Zul-aer Anzeiger
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Nr. 114 — 1932
Fulda, Mittwoch, 18. Mai
9. Jahrgang
Der Militärputsch in Japan.
Klugfeuer im Kernen Osten.
Im Zeitalter des Kabels und der Funkentelegraphie, des immer schnelleren Ausbaus eines Weltnachrichten- nctzes ist der europäische Westen, ist auch selbst Amerika genau so schlecht über die Vorgänge im Fernen Osten unterrichtet wie früher. Natürlich sind damit nicht die äußeren Geschehnisse genannt wie die Eroberung der Mandschurei, der japanische Stotz auf Schanghai und jetzt die Schüsse auf den Ministerpräsidenten und die sonstigen teils geglückten, teils mißglückten Attentate in Tokio. Aber auch hierbei ist schon daran zu erinnern, daß die — Tclegrammzensur in Japan selbst und in den von ihm beherrschten Gebieten nur diejenigen Nachrichten herausläßt, die irgendwem und irgendwie .genehm" sind. Und selbst wenn eine Völkerbundkommission hinreist, so wird sie nur dort herangelassen, wo .Unverfängliches" zu sehen ist, und wird sorgfältig von ollem ferngehalten, was die japanischen Beherrscher des Fernen Ostens irgendwie kompromittieren könnte. Dort haben ja nach einhelliger Ansicht des japanischen Volkes der europäische Westen und Amerika gar nichts zu suchen.
Über die innenpolitischen Vorgänge in Japan und seinem „Interessengebiet", sogar über deren wirtschaftliche Bedingtheiten erfährt der Außenstehende nichts oder sehr wenig, gar nichts aber über die machtpolitischen Tendenzen im Innern und nach außen. Man kann als Euro- l>m über diese politischen Regungen der Volksseele im Femen Osten nur Vermutungen aussprechen, Ahnungen Achgehen. Wenn seit Monaten, nämlich seit dem rück- Wlosen Vorgehen derJapaner in der Mandschurei, dann bei dem weit über das ursprüngliche Ziel eines Nebenangriffes hinausgehenden Vorstoß aus Schanghai davon gesprochen wurde, daß das -politisch rechtsstehende — Kabinett Jnukai dem scharfen ®w kriegs- und erpLnsionslüsterner Generale nach- gct^ so scheint diese Mutmaßung nicht unrichtig gewesen M sein. Denn die T o d e s s ch ü s s e i n T o k i o knallten, als^die japanische Räumung des Gebiets von Schanghai begann, das unter großen Opfern erobert war, und als auch in der Nordmandschurei eine gewisse Nachgiebigkeit der Japaner festgestellt werden konnte. Sie war wohl nicht zuletzt durch die wachsenden Schwierigkeiten in jenem s ch l i m m st e n Wetterwinkel der Welt verursacht, wo japanische, chinesische, sowjet- und weißrussische Interessen gegen- und aufeinanderprallen und Rußland selbst einen ständig wachsenden antijapantschen Druck auszuüben scheint.
. Die Engländer legen daher den Ereignissen in Tokio eine antirussische Tendenz zugrunde und haben vielleicht damit nicht ganz unrecht. Da aber Nachrichten aus dem «ernen Osten immer nur eine sehr bedingte Glaubhaftigkeit beizumessen ist, kann man heute trotz allerhand entsprechender Meldungen von dorther nicht sagen, ob unter dem Druck der japanischen Generale und des Offizierkorps w Tokio eine scharf nationalistische Regierung ans Ruder Mut, die nun alle von Völkerbund und Amerika müh- ™ genug erhandelten Zugeständnisse Japans vor Mughai und in der Mandschurei rückgängig machen und Wens vor Schanghai die Truppen deswegen zurück- Ren würde, um sie für den Aufmarsch in der Nord- "mndschurei einzusetzen. Und das würde dort eine Lage Wen, die das jetzt schwebende Feuer jeden Augen- , sckzu h-e l l e r Kriegsflanime emporlodern Wien kann. Würde doch der „natürliche" Abschluß desi spanischen Vorgehens erst in der Eroberung des ein-
Hafens an der dortigen Ostküste Asiens, Wladi- wostock, und in der Zurückwerfung Rußlands bis zum Baikalsee,liegen.
Der Leitstern des VDA.
