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Untertialtungsblalt

Das schlafende Schiff.

Skizze von Susanne T o r n w a l b f.

Jürgen Jürgensen zog dem Ueberlandweg die kleine See­reise vor. Freilich war es schade, daß die Ueberfahrt haupt­sächlich des Nachts vor sich ging Aber immerhin — war der Himmel freundlich, so genoß man Sonnenuntergang und Sonnenaufgang und hatte zwischendurch, in Stunden besinn­lichen Wachseins, das seltene Gluck, in die Sterne zu sehen. Darum beschloß Jürgen Jürgensen auch keine Kabine zu nehmen, sondern die Nacht über an Deck zu bleiben.

Der Tag war im Verklingen. Man stand an der Reling und sah der Sonne zu, wie sie rund und rot zu den langen, schmalen Wolken sich herabsenkte, die über dem Horizont auf sie warteten. Die langen, schmalen Wolken wurden zu durch­scheinendem Gold, als die Sonne sie erreichte, ein wenig hinter ihnen verweilte und dabei ihre naturgegebene Rund­heit in die Länge zog, so daß sie nun einer riesigen glühenden Base glich, die rasch immer niedriger und mit einem Ruck hinter dem Horizont verschwand. Dann wurde es dunkel.

Nun war cs dunkel.

Jürgen Jürgensen ging hinab, aß zu Abend und blieb noch in der Rauchkajüte, um bei Zigarre und einem Kognak die bewärmende Vorbereitung für die kühle Nacht an Deck zu treffen.

Jürgen Jürgensen Pflegte sich seine Reisen zu kürzen, indem er seine Mitmenschen still für sich nach Beruf, Tempe­rament, Zusammengehörigkeit bestimmte. Hier entnahm er aus Bruchstücken des Gesprächs, daß es sich um den Besuch einer wissenschaftlichen Tagung handelte, die wichtig genug war, um daheim keine Behinderung gelten zu lassen. Es handelte sich also um Gelehrte, und bald unterschied er zu seinem eigenen harmlosen Vergnügen im einzelnen: den Temperament- vollen, den Kritischen, den Zustimmenden, den Müden, den Sachlichen und einen, den er kurzweg den Unbeteiligten nannte, weil er in sich gekehrt, gleichsam losgelöst von "den andern, blicklos vor sich hinsah. Ab und zu führte er das Glas zum Mund, dann warf der dunkle Wein rubinrote Reflexe auf seine magere Hand. Es war ein Mann unbestimmbaren Alters, hager, blaß und mit finsteren, traurigen Augen.

Die Unterhaltung hatte sich nun vom Fachtechnischen den landschaftlichen Schönheiten des Tagungsortes zugewandt, die einige der Teilnehmer bewogen, die sachliche Fahrt mit einer Familienreise zu verknüpfen. Da erschien auch schon ein kleiner reizender Blondkopf in der Kajüttür, ein Mädelchen von sechs Jahren so etwa, sah sich suchend um und schoß eil­fertig auf den „Temperamentvollen" zu, der sich als ihr Vater erwies.

Sie hatte ihm triumphierend die Botschaft zu bringen, alle Kabinen seien belegt und die Sofas der Salonkabine ebenfalls und sie würde nun in einer Hängematte — in einer ganz richtigen Hängematte auf dem Promenadendeck schlafen. Der außergewöhnliche Glücksfall brachte die Kleine ganz aus dem Häuschen, alle lachten und scherzten mit ihr und sie ging unbefangen und ohne Schüchternheit darauf ein.

Der „Unbeteiligte" war aus seiner Versunkenheit erwacht und sah mit einem Ausdruck, der sein hageres, hartes Gesicht eigentümlich wandelte SW verklärte, in das lustige Kinder­gesicht. Selbstvergessen reckte er die Hand, um sie zu sich heran­zuziehen. Sie aber erschrak vor dem"bleichen, seltsamen Mann, ciß sich los und lief eilig hinaus.

