Möaer /Anzeiger
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Kammerwahlen in Frankreich
Ruhiger Verlauf bei starker Wahlbeteiligung.
Die Kammcrwahlen in Frankreich gingen in voller Ruhe und Ordnung vor sich. Das Pariser Straßenbild weicht trotz des Zusamenfallens der Wah! mit dem 1. Mai fast nicht von dem üblichen Sonntagsbild ab. Überall haben Gemüsehändler, Maiglöckchenverkäuser und mvcre ihre Stände aufgeschlagen. Nichts deutet darauf hin, saß Millionen von Wählern über die künftige Zu- famensctzung der französischen Regierung bestimmen. Auf- scllend ist das geringe Ausgebot an Polizei. Vor Den Mhlplakaten haben sich nur wenige Neugierige angesammelt Da man in Frankreich nicht für eine Partei, sondern für einen Kandidaten stimmt, wird auch die ganze Wahl- propaganda aus persönliches Gebiet hinübergezogen. Die Kommunisten bedienen sich bei ihrer Propaganda des Bildes des deutschen Reichspräsidenten, um die Politik der Sozialisten zu brandmarken, die 1925 gegen ihn und 1932 für ihn gestimmt hätten.
Soweit sich beurteilen läßt, scheint die Wahlbeteiligung mindestens 80 Prozent zu betragen. Eine Vorhersage über den Ausgang der Wahl zu machen, erscheint verfrüht, obwohl man allgemein mit einem wenn auch nicht starken Linksruck rechnet. Das endgültige Ergebnis ist nicht vor Montag zu erwarten.
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Das bisherige Ergebnis.
Paris, 2. Mai. Um 6 Uhr früh lag das Ergebnis aus M Wahlbezirken vor. 4 Wahlresultate stehen noch aus. Sie im ersten Wahlgang endgültig gewählten Abgeord- neten verteile^ch nach der Harms-Statistik wie folgt : Rechtsstehende 3 Mandate, Gewinn 0, Verlust 1, Marin-Maginot-Parteien 72 Mandate, Gewinn 6, Verlust 8, Linksrepublikaner 33 Mandate, Gewinn 2, Verlust 10, Rechtsstehende Radikale 23 Mandate, Gewinn 4, Verlust 1, Radikale 60 Mandate, Gewinn 4, Verlust 0, Cozialrepublikaner 17 Mandate, Gewinn 2, Verlust 1, Sozialisten 40 Mandate, Gewinn 3, Verlust 2, Kommunisten 2 Mandate, Gewinn 1, Verlust 1.
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Der Ausfall des ersten Wahlganges. — Ein Linksruck.
. Paris, 2. Mai. Die französischen Kammerwahlen haben wie außerordentliche Anzahl von Entscheidungen im 2. âhlgang notwendig gemacht. Der 2. Wahlgang spielt nicht zwischen zwei Spitzenkandidaten ab, sondern wird neuer Kampf, bei dem sogar neue Kandidaten auftre- M sönnen. Es werden also die Kombinationen entscheiden sein, die getroffen werden.
. Rach dem bisherigen Ergebnis läßt sich folgendes Mellen: Die Extremen links und rechts scheinen starke Knuste erlitten zu haben, besonders die Rechtsstehenden. Arbem hat im ersten Wahlgang die Fraktion Tardieu stärksten Mißerfolg erlitten. Sie bucht bereits den Akiust von nicht weniger als 8 Mandaten. Auffallend m> daß die Radikalen bis jetzt nur Gewinne und keine ^’ilufte zu verzeichnen haben, während 40 iher Kandi- durchgekommen sind, während sie 1928 im ersten "ohlgang nur 15 Mandate an sich brachten.
3m ganzen genommen läßt sich soweit der erste Wahl- , S einen Ueberblid gestattet, anscheinend ein Ruck links feststellen. Ob dieser Linksruck im 2. Wahl- noch so stark ausgeweitet werden kann, daß er eine Konstellation der Linksparteien oder eine Konzentration ">n Radikalen unter Ausschluß der Marin-Gruppe ermöglicht, steht dahin.
