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M 84 — 1932
Fulda, Montag, 11. April
9. Jahrgang
hin-enburg bleibt Reichrprüfiöent.
Absolute Mehrheit für Hindenburg im 2. Wahlgang. Verglichen mit dem Ergebnis der Präsidentenwahl am 13. März, gewannen die Nationalsozialisten 2 Millionen und Hindenburg 700 000 Stimmen; 1,3 Millionen kommunistische Stimmen wurden weniger abgegeben. 1,2 Mill. Wähler gingen weniger zur Wahlurne als am 13. März. — Wahlbeteiligung 83,2 Prozent.
Nie Reichspräsiöenienwahl.
Ruhiger Verlauf int ganzen Reich. Schwächere Wahlbeteiligung.
Der Wahlsonntag hat nach allen bis zur Stunde aus rcm'Reich vorliegenden Berichten einen durchweg ruhigen Verlauf genommen. Zu bemerkenswerten Zwischenfällen ist es bisher nirgends bei der Wahl gekommen. Im Gegensatz zum ersten Wahlgang zeigte der heutige Wahl- Kg ein wesentlich ruhigeres Bild. Soweit die Werbc- tätigleit überhaupt in Erscheinung trat, wurde sie fast durchweg nur von den Nationalsozialisten und Kommunisten noch betrieben. Im ganzen hat jedenfalls der Sonntag eine merkliche Entspannung des am Sonnabend noch hochgradigen Wahlsiebers gebracht.
Die Wahlbeteiligung scheint im ganzen Reich gegenüber dem ersten Wahlgang vielfach erheblich zurückgeblieben zu sein. In manchen Gegenden, so vor allem in Aoidwestdeutschland, hat sich offenbar das unfreundliche Retter, das vielfach Regenschauer und starke Winde mit sich brachte, nachteilig ausgewirkt. In den meisten Pro- dinzen hatten bis zur Mittagsstunde durchschnittlich etwa Ä bis 30 .Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben gegenüber einer durchschnittlichen Wahlbeteiligung von etwa 40 bis 50 Prozent zur selben Stunde des 13. März. Ausnahmen waren lediglich in der Hamburger Gegend und in der Provinz Schleswig-Holstein, die beim ersten Wahlgang überwiegend für Hitler gestimmt hatte, zu verzeichnen. Auch aus Magdeburg wurde eine rege Wahlbeteiligung gemeldet. Im einzelnen liegen folgende Meldungen vor:
„.In Berlin ist die Nacht zum Wahlsonntag ohne Uberc politische Zusammenstöße verlaufen. Es wurden lv/ Nationalsozialisten und 79 Kommunisten von der Miäei zwangsgestellt. Neun Anschlagsäulen wurden in dleser Nacht wieder in Brand gesteckt, überall in der ^iuvt sah man starke Polizeistreifen, die jeden Versuch uner Ansammlung verhinderten. Im Negierungsviertel war der Pvlizeischutz noch umfangreicher als am ersten Wahltage.
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Alliger Wahlzwischenfall in Hamburg.
Zwei Tote, drei Verletzte.
Am Wahlsonntag, kurz nach 17 Uhr, wurde am Aus- Wagerweg der SA.-Mann Brandt von politischen Muern erschossen. Ein weiterer SA.-Mann, der - ugenzcuge des Vorfalls war, erlitt einen Herzschlag, er erlegen ist.
â ch der Schilderung eines Augenzeugen befanden sich ™ sechs Nationalsozialisten auf dem Wege von Wahllokal nach dem Parteilokal in der Ankelmann- ittis k In der Eiffelstraße zwischen dem Wikingerweg in Normannenweg kam ein Trupp Neichsbannerleute von über 50 Mann ihnen entgegen. Aus dieseni L heraus fielen plötzlich mehrereSchüsse, durch ickiib ?W Brandt einen Kinnschuß und einen Herz- ivuL/^hlelt. Er ist bald darauf gestorben. Außerdem noch drei weitere Nationalsozialisten durch i»gcfülw Ersetzt. Sie wurden dem Krankenhause
Die Kräfteverschiebung
seit dem 13. März.
^zua nm^Lbnis der Reichspräsidentenwahl entspricht in zahl für k Ausgang, namentlich insoweit die Stimmen- ^artun„.,?"ch^"üurg in Frage kommt, dem gehegten (Ei’ hrn’ ■ enn es ist ein Zuwachs der HiNden - ^ch SiH™en um etwa 700 000 eingetreten. Daß ^MsiiifÄ * einen Stimmenzuwachs erreicht hat, war Wer »enn von den Stimmen der Duesterberg- W eine “ 'dm ein gewisser Teil zufallen, nachdem Saget für W prominenter Persönlichkeiten aus diesem Der eingesetzt hatten.
^ahlstäng hat eine stärkere Wahlbeteiligung Nil, „ zweite. Es wurden diesmal rund ’c^ilin>u Stimmen weniger abgegeben; die Wahl- Ä 1 1 n n betrug 83,2 gegen 86,2 Prozent.
" 35 Wahlkreisen ist die Ziffer für Hin- ?^dr ^wwbsen; in 4 weiteren ist sie, allerdings nir- bet "ls rund 1 %, also weniger als die Dif- i^Etwahlbetciliguug beträgt, zurückgegangen. ci%Wn ^it"^lichen Wahlkreisen einen Zuwachs zu Filter 'si?;'1! Ausnahme von Oberbcryern-Schwaben, wo link in usr,9au9 eingetreten ist. Die Thälmann-Stim- ' ^ , Wahlkreisen stark zurückgegangen, zum B als ein Drittel. Ueber den durchschnitt-
Uchen Zuwachs hinaus hat Hindenburg Stimmen gewonnen in Ostpreußen, Potsdam 1, Frankfurt/Oder, Pommern, Liegnitz, Oppeln, Thüringen, Ost-Hannover, Niederbayern, Chemnitz-Zwickau, Württemberg und Mecklenburg. Der Zuwachs Hitlers ist besonders stark in Berlin, Potsdam 1 und 2, Pommern, Thüringen und Dresden-Bautzen, d. h. in großen Städten, wo in den letzten Wochen die Werbetrommel besonders stark gerührt wurde. Das sind auch mit wenigen Ausnahmen die Gebiete, wo die meisten Duestebergstimmen zur Verfügung standen.
*
Rückblick und Ausschau.
Ein Wahlkampf liegt hinter uns, der in der Geschichte der deutschen Wahlkämpfe als einzigartig dastehrn wird. Nicht nur deshalb, weil die Wahrscheinlichkeit für den Erfolg von vornherein sehr ungleich zwischen den beiden Kandidaten verteilt war, sondern einzigartig vor allem durch die Art der P r o p a g a n d a. Es war diesmal etwas amerikanisches Tempo und amerikanische Art bei der ganzen Sache. Vor allem hat Hitler in seiner Agitation ein Tempo angeschlagen,, das alles bisher dagewesene in denSchatten stellte. Allerdings konnte Hitler nur mit dem Einsatz der allerletzten Kraft und nur mit ganz überraschenden Metl»yden überhaupt Aussicht auf Erfolg gewinnen. Denn oie Gegenseite hatte nicht nur zahlenmäßig einen gewaltigen Vorsprung, sondern auch in den Mitteln der Agitation. Da war es zunächst einmal der Name Hindenburg, der als schweres Gewicht von vornherein auf der Schicksalswaage lag. Dazu kam, daß den Hindenburg-Ausschüssen die technischen Voraussetzungen für eine Propaganda in weit größerem Maße zur Verfügung standen als Hitler. Man denke nur an den Rundfunk, der nur der Hindenburg- Propaganda offen stand, man denke an die starke Einengung der Hitler-Propaganda durch die Zensurvorschriften, die nicht nur die nationalsozialistischen Blätter trafen. sondern auch die Plakate und nicht zum
Vsrlösfiges amtlicher Ergebnis.
Berlin, 11. April. Das vorläufige amtliche Schluhergebnis des zweiten Wahlganges für die Reichspräsidentenwahl lautet wie folgt (in Klammern die Zahlen vom 13. März):
Abgegebene Stimmen 36 491694
Hindenburg 19 359 642 (18 654 244) Hitler 13 417 460 (11341119) Thälmann 3 706 388 (4 982 870)
Ungültige Stimmen 8204.
wenigsten auch die Red N c r. Das war natürlich eine starke Erschwerung, die sich allerdings örtlich und je nach Ländern sehr verschieden bemerkbar machte.
Hitler versuchte, den Vorsprung der Gegenseite dadurch cinzuholen, daß er, wo es ging, seine Person in den ^v Tbcrntunb fd)ob, unö nl§ Slébncr qm streit. &lcids)3citiQ stellten sich die nationalsozialistischen Blätter daraus ein, die Person ihres Führers und Kandidaten so stark herauszustcllcn, wie man es bisher nicht gekannt hat. Die Parole lautete offenbar so: Der Name Adolf fritier ist eine ganze Woche lang ununterbrochen und überall der Öffentlichkeit vor Augen zu halten und zu Gehör zn bringen, der Name Hitler sollte sich dem Gehirn des Lesers und dem Gehirn des. Hörers so fest einprägen, daß der Wähler wie von einer nnsichtbaren Macht für Hitler zur Urne geführt wird.
Das deutsche Volk muß sich erst langsam an derartige Kanipfmcthoden gewöhnen, wo die Persönlichkeiten in solch unerhörtem Maße in den Vordergrund geschoben ,verden. Die Methoden werden sich wiederholen und verstärken, das ist nun einmal eine Folge der Präsidenten- wahl, bei der der Kandidat mit dem ganzen Gewicht feiner Person und seines Namens in die Schranken treten muß. Allerdings kann man nicht gerade behaupten, daß damit die Politik aüsgeschaltet sei. Auch diesmal standen sich zwei Grundaufsas sungen über den Staat gegenüber. Hindenburg galt vielen als der Vertreter des Regierungskurses und des Herrschenden Systems, das sie ablehnten. Hitler daaeaen wurde von feinen Geanern
als der Führer der Nationalsozialistischen Partei bekämpft, einer Partei, die ein ganz bestimmtes, stark umkämpftes politisches Programm vertritt.
