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Zulüaer Mzeiger

1 JO WIR. Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön und Vogelsberg»

Bahnsperro usw. erwachsen dem Bezieher keine Iulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt SZÄÄTus»! Ansprüche. Verlag Christian Seipel, Fulda. Neüaktlon und Geschäftsstelle: Köntgstraße 42 . Zernsprech-flnschluK Nr. 244» Reklamezeile 0.60 Mk. / Bei Rechnungsstellung Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachdruck dermit*versehenen Fâl nur mtt«»<msad«,ral»a«n«>ta»e'^a««»«. hat Zahlung innerhalb 8 Lagen zu erfolgen.

^r. 113 1932

Fulda, Dienstag, 17. Mai

9. Jahrgang

Var große Psingsttrefseu der VVK.

Ausländsdeutsche im Lebenskampf.

Die große Osttagung des VDA.

Die 5 2. Jahrestagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland wurde in Elbing ab- ncimlten. Das große Pfingsttreffen wurde mit einer Frauen- "âgung eingeleitet. Der zweite Tag begann mit Sportwelt- tämpfcn. Von der Hauptversammlung des VDM jourbe

eine Entschließung

Mgenommen, in der u. a. sestgestellt wurde, daß im vergangenen Zähre in der Lage des Ausiandsdeutschtums, insbesondere des «Mischen, nicht zu übersehende Verschlechte- Tung e n eingetreten seien. Als die eine Ursache sei die Lelt w i r t s ch a s t s k r i f e anzusehen. Der Schrumpsungs- Meß des Außenhandels habe das Auslandsdeutschtum viel­fach härter getroffen als die Staatsbürger der Mehrheits- tëller.

Das Bauerntum

des Ausiandsdeutschtums stehe in schwerster Krise, die sich iri­sche der Verzögerung einer mitteleuropäischen Lösung des Absatzes vertieft habe. Trotz der bei allen auslandsdeutschen Kruppen festzustellenden Steigerung der Opserbereitschaft und Entschlossenheit zur Selbsthilfe seien die kulturellen Volks- organisationcn, in erster Linie

Schulen und Kirchenwesen, schwer bedroht.

Als zweite wesentlichste Ursache der allgemeinen Verschlechie- Mg sei eine neue nationale Welle festzustellen, die in dm meisten mittel- und osteuropäischen Staaten die rechtlichen Grundlagen des national-kulturellen Eigenlebens der Aus- laudsdcutschen zu unterhöhlen drohe.

Diese schmerzlichen Feststellungen feien dem VDA. und dein WM deutschen Volle ein erneuter Ansporn zur unermüd- Wn gesteigerten Arbeit. Möge feder Deutsche immer wieder daran denken, daß jeder dritte Volksgenosse heute außerhalb du Reichsgrenzen lebe und daß unwiederbringlich verloren fei, was heute nicht gerettet werde.

Am dritten Tage fand nach G o t 1 c s d i c n st e n in allen âMjchen Kirchen und der katholischen Pfarrkirche

Ser große Festakt

W bei dem nach einleitendem Orgelvorspiel zunächst Ober- tusident Dr. c. h. S i e h r - Königsberg das Wort nahm. Der WNer wies u. a. daraus hin, daß Ostpreußen durch den Achtspruch der Entente vom Mutterlande losgelöst und kutsche Gebiete rings um Ostpreußen herum der Staatshoheit fremder Staaten unterworfen seien. Gerade diese Schicksals- Wäge hätten jedoch die besten Eigenschaften der ostpreußischen Bevölkerung klar in Erscheinung treten lassen, die zu der Hoff­nung berechtigten, daß der Kamps bis zum Siege durchgefochten werde. So wertvoll die Hilfsmaßnahmen der Reichs- und Llaatsregierung seien und so dankbar sic in allen Kreisen der

Japans Ministerpräsident ermordet.

Revolutionäre Anschläge in Tokio.

Am Pfingstsonntag wurden in Tokio eine NeLhe auf« 'Mrrregender revolutionärer Anschläge verübt, baten

der japanische Ministerpräsident I n u k a i zum W gefallen ist.

Sieben als Marine- und Armecoffiziere verkleidete âcvolutionäre drangen in die Wohnung des Miuistcr- i^nsidenten ein und feuerten mehrere Schüsse aus ihn ab. P'ukai wurde schwer verwundet. Man brachte den 76jâh- "tzm Ministerpräsidenten sofort ins Krankenhaus, wo er M Blutübertragung wenige Stunden später ge- Pörben ist.