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Natteiausmarsch in Frankreich.
der französische Ministerpräsident Tardieu in hi '/lcoenen Wahlkainpfredcn es nicht an mehr oder Unh parsen „Spitzen" gegen Deutschland fehlen ließ qnr schließlich bei seiner letzten Wahlpropaganda sich so- "re Verdächtigung gegen die Festigkeit der deutschen leistete, so kann man wohl schon aus dem Anf- ^arnui ■ »offiziellen" Persönlichkeit einige Rückschlüsse deren ^n' wie und mit welchen Argumenten die an- "'cniger prominenten Wahlrediier in Frankreich ifta1/ Mbcn. Für Tardieu, den Führer einer politisch Herrin«? hosteüteu Kammermehrheit, die seit dem Rücktritt M,d die parlamentarische Verantwortung trug, war ^cni, ! innenpolitisch die Sozialistische Partei der « hp howcsen, war es auch vor den Wahlen und bleibt Million re"1 8" Alai, dem Tage der Stichwahlen, die enb« Griens "^"""dung darüber fällt, wie sich die neue Depu- hiiid>«tz!"^r zusammensetzen wird. Dabei spielte der s°ziali^^^"s eine nicht uucrheblichc Rolle, daß bie dmh , ?" Parteien in England und in Deutschland SUstljl * abgewirtschaftet und darum bei den verschiedenen "ich hdoße Verluste erlitten hätten. Aber in Frank« ^ozwliwrl bic Dinge doch insofern anders, als hier die ^fielst V - Partei den eigentlichen Kern der Opposition
In'cil*) die mehr zur Mitte gehörenden Radikal- ""dist eine oft bis zur „Tolerierung" gehende!
, ""a gegenüber den verschiedenen Kabinetten der
letzten vier ^ähre beobachteten, ^te jetzt eineS natürlichen Aobeä verstorbene Deputiertenkammer hatte überhaupt eine starkereTendenznachrechts, während ihre im ^ahrc 1924 gewählte Vorgängerin eine Linksmehrheit ergeben hatte, so daß — allerdings nur für eine verhältnismäßig kurze Zeit — auch das Linkskabinett Herriot das A^u^ruder des französischen Staates führen konnte. Die wirtschaftlichen und namentlich die Währungsverhältnisse, die nach einer gründlichen Reform geradezu schrien, haben dann aber ein Konzentrationskabinett, die „Union sacrée" bie „heilige Einigun g" erzwungen, so daß das Ministerium Herriot nur eine heute halbvergessene Episode geblieben ist.
, " riot selbst hat sich seitdem politisch stark nach rechts hm entwickelt, und wir Deutsche wissen aus zahl- relchen seiner Reden nur allzu genau, daß sich seine außenpolitischen Ansichten, namentlich die über die Tribut- und Krregsfchuldenfrage, doch nur in Nuancen von der Politik der Laval, Tardieu, Briand usw. unterschieden hat. Tas zu zeigen hat er besonders vor einem Jahre nicht versäumt, als der deutsch-österreichische Zollunionsplan die Wogen der Erregung in Frankreich hochpeitschte. Herriot hat in betont scharfer Weise sich damals mit der anti- deutschen Politik Laval-Briands identifiziert, und zwar in Formen, die recht vielen Deutschen erst die Augen über Hernot geöffnet haben; denn bei uns betrachtete
in weiten Kreisen als den Mann, der für eine wirkliche deutsch-französische Verständigung eintreten wurde. Das muß gerade jetzt wieder als ein großer r r t u m bezeichnet werden. Kurz vor dem ersten Wahlgang hat er cs in einer Rede zwar noch heftig beklagt, daß die Welt in den letzten vier Jahren sich mehr und mehr von dem Friedensdiktat entfernt habe. — aber auch
Handstreich Polens auf Danzig?
Sensationelle Nachrichten der
englischen Blätter.
London, 2. Mai. (eigene Funkmeldung.j „Daily
Expreß" veröffentlicht in sensationeller Aufmachung einen Bericht seines Sonderkorrespondenten in Danzig, in dem cs u. a. heißt, Polen habe seine Pläne für die Besitzergreifung des Freistaates Danzig fertiggestellt. Nur ein in elfter Stunde erfolgter Schritt Frankreichs habe verhindert, daß die polnische Flagge gestern abend über Danzig wehte.
Der Korrespondent sagt: Die maßgebendste Persönlichkeit an Ort und Stelle — kein Pole oder Danziger — habe ihm erklärt: „Die Polen haben ihren Kopf verloren." Die Behörden hätten befürchtet, daß die polnische Flotte in den Danziger Hafen einfahren und, wie im Falle der Wegnahme von Wilna, die Welt vor eine vollendete Tatsache stellen würde. Der Oberkommissar Graf Eravina habe sich dringend mit dem Generalsekretär des Völkerbundes in Verbindung gesetzt und habe ihm warnend von dieser Gefährdung des europäischen Friedens Mitteilung gemacht.
Der Danziger Korrespondent des Arbeiterblattes „Daily Herald" sagt in einer nicht ganz so sensationell gehaltenen Meldung, die radikalen Elemente in Deutschlands) und Polen warteten nur darauf, daß die andere Seite die Feindseligkeiten eröffne. Eine Katastrophe sei gestern vermieden worden, aber die Lage bleibe ernst und bedürfe einer sorgfältigen Behandlung.
Der Sonderkorrespondent der „Daily Meil" in Zoppot berichtet ebenfalls, daß eine neue internationale Verwicklung mit knapper Not vermieden worden sei.
Richissagende Kernost-Entschließung.
Der Völkerbund blamiert sich weiter.
Die F c r n o st - V ö l k e r b ii n d v c r s a m m l u n g nahm im weiteren Verlauf einstimmig mit Stimmcnthal- tung des japanischen Vertreters eine Entschließung an, in der auf Grund der Schanghaier Waffenstillstandsverhand- Iiiiigcil die Zurückziehung der japanischen Truppen inner- halb kürzester Frist und die Vollmachten des gemischten Ausschusses der vier Mächte in Schanghai geregelt werden. Die Entschließung setzt jedoch k e i n e n f e st c n T e r m i n für die Zurückziehung der japanischen Truppen fest und läßt somit diese für China entscheidende Frage
offen.
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<^ie chinesische Regierung teilt amtlich mit, das: die chinesische Bevölkerung mit dem Anschlag in S ch n n g h a i nichts zu tun habe. Kein chinesischer Bürger und kein Vertreter einer chinesischen Organisation habe Zutritt zu der Parade gehabt. Die chinesische Regierung könne für das Ereignis keine Verantwortung tragen, zu- mal die japanischen Militär- und Polizeibehörden für die Ordnung gesorgt und auf jede Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden verzichtet hätten.
er verlangt ausdrücklich eine Stabilisierung beS von den „Friedensverträgen" 1919 geschaffenen Zustandes in Europa durch Einführung und Einfügung von „G a r a n - tien". Also von festen Bündnissen zwischen den Nutznießern dieser „Friedensverträge". Tas ist ein seit 1919 immer wieder angestrebtes Ziel der französischen Politik gewesen, und da führt eine gerade Linie von Clemenceau-Poincarè-Briand-Tardieu zu Herriot.
Ebenso sprach dieser angeblich oder offiziell politisch „links" eingestellte Mann über die Pflicht Frankreichs, die „verbrieften Rechte" zu wahren, also nichts oder doch grundsätzlich nichts von dem aufzugeben, was der Foung- Plan an Rechten dem französischen Staat zuspricht. Das hat er auch noch in der großen Rede ganz unzweideutig erklärt, die er beim Amtsantritt des Kabinetts Tardieu in der Kammer gehalten hat, im Wahlkampf hat er das alles mit der gleichen Deutlichkeit wiederholt. Und uns Deutsche kann in der Beurteilung der außenpolitischen An- und Absichten Herriots auch seine Verbeugung nicht beirren, die er uns gegenüber mit dem Zusatz machte, die schwierige Lage des deutschen Volkes müsse bei den kommenden Reparationsverhandlungen „in Rechnung gestellt" werden. Das hat Tardieu auch schon ein paarmal gesagt, doch riß er aus, als man ihm wegen dieser Berücksichtigung der deutschen Lage nun in Genf näher auf den Leib rückte und ihn veranlassen wollte, darüber „Hals zu geben".
