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1.70 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Zulöa- und Haunetal * Zulöaer Kreisblatt

Ansprüche. Verlag Christian Seipel, Fulda.

Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.

Nr. 146 1932

Anzeigenpreis: Für Behörden, Genossenschaf­ten, Banken, usw. beträgt die KleinzeUe 0.30 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk.,

Re-aktlon und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zemsprech,^nfchluß Nr. 2989 Reklamezeile 0.60 Mk. / Bei Rechnungsstellung NachSrnck -er mit * versehenen Artikel nur mit chgrUenangad» .ZulSarr flnz»is»r"s«ftakkt. hat Zahlung innerhalb 8 Tag n zu erfolgen.

Fulda, Freitag, 24. Juni

Jahrgang

Zwischen Lausanne und Eens.

Sieben Alilliarden Goldmark Abschlußzahlüng!

Frankreichs unmögliche Forderung an Deutschland.

Die privaten Besprechungen aus der Reparationskon- serenz wurden weiter fortgesetzt, ohne daß bisher noch ein Anfang sachlich klärender Beratungen oder ein Abschluß der Konferenz zu sehen ist. Reichskanzler von Papen empfing den belgischen Außenminister Hymans und den belgischen Finanzsachverständigen Franqui. Bon belgi­scher Seite wird versucht, zwischen der deutschen und fran­zösischen Regierung unter Anmeldung von S o n- der wünschen eine vermittelnde Tätigkeit auszuübcn. Die Überreichung der belgischen und sranzösischen Denk­schrift über die Reparationsfrage ist bisher noch immer nicht erfolgt, da bei der endgültigen Festlegung der fran­zösischen Vorschläge gewisse Meinungsverschiedenheiten innerhalb des belgisch-französischen Lagers zutage getreten sein sollen.

Jedoch bewegen sich die französischen Vorschläge nach allen Mitteilungen setzt in der Linie, dass der voll­ständige Zahlungsaufschub für Deutschland drei Jahre dauern und sodann die A b s ch l u st z a h l u n g Dentsch- lands durch einen internationalen Sachverständigen- ausschutz festgesetzt werden soll. Von französischer Seite wird hierfür immer noch ein Betrag von sieben Milliarden Goldmark genannt.

Die englische Regierung hat ihrerseits ihren Standpunkt in einer Denkschrift festgelegt, die Herriot über­geben worden ist. In dieser Denkschrift soll die englische Regierung an der grundsätzlichen Forderung der v o l l - ständigen Reparalionsstreichung festhalten, jedoch erklären, daß, falls eine Einigung hierüber nicht zu­stande kommt, die Abschlußzahlüng Deutschlands so gering gehalten sein müsse, daß hierdurch in keiner Weise eine J|d)ätH(utiHib^ Wirtschaft oder Versperrung deutsche- WlederaUfbanmöglichkeiten eintrete.

Es braucht heute nicht mehr betont zu werden, daß die deutsche Regierung nach wie vor alle derartigen Kompromitzvvrschlägc ab- lehnt.

Der Koover-Vorschlag und die deutsche Gleichberechtigung.

Deutschland bleibt fest.

In maßgebenden deutschen Kreisen betont man die außerordentliche Bedeutung des neuen AbrüstungsPlanes des Präsidenten Hoover, der als ein erster ent­scheidender Schritt aufs wärmste begrüßt wird. Man hebt besonders hervor, daß in der völlig verfahrenen und auswegslosen Lage der Abrüstungskonferenz der Vorschlag des Präsidenten Hoover eine völlig neue Lage

Jubel in Danzig.

9er beulte Flottenbesuch in Danzig.

Das deutsche LinienschiffS ch l c s i c n" ist auf der Danziger Reede cingctroffeu, wo cs vor Anker ging. Später trafen noch die beiden deutschen Tor­si c d o b o o t c T ISO und G 10 in Danzig ein. Der deutsche Generalkonsul Dr. Freiherr von Therman» begab sich zur Begrüßung an Bord derSchlesien". Das Linienschiff feuerte den S a l u t v o n 15 S ch ü s s c n. Darauf machte der Admiral in Begleitung seiner Flaggenleutnants an Land Besuche beim Danziger Scnntspräsidcnten, beim Danziger Vülkcrbundkommissar und bei dem Präsidenten bcö Hafcnausschusscs. Am Nachmittag erfolgten dann die Gegenbesuche.

