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Zul-aer Anzeiger

1.7(^RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg ÄSSÄ Bahnspcrre usw. erwachsen dem Bezieher keine Zul-a- und Haunetal-Zul-aer Kreisblatt wZÄSSi?«j Ansprüche^ Verlag Christian Seipel, Fulda. Reüaktton und Geschäftsstelle: Könlgftraße 42 Zernsprech-flnschluß Nr. 24-4 Reklamezelle 0.60 Mk. / Bei Rechnungsstellung Druck: Friedrich Chrenklau, Lauterbach i. H. Nachâruck Srr mit * v»ks»henra flriik»l nur mit Du«lleaaaaab« .rul-aerNn»«ta»r'«aaa»t. Hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen. Nr. 103 1932 ______Fulda, Dienstag, 3. Mai__________ 9. Jahrgang

Droht Polenanschlag auf Danzig?

Was gedenkt die Reichsregierung zu tun?

Wir berichteten gestern über sensationelle englische Zei­tungsnachrichten aus Danzig, denen zufolge Polen seine Pläne für die Besitzergreifung Danzigs fertiggestellt habe.

Diese Meldungen haben in Berliner politischen Kreisen beträchtliches Aufsehen erregt. Wie an zuständi­ger Stelle verlautet, scheinen amtliche Warschauer Kreise nicht hinter dem Unternehmen gestanden zu haben ober zu stehen. Vielmehr handelt es sich nach Berliner Messung, falls sich die Meldung als richtig herausstellen soll», um ch a u v i n i st i s ch e Kreise oder um sonstige auf abenteuerliche Pläne eingestellte Leute.

Es braucht wohl kaum betont zu werden, daß die deutsche Regierung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln vorgehen würde, falls polnischerseits versucht werden sollte, gegen Danzig in der beschriebenen Weife vorzugehen. Die Vorgänge werden in Berlin mit größter Aufmerksamkeit verfolgt.

In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, daß die Danzig-polnischen Abmachungen über das Anlege­recht polnischer Kriegsschifse im Danziger Hasen abgelaufen sind. In Zukunft gelten für die polni­schen Kriegsschiffe , die den Danziger Hafen anlaufen wollen, die internationalen Bestimmungen für das An­lausen fremder Häfen. Bisher konnten nämlich polnische Kriegsschiffe ohne vorherige Anmeldung im Danziger Hafen vor Anker gehen. Das Abkommen über dieses polnische Sonderrecht war bereits im vorigen Jahr ab- «elaufen und ist seinerzeit bis zum 1. Mai d. I. verlängert worden.

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., Dz Annahme der Reichsregierung, daß es sich bei dchcm geplanten Anschlag nicht um amtliche polnische Kreise handelt, sondern um chauvinistische Heißsporne, kann den Ernst der Lage nicht übertünchen/ Bei der völlig zerrütteten innenpolitischen und wirtschaftlichen Page Polens haben leider dienichtamtlichen" chauvinistischen Abenteurer bedeutend an Oberwasser ge­wonnen. Noch ist es dem alten Marschall Pilsudski unter großer Mühe gelungen, seine abenteuerlichen Militärs von Gewaltstreichen gegen deutsches Gebiet fernzuhalten. Wenn er aber einmal vom Schauplatz abtritt, was bei seinem geschwächten Gesundheitszustand schon sehr bald erfolgen kann, dann besteht die dringende Gefahr, daß um seine Nachfolge unter den Generalen seiner Um­gebung ein heftiger Wettkampf einsetzen wird. Da auf innenpolitischem Gebiet in Polen keine Lorbeeren mehr zu ernten find, werden die Kandidaten solche aus außenpolitischem Gebiete suchen, und das wehr­und waffenlose deutsche Grenzgebiet würde die Me Gelegenheit bieten, sich bei dem "polnischen Volk mit "Nenmilitärischen" Erfolgen beliebt zu machen.

An dieser Tatsache ändert auch einamtliches" Misches Dementi nichts. Die Pläne gegen Danzig sind

Zersetzungsarbeit bei der Reichswehr

DerNote Netter".

Die kommunistische Gefahr für Reichswehr und Polizei.

, In der Verhandlung des Reichsgerichts wegen der kommunistischen Z e r s e tz u n g s a r b eit im Reiter- segiment 9 und wegen Zersetzung der Polizei gegen âwolf Angeklagte ans Fürstenwalde und Berlin nahm "r Vertreter des Oberreichsanwalts, Oberstaats- N ton lt Dr. Eichler, das Wort zur Begründung âklage. Seine Ausführungen sind für die ganze gische Öffentlichkeit von besonderer Bedeutung. Der verstaatsanwalt erklärte u. a.: Es ist hier ein Fall von , ""'unlstischer Zersetzungstätigkeit festgestellt worden, in solchem Umfange noch nie Gegenstand eines x "ährens war. «Die Verhandlung hat

die ungeheuren Gefahren

Nc'N die dein Bestand des Reiches durch die Zersetzung wi>s> . ^^^^altenden Einrichtungen, Polizei und Reichs- I« : °/?hen. In der Person des Angeklagten Schulz die « "er der Zersetzungsarbeit fcstgestellt worden, der '/f^hcing planmäßig einrichtete und in Fürstenwalde Gruppe bildete, deren ausschließliche Aufgabe es die in« .i liegenden Teile des Reiterregiments 9 für umlnnnistischen Ziele zu gewinnen, d. h. die Soldaten den s: ^^ bcn Fall des gewaltsamen Umsturzes, die ""ch gerichtlicher Feststellung erstrebt, auf Nntu h . Kommunisten herüberzuziehen, oder sie zu ^ bleiben"' nt âem solchen Falle wenigstens untätig Versammlungen der Aktivaruppe ein- dtteitü SN^ Nachdem er einen Teil der Angeklagten Nern ^Mmgeheud geworben hatte, habe er einen Nnene n die i e r für seine Zwecke zu ge- doie», mcht. Der Plan der Herausgabe einer Sol« NmN v 1 u n qDer Rote Reiter" sei bald in die Tat Zweck der Zeitung sollte sein, ffnzu-- j " unter den Mannschaften zu erregen unb sie MMei^. isiziere aufzulehnen. Schulz habe dann den Äsiste»" < Meier persönlich bearbeitet. Meier habe Nu /s "hul/u, die er lesen und weiterverbreiten sollt».

1 'ton ihm auch eine Abhandlung über das Ver­

diesmal noch nicht zur Ausführung gekommen. Daß sie bestehen, ist sicher.

Die Reichsregierung ist gewarnt. Möge sie nichts unterlassen, um einem neuen Überrumpelungsversuch rechtzeitig vorzubeugen und ihn von vornherein unmöglich zu machen. Vollendete Tatsachen sind schwer oder nie wiedergutzumachen, auch nicht durchSchritte" des Völkerbundes.

Graf Gravina, der Völkerbundkommissar in Danzig.

Polen bestreitet irgendwelche Pläne auf Danzig.

London, 3. Mai. Der polnische Botschafter sprach gestern im englischen Auswärtigen Amt tun um die Aufmerksam­keit auf dievöllig unwahren Berichte dreier Londoner Zeitungen über angebliche aggressive Absichten Polens auf Danzig" zu lenken.

Völkerbmörat tagt am s. Mai.

Oberschlesische und Danziger Fragen stehen zur Verhandlung.

Der Völkerbundrat tritt am Montag, den 9. Mai, unter dem Vorsitz des Vertreters von Guatemala, M a t o s , in Genf zusammen. Zur Verhandlung gelangt als Hauptgegenstand der Bericht des Finanzausschusses über die Finanzlage Österreichs, Bulgariens, Ungarns und Griechenlands, ferner Beschwerden des Deutschen Volkse bundes in Oberschlesien und des Fürsten Pleß gegen die polnische Regierung, der jahrelange Streit zwischen Eng­land und Finnland wegen der Beschlagnahme finnischer Schiffe im Weltkriege und eine Reihe wichtiger Danziger Fragen.

hältnis zwischen Reichswehr und Bevölkerung verlangt.

Für seine Mitarbeit seien ihm

Honorare in vornehmer Höhe versprochen worden. Bei einer Besprechung habe nach Angaben des Zeugen Meier Schulz eingestanden, daß er an die Kasernenmauer gemalt

habe:Brüder im Waffenrock, schießt nicht auf uns!" Dem Meier sei dann gesagt worden, wenn er erwischt werden sollte, was jedoch ausgeschlossen erscheine, so würde man ihn nach Rußland schicken. Was er an Versorgungsgebührnissen einbüße, würde ihm in Ruß­land doppelt ersetzt. Meier sei vorgelogen worden, daß ein Wachtmeister, vier Unteroffiziere und eine ganze An- zahl von Mannschaften des Reiterregiments 9 schon für die KPD. arbeiteten. Am 28. März 1930 habe Schulz sogar

an einem Schwadronsfest teilgenommen.

Schulz habe dem Obcrgefreitcn Meier auch Manuskripte für denRoten Reiter" gezeigt. Darin habe u. a. der Satz gestanden:Bald kommt die Zeit, wo wir mit den Menschenschindern von Offizieren kurzen Prozeß machen werden!" Oberstaatsanwalt Eichler sagte dazu, das grenze, wie schon der Vorsitzende erklärt habe, an die Aufforderung zum Mord.

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Herabsetzung der zwölfjährigen Menst- zeit bei der Reichswehr?

Reichskanzler Brüning habe, so wird einem eng­lischen Blatt aus Genf gemeldet, während der Genfer Besprechungen Macdonald und Stunson gegenüber er- klättDeutschland wolle sich verpflichten, seine Rüstun- g e n bis zur zweiten Abrüstungskonferenz, die in einigen Jahren stattfinden soll, n i ch t z n e r hohen, wenn da- für gewisse technische Vorschriften des Versailler Ver- traaes die sich auf die ungleiche Abrüstung beziehen, auf- gehoben würden. Eine dieser technischen Beschränkungen bestehe in der V crpflicht n n g de r z wo lfja h - rißen Dienstzeit. Dem Ziel des Friedensvertrages, Deutschland der ausgebildeten Reserven zu be^

rauben, habe Brüning durch sein Zugeständnis Rechnung getragen, die gegenwärtige Stärke der Armee nicht zu erhöhen. Dieseroffensichtlich so gute und geschäfts­mäßige" Vorschlag habe auf Macdonald und Stimson Eindruck gemacht, er könne die Grundlage für ein so­fortiges Einvernehmen zwischen Deutschland und Eng­land, Amerika, Italien und Rußland abgeben.

In Berliner politischen Kreisen wird diese Meldung (ebenso wie ähnliche, bereits früher ver­öffentlichte Berichte) als ein Gemenge von Kombinationen bezeichnet, die sich aus den von verschiedenen Seiten in Genf gemachten Vorschlägen ergäben. Auch deutscherseits seien Anregungen ergangen, ohne daß sich bereits ein bestimmter Plan herauskristallisiert habe. Die Er­örterungen würden bei der geplanten neuerlichen Zu­sammenkunft der Staatsmänner fortgesetzt. Es wäre auch unverständlich, wenn der Reichskanzler tatsächlich derartige Vorschläge überhaupt in den Bereich der Mög­lichkeit gezogen hätte. Wo bliebe dann die Gleichbe- r e ch t i g u n g D e u t s ch l a n d s , die als die unum­gängliche Voraussetzung für jede Zustimmung Deuffch- lands zu irgendwelchen Abrüstungsabmachungen immer wieder hingestellt wurde und auch weiterhin hingestellt werden mutz. Durch derartige Sonderzugeständnisse würde Deutschland wieder seine Zustimmung zu seiner Behand­lung als Staat zweiter Klasse geben, denn daß die übrigen Staaten nicht bis auf den Rüstungsstand Deutschlands abrüsten werden, ist doch Wohl heute schon klar.

Haushattsforgen.

Auch nach der Schlußrede des amerikanischen Staats­sekretärs Stimson in Genf ist die Welt gerade so klug wie zuvor: Die große Öffentlichkeit weiß weder, wie bte weitere Entwicklung der Weltabrüstungsfrage vor sich gehen soll, noch ob man sich in Genf hinsichtlich des Welt­problems der deutschen Tribute bzw. derinteralliierten Kriegsschulden" irgendwie nähergekommen ist.Zeit und Geduld" verlangte Stimson schon für die Lösung der Abrüstungsfrage, Zeit und Geduld fordert noch weit mehr die Behandlung der Tribuffrage.

