Zul-aer Anzeiger
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Kritische Tage.
Reue Spannung zwischen Reich und Ländern.
Zwischen dem Reichsinnenminister von Gayl und den Innenministern der deutschen Länder finden am Mittwoch neue Besprechungen zur Beilegung des Streites um Uniform- und SA.-Berbot statt. Ter Besprechung legt man in politischen Kreisen größtes Gewicht bei.
Über die Absichten der Reichsregierung in dieser Sache hört man folgendes: Man ist in den Kreisen der Reichsregierung der Auffassung, daß die allgemeinen Uniformverbote in B a y e r n und Baden über das, was den Ländern im Rahmen ihrer Polizeihoheit zusteht, Hin- ausgehcn und glaubt, in der Besprechung die Länder auch von dieser Tatsache überzeugen zu können. Es ist beabsichtigt, den Ländern eine kurze F r i st für die Aufhebung der Uniformverbote zu stellen, damit sie Gelegenheit haben, Übergangsmatznahmen zu schaffen. Sollte auf dieser Grundlage ein Einverständnis mit den Ländern nicht erzielt werden können, so hat man die Absicht, die Frage des Uniformtragens allgemein reichsgesctzlich zu regeln, und zwar
durch eine neue Notverordnung
In dieser Notverordnung würde zum Ausdruck kommen, daß allgemeine Uniformverbote nur vom Reich erlassen werden können. Für die Länder würde im einzelnen bestimmt werden, ivann und in welchem Umfange sie in einzelnen Fällen selbständig vorgehen können. Man spricht auch von der Verhängung des Ausnahmezustandes über das ganze Reich.
Ter Besprechung dieser Angelegenheiten galt auch eine Unterredung, die der Reichsinnenminister mit Führern der NSDAP, hatte. Sie haben bei ihm darüber Beschwerde geführt, daß die Länder das Uniformverbot nicht auf- bcben. Bei den Besprechungen mit den Ländern sollen übrigens auch die Z usammenstö ß e zur Sprache kommen, pie sich in den letzten Tagen ereignet haben, wobei cs sich offen zeigte, daß die K o m m u n i st e n bei den Überfällen ganz planmäßig voraeben.
Wieder Landiagskrife.
Der Preußische Landtag tritt am Mittwoch, dem 22. Juni, erneut zusammen. Zunächst einmal mit der Aufgabe, die Wahl des Landtagspräsidentcn, des Nationalsozialisten Kcrrl, zu bestätigen. In Verbindung damit sind schon allerhand Alarmgerüchtc auf- getaucht.
So heißt es u. a., die Sozialdemokraten wollten unter allen Umständen diese Bestätigung unmöglich machen, und zwar durch ein Zusammengehen mit den Kommunisten. Die Kommunisten haben auch schon ihre Bedingungen wissen lassen; sie fordern Freigabe des Rundfunks für die KPD. und die Nichtdurchführung der Reichs- notverordnungen in Preußen. Selbst wenn die SPD. solche Bestimmungen annehmen wollte, so ist es gänzlich ausgeschlossen, daß sich das Zentrum auf irgendwelche Abmachungen mit den Kommunisten einlassen könnte. Man spricht auch davon, daß es zu einer neue »Auflösung des Preußischen Landtags komme. Das Recht zur Auflösung steht bekanntlich einem Dreimännerkollegium zu, in hem der Landtagspräsident, der preußische Ministerpräsident und der Präsident des Preußischen Staatsrates sitzen, -ein Nationalsozialisten Kerrl stehen ein Zentrumsmann und ein Sozialdemokrat gegenüber. Eine Mehrheit wäre also schon da, aber ob augenblicklich auch der Mut zu einem solchen Beschluß beim Zentrum und bei der SPD. vorhanden ist, wird doch ganz allgemein bezweifelt.
Die nächsten Maßnahmen der Reichsregierung.
Neue Notverordnungen nach der Rückkehr des Reichskanzlers
Nachdem durch die beiden ersten Notverordnungen nur eine Glattstellung der von der Regierung Brüning zurMgelassenen schwierigen Finanzlage erfolgt ist, wird das Reichskabinett nach der Rückkehr des Kanz - 1 c r * und der Minister aus Lausanne wichtige positive Maßnahmen durchführen. Die entsprechenden Vorarbeiten werden bereits in den betreffenden Ministerien geleistet.
Tie Verabschiedung des Rcichshaushalls durch Notverordnung mutz bis zum 30. d. M. erledigt sein. Schwierigkeiten sind dort nicht mehr zu erwarten. Der Reichshaushalt wird in wenigen Tagen bereits vom Reichsrat verabschiedet sein, so daß man unter Umständen noch für Ende dieser Woche bzw. für Anfang nächster Woche unmittelbar nach der Rückkehr von Papens die bc- trcfscnde Notverordnung erwarten kann. Als wichtigste .'lufgabc kommt dann die Frage der A r b e i t s b c s ck â s - s u n g und der Siedlung in Betracht. Die größten Schwierigkeiten macht hier die Frage der Finanzierung des Programms, da im Reichshaushalt nur unzulängliche Summen vorgesehen sind. Der Gedanke einer Prämienanleihe soll nicht wieder auf. V griffen werden, da man sich von einer solchen Anleihe nichts verspricht.
