Kâaer Anzeiger
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Nr. 118 — 1932 Fulda, Montag, 23. Mai__________________ 9. Jahrgang
Kriegszustand durch Veamienstreik.
Aufstände und Straßcnkämpfc in Griechenland.
Griechenland befindet sich nach hier eingegangenen, allerdings schwer kontrollierbaren Nachrichten in einem Zustand der Erregung, der fast an eine Revolution grenzt. Ein Streik der Postbeamten machte den Anfang-, Die Bewegung dehnte sich dann immer weiter aus. Die Zollbeamten, S t e u e r b e a m t e»n und F j n a n z b e a m t e n beabsichtigen, sich der Bewegung an- zuschließen. Die Arbeitsplätze in den Zollämtern sind leer. Auch die Beamtenstäbc der übrigen Ministerien sind sehr streikfreundlich gestimmt und sammeln Unterstützungen für die Streikenden. Die Arbeiterschaft" sowie die Eirj 6 e n b a 6 n e r wollen gleichfalls streiken.
Blick auf die Hauptstadt Griechenlands, wo revolutionäre Unruhen ausgebrochen sind.
In 15,5 Stunden über den Ozean.
Der Rekord der Amerikanerin Earhart.
Die Ozeanfliegerin Earhart legte die Strecke von Neufundland nach Londonderry in der Rekordzeit von 15 Stunden und 3a Minuten zurück. Sie war am Freitag abend um 22.01 Uhr MEZ. in Harbour-Grace (Neufund- land) aufgestiegen und landete um 14.30 Uhr MEZ. am Eonabcnd in C u l m o r e bei Londonderry, Grafschaft Donegal in Nordirland. Die Strecke beträgt rund 2026)4 Meilen.
Miß Earhart hat mit ihrem Flugzeug zwei Erstleistungen aufgestellt. Sic ist einmal die erste Frau, die «lein den Atlantik im Flugzeug überquert hat und außer- d« die einzige Frau, die zweimal den Atlantik überquerte.
Die Nachricht über die Landung der Ozeanfliegerin Wita Earhart in Londonderrn hat aus dem Pariser "lugplatz unter den Massen des Publikums große Ent- Ndjung hervorgerufen. Viele Sportfreunde und Anhänger taten sich im Flughafen eingefunden, um die Landung nicht i? versäumen. ■
_ Nach ihrer Landung setzte sich die amerikanische Fliegerin Amelia Earhart, genannt Miß Lindi, sofort telephonisch tu t1 Dublin in Verbindung und teilte mit, daß sie nicht ver« 'M sei. Auch das Flugzeug wäre Heil geblieben. Während °» Reise hätte ungefähr zehn Stunden lang der Auspmi Wit versagt, weil er ausgebrannt war. Auf einer großen Strecke des Weges hätten heftige Stürme, Regen und teilweise "Uch Nebel den Flug sehr erschwert. Außerdem Ivar der «enzinmesser gebrochen, ivaS die Fliegerin gezwungen habe, ln Irland notzulanden.
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Ungarischer Ozeanflieger tödlich verunglückt.
Tragisches Ende vor Beginn der Überscesliegertagung.
. Einer der beiden ungarischen übcrsecflicgcr, Georg Endres, der vom Navigator Iulius Bittay begleitet, zu am Sonntag beginnenden Internationalen Übersee« "egcrtagung auf dem liberseeflngzcng „Gerechtig- r>t für Ungarn" von Budapest nach Rom geflogen r, Ut beim Landen ans dem römischen Flughafen t ö d - , A verunglückt. Das Flugzeug, das im Glcitflug '^crgcgangen ist, hat sich überschlagen und ist in Brand « raten. Beide Flieger haben bei diesem llnglück den Tod uHUnbcn.
Segelflieger Ölsuer abgestürzt.
, „Am Abschlnßtage der Segclslngwochc auf Bor- du der eine große Anzahl westdeutscher und nord- Flugvercinigungen teilnahmcn, ereignete sich ?i(ic lr^cr Anfall. Der Segelflieger Olsner von der Hamborn stürzte ans einer Höhe von etwa r ^ infolge Bruchs der linken Tragfläche ab und sofort tot.
