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-Ir. 85 1932

Fulda, Dienstag, 12. April

9. Jahrgang

Nach der Reichspräsidentenwahl.

Kommt eine Regierungsumbildung?

Das Reichskabinett wieder an der Arbeit.

Der R e i ch s k a n z l e r bot bei seinem ersten Vortrag nach der Wahl dem Reichspräsidenten von Hinden­burg entsprechend der Gepflogenheit aus Anlaß der Wiederwahl des Reichspräsidenten den Rücktritt des Kabinetts an. Reichspräsident von Hindenburg ersuchte den Reichskanzler, von diesem Rücktritt abzusehen. Bei diesem Schritt Brünings handelte es sich in der Hauptsache um eine Formalität. Meldungen über eine unmittelbar bevorstehende Regierungsumbildung als Folge der Präsidentenwahl entsprechen nicht den Tat­sachen, sie eilen den Ereignissen zum mindesten erheblich voraus. Eine spätere Umbildung des Kabinetts wird aber in politischen Kreisen nicht für unwahrscheinlich ge­halten in der Form, daß man die beiden nichtbesetzten Ministerien des Inneren und Äußeren besetzt, und zwar wird für das Reichsinnenministerium in erster Linie D r. Goerdeler, für das Außenministerium Staatssekretär v. Bülow genannt. Die Entscheidungen dürsten aber nicht vor Anfang Mai fallen. Die Gerüchte über einen Rücktritt des Staatssekretärs Meißner sind völlig aus der Luft gegriffen. Staatssekretär Dr. Meißner genießt nach wie vor das volle Vertrauen des Reichspräsidenten und bleibt daher auch im Amt.

Das Reichskabinett wird sich sofort mit den Vor­bereitungen für den neuen Reichshaushalt befassen. An den Beratungen nimmt arich Reichskanzler Brüning teil.

Am Donnerstag wird Reichskanzler Brüning nach Gens reisen, wo er voraussichtlich etwa zehn Tage bleiben dürfte. Wie an zuständiger Stelle bestätigt wird, ist vor der Rückkehr des Reichskanzlers unter keinen Um- ßänden mit einer Änderung innerhalb des Reichskabinetts zu rechnen. Es werden auch Zweifel geäußert, ob nach dem Beginn der neuen Amtszeit des Reichspräsidenten von Hindenburg eine Umbildung bzw. Ergänzung des Kabinetts ratsam sei. Das dürfte im Hinblick auf die bevorstehende Lausanner Konferenz insbesondere für den Posten des Außenministers gelten.

*

Der Schluß des Wahlaktes.

Die Formalitäten nach der Wahl.

Über die Formalitäten, die nach der Reichspräsiden- renwahl noch zu erledigen sind, sei solgcndes mitgeteilt: Zunächst wird der Reichswahlleiter das endgültige Ergebnis feststellen. Alsdann wird sich der Reichs­wahlleiter an Hindenburg wenden mit der Frage, ob er die Wahl annehme. Nach der Erklärung des Reichs- Präsidenten tritt der Reichswahlausschuß zusam- men um festzustellen, daß Hindenburg als zum Reichs- ^lldenten gewählt zu betrachten sei. Darauf wird das Liahlprüfgericht noch einmal zusammentreten, womit der Wahlakt geschlossen ist.

. . Frage der N e u v e r c i d i g u n g des Reichs­präsidenten von Hindenburg ist noch nicht endgültig ent- icyieDcn, doch dürfte nach Lage der Dinge sich eine noch- Vereidigung wohl erübrigen. In der Kundgebung Reichspräsidenten von Hindenburg heißt es ja auch, ergetreu seinem Eide" sein Amt weiterführen werde.

*

Das Wahlergebnis in Hundertsätzen.