In der Frage der Siedlung
' Mte man sehr viel weniger weit gehen, als $s frühere Kabinett es beabsichtigte. Die von Brüning »eplante Enteignung großer Mter un Osten wird die
neue Regierung nur in erheblich geringerem Umfange durchführen, weil sie auf dem Standpunkt steht, daß
alle Gutsbetriebe, die noch gerettet werden können, auch gerettet werden muffen.
Unter allen Umständen soll vermieden werden, daß eine große Zahl von Gütern durch den Konkurs getrieben werde, weil in diesem Fall ja nicht nur die betreffenden Landwirte betroffen würden, sondern alle Gläubiger, d. h. also Sparkassen, Händler, Gewerbetreibende, Handwerker, erleiden große Verluste. Wenn das dazu führen würde, daß sogar Sparkassen und Genossenschaften ihre Schalter schließen müßten, würde es zu einer unübersehbaren Not- lage in den betreffenden Gebieten kommen.
In der Frage der Arbeitsbeschaffung
denkt man daran, führende Männer auf diesen Gebieten zu einem Ausschuß zusammenzurufen, um auch deren Ansicht zu hören. Der von einer Berliner Zeitung bereits genannte Oberst Hierl von der NSDAP, wird sicher zu diesem Ausschuß gehören, es sollen aber in gleicher Weise auch Persönlichkeiten aus anderen politischen Lagern hinzugezogen werden.
Auch die Frage der organischen Umgestaltung der sozialen Fürsorge wird in Angriff genommen werden.
Der Kampf um die Voxweltmeisterfchast.
Schmeling gegen Sharkey.
In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch stand im Ring der Madison Square auf Long Island bei Rewvork Mar Schmeling gegen Jack Sharkey im Kampfe um die Boxweltmeistersckaft. Vor zwei Jahren, als Schmeling uno Sharkey fiep zum ersten Mal gegenüber, standen, sollte der Amerikaner als Nachfolger Tunneys die Weltmeisterschaft übernehmen. Tie ersten 3 Runden sprachen auch für einen Sieg des Amerikaners, aber in der 4. Runde unterlief ihm ein Tiefschlag, und der Titel kam an Schmeling. Die Angelegenheit hat .damals in
Schmeling. Sharkey.
Amerika ein ungeheures Aussehen erregt. Daß wieder etwas Ähnliches passiert, erscheint ausgeschlossen. Man hat einen angeblich t i e f s ch l a g s i ch c r e n Schutz eingeführt, Tiesschlägc werden nicht mehr anerkannt werden.
Beide Borer traten in hervorragender Form zum Kampf an. Schmelings Gewicht betrug etwa 160 Pfund, Sharkey wog ungefähr fünf Pfund mehr. Beide Gegner haben viel und hart trainiert.
Tie Zuschauertribünen waren für 72 000 Persone» hergerichtet worden, wobei man mit Einnahmen bon 300 000—400 000 Dollar rechnete. Die Unkosten betrugen 43 000 Dollar, wozu noch die Arenamicte mit 40 000 Dollar kommt. An die beiden Borer kommen etwa 200 000 Dollar zur Verteilung. Ein Viertel der Einnahme muß der sogenannte Milckfonds erhalten, der in Amerika zur Steigerung des Milchabsatzes besteht.
Sharkey Weltmeister.
Ein ungerechtes Urteil des Schiedsgerichts!
(Eigene Funkmeldung.)
N c w y o r k, 22. Juni. In einem unerhörten, mit aller Erbitterung auf beiden Seiten geführten Kampf gewann am Dienstag vor 80 0 0 0 Zuschauern im neu erbauten Freilichtftadion auf Longisland bei Newyork der Amerikaner Jack Sharkey die Weltmeisterschaft im Schwergewicht und entthronte damit den deutschen Titelverteidiger Max Schmeling. Das Urteil entsprach aber keineswegs dem Kamps verlauf, obwohl das Schiedsgericht mit 2 zu 1 Sharkey zum Sieger erklärte. Bei Verkündung des Urteils brach ein stürmischer Protest st u r m der Zuschauer aus, die allgemein Schmeling als Sieger erwartet hatten.
Der Verlauf des Kampfes.
Unter den Zuschauern sah man den deutschen General- ^oniul Schwarz und Oberbürgermeister Walker Ja der Arena herrschte das der solche" Anlassen gewohnte lebhafte Treiben; Uebcrall aufgeregte Zuschauer, unter denen
Die zweite Notverordnung bat nur die finanzielle Grundlage für den weiteren Fortbestand überhaupt gesichert. Jetzt sollen durch Verwaltungsvcreinfachung weitere Ersparnisse erzielt werden. Tabei denk: ma ' zunächst nicht daran, irgendeine Form der Versicherung oder iraendeine Art der Klaffen aufzuheben, sondern man will z. B. die Anzahl der verschiedenen Kaffen vermindern.
