Einzelbild herunterladen
 

-mer Da öaben wir's! Und es gibt sogar ganz un- ^weiscrlichc Pessimisten, die der Überzeugung sind, daß ««ni cs anFrostperioden" mit dem Mai aufnehmen und daß er zu diesem Zweck nicht erst besondere ^-heilige brauche. Trotzdem bleibt es dabei, daß wir hL mit Riesenschritten in den richtigen Sommer ein- marschieren, und trotzdem bleibt es weiter dabei, daß die Moscn blühen, und daß uns auch die Nörgler unsere Freude am Juni nicht rauben können!

Jagd und Fischerei im Juni.

Hoch- und Damwild, Gemsen und Rehe beenden ihre Verfärbung und setzen noch. Rot- und Damhirsche genie- k-en nur in Hessen keine Schonzeit, dach bietet um diese »eit das noch in der Entwicklung begriffene Geweih kei- Elei weidmännischen Anreiz zum Abschuß. Der Rehbock miqt wieDer Deutsche Jäger", München, schreibt seinen fertigen und mit geringen Ausnahmen blankgefeg- ten Hauptschmuck, hat unter normalen Witterungsverhält- jssen und in milderen tieferen Lagen großenteils verfärbt md ist in einem Teil der deutschen Staaten, so in Preußen, Pden, Oldenburg (Landesteil Birkenfeld), Braunschweig, Malt, Lübeck und Schaumburg-Lippe bereits frei, oder wird dies, wie in Bayern, Württemberg, Hessen, Olden- burg (Landesteil Oldenburg und Lübeck) Hamburg und Bremen mit dem 1., in beiden Mecklenburg und Thüringen mit dem 16. d. M., während er in Sachsen und Lippe noch Schonzeit hat. Nur der rote schußreife Bock und auch dieser nur unter kluger Rücksichtnahme auf die kommende Brunst­zeit sollte zum Abschuß gelangen. Zukunftsböcke dagegen sollten damit verschont werden, während Kümmerer, schlecht veranlagte und Krankheitserscheinungen zeigende Stücke vom hegerischen Standpunkt aus zu beseitigen sind. Sämt­liche Wald- und Feldhühner, sowie die Fasanen brüten noch, doch sind die Gelege der letzteren zum Teil bereits ausgefallen, indessen die der erstgenannten Arten int Laufe des Monats ausfallen. Wildenten führen, abgesehen von verspäteten oder etwaigen Nachbruten meist halbfertig ent­wickelte Schofe. Wildtauben dürfen, wo sie, wie in Bayern, Württemberg, Oldenburg (Landesteil Lübeck), überhaupt Schon- und Schußzeit haben, jetzt schon gleich dem auf den Mösern brütenden Federwild in Bayern erlegt werden, doch ist dabei zu bedenken, daß die genannten Vogelarten um diese Zeit ihre zweiten Bruten haben, so daß einige Vorsicht bei der Erlegung geboten erscheint.

Setz-, Brut- und Aufzugszeit erfordert vermehrten Schutz des Jungwilds und sind die besonders schädlichen Rinnen und Elstern, weit mehr aber streunende Hunde und die den Bodenbrütern und Junghasen in noch weit höhe­rem Maß gefährlichen Katzen kurz-, sowie die oft Gelege Mindernden Revierbummler fernzuhalten.

Aesche, Bachsaibling, Forelle und Regenbogenforelle bieten jetzt guten Fang. Barbe, Blei, Karpfen und Waller laichen. Aitel, Barsch und Schied können gefangen werden, Huchen nehmen in kleinen Gewässern die Fliege. Beim Krebsfang ist der jungetragenden Weibchen wegen drin- Mdst Vorsicht anzuempfehlen.

Arbeitsjubiläum.

Herr Buchhalter Josef Ebert, Fulda, blickt am 1. Stroi d. J. auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Firma SummuDerfe Fulda, Aktiengesellschaft, Fulda, zurück.

Bom Fuldaer Kriegerverein.