Deutsche Pfingsten im Ostland.
Rückblick aus die Tagung des B. D. 8L
, Etwa 6000 Jugendliche und 1000 Erwachsene aus dem Neich diesseits des Korridors, aus Österreich und aus dem Auslande hatten die große Reise nach Ostpreußen ange- reten, viele von ihnen aus dem Wasserwege, mit den ■Wotorfdjtffen des Scedienstes Ostpreußen. Einer noch größeren Zahl ist es durch die Wirtschaftsnot dies- unmöglich gewesen, an der großen Psingsttagung des 'jetctnâ für das Deutschtum im Auslande teilzunehmen.
. mußten noch im letzten Augenblicke absagen. Das Veranstaltung bei allem festlichen Gepränge dies- ernstes Gesicht. Dazu aber kam
das Erlebnis der Berührung mit dem abgcschnürtcu
. Osten,
meisten Teilnehmer zum ersten Male sahen und menlernten. Hier spürt man auf Schritt und Tritt und r Unterhaltung mit jedem Einwohner schon nach Sito ” WcMvn die Rot, in die uns Deutsche alle, den $L „ aber am meisten, die unsinnige und unhaltbare eine gebracht hat. Gleichzeitig aber lernt man Ab.» dölkcrung kennen, die trotz aller Bedrückung — Re^ 1,nt die allerhöchste Arbcitsloscnzifscr im ganzen rbcn Mut nicht verliert und die entschlossen ist, ihre Atein, ^mat mit allen Kräften und bis rum letzten LUge zu verteidigen.
1 Vordergründe standen diesmal
bei die Arbeitstagungen,
M sich die Frauen, denen bei der Schuharbeit eine
Gewiß hat die Annexion der Mandschurei wirtschaftspolitische Gründe, um dem übervölkerten, allzu rasch industrialisierten und jetzt schwer unter der Weltwirtschaftskrise leidenden japanischen Volk eine Siedlungskolonie zu verschaffen. Aber dabei scheinen auch machtpolitische Absichten mitzusprechen, über deren Art man sich ohne weiteres klar ist, wenn man sich daran erinnert, wie Japan seit einem halben Jahre mit dem Völkerbund und Amerika in Genf usw. verfahren ist. Der japanische Delegierte hat wiederholt mit dem Austritt seines Landes aus dem Völkerbund gedroht, wenn und weil dieser „Schwierigkeiten" macht, also die Dinge nicht ganz so laufen lassen wollte, wie die japanischen Generale und Admirale es verlangten und mittels schwerer Artillerie und Bombengeschwader durchzusetzen vermochten. Das Abenteuer dauert nun aber für Japan fchon eine so geraume Zeit, daß die innenpolitischen und wirtschaftlichen Bedrängnisse noch rasch anwuchsen. Ihnen nach autzenhin i n Richtung auf die Mandschurei ein Ventil zu öffnen heißt aber, so ganz nebenbei, nichts anderes, als auf einem offenen Pulverfaß mit Streichhölzern spielen.
♦
Die Forderungen der japanischen Militärs.
Gegen die Verständigungspolitik der Regierung.
Der Chef des japanischen Generalstabes, Prinz Kanin, hatte mit dem japanischen Kaiser eine längere Unterredung über die Umbildung derRegierung. Japanische Militärkrcisc verlangen, daß die neue Regierung überparteilich sein und eine festere Politik zum Schutz« der japanischen Interessen treiben müsse. Die Tolerie - r u n g s p v l i t i k des Kabinetts Jnukai könne in Au- lunst nicht mehr geduldet werden.
Kriegsminister Araki und Marineminister Usumi haben erklärt, daß sie dem kommenden Kabinett nicht mehr angehören würden.
Die Mörder des Ministerpräsidenten werden vor ein Kriegsgericht gestellt werden, das demnächst zu- sammentrcten wird.
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Ore Reichsregierung zur Ermordung Inukais.
Reichskanzler Dr. Brüning hat dem japanischen Außenminister folgendes Beileidstelegramm übersandt: „Tief erschüttert durch die Nachricht, daß Herr Minister" Präsident Jnukai einem verabscheuungswürdigen Anschlag zum Opfer gefallen ist, spreche ich Eurer Exzellenz meine und der Reichsregierung wärmste Anteilnahme- aus." ' lux—
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Aufregung in Moskau.
In russischen politischen Kreisen herrscht große Aufregung über die innenpolitischen Ereignisse in Japan. Es wird erklärt, daß mit einer grundlegenden Änderung der politischen Lage im Fernen Osten zu rechnen sei, wenn die Militärpartei die Macht in Japan übernehmen würde. Man müsse sogar damit rechnen, daß Japan versuchen werde, seine Niederlage in Schanghai und in der Mandschurei durch einen neuen Kriegsfall wettzumachen. Die japanische Militärpartei sei unbedingt r u f f e n « feindlich, gesonnen, eine weitere Zuspitzung der politischen Verhältnisse sei zu erwarten.
große Aufgabe zufüllt, die Studenten, insbesondere aber die Bernfsstände, Kaufleute, Arbeiter und Bauern zu- fammenfandcn. Auch die Jugend selbst erfuhr in^ihren Versammlungen durch die Vorträge von Direktor Trent- Reuvork und Dr. Fcchtcr-Berlin-Elbing, was der Osten von seinen Bewohnern sordert, wenn sie sich
alS Bollwerk und Vorposten bewahren
wollen, nämlich in erster Linie Zusammenschluß aller Parteien zur Front für das bedrohte Volkstum, wie cs die Deutschen in den an Polen abgetretenen Gebieten vorbildlich durchgcführt haben. In den Beratungen der verantwortlichen Stellen mußten die Richtlinien festgclegl werden, welche Auslandspositionen unbedingt gehalten werden müssen, falls die Wirtschaftsnot zu noch weiteren Einschränkungen zwingen sollte.
Aber
der festlich-weihevolle Teil, der den Pfingsttagungen des V. D. A. immer sein Gepräge anfdrttckt, ist dennoch nicht zu kurz gekommen. Da war vor allein die große Abcndfeicr und Bannerweihe im Stadtwalde bei Vogelsang, wo über 50 neue Orts- und Schul- gruppen-Banner und -Wimpel durch den stellvertretenden Vorsitzenden des österreichischen Bundesrates, Univ. Pro- fessor Dr. HugelmannWien, geweiht wurden, nachdem hohe Geistliche beider Bekenntnisse, Superintendent n. Gennrich-Königsberg und Domprobst Prälat Sander- Frauenburg, feierliche Ansprachen gehalten hatten. Vor der Weihe der neuen Abzeichen würden die schwarz um- störten Wappen der entrissenen Städte des Ostens enthüllt, KanziL Memel, Tlwrn und der anderen Städte des
Korridors, und vor diesen Sinnbildern der Trauer leisteten die Zehntausende von Jugendlichen und Erwachsenen mit erhobener Schwurhand
das Gelöbnis der unverbrüchlichen Treue, das dann mit dem Deutschlandlied bekräftigt wurde.
Auch der abendliche Fackelzug der Jugend, der von dem Sprechchor begleitet wurde: Danzig, Memel, Ostpreußen bleibt deutsch! Der Korridor wird deutsch! machte einen tief ergreifenden Eindruck.
Weither aus Danzig, aus der Niederung, aus Ostpreußen und aus dem entrissenen Korridor waren dann am Pfingstmontag die Zuschauer zusammengeströmt, um
den großartigen Festzug
zu sehen. Hier waren Abordnungen aus allen Teilen des Reiches, aus Österreich, aus Siebenbürgen, aus dem Banat, aus dem Saarland, aus Eupen-Malmedy, aus Ostoberschlesten, aus den baltischen Randstaaten usw. aufmarschiert, viele in den malerischen Trachten ihrer Gegenden, andere mit den Sinnbildern des Gewerbefleißes, der ihre Heimat auszeichnet. Und nahm schon der Vorbei- marsch dieser Gruppen fast eine Stunde in Anspruch, so folgte dann der Festzug des Ostens, mit einer Bauernhochzeit, mit Fischern aus dem Frischen Hass, mit den Ordensrittern und mittelalterlichen Trachten der Marienburg-Festspiele und mit den Handwerkerzünften und Vereinen. Sie alle vereinigten sich zu einer Huldigung vor den Vertretern der abgetrennten, um die Erhaltung ihres Deutschtums kämpfenden Gebiete.
