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Zul-aer Tintiger

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^r. 86 1932

Fulda, Mittwoch, 13. April

9. Jahrgang

Alte Vulkane erwachen

Oie Vulkanausbrüche in Chile.

Aschenregen über 1 300 Kilometer hin.

Das Gebiet der Erdbeben »nd Vulkanausbrüche in Chile erstreckt sich über eine Strecke von über 700 Kilo­metern: es reicht von Santiago bis südlich von Con­cepcion. Drei Vulkane, die für erloschen galten, haben ihre Tätigkeit wieder ausgenommen. Unaufhörlich wird der Boden von starken Erdstößen erschüttert. Tie ganze Gegend ist mit Aschenwolken bedeckt. Selbst in Monte­video, das etwa 1300 Kilometer von dem nächsten Vulkan entfernt liegt, ist dichter Aschenregen gefallen. Viele Leute hatten Schirme aufgespannt, andere banden

Karte des von der Vulkankatastrophe heimgesuchten Gebietes.

Zum Vergleich der Größverhältnisse ist in die rechte untere Ecke die Karte Deutschlands im selben Maßstab cingezcichnet.

sich Tücher vor Mund und Nase, um sich vor dem Ein- ntmcn der Asche zu schützen. Die Fcrnsprcch- und Tele- l>raphenlcitungen nach dem Vulkangebiet sind größten- teils unterbrochen. Die chilenische Regierung hat ein silugzeuggeschwadcr nach dem Gefahrengebiet entsandt, das Beobachtungen ansicllen soll. Viele Städte mußten am Tage wegen der Dunkelheit infolge des Aschenregens brennen. Der Aschenregen hatte stellenweise auch große Verkehrsstörungen

rm Folge. So konnten sich Autos und Eisenbahnzüge d mühsam durch die am Boden liegende Asche hmdurch- aroeitcn. Einige Städte in der Provinz Mendoza in " genti n ic n haben dringend Sauerstoffapparate angefordert, da sic durch Vullângase schwer gefährdet

Im Berggcbiete von Patagonien ist ebenfalls R k-^^kan ausgebrochen, so daß man für Südchile große «esurchtungen hegt.

Merkwürdige Wirkungen hatten die Vulkanausbrüche a ciyüe in A r g e n t i ni e u. In mehreren argentini- men Provinzen liegt die Asche, die beim Ansbruch des Elans Descabezado hinausgeschlcudert wurde, Zentimeter hoch. Südlich von Mendoza wurden E ^stößc mit donnerühulichcn Detonationen ver- ® Selbst in Buenos A i r c s Ivar die Luft mit m.^sistaub erfüllt. Alle bedrohten Ortschaften in der lnz Mendoza sollen geräumt werden.

Acht Vulkane in Tätigkeit.

Mn^'c Atzten Meldungen ans dem Katastrophcugcbiet D Ä daß mindestens acht Vulkane in Tätigkeit sind. Streu?.""^ströme der verschiedenen Vulkane haben große 9)}cnh 1 kutcn Ackerlandes vernichtet. Hilfszüge, die aus wied^. "/'gingen, mußten infolge des Aschenregens Einiu».!'» ^en. Hunderte von Menschen sind infolge bim m;'^^ bcr. Schweselgasc schwer erkrankt. Tausende ist mm auf der Flucht. Die gauze Bevölkerung

uu panischem Schrecken ergriffen.

^OMO Menschen vom Gastod bedroht.

bic Aires wird gemeldet: In der durch ichnft '^'i Vulkanausbrüche am meisten in Riitlciden- thiifrfJ, 'Urnen Stadt Marlagnc, in der argen-

]. -plownz Mendoza, befinden sich etwa

bie nil J.n 0 Menschen i n Lebensgefahr, ^ituitn-.nr^^ *Mc drohen alle zn vergiften. Die ist bisher erfolglos.

öntcrifn ungeheuren Vulkanausbrüche in Süd- t aguc meisten Stadt und Bezirk von Mar- aus wcü-V," Provinz Mendoza. Die Erde hat sich dort ®u$ unt r» hin gespalten. Die Erdrisse ziehen sich Muser 'UM hindurch, so daß ernste Gefahr für die iMt 1 Die Einwohner sollen aus bcr Stadt ent- M Mit Echè Züge, die nach dem Süden fahren, ^mcvtklNLcn überfüllt, 2m Äehjtt von Take a

verspürte man drei weitere Erdstöße. Große Flammen schlagen aus den Kratern des Descabezado Grande und des Descabezado Chico hervor.

Gaswolken gefährden Hilfsarbeiten.

Starke Schwcselwolken, Erdrisse und giftige Gase ver­mehren die Panik. Der Lavastrom hat die etwa 100 Kilo­meter von dem Ausbruchsgebiet entfernt gelegene Stadt San Rafael erreicht. Das im Mittelpunkt der Stadt

von und

gelegene HotelEl Commercio" ging in Flammen aus. Die Andendörfer sind von der Umwelt abgeschnitten. Dort­hin gesandte reitende Boten melden, daß Hunderte Personen ernste Vergiftungen davongctragcn haben dem Erstickungstode nahe fii

inb.

