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Die christlichen (Gewerkschaften von Fulda zum Regierungswechsel.

Uns u'ird geschrieben:

Dlis Kartell der chrisil. Gewerkschaften von Fulda hielt im rcHcncnfmuie eine Versammlung ab, in welcher zu der Regie- «maserklärung Stellung genommen wurde. Der Vorsitzende, Kcmerkschnftssekretär Steinbeck, führte u. a. folgendes aus:

Lift und Intrigen ist die Regierung Brünmg gestürzt !mân Die Vertreter des Volkes find ersetzt worden durch Vertrauensleute des altpreutzischen Adels, des Großgrundbesitzes iomic der Erohinduftrie. An Stelle des Mannes aus dem Volke verwalret jetzt ein Vertrauensmann der Großindustrie das Reichsarbeitsministerium. Noch niemals in der Nachkriegszeit hat die christl.-nationale Arbeiterschaft einer Regierung soviel Mtrauen entgegengebracht wie dieser Regierung. Wie be­rechtigt dieses Mißtrauen ist, zeigt die bereits veröffentlichte Mierungserklärung. Trotz der vorsichtig gewählten Worte verrät die Regierung ihre Absichten ganz klar. Wenn man der früheren Regierung daraus einen Vorwurf macht, daß sie zu­nächst die Sorge den vielen Menschen gelten ließ, die schuldlos durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit ohne Einkommen sind und Wmit zuviel Wohlfahrt betrieben hätte, so beweist dies mit aller Deutlichchkeit, welche Vorstellungen in diesen neuen Regie- iilngskreisen über die tatsächliche Volksnot vorhanden ist. Eine olche Erklärung gibt geradezu zur Empörung Anlaß, zumal . Mim sie aus Kreisen kommt, die niemals aus Reichsmitteln aenua bekommen konnten, wenn die Grundlagen ihrer Existenz gesichert werden sollten.

Die christlich-nationale Arbeiterschaft hat während ihres langjährigen Existenzkampfes bewiesen, daß sie über ihre eige­nen Interessen hinaus immer Verständnis auch für die anderen Ltände gehabt hat. Obwohl jede Schutzzollpolitik eine Ver- reucrung der Lebenshaltungskosten mit sich bringen mußte, hat Me christliche Arbeiterschaft die Gesamtinteressen des Volkes über ne eigenen gestellt. Von dieser „Wohlfahrt", die dem ostpreu- jischen Großgrundbesitz hauptsächlich zugute gekommen ist, hört aan in dieser Regierungserklärung nichts. Diese „Wohlfahrt" all also scheinbar verstärkt weiter betrieben werven.

Wenn man weiter aus dieser Regierungserklärung entneh- men muß, daß der Arbeiterschaft nicht mehr wie bisher ein ^staatlicher Schutz zuteil werden soll im Kampfe um Eleich- huertung und gerechter Entlohnung, so ist sich die Arbeiterschaft ■Mürber einig, daß versucht werden soll, die reaktionärsten Pläne der Eeger der Arbeiterschaft, der Klassenkämpfer von oben, oder £er sogenannten Wissenschaftler zu verwirklichen.

Die christliche Arbciterscbaft, die zu jeder Zeit unter Ab- gleljnung jedes Klassenkampfes von oben und unten für die 8 Kleichwertung der unteren Volksschichten gesümpft hat und 8 tierfür zahllose Opfer brachte, wird den aufgezwungenen Kampf iiifnehmen. Sie hat das Signal verstanden. Kampferprobt wird sie sich allen reaktionären volkszersetzenden und klassen- icimpferischen Maßnahmen zur Wehr setzen. Die christliche Ar­beiterschaft wird durch aktives Handeln das Erbgut ihrer alten Kämpfer zu wahren wissen. Ihr Kampf gilt auch fernerhin der Eleichwertung der unteren Volksschichten zur Verwirklichung einer wahren christlichen Volksgemeinschaft.