Der Kriegerverein Fulda hielt am Samstag abend eine Monatsversammlung ab, die vom 2. Vorsitzenden, Kame­rad Gutberlet, eröffnet und geleitet wurde. Nach kurzen Begrüßungsworten gedachte er zunächst der großen Seeschlacht am Skagerrak, die am 31. Mai und 1. Juni 1916 zwischen der deutschen Hochseeflotte und der englischen Flotte stattfand. 2500 Matrosen mußten in dieser Schlacht ihr Leben lasten. Ferner wies der Redner auf die Bedeu- inng der Lausanner Konferenz hin. Die Versammlung ttichäftigte sich sodann mit der Erledigung geschäftlicher ^gelegen Reiten und wählte zur Abgeordnetenversamm- mg anläßlich des Kreiskriegerverbandsfestes am 10. Juli

Künzell 6 Abgeordnete. Der Familienausflug findet stimmt am 12. Juni statt. Vorherige Anmeldung der Tâlnehmer beim 1. Vorsitzenden ist erforderlich. Zu dem cn 2. und 3. Juli in Dortmund ftattfindenden 4. Deut- ^Äv. Reichskriegertag soll die Fahnenabordnung entsandt 'Men. In der nächsten Monatsversammlung am 15. ÄÄ wird ein Lichtbilderoortrag gehalten. Im Anschluß F km geschäftlichen Teil hielt Kamerad Apotheker Dr. ^iesg e n einen aktuellen und interessanten Vortrag über ^5 ThemaDie Entwicklung des Gaskrieges und seine Schutzmaßnahmen". Der Redner betonte, daß es zuerst

Franzosen waren, die im Weltkriege 1914 im Argon- uervald mit Gas operierten. Geraume Zeit später gelang $ den deutschen Chemikern, das Verfahren der Gasher- Mung weiter auszuarbeiten, so daß auch auf der deutschen deite an verschiedenen Stellen im Westen Gas angewandt wurde. Während Deutschland nach dem Versailler Diktat w Anwendung der Gaswaffe untersagt ist, arbeiten die gemdstaaten, besonders Rußland und Amerika, dieses Ver­ketten immer weiter aus. Eingehend behandelte der ^edner die verschiedenen Arten der Easanwendung sowie

einzelnen Gassorten und ihre Gefährlichkeit. Eins der henntückischsten Giftgase sei das Phosgen, das die Fran- »chen zuerst anwandten. Zum Schlüsse seiner Ausführun- N wies Dr. Kiesgen darauf hin, daß unser Volk die Ee- lchren eines Luftkrieges mit Gasanwendung nicht unter- Wtzen dürfe und daß es rechtzeitig für aktiven und pas- Schutz Sorge tragen müsse. Es sei daher angebracht, nO,c Behörden in dieser Hinsicht auf die Bevölkerung "Usklarend wirkten.

Autozufammenftoß.

Eieute vormittag gegen 10 Uhr stießen an der Straßen- HopfengartenKönigstraße ein kleiner BMW- ^S°n,und ein Opelwagen zusammen. Der DMW-Wagen Lvel |tnr* beschädigt und mußte abgeschleppt werden. Der 9cn konnte seine Fahrt fortsetzen. Personen kamen n LU Schaden.

Der nächste Bichmarkt

$lamfQm Juni statt. Der Abtrieb des Viehes am Vor- xxl i 'kage von der Viehladerampe am hiesigen Bahnhof Weo n * 1 die Straßenecke KurfürstenstratzeZieherser- ba un d" StraßeHeinrich von Bibraplatz" und von Sicht l16^01 nach den einzelnen Stallungen in der M> silier Auftrieb des Viehes zum Markt am Markt- 'nWt beginnt um 6.30 Uhr und muß um 8.30 Uhr be- Hierbei ist das nichtuntersuchte Vieh durch die ItMj W, das voruntersuchte Vieh durch die Sturmius- udenstraße aufzutreiben. Im Interesse der un- völ! ' "en Abwicklung des Marktverkehrs wird die Be- ii*t ,, kl ersucht, auf die vorstehenden Verhältnisse Rück- nehmen.