Gleichzeitig mit dem Anschlag auf Juukai wurden "'schlüge aus die B a n k Don Sayan, auf die P o l i - ^'zentrale, auf die Zentrale der Seihnkai-Partei, die M i t s u - B i s h i - B a n k und aus die Wohuun- des Außenministers I o s ch i s a w a, des Admirals uzu k i, des Obcrstzercmvnienmcistcrs Baron H a und des Groß-Siegelbewahrers Graf Makino

? ch dcm Anschlag auf den Ministcr- frMibe n t en stellten s i ch 18 junge Leute fällig der Polizei.

» handelt sich um fünf Marineoffiziere, mehrere ' mecvffizjcre und Kadetten. Sie gehören sämtlich der L< > ^ llschaft ver schwarzen Drache n" an, die HerL". ^fanb" genannt wird. Die Mitglieder dieser

""hung kämpfen gegen die neue Ordnung. Sie waren i» blondere mit der Politik der japanischen Regierung Erstände,," " schurci und in Schanghai nicht ein« de» gleichzeitig mit den Anschlägen wurden überall in Steher Flugblätter verbreitet mit Aufschriften wie:

«"t den untreuen Elementen; lang lebe der der "udet die Korruption der Politiker; nieder mit N»?â^chie der Finanzleutc!"

""' verschiedenen Anschlägen und Bomben- bfsi i-, "rden ein Polizist getötet, sieben Polizisten, ein $ und drei Zivilisten verwundet.

kflner^ hnt den Finanzminister Takahashi sinn rctcndcn Ministerpräsidenten ernannt.

Freiheiten zu den Anschlägen in Tokio.

^8 M^.^n Anschlag aus Juukai teilte die Schwiegertochter Shb Präsiden»-» folgende Einzelheiten mit: Sie bc- 1 tfhebe ethalb des Hauses, als die Attentäter ciudraugen. Min Dienern und einigen Polizisten, sie auszuhalten, t 1- Juukai befand sich mit einem anderen M ^'"im Zimmer. Die Schwiegertochter eilte zu ihm 'ljiltihn » iu fliehen. Er weigerte sich icdoch und trat den cytgcgcu, wobei er ihnen ainlcf; »Schießt

Bevölkerung anertannt würden, sie müßten doch Etückwerl bleiben, wenn es nicht gelinge,

bei der gesamten deutschen Bevölkerung Verständnis für die Sonderlage Ostpreußens, für seine Bedeutung für; das Deutschtum im Osten zu wecken. Die Tagung möge dazu bei- tragen, ein neues festes Band zu knüpfen zwischen allen Deutschen diesseits und jenseits des Korridors.

Der Vorsitzende des VDA., Dr. Geßler, hielt das Schlußwort. Den eindrucksvollen Worten der Vorredner sei zu entnehmen, daß der Kampf unter dem Druck politischer Ver­gewaltigung und wirtschaftlicher Not immer schwerer werde und daß der bescheidene Schutz, den die Friedens­verträge den Minderheiten geben sollten, immer mehr zu einem Fetzen Papier werde. Der VDA. gebe dem festen Willen Aus­druck, daß das deutsche Volk den deutschen Volksgenossen im Osten das, was der schwach gewordene deutsche Staat ihnen an Unterstützung nicht geben könne,

an moralischer Hilfe gewähren wolle.

Wir wollen zum Ausdruck bringen, daß Deutschland kein geographischer Begriff ist, sondern daß wir ein einig Voll von Brüdern über alle politischen Grenzen hinweg sein wollen, daß wir nicht verzichten wollen und können, mit den anderen Völkern gleichberechtigt unser gemeinsames Volkstum zu pflegen.

Am Montag sanden eine kaufmännische Tagung, eine Arbeitertagung und eine Bauerntagung statt. Auf der Bauerntagung hielt Freiherr von Gayl, Mitglied des Reichsrats und des Preußischen Staatsrats, einen Vortrag. Er behandelte das Thema:

Siedlungsmöglichkeiten in Ostpreußen" und führte u. a. aus: Ostpreußen ist ausschließlich Agrarland. Seine wenigen Industrien hängen ab­gesehen von einigen Werken in Elbing und Königsberg eng mit der Landwirtschaft zusammen. Von Ostpreußens Gesamt­fläche sind 62,7 Prozent landwirtschaftlich nutzbar.

