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-Nr. 126

Mittwoch, 1. Juni

1932

Kurze polrissche Nachrichten.

Im Auswärtigen Amt hat ein Notenaustausch zwi­schen Staatssekretär von Bülow und dem amerikanischen Botschafter Sackett stattgefunden, durch den eine Verein­barung über den L u f t v e r k e h r z w i s ch e n D e u t s ch- land und den Vereinigten Staaten abge­schlossen worden ist. Die Vereinbarung enthält die Be­dingungen, unter denen zivilen Luftfahrzeugen des einen Landes gestattet ist, Flüge in das andere Land auszu-

führen.

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Der SteuerausschußdesReichstages trat in Anbetracht der politischen Lage nicht in die Beratung der wichtigen Punkte ein, die auf seiner Tagesordnung standen, wie Verbot der Kopfsteuer, Offenlegung der Etcuerlisten usw., sondern beschloß mit allen Stimmen gegen die Kommunisten, nur Eingaben zu behandeln.

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Die Gottlosen-Jnternationale, die bisher ihren Sitz in Berlin hatte und die durch die Notver­ordnung des Reichspräsidenten gezwungen worden war, ihre Büros in Deutschland zu schließen, ist. jetzt nach Moskau ü b e r g e s i e d e l t. Die Gottlosen-Jntcr- nationale will jedoch später ihren Sitz entweder nach Prag oder nach London verlegen, falls die Behörden dieser Länder keinen Einspruch dagegen erheben.

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Der Bayerische Landtag hielt seine Er­öffnungssitzung ab. In der Präsidentenwahl wurde Abgeordneter Stang von der Bayerischen Volks­partei mit 120 Stimmen zum Präsidenten des Bayerischen Landtages wiedergewählt. Zum ersten Vizepräsidenten wurde mit 93 Stimmen der nationalsozialistische Abgeord­nete Schwede gewählt. Der sozialdemokratische Abge­ordnete Auer würde zum zweiten Vizepräsidenten gewählt.

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-Der Erzbischof von Canterbury teilte auf der allge­meinen Kirchenversammlung der schottischen Kirche in Edinburgh, wo u. a. auch die Frage der Wiederver­einigung der christlichen Kirchen besprochen wurde, mit, daß die näch ste WeltkirchenkonfereNz im Jahre 1937 stattfinden werde. Er hoffe, daß diese noch besser als die Lausanner Konferenz von 1927 beschickt werden würde, wo 110 Kirchen vertreten waren.

Sie Zeugenaussagen im Devaheimprozeß

Erfolglose Nevistonsberichte.

In der Fortsetzung der Zeugenvernehmung im Devaheim- Prozeß wurde Direktor Möller, der zeitweilig Schatz­meister des Zentralausschusses der Inneren Mission und Mit­glied des Verwaltungsausschusses war, vernommen. Der Zeuge bestätigte, daß die Hilsskasse Mittel des Reiches für Wohl- sahrtszwecke zu verwalten hatte. Der Vorsitzende fragte ihn, weshalb bei der Trennung zwischen der Hilfskasse und dem Bankhause Nambaum u. Co.

die persönliche Schuld des Dr. Libbertz

in Höhe von 140000 Mark übernommen worden sei. Der Zeuge erklärte, daß ihm die Gründe hierfür nicht bekannt seien. In einem Revisionsbericht sei der Standpunkt vertreten worden, daß ein solches Verfahren ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Der Revisionsbericht fei aber erfolglos geblieben und hätte nicht zu besseren Verhältnissen geführt.

Vermischte Nachrichten

Wieder blutige Zusammenstöße in Bombay.

Bombay. Am Montag kam es zu neuen schweren Unruhen tn Bombay, die zu einem Zusammenstoß zwischen den engli­schen Truppen und den Eingeborenen führten. Ein Inder wurde getötet und siebzehn schwer verwundet. Der ganze Ver­kehr ist lahmgelegt, die Geschäfte sind' geschlossen. Bereits in den Morgenstunden eröffneten die Truppen das Feuer auf Hindus und Mohamedaner, die sich gegenseitig mit Messern und Eisenstangen bekämpften. Die Truppen wurden von den Indern mit einem Hagel von leeren Selterwasterflafchen über­schüttet. Nach einer nutzlosen Warnung ging das Militär mit aufgepflanzteen Seitengewehren gegen die Menge vor und zer- streute sie. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.