Jürgen Jürgensen stand auf, zahlte und ging zum Boots- Seck hinauf. Man begann in den Kajüträumen und auf dem geschloffenen Promenadendeck zur Nacht zu rüsten. Aber noch war es lebhaft wie in einem Bienenstock. Stewards liefen mit Biergläsern und Teegerät, und da der Abend schön Ivar, so gab es auch an Teck noch reichlich viel Leben und Unruhe. Also zog Jürgen Jürgensen mit seinem Liegestuhl hinter eines der Boote, um zwischen Reling und Bootwand, vom Licht und den Menschen geschützt, See und Himmel ungestört für sich zu haben.

Nach und nach wurde es still. Stimmen vom Achterdeck herauf klangen müder und verstummten. Bald war nichts als das Rauschen der Bugwelle und das einschläfernde Stoßen der Turbinen in der klaren Dunkelheit. Jürgen Jürgensen wickelte sich in seine Decke, lag zurückgelehnt und außerordentlich zufrieden mit dieser bettlosen, ungewöhnlichen Nacht und sah in die Sterne. Bei dem leisen, nahezu un­fühlbaren Wiegen des Dampfers schienen sie um den Mast herum sanft und losgebunden im Himmelsraum zu schwim­men. Er empfand das als etwas unendlich Beruhigendes.

Ter Türmer.

Eine Geschichte von Ludwig Bäte.

Die Stadt, die in den Jahren der Geldentwertung sein Amt ausgehoben hatte, ist zu dem Jahrhunderte alten Brauch zurückgekehrt; man bat von allen Seiten, Sankt Marien nicht ohne seinen Wächter zu lassen.

Ich besuche ihn. Er lehnt an der Brüstung des Um­gangs und schaut geruhig auf den Markt, wo man gerade die Buden zum morgen beginnenden Jahrmarkt aufbaut. Sein Horn hängt an einem der dünnen Eisenpfeiler, in einem an der Wand angebrachten Kasten piepen junge Tauben.

Man sieht weit über die Dächer ins Land. Berge kommen violett auf, der Strom glänzt rauchig in der frischen Frühe, eine Zugfahne verfließt.

„Schön, nicht?" meint der Alte zufrieden und schiebt seine kurze Pfeife in den andern Mundwinkel.

Ich nicke. Die Sonne dringt durch.

„Nun müssen sie nach rechts gehen!"

Ta liegt das Kirchendach unter mir. Das neu ein- gedeckte Kupfer glänzt herrlich, und der Morgentau funkelt. Die Wimperge und Fialen, die Krabben und feierlichen Giebelfiguren werden wach, wie phantastisches Fabelgetier spielt alles ineinander, von den leise und wohlig anrauschen­den Fluten von Licht und Wärme gewiegt. Und tief von unten summt ein Orgelsatz selig heraus.

„Man hat die Menschen nicht nötig, wenn man hier oben zu Hause ist", spintisiert der Türmer vor sich hin. „Nachts aber ist es am schönsten. Wenn dann der goldene Wagen seine Deichsel herüberdreht, wenn der Mond mich anisucht, fehlt mir nichts, und auch das bißchen Schlafen entbehre ich gern. Um neun kommt die Ablösung. Meistens aber bleibe ich wach.

Sie wollen wissen, wie ich zu diesem Amt kam? Nun, das Leben hat mir genug Trübes gebracht, und Angehörige habe ich nicht mehr. Da bin ich hierher gezogen; es drängte sich auch keiner zu meinem Posten. Was ich unten aufgab, fand ich hier oben wieder. Oder noch mehr, wenn Sie wollen."

Tie Uhr holt zum Schloge aus. Tas Gebälk bebt leise nach, indessen die Schläge schwer in die Tiefe fallen.

„Sehen Sie", fährt er still fort, „hier lernt man die Zeit verstehen. _ Wenn ich die Tauben gefüttert und meine kleine Stube besorgt habe, ist eine Stunde herum und, sobald

Jurgen Jurgensen machte auf, wen seine Decke oer Kühle der Nacht nicht gewachsen war. Er fror. Ungern und ein wenig steif tastete er mit dem Arm ans seiner Um­hüllung, reckte ihn vom Bootschatten in diè. Scheinwerferhelle des Mastlichts, um nach der Uhr zu sehen. Es war eine Stunde nach Mitternacht.

Ueber ihm stand groß und sehr klar das Sternbild des Großen Bären. Wind war vom Nordosten anfgekommen und blies gerade in sein Versteck. Er schälte sich aus seiner Decke, um ans dem Handkoffer, den er im Salonkajütraum unter eines der Sofas geschoben hatte, etwas Bewärmendes sich zu holen.

Als er hinter dem Bng seines Rettungsbootes auftauchte, sah er, daß nicht er allein hier auf dem Oberdeck geschlafen hatte. Steuerbordseits stand ein anderer Deckstuhl, auch im Schatten der Bootwand, aber nicht so verborgen, daß man darauf eine achtlos zurückgeworfene Decke und eine geöffnete Handtasche nicht hätte erkennen können. Ueber das tan­beglänzte Deck aber glitt langsam, vornübergebeugt, die magere, dunkle Gestalt des Freniden, des „Unbeteiligten" von der abendlichen Tafelrunde im Ranchsalon.

Nun stieg Jürgen Jürgensen unbemerkt hinter dem andern die Decktreppe und die Treppe zum Promenadendeck hinab. Wie der Mann vor ihm, ging er behutsam, um die Schläfer nicht zu stören und war im Begriff, in die Salon­kajüte abzubiegen, als er zögernd stehen blieb, um zu sehen, was der Fremde Merkwürdiges im Sinn habe.

Das Promenadendeck war jetzt, als improvisierter Schlaf­raum, absonderlich und beinahe ein wenig unheimlich: Die menschenerfüllte Stille, die zielbewußte Unordnung, in der die Liegestühle nebeneinander und durcheinander standen, zwischen Schiffsbänken und aneinanderkomponierten Klapp- stühlen, während darüber, wie die Fledermäuse, an dünnen Schnüren, körperbeschwerte Hängematten von der Decke baumelten.

Die Vielen Menschen im tiefsten Nachmitternachtsschlaf auf engem Raum eng nebeneinander, in ihre Decken und Mäntel gewickelt und unbekümmert um Schön und Häßlich, um Alter, Lebensstellung und Beruf in dem mondscheinblassen Licht der grünverschleierten Deckenlampen. Einfache und elegante Menschen. Junge — alte Menschen — Kinder.

Rätsellose und ruhevolle Gesichter und andere, deren Geheimstes diese Stunde preisgab.

Denn niemand vermag im Schlaf anders sich zu geben, als er ist, und kein Wille beeinflußt den Ausdruck von Gut und Böse, Freude und Leid.

Es war nicht zu verwundern, wenn Jürgen Jürgensen stehen blieb und mit Erstaunen, dann mit einer gewissen Besorgnis der düsteren Gestalt des Fremden nachblickte, der zwischen Stille und Stühlen entlangschlich, prüfend um sich sah, zögerte, weiter schlich und sich besonders für den Inhalt der Hängematten zu interessieren schien.

Jürgen Jürgensen hatte vergessen, weshalb er gekommen war und ging leise hinterher. Die Nacht, die Stille — gleichsam unterstrichen vom gleichförmigen Stampfen der Maschinen — diese ganze ungewöhnliche Umgebung wirkte zusammen, um den unheimlichsten Vermutungen Raum zu geben. Gespannt verfolgte er jede Bewegung des Mannes, der da mit einem kleinen unkenntlichen Gegenstand unter dem Arm vor ihm herschlich.