Da die polnische Regierung durch ihren Berliner Ge­sandten ausdrücklich hat erklären lassen, daß sic den Besuch der deutschen Marine in Danzig nicht für ange­l' r a ch t erachtet und sich auch an ben Veranstaltungen an­läßlich des deutschen Flottcubesuchs nicht beteiligen werde, so findet der sonst übliche Austausch von Besuchen zwischen dem deutschen Admiral und dem polnischen diplo­matischen Vertreter in Danzig 3nm ersten Male nicht statt.

Begeisterter Empfang.

Der Begeisterung der Danziger hatte selbst schlechtes Wetter keinen Abbruch tun können. Mit jubc l n den Hochrufen wurden die deutschen Seeleute von den auf allen nur möglichen Schiffen entgegenfahrenden Danzigern begrüßt.

Als die Schiffe ans der Reede Anker geworfen hatten, nahm die Mannschaft zur Begrüßung der sic umkreisenden Misse und Segler P a r a d e a usstell u ng. Die Schiffs- lapelle intonierte ' das Deutschlaud-Lied, in das die Danziger begeistert einsielen.

Essen zu Ehren der deutschen Schiffe.

Am Abend gab die Regierung der Freien Stadt Danzig den Offizieren der deutschen Kriegsschiffe ein Essen. Der Präsident des Senats, Dr. Ziehm, hieß die Misse der deutschen Kriegsmarine und ihre Offiziere und Mannschaften herzlich willkommen und begrüßte ins- besondere auch die erschienenen Ehrengäste, an'der Spitze

geschaffen habe. Der amerikanische Vorschlag, der inhalt­lich nach deutscher Auffassung mit der italienischen Stellungnahme llbereinstimmt, würde im Falle einer tat­sächlichen Durchführung bereits zu der von der deutschen Regierung seit jeher geforderten weitgehenden Verminde­rung der Rüstungen und damit Verminderung der völlig untragbar gewordenen finanziellen Lasten für die Rüstungsausgaben führen.

Die Initiative des Präsidenten Hoover ist daher in deutschen Regierungskreisen mit großer Sympathie aus­genommen worden, jedoch wird als ganz selbstverständlich hervorgehoben, daß hierdurch die grundsätzliche deutsche Forderung aus Anerkennung der deutschen Gleichberechti­gung in keiner Weise berührt wird und die deutsche Re­gierung selbstverständlich in den weiteren Abrüstungsver­handlungen an dieser elementaren Forderung lebens­wichtigster deutscher Interessen weiter festhält.

Washington ist optimistisch.

Die amtlichen Washingtoner Kreise äußern sich trotz der französischen Kühle hoffnungsvoll über die Auf­nahme und die Aussichten des Abrüstungsplanes des Prä­sidenten Hoover. Die transatlantischen telephonischen Be­richte der amerikanischen Abrüstungsdelegation sind viel optintistischer als die Pressemeldungen. Der Abrüstungsplan wird auch in Kreisen des Kongresses günstig beurteilt, weil er die Streitkräfte der Vereinigten Staaten verhältnismäßig eher stärke als schwäche. In amerikanischen Regieriingskreisen wird der französische Sicherheitskomplex allgemein als hysterisch bezeichnet.

Der italienische Außenminister Grandi gab zu dem Hoover-Vorschlag eine Erklärung ab, nach der die italie­nische Regierung uneingeschränkt den amerika­nischen Plan in allen seinen Teilen bedingungslos und vollständig a n » i in m t.

Buch der sowjetrussische Außenminister Lit­winow begrüßte sodann den Vorschlag Hoovers, der in wesentlichen Punkten mit den sowjetrussischen Vorschlägen übereinstimme.

