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s Hessen-Nassau und NachbargeVieien

Merkblatt für den 30. April.

ner kaiserliche Feldherr Tserclaes Graf v. Tilly 1632 aeft.1777: Der Mathematiker K. F. Gauß > ^ muneia geb. 1803: Der Generalseldmarschall i in Pleushagen geb. 1870: Der Operetten- Lehr in Komorn in Ungarn geb.

, ,dicklich gegen Tiere. Tut weder Insekten noch 2"mid Bäumen -in Leid an. Zwingt die Insekten Gehäuse und Wohnungen zu verlassen. Stört ^ k den Bäumen schlafenden Vögel nicht auf. Tötet ' Emnael denn die noch im Reste befindlichen Jungen iw" Rückkunft von Vater und Mutter, zerstört keine her Vögel, noch vertilgt ihre Eier. Hetzt weder Len noch Tiere, noch fügt ihnen ein Leid zu.

J Aus dem chinesischen Buch der Belohnungen und Bestrafungen.

Wetterbericht.

Nährend über Ost- und Nordeuropa der Luftdruck noch itöet und sich das dort liegende Hochdruckgebiet noch ver- uat sich das inländische Tiefdruckgebiet stärker nach m Kontinent zu entwickelt. Dabei ist es vornehmlich über ,aland und Frankreich zu ausgedehnten Regenfällen ge- die sich, allerdings in abgeschwächtem Matze, noch

Westdeutschland ausdehnen werden. Später kann je« i wieder mit zunehmendem Einfluß des östlichen Hoch- âèbiets gerechnet werden, ohne daß jedoch vorerst be- inbtaes heiteres und trockenes Wetter eintritt. Vor- â bis Freitag abend: Anfänglich bedeckt und vielfach I Regen, doch rasch wieder Einsetzen mehr wechselnder Mkung mit nur noch vereinzelten kürzeren Nieder- bei meist südlichen Winden ausgeglichenere, aber

L Temperaturen. Witterungsaussichten für Gams« » ? Völlig bis aufheiternd, Tageswärme wieder zuneh- Md, doch immer noch Neigung zu einzelnen Regenfällen.' J ad

" F u l d a , den 29. April 1932.

Der wunderschöne Monat Mai.

Jeder Dichter hat einmal den Mai besungen, und M kamen zu dem Ergebnis, daß erein wunderschöner Monat" sei. Das ist aber nur bedingt richtig, und wer W etwa darauf berufen wollte, daß man ihn ja auch Wonnemonat" nenne, daß er also eitel Wonne bringen müsse, ist falsch beraten, denn diesesWonnemonat" ist dir falsche Übersetzung des altdeutschenWinnemanot", ws ganz einfachWeidemonat" heißt und mitWonne" nichts zu tun hat. So sehr wir auch den Mai schätzen und lieben seine Tücken dürfen wir darum doch nicht »llgesscn. Man braucht da ja bloß an die gefürchteten »Raifröste", die Kälterückfälle, die um die Mitte des Monats einzutreten pflegen zwar nicht unter allen Ilmständen, aber doch sehr häufig, und mit denen ganz unschuldigerweise drei Kirchenheilige in Verbindung ge­bracht werden, zu erinnern. Und auch die Maikäfer, die so um dm Mai herum zu fliegen beginnen und am jungen Baumlaub großen Schaden anrichten, sind, so sehr sie den Beifall der Jugend finden mögen, keine durchaus erfreu« ^Erscheinung.

