. Marschall Pëtain, der auf einem anschließenden Essen der höheren Offiziere eine kurze Kritik über die Ergebnisse dieser Manöver abgab, erklärte, daß nun Frankreich im Falle von Luftangriffen am besten geschützt sei.
Ein „Schlachtschiff der Lüste«, überraschender Stapellaus eines großen englischen Flugschiffes.
In den nächsten Tagen wird in R o ch e st e r ein englisches Militärflugschiff von Stapel laufen, das als das größte der Welt bezeichnet wird. Die Maschine wiegt mit voller Belastung 33 Tonnen, das ist mehr als das Doppelte des Gewichts der bisher größten Maschine der englischen Luftstreitkräfte.
Bisher war der Bau dieses „Schlachtschiffes der Lüfte" von den Behörden äußerst geheimgehalten worden.
Erst jetzt werden nach und nach einige Einzelheiten bekanntgegeben. Das Flugschiff ist ein großer, aus Dura- Aluminium hergestellter Doppeldecker, dessen 36 Meter langer Rumpf ähnlich wie bei der „Do. X" gleichzeitig als Schiffskörper dient. Die Erbauer haben größten Wert auf die Seetüchtigkeit der Maschine gelegt, die selbst bei Sturm sicher auf dem Wasser liegen soll. Das Flugschiff ist mit sechs Motoren ausgerüstet, die zusammen 5000 Pferdestärken entwickeln. Die Flügelspannung beträgt über 40 Meter.
Der Hauptzweck des Flugschiffes sind L ang - streckencrkundungsflüge in entlegene Teile des englischen Weltreiches. Hierbei sollen Erfahrungen für den späteren Bau eines zivilen Flugschiffes für den Überfeeverkehr gesammelt werden.
Nah und $ern
O Neue Devisenschicbungen. Die in Lindau im Bodensee aus Ersuchen der Zollfahndungsstelte Berlin erfolgte Verhaftung des früheren Großbankprokuristen Sedlmayer steht mit Devisenverschiebungen, bei denen es sich um mehrere Millionen Mark handeln soll, in Verbindung.
O Schwerer Auto Unfall. Kurz vor Striegau raste ein einem Fleischermeister gehörendes, mit mehreren Insassen besetztes Personenauto gegen einen Baum. Der Chauffeur des Autos war sofort tot. Ter Besitzer wurde mit Oberschenkelbrüchen beider Beine ins Krankenhaus geschafft. Ein Bauunternehmer aus Barzdorf bei Striegau wurde aus dem Wagen hinausgeschleudert, blieb aber unverletzt.
O 325 Kupferstiche geraubt. Nackt den Feststellungen über den Einbruch in das Aschaffenburger Kupferstichkabinett wurden 86 Rembrandtradierungen und 239 Werke deutscher, niederländischer, italienischer und französischer Meister aus der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert gestohlen. Von den Dieben fehlt jede Spur.
O Bei einer Tour auf die Drcitorspitze tödlich ab« gestürzt. Die 22 Jahre alte Helferin Charlotte Klaue aus Schloß Elmau bei Mittenwald wurde an der Nordseite der Dreitorspitze bei Garmisch tot aufgefunden. Die Leiche war fürchterlich verstümmelt. Man nimmt an, daß das Mädchen bei einer Tour auf die Dreitorspitze etwa 400 Meter tief abgestürzt ist.
O Die Hebung des Goldschatzes der „Egypte". Das italienische Hebeschiff „Artiglio", das seit einem Jahr bemüht ist, den mit dem englischen Dampfer „Egypte" im Jahre 1921 gesunkenen Goldschatz im Werte von 120 Millionen Franc zu heben, hat seine Arbeiten endlich von Erfolg gekrönt gesehen. Bei ruhiger See gelang es den Tauchern, bis zu den Goldbarren vorzudringen und mit Hilfe eines eigens dazu gebauten Krans 26 Goldbarren im Werte von 20 Millionen Franc zu heben. Der italienischen Gesellschaft gehören 52% Prozent des Wertes der gesunkenen Schätze.
O Lebenslängliche Zuchthausstrafe für Entführungen. Präsident Hoover hat ein Gesetz unterzeichnet, nach dem Entführungen über die Staatengrenze als ein Bundesverbrechen angesehen und mit lebenslänglichem Zuchthaus bestraft werden.
Jakob Voggtreuter
Roman aus den bayerischen Bergen von Hans Ernst
Urheberschutz: Herold-Verlag, Homburg (Saar)
100 (Nachdruck verboten).
„Hub gelt, denkst net dran, was d' gestern g'hört hast?" flüsterte Resl und sah besorgt in sein fahles Gesicht. „Weißt, ich hab' dir's bloß not sag'n woll'n. Aber manchmal soll er's schon schiach treib'n, der Himmelsteiner."
Hastig drückte Jackl der Alten die Hand, nahm sein Gewehr an sich und trat aus der Hütte.
Nach dieser regenschwerer Maiennacht war ein schöner Morsten heraufgestiegen. Alles funkelte, alles lebte. Ein leichter MObiob wehte. Die Morgenglocken vom Dorf klangen so weich lind zart, als stünde der klingende Turm weit — weit in der Ferne.
Mit festen Schritten strebte Jackl der Höhe zu. Vielleicht' konnte er dort oben ruhiger werden, denn alles in ihm war. aufgewühlt. '
Der Himmelsteiner ein Säufer, ein Trunkbold? ging es ihm immer wieder durch den Kopf.
