Hun-eri Jahre Zündhölzchen.
Bon Kammerer zu Ivar Kreuger.
Es ist ein Zufall, aber immerhin ein merkwürdiger Zufall, daß das tragische Ende des Zündholzkönigs Ivar Kreuger knapp vor die Hundertjahrfeier unseres Zündhölzchens fiel: in diesem Jahre sind hundert Jahre seit der Erfindung des Streichhölzchens, wie wir eS kennen, verflossen. »Wie wir es kennen" — das muß ausdrücklich betont werden; denn Zündhölzchen „an sich" gab es schon lange vorher. Die alten Römer — mit den alten Römern fängt ja alles an — steckten die Spitze eines Schwefelfadens in vermodertes Holz und erzeugten dann dadurch, daß sie diese Kombination an Steinplatten rieben, Feuer. Nun ein Sprung ins Mittelalter: im 14. Jahrhundert gebrauchte man zur Feuererzeugung Ciabl, Feuerstein, Zunder und Schwamm; cs war eine ziemlich schwierige Angelegenheit, aber sie hielt sich jahrhundertelang, bis das chemische Feuerzeug aufkam. Dieses chemische Feuerzeug war eine Erfindung des Jenaer Chemikers Döbereiner, der ein Freund Goethes war In einer Metalltube war eine in Alkohol getränkte Stosswaffe eingeschossen. Brachte man nun einen feinen Platinfaden in die Tube hinein, so glühte dieser Faden ans und setzte die Alkoholdämpfe in Brand. Es war gewiß sehr schön, und Goethe bewunderte Döbereiners Erfindung, aber für Raucher war diese Zündung nicht sehr praktisch.
Die ersten Hölzchen als Feuerzeug, die sogenannten Tunkbölzer, tauchten 1806 auf: ihr Erfinder hieß Chancel. Sie bedeuteten einen Fortschritt, waren aber ein bißchen teuer — hundert Stück kosteten zwei Mark — und waren mit ihrer erplosiblen Zündmasse nicht ganz ungefährlich; außerdem aber brannten sie zwar manchmal, aber nicht immer. 1830 erfreuten sich die Engländer besserer Tunk- Hölzer, die unter dem Namen „Prometheus" — des Mannes, der einst das Feuer vom Himmel geholt hatte — verbreitet wurden. Anderthalb Jahre später gab es die ersten Streichzündhölzchen: Congrevesche Streichhölzer hießen sie, und die Zündmasse bestand aus Schwefel mit einem Überzug von Kaliumchlorat und grauem Schwefel- antimon. Und dann — im Todesjahre Goethes — kamen unsere Phosphorzündhölzchen, die von I. Kammerer in Ludwigsburg, bald aber auch von anderen Firmen hergestellt wurden und im Jahre 1833 schon ziemlich verbreitet waren.
Jakob Friedrich Kammerer war ursprünglich Hutmacher gewesen. Dann wurde er Chemiker und schließ- licb Politiker, was sein Unglück wurde: er wurde ein« gesperrt und längere Zeit hindurch in Gefangenschaft gehalten. In feiner Fabrik in Ludwigsburg fabrizierte er täglich 400 000 Streichhölzer. Er war auch der Erfinder der präparierten Fläche an den Zündholzschachteln. Sein Ende war ebenso^ tragisch wie das des Zündholzkönigs Ivar Kreuger: er wurde irrsinnig und starb hochbetagt in einer Irrenanstalt.
Die Beleuchtung des Milchviehstalles.
Wenn heute immer wieder darauf hingewiesen wird, daß die Viehställe luftig und hell sein sollen, so denkt man zunächst nur daran, daß genügend Fenster in zweckmäßiger Anordnung vorhanden sind, die ausreichend Sonne und Luft in den Stall lassen. Viel zu wenig Wert wird dagegen häufig noch auf die künstliche Beleuchtung gelegt. Man vergißt dabei, daß gerade im Milchviehstall, wo während der langen Wintermonate abends wie morgens bei künstlichem Licht gemolken werden muß, lichtstarke Lampen unerläßlich find, damit die Melker oder Melkerinnen ihre Arbeit mit der notwendgen Sorgfalt erledigen können. Im Halbdunkel kann auch bei größter Aufmerksamkeit und bei bestem Willen keine einwandfreie Milch gewonnen werden. Bