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Zul-aer Anzeiger

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Hindenburg fordert Aufklärung.

Auch Verbot gegen Reichsbanner­formationen?

Das Verbot der nationalsozialistischen SA.-Forma- tionen hat unerwartete Rückwirkungen. In den letzten Tagen ist, besonders von deutschnationaler Seite, Mate­rial an die Öffentlichkeit gebracht worden, in dem nach- gcwiescn wird, daß die militärischen Organisationen des Reichsbanners und der sozialdemokratischen Eisernen Front genau die gleichen Merkmale aufweisen, die als Begründung für das Verbot der SA.-Formationen angeführt worden sind. Folgerichtig müßten also, so heißt cs, auch diese Reichsbannerformationen verboten werden.

Der preußische Ministerpräsident Braun hat sich in einer Rede in Breslau und neuerdings auch in Köln gegen ein Verbot der Reichsbannerformationen ausgesprochen, weil das Reichsbanner mit den SA.-Formationen nicht verglichen werden könne, es sei zum Schutz des Staates da. Die Reichsbannerführer hielten es jedoch für geraten, etwas zu tun, um einem eventuellen Verbot zuvorzu­kommen, sie haben folgendes angeordnet: nachdem die Angriffsgefahr der Nationalsozialisten beseitigt ist, sind die außerordentlichen Schutzmaßnahmen" des Reichsbanners aufzuheben, ebenso sind aufzuheben diebesonderen Funktionen, die der Schufo und den Sonderfor- mationen" übertragen worden sind. Worin diese Sonderfunktionen bestanden, wird nicht gesagt. Das Reichsbanner hat also freiwillig etwas getan, um der Regie­rung die Notwendigkeit eines Verbotes abzunehmen. Dazu muß man allerdings folgendes sagen: Wenn eine Orga­nisation zwangsweise gesprengt wird, wenn der Orga­nisationsapparat und das Material beschlagnahmt werden, dann ist es sehr schwer, oder fast unmöglich, eine Orga­nisation in kurzer Zeit wieder aufleben zu lassen. Anders Megen bei freiwilliger Auflösung: das Material bleibt erhalten und die Führer können eine freiwillig aufgelöste Organisation jederzeit sehr schnell wieder ins Leben rufen.

Zu dem gegen-das Reichsbanner vorliegende Material hat der Führer der drntschnationalen Fraktion im Preu- mschen Landtag, von Winterfeld, in einem Brief an den preußischen Ministerpräsidenten und an den Reichs- mnenminister die Forderung erhoben, daß auf Grund des vorliegenden Materials ein Verbot gegen die militärischen ^stzamsationen des Reichsbanners ausgesprochen werden « Das Material über das Reichsbanner ist auch dem m ^.Präsidenten v 0 rgelegt worden, und der Reichspräsident sah sich veranlaßt, an den Rrichsrnnen-r minister Groener folgenden Brief zu schreiben:

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f _____' Vries an Groener.

Reichspräsident von Hindenbnrg hat an den Reichsminister des Innern folgendes Schreiben gerichtet:

Sehr geehrter Herr Reichsminister!

Die das Verbot der SA. und SS. aussprechende Vcr- Ordnung vom 13. April 1932 habe ich vollzogen, nachdem mir in ernsten Worten die Schwierigkeit der politi- Wn Lage dargcstellt und den Erlast dieser Verordnung »ur Sicherung der Staatsautorität als unbedingt not­wendig bezeichnet haben und nachdem die llteichsregierung unstimmig Ihrem Antrag bcigetretcn war. Inzwischen ist wir unter Übergabe von Bclegmatcrial mitgetcilt worden» » h n l i ch g c a r t et e Organisationen, wie >e hier verbotenen, auch bei anderen Parteien be- An Erfüllung meiner Pflicht zur überparteilichen meines Amtes und gleichmäßigen Anwendung "inst ich verlangen, daß, falls dieses richtig ist, N "lese Organisationen der gleichen Behandlung vcr- Ich übersende Ihnen anbei das mir zugcgangcnc Material mit dem Ersuchen, cs mit dem gleichen Ernste zu mir <0?cn ich Ihrem Antrag cntgcgcngcbracht habe, und fh^rf < b das Ergebnis Ihrer Prüfung und einen ent- bcn Vorschlag vorzulegen. Mit freundlichen Lützen von Hindenburg/'

^h einem Teil der Auslage wiederholt.)

*

©er Reichsbannerführer bei Groener.

den Reichsminister des Innern, Dr. Groener, hat zu ürfi ^f1 des -Reichsbanners, Herrn Hölter m a n n, Presse Ödeten und ihn um Stcllungahme zu den in der such das Reichsbanner erhobenen Vorwürfe er- PorwjÄ^ Heiermann hat dem Minister erklärt, daß diese aller Mi^^begrüitdet seien, daß er aber zur Vermeidung T """fl bereit sei, die erforderlichen ^«nahmen zu treffen.

Winterfeld an Braun und Groener.

^ttltzism,?"lktionsführer der d c u t s ch u a t i 0 n a l c n "» den^.s"^dtagüfraktion, Dr. v. W i n t e r s c l d, hat N" Metaai»,.1 ,n Ministerpräsidenten Dr. Bra u n und in"^"Minister Groener ein Schreiben gcrich- f ° bet, C<1 . AuflüsungdkSReichKhanncrs

-Der h°ißt es:

^ch bisher -Reichsbanner Schwarz-Rot Gold' hat Ritten seiner X1'^ Zeitungsnachrichten in ein- ^chtet »ns"^"rganisationcn W a sfcnlagcr cin- ^fotite diese Kampforganisationsn für die ge» -tusemandersetzuna innerhalb Deutschlands

unter dem Deckmantel des" Verfassungsschutzes aus. Von preußischen Polizeidienststellen sind Reichsbannerteile, bezw. die sogenannten Schufo-Organisationen, zu polizeilichen Amtshandlungen mit herangezogen worden, ebenso wie in diesen Tagen eine örtliche Polizei­verwaltung in Thüringen für polizeiliche Zwecke Forma­tionen dieses Vereins benutzt hat. Besonders bedenklich ist es, daß nennenswerte Führer des Reichsbanners ihre pazifistischen Ideen so weit betrieben haben, daß sie selbst eine Kriegsdienstverweigerung bei einem Angriff gegen Deutschland von ihren Mit­gliedern fordern, ein Verhalten, das von Reichs wegen der Justiz schon Anlaß zum Einschreiten wegen Landesverrats hätte geben müssen. Eine Förderung des Wehrgedankens zum Schutze deutscher Grenzen im Notfälle dürfte daher von diesem Verein nicht zu er­warten sein. Militärische Ausbildung und Ausrüstung richtet sich nur gegen den inneren Frieden im Lande. Gegen diese Gefahren sind schärf st e Maß­nahmen in der heutigen Zeit um so mehr angebracht, als der Reichsinnenminister in diesen Tagen einen der nationalen Wehrverbände aufgelöst hat."

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Groeners Standpunkt.

Reichsminister Groener übergibt der Öffentlich­keit einen Artikel unter der ÜberschriftMein Stand­punkt". Er erklärt darin k. a.:

Die Auflösung der SA.- und SS-Organisationen der NSDAP, hat ein lebhaftes Echo hervorgerufen . ES war mir von vornherein klar, daß neben den zustimmenden Äußerungen auch Widerspruch und kritische Bemerkungen laut würden. Wenn zunächst die ablehnende Haltung in die Worte zusammengefaßt wird: der Staat steht links, so muß ich eine solche Auffassung von meinem Stand­punkt völliger Überparteilichkeit aus grundsätzlich ab» lehnen. Der Minister fährt dann fort:

Sekt der Übernahme des Reichsministeriums des Innern habe ich mich in verschiedenster Weise bemüht, eine Milderung der politischen Gegensätze zu erreichen und die staatspolitischen Kräfte des deutschen Volkes zu wecken und zu stärken. Ich muß deshalb die Unter­stellung, als ob ich mit der Auflösung der SA. für links optiert hätte, ganz entschieden zurückweisen. Ich optiere überhaupt für keine Partei, sondern gehe den geraden Weg der Pflichterfüllung im Bewußtsein der schweren Verantwortung, die ich vor Gott und meinem Gewissen für die innere Gesunduna und die Errinauna unserer

Der Kreuger-Sumpf.

Der tote Kreuger und die lebenden Direktoren.

Die ersten Verhaftungen.