Am übrigen aber hat der Mar wirklich mancherlei, muö einem gefallen-kann. Schon die vielen besonderen Litten und Bräuche, die mit ihm in Verbindung gebracht Wen, sind anregend und einer liebevolle« Betrachtung Mr. Da ist das altherkömmliche und volkstümliche Mai- H m dein schön geschmückten Maibaum, der auf einem MMatzc des Dorfes eingepflanzt wird, und dem Mai- Mr, das am Abend vor dem 1. Mai in der geheimnis- Walpurgisnacht auflodcrt. Und da ist dann die S m . Maigrafen oder Maikönigs, die beim feier« % Mailehen von statten geht und zu einer Maibraut- W führt, da der Maikönig sich eine Maikönigin aus- U um ein Jahr langmit ihr zu gehen" und sie dann «cht sogar zu heiraten. Alle diese Maifeiern fließen m m Pfingstfeiern, weil ja das P f i n g st f e st gewöhn-

Mai fällt wie auch in diesem Jahre, o weil Pfingsten und Mai nur verschiedene Worte für und denselben Begriff, nämlich fürFrühling" zu

"' Man hat es also bei allen Maifesten mit A,^°s8en Frühlingsfesten zu tun. Und da von Mai- ^"'°Rede ist, muß gleich auch noch der politischen n. ^ Weltseiertages der Arbeiter, gedacht werden. i!t 2 ""* den alten Maifesten nichts zu tun, aber sie w"dl aus dem Gedanken an diese alten Feste ) Kgangen, aus dem Gedanken an das Erwachen erwachb den Menschen erwachen, zu freierem D man von den Annehmlichkeiten des Mai, ie w ^?" Zweier Dinge nicht vergessen: da ist erstens â a l b o w l e auf Waldmeistergrundlage, die sckon 854 von einem kundigen und genutzsreudigen M "'^wönch erfunden sein soll, und da ist zweitens i diD^lockchen, das uns mit seinem bittersüßen Dust I »D-Mude bereitet, das aber nicht ganz unbedenklich

. emcn Giftstoff enthält. Man braucht es also, wen mJtlUm auch noch so sehr gefällt, nicht gleich zu eis tun Zu essen, wie das viele aus schlechter Gewöhn- wüßte man noch, um den Mat völlig z« .l iieren, erwähnen, daß dieser Wonnemonat von >» ni® nark mit der Politik zu tun hat: man braucht lit W^"n die Maiausstände des Jahres 1849 und an MitrS des Jahres 1873, über welche der sog. lanu nur entbrannte, zu erinnern, und man braucht ^ântafi J darauf hinzuweisen, daß uns auch im Mb-n o die Politik mit Reichstag und neuge- Li^""desparlamenten stark beschäftigen wird.

"wen hat der Mai von der altrümischen »bd L. oder Majesta, die das Erdwachstum förderte, ^ u "m 1. Mai ein trächtiges Schwein opferte, l>i bzss^ ,em so durchaus lyrischen Monat gar nicht

Deutsch-Evgl. Frauenbund.

Ä gruppe Fulda des Deutsch-Evgl. Frauenbundes hinguweisen, daß die diesjährige Jah- iln wsinnlung am Samstag, den 30. April, abends l'hbel fitoBen Saale des Evgl. Gemeindehauses statt«

(Uf Verkthrsunsall. ein ^"u"ag um 15.30 Uhr erfolgte in der Karl- .^wmmenstoß zwischen einem hiesigen Motor- D ° mia^ hiesigen Radfahrer. Der Radfahrer und stürzte, wobei er sich eine schwere 8%i. Er mußte sich in ärztliche Behandlung x 1 ^chuldfrage konnte noch nicht geklärt werden.

Der freiwillige Arbeitsdienst lindert die Arbeitsnot!

Arbeitsfreiwillige forsten auf der Wasserkuppe auf.

Sechzig junge Männer aus dem Arbeitsamtsbezirk Fulda haben sich freiwillig bereit erklärt, gemeinsam auf der Wasserkuppe während 8 Wochen 70 ha Oedland mit Fichten zu bepflanzen. Zweihundertzwanzigtausend Pflanzen werden von den Händen dieser jungen Menschen, die schon so lange zur Ruhe verurteilt waren, der Mutter Erde anvertraut. In acht Wochen werden 230 Morgen graue Hute von dieser arbeitslosen Jugend in einen grünenden Fichtenbestand verwandelt. Aus dem grauen Elend der Arbeitslosigkeit hat sich dieses Jungvolk aufge­rafft zur Arbeit, zum Gemeinschaftsleben.

Die Staatl. Oberförsterei Hilders als Träger der Maßnahme überwacht die Auf- forstUngsarbeiteN. Ein Förster und vier Forstgehilfen geben die notwendigen Anleitungen, die bei der Aufforstung unbedingt beachtet werden müssen. Die von der Ober­försterei an der Arbeitsstelle aufgebaute Schutzhütte gegen Unwetter dient gleichzeitig als Speiseraum für den Mit­tagstisch aus der Feldküche.

Das Arbeitsamt Fulda als Geldgeber stellt aus der Zahl der Arbeitslosen- und Krisenunterstlltzungs- empfänger und der jugendlichen Arbeitslosen unter 21 Jahren, die keinen Unterstützungsanspruch haben, die Dienstwilligen, die sich, durch eine Bekanntmachung des Arbeitsamtes aufmerksam gemacht, freiwillig meldeten.

Gestern wurden die Teilnehmer auf der Wasserkuppe einquartiert. Die Rhön-Rossitten-Gesellschaft stellt die Unterkunftsräume und ist mit der Verpflegung

beauftragt. Schon jetzt kann gesagt werden, daß unter der Leitung der Rhön-Rossitten-Eesellschaft für das leibliche Wohl, besonders in Bezug auf die Verpflegung, hinreichend

Nach sechsstündiger Arbeit ist den Teilnehmern Gelegen­heit gegeben, durch Vorträge, die zum Teil durch Licht­bilder ergänzt werden, ihr Wissen, zu erweitern und zu

vertiefen. Die vorhandenen Brettspiele dienen zur Unter­haltung und eine große Auswahl Sportgeräte zu körper­licher Ertüchtigung. Dem Herrn Iugendpfleger Pap­pert ist die Leitung der Vorträge und die Aufsicht beim Sport und Spiel übertragen.

Die notwendigen Vorbereitungen sowie die Organi­sation dieses freiwilligen Arbeitsdienstes wurden im gegen­seitigen Einvernehmen der beteiligten Behörden ange­ordnet, wodurch das Gelingen von vornherein gesichert war.

Die Arbeiten werden nach zwei Monaten beendet sein. Der Erfolg der Arbeit bleibt sichtbar, und der Erfolg des Gemeinschaftslebens wird sich bei den Teilnehmern aus­wirken. Pf.

Kleine Strafkammer Fulda.

Vom Amtsgericht Fulda war im Januar ds. Js. der Landwirt A. H. in Neuenberg wegen Beamtenbeleidigung zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden, gegen wel­ches Urteil er Berufung einlegte. In der Berufungsver­handlung vor der Kleinen Strafkammer wurden am Don­nerstag 17 Zeugen vernommen. Es wurde festgestellt, daß H. am 6. und 7. Oktober v. Js. in Neuenberg den Land­rat von Fulda sowie den jetzigen Bürgermeister und den Eemeinderechner von Neuenberg beleidigt und den beiden Letztgenannten Unterschlagungen von Geldern nachgesagt hatte. Diese Behauptung erwies sich aber als ungerecht­fertigt. Die Kleine Strafkammer hob das erstinstanzliche Urteil auf und erkannte wegen der Beleidigung des Land­rats auf Einstellung des Verfahrens und wegen schwerer Beleidigung in zwei Fällen auf eine Gefängnisstrafe von 10 Tagen mit Strafaussetzung. Gegen dieses Urteil will H. Revision beantragen. In der Privatklage des Ar­beiters A. W. in Fulda gegen den Arbeiter F. H. in Fulda wurde H. vom Amtsgericht Fulda wegen Körper­verletzung und Sachbeschädigung zu insgesamt 30 Mark Geldstrafe verurteilt. In der Berufungsverhandlung vor der Kleinen Strafkammer wurde festgestellt, daß H. am 26. November dem W. einen heftigen Fußtritt versetzt und die Vorplatztür in W's Whnung eingetreten hatte. Die Kleine Strafkammer verwarf die Berufung auf Kosten des H. und bezeichnete die Körperverletzung als gefährlich.

Vor einer Dürre?

Frankfurt a. M., 28. April. Der Leiter des Staatlichen Instituts für langfristige Wettervorhersage in Frankfurt am Main, Professor Dr., Franz Baur, macht in der Frankfurter Zeitung" interessante Ausführungen über den voraussichtlichen Witterungscharakter des Hochsom­mers 1932. Danach muß im größten Teile Deutschlands mit einem trockenen Hochsommer gerechnet werden. Pro­fessor Baur stützt sich bei dieser Voraussage auf den in jüngster Zeit geglückten Nachweis, daß die Ausstrahlung der Sonne in den Weltraum tatsächlich Schwankungen unterworfen ist, und daß diese sich auch in den irdischen Witterungserscheinungen bemerkbar mache. So zeigt sich u a., daß die Tiefstwerte der Sommerniederschlagsmengen Mitteleuropas zwischen den Sonnenfleckenextremen liegen. Eine damit zusammenhängende Erscheinung, die mit großer Regelmäßigkeit eintritt, ist die, daß der Hochsommer (Juli und August) zwei Jahre vor dem Sonnenflecken­minimum in Mitteleuropa fast stets trocken, meist sogar sehr trocken ist. Da wir jetzt wieder einem Sonnenflecken­minimum entgegen gehen es werde wahrscheinlich 1934, vielleicht auch schon 1933 eintreten und da die beiden letzten Hochsommer in Deutschland zu naß waren, sei dem­nach anzunehmen, daß der Hochsommer 1932 im größten Teile Deutschlands trocken werde. Die Eintreffungswahr- scheinlichkeit werde weiterhin dadurch noch erhöht, daß inzwischen, wie neueste Meldungen aus Amerika besagen, das erwartete Ansteigen der Ausstrahlung der Sonne tat­sächlich eingetreten ist.

el. Gersfeld, 28. April. (E i n Fr e m d e n l e g i o n ä r erzähl t.) Der ehemalige Fremdenlegionär ~ tto K l u m p p hatte am Dienstag abend zu einem Vortrage eingeladen über feine Erlebnisse in der franjöfi|djen Frem­denlegion. Vor gut besetztem Hause erzählte er wie er 1924 infolge Arbeitslosigkeit in seiner Heimatstadt Karls­ruhe von der Fremdenlegion angeworben und mit vielen anderen Leidensgefährten nach Algerien abtransportiert wurde. In den Tagen vor der Abreise iet Verpflegung und Behandlung noch gut, teilweise sogar erstklassig ge­wesen. Dann aber wurde beides von rag zu Tag iästeâp ter. Die Unordnung und Unsauberkeit französischer Ver­hältnisse mußten die armen Getäuschten schon in Marseille erfahren, wo sie z. B. keine Rachtruhe finden konnten vor dem quälenden Ungeziefer. In Algier wurden sie zwar gründlich gesäubert, kamen aber dann in noch schlimmere

Unsauberkeit hinein. Die Ungerechtigkeit und Willkür dèr Vorgesetzten ist Unbeschreiblich. Das Traurigste für uns Deutsche aber ist die Tatsache, daß âVProzent der französischen Fremöenlegian aus Söhnen unseres Volkes bestellen, die in Rat- und Aussichts­losigkeit keinen anderen Ausweg wußten, als den französi­schen Werbern zu folgen. Klumpp unternahm zweimal Fluchtversuche, wurde jedesmal aufgehalten und hart be­straft. Nachdem er von einemKameraden" durch Axt- hiebe in den Schädel übel genug zugerichtet worden wâr, markierte er nach seiner Genesung 9 Monate lang den Geisteskranken, um auf diesem Wege der Folter der fran­zösischen Fremdenlegion zu entrinnen. Das gelang ihm denn auch endlich 1927. Seitdem erzählt er seine Erleb­nisse allerorts, hoffentlich mit dem Erfolg, daß unsere Jugend, aber auch Eltern und Erzieher sich warnen und aufklären lassen über die trügerische Herrlichkeit der fran­zösischen Fremdenlegion. Eine Lichtbilderreihe von Alge­rien illustrierte in anschaulicher Weise die Ausführungen des Redners.

Kassel, 28. April. (Schweres Motorradun­glück. Z w e i T o t e.) Am Ausgang des Dorfes Werl bei Brilon stieß in dèr Dunkelheit der Waffenhändler Schrick mit seinem Motorrad mit einem entgegenkommen­den Motorrad zusammen. Beide Fahrer wurden auf der Stelle getötet. Die auf dem Soziussitz mitfahrende Frau des Wanenhändlers wurde schwer verletzt.

Bönstadt (Kreis Friedberg), 28. April.) (S ch r e k - kenstat eines Geisteskranken.) In einem An­fall von geistiger Umnachtung schlug ein hiesiger Arbeiter seine Ehefrau mit einem Maurerhammer nieder und ver­setzte ihr dann mit einem Messer einen Stich in den Hals. Der Täter der im Kriege mehrfach verschüttet war, litt öfter an Störungen des Nervensystems, weshalb er der Landes-Heil- und Pflegeanstalt zugeführt werden mußte. Nach seiner Entlassung stellte sich sein altes Leiden wieder ein, das jetzt zu der schrecklichen Tat führte. Es ist frag­lich, ob die schwerverletzte Frau mit dem Leben davon­kommen wird.

Frankfurt a. M., 28. April. (Deutschlands Jung­flieger zu Pfingsten auf der Wasserkuppe.) Ter große Erfolg, den in den letzten Jahren das Pfrngst- treffen der deutschen Jungflieger auf der Wasserkuppe in der Rhön hatte, hat dem Deutschen Luftfahrtverband Ver­anlassung gegeben, auch in diesem Jahre wieder die deutsche Fliegerjugend auf der Wasserkuppe zu sammeln. Mit dem Jungfliegertreffen ist der Modell-Wettbewerb 1932 des Deutschen Luftfahrtverbandes verbunden. Zugelaffen sind alle Segelflugmodelle zwischen 1,50 und 3,50 m Spann­weite. Der Wettbewerb, an dem nur Mitglieder des Deut­schen Luftfahrt-Verbandes teilnehmen können, findet am Pfingstsonntag auf der Wasserkuppe statt. Bereits am Samstag, den 14. Mai, ist eine Feier am Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe. Der Sonntag vormittag wird mit einem Gottesdienst eingeleitet. Von 9 Uhr morgens ab beginnen dann die sportlichen Wettbewerbe.

Wiesbaden, 28. April. (Das Martyrium eines Geistesschwachen.) Durch eine anonyme Anzeige war dem Kreisarzt in Bad Schwalbach bekannt geworden, daß der von der Landesheilanstalt Eichberg zu dem Landwirt Emil Frankenbach in Born im Untertaunus in Familien­pflege gegebene geistig sehr beschränkte Georg Dauben­thaler aus Frankfurt a. M. sich in einem bedauernswer­ten Zustand befände. Bei der sofort vorgenommenen Nach­prüfung stellte der Kreisarzt fest, daß Taubenthaler ein unwürdiges Lager hatte, sich vor Hunger mit Abfällen er­nährte und am Körper blaue Striemen aufwies, die auf körperliche Züchtigung schließen ließen. Taubenthaler wurde sofort von der Familie entfernt. Gegen den Land­wirt, dessen Ehefrau und deren im gleichen Hause wohnen­den Vater Karl Hies wurde Anklage erhoben. Gestern hatten sich die drei vor dem hiesigen Erweiterten Schöffen­gericht zu verantworten. Tie Beweisaufnahme ergab ein trauriges Bild. Zeugen bekundeten, daß Frankenbach öfter derart auf Daubenthaler eingeschlagen habe, daß diesem das Blut am Gesicht herunterlief. Taubenthaler er­zählte ebenfalls von Schlägen und von Hunger. Tie An­geklagten bestritten alles; sie wüßten von nichts. Das Ge­richt sprach Frau Frankenbach und ihren Vater frei. Der Landwirt Frankenbach erhielt wegen gefährlicher Körper­verletzung eine Gefängnisstrafe von drei Monaten.