Steuerkalender für den Monat Juni.

n L Ablieferung der für die Zeit vom einbehaltenen Steuerabzüge vom m?E"slohn. Wenn tm Überweisungsverfahren die 15. Mai einbehaltenen Beträge 200 Mark nicht uberfttegen Imben, Überweisung für die Zeit vom Mai. Dazu 2. Ledigensteuer und 3. Krisen- lteuer, ioweit die beiden letzteren im Steuerabzugsver- whren emzubehalten sind.

10.Juni (Reich): 1. Börsenumsatzsteuer für Mai 1932. 2. um,atzsteuervorauszahlungen und Voranmeldungen Monatszahler (Schonfrist bis 17. Juni). 3. Weitere Rate der Bürgersteuer je nach Steuerkarte. 4. Ein­kommen- und Körperschaftssteuervorauszahlungen für das zweite Vierteljahr 1932, mit Ausnahme der Land­wirt, chaft. Termin vom 10. Juli auf 10. Juni vor- verlegt. 5. Erster Teil des fünfprozentigen Zuschlages zur Einkommensteuer für Einkommen über 8000 Mark, mrt Ausnahme der Landwirtschaft. 6. Erster Teil der Ledigensteuer für veranlagte Einkommensteuerpflichtige mit Ausnahme der Landwirtschaft. 7. Erster Teil der Zuschläge für Aussichtsratsmitglieder: (Preußen): Brer- evtl. Getränkesteuern.

15. Juni (Preußen): 1. Staatliche Grundvermögens- steiwr nebst staatlichem Zuschlag für Monatszahler. Gememdezuschläge zur Grundvermögenssteuer (zum Teil andere Termine). 3. Hauszinssteuer. 4. Teile bo" Preußen: Lohnsummensteuer für Mai 1932 nebst Erklärung über Höhe der Lohnsumme und Zahl der Arbeitnehmer. In manchen Gemeinden andere vermine.

17. Sun i (Reich): Letzter Tag für Umsatzsteuervoran- meldr-ng und Umsatzsteuervorauszahlung der Monats­zahler.

21. S u n i (Reich): 1. Ablieferung der für die Zeit vom 1. bis 15. Mai einbehaltenen Steuerabzüge vom Arbeitslohn im Markenverfahren, desgl. im Über­weisungsverfahren, wenn die vom 1. bis 15. Mai ein­behaltenen Lohnbeträge 200 Mark übersteigen. Dazu 2. Ledigensteuer und 3. Krisensteuer, soweit die beiden letzteren im Steuerabzugsverfahren einzubehalten sind. -4. p uni (Reich): Bürgersteuer für Lohnsteuerpflichtige bei wöchentlicher Entlohnung, soweit die Steuerkarte dies ergibt.

30. J u n i (Preußen): Letzter Tag zur Stellung von An­trägen auf Veranlagung der Lohnsummensteuer für das Rechnungsjahr 1931 gemäß § 16 Absatz 4 der Gewerbesteuerordnung. (Reich:) Letzter Tag für An­wendung des alten Umsatzsteuersatzes von 0,85 Prozent, wenn entweder Lieferung bzw. Leistung oder Zahlung vor dem 1. Januar 1932 erfolgte, laut Not­verordnung vom 8. Dezember 1931

Ein Inserat in unserer Zeitung es findet weiteste Verbreitung.

x. Tann (Rhön), 30. Mai. (40jähriges Dienst- j u b i l ä u m.) Herr Postmeister Schwalm, der Leiter des hiesigen Postamtes, feiert am 31. Mai fein vierzig­jähriges Dienstjubiläum. Im Weltkrieg war er bei der Feldpost auf dem westlichen Kriegsschauplatz und zuletzt in Niederzwehren bei Kassel tätig. Am 1. Oktober 1918 kam er als Postmeister nach Tann. Besonders in den letzten Jahren hat er sich sehr für den Ausbau unseres Postamtes eingesetzt und die Einrichtung mancher Neuerung erwirkt, die dem Tanner Publikum Nutzen bringt. Wir wünschen ihm, daß er in den Jahren, die ihm noch bis zur Versetzung in den Ruhestand vergönnt sind, sich sorglos weiter im Dienste der Allgemeinheit seinem arbeitsreichen Amt wid­men kann, und daß ihm dann nach Versetzung in den Ruhe­stand ein froher, friedlicher Lebensabend beschert sein möge.