Die schöne Mahnung, man solle über Tote nichts übles reden, weil sie ja nicht mehr in der Lage sind, sich zu verteidigen, wird von dem finanziellen Generalstav des toten Zündholzkönigs Kreuger anscheinend nicht sehr beherzigt. Alle Vergehen und Verbrechen, die letzt in dem Riesenkonzern aufgedeckt werden, versucht man aus das persönliche Konto des toten Chefs zu setzen, um die Lebenden zu entlasten. Er kann ja als Angeklagter nicht mehr Rede stehen und als Zeuge nicht mehr aus- fagen, darum nur immer drauflos behaupten, alles was an Unregelmäßigkeiten vorgekommen ist, habe er personuch getan, und keiner der Dircktdren und sonstigen Betelllgten will je etwas davon genierst, geschweige denn dabei geholfen haben. Aber dem Staatsanwalt scheint cs doch nicht recht glaubhaft zu erscheinen, daß ein einzelner Mensch alle diese Bilanzfälschungeu allein vorgenommen haben, daß er ganz still und unbemerkt Millionen falscher Unterschriften aus Millionen gefälschter Staatspapiere mtt eigener Hand gesetzt haben soll. Die e r st c n Verhaf­tungen in der Krenger -Angelegenheit sind jetzt in Stock­holm erfolgt, und drei Direktoren aus dem Konzern sind festgesetzt worden. Sie werden beschuldigt, Ivar Kreuger behilflich gewesen zu sein, vorgetäuschte Einkünfte und Aktiva zu "schaffen.

Diese Verhaftung hat wiederum zu ganz annchen- erregenden Enthüllungen geführt. Die drei Direktoren sind Kreuger behilflich gewesen, Lustfirmen zu gründen, die riesige Verpflichtungen übernahmen, ohne daß irgendwelche Deckung vorhanden war. Millionen- gewinne wurden registriert, Banken und Gesellschaften anfgeführt, die überhaupt nicht bestanden. Die phantastisch klingenden Meldungen über die Fälschung der italienischen S t a a t s 0 b l i g a t i 0 n c n sind nun­mehr in allen wesentlichen Einzelheiten klargelegt. Die falschen Papiere sind in Stockholm nngefertigt worden. Ivar Kreuger hatte selbst die Bestellung aufgegeben und die Druckplatten mitgebracht. Er hatte unbedingte Vcr- swwiegenhcit eingeschärft. Die Ramensunterschrrsten auf den Obligationen sind, wie durch Schriftsachverständige fesigestellt sein so«, gleichfalls von Kreuger selbst an- gefertigt worden. In den Geheungewolbcn Kreugers hat man sowohl die Platten wie die Adresse des italic, Nischen Graveurs aufqefunden, der sie angefertigt hat.

311 ft r a n f T c i 4, wo zahlreiche Leine Sparer ihr Geld in KreuLcr-Mtien ansAeLt haben, Md Jso Kreuger

nationalen Freiheit zu tragen habe. Ich erinnere aber auch daran, daß die Reichsregierung mit ihren politisch ganz verschieden eingestellten Ministern dem Herrn Reichspräsidenten die Notverordnung einstimmig emp­fohlen hat.

Groener erklärt dann, er konnte sich die Fordreung, nach dem preußischen WahlspruchSuum cuique" auch den Stahlhelm und das Reichsbanner, mindestens aber das Reichsbanner, aufzulösen, nach sorgfältiger Prüfung nicht zu eigen machen. Weder der Stahlhelm noch das Reichsbanner sind mit den nationalsozialistischen Kampf­organisationen in bezug auf den militärähnlichen Cha­rakter des Aufbaues und der Funktionsregelung zu ver­gleichen. Die Verschärfung der parteipolitischen Gegen­sätze und die allgemeine Notlage haben dazu beigetragen, daß die militärähnlichen Organisationen der NSDAP, schon durch, die Tatsache ihres Bestehens allmählich eine immer größere Gefahr für die Staatsautorität wurden.