Alles befindet sich in der Schwebe. In rin paar Tagen erledigt jetzt die Reichsregierung einen Haushalt, der eigentlich keiner ist! Denn man weiß nicht, welche Posten man auf der Einnahmenseite einsetzen soll. Zweimal ist im Laufe des vergangenen Jahres der übrigens im März 1931 vom Reichstag genehmigte Haushalt des Reiches abgeändert, auf der Ausgabenseite stark zusammengestrichen worden, als cs sich nänüich herausstcllte, daß die Reichseinnahmen sehr viel geringer waren, als man es bei der Aufstellung des Haushalts­entwurfs berechnet hatte. Die Ereignisse, die Entwick­lungen während des Haushaltsjahres, also zwischen dem 1. April 1931 und dem 31. März 1932, zerschlugen alle Berechnungen. Es war daher nur zu ver­stehen, daß angesichts der absoluten Ungeklärtheit der finanziellen Lage der Reichsverpflichtungen ebenso gegenüber dem Ausland wie gegenüber dem Inland das Haushaltsjahr 1932 zunächst um drei Monate ver­längert wurde mit der Maßgabe, daß die sachlichen Aus­gaben um ein weiteres Fünftel zusammengestrichen mürben. Heute läßt sich noch nicht sagen, ob diese Ver­kürzung der Ausgaben dafür genügt, um mit den Ein­nahmen zu einem Ausgleich zu kommen.

Denn die Reichsregierung kann bei ihren jetzt statt-

tf den finanziellen Ergeb­haltsjahres fußen. Sie

fhtbenben Beratungen und Beschlüssen über den Reichs­haushalt nicht einmal mehr auf den finanziellen Ergeb­nissen des vergangenen Haushaltsjahres fußen. Sie rechnet anscheinend auch nicht damit, daß die Wirffchafts- krise, die ihr die Einnahmen dezimiert, schon in den nächsten Monaten durch eine Verbesserung der Konjunktur abgelöst wird. Daß im Reichshaushalt auf der Ausgaben­seite irgendwelche Summen für Tributzahlungen nicht erscheinen werden, entspricht nur der oft unter­strichenen, auch in Genf wiederholten Feststellung des Reichskanzlers, daß Deutschland nicht in der Lage sei, Tribute zu bezahlen. Bekanntlich hat auch der englische Schatzkanzler bk deutschen Zahlungsverpflichtungen des Youngplans bezw. die englische Schuldentilgung gegen­über Amerika nicht in den Staatshaushalt Englands ein­

gesetzt, während Tardieu im französischen Haushalt diese Einnahmen aus den deutschen Tributen aufführen ließ. In Wirklichkeit liegen die Dinge eben so, daß nicht einmal die fällig werdenden kurzfristigen Anleihen privater Art, die von "Deutschland im Ausland ausgenommen sind, aus Mangel an Devisen voll zurückgezahlt werden können und daß ein gleichfalls fällig gewordener mittelfristiger Reichs- kredit im Betrage von 500 Millionen Mark durch das Newyorker Bankhaus Lee, Higginson u. Co. um ein Javr verlängert werden mutzte, einfach, weil wir nicht in der Lage waren, diese Schulden zu bezahlen oder gar sie in Devisen zu transferieren. Allein für den Zins, AmorN- fations- und Rückzahlungsdienst der lang- und mrttel- fristiaen deutschen Anleihen im Ausland mußten im ^abre

Kleine Zeitung für eilige Lefer.

Fn einer Verhandlung d-s Reichsgerichts wurde die kommunistische Zersetz»ngsardeit in der Reichswehr eingehend beleuchte ^^weisaufnahme im Sktarek-Prozetz soll noch in dieser

2k^ Die°deutsche Domgemeinde in Riga ist nach dem Urteil im Domprozcß vertrieben worden.

* Der Völkervundrat tritt am 9. Mai zu einer Tagung zu­sammen.

* Von polnischer Seite werden alle Mitteilung«, Mer eine geplante Besitzergreifung Danzigs dementiert.