Der schien gefunden zu haben, was er suchte. Sorgsam stieg er über Handgepäck und vorgereckte Beine und beugte sich über eine Hängematte. Kurze Zeit stand er unbeweglich, zog den geheimnisvollen Gegenstand hervor und war im Begriff, in die sichtdeckenden Leinenwände der Matte zu langen, als Jürgen Jürgensen mit raschem Griff die Hand ihm auf die Schulter legte. „Was wollen Sie...?" Er flüsterte, aber es klang kurz und schroff. Er sah ein schlafendes Kind, durch die Berührung leise geschaukelt.

Ter Fremde richtete sich auf und der Gegenstand in seiner Hand erwies sich als ein lustiger, weißer Teddybär. S

„Was — wollten Sie — —" wiederholte Jürgenser verwundert und etwas verlegen. Der Mann hatte sich un­willig umgewandt — nun sprang ein kleines Lächeln in dem Waffen Gelickt auf^— solch ein scheues, kleines Lächeln. Sorg­sam legte er den Teddy in des Mädchens Arm, das herum­schnellte, aber gleich wieder in seinen tiefen Kinderschlaf fani und das Spielzeug fest an sich drückte.

Er sah sie lange an, stieg dann ebenso vorsichtig wie vorher über die wegsperrenden Dinge und bat mit einer Be­wegung Jürgen Jürgensen ihm nach oben zu folgen. Aus dem etmamen. spiegelnden Deck blieb er sieben und wartete

meine Schreibarbeit getan, eine weitere. So reiht sich die eine an die andere, aber ich höre jede, und Von allen bleibt ein Nachhall zurück. Es ist schon wahr, wenn man da unten sagt, die Stille redet. Nur kennt man sie meistens nicht."

Eine Glocke beginnt ihr dunkles Grave. Eine zweite drängt sich vertraulich näher. Nun wogt der Turm schütternd tm Schall. — „Sie begraben einen. Ich habe ihn gut gekannt; er kam manchmal zu mir, wenn er nicht mehr ein noch aus wußte. Nun ist er ganz bei mir. Denn alles, was stirbt, will hinauf und macht bei mir freundlich halt. Sie haben mein Amt eine Zeitlang aufgegeben, es dann aber wieder eingerichtet. Sie können das einsame Licht meiner Laterne und mein Morgen- und Abendlied nicht entbehren. Und das macht niich froh. Denn nirgendwo ist das Gute tot; es will nur gerufen werden."

Die Glocken dröhnen, die Luft strömt. Ein altes Wort quillt in mir und läßt mich nicht zur Ruhe kommen: „Du, Turm, aber stehe als ein Zeuge, daß wir dunkel fühlen, was wir waren vor dieser Zeit, und daß wir noch ringen nach un­endlichem Ziele."

Hinein fällt die göttliche Oberstimme von Goethes Lynkeus: Zum Sehen geboren,

Zum Schauen bestellt, Dem Turme geschworen, Gefällt mir die Welt.

Ich gebe dem Alten die Hand. Er winkt und schaut in die unendliche Ebene, die sich wie ein Teppich breitet, auf dem seine Seele stumm niederkniet und sich fräftigt, das flutend hereinrauschende Ewige zu verstehen und zu ertraaen.

Der Einfluß des Wetters auf die Gliederschmerzen.

Von Professor Dr. Walter Anderssen- Berlin.

Es ist lange bekannt, daß viele Personen, die an sogenannten rheumatischen Beschwerden leiden, angeben, das ihre. Schmerzen bei schlechtem Wetter zunähmen. In jedem Dorf wird man eine alte Person, männlichen oder weiblichen Geschlechts, finden, die mit Bestimmtheit versichert, daß sic auf Grund ihrer Gliederschmerzen das Wetter Vorhersagen könne. Diese Behauptungen treten so häufig und mit solchem Nachdruck auf, daß einige der Mavoklinik in den Vereinigten

„Sie sieht aus wie mein totes, kleines Mädchen" er Vorsichtig, indem er an ihm vorüber in die helle Nackt

— „sie sieht aus wie die kleine Ruth, die so lachen konnte daß die Welt hell davon wurde. Es war gut, dieses KinZ anzusehen — ich habe ihr Ruths Teddy gebracht — wenn aufwacht, wird sie lachen, wie Ruth gelacht hat..." 11 . Der Fremde lehnte sich mit zurückgestützten Armen auf die Reling. Er sah nicht mehr finster aus. Sein Gesicht sehr blaß, sehr freundlich und sehr traurig.