Der Reichskanzler bleibt in Lausanne.

Die Lage immer noch unverändert.

Herriot hatte eine mehrstündige Unterredung mit Macdonald. Es wird mitgeteilt, daß auch nach dem Ablauf dieser Unterredung sich k e i n e Ä n d e r u n g der Lage weder in der Reparationsfrage, noch in der öster­reichischen Anleihefrage ergeben habe. Gerüchte, nach denen der Reichskanzler Ende der Woche nach Berlin zu- rückkehreu soll, werden von zuständiger deutscher Stelle als unzutreffend bezeichnet. Die Rückkehr des Reichskanzlers Hänge von dem Verlauf der Konferenz ab.

den Danziger Völkerbundkommissar, Grafen Gravlna. Besonders groß sei der Dank und die Freude des Hospitals St. Jakob darüber, daß sich die deutschen Schiffe an den Veranstaltungen beteiligten, die ans An­laß des 5 0 0 jährigen Bestehe ns des H o s p i. t a l s für deutsche Seeleute stattfinden. Durch den Besuch der Kriegsschiffe, der bei alt und jung hellen Jubel aus-

Das deutsche LinienschiffSchlesien".

löse, bekunde die deutsche Flotte aufs neue vre innere, auf den Banden des Blutes, des Volkstums und der Kultur beruhendeBerbundenheitdesDeutscheN Reiches und des deutschen Volkes mit dem Fre mal Danzig und seiner Bevölkerung. Der Senatspräsident gedachte zum Schluß des deutschen Reichspräsidenten von Hindenburg, den Danzig mit Stolz seinen Ehrenbürger nenne, und schloß mit einem Hoch auf das Deutsche Reich und den Reichspräsidenten.

Namens der Offiziere der deutschen Kriegsschiffe er­widerte Konteradmiral Förster, der ein Hoch auf die Freie Stadt Danzig und den Senatspräsidenten aus- brachte.

Polen hetzi.

Aufregung in der polnischen Presse.

Das maßgebendste polnische RegierungsblattGazeta Polska" ist wie auch die gesamte polnische Presse der Mei­nung, daß der Besuch der deutschen Flotte in Danzig,der gewöhnlich ein Akt der Höflichkeit ist, zu einer unzu­lässigen Taktlosigkeit wurde, und zwar sowohl Polen als auch dem Völkerbund gegenüber, denn es ist eine Geringschätzung seiner Beschlüsse und Appelle, die zu einer Entspannung der Atmosphäre in Danzig bei­tragen sollten. Der Besuch der deutschen Kriegsflotte in der Freien Stadt, in der der Hohe Völkerbundkommissar seinen Sitz hat und der an der Entspannung der Atmosphäre arbeitet oder zum mindesten zur Arbeit be­auftragt zu sein scheint ist eine originelle Antwort auf diesen Appell".

Das ReSenyleis

Der Appell, ben der amerikanische Präsident Hoover in Genf an alle Völker gerichtet hat, ab zu rüsten, kommt fast genau ein Jahr nach der berühmten Erklärung des Hoover-Jahres. Bei beiden Schritten ba nbe lt es sich sicherlich um Vorgehen, die von hohem Idealis­mus getragen wurden, aber auch die berüchtigten vierzehn Punkte Wilsons zeigten bei ihrer feierlichen Verkün­dung diesen Idealismus. Was dann im Verlauf der praktischen Entwicklung daraus geworden ist, das spüren wir noch heute schmerzhaft am eigenen Leibe. Bei allen diesen amerikanischen Erklärungen zeigte sich und zeigt sich noch heute, daß sie erlassen wurden in Unkennt­nis der verwickelten europäischen Lage, und jedesmal ließ cs sich Frankreich nicht nehmen, sofort Wasser in den Wein amerikanischer Begeisterung zu gießen. Auch jetzt wieder ist es der französische Kriegsminister, der als erster den Abrüstungsvorschlag glatt ablehnt. Die französische Regierung bleibt uneingeschränkt auf ihrem bisherigen Standpunkt, daß ohne Sicherheitsgarantien eine Lösung des Abrüstungsproblems nicht denkbar ist. Zu diesen Sicherheitsgaranlien gehört bekanntlich die Auf­rechterhaltung der militärischen Entmannung Deutschlands, wie sie der Versailler Vertrag gebracht hat. Ta Deutschlands Hauptkamps auf der Abrüstungskon­ferenz auf die Wiederherstellung der Gleichheit in den Rüstungen mit den anderen Ländern gerichtet ist so ist klar, daß eine Entwicklung der Abrüstungsverhandlungen auf der Linie der Hooverschen Vorschläge die deutsche Forderung völlig unberücksichtigt lassen würde. i. n auch die Botschaft Hoovers von der Reichsreg icrur . grüßt worden ist, weil sie das große Verdienst ; -