In der anschließenden lebhaften Aussprache kam der die Kampfeswille der christlichen Arbeiterschaft zum Ausdruck, «der auch Anerkennung für die beiden Führer Brüning und Eiegerwald für ihr mannhaftes Eintreten zur Erhaltung der Eriliidrechte des Arbeitnehmerstandes. Immer wieder kam zum Ausdruck, daß die Erkenntnis vorhanden ist, daß nur eine starke christliche Gewerkschaftsbewegung in der Lage ist, sich gegenüber ollen Gegnern von rechts und links durchzusetzen.

I Noch mehr Maschinen?

j Die Wissenden raunen es sich allerorten zu, daß die seit MM übersteigerte Einführung von Maschinen in unserer Mirkschaft an der Arbeitslosennot erhebliche Schuld hat. M-brotzdem wird jetzt geplant, die Warenverteilung im Ein- zu automatisieren und dadurch der Maschine ein â Äsher verschlossenes Gebiet zu eröffnen. Man denkt *;R üje Warenabgabe durch auf den Straßen ausgestellte- -Automaten für den verschiedensten Lebensbedarf (Lebens- md Genußmittel, Bedarfsartikel aller Art, Textil-, Tabak- - ren usw.) ohne Rücksicht auf die gesetzliche Ladcnschluß- ' lde. Zugegeben, solche „automatische" Bedarfsdeckung 'W für manchen, der sich nicht an rechtzeitigen Einkauf gc- oohnen kann, bequem sein. Bringen solche Automaten »er auch unserer Volkswirtschaft Nutzen? Diese Frage

8 strikte verneint werden. Die Automaten ver- t o 6 er n d i e Arbeitslosigkeit, denn die geringe «übergehende Mehrbeschäftigung der Automaten her- Menden Industrie würde durch das Ueberflüssigwerden ioler Arbeitskräfte im Handel und zahlreicher selbständi- kr Einzelhändler um ein vielfaches überboten werden. Die lauter bedienten sich selbst, verzichteten aber auf die gro­lle Auswahl und die sachkundige Beratung, die individulle oedarfsdeckuung würde durch große Schematisierung ver­langt. Nutzen hätten lediglich die großen, anonymen Konzerne, der mittelständische Einzelhandel wäre der leid- wUnde Teil. Geschädigt würde zuletzt auch der Käufer I ’W^ic höheren Preise. Schon heute sind die Preise der 9 "^matenwaren höher als diejenigen im Ladengeschäft. f bedeuten die Automaten keine Belebung des Ab- ’ »cs,sondern es tritt nur eine Verschiebung der Einkäufe "!: Das aber bedeutet Leerwerden der Einzelhandelsge- Bite, größere Arbeitslosigkeit und Steuerausfall auf der »icn Seite, neue Kapitalfehlleitung in Warenautomaten

L oer anderen Seite. Möge die Regierung die Auswir- , Mn einer solchen neuen „Rationalisierung am untau g= • y toi Objekt" rechtzeitig erkennen, und -die menschliche Ar- 'dkraft auf den infrage kommenden Gebieten vor dem "druck) der Maschine im Interesse des ganzen Volkes M iutjen! H

Neue Meister.

^'" hiesigen Meisterprüfungskommissivn bestanden Meisterprüfung die Wagner Jos. Erb und Wilhelm - ' beide aus Ebersberg, Eduard Haas aus Die- en ""^ Johann Friedrich Kemmler aus Burg-

Vorsicht, Fahrradmarder an der Arbeit!

- mn Samstag vormittag wurden nacheinander aus n Stall der Gastwirtschaft „Zur Rhönlust" und aus . Rusflur bei dem Dentisten Kapp in der Kursürsten- K ein ungesichertes Fahrrad entwendet und zwar Herrenfahrrad Marke „Schladitz" mit schwarzem Rah- gelben Felgen, schwarzen Schutzblechen und d»u- W .Bereifung und ein Herrenfahrrad Marke a, R "nt schwarzem Rahmenbau, schwarzgestreiften gel- ^»elgen, schwarzen Schutzblechen und roter Bereifung. ^'" wieder muß darauf hingewiesen werden, die Fahr- - ^ufchtipßen und zwar auch dann, wenn sie in Haus- - Hofen u. bergt abgestellt werden.