Gießen, 29. Mai. (Ander Stark st romleitung schwer verunglückt.) Bei der Arbeit an der elektri­schen Leitung in dem Kreisorl Lindenstruth kam de: In­stallateur Steig von hier der Starkstromleitung versehent­lich zu nahe. Der bedauernswerte Mann wurde von dem Strom an Armen und Beinen so schwer verbrannt, daß er nach Gießen in die Klinik verbracht werden mutzte.

Gießen, 29. Mai. (Massen-Fahrraddieb- stähle einer Frau.) Von der hiesigen Kriminalpo­lizei ist eine 30 Jahre alte Stickerin verhaftet worden, die Fahrräder zu auffallend niedrigen Preisen anbot. Als die Polizei der Sache auf den Grund ging, stellte sich her­aus, daß die Fahrräder gestohlen und durch' Auswechseln der einzelnen Räder, der Lenkstangen und der Schutzbleche so verändert waren, daß die gestohlenen Fahrräder von ihrem Eigentümer nicht mehr wiedererkannt werden konn­ten. Bisher konnte die Polizei der Verhafteten fünf Dieb­stähle einwandfrei nachweisen. Die Untersuchung wird aber noch fortgesetzt und dürfte weitere Straftaten ans Tageslicht bringen. Die Verhaftete bestreitet, Diebstähle ausgeführt zu haben; sie will die Fahrräder vielmehr von einem Verehrer namens Walter Weber aus Düsseldorf zum Verkauf bekommen haben. Indessen konnte sie die Adresse dieses Mannes nicht angeben, auch war er nicht zu ermit­teln, so daß die Polizei der Ansicht ist, daß die Verhaftete ihre Angaben nur gemacht hat, um die ganze Geschichte möglichst zu verdunkeln. Die Verhaftete wurde dem Amts­gerichtsgefängnis zugeführt.

Bad Nauheim, 28. Mai. (Tragischer Todes­fall.) Auf der Treppe einer Pension wurde bei Kran­kenbesuchen Medizinalrat Dr. Grothusen vom Tode ereilt. Dr. Grothusen war lange Jahre in Deutsch-Ostafrika tätig. Unter Lettow-Vorbeck machte er den Feldzug bis zur Ge­fangennahme der Truppe mit. Seit Mai 1919 war Dr. Grothusen in Bad Nauheim tätig.

Darmstadt, 29. Mai. (W ilhelm Merck 1. Prä­sident des Hessischen Automobilklubs.) Der Hessische Automobilklub e. B. (ABD.) wählte in seiner âußerordendlichen Generalversammlung sein lebensläng­liches Mitglied Fabrikant Wilhelm Merck einstimmig zu sei­nem ersten Präsidenten.

Vermischtes

Bom gefunden und kranken Zahn. Die tägliche Zahn­pflege ist nicht nur etwas Persönliches, sie ist, richtig auf­gefaßt, auch etwas Allgemeines. Schon eine flüchtige Be­trachtung kann uns lehren, was wir guten und kaufähigen Zähnen'an Gesundheit und Arbeitskraft zu verdanken haben. Unter Zahnpflege versteht man aber mcht nur die Pflege, die jedermann den eigenen Zahnen selbst ange- dechen lassen kann und soll, sondern im weitesten Sinne jede Behandlung der Zähne bzw. des ganzen Gebisses und seiner Funktion, ferner alle Vorbeugungs- und Schutzmatz- regeln gegen evtl. Schädigung einzelner Zahne und ihres Systems. Ein wesentlicher Akt einer geordneten Zahn­pflege ist die Untersuchung der Zähne in regelmäßigen

Zeiträumen. Der, Funktionsprozeß des Kauens, deyen passive Werkzeuge die Zahne sind, ist heute in seiner weit­reichenden Wirkung auf die Gesundheit so einwandfrei er­kannt, daß hierüber keine Ausführungen gemacht zu wer­den brauchen. Schlecht gekaute Speisen können vom Orga­nismus nur höchst mangelhaft ausgenutzt werden, und da­her lassen sich verschiedene Gesundheitsstörungen auf man­gelhaftes Kauvermögen zurückführen. Auch bei den Zäh­nen gilt wie in der gesamten Gesundheitspflege der Satz, daß Vorbeugen leichter als Heilen ist. Daher sind kleinste Zahndefekte sofort zu füllen. Konservierende Wurzelbe­handlung hat überall dort einzusetzen, wo sie möglich ist. Die Scheu vor einer notwendigen Extraktion (Zahnziehen) ist heute bei den schonenden Methoden und schmerzlindern­den Mitteln sinnlos. Die Methoden der Dentistik, die eine so bedeutende, ausschlaggebende Rolle bei einer erfolg­reichen Zahnbehandlung spielen, sind heute so vervoll­kommnet, daß die Behandlung im ersten Stadium ein­fachste Sache ist und auch in fast allen Fällen so gut wie schmerzlos durchgeführt werden kann. Die Zahnpflege ist nicht allein wegen der Kaufunktion eine wichtige gesund­heitliche Angelegenheit, sondern auch insofern, als defekte Zähne Brutstätten für Bakterien jeder Art sein können. Eine saubere Mundhöhle ist deshalb wichtig, weil die Mundhöhle als Jnfektionspforte für den ganzen Organis­mus von besonderer Bedeutung ist. Gepflegte Zähne und eine saubere Mundhöhle sind in gleicher Weise von größ­ter Bedeutung gegen die Weiterverbreitung von Krank­heitserregern. Daher stellt auch eine in Kleinigkeiten ge­wissenhafte Zahnpflege eine wahre Vorbeugung für alle möglichen gesundheitlichen Störungen dar. Von gleicher Wichtigkeit ist die Pflege und Erhaltung der Milchzähne. Ein zerstörtes Milchgebiß ist eine gesundheitliche Gefahr für jedes Kind. Auch die Milchzähne müssen täglich morgens und abends gereinigt und jeder kleine Defekt so­fort behandelt werden.

Alfons XIII. und seine zwei Seelen. Mit dem letz­ten König von Spanien ist eine der interessantesten Herr­schergestalten von der weltgeschichtlichen Bühne verschwun­den. Auch wer ihn nur nach den Zeitungen kannte, spürte: er war eine seltene Persönlichkeit, und diesen Eindruck vertiefen Erinnerungen und Schilderungen, die Marc Al- danov aus genauer Kenntnis und bester Ueberlieferung im Zuniheft von Velhagen u. Klasfings Monatsheften ver­öffentlicht. Er stellt fest: Tie Seele dieses Menschen lebte in zwei Welten. Es gab einen klugen, liberalen, modernen König, der geschickt und taktvoll seinen verfasiungsmäßigen Berus ausübte. Und es gab einen anderen Menschen, den letzten Bourbonen-Habsburger, der unter der Machtlosig­keit seines Amtes litt, der nicht nur die Verfassung verach­tete und haßte, sondern auch den Liberalismus und Mo­dernismus, und dem in manchen Aeußerungen seine ge­heimen Gefühle durchschlüpften. Der liberale König, zum Beispiel, empfing in seinem Schloß mit großer Liebens­würdigkeit die aus Argentinien, Chile oder Mexiko her­übergekommenen Neureichen, er begeisterte sich für das transozeanische Spanien und schenkte den entzückten Gästen seine Photographie. Der andere Mensch in ihm bezeichnete aber diese Besucher als Indianer und sagte, daß hinter den Kostbarkeiten ihrer Damen ihm immer durch die Nase gezogene Ringe und am Gürtel aufgereihte Skalpe erschie­nen. Der liberale König unterschrieb ohne Widerspruch die Papiere, die ihm die parlamentarischen Minister vor­legten. Der andere dachte (und später sagte er es auch), daß mit wenigen Ausnahmen seine Minister Spitzbuben und noch dazu in der Mehrzahl Dummköpfe gewesen seien. Der liberale König betrachtete sich als Präsidenten einer Republik. Der andere entwarf das Programm einer rein mittelalterlichen philosophisch-politischen Lehre, die weder einer der ersten Bourbonen, noch einer der ersten Habsbur­ger abgelehnt hätte. Dieser Zwiespalt hat ihn in das Abenteuer der Diktatur geführt und ihm schließlich das Vertrauen und die Krone gekostet.

Mairegeu.

Ganz zum Schluß hat der Wonnemond Diesmal noch viel gulgemacht, indem er sehr verbreitete und aus­giebige Regensälle beschert hat. Dem Stadtbewohner ist es wohl schon ein bißchen zu arg geworden, wie sich der Himmel immer wieder grau bezog und seine Schleusen öffnete, aber wer so weit mit der Scholle verbunden ist, daß er selber ein Gärtlein pflegt, der weiß, wie sehr dieses Raß zur rechten Zeit gekommen ist. Denn um die Wahrheit zu sagen, war der zeitweilig tropisch brennende Sonnenschein schon zu einer rechten Gefahr namentlich für die leichten Böden geworden. Wer darauf geachtet hat, dem ist es vielleicht ausgefallen, wie schnell in diesem Jahre die Aliederblüte vorübergegangen ist, viel schneller als sonst, wenn der Boden noch ein ausgiebiges Wasserreservoir für die Wurzeln bereit hält. Und über­haupt, kühl und naß soll der Mai nach einer der ver­breitetsten Bauernregeln sein, und das hat viele gute Gründe.

Eine Dürre im Mai kann uns den schönsten Obst­ansatz zuschanden machen, wenn sie zu lange anhält, und kann ebenso vielen Schaden bringen wie die diesmal glücklicherweise ausgebliebenen Ersheiligen. Ein jeder Scheffel Mairegen ist ein Maß Korn mehr in der Ernte, sagt etwas übertreibend ein anderes Sprichwort. Die Wiesen hatten teilweise eine Auffrischung auch schon sehr nötig. Und gar nicht zu vergessen ist, daß Regen im Mai auch Garten- und Feldpolizci spielt und eine Reihe von Schädlingen kurz hält, die sonst überhand nehmen würden.

Dazu kommt in diesem Jahre noch eine besondere Betrachtung. Die Herren Wettergelchrten haben uns etwas nervös gemacht und haben uns prophezeit, daß wir diesmal ein Dürrejahr bekommen sollen. Manchmal irren sich zum Glück auch die besten Wcttcrsachverstän- digen, aber bis in das letzte Viertel des Mai sah es leider bedrohlich aus, als ob sie recht behalten würden. Vorerst ist es nun aber nichts damit, denn einstweilen sind wir dank der Mairegenfälle wieder auf einem durch­aus normalen Riederschlagsstande angelangt, und da bleibt immer die Hoffnung, daß auch der weitere Verlauf des Sommers von den Wetterkundigen nicht richtig im voraus berechnet worden ist, sondern daß wir eine Ernte bekommen, die uns in den Stand versetzen wird, aus manche Einfuhr aus dem Auslande zu verzichten, dre unserer vaterländischen Volkswirtschaft diesmal schwer fallen wird, weil die Kassen des Reiches leer sind.

Also die gute Meinung vom Mairegen, die der Land­wirt zu allen Zeiten gehabt hat, ist durchaus kein Aber­glaube, und damit mögen sich diejenigen trösten, denen auf diese Weise ein Spaziergang verregnet ist, den sie hoffentlich im langen Sommer noch recht ost werden nachboleu könnem Dieser Mairegen hat schon feine be- sondere Kraft, wenn auch heute nicht mehr, wie tm Mittelalter, die Herren Heilkundigen Fässer vor die Türen stellen um den Mairegen aufzusangen. weil man damals glaubte, daß allerhand Hciltränke mit Mairegenwasser angesetzt eine ganz besonders verjüngende Kraft besäßen. Worin die verjüngende Kraft in Wirklichkeit beruht, das