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$o.X vor dem Start zur letzten Teilstrecke.
j^8 deutsche Flugboot Do. X hat heute »acht seine Vor- X ? Digg ergänzt und wird ma-r.schei«!ich im Laufe des m,tln9 nach Deutschland wertcrsltegcn. I
in Griechenland.
Venizelos erklärte, daß die Regierung den Beamten- strelk als Revolution ansehe und Griechenland als im Kriegszustände befindlich betrachte. Den Postbeamten droht nach Ablauf der Frist, die ihnen für die Wiederaufnahme der Arbeit gestellt wurde, eine Verfolgung durch das Kriegsgericht wegen Fahnenflucht.
Nach Mitteilungen aus Bulgarien ist der G e n e r a I- streik bereits ausgebrochen, und es ist zu
blutigen Straßenkämpfcn
in Städten Griechisch-Mazedoniens und Thraziens gekommen, die die Folge von Aufständen bewaffneter Tabakarbeiter sein sollen. Nach Meldungen von der bulgarischen Grenze sollen die griechischen Grenztruppen auf der ganzen Linie verstärkt worden sein, jedoch wird jede Auskunft darüber verweigert. Aus Griechenland in Sofia eingetroffene Verkehrsflugzeuge melden ebenfalls eine große Ausdehnung des Streiks, der sich nicht mehr allein auf die Tabakarbeiter beschränkt.
Die Regierungskrise in Griechenland.
Beamtenst reik abgeflaut, General streik erwartet.
Infolge des Rücktritts der griechischen Regierung ist der Streik der Post- und Telcgraphenbeamten, die sich gegen die Sparmaßnahmen des nunmehr zurückgetretenen Ministerpräsidenten Venizelos aufgclchnt hatten, abgeflaut. Dagegen ist die Stimmung für einen allgemeinen Streik lebhafter geworden, zumal die Eisenbahner und Bäcker sehr streitlustig geworden sind.
Da eine weitere Ausdehnung des Streits erwartet wird, wird sowohl in Athen wie auch in der Provinz das Militär in Bereitschaft gehalten. Es sind strengste Befehle cmsgegeben worden, jeden nur geringsten Versuch der Ruhestörung im Lande während der Dauer der Regierungskrise sofort zu unterdrücken.
Das Flugschiff „Do. X" ist um 23.15 Uhr MEZ. aus den Azoren gelandet.
Das Flugschiff hat, Wie jetzt feststeht, die 2300 Kilometer lange Flugstrecke von Neufundland nach den Azoren in der Zeit von 15 Stunden 5 Minuten zurückgelegt. Es hatte durchweg südliche Gegenwinde mit Nebel und Regcnstreifen. Die Landung erfolgte auf der Reede von H o r t a im Stockdunkeln, jedoch ohne Schwierigkeiten. ° Das Flugschiff übernahm sodann 20 000 Liter Brennstoff. . , .
Nachdem das deutsche Flugschiff „Do. X" mit seiner vierzehnköpfigen Besatzung am Sonnabend um 23.15 Uhr MEZ. nach dreizehnstündigem Flug von Neufundland aus in der Bucht von Horta gewassert hatte, startete es am Sonntag früh um 9.19 Uhr MEZ. wieder von den Azoren in Richtung auf die spanische Küste.
Der Start erfolgte bei einem Gewicht von über 55 Tonnen und machte trotz starker böiger Winde keine Schwierigkeiten. Der Start dauerte 1 Minute 50 Sekunden.
Die Motoren liefen ausgezeichnet.
Der Araberprinz in Berlin.
Emir Fcisal beim Reichskanzler.