Jakob Uoggtrewer

Roman aus den bayerischen Bergen von Hans Ernst

x Urheberschutz: Herold-Verlag, Homburg (Saar)

,79

(Nachdruck verboten))

( „Wir' habenAms aber lange^nicht gesehen, Herr Voggtren- 7er!" Auffallend hart und langsam sprach sie dieses „Herr". I Er riß sich zusammen. Warum war er denn eigentlich hier? -Beinahe hätte er es vergessen.

I , „Ja! Es wird bald a Jahr", antwortete er, während ihm eine brennende Glut in die Wangen fuhr.

Jener Morgen nach der Brandnacht wurde in ihm noch- jmal lebendig. Wie hatte er damals gesagt: „Geh, ich will dich nimmer seh'n!"

Und heute stand er nun da in der Absicht, um sie zu freiens Nlcht aus Liebe, sondern um des Geldes wegen.

: O, wie ihm graute. Ein Ekel erfaßte ihn Plötzlich vor deins was er tun sollte. Er mußte ihr sagen, daß er sie lieb habe welch erbärmliche Lüge.

„Wollen wir nicht Platz nehmen?" fragte Hedwig.

<vfnckl hatte ihr gegenüber Platz genommen und betrachtete ne. Wie sie unter seinem forschenden Blick die Augen ver-' wyomt niedevschlug. O, sic schauspielcrtc gut.

„Woran dachten Sie eben?"

Erschrocken hob er den Kopf. „Ich — — ich hab an was' gedacht, was amal war!"

„Und wollen Sie mir's nicht sagen? Ich möchte eS wissen." „Sie wollen's wiss'n? Guat, ich will'S Eahna saa'n. Ich Mb an n gewisse Nacht denkt."

1 Ohne daß er cs recht wußte, hatte er sich neben sie gesetzt sind plötzlich ihre Hand ergriffen. „An jene Nacht, in der iit der —", wie hart ging dies zu sagen.

Hedwig hatte sofort gewußt, was er meinte und ein tri-' Mphierender Glanz lag in ihren Augen. Wenn er sie doch: W in bie Arme gerissen und sie geküßt hätte, sic hätte eS Jo gerne nobsiebon lassen ----'

Lehrer Ziehm schildert die Todesnacht

Große Aufregung im Verhandlungssaale.

Im Gubener Gislmordprozeß wurde die Vernehmung des Lehrers Ziehm fortgesetzt; es entspannen sich wieder ge­reizte Auseinandersetzungen zwischen dem Zeugen und seiner angeklagten Frau, die ihrem Manne vorwars, daß

er nicht die Wahrheit sage.

Ziehm behauptete, daß er nicht gewußt habe, daß sich chlor­saures Kali im Hause befand, und daß er erst nach der Schreckensnacht etwas davon erfahren habe. Daß seine grau einmal im Auto nach Frankfurt a. d. Oder fuhr, um 100 ramm chlorsaures Kali einzukaujen, scheint Ziehnt tatsächlich nicht gewußt zu haben. Es solgt dann eine genaue Schilderung

der Vorgänge am Bußtag 1931,

dem Tage, an welchem das Kind des Lehrers unter großen Qualen gestorben ist. Die Schilderung rief bei allen Verhand­lungsteilnehmern eine große Ausregüng hervor — nur d i c beiden angeklagten Frauen blieben ruhig. Ziehm sagte folgendes aus: „Am Bußtage vormittags gingen wir zur Kirche. Am Nachmittag fuhr ich mit Herrn Rettich zu einem Vortrage nach Frankfurt an der Oder. Die Frauen sollten schon am Nachmittage mit den Kindern zu Rettich gehen und mich dort erwarten. Es regnete aber, und die Frauen gingen erst am Abend ohne die Kinder zu meinen Bekannten. Meine Schwiegermutter war die ganze Zeit über sehr u n - ruhig. An meiner Frau fiel mir nichts auf. Von meinemSöhnchenHanswurdevielgesprochen."

Vorsitzender: „Hatten Sie denn überhaupt Ruhe? Der Junge war doch so lange allein und das Brandunglück in Kunzendorf war doch noch nicht so lange her?"

Zeuge Ziehm: „Solange wir in Fürstenberg wohnten, sind wir nur zwei- oder dreimal abends ausgegangen. Es handelte sich immer nur um ein paar Stunden, und so lange darf man Wohl ein Kind allein lassen. Gegen %1 Uhr nachts betraten wir unser Haus. Wir gingen zunächst in die rechts vom Flur gelegenen Wohnräume, um die Mäntel abzulegen. Dann setzte ich mich ins Speisezimmer und aß.