Ähnlich verfuhr Herriot im Wahlkampfe; denn auch innenpolitisch scheint er mit Tardieu insofern an einem Strange zu ziehen, als der jetzige französische Ministerpräsident zweifellos auf eine Konzentrationsregierung — also unter scharfer Distanzierung gegenüber der ausgesprochenen äußersten Rechten und Linken hinsteuert. Und Herriot ist auch während des Wahlkampfes der „Ver- bündete von morgen" gewesen. Aber erst die Ergebnisse des Tages der Stichwahlen werden hierüber das wirklich entscheidende Wort sprechen.
Staatssekretär S t i m s o n gab in Genf vor seiner Stückreise nach Amerika eine Erklärung über seine Genfer Verhandlungen heraus, in der er besonders den Wert zwangloser persönlicher Aussprachen hervorhebt und bestätigt, daß der besondere Zweck seiner Unterredungen auch" der Behandlung der Fernost- frage gegolten habe.
Der getarnte Krieg im Kernost.
Anschlag auf eine Eifenbahnbrücke bei Kirin.
Nach einer Meldung aus Kirin wurde eine 60 Kilometer von der Stadt entfernt liegende Eisenbahnbrücke durch eine Bombenexplosion zerstört. 25 mandschurische Soldaten wurden dabei getötet. Die Japaner behaupten, daß der Anschlag aus die Tätigkeit Moskauer Agenten zurückzuführen sei.
11 Koreaner in der französischen Konzession von Schanghai verhaftet.
Wie ans Schanghai gemeldet wird, hat die französische Polizei in der französischen Zone elf Koreaner verhaftet, die unter dem dringenden Verdacht stehen, an dem Bombenanschlag gegen den japanischen Gesandten beteiligt zu sein.
Während der bei dem Bombenattentat verletzte japa- Nische Bürgermeister seinen Wunden erlegen ist, trat im Befinden des Gesandten eine Besserung ein.
Das Bombcnattentak in Schanghai ohne internationale Folgen.
London, 2. Mai. Der Korrespondent der „Times" in Tokio meldet: Amtliche Kreise erklären, daß das Bom- benattentat von Schanghai als gewöhnliches Verbrechen behandelt werden wird. Da es von einem japanischen Staatsbürger auf einem von der japanischen Armee besetzten Gebiet begangen worden sei, würden internationale Fragen dadurch nicht aufgerollt.
Große und kleine Oonaukonferenz.
Stillstand der Donauverhandlungcn.
In den letzten Tagen sind in G c n f während der An- Wesenheit des Reichskanzlers Besprechungen über die praktische Weiterführung der Donauverhandlungcn geführt worden. Hierbei soll S^r Plan aufgetaucht sein, eine vorläufige Besprechung der s ü n f D o n a » m ä d> t e abhalten zu lassen. Deutscherseits vertritt man nach wie vor in Übereinstimmung mit Italien den Standpunkt, daß eine sachlich zweckmäßige und fördernde Behandlung der Donaufrage nur im Kreise sämtlicher mteo« cssiertcr Mächte, somit der fünf Donaumächte unter Hnnu ■ zichung der europäischen Großmächte Erfolg haben wird, da besonders ohne Deutschland und Italien eine endgültige wirtschaftliche Heilung der Donaustaaien unmöglich erscheint. Die Verhandlungen über die -.onau- fragc sind also vorläufig zum Stillstand gekommen.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* ^cr Reichspräsident empfing den Reichskanzler zum Bericht über "den Verlauf der Genfer Ministcrtagung.
* pinc steuerfreie Millionenanleihe zur Beschaffung der Mittel für die Arbeitsbeschaffung plant die RcichSregicrung.
* U«t das bestehende Lohnfhstcm aufzuloäcru. Hat der Zechen- verband die Lohnordnung im Ruhrbergdau getündigt.