Der Dampfer schaukelte ein wenig stärker. Um den Mast schwammen die Sterne sanft und losgebunden Himmelsraum.

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Der Wein blüht.

Jni Gasthaus des kleinen Winzerdorfes sangen die späten Zecher. Von überall hatte sie der Rhein- unb Weinzauber hergeführt. Trotz vielerlei Zungen klang es fröhlich in den Abend hinaus: „Nur am Rhein..."

Die Winzer standen am Türpförtchen ihrer Höfe, ihre Frauen saßen auf den breiten Steintreppen, und ihr Herz sang den Frohsinn mit, der sich aus den weinfeuchten Kehlen in die schwüle Dämmerung schwang.

Berühmte Männer waren in dem weitbekannten Gast­haus Versammelt. Aber heute war jeder nur Mensch und duzte den Nachbarn; die Hände schlangen sich immer wieder ineinander, als sollte es ein ewiger Bund werden. Der Wirt schmunzelte. Sein Töchterlein konnte den Herren nicht schnell genug die Becher füllen.

„Silentium!" Der fünfundachtzigjährige Altwinzer Jakob hatte cs gerufen. Er war aufgesprungen. Sein weißes Haupt ragte über alle Zecher empor. Vorgeneigt blickte er durch bie geöffneten Fenster zu den Bergen hinaus.

Im violetten Dunkel lag die Ferne. Auf den Rhein- wiesen brauten die Nebel. Die Linden vor dem Hause flüsterten im fächelnden Nachtwind. Die alte Kirchenuhr hob rasselnd zum Schlage an. Zehnmal klang es metallen in die schweigende Stunde. Und noch immer stand der Alte und lauschte, und der Kreis rundum schwieg.

Wie von Schritten, schweren Stiefeln, mit Nägeln be­schlagen, im eilenden Lauf kam es die Gasse herunter, kletterte an dem Fenster des Gasthauses empor, steckte den Flachskopf in die Stube und rief mit knabenfrischer Stimme: „Großohm, Großohm, der Wein blüht, im Herrgottswingert hängt das ganze Geschein' schon voll. Großohm, Gutnacht, Großohm!" Und lief schnell nach Hause.

Das war des Altwinzers Jakob Urenkel gewesen. Ueber den Greis kam es wie über einen Propheten des Herrn. Er hob sein Glas: „Der Wein blüht! Der Wein blüht! Rich Jhr's noch nicht, Ihr Herren?" Er sog den süßen Duft ein, und alle atmeten mit. „Wie Weihrauch, wie Linden, wie Ros­marin, wie das Rheinwaffer, wie der Erdboden. Das alles saugt die Rebe in sich, heute nacht den Dunst, den die Erde braut, morgen das Gold, das die Sonn' schickt." Er hob das Glas. Die andern taten's ihm nach. „Himmel und Erd', hier kommt's zusammen" — er deutete auf den perlenden Wein im Glase — „Himmel und Erd', ich trink's in mich hinein." Und leerte das Glas in einem Zug. M

Ehe die Zecher alles recht begriffen hatten und eben das „Hoch, Hoch, Hoch!" rufen wollten, war der Greis über den Tisch gesprungen. Er ergriff des Wirtes Tochter, schwenkte sie siebenmal im Tanze, und hob das flinke, leichte Ding in die Höhe: „Der Wein blüht, juchhe, der Wein blüht. In dem Keller rumort 's, in den Bergen duftet 's, im Herz jauchzt 's. Es lebe der junge Wein! Juchhe!" Stehend stimmten alle ein, das Mädchen goß ein Glas des Edelsten ein und brachte es dem Alten: „Und der alte Wein auch!"