Starke Gas wollen verhindern die

Rettungsarbeiten.

Dkc Hilfsabteilungen können nur schwer vordringen. . Vulkanstaub verdunkelt die Sonne, der Horizont ist in der

Ter

Nähe der Ausbruchsherde blutig rot gefärbt. Die Seis- mologen sagen einstimmig ein vernichtendes Erd - b e b e n in Argentinien voraus.

Die Einwohner von Molina, Curico und San Fer­nando verlassen ihre Heimstätten. Auch San Vicente, Rengo und Rancagua werden geräumt. Der argentinische Astronom Hartmann vom Laplata-Observatorium glaubt, daß die Aschewolken innerhalb von 48 Stunden Europa erreichen könnten.

Chile als Vulkan- und Erdbebenland.

Chile ist reich an Vulkanen, von denen mehrere fast dauernd tätig, andere aberin Ruhe" sind. Daß aber auch diesen letzteren nicht zu trauen ist, beweisen die jetzt erfolgten Ausbrüche von Vulkanen, die man nicht mehr wichtig nahm.

Auch Erdbeben kommen in Chile sehr häufig vor. 1751 wurde die Stadt Concepcion von einem Erdbebe» fast völlig zerstört. 1822 wurde Valparaiso arg verwüstet, 1835 Neu-Concepcion. Auch Santiago hatte mehrere Male schwer unter Erderschütterungen zu leiden.

Sie »Wen Aisziteii ter Wchmziemz

Das Äeichskabmeit an der Arbeit.

Die Ausgestaltung der Arbeitsbeschaffung.

Das Reichskabinett trat zu einer Sitzung zu- lammen, um vor der Mitte dieser Woche erfolgenden Ab­reise des Kanzlers nach Genf eine Reihe von finanz-, Wirtschafts- und außenpolitischen Fragen zu behandeln. Die Beratungen drehen sich insbesondere um die Vor­bereitung des neuen Haushalts. Am Mittwoch­vormittag werden die Kabinettsberatungen unterbrochen, da der Kanzler auf dem sogenannten Krisenkongreß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes eine Rede hält. Am Nachmittag dieses Tages findet eine weitere Kabinettssitzung statt, die im Wesentlichen den Fragen gilt, die in Genf irgendwie erörtert werden könnten oder sollen. Ob angesichts der Fälle der in dieser kurzen Zeitspanne zu.behandelnden Probleme auch das A r b e i t s b c s ch a f f u n g s p r o g r a m in, das das Kabinett schon in vielen früheren Sitzungen beschäftigt hat, erörtert wird, ist eine noch offene Frage. Ein fest- umrissener Entwurf hierzu liegt jedenfalls noch nicht vor. Die Durchführung eines Arbeitsbcschaffungsprogramms auf größerer Grundlage ist bisher immer wieder an der Geldfrage gescheitert. Nichtsdestoweniger sind die zu­ständigen Ressorts bestrebt, Pläne auszuarbeiten, deren Durchführung im Bereich des Möglichen liegt. Es ist an­zunehmen, daß die hiermit zusammenhängenden Fragen, so u. a. auch die der beabsichtigten Ausgestaltung der A r b e i t s d i e n st p f l i ch t, erst nach der Rückkehr des Kanzlers aus Genf spruchreif sein werden.

Oie Russenausiräge für Deutschland.

Debatte im Eglischen Unterlaufe.

Ein sozialistischer Abgeordneter fragte im Englischen Unterhause, ob die Regierung davon unterrichtet sei, daß die Räteregierung neuerlich einen Auftrag aus 300 000 Tonnen Eisen und Stahl nach Deutschland erteilt habe und was die englische Regierung in Anbetracht dieser Tat­sache für Maßnahmen ergreifen wolle, um den größt­möglichen Anteil des russischen Auftrages, insbesondere für Eisen- und Stahlliefernngen, für den englischen Han­del zu sichern. , , . . , .

Rcgicrungsvertreter antwortete zunächst, dar, der an Deutschland erteilte Anstrag, soweit bisher sestgcstevt sverden könne, sich auf 100 000 und nicht auf 300 000 Ton­nen belaufe. Ein anderes Parlamentsmitglied machte dar­auf aufmerksam, daß zur Zeit ein russischer Auftrag für bie englische Industrie gesichert werden könne, wenn die eng­lische Regierung ihr Kreditsvstem ausdchncn wurde.

Der Regierungsvertreter erwiderte, et wiße, daß Rußland bereit sei, zu kaufen. Die Schwierigkeiten be- stünden jedoch in den langfristigen russischen 3 a h l u n g s m e t h o d e n. Ein anderer Abgeordnete! erklärte, daß Deutschland besonders Kreditabkommen mit Rußland abgeschlossen habe und regte an, tzaß Englands

Kommt emAschenregen auch überLuropa?