Vach privaten Berechnungen gibt das vorläufige amt- Ergebnis des zweiten Wahlganges zu den Reichs- PMdentenwahlen folgendes Bild für die Anteile der erhi n Cs.n Kandidaten in Hundertsätzen: Hindenburg vor, Höchstsatz an abgegebenen Stimmen wiederum M Wahlkreise Niederbayern 72 Prozent (am 13. 3. 32 = J' oon Niedrigstsatz der auf ihn entfallenen Stimmen der w SSsttÜtreife Merseburg mit 37 Prozent (33,1); bei ihm betrug 53,0 Prozent (49,6). Den Mer>, Stimmen erhielt Hitler diesmal in Pom- nÖUrt 53 Prozent (37,4), während er beim ersten Wahl- bielr /HI Schleswig-Holstein seine meisten Stimmen cr- im Prozent). Den kleinsten Anteil hatte er wieder 36 8 rân iv^ Köln-Aachen, 20 Prozent (17,2); Durchschnitt Höâr^ - ^^ Thälmann wurde wiederum der ber '^ erreicht mit 26 Prozent (29,2 Prozent), Durchk^»-^"^ wieder in Franken mit 4 Prozent (5,9); Dio 0'2 Prozent (13,2).

SßflbrnL/ " y l b c 1 e i l i g u n g war wie im ersten Höchsten ?"'6 Leipzig mit 90 Prozent (91,2) am DurckÜâ»; k Adrigste in Oppeln mit 77,5 Prozent (80,2); der Wahlbeteiligung 83,6 (86,2)7

'*

Wie« Sank an seine Parteigenossen

und Wähler.

«lasse»? i Hiller hat am 10. April folgende Aufrufe er- Nationalsozialistinnen! öftere 'wd Parteigenossinnen! Eine große und Sreiic un?^" habt ihr geschlagen. Ich wußte, daß eure ^rhüri^r AMert ist. Dennoch muß ich euch für den dairkeu, Gruben, eure Opferwilligkeit und euren Fleiß

Trotz aller Unterdrückungen und Verfolgungen hat eure Bewegung durch euch einen neuen großen Sieg er­rungen, der sie berechtigt, sich als Bannerträgerin der nationalen Freiheit und damit der nationalen Zukunft zu fühlen.

Morgen beginnt der neue Kampf. Ich weiß, ihr werdet auch in Zukunft des deutschen Volkes beste Garde sein. Am 24. April werden wir uns abermals mit unseren Gegnern messen, und einmal muß und wird der Tag kom­men, an dem wir unsere Fahnen zum letzten Sieg tragen.

gez. Adolf Hitler.

Ebenso erläßt Hitler einen Aufruf an die SA, SS. und die Leitung der Organisation und Propaganda, in dem er allen für ihre tatkräftige Hilfe dankt.

*

Weitere Ergebnisse aus Städten.

(In Klammern die Ergebnisse vom 13. März.)

Beuthen (Stadt): Hindenburg 28 122 (27 238), Hitlei 15 567 (14 306), Thälmann 5742 (7566).

Duisburg-Hamborn: Hindenburg 115 933 (112 461) Hitler 67 318 (57 069), Thälmann 38152 (60 052).

Gleiwitz (Stadt): Hindenburg 29 575 (29 019), Hitler 18 722 (16 342), Thälmann 6636 (9641).

Frankfurt am Main (Stadt): Hindenburg 202451 (198 151), Hitler 109 142 (96 963), Thälmann 37 248 (58 129).

Halle (Stadt): Hindenburg 44 642, (45113), Hitler 51 448 (38 940), Thälmann 26 219 (29 811).

Hindenburg (Stadt): Hindenburg 30 801 (28180), Hitler 19 582 (16 482), Thälmann 15 081 (19116).

Kiel (Stadt): Hindenburg 63 986 (63 245), Hitler 66 661 (56 330), Thälmann 10 798 (15 233).

Leipzig (Stadt): Hindenburg 263 345 (275103), Hitler 138 439 (110 714), Thälmann 71 227 (81 941).

Oppeln (Stadt): Hindenburg 12 244 (11 o63), Hitler 8522 (5934), Thälmann 2424 (2791).

Wuppertal (Stadt): Hindenburg 102 751 (102 203), Hitler 107 350 (91 015), Thälmann 39 791 (56 973).

Düsseldorf (Stadt): Hindenburg 151996 (152 3281 Hitler 76 796 (57 069), Thälmann 51190 (60 052).

Stimmen zum Wahlausgang aus In- und Ausland.

Was sagt die deutsche presse?

Im Reich.