Die Frauen gingen unruhig hin und her,

gingen auch einmal aus dem Zimmer. Um XI Uhr gingen wir schlafen. Ich schloß die Tür zum Schlafzimmer aus. In dem Kinderzimmer, das wir zunächst betraten, machten wir nie Licht, um den Jungen nicht auszuwecken. Dieser war jedoch wach. Als in dem angrenzenden ehelichen Schlafzimmer das Licht angeknipst worden war, sagte Hans, der völlig wach war: „Bitte, gib mir doch etwas zu trinken." Ich sagte: „Ra, es wird wohl auch so gehen." Hieraus sagte das Kind zu meiner

W

Revolveranschlag auf einen Arzt.

Kassel. Auf den praktischen Arzt Dr. Eugen Salomon wurde ein Revolverattentat verübt. Ein scheinbar nervenkranker Patient erschien um die Mittagsstunde bei dem Arzt, zog plötz­lich einen Revolver und schoß den Arzt nieder, der schwer ver­letzt wurde. Der Täter stellte sich der Polizei. Zur Zeit weilt die Mordkommission am Tatort.

Raubüberfall aus eine Bankfiliale.

Wandsbek. Aus die hiesige Filiale des Bankvereins für Schleswig-Holstein A.-G. wurde ein frecher Raubüberfall ver­übt. Kurz nach 11 Uhr drangen drei bewaffnete Banditen in den Kassenraum ein, bedrohten die anwesenden Beamten mit Revolvern und raubten etwa 5000 bis 7000 Mark in bar. Be­vor die Beamten sich von ihrem Schreck erholen und die Polizei benachrichtigen konnten, hatten die Räuber den Kassenraum wieder verlassen. Sie sind in einem bereitstehenden Auto ent­kommen.

Schweres Einsturzunglück in Frankreich. — Bisher sechs Tote.

Paris. In einem Aluminiumwerk in G a r d a n n e hat sich ein schweres Explosionsunglück ereignet, dem ein Einsturz folgte. Nach mehrstündiger Arbeit gelang es, sechs Leichen unter den Trümmern hervorzuziehen. Eine Person wird noch vermißt, während zwei schwer und acht leichter verletzt wurden. Unter den Toten befinden sich zwei Franzosen, zwei Italiener und zwei Spanier.

Kanaldampfer rammt Fischerboot. — Vier Tote.

London. Aus der Höhe von Harwich stieß der Kanal- vampfer „P r a g", auf dem sich Reisende aus Deutschland und Holland befanden, in dichtem Nebel mit einem Fischerboot zu» fammen, das innerhalb von wenigen Sekunden sank. Der Kapitän und drei Mann der Besatzung ertranken. Ein fünfter Mann konnte durch ei» Rettungsboot der „Prag" geborgen werde».

Vorort von Mexiko durch Erdbeben fast vernichtet.

Newyork. Wie aus Mexiko City geniclbet wird, vernichtete ein Erdbeben den halben Vorort von Mexiko, Jxtapalapa. Todesopfer sind nicht zu beklagen.

Der fliegende Cowboy abgcstürzt.

Newyork. Der frühere Cowboy B r o w n e, der in Seattle zu einem übersceftug nach Tokio gestartet war, stürzte kurz nach dem Start in brennendem Flugzeug ab. Browne und der mitfliegende Mechaniker Brooks würden gerettet. Browne mußte bereits nach seinem ersten Startversuch am Sonntag wegen einer Olzuleitung zurückkchren.

Sie wußte es, er konnte so voll Leidenschaft sein, wenn er gereizt wurde. Deshalb schmiegte sie sich ganz eng an ihn, daß ihr heißer Atem seine Wange streifte. Sie öffnete ver­langend die roten Lippen und bog den Kopf etwas zurück.

Iackl neigte sich herab zu ihr und sah ihr in die Angenl Plötzlich schlang sie ihre Arme um seinen Nacken und küßte jihn und er trank Kuß um Kuß von den ihm so willig gebo­tenen Lippen.

Nach einer Weile riß sie sich los von ihm und fragte:

„Soll es diesmal wieder nur von kurzer Dauer sein, Ia­kob? Willst du mich wieder nicht mehr sehen, wie damals?"

„Wenn du mich noch so liab hast wia damals, dann bleib' ich immer bei dir!"

„Ich hab' dich immer lieb gehabt, Jakob, schon von der Munde an, da ich dich das erstemal sah."

Nach einer Weile sagte Iackl: „Weißt du, Hedwig, ich bin heut' eigentlich komma, dich zu frag'n, ob du net mein Weib werd'n willst."

„Dein Weib? Und die andere?"