Die gewaltigen Vulkanausbrüche, die zur Zeit große Teile Südamerikas in Unruhe versetzen, sind von einem Aschenregen begleitet, wie er in diesem Ausmaß seit langer Zeit nicht mehr beobachtet worden ist. Es erhebt sich nun die Frage, ob es möglich ist, daß der Aschenregen bei gün­stigen Luftströmungen

bis nach Europa gelangen kann.

Fest steht, daß die außerordentlich feine vulkanische Asche bei großen Vulkanausbrüchen Tausende von Kilometern zurücklegen kann, sobald sie höhere Luftschichten erreicht hat. Das konnte zum Beispiel bei dem gewaltigen Ausbruch des Krakatau im Jahre 1883 sowie bei dem Ausbruch des V e s u v s im Jahre 1906 beobachtet werden. Viele Monate nach dem Ausbruch des Krakatau wurden in Europa in klaren Nächten in großer Höhe leuchtende Wolken beob­achtet. Es handelte sich dabei um Aschenwolken, die noch von der Sonne beleuchtet wurden, wenn die Erde schon längst in nächtlichem Dunkel lag.

Beobachtungen, daß vulkanische Asche nach einer Wan­derung von mehreren tausend Kilometern noch als regel­rechter Aschenregen die Erde erreicht, sind bisher nicht ge­macht worden. Bleibt die vulkanische Asche in Luftschichten, in denen eine Wolkenbildung möglich ist, so werden die Ascheteilchen schnell von Wassertropfen umgeben und in­folge ihrer Schwere auf die Erde fallen. Unter diesen Um­ständen ist n i ch t d a m i t z u r e ch n e n, daß Europa dies­mal nach den Ausbrüchen der südamerikanischen Vulkane von einem Aschenregen heimgesucht werden wird.

Dagegen ist es nicht ausgeschlossen, daß sich in der nächsten Zeit wiederleuchtende Nachtwolken" über Europa zeigen, zumal die letzten aus dem Katastrophen­gebiet vorliegenden Meldungen übereinstimmend dahin lauten, daß der gewaltige Aschenregen unvermindert fort­dauert.

Die Gefahr schwindet.

Santiago de Chile, 13. April. Die durch die Vulkan­ausbrüche entstandene Gefahr wird, den neuesten Funk­berichten zufolge, geringer. Die Sonnenstrahlen dringen schwach durch den Aschenregen hindurch.

Mittwoch abend verläßt Reichskanzler Dr. Brünim Berlin, um sich nach Genf zu begeben. Am Sonnabend wird der amerikanische Außenminister Stimson dort ein- treffen, und Tardieu, der auf kurze Zeit nach Paris zurück­reist, wird ebenfalls ab Montag wieder in Genf sein. Dar­ius ergibt sich, daß die großen internationalen Be­sprechungen, die sowohl der Abrüstungsfrage wie dem Donau-Problem und der Reparationsfrage gelten, bei nächsten Woche das Gepräge geben werden. Der Reichs­kanzler hat die ganze nächste Woche für diese außen­politischen Verhandlungen frei gemacht; am Sonnabend, den 23. April, will er wieder nach Berlin zurückreisen, um am Tage der Preußenwahl wieder in Berlin zu sein.

*

Mehrausgaben und Fehlbeträge im Reichshaushalt.

Das Reichsfinanzministerium veröffentlicht den Mo- natsausweis über die Ei n n a h m e n u n d A u s g a b e n des Reichs im Februar. Danach ist im ordent­lichen Haushalt eine Mehrausgabe bis Februar 1932 von 96,5 Millionen, davon im Februar 0,3 Millionen zu verzeichnen. Im außerordentlichen Haushalt ist eine Mehrausgabe von 126,9 Millionen, davon im Fe­bruar 2,7, entstanden.

In den vorgenannten Mehrausgaben sind die aus dem Vorjahr übernommenen Fehlbeträge von 645,5 im ordentlichen und von 261,4 Millionen im außerordent­lichen Haushalt nicht enthalten.

um mehr Aufträge zu erhalten, ähnliche Abmachungen cingehen solle.

Der Rcgicrungsvertreter erklärte, daß bisher die deutsche Regierung keinerlei Kredite an Rußland gegeben habe.

Cs seien wohl gewisse wertmäßige Vereinbarungen getroffen worden, an denen jedoch die deutsche Regierung keinen Anteil habe.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Im Preußischen Landtag veschloffen die RegierungS- Parteien in Abänderung der bisherigen Bestimmungen, daß der preußische Ministerpräsident nur mit absoluter Mehrheit gewählt werden kann. .

* Die amlichen Kursnotierungen wurden an der Börse wieder ausgenommen.

Tardieu hielt im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz eine Rede gegen die Abschaffung der Waffen.

* yci den Vulkanausbrüchen in Chile ging ein Aschenregen nieder, der sich über 1300 Kilometer erstreckte.

Das LuftschiffGrai Jcp^'.s ist ass bitter zscLes Süd. EbkirafOrt zurückgâhrt.

* In Berlin begattn der Kristall, »greß der Scroerkschofttn.