Auch der Gedanke der Neugründung von Svortverbânden unter Reichsaufsicht wird wieder aufgegriffen werden: man wir^ auch hier schon bald mit positiven Plänen an die Öffentlichkeit treten.
Förderung der freiwilligen Verkürzung der Arbeitszeit.
Tas Reichsarbeitsministerium ist seit langem bemüht, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine freiwillige Verkürzung der Arbeitszeit herbeizuführen. Neuerdings sind auch die Landesarbeitsämter in den Dienst dieser Aufgabe gestellt worden, an der sie durch ihren Aufgabenkreis besonders interessiert sind.
Tie Landesarbeitsämter sollen durch besondere Kurzarbeitsausschüsse auf die Arbeitsstreckung in den einzelnen Gewerbezweigen und Betrieben ihres Bezirks hinwirken und an den Verhandlungen dieser Ausschüsse auch die Gewerbeaufsichtsbeamten und gegebenenfalls die Schlichtungsorgane beteiligen.
Zugleich sind die Spitzcnverbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgefordcrt worden, die Landesarbeitsämter durch tatkräftige Mitarbeit bei der Durchfühung dieser wichtigen Aufgabe zu unterstützen.
800 Polizisten für Ordnung sorgen mußten. Ueber dem Ring kreisten Flugzeuge.
Schmeling lieferte einen großartigen Kampf und zeigte sich vor allem als der große Stratege im Ring, wenn er auch wie üblich erst in den späteren Runden warm wurde und anfangs verschiedene Schläge seines Gegners einskecken mußte, die ihm jedoch nichr allzuviel anhaben konnten, da sie größtenteils ungenau gezielt waren. Zudem konnte er die härtesten Schläge durch feine elegante Fußarbeit vermeiden. In der 6. Runde wurde Schmeling durch zwei wuchtige Kopfhaken Sharkeys sichtlich in Verlegenheit gebracht. Er überwand aber die Situation, und in den drei letzten Runden hatte er klare Vorteile. Der Punktrichter Mathieson punktete allein 10 Runden für den Deutschen, Kelly und der Ringrichter Smith, ein ehemaliger Schwergewichtsboxer, stimmten jedoch für Sharkey, so daß schließlich der Sieg dem Bostoner Matrosen mit zwei gegen eine Stimme zugesprochen wurde.
Kurze politische Nachrichten.
Es ist in der Presse behauptet worden, daß der der Nationalsozialistischen Partei angehörende Oberstleutnant a. D. Hierl mit der Leitung eines zu bildenden R e i ch s k o m in i s s a ri a t s für die Arbeits- d i c n st p f l i ch t betraut werden würde. Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, entspricht die Meldung insofern nicht den Tatsachen, als die Reichsregierung ein Reichskommissariat für die Arbcitsdicnstpflicht nicht ciuzu- richten beabsichtigt.
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Die Mecklenburg schwerinsche Regierung wird den am 5. Juni dieses Jahres gewählten 7. ordentlichen Land tag zum Mittwoch, den 13. Juli, zu seiner ersten Sitzung cinbcrufen.
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Tas amerikanische Repräsentantenhaus lehnte die vom Senat angenommene generelle lOprozentige Gehaltskürzung der Beamten ab. Annahme fand dagegen die Arbeitszeitkürzungs-Vorlage Hoovers, die Vorsicht, daß alle Beamte, die über 1000 Dollar Jahres - gehalt beziehen, jährlich einen Monat und monatlich fünf Tage unbezahlten Urlaub erhalten.
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Zentrum in Baden für die Eigenstaatlichkeit der Länder.
Der Landesausschuß der Badischen Zentrumspartei hat eine Entschließung angenommen, in der er den Schritt der süddeutschen Länder bei der Reichsregierung und beim Reichspräsidenten voll und ganz billigt und sich gegen alle Versuche wendet, die Eigenstaatlichkeit der Länder noch mehr zu beeinträchtigen, als das bisher der Fall sei. Die Zentrumspartei verwahre sich andererseits entschieden gegen den Vorwurf des Separatismus oder eines diè Wohlfahrt des Reiches schädigenden Partikularismus.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Zwischen dem Rcichsinnenministcr und den Sauber- ministem finden wichtige Besprechungen über Uniform- und SA. Berum ftatL
* Die Parteien des SaargrbictS sprachen sich in einer Em schliestung für eine vorbcbaltslosc Eingliederung in das Teutsche Reich spätestens 1935 aus.
♦ Frankreich hat seine Beteiligung an dem österreichischen Kredit zurückgezogen, weil es seine politischen Bedingungen nicht durchdrücken konnte.
* Die amerikanische Regierung stellte an Frankreich ein Ab- 'ützungKuttimaium als Bedingung für bis Streichung bei inter alliieren Schulden.