„Dös is langst vorbei, glaub mir^. Eigentlich war dös nia dös richtige mit der. Sie hat nur Bäuerin sein woll'n auf Voggtreut, mich aber hat sie net woll'n."

„Dafür hab ich dich um so lieber, Jakob." Sie küßte ihn immer wieder. , (

I Plötzlich fuhren sie erschrocken in die Hohes unter der Tür stand Pendel und machte sich durch sein Räuspern bemerkbar.

Hedwig eilte ihm entgegen und fiel ihm um den Hals, „Papa! Ich habe mich mit Jakob verlobt."

„Ohne mich vorher zu fragen!" Die Stimme des Holzherrn klang fast ärgerlich. Trotzdem reichte er Jakob freundlich die Hand hin. „Sie haben meinen Brief erhalten, ja?"

" Iackl bejahte. ,

Hierauf wandte sich Pendel wieder an seine Tochter..

„Bestelle bei der Köchin einstweilen ein kräftiges Frühstück,' sich habe mit Herrn Bogglreuter noch eine geschäftliche Un­terredung. Kommen Sie bitte mit in mein Kontor."

„Sie haben mir geschrieb'n Herr Pendel, daß Sie mich, heul' erwarten." '

(,Ja! Allerdings. Und wissen Sie auch weshalb?"

Frau: Gw mir doch P r e t s e l v e e r e n." Meine Frau ant­wortete: „Ich habe keine mehr." Wir zogen uns aus und gingen zu Bett. Wir wunderten uns, daß meine Schwieger­mutter nicht, wie sonst üblich, das Licht über dem Spiegel aus- schaltete, in dessen Schein sie sich entkleidete. Ich nahm an, daß meine Schwiegermutter übermüdet sei und schon eingeschlasen war. Daher stand ich aus, drehte das Licht aus und schloß die Tür. Wir waren noch nicht eingeschlafen, da ertönte

ein schriller, gellender Schrei.

Er schien mir aus dem Zimmer des Kindes zu kommen. Ich lief in das Kinderzimmer, das hell war. MeineSchwieger- mutter war nicht d a. Der Junge lag mit dem Ober­körper über dem Bett meiner Schwiegernlutter. Ich nahm ihn in meine Arme und schrie:

Der Junge ist vergiftet!

Militärzeit

Ich kannte Vergistungserscheinungen aus meiner her. Die Augen des Kindes waren schon gebrochen, als ich das Kind im Arm hatte. Es hat kein Wort mehr gesagt, und

der kleine Körper bekam Zuckungen. Die Bemühungen des Arztes, der nach einiger Zeit kam, waren ohne Erfolg-- das Kind war tot!"

Ziehm berichtete weiter, daß seine Frau geschrien habe. Die Schwiegermutter habe gemeint, daß das Kind wahr­scheinlich an Herzkrämpfen gestorben sei. Dann habe man vom Begräbnis gesprochen, und seine Frau habe den Vor­schlag gemacht, das tote Kind verbrennen zu lassen. Frau Ziehm, die sich während der Aussage ihres Mannes

Notizen machte, warf hier ein, daß über das Verbrennen der Leiche nicht schon in der Todesnacht gesprochen worden sei. Ziehm be­richtete dann über die Vorgänge am folgenden Morgen. Seine Frau sei unruhig gewesen, als sie ausgeforderl wurden, wegen der Obduktion der Leiche ins Krankenhaus zu kommen. Sie habe immer um den Totenschein gedrängt. Aus dem Heimwege von der Obduktion habe er seine Frau leise — denn der Amtsrichter sei gleich mitgekommen, um eine Haus­suchung abzuhalten — gefragt, ob sie

Chlorkali im Hause gehabt habe.

Sie habe ihm gegenüber die Frage bejaht, habe aber bald daraus zu der Frau Krüger, mit der sie in Frankfurt gewesen war, gesagt: „Nicht wahr, Frau Krüger, Sie haben doch in Frankfurt Alaun für mich gekauft?" Aber die Frau Krüger habe mit Bestimmtheit erwidert: „Nein, ich habe Ehlorkali für Sie gekauft!" Der Zeuge Ziehm b e l a st e t also seine Frau seür schwer.

Nah und Fern

O Hochwassergefahr im Erzgebirge. Starke Regen- fälle hatten ein erhebliches Ansteigen der Flüsse im West­erzgebirge zur Folge. Der Chemnitzftuß, die Mulde, die Flöha und die Zschopau haben die Gefahrenmarke A über­schritten und steigen weiter, so daß sie schon verschiedentlich über die Flutrinne getreten sind. Nur ein baldiges Auf­hören des Regens kann die Hochwassergefahr abwenden.