So erwünscht uns Zuzug aus dem Westen ist, nach Lage der Dinge muß offen bekannt werden, daß für

eine Siedlung von Westen nach Ostenprcußcn sehr wenig Platz vorhanden ist und daß die Siedlungsmâg- lichteiten Ostpreußens in erster Reihe von den einhei­mischen Bewerbern ausgeschöpft werden müssen. Die Zahl der Siedlerstelle» auf dem gegebenen Landvorrat läßt sich natürlich durch Verkleinerung der Stellenflächen ver- größern. Das ist aber höchstens theoretisch möglich, praktisch nicht, weil die örtlichen Verhältnisse in Ostpreußen eine Mindestgröße verlangen, die man nicht ungestraft unterschreiten darf, wenn man lebensfähige Stellen schaffen will. Auf

die Lebensfähigkeit der Siedler

kommt es an, wenn man Ostpreußen halten und fördern will durch ländliche Siedlung. Diesem letzten Ziel ist alles unter­zuordnen I

nicht auf mich. Ich werde eure Forderungen anyoren. Ihr dürft es nicht wagen, auf mich zu schießen."

Der Führer der Eingedrungenen ließ sich jedoch nicht auf Unterhandlungen ein, sondern befahl Feuer zu geben. Von mehreren Kugeln getroffen, sank Jnukai zusammen. Die 9(ttcntäter flüchteten daraus zunächst in Automobilen. Wie noch bekannt wird, trug Jnukai seit einigen Monaten eine stählerne Weste, um sich gegen Anschläge zu schützen Infolge­dessen zielten die Attentäter auch in erster Linie auf den Kopf des Ministerpräsidenten.

Dynamit im Elektrizitätswerk

Unter den Transformatoren im Elektrizitätswerk wurde Dynamit gefunden. Die Attentäter wollten allem Anschein nach das Werk in die Luft sprengen, um die Licht­versorgung zu unterbinden.

Der japanische Kaiser hat der Familie des ermorde­ten Ministerpräsidenten sein Beileid ausgesprochen. Gleichzeitig übermittelte das diplomatische Korps der ja­panischen Regierung Vcileidskundgebungen.

Juukai,

Takahaschi, der stellvertretende

"ÄK. MIW#>t

Blutige Zusammenstöße zwischen Hindus und Moslems.

29 Tote, 370 Verwundete.

In B o in b a v kam es zu ferneren Zusammenstößen zwischen Hindus und Moslems, wobei 29 Personen ge­tötet und eüva 370 verletzt wurden. Die Polizei war der Wut der streitenden Parteien gegenüber völlig ohn­mächtig.

Beeilen Sie sich!"

Ms die Reichstagssitzung am Donnerstag ver­gangener Woche .aufflog", also vom Reichstagspräsiden­ten die Vertagung ausgesprochen wurde, hatte er noch hinzugefügt, die Reichstagsabgeordneten würden von ihm über den Termin des Wirderzusammentritts benach­richtigt werden. Es lag also kein Beschluß des Reichs­tages vor, der diesen Termin fest bestimmte. Im Ältesten­ausschuß sind dann Anträge der Opposition, die einen Wiederzusammentritt des Plenums nicht erst für den 6. Juni, sondern für einen beträchtlich früheren, sehr baldigen Termin verlangten, von der Mehrheit des Aus­schusses abgelehnt worden, aber die Opposition kündigte bereits an, sie werde eine frühere Berufung unter Bezug­nahme auf Artikel 24 der Reichsversassung verlangen; dort heißt es nämlich, daß der Präsident des Reichstages .ihn früher berufen muß, wenn es . . . mindestens ein Drittel der Reichstagsmitglieder verlangt". Bei den 577 Mit­gliedern des Reichstags wäre dieses Drittel also 193, und mithin würden die entsprechenden Anträge der Na­tionalsozialisten, Teutschnationalen und Kommunisten mehr als genügen, um den Reichstagspräsidenten zu einem Verfahren gemäß Artikel 24 der Verfassung zu veranlassen. Die Dinge liegen anders wie bei früheren Anträgen dieser Art insofern, als damals der Wiederzusammentritt des Reichstages durch Mehrheitsbeschluß auf einen bestimm­ten Zeitpunkt festgelegt wurde, also ein anderer Termin höchstens durch einen Mehrheitsbeschluß des Altestenaus­schusses hätte bestimmt werden können. Das ist nicht ge­schehen und man stellte sich sinngemäß auf den Stand­punkt, daß der Artikel 24 nur anwendbar sei, wenn der Reichstag auf unbestimmte Zeit vertagt ist, weil ein Drittel der Reichstagsabgeordneten einen Beschluß der Mehrheit natürlich nicht umstoßen kann. Grundsätzlich hat übrigens vor kurzem der Staatsgerichtshof über einen ähnlichen Streitfall beim Preußischen Landtag entschieden, daß auch ein Mehrheitsbeschluß des Ältestenausschufles, der die von der Opposition geforderte Einberufung des Landtages ablehnte, nicht zwingenden Rechts sei, sondern der Zusammentritt der Kammer hätte veranlaßt werden müssen. Es ist also wohl damit zu rechnen, daß im Reichstag die Opposition eine frühere Zusammenberufung berbeiführt, wenn sie einen entsprechenden, von einem Drittel der Abgeordneten unterstützten Antrag stellt.