„Arme Jula! Bist auch net glücklich word'n!" sagte er mit ungewöhnlich weicher Stimme vor sich hin
„Arme, gute Jula!"
Da plötzlich blieb er mit einem Ruck stehen, alle quälenden Gedanken Waren von ihm abgefallen.
Dort auf der Blöße äste ein Rudel Gemsen. Wie gleißendes Metall funkelten die schlanken Körperchen der' flinken Tiere in der Morgensonne.
In dein Augenblick, als Jackl die Büchse an die Wange nahm, hob die erste der äsenden Gemsen den Kopf. Ein schriller, kurzer Pfiff durchschnitt den stillen Morgen und mit einem Satz flog das ganze Rudel über das klüftige Gestein, an der Spitze der Bock, der den Pfiff ausgestoßen hatte.
kernigen Fluch starrte Jackl auf das versa- Gewehr.
„Freilich! Wenn die Patronen feucht sind, kann's net geh'n!"
Es blieb ihm kein anderer Ausweg, als nach dem Voggt- reuterhof zu gehen, um trockene Patronen zu holen, denn seine Jagdlust war durch den Anblick der prächtigen Gemsen geweckt worden.
So schnell ihn feine Füße trugen, eilte er auf dem kürzesten Weg nach dem Voggtreuterhof.
Zu seiner größten Verwunderung hörte er von einer Magd, daß man ihn schon seit den frühesten Morgenstunden suche. Gleich darauf trat der alte Voggtreuter unter die Türe. Aus seiner Joppe zog er ein zusammengefaltetes Papier hervor.
„Da —! A' Telegramm is kemma für di'!"
Von einer dunklen Ahnung erfüllt griff Jackl nach dem Papier.
Der alte Voggtreuter sah ihm nicht zu, sondern sah auf die Straße hinab zur großen Wiese, aus der Knechte mähten. Aber als er sich umwandte und fragen wollte, was in dem Telegramm stünde, da blieben ihm unwillkürlich die Worte im Munde stecken.
Das Gesicht des Jungen hatte eine fahle Färbung und durch den sehnigen Körper ging ein krampfhaftes Schütteln. Jetzt taumelte er an die Wand und deckte die Hand vor die Augen.
Mit zwei Sprüngen stand der Alte bei ihm.
„Was hast denn? Was steht denn drin in dem Zettel?"
Mit einer matten Handbewegung reichte ihm Jackl das Telegramm und stürzte ins Haus.
Der Alte mußte sich auf die Hausbank setzen und schüttelte müde den schon weiß gewordenen Kopf. Und immer wieder las er die kurze Mitteilung:
„Hedwig tot. Beerdigung Samstag. Komme sofort. E. P/
Dann stand er auf, bog den gekrümmten Rücken und woll tc ins Haus. Da trat Jackl heraus.
„Safi mir den Braunen anspannen!" sagte er mit gepreßter Stimme.
Der Alte selber schickte sich an, es zu tun. Während er von dem eisernen Haken an der Stallwand das Lausgeschirr herunternahm, frug er über die Achsel zurück:
„Wo willst'» hin?"
„Den Mittagszug muß ich noch erwisch'n. Kannst an Knecht nach Tölz naufschick'n ums Gespann. Ich stell's beim Grüner- bräu ein."
Während Voggtreuter den Braunen anschirrte, zog Jackl das Laufwägerl aus der Remise.
Das Gefährt wollte schon aus dem Hof, da schrie der alte Voggtreuter verzweifelt hinterdrein:
„Halt! Halt! An dem Wäger! is dös rechte Vorderrad net gut. Nimm a anders!"
Aber Jackl hörte es nicht mehr.
Als er das Torf hinter sich hatte, ließ er dem Pferd die Zügel schießen. Weit griff der junge Braune aus und doch ging es Jackl zu langsam.
„Hedwig tot! Tot! Tot!" so gellte und schrie es um ihn her
Und im nagenden Schmerz riß er die Peitsche unterm Sitz hervor. Pesend fuhr sie durch die Luft, klatschend schlug sie auf den schweißtriefenden Rücken des Tieres, das in wilden Sätzen vorwärtsstürzte.
Jackl merkte die Schnelligkeit kaum, hörte nicht das Gerassel der Räder, nicht das Schlagen auf der rechten Vorderseite. Nur eines hörte er: Hedwig tot! Komme sofort! Und nur eines sah er im Geiste? Ein schönes, junges Weib starr und bleich im Sarge.
Wieder zischte die Peitsche in der Luft. Wieder sprang das Pferd in die Stränge.
Da — plötzlich ein ruckartiges Schlagen und gleich darauf ein Bersten — ein dumpfer Angstschrei — der Wagen überstürzte sich.
In wildem Schreck raste das Pferd mit dem umgeworfenen Wagen davon.
Jackl aber lag, aus einer tiefen, klaffenden Kopfwunde blutend, bewußtlos im Graben der Straße.
Bauern, die auf dem Felde arbeiteten, eilten herbei; als sie aber sahen, daß sic nicht helfen konnten, schickten sie nach dem nahen Tölz um den Arzt.
Der ließ den Schwerverletzten sofort mit dem Sanitätsauto nach München in die Klinik bringen.
Stumm und schweigsam standen die Aerzte am Bett des Schwerverletzten, der noch immer nicht aus der Bewußtlosigkeit erwacht war.
(Fortsetzung folgt).