O Opfer der Berge. Im Karwendelgebirge sind fünf Münchener Bergsteiger vom Schneesturm überrascht worden, so daß ihnen der Abstieg nicht mehr gelang. Der Führer der Gruppe, der 34jährige Buchhalter Hans Stein­metz, stürzte vor den Augen seiner Begleiter ab. Einer der Geretteten liegt mit erfrorenen Händen und Füßen im Krankenhause Scharnitz.

_O Die Inhaber eines Frankfurter Bankhauses mit Ge­fängnis bestraft. Ein Großes Schöffengericht in Frank­furt a. M. verurteilte die früheren Inhaber des in Kon­kurs gegangenen Frankfurter Bankhauses Paul Schle­singer-Trier u. Co., Dr. Schlesinger-Trier und Hugo von Neuville, wegen Betruges, Untreue und Vergehens gegen das Depositengesetz zu Gefängnisstrafen von 5 bzw. 2 Monaten. Die Angeklagten hatten den Auftrag gehabt, für die Schweizerische Kreditanstalt in Bern Effekten im Werte von rund 90 000 Mark auf Depot zu nehmen. Der Auftrag kam nicht zur ordnungsmäßigen Ausführung.

O Doppclsclbstmord eines Ehepaares. Aus der Havel bei Lindwerder wurden die Leichen des aus Warschau stammenden 25jährigen Studenten Dubnow und seinci 21 Jahre alten Ehefrau gelandet. Die Leichen waren mit Stricken aneinandergebunden. Über die Gründe des Doppelselbstmordes ist noch nichts bekannt.

O Schwere Fleischvergiftungen in Stettin. Im Städti­schen Krankenhaus starb an den Folgen des Genusses von nicht einwandfreiem Hackfleisch der Kapitän Gräbner. Die nähere Untersuchung des Falles hat ergeben, daß noch sieben weitere Personen an Fleischvergiftung erkrankt sind. Einige von ihnen wurden in bedenklichem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Die Schuldfrage konnte bisher noch nicht geklärt werden.

. Der Holzherr zog einen Schlüsselbund aus der Tasche"suchte umständlich einen heraus und öffnete damit ein Fach seines Schreibtisches. Seine Finger wühlten in den Papieren, bis er endlich das rechte gefunden hatte. . . .

„Sie wissen doch, Herr Voggtreuter, daß mit dem heutigen Tag dieser Wechsel hier fällig ist."

„Ja, ich weiß es." " <

„Gut. Sie sind doch wohl deshalb ^gekommen ihn einzu-! lösen?" . ,

Iackl erschrak. „Na, ich kann ihn net einlösen."

„Wie? Sie können nicht?"

„Nein, ich kann net! Aber ich werd' schau'n, irgendwo diö ,50 000 Mark aufzubringen." Dies sagte Iackl nur, um we* nigstcns etwas zu sagen.

Pendel lächelte boshaft.

„50 000 Mark? Glauben Sic/daß Sie' dieses Geld , bis heute Abend aufbringen können? Gut, mir soll es recht sein.' Aber Sie werden doch auch wissen, daß zwei weitere Wechsel cheiite ebenfalls.fällig sind, die zusammen eine,Summe,von 32 000 Mark ergeben." , a-^

■ Ueber JacklS Gesicht glitt eine Blässe. Das hatte er nicht erwartet. Woher wußte dies Pendel überhaupt? Er. nahm die Sache jetzt nicht mehr so leicht, da er den Ernst der Lage nun voll und klar erkannte. * . ' -

* Der Mann, der hier vor ihm saß, hatte ihn vollständig in der Hand. Wenn er ihn jetzt um bie Hand seiner Tochter hat/ mußte er dann nicht bestehen wie ein ganz erbärmlicher Schuft, dem es nur um die Mitgift zu tun war..

War es denn etwas anderes?

Eine Müdigkeit überkam ihn plötzlich und nur mechanisch nickte er, als Pendel ihn fragte:

" „Sie wissen doch von den Wechseln, Herr Voggtreuter!"

Pendel nahm zwei weitere Papiere ans dem Fach' und legte sie vor Iackl auf den Schreibtisch.

„Hier sind sie —", sagte er dann. „Ich habe sie äufackausH Und nun setzen Sie sich, wir reden jetzt als Mann zu Mann."

Nachdem er seinen Stuhl näher zu.Jacki gerückt hatte, fuhx er mit unterdrückter Stimme fort:

^Lieben J5ic meine Tochters"

^Fortsetzung' folgst ,