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Zul-aer Anzeiger

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^107 1932 Fulda, Montag, 9. Mai g. Jahrgang

Deutschland will Gleichheit.

eichSlanzler Dr. Brüning über Abrüstung und Reparationen.

Der Berliner Verband der auswärtigen reffe veranstaltete im Schöneberger Rathaus eine Mische Matinèc.

Erschienen waren Reichskanzler Brüning, Reichsminister Spiele, die preußischen Minister Severing, Steiger, Schmidt, Grimme und Klepper, die Staatssekretäre von Bülow, Pünder, Trendelenburg, Abegg, vom Diplomatischen Korps Nuntius Ochnigo, die Botschafter Englands, Italiens, Japans, der Mei und Spaniens, die Gesandten Österreichs und Süd- WW, ferner Reichstagspräsident Löbe, sowie Mitglieder des AWrats. zahlreiche Vertreter der Ministerien und der Presseableilung der Reichsregierung wie auch der übrigen PresMeilungen, Vertreter der Stadt, der Auslandspresse md anderer reichsdeutscher Presseorganisationen, nicht zu ver- öck" natürlich die Mitglieder der einladenden Organisation, die Verleger und Chefredakteure der Reichshauptstadl und aus dem Reich selbst.

ch der übrigen der Auslandspresse

Rach einem Haydn-Quartett und dem Deutschlandlied, zu dm sich die Anwesenden erhoben, begrüßte der Vorsitzende deè Berliner Verbandes der auswärtigen Presse, Dr. Thu in, die Erschienenen.

Reichskanzler Dr. Brüning

banste zunächst für die Worte des Vorsitzenden. Er wandte sich dann den Rückwirkungen der Wiederwahl Hinden- W zu: Die Wiederwahl unseres jetzigen Reichsprä- Miuen hat auch eine Epoche von Konflikten und inneren »feiten beendet. Jetzt heißt es, sich einhellig um sM verehrungswürdige Person zu scharen, um der tnteiMtienalen Autorität seiner Persönlichkeit bei den iommenben außenpolitischen Aktionen diejenige mora- nschk Stoßkraft hinzuzufügen, die der einige Wille eines grohen.Polkes zu sichern vermag.

. Tei Reichskanzler kam in seiner Ansprache, die, wie ein Rechenschaftsbericht über seine Arbeit in Gens anmutet,

WM^ Vertrages

»chrcchen. Es hat sich schon vieles uns gegenüber zumBes- Asendet, bte Atmosphäre des Haffes ist vielfach ge- chmMber m vrelem besteht diese Ungerechtigkeit fort, d gerade m einem der wichtigsten Punkt«) nämlich in Aertetdigungsmogltchkeit dessen, was jedem Menschen s Teuerste und Heiligste sein muß. Darin besonders sind Mn einem Zustand minderen Rechts geblieben.

Hiergegen bäumt sich ganz Deutschland mit Recht auf. Mn sind sich alle einig, und hierin liegt die Bedeutung »Abrüstung, die seit Februar in Genf einer Lösung ent- Mgefuhrt werden soll. Deutschland will keine Sonder­te, keine Privilegien. Es will nichts als die Gleich- N als die Beseitigung des Zustandes, der es in die megorie des Staates minderen Rechts und auf den -Md der Wehrlosigkeit in einer Umgebung bis auf die

An der Bahre Doumers.

Oie Trauer um Doumer.

"tbrun nimmt die Präsidcntschaflstandidatur an.

Leiche des ermordeten Präsidenten Doumer ist h ,"Armiert und im ElysSe aufgebahrt worden, wohin ^kk. bis zum Donnerstag die gesamte französische Bildlichkeit zugelassen wird.

F,. , ^atspräsident Lebrun hat die Kandidatur zum ^äfibcnten angenommen und wird aller Voraus- am Dienstag mit erdrückender Mehrheit gewählt ^'^ man beabsichtigt, Painlevd als Kandi- GiXf n Linksblock, aufzustellen. Painlevü hat sich seinen. ' noch Vorbehalten.

Beisetzung im Pantheon.

'in«« m®jlc$unJl des ermordeten Präsidenten wird nach Mu des französischen Ministerrats am 12. Mai Mwée « stattftnden. Die sterblichen Ucbcrrcste MgM111. Pantheon beigesetzt. Die Nationalvcrsamm- 'r^ "us dem Senat und der jetzt scheidenden ich^ ,,âusa»imensctzt, wird bereits am 10. Mai in Ver- Mw, ot.P'eMMcn, 111,1 au diesem Tage bereits den Nidie «JartnJ i d einte N z li w ä h l c n , denn die fran - ®NMav< schreibt vor, daß beim Ableben des auptes der neue Präsident sofort gewählt

^ Zahlreiche Beileidskundgebungen.

N stmrzösischen Regierung und im Trauerhause Wout Trauerkundgebungen eingetrofsen. Reichs- ^ttU!^" Hindenburg hat an die Witwe Doumers ein Mit. w11 Worten gehaltenes Beileidstelegramm ge- s?tii^ Staatssekretär Meißner im Auftrage Mliit*« dem französischen Botschafter in Menu? M' Beileidsbesuch abgestattet; für die Reichs- ?Ws h d) Reichskanzler Dr. Brüning in Begleitung Mi ^ "°"' Protokoll, Graf Tatlcnbach, in der franzö- iMMM1 vor. Wer der Nachfolger Doumers im k Allein Kto l?' ^dt noch nicht genau fest. Alan rcch- "^dainlt, daß der jetzige Präsident des Senates, 3®Mt?Mut Präsidenten der Republik werden wird.

Zähne bewaffneter Staaten herabbrückt. Wir haben vor wenigen Tagen das Gerücht von einer bevorstehenden Be­setzung Danzigs vernommen. Das Gerücht war unbe­gründet. Aber wie hätte es so tiefe Beunruhigung in ganz Deutschland herbeiführen können, wenn eben nicht diese Ungerechtigkeit bestünde, wenn sich eben nicht mit allen Mitteln moderner Kriegführung ausgerüstete Staaten an der Seite eines wehrlosen Deutschland befänden.

Die Reparationszahlungen.

Längst ist in allen denkenden Köpfen die Überzeugung Ge­meingut geworden, daß Deutschland die ihm auferlegten ungeheuren Zahlungen nicht leisten kann, ja, mehr als das, daß diese Zahlungen entscheidend dazu beigetragen haben, den wirtschaftlichen Wirrwarr in der Welt herbei- Zuführen, ihn bis ins Unerträgliche zu vergrößern und bei ihrer Fortdauer jede Möglichkeit bei Besserung auszuschalten.

Deutschland hat für den von ihm verlorenen Krieg wie wohl kaum ein Volk in der neueren Geschichte gelitten und Opfer bringen müssen. Einmal aber müssen diese Opfer ihr Ende haben! Einmal muß auch diese Rechnung als beglichen anerkannt werden, wenn wirklich der Krieg als beendet erklärt werden feH! (Stürmischer Beifall.)

Von der Lausanner Konferenz wird es ab- Pängen, welchem Geschick nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt entgegengehen wird, oder, ob sie weiter­hin in Elend und Sorge versinken oder endlich aber den festen Grund finden werden, auf dem allein ein Wieder­aufbau, eine Epoche fortschreitender Entwicklung mög­lich ist!

Wir können nicht mehr warten, weil die Völker nicht mehr warten wollen und nicht mehr warten werden! WaS uns nottut, ist nicht eine Multiplikation der Konferenzen, sondern die beschleunigte, die ganze Tat! (Lebhafter Beifall.)

Im Zeichen dieses Tatwillens muß Lausanne stehen, sonst wird es nicht zum Meilenzriche» deS-Lebens, sondern zum Wegweiser des Zusammenbruchs. In dem Glauben an die unabhängige Zukunft unseres Volkes und Reichs bin ich Optimist. Das deutsche Volk hat in seiner Ge­schichte alles Gute schwer erringen und erkämpfen müssen. So wird es aller Voraussicht nach auch in Zukunft bleiben. Das fordert von uns allen Einsetzung der ganzen. Kraft. Von einem einmütigen Willen beseelt wird Deutschland auch in schwerster Zeit ungebrochen und ungebeugt der besseren Zukunft entgegengehen, die wir erhoffen und für die wir alle unsere ganze Kraft einsetzen wollen! (Lang­anhaltender Beifall.)

Die Schlutzansprache hielt Generalkonsul Maus, Ver­leger der Kölnischen Volkszeitung. Er dankte dem Kanzler für seine Worte und verwies auf das Verständnis der Presse für die schweren Aufgaben, vor denen der Reichskanzler jetzt stehe.

Claude Karrère am Sonntag operiert

Der Dichter Claude Farrère, der, wie ursprünglich an­genommen, bei dem Attentat auf Doumer nur eine leichte Armverletzung davontrug, ist noch einmal untersucht worden. Hierbei hat eS sich herausgestellt, daß er außer der Schußwunde im Arm noch eine zweite in der Schütter davongetragen hat. Da Farrère über heftige Schmerzen klagte, hat man am Sonntag die K ug e l e n t - fern t. Das Befinden des Dichters ist befriedigend.

ScnatSpräsidcilt Lebrun, der die meisten Aussichten hat, Präsident der Französischen Republik zu werden

Oie Vernehmung des Mörders.

Die französischen Polizeibehörden haben inzwischen die Vernehmmrg des Mörders fortgesetzt. Es scheint sich zu bestätigen, daß es sich bei Dr. Gorguloff um einen Wahnsinnigen handelt. Aus den Erklärungen Gorguloffs, die wirr durcheinanderlaufen, geht hervor, daß er antl- bolschewistisch eingestellt )var und dcußland vor dem

Bolschewismüs retten wollte. Durch das Attentat wollte er Frankreich einen Denkzettel dafür geben, daß es Rußland Geld geliehen hab«. Gorguloff behauptete auch, daß er der Entführer des Sohnes Lind­berghs sei. Er habe diese Entführung organisiert und 60 000 Franc dafür ausgegeben. Der junge Lindbergh sollte ganz terroristisch erzogen werden. Er wollte nicht verraten, wo Lindberghs Sohn untergebracht worden sei.