Mein Entschluß sagt der Minister, diese Gefahr zu beseitigen, stand bereits seit Monaten fest. Lange Zeit hindurch hatte ich den Gedanken, die Angehörigen der SA. wie die Mitglieder anderer Verbände in einer neuen großen nationalsportlichen Organisation zu einem frei­willigen staatspolitischen Zusammenwirken zusammen- zufassen. Der Gang der politischen Ereignisse seit An­fang dieses Jahres ließ jedoch diese Pläne nicht zur Ausführung kommen. Schließlich wurde es mir klar, daß bei der Gestaltung der innenpolitischen Verhältnisse keine andere Maßnahme in Betracht kommen konnte, als die Auflösung der SA. durch Notverordnung. Diesen Entschluß habe ich durchaus selbständig gefaßt, niemand zuliebe, niemand zuleide. Fern von Berlin, während meines Osterurlaubs im Harzer Bergland, bin ich mit mir allein zu Rate gegangen und habe mich frei von äußeren Einflüssen zu diesem Entschluß durchgerungen. Staatspolitische Erwägungen allein sind es gewesen, die mich dabei geleitet haben.

Die Auflösung der SA. ist keine Maßnahme gegen die Partei, sondern läßt vielmehr der Partei die Möglichkeit, im Wettstreit mit den anderen Parteien ihre Auffassungen und Forderungen zu vertreten.

Groener schließt seine Ausführungen mit den Worten:Mein herzlichstes Streben ist, daß der Geist echter Vaterlandsliebe und die innige Verbundenheit mit dem Volksganzen unsere gesamte deutsche Jugend zu einer inneren Einheit zusammenschließe. Ich weiß mich in diesem Wollen eins mit dem obersten Führer des deut­schen Volkes, unserem hochverehrten Herrn Reichspräsiden­ten, Generalfeldmarschall von Hindenburg, der in seiner Kundgebung an das deutsche Volk die Mahnung richtete: Laßt nun den Hader ruhen und schließt die Reihen. Nur wenn wir zusammenstehen, sind wir stark genug, um unser Schicksal zu meistern."

noch bis vor kurzem als der hervorragendste Finanzmann der Welt galt, wird er heute ganz offen als ein Betrüger und Fälscher bezeichnet. Er habe, so betont man tu Finanzkreisen, die französischen Bürger um ^unbertc von Millionen geschädigt. Wie ein Pistolm- schuß eine Schneelawine ins Rollen bringen kann, so hat der Schuß, mit dem der Zündholzkönig seinem Leben ein Ende gesetzt hat, eine Skandallawinc entfesselt. Es handelt sich offenbar nicht um die Vergehen eines einzelnen Samtes, sondern um ihn herum befand sich ein großer Sumpf, aus dem jetzt übelriechende Blasen auffteigen.

Ludendorffs fünfzigjähriges Militärjubiläum.

In aller Stille hat der General d. Inf. a. D. Erick Ludendorff den Tag, an dem er vor 50 Jahren als Offizier in die preußische Armee eintrat, begangen., Seine vielumkämpfte politische Tätigkeit nach dem Weltkrieg hat die Erinnerung daran etwas verwischt, daß Ludendorff immer zu den größten militärischen Führern, des ehe­maligen deutschen Heeres gerechnet werden wird. Das hat nach dem Kriege auch so mancher hohe Militär aus der Gegenseite anerkannt. Mit seinem Namen sind die Groß­taten unseres Heeres im Weltkrieg verknüpft, vom Sturm auf Lüttich an, wo sich der Brigadckommandeur General Ludendorff denPour le mérite* holte, über die zwei Jahre im Osten hinweg bis zu jenen Tagen, als er sich im Westen vergeblich gegen die Übermacht der Gegner an- stemmte. Ans sachverständigen Kreisen hat es an Krilil tvegen mancher seiner Entschlüsse und Handlungen nicht gefehlt, aber auch der Kritiker gibt zu, daß es fick bei Ludendorff um einen Mann handelt, der zu den größten in der Kriegsgeschichte gehört.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die Besprechungen der führenden Staatsmänner in Genf über "die Abrüstung und die internationale Lsirtschasi dkrgc haben begonnen. .

* Reichspräsident von Hindenburg hat an den Acichsinnen- Minister Groener Material mit der Bitte übersandt, nach leinet Prüfung fcftzusteücn, ob nicht auch andere Organisalronen ver­boten werden müßten.

Die deutschen Gemeinden und Gemeindeverbände müssen für 1932 mit einem Fehlbetrag von 759 Millionen SH rechne».

* AerchKiWNMMmsitW besser legt in etnetst Artikel seinen iLtondpunkt zur Auflösung der SA.-ForMütionen dar.