„ Gestohlene Kaninchen.

1 a"„^..^cht 1"m gestrigen Sonntag wurden aus einem ^ohlhauserfeld in der Nähe der Ederstraße gelegenen ' läc lA'^chen, in dem Kaninchen untergebracht sind, > Einüruchdiebstahl insgesamt sechs wertvolle Zucht- 1 um- s£n^ Es handelt sich um drei erwachsene soge- 'r "â'senschecken" (weiß mit schwarzen Punkten) und , an ". Rammler und zwei Häsinnen, ferner eine weiße 1 'h,' stlbergraue Chinchilla-Häsin und eine graue • 'ieib. t ^ irgendwelche Beobachtungen gemacht? Zu- Hstj^Glls-bittet die Kriminalpolizei um vertrauliche

Steuerkalender der Stadtkassc.

Bis zum 15. Juni 1932 sind folgende Steuern und Ab­gaben an die Etadtlasse Fulda zu zahlen:

1 .) Staatliche und städtische Erundvermögenssteuer für den Monat Juni 1932,

2 .) Hauszinssteuer für den Monat Juni 1932.

Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß bei verspä­teter Zahlung auf Grund der 2. Verordnung des Reichs­präsidenten über Zuschläge für Steuerrückstände vom 22. Februar 1932 für jeden angefangenen halben Monat des Zahlungsverzugs ein Verzugszuschlag in Höhe von IR vom Hundert des Rückstandes zur Erhebung kommt.

Wichtig für Zufatzreiitcnempfänger.

Am Mittwoch, den 15. d. M., vorm. von 8.30—11 Uhr, wird die Zusatzrente für Juni 1932 an sieche, erwerbun- fähige Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene — gegen Vorlage des Ausweises — gezahlt. Persönliches Er­scheinen am Zahlungstage ist erforderlich. Abgabe der Fleisch-karten erfolgt an demselben Tage.

Die Vereinigung ehem. Kavalleristen Fulda und Umgegend hielt am Samstag abend im Vereinslokal eine Monats- r-ersammlung ab, in der beschlossen wurde, an dem am 19. Juli nachmittags am Haimberge stattfindsnden Sommer­fest der Kriegerkameradschaft Fulda teilzunehmen. Der Abmarsch erfolgt um 2 Uhr an der Langenbrücke. Tie Ver­einigung beteiligt sich ferner am Festzug des Kreiskrieger- verbandsfestes am 10. Juli in Künzell. Von einer Betei­ligung am 25. Stiftungsfest des Kavallerievereins Gießen sowie am Kavalleristentag in Hannover mußte im Hinblick auf die Kosten Abstand genommen werden.

Verkehrsunfälle.

An der Straßenkreuzung Bahnhofstraße—-Lindenstraße stießen heute vormittag gegen 11 Uhr ein Personenkraft­wagen und ein Motorradfahrer zusammen. Der Motor­radfahrer wurde hierbei leicht verletzt und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. — Fast zu gleicher Zeit wurde im Kessel ein Fußgänger von einem Lastkraftzug an­gefahren und am linken Arm und an der rechten Hand leicht verletzt. Der Verletzte mußte sich von einem^ Arzt verbinden lassen. Die Schuldfrage ist in beiden Fällen noch nicht geklärt.

Lich, 11. Juni. (Nach Unterschlagungen flüchtig gegangen.) Der 25 Jahre alte Stadtkassen­gehilfe Fritz Jung von hier ist -seit vorgestern früh ver­schwunden, weil er sich Unterschlagungen bei der Einnahme von Steuergeldern hat zuschulden kommen lassen. Der junge Mann, der als Angestellter bei der Stadt tätig war, hatte die Vollmacht, unter Verantwortlichkeit desStadt- rechners in gewissem Ausmaß Kassengeschäfte auszuführen. Dabei hat er von oen eingenommenen Steuerbeträgen nur einen Teil an die Kasse abgeführt, den übrigen Teil aber für sich verwendet. Vis jetzt konnten 200 RMk. als unter­schlagen nachgewiesen werden, jedoch ist die Untersuchung noch in vollem Gange und erst in einiger Zeit ein Abschluß zu erwarten. Da der Stadtrechner für die städtischen Finanzgeschäfte allein haftet, wird die Stadt als solche nicht geschädigt, sondern der Rechner muß für die Unterschla­gungen des ungetreuen Angestellten einstehen. Die Fa­milie des Gestohlenen hat sich zum Ersatz des Betrags be­reiterklärt. Ueber den Verbleib des jungen Akannes ist noch nichts bekannt.