Das Rätsel um den Mörder Doumers.

Die amtlichen Untersuchungen des französischen Innenministeriums über das Vorleben und die Gründe die den Mörder des französischen Staatspräsidenten zu seiner Tat veranlaßt haben, sind noch nicht abgeschloffen. Gorgulow selbst erklärt, der Führer einer terroristischen Organisation zu sein, die sich an Frankreich rächen wolle, weil es Rußland in den Krieg gezogen habe. Die Unter­suchung in Nizza hat ferner ergeben, daß er in keinerlei Beziehung enzu russischen Emigrantenkreisen gestanden hat. In Prag hat er sich um die Bildung einer allrussischen Bauernpartei mit.jungbolschewistischem Charakter bemüht. Tas bisherige Ergebnis der Untersuchung lasse die Frage auftauchen, ob Gorgulow vielleicht nur Geistesgestörtheit simuliere.

Ministerpräsident Tardieu fügte dieser amtlichen Er­klärung noch hinzu, in der ganzen Angelegenheit gibt cs einen dunklen Punkt, nämlich die kommunistische Partei- karte,' die Gorgulow in Prag ausgestellt wurde. Tie so­genannteGrüne Partei^, als deren Mitglied sich der Mörder ausgibt, könnte vielleicht der rechte Flügel des Bolschewismus sein. Gorgulow verfügte außerdem über größere Barmittel, und man muß sich fragen, woher dieses Geld stammte.

Moskau gegen den Mörder.

In Moskauer politischen Kreisen erklärt man, daß der Mordanschlag auf Doumer, den ein ehemaliger rus­sischer Staatsangehöriger ausgeführt habe, ohne Folgen für die russisch-französischen Beziehungen bleiben werde. Die sowjetrussische Regierung und andere amtliche Sowjet­organe hätten mit diesem Morde nichts zu tun; sie hätten seinerzeit die französische Regierung auf die Notwendigkeit der Änderung der französischen Haltung gegenüber den russischen Emigranten in Frankreich aufmerksam gemacht, die dort eine rege Tätigkeit entfalteten.

Das vorläufige endgültige Ergebnis ^der französischen Wahlen.

Paris, 9. Mai. Das französische Innenministerium veröffentlicht heute früh einen vorläufigen Ueberblick über das Wahlergebnis, der 602 Kammersitze umfaßt. Das Ergebnis lautet:

Nach dem Nach dem

Parteien: Diher. Starke l. Wahlgang 2. Wahlgang

Rechtsstehende Konservative Republikanisch-demokratische

Vereinigung (Marin) Tlnabhäng. Republikaner Kathol. Demokraten Linksrepublikan. (Tardieu) Rechtsstehende Radikale Radikale (Herriot) Sozialrepublikaner und rechtsstehende Sozialisten Sozialisten Unabhäng. Kommunisten Kommunisten

8

3

5

90

44

76

26

13

28

19

10

16

101

37

72

90

25

61

109

63

156

32

9

36

112

40

129

5

3

11

10

1

12

Zum Verständnis dieser Uebersicht sei angeführt, wie sich nach der bis zu den Wahlen üblichen Einteilung die einzelnen Parteien in der Kammer verteilt haben:

Unabhängige 42,

Republikanisch-demokratische Union (Marin) 85, Demokratisch-soziale Aktion (ehem. Maginot) 30, bei keiner Partei eingeschriebene 20,

Katholische Demokraten 18,

Linksrepublikaner (Tardieu) 63,

Soziale u. radikale Linke (Franklin-Bouillon) 16,

Radikale Linke (Loucheur) 50,

Unabhängige Linke 28,

Radikale. 109,

Sozialrepublikaner 13,

Rechtsstehende Sozialisten 13, Sozialisten 111, Kommunisten 11.

Daraus ergibt sich u. a., daß in der heutigen Statistik des Innenministeriums die Fraktion Maginots aus der Be- rechnung vollkommen verschwunden ist, ferner daß auch die 41 Mitglieder der unabhängigen Rechten nicht angeführt werden, weil sie offenbar auf die einzelnen Gruppen der Regierungsmehrheit verteilt worden sind. Dies hat dann dazu geführt, daß die Marin-Gruppe und die Fraktion Tardieu in der offiziellen Statistik des Innenministeriums mit höheren Ziffern erscheinen als in den Parlaments­handbüchern über die letzte Legislaturperiode.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der Reichstag tritt nach längerer Pause zur Beratung zahlreicher wichtiger Anträge und Entgegennahme bcdcutungö. voller RegicrungScrllürungcn zusammen.

* Der ReichSrat nahm ein KrcditcrmSchtigungSgesctz an zur Auflegung einer Anleihe für Arbeitsbeschaffung.

Der Reichskanzler nahm in einer Rede zur Abrüstungs- uud Reparationsfrage Stellung.

Sei zwei Haudewstürzen in Lyon wurde« 35 Personen ver. schüttet.