Wenn der Reichstag früher zusammentreten sollte, dann könnte er auch, dem bisherigen Gebrauch gemäß, nach kürzerer oder längerer Debatte den Haushaltsentwurfin erster Lesung" dem Haushaltsausschuß zur Durchberatung überweisen; an und für sich hat nach einer Geschâsts- ordnungsänderung aus jüngster Zeit der Reichstags­präsident das Recht zu dieser Überweisung, und es ist von ihm auch bereits mitgeteilt worden, daß er mit jenem Gesetzentwurf auch demgemäß verfahren werde. Doch den Massen des Volkes wird dieserGegenstand der Tages­ordnung" ein nicht gerade übermäßiges Interesse ab­nötigen, sie erwarten vielmehr mit allergrößter Ungeduld, daß endlich aus den Ministerien ein handfester Ent­wurf über die Arbeitsbeschaffung heraus­kommt. Seit zwei Jahren wird dort über dieses Thema debattiert und heute ganz bestimmt nicht mehr etwas Neues auf diesem Gebiete produziert. Schier unzählige Kom­missionen haben sich damit beschäftigt und cs scheint doch so, als hänge jetzt das ganze Schicksal des Rumpflabinetts Brüning davon ab, daß es von jenen papiernen Be­schlüssen und Denkschriften, Anregungen und Vorschlägen, Entwürfen und Phantastereien endlich zur Tat kommt. Auch der Reichsbankpräsident Dr. L u t h e r hat eine solche Denkschrift veröffentlicht, die sich natürlich vor allem mit der finanziellen Seite der Arbeitsbeschaffung befaßt. Er legt großes Gewicht auf die EinschaltungHllfswirtschaft- licher" Maßnahmen, nämlich der .Nutzbarmachung" der Arbeitskraft der Erwerbslosen aus bestimmten Arbeits­gebieten, aber nur vorübergehend und behelfsmäßig neben der freien Wirtschaft. Jene Maßnahmen Arbeitsdienst­pflicht ist ein einfacheres und verständlicheres Wort dafür würden sich hauptsächlich auf Siedlungsaufgaben er­strecken und zum großen Teil geldlos durchgesührt werden können: Arbeitsleistung anstatt .Bezahlung" durch Geld, Verwendung nur einheimischer Rohstoffe und Industrie- Produkte bei der landwirtschaftlichen Siedlung und hypo­thekarische Sicherung der Lieferanten. Neben der Siedlung kommen dann nur .zusätzliche Arbeiten" in Frage, bei denen eine unmittelbare Rentabilität nicht vorliegt, also z. B. Straßenbanten, Hockwasserschutz, Flußregulierungen usw. Das kostet natürlich Geld, viel Geld und dafür ist die Prämienanleihe bestimmt, die der Reichstag ja in seiner kurzen Sitzungsperiode vor Pfingsten der Regierung bewilligt hat.

Als 1862 der damalige preußische Kriegsminister Roon den Pariser Gesandten Preußens, Herrn von Bis­marck, nach Berlin rief, um durch ihn die fast zusammen- brechende innenpolitische Lage meistern zu lassen. telc-

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Die 52. Zahrestagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland fand in Elbing statt.

Geheimrat Prof. Dr. Kahl, der bekannte Jurist und Parlamentarier, ist gestorben.

Der Schlesische Sejm ist laut Beschluh des polnischen Staatspräsidenten auf unbestimmte Zeit geschlossen worden.

Am Pfingstsonntag wurden in Tokio revolutionäre An­schläge verübt, benen u. a. der japanische Ministerpräsident Jnukai zum Opfer gefallen ist.

Ein D-Zug KölnAltona entgleiste am 2. Pjingstseiertag. Zehn Reisende wurden z. T. schwer verletzt.