Abrüstungskonferenz einen neuen Impuls zu Den c wird die deutsche Delegation doch scharf dm ackucu müssen, daß bei der neuen Verhandlungsbasis in G nj nicht ihre Forderung nach Gleichberechtigung in die zweite Linie gedrängt und als weniger wichiig behandelt wird. Wahrscheinlich wird cs den amerika­nischen Vorschlägen so ergehen, wie cs bisher allen Vor­schlägen von anderer Seite erging: sie werden zur Nach­prüfung ihrer technischen Durchführbarkeit den Kom - Missionen überwiesen werden, wo dann der bekannte endlose Streit um Worte und Begriffe einsetzen wird, der jeder tatsächlichen Feststellung ängstlich aus dem Wege geht. Von der deutschen Gleichberechti­gung spricht Hoover in seiner Kundgebung überhaupt nicht, ja man müßte fast annehmen, daß er den jetzigen Zustand Deutschlands als einen unabänderlich gegebenen ansieht, wenn er die Deutschland eingerâumten Streit­kräfte als Maßstab für eine entsprechende Regelung in den anderen Ländern anspricht.

Auch von der Regelung der politischen Schul­den ist in der amerikanischen Botschaft nicht die Rede, aber die allgemeine Meinung geht doch dahin, daß die Erfüllung der amerikanischen Abrüstungsvorschläge die Bedingung darstellt, an die Amerika ein eventuelles Nachgeben in der Schuldenfrage knüpft. Hoover will sich durch die Ausstellung dieser Bedingungen, von denen er genau weiß, daß ihre Behandlung sehr sehr lange Zeit in Anspruch nehmen wird, anscheinend vor einer bal­digen Entscheidung in der Schuldenfrage drücken, die er jetzt vor den amerikanischen Wahlen nicht wagen darf. So lange wie die endgültige Entscheidung der Mächte über Annahme oder Ablehnung der Bedingungen dauern wird, dauert keine Präsidentenwahl. Zeit gewonnen, alles gewonnen!

So würde der Vorschlag Hoovers, aus der Per­spektive Deutschlands betrachtet, mit seiner Verknüpfung von Abrüstung und R e p a r a t i o n e n eine durck- aus unerträgliche Verschleppung der deutschen Forde­rungen auf Reparationsstreichung und Gleichberechtigung bedeuten. Eine solche Verzögerung der Klarstellung der wirtschaftlichen und politischen Stellung Deutschlands im Konzert der Völker ist aber untragbar? Schon droht zum zweiten Male von Wien aus das Krisengeschwür aufzu­brechen. Nach dem Zusammenbruch der Kreditanstalt das M o r a t o r i u m, das fortzeugend Böses gebären müßte.

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^kisic 3£»tun$ für eilige X.^f^r

* Der deutsche Flournvefuch in Danzig crsi.gn unter den: begeisterten Jubel der Danziger Bevölkerung.

* Der Reilyscrnähruugsminister machte vor dem Deutschen Landwirtschaftlichen GcnoffenschafiStag in Dresden bcmcrlcns- wcrle Ausführungen über die neuen Wege der Agrarpolitik der Regierung.

* An der mexikanischen Küste sind bei einer Springflut 50 Personen ums Leben gekommen. Etwa 500 werden noch vermißt.