Gießen, 11. Juni. (Grippe im Kreise Gießen.) In dem Kreisort Langd tritt seit einiger Zeit die Grippe sehr verbreitet auf, sowohl bei Kindern wie bei Erwachse­nen. Von den schulpflichtigen Kindern fehlt^wegen dieser Krankheit etwa die Hälfte. Bis jetzt sind die Erkrankun­gen in der Hauptsache ohne Komplikationen verlaufen. Nur in einem Falle sind sie ernster geworden.

Obernhof (Lahn), 11, Juni. (E in gemütlicher Vockjäger.) Im benachbarten Kalkofen stärkten sich in der einzigen Wirtschaft zwei Koblenzer bei Wein und Speisen zum Pürschgang, als die Kunde kam, hoch oben im Wald stehe auf einem Kahlschlag ein Bock. Der eine Jäger zog sich seine Bank zum Festster, nahm das Wild aufs Korn und brachte den Bock mit einem wohlgezielten Schuß zur Strecke.

Friedberg, 11. Juni. (14 Tage Gefängnis w e - g e n S ch n e l l m a l e r e i.) Ein Angehöriger der NSDAP, wurde in der vergangenen Nacht beim Beschmieren der Straßen mit Parteikennzeichen ertappt. Der Schnellrichter diktierte ihm heute früh für seine nächtliche Tätigkeit 14 Tage Gefängnis.

Hanau, 10. Juni. (Eine Hanauer L i e b e s t r a - gödie vor dem Reichsgericht.) Hier hatte sich in der Nacht des 31. Juli v. J. in der Wohnstube des ledigen Arbeiters Ludwig Baum eine erschütternde Liebestragödie abgespielt, deren strafrechtliche Würdigung jetzt vor dem Reichsgericht mit der endgültigen Freisprechung des Ange­klagten endete. Scüue Wirtsleute hatten anderntags in dem mit Gas gefülltem Zimmer des Baum diesen mit schwe­ren Schnittwunden am Hals und an den beiden Handge­lenken bewußtlos aufgefunden, während feine Braut, die dieselben Schnittwunden aufwies, bereits tot war. Der durch Zufälligkeiten wieder ins Leben Zurückgerufene hatte sich dann Ende Januar d. I. vor dem Landgericht Hanau wegen Tötung auf Verlangen zu verantworten, wobei über die einzelnen Vorgänge folgende Feststellungen getroffen werden konnten: Baum hatte sich bei einem Mädchen eine Geschlechtskrankheit zu gezogen und in Unkenntnis dieses Umstandes auch seine Braut angesteckt. Als nun ein zu ge­zogener Arzt der Braut dringend eine Krankenhausbe­handlung empfahl, geriet diese derart in Verzweiflung, daß sie beschloß, freiwillig aus dem Leben zu bleiben. Auch ihr Bräutigam wollte mitfolgen. Am 31. Juli imntten beide zur Tat. Zunächst dichteten sie gemeinsam alle Ritzen und sonstigen Abzugsmvglichkeiten gründliâ ab und tranken zusammen eine Flasche Weinbrand. Darauf steckte Baum zwei Marken in den Gasautomaten und schraubte in sei­nen Zimmer die Lampe los. Trotz der ausgeströmten 2 Kubikmeter Leuchtgas erwachten aber beide nach Stun­den, und nun soll die willensstärkere Braut ihren Bräuti­gam bestimmt haben, sie mit einem Rasiermesser zu töten. Die Hanauer Strafkammer hatte die Vorgänge zeitlich in zwei Abschnitte eingeteilt und die Freisprechung des Ange­klagten damit begründet, daß es annahm, daß bei der er­sten Phase jedes für sich den Vorsatz gehabt habe, sich selbst zu töten und zwar gemeinsam. Damit entfalle aber eine strafbare Handlung. Während der zweiten Phase aber habe der Fall so gelegen, daß der Angeklagte in halber Be­wußtlosigkeit einen strikten Befehl des willensstärkeren Mädchen dumpf ausgeführt habe, so daß der Angeklagte somit nach Paragraph 51 StGB, freizusprechen sei. Dieser Auslegung hat sich auch das Reichsgericht angeschlossen und es hat deshalb die Revision der Staatsanwaltschaft, die von der Reichsanwaltschaft vertreten wurde, als unbegrün­det verworfen.