Fuldaer Filmschau.

Das Geheimnis umU-Deutschland" heute in den Lichtspielen Bahnhofstraße.

Eine der größten Sensationen während des Krieges war die Nachricht, daß ein deutsches Handels-U-Doot, die Deutschland", glücklich die Fahrt über den Ozean nach Amerika zurückgelegt habe. Tas Geheimnis, das sich lange an diese großartige Leistung knüpfte, wird jetzt für die breitere Öffentlichkeit in dem einzigen authentischen U« Boot-Film gelöst, der uns heute, Freitag, in den Licht­spielen Bahnhofstraße gezeigt und von Kapitänleutnant a. D. Freiherr von Rotsmann erläutert wird. Im Jahre 1916 war die Deutsche Ozeanreederei in Bremen gegründet worden, die sich die Aufgabe gestellt hatte, das Untersee­boot, das sich als Kriegswaffc so trefflich bewährt hatte, nun auch für Handelszwecke zu verwenden. Nur ein 11= Boot konnte die feindliche Blockade durchbrechen und nach dem gelobten Land, Amerika, gelangen, um von dort Roh­stoffe nach der Heimat zu bringen. Das erste Handcls-U- Boot der Welt, dieTeutschland", wurde in 140 Tagen auf der Kieler Germania-Werft gebaut. Unter Kapitän Königs Führung gelangte das Schiff glücklich nach Baltimore. Teutsche Farbstoffe, Eisenerze und sonstige Produkte wurden ausgeladen, dafür nahm es Gummi, Nickel und Zinn an Bord. Auf die Nachricht von seiner Ankunft erschien vor dem Hafen von Baltimore eine ganze feindliche Flotte, um die Rückfahrt derDeutschland" zu verhindern. Das U-Boot kam aber trotzdem durch die Sperrkette hindurch und wurde bei der Einfahrt in die Weser stürmisch bejubelt. Das zweite Handels-U-Boot Bremen" ist nicht mehr bis Amerika gekommen: von sei­nem Schicksal hat man nie mehr etwas gehört. Als die Vereinigten Staaten in den Krieg eintraten, war es natürlich mit diesen Reisen vorbei. DieDeutschland" wurde mit Torpedos und Geschützen versehen und unter­nahm nun als Kreuzer11 150 bis zum Kriegsende drei große Fernfahrten. Bei der ersten Fahrt kreuzte das Schiff drei Monate lang im Atlantik. Es hatte die Aufgabe, vor allem die Zufuhren für die südlich von Agadir gegen die Marokkaner kämpfenden Franzosen abzuschneiden. Dieser lange Aufenthalt fern der Heimat war mit Etnahrungs- schwierigkeiten verknüpft. Für gewöhnlich mußte die U Boot-Besatzung von Konserven leben, und man kann sich vorstellen, wie groß die Freude war, wenn einmal eine gute Prise gemacht wurde. Einmal wurde ein Frucht­dampfer versenkt, wobei die Besatzung derDeutschland" nach langer Zeit wieder einmal Gelegenheit hatte, sich an Apfelsinen gütlich zu tun. In vierundzwanzig Stunden