Der Reichskanzler empfing den Prinzen Fcisal von Hedschas und Nedschd, Vizckönig von Mekka, zur Entgegennahme des an den Reichspräsidenten gerichteten Handschreibens seines Vaters, des Königs Ibn Saud. Der Prinz war von dem Unterstaats- fefretär für auswärtige Angelegenheiten, Exz. Fuad Hamsa, begleitet. An dem Empfang nahmen der Chef des Protokolls, Graf Tattenbach, sowie der stellvertretend« Leiter der Orientabteilung des Auswärtigen Amtes, Gesandter Prüfer, teil. Atlf dem Vorhofe der Reichskanzlei hatte eine Abteilung der Reichswehr Aufstellung ge- nommen, die dem Prinzen die militärischen Ehrenbezeugungen erwies.
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Berlin. Anläßlich der Anwesenheit des Emir Feisal, Vizekönigs von Mekka, in Berlin, gab der Reichskanzler ein Esten in der Reichskanzlei.
Das Ergebnis der strenger-llniersnchung.
Betrügereien seit 1924.
Die Krengerschc U n t e r s u ch u n g s k o m - Mission stellt in ihrem Schlußbericht u. a. fest, daß die Betrügereien Ivar Kreugers zum mindesten schon 1924 b e g o n n c n haben. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Kreuger u. Toll-Gcscllschast an Ivar Kreuger bc« zichungsweisc dessen Erben Forderungen in Höhe von über 200 Millionen Kronen besitzt. Krengers persön- l i ch e S ch u l d c n betragen über 500 Millionen Kronen, und die von ihm übernommenen Bürgschaften mindestens 400 Millionen Kronen. Die Aktiva sind zwar zum Teil wertvoll, aber in der Hauptsache verpfändet, und erreichen auch insgesamt nur einen geringen Bruchteil der Verpflichtungen.
Bahn frei für den Mittelstand!
Wenn heute — übrigens gilt das gleiche auch für gestern und vorgestern— der Fiskus finanziell am Rande feiner mehr oder minder großen Weisheit angekommen ist, dann greift er immer zur Steuererhöhung. Da besagter Fiskus nicht weiß, wie anders er die etwa 3 Milliarden betragenden Kosten der Erwerbslos en-Unter- ft ü tz u n g zusammenbringen soll, so zieht er eben die Steuerschraube an. Er will — für die unter dem Druck der Kosten für die Wohlfahrtsfürsorge zusammenbrechenden Gemeinden — die Bürgersteuer über den 1. Juli ^n“.uë --strecken" und außerdem eine neue Zwecksteuer einführen, von der alle „Beschäftigten" betroffen werden. Denn „man" rechnet mit einer jährlichen Erwerbslosendurchschnittszahl von 5,9 Millionen. Das wäre ungefähr ein Drittel der heute als Angestellte und Arbeiter beschäftigten — oder nichtbeschäftigten — erwerbsfähigen Deutschen.
Und wo bleibt die Arbeitsbeschaffung? Seit anderthalb Jahren wird davon und darüber geredet; man hoffte auf sie, — aber auch diese Hoffnung ist dünn und mager »eworden. Man schrie und schreit nach ihr, — aber dieser Schrei ist schon fast zu einem Röcheln der Verzweiflung geworden. Die Maschine hat in der Rationalisierung einen sogenannten Sieg über den Menschen errungen, — aber es war schlimmer als ein Pyrrhus- sieg. Jetzt rosten die Maschinen, werden zu Schrott und altem Eisen. Und die Millionen von Menschen, die sie triumphierend „überflüssig", arbeitslos machten, werden in jahrelangem Nichtmehrarbeitenkönnen auch zu — altem Eisen. Nicht äußerlich vielleicht, aber innerlich. Die furchtbaren Tragödien aus der Jugendzeit des Kapitalismus, die von Gerhart Hauptmann in seinen „Webern" dramatisiert worden sind, wiederholen, vervielfältigen sich zu Millionenschicksalen.