Bemerkenswert ist auch, im Vergleich mit dem ersten Wahlgang, wie diesmal sowohl die Nationalsozialisten als auch die Hindenburg-Ausschüsse versucht hatten, an W ä h l e r s ch i ch t e n heran znkommen, die sie am 13. März nicht erreicht haben. Aus beiden Seiten hat man natürlich in der Ruhe des Ostervorsriedens die Einzel- ergebnisse vom 13. März sehr genau studiert. Dabei haben die Nationalsozialisten festgestellt, daß ihre Haupterfolge am 13. März auf dem flachen Lande lagen. Die Hindenburg-Ausschüsse ihrerseits haben gesehen, daß dre Mehrheit der Stimmen für Hindenburg aus den großen Städten kamen. Dementsprechend haben nun beide Parteien ihrer Propaganda eine andere Richtung und eine etwas andere Form gegeben. Hitler unternahm einen Nedefetdzug im Flugzeug durch zahlreiche große und größere Städte des Reiches. Er hatte sich vorgenommen, täglich an vier Stellen zu sprechen. Und es scheint, daß es ihm auch gelungen ist. Die Hindenburg-Ausschüsse verlegten das Schwergewicht ihrer Propaganda aus das flache Land, in der Hoffnung, dort dem Gegner Wähler abzunehmen und etwaige Verluste in den Städten auszugleichen.
Nun ist die Schlacht vorüber. Man möchte nun gern dem Wähler Ruhe wünschen, man möchte auch wünschen, daß so mancher Gegensatz, der in der Hitze des Kampfes entstanden ist, sich wieder ausgleicht. Aber mit dem heutigen Tage, mit dem 11. April, setzt ein neuer Wahlkampf ein, der Kampf für den 24. April, an dem in Preußen, in Bayern, in Württemberg und in A n halt Parlamentswahlen stattfinden werden. Nun bilden sich neue Kampffronten, und Parteien, die bisher gemeinsam in der Hindenburg-Front für den Namen Hindenburg fochten, trennen sich und werden sich als erbitterte Gegner bekämpfen. Neue Kampfrufe werden den Wählern in die Ohren tönen, neue Schlagworte werden auftauchen, von den Plakaten schreien, und der Wähler wird vor neue schwere Entscheidungen gestellt. Millionen, die gestern noch in der Hindenburg-Front mit den herrschenden Parteien marschierten, werden sich von ihnen abwenden und zu ihren Gegnern werden.
Die Ergebnisse.
Wahlkreis 1 (Ostpreußen). Hindenburg 546 391 (509 883), Hit- 4er 493176 (402 300), Thälmann 85 128 (116 451).
Wahlkreis 2 (Berlin). Hindenburg 565 509 (559 329), Hitler 332 058 (247 387), Thälmann 314 671 (371 410).
Wahlkreis 3 (Potsdam II). Hindenburg 581 201 (566 070), Hitler 415 562 (326 477), Thälmann 167 957 (205 442).
Wahlbezirk 4 (Potsdam I). Hindenburg 535 020 (505 470), Hitler 483 599 (375 479), Thälmann 182 838 (229 503).
Wahlkreis 5 (Frankfurt-Oder). Hindenburg 442 301 (409 484), Hitler 420 891 (338 049), Thälmann 57 389 (81523).
Wahlkreis 6 (Pommern). Hindenburg 395 696 (361223), Hitler 510 655 (391815), Thälmann 64 519 (94 570).
Wahlkreis 7 (Breslau). Hindenburg 568 218 (541 871), Hitler 461150 (403 282), Thälmann 69138 (96 862). Wahlkreis 8 (Liegnitz). Hindenburg 359 409 (338 024), Hitler 313 797 (275 062), Thälmann 33 946 (46 744).
Wahlkreis 9 (Oppeln). Hindenburg 403 263 (369 831), Hitler 213 747 (185 301), Thälmann 79 032 (102 706).
Wahlkreis 10 (Magdeburg). Hindenburg 491195 (471107) Hitler 413 513 (350 958), Thalmann 81293 (107 435). Wahlkreis 11 (Merseburg). Hindenburg 309 867 (286 780). Hitler 351 748 (273 410), Thälmann 165 18Ö (201514).
Wahlkreis 12 (Thüringen). Hindenburg 555 371 (497 822) Hitler 582 888 (450 529), Thälmann 174 764 (246 561).
Wahlkreis 13 (Schleswig-Holstein). Hindenburg 415 814 (393 845), Hitler 466 312 (417 711), Thälmann 72 604 (100 327).
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Reichspräsident von Hindenburg ist im 2. Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl endgültig wiedergewählt worden.
* Auf den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther wurde auf dem Potsdamer Bahnhof in Berlin ein Attentat verübt, bei dem Dr. Luther leicht verletzt wurde.
* Der Preußische Landtag ist zu einer kurzen Tagung nochmals auf Dienstag, den 12. April, einberufen worden.
• Bei einem politischen Zusammenstoß in Hamburg gab ce am Sonntag zwei Tote und drei Verletzte, a B