Das Singen und Klingen aus der nächtigen Stube hob sich über die neigenden Wipfel der Linden, streichelte flüsternd die spitzen, mondscheingebleichten Giebel der Winzerhäuser und vermählte sich im blühenden Gescheine mit dem Duft der Blütenglocken.

Ein süßes Erschauern ging über die Reben in all den Bergen, die Wurzeln saugten tief aus der Finsternis der Erde, was sie ihnen gab: Kraft, Herbe, Stärke. Aus den Blättern träufelten des Tages Sonnengold und Sonnensüge in die neue Rebe, der Nachtwind gab seine Milde, die Sterne schenkten ihre Lieblichkeit, und der Rhein lieh seine Zauberkraft.

Drunten im Gasthaus aber sprach der Altwinzer JaM, der soeben erzählt hatte, wie der Herrgott die Rebe geschossen'. „So etwas Edles ist der Wein. Wer sich daran erhebt, dem glänzt er noch schöner, reiner; wer sich damit beschmutzt, macht das Edle aemein." _______________ - —

Staaten von Amerika angehörende Forscher sich entschloss haben, eine wissenschaftliche Untersuchung über diese An­gelegenheit anzustellen. Schon Hippokrates hat bemerkt, oat Leute, die an Orten leben, wo kalte Winde vorherrschen, leichter gewisse Krankheiten erwerben als Personen, o solchen Witterungsunbilden nicht ausgesetzt sind. I" letzten 150 Jahren haben Viele Forscher versucht, MMN Schwankungen des Barometerstandes sowie RcgenfaUen bem Auftreten gewisser Entzündungen einen Zusamnienyau nachzuweisen. Die Forscher der Mayoklinik haben W >f( yindurch einerseits den Barometerstand und andererseits nach einer bestimmten Skala berechnete Stärke der Schme z ihrer Patienten ausgezeichnet. Ferner haben sie sich W » darüber gemacht, ob das Wetter klar und sonnig, oder o Himmel bewölkt war, und ferner, ob Regen ober Schn l ..... Dabei stellte sich heraus, daß Sturn

Schmerzen ihrer Patienten zugleich

stattgefunden hatte. Dabei stellte sich heraus, daß : immer mit erhöhten Schmerzen ihrer Patienten zugum) trat, und daß sich die meisten Patienten an sonnigen J am wenigsten über Schmerzen beklagten. Am auffalle 11 war die allgemeine Besserung, die bei einer bai j Schönwetterperiode einträt. Auch die Zunahme der schmerzen bei herannahendem Sturm trat biswen» l augenfällig in die Erscheinung. So berichten die » J f über einen sonnigen Morgen, an dem sich zu i a Kranken, die an Gelenkentzündung litten, m vo â u ^ Verfassung befanden. Vom frühen Nachmittag a r"incr aber ein Patient nach dem anderen um Linoer i i ^ar Schmerzen zu bitten, obwohl der Himmel noch « » oUf. war. Am Spätnachmittag zog plötzlich ein .. Hb eines Im ganzen haben die Forscher der Mäyoklimk t l ^ sind Jahres 367 Kranke in dieser Weise untersuch • ^mierzen sie zu dem Ergebnis gelangt, daß bei ..„„wmen. Bei deutlich mit dem Tiefstand des Barometers 5 ^rhanpt 21 % war es gerade umgekehrt Nur 7 /» und den keinen Zusammenhang zwischen dem Baron fischen ^m Schmerzen erkennen. Der Ziffammenhang âchmerzen be- Eintritt von Sturm und der Zunahme ^feuchtigkeih staub sogar bei 90 %. Ein Einfluß der «ufff guft an Temperatur unb der elektrischen Span in 8 ^ aber nicht die Schmerzen ließ sich nicht nachweisi , y^gnben sin behauptet sein soll, daß ein solcher nicht

könne.