Als großer Leitspruch über der Tagung aber standen bei allen Veranstaltungen die Worte, die der Vorsitzende des V. D. A., Reichsminister a. D. Dr. Geßler, gesprochen hat: „Wir werden auf nichts verzichten, was zu diesem Volk und Land gehört!" W. S.
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Der Festzug in Elbing.
Abschluß der VTA.-Tagung.
Den Höhepunkt und Abschluß der diesjährigen VTA.- Tagung in Elbing brachte der Pfingstmontag. Am Pfingstsonntag abends sand noch die Abendfeier und die Bannerweihe in Vogelsang statt, während am Pfingstmontag zunächst eine kaufmännische Tagung, eine Arbeitertagung und eine Bauerntagung abgehalten wurde.
Den Abschluß der Elbinger Veranstaltung bildete der große F e st z u g. Schon am Vormittag waren die Straßen der Stadt von Menschenmengen umsäumt, bis am frühen Nachmittag bei strahlendster Pfingstsonne — der Festzug begann. Über eineinhalb Stunden lang dauerte der Vorbeimarsch.
An der Spitze, hinter den Fahnen und dem Vorstands- Wagen, marschierte der Gauvcrband Hannover. Ihm folgten die Landesverbände aus dem Reich und Österreich, untermischt mit Kapellen- und Trachtengruppen. Den Schluß bildeten VerkchrStruppen der Post, Eisenbahn, Fliegerei und Feuerwehr, und Rcklamcwagcn.
Am stärksten vertreten im Festzug waren Berlin und Brandenburg, Sachsen und vor allem ein langer Zug auS Danzig. Besonderen Beifall erhielten bte abgetretenen Gebiete, so Eupen und Malmedv, die losgerissenen Städte von Nordschleswig, die Gebiete der Ostmark und das Saargebiet. Die Grazer und die Salzburger weckten den Beifall durch ihr Jodeln.
Vor entblößten Häuptern zog das Westpreußenkreuz von der Dreiländerecke bei Weißenburg vorbei und die von den Polen abgebrochene Münsterwaldcr Brücke. Den Marien- burgern mit Rittern, Knappen und Volk folgten die Korporationen der Studenten aus Königsberg und Danzig: Immer wieder vor allem die Erinnerung an die Zwangsgrenze und an daS Versailler Diktat, aber auch an die unzerbrechliche Widerstandskraft, zu der auch dieser Festzug aufrtef, dcr heu Abschluß der Elbinger Tagung bildete.
Wann wird der Reichstag einberufen?
Borwürfe gegen den ReichStagsprâstdentcn.
Dr. Frick, der nationalsozialistische Fraktionsführer im Reichstag, stellt im Völkischen Beobachter fest, daß 229 Abgeordnete der Nationalsoz. Deutschen Arbeiterpartei, der Deutschnationalen und der Kommunisten Anträge aus Einberufung des Reichstages auf den 14. Mai zur Fortsetzung der grundlos unterbrochenen Verhandlungen gestellt hätten, daß aber Loebc dem Verlangen nicht entsprochen habe. Die 229 Abgeordneten hätten nun neuerdings die Einberufung des Reichstages für den 1 9. Aè a i verlangt. Werde dieses Verlangen abgelehnt, so bedeute das nach einer klaren Entscheidung des Staats- aerichtshofes einen V e r f a s s u n g § b r u ch.
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Die nationalsozialistischen Mitglieder des neuen Preußischen Landtages sind von dem nationalsozialistischen Wahlleiter für Preußen, dem Fraktionsvorsitzenden Abg. Kube, zu einer ersten Frak« tionssitzuna für Donnerstag nach Berlin berufen worden.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* In bett Pfingsttagen ereigneten sich schwere VerkehrSun- fälle, die viele Todesopfer forderten.
* <^m Moseltal sind durch eine Wollenbruchkatastrophe furchtbare'Verwüstungen angcrichtet worden. Fünf Personen fanden den Tod.
* Der französische Passogierdampfer „GeorgeS Philippar" ist in der Rübe von Aden in Brand geraten. Über daS Schicksal mehrerer hundert Passagiere ist man noch im un- gewissem
* Sunt Gouverneur des MemelgebietS wurde der bisherige litauische Generalkonsul in London, GylhS, ernannt.
* Die japanische Armee hat in einem Ultimatum die Bildung einer nationalen Sicaierunu verlanat