In den Wahlbetrachtungen der deutschen Blätter wird vor allem der Erfolg Hitlers untersucht, da Hinden- burgs Wahlsieg ja keine Überraschung mehr bedeutete. Die linksstehende Presse hatte bekanntlich nach dem 13. März die Anschauung vertreten, der Nationalsozialis­mus habe den Höhepunkt erreicht, ja vielleicht schon über­schritten. Diese Meinung vertrat sehr stark die Frank­furter Zeitung, indem sie Vergleiche mit Hessen anstellte. Nun sagt das Blatt, cs sei beachtenswert, daß Hitler die organisatorische Kraft besessen habe, seinem zweifellosen Mißerfolg vom 13. März Einhalt zu gebieten. Das Darmstädter Blatt Die Hessische Landeszeitung weist darauf hin, daß Hitler am 10. April gerade in Hessen einen neuen Rekord ausgestellt und in Oberhessen sogar bie' absolute Mehrheit errungen habe. In Kassel fragt die Kasseler Post unter Hinweis auf Hitlers Erfolg, ob es Hindenburg nun nicht doch möglich sei, daran mit­zuarbeiten, daß

das schwarz-rote System dem Ringen der nationalen Kräfte weiche. Die Kölnische Zeitung sagt: Es wäre falsch, den Erfolg der National­sozialisten zu leugnen, aber man dürfte ihn auch nicht überschätzen. Bei den Preußenwahlen werde es sich zeigen, daß die Hitler-Stimmen nicht ausschließlich Nationalsozialisten seien. Das rheinische Zentrumsblatt, die Kölnische Volkszeitung, sagt, der Sieg Hindenburgs fei ein Sieg Brünings; es scheine die Stunde gekommen, Wo man ernsthaft fragen müsse, was mit den halb- militärischen Formationen der Nationalsozia- listen zu geschehen habe. Das Blatt will anscheinend ein Verbot Das Hamburger Fremdenblatt warnt davor, aus dem 10. April Schlußfolgerungen für die Länder- Wahlen zu ziehen, die Parteien der Hindenburg-Front würden jetzt wieder ihre eigenen Wege gehen. Die Ham- buraer Nachrichten sagen: ist Hindenburg auch gewählt, so habe Hitler doch den größeren Erfolg, was der politischen

Gemeinsamkeit der nationalen Opposition einen starken Auftrieb geben werde. Die Wcserzcitung in Bremen sagt, die Stimmzahl Hitlers käme nicht durch- weg der NSDAP, zugute, sondern sei auf das Konto ihres mit heißem Herzen kämpfenden Führers zu setzen. Nun noch ein Sprung nach dem Süden. Die Münchencr Zeitung vermerkt mit besonderer Betonung, daß Süddeutschland, besonders Bayern, die Haupt­sache zu Hindenburgs Sieg bcigctragcn habe. Und das Blatt der bäuerischen Regierung, der Bayerische Kurier, ergcht sich in der Hoffnung, der 10. April habe eine Er. klaru^a, der inneren Front gebracht. Der VöMche

Koblenz (Stadt):' Hindenburg 20 884 (20 532), Hitler 12 583 (10 933), Thälmann 2117 (3319).

Chemnitz (Stadt): Hindenburg 94 780 (93 513), Hitler 94 841 (79 253), Thälmann 34 307 (40 513).

Magdeburg (Stadt): Hindenburg 111810 (110 097), Hitler 63 062 (50 953), Thälmann 17 708 (22 715).

Erfurt (Stadt): Hindenburg 33 479 (31421), Hitler 34 790 (23 555), Thälmann 14 734 (24 247).

Mannheim (Stadt): Hindenburg 91 692 (94 008), Hitler 42 047 (35 261), Thälmann 22 172 (32 362).

Köln (Stadt): Hindenburg 255 002 (267 006), Hitler 92 592 (84111), Thälmann 58 456 (81 317).

München (Stadt): Hindenburg 287 405 (291323), Hitler 108 992 (102 372), Thälmann 41 430 (56 711).

Karlsruhe: Hindenburg 51630 (52 089), Hitler 33 280 (29 240), Thälmann 7072 (9493).

Lübeck: Hindenburg 48 312 (45 643), Hitler 31698 (25 624), Thälmann 6253 (8320),

Stettin: Hindenburg 78 381 (76 485), Hitler 58 762 (52 304), Thälmann 17 081 (24 210).

Breslau: Hindenburg 187 548 (182 194), Hitler 153 739 (129 988), Thälmann 31 090 (45 768).

Esten: Hindenburg 212 951 (216165), Hitler 95155 (75 812), Thälmann 60 078 (87 080).