Wer aber in allem Not und Elend der Arbeitslosigkeit sein Menschentum nicht verloren hat, haßt nichts so sehr wie das Wort „Fürsorge". Und jede Arbeitsbeschaffung, die für den dabei Beschäftigten nicht eine erkennbare „Werte-Schaffung" ist, bleibt auch nur eine schlecht verhüllte „Fürsorge". Man kann den Rahmen aber noch sehr viel weiter spannen und feststellen, — doch wir wollen das mit den Worten des Reichskanzlers aus seiner letzten Reichstagsrede sagen: „Aus einer strukturellen Krise, in der sich die Wirtschaft lerall in der Welt befindet, kommt man dann am ehesten heraus, wenn man der Energie, Opferfreudigkeit und Entschlußkraft der kleineren, selbständigenExistenzen möglichst die Bahn freimacht." Also: Wenn man dem „Mittelstand" in Industrie, Gewerbe und Handel die Wege ebnet.
In der gleichen Reichstagssitzung hatte ein anderer Redner von einer Zeit der „Konzerndämmerung" gesprochen. Betrachtet man dieses nicht unrichtige Wort von der produktionstechnischen Seite her, so kann man von einer Dämmerung der zusammengeballten Massenerzeugung reden, wo die Maschine ihr stählernes, menschenzertrümmerndes Lied hinausbrüllt. Es ist heiser, ist zum Lallen geworden, zum Stottern und Stammeln. Der „Hochkapitalismus" der Nachkriegszeit ist vielleicht durch nichts besser charakterisiert als dadurch, daß an die Stelle des „Unternehmers", des „Arbeit Gebers" der — Generaldirektor oder der Aufsichtsratsvorsitzende getreten ist. Nicht überall, aber bei den meisten Großunternehmungen. Sie erlagen jedoch der Krise am ehesten. Ein Gegenbeispiel: Von den Ende 1930 berichtenden 1361 Gewerblichen Genossenschaftsbanken, also den typischen Kreditinstituten des „Mittelstandes", haben im Laufe des Unheiljahres 1931 nur 88 die Zahlungen entstellen müssen. Für diese Mittelstandsbanken hat die Regierung nur 20 Millionen zu Stützungszwecken hergegeben und noch für 42 Millionen Garantien übernommen, — aber bei der Bankensanierung hat das Reich 335 Millionen allein schon verloren!
Sollte nicht eine wirtschaftliche, eine wirkliche „Arbeitsbeschaffung" am besten hier cinsctzcn, an diesem Wendepunkt der „strukturellen" Weltkrise? Das mittlere und kleine Unternehmertum in Deutschland beschäftigt noch heute 30 bis 40 Prozent der in der Industrie tätigen Arbeiterschaft, ernährt verhältnismäßig mehr Angestellte als die Großindustrie, gibt — dem Menschen, seiner Arbeitskraft, seiner Initiative und seinem Arbeits willen einen viel breiteren Raum. Rationalisierung bureb die Maschine ist heute gar nicht mehr identisch mit Rentabilität, und die vom Rost zerfressenen Maschinen fraßen meist nicht nur den Menschen, sondern fressen jetzt auch noch Kapital und Rente.
Ein Experiment in einer süddeutschen Zigarettenfabrik hat gezeigt, oaß die Ersetzung der Maschinell durch die menschliche Handarbeit — eine Maschine gleich 200 Arbeiterinnen — nicht bloß zur Mehr- beschäftigüng Hunderter von Menschen führt, sondern daß bei einem Steuernachlaß von 14 Prozent ein Ausgleich der Kosten und Preise erzielt werden könnte. 90 Prozent aller Bauarbeiter sind ohne Beschäftigung, und die Zahl der Betriebe im Bauacwcrbe ist dcmgcniäß cinacschrunwkt.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
• Zu schweren Unruhen infolge eines Bcamtenftreiks ist es in Kriecheuland gekommen.
* Die amerikanische Fliegerin Earhart-^Zutman ist als erste Frau allein über den Ozcan geflogen.
* Beim internationalen ADSlC.-Rcnnrn siegte Braischitfch aus Mercedes-Benz.
* Die preußisch", Staatsminister habe» ihre Aemter nieder» gelegt, nachdem die Wahlperw^c des sKen Landtags abac, kaufen ist.