Frankfurt a. M., 11. Juni. (Jagd auf Auto­dieb e.) Einem Kraftwagenbesitzer wurde am Freitag abend sein am Affentorplatz parkender Wagen gestohlen.

Am späten Abend entdeckte der Besitzer seinen Wagen vor einm Eafü auf der Kaiserstraße, als gerade zwei junge Burschen ihn bestiegen und davonsuhren. Er raste mit einer Taxe hinterher. Die wilde Jagd ging nach bem Westend, wo die Diebe in der Adickes-Allee, als sie erkann­ten, daß sie nicht mehr entkommen konnten, den Wagen auf den Bürgersteig fuhren und flüchteten. Der eine von ihnen konnte auch entkommen, während der andere in einem Garten festgenommen wurde. Er bestreitet, an dem Dieb­stahl beteiligt gewesen zu sein und will „ganz zufällig" da­zu gekommen jein, als man mit dem Wagen von der Kaiser- straße absuhr.

Darmstadt, 11. Juni. (Landtagsabgeordneter Hamann erhält drei Monate Gefängnis.) Der kommunistische Landtagsabgeordnete und frühere Leh­rer Hamann wurde vom Bezirksschöffengericht Darmstadt wegen Verstoßes gegen die Verordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, wovon zwei Monate mit fünfjähriger Bewäh­rungsfrist bedingt erlassen werden. Hamann hatte am 8. Juni in der Wcndelstockstraße vor einem Lokal, in dem eine kommunistische Versammlung stattfand, eine uner­laubte Versammlung unter freiem Himmel veranstaltet und war dabei cxts Redner aufgetreten.

Bad Kreuznach, 11. Juni. (E i n M on st r e p r o z e ß um einen Jagdhund.) Im September 1930 schoß der Forstgehilfe Fabry aus Daxweiler (Kreis Kreuznach) einen wertvollen Schäferhund des Pflasterers Peter Benz an. Der Hund starb ein Vierteljahr später an den Folgen des Schusses. Der Hund hatte sich bei Angehörigen des Pflasterers in einem Kartoffelacker dicht beim Dorf aufge^ halten, als plötzlich der Hund des Forstgehilfen einen Junghasen auf das Dorf zutrieb. Der Schäferhund fing den Hasen, ließ ihn aber auf Anruf seines Herrn wieder fallen, nahm ihn aber dann zum zweiten Mal auf. In diesem Augenblick gab der Forstgehilfe den Schuß ab. Das Amtsgericht hatte den Forstgehilfen zu Schadenersatz ver­urteilt. Gegen das Urteil legte Fabry Berufung ein, mit dem Erfolg, daß das Landgericht ihn freisprach. Ein Heer von Zeugen war von beiden Seiten aufgeboten worden. Es wurden Gutachten von Jagdsachverständigen und Be­hörden eingeholt, ob der Hund sich noch im Dorfbereich oder schon außerhalb befunden habe. Man konnte sich nicht einig werden. Die Kosten, die bisher entstanden, belaufen sich schon in die Tausende von Mark. Es wurde gegen das freigesprochende Urteil wiederum Berufung eingelegt, so daß die Angelegenheit demnächst die höheren gerichtlichen Instanzen beschäftigen wird,, und alles um einen Hund, der somit ein lehrreiches Beispiel für die Prozessierwut der ländlichen Bevölkerung gab.