Altona: Hindenburg 77 446 (76 578), Hitler 52174 (44 495), Thälmann 19 688 (25 205).

Hannover: Hindenburg 161 932 (166 443), Hitler 117 015 (101 301), Thälmann 17 218 (23 379).

Königsberg: Hindenburg 84 148 (90 641), Hitler 69 512 (53 774), Thälmann 27 630 (32 896).

Dresden: Hindenburg 246 436 (247 489) Hitler 144 080 (110 199), Thälmann 35 902 ((47 614).

Dortmund: Hindenburg 186 238 (179 040), Hitler 64 624 (55 524), Thälmann 51 622 (77 962).

*

Blutige Zusammenstöße. '

Kurz vor Beendigung des Wahlgeschäftes kam es in B u r - habe (in Butjadingen) zu Reibereien zwischen Reichsbanner- leuten und Nationalsozialisten. Ein Nationalsozialist schoß seinen Angreifer, einen Reichsbannermann, den Arbeiter Martin Pauls aus Einwarden, nieder. Pauls war sofort tot.

Beobachter, das maßgebende Blatt Hitlers, er­klärt, der Erfolg der Nationalsozialisten sei entscheidend für den späteren Verlauf der politischen Kämpfe. Die NSDAP, kenne keine Erholung. Nun beginne sofort der Kampf für die Landtagswahlen.

Die presse der Reichsbauptstadi.

In den Blättern der Linksparteien der Reichshauptstad bemerkt man das Bemühen, Hitlers Erfolg abzuschwächcn uni gleichzeitig die Hoffnung zu erwecken, daß der 10. April gleichbedeutend sei mit einem Erfolg bei den Preußenwahlen. Der sozialdemokratische Vorwärts behauptet etwas kühn1 Hitler sei im zweiten Wahlgangnoch schwerer ge­schlagen" worden als im ersten. Der 10. April habe be­wiesen, daß politisches Können nur bei den Regierungspartei.:» liege, besonders bei der Sozialdemokratie. Das Blau schließt mit dem Wunsche, wer am 10. April für Hindenburo gestimmt habe, müsse auch für Braun und Severing stimmen!

Tas Berliner Tageblatt meint, die Eiserne § r o n' habe das Haupwerdicnst an Hindenburgs Sieg. Hitlers Zuwachs seien in der Hauptsache frühere Ducstcrbcrg-Wähler Es sei fraglich, ob Hitler auf die Dauer seine 13 Millionen be­halten könne. Die Vossische Zeitung sagt, Hindenburgs Siej sei weit höher zu bewerten als die Steigerung der Hitler- Ziffern. Der zweite Wahlgang sei eigentlich ein Siee Brünings und Brauns. Und auch dieses demokratisch« Blatt ergebt sich in der Hoffnung, daß die Hindenburg-Froiu zu einem Block geworden sei, der den 10. April überdauere. _

Die Germania, das Blatt des Kanzlers, bemüht sich ganz auffallend, Hitlers Stimmengewinn als Mißersow oarzustellen. Da liest man u. a.: Hitler habe zum zweitenmal eine schwere Niederlage erlitten. er sei weit entfernt, einem wirklichen Erfolg auch nur nahczukommen. Was er gewonnen, sei nur ein Leidbesitz. Die Nationalsozialisten seien an dei Grenze ihrer Ausdehnungsmöglichkeit angelangt! Die agrarisch* Deutsche Tageszeitung weist darauf hin, daß Brüning mti seinem persönlichen Auftreten im Osten in den L a n D bezirken gar keinen Eindruck gemacht bade. Das Blatt mahnt nachdrücklich, alle nationalen Strafte im Kamps« gegen das herrschende System für den 24. April zusammenzu­fassen. ,

Die mittelparteiliche Deutsche Allgemeine Zeitung glaubt, daß ein erheblicher Teil der kommunistischen Wählerschaft tut

Kleine Zeitung für eilige Leser

Reichspräsident von Hindenburg erläßt anläßlich seiner LLicderwadl eine DanNundgebung.

* DaS Reichsgericht verurteilte den früheren Leutnant Scheringer wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 2h Fahren Festung

, * Die Vollsitzungen der AbrüstungSkonscrenz in Genf sind wieder ausgenommen wordem

* Du japanisch-chinesischen WaffeuftAsirwLLsrrZurtlckur'ge« wurden auf unbestimmte Zeit vertagt.