Letzte Nachrichten.

Funkmeldungen des „Anzeigers".

Das Reich und die süddeutschen Länder.

Berlin, 13. Juni. Nach dem Empfang beim Reichs­präsidenten hat gestern mittag in der Reichskanzlei noch eine einstündige Aussprache zwischen den drei süddeutschen Regierungschefs und dem dem Reichskanzler stattgefunden.

Auch diese Zusammenkunft bestätigt den Eindruck, daß es gelungen ist, an die Stelle der Spannung zwischen den Ländern und dem Reich immerhin eine gewisse Beruhigung zu setzen.

Großfeuer im Berliner Lunapark.

Berlin, 13. Juni. Im Automaten-Restaurant im Luna­park brach heute früh gegen ein Uhr Feuer aus, das rasch einen großen Umfang annahm. Versuche, die Flam­men, die in der Holzkonstruktion reiche Nahrung fanden, im Keime zu ersticken, mißlangen. Acht Züge der Feuer­wehr mußten nach und nach anrücken, um das Feuer aus 16 Rohren zu bekämpfen, das inzwischen auch den 53 Meter hohen Turm ergriffen hatte. Auch die umliegenden Ge­bäude gerieten in Brand. Erst nach mehreren Stunden konnte der Brand gelöscht werden. Der Sachschaden ist sehr erheblich. Die Entstehungsursache des Brandes konnte noch nicht ermittelt werden.

Oreihunöeri Pfund für eine Zigarre.

Vor einigen Jahrzehnten machte ein kalifornischer Millionär, Oberst Pierson, durch seine verrückten Streiche viel von sich reden. Eines Tages fuhr er die Themse ent­lang und zündete sich eine Zigarre auf dem Verdeck an. Der Kapitän des Schiffes machte ihn darauf aufmerksam, daß das Rauchen auf dem Deck streng verboten sei und bat ihn, es zu unterlassen.

Zunächst tat der Oberst so, als respektiere er das Ver­bot. Er ging an eine andere Stelle des Verdecks und passte dort kräftig darauf los. Der Kapitän kam abermals dahinter und wies den tollen Oberst abermals zur Ord iliing. Der aber hatte keinerlei Lust, auf seine geliebte Zigarre zu verzichten und sagte zum Kapitän: „Sagen Sie mal, was kostet das Boot. Ich will cs Ihnen ablauf ent"

. „Ich habe keine Vollmacht, das Schiff zu verkaufen", erwiderte der Kapitän, worauf Pierson meinte:

„Run, aber mieten kann ich doch iuobl das ganze Boot für diese Reise?"

Der Kapitän, fing wie er war, merkte, daß hier Geld zu verdienen sei, und sagte: „Gewiß, das können Sie, Herr Oberst, aber unter 300 Pfund kann ich Ihnen das Boot nicht überlassen."

„Topp, abgemacht, hier sind die 300 Pfund", sagte der Oberst und drückte die Summe dem erstaunt dreinschaueu ben Kapitän in die Hand, der dachte, es mit einem ge krönten Haupt zu tun zu haben.

„Ew. Hoheit, Ew. Exzellenz können jetzt natürlich auch das Passagiergeld einfafficren lassen", stotterte der Kapitän.

„Beruhigen Sic sich", meinte Oberst Pierson, „wird schon gemacht."

Hub der erstaunten Schar der Fahrgäste, die sich all mählich um Kapitän und Pierson gesammelt hatte, sagte der Oberst, indem er sich gemächlich eine neue Zigarre an zündete: „So meine Herrschaften, ich bitte um das Fahr gelb. Aber eine Freude kann ich Ihnen als Pächter des Schiffes machen: Rauchverbot ist aufgehoben. Sie sehen, ich rauche, lassen sich die Herren ihre Zigarren gut schmecken!"

Und als die Fahrgäste das Fahrgeld gezahlt batten, überreichte der Oberst es ungekürzt dem Schifsspersonal, das sich am nächsten Tage auf sein Wohl einen höchst ver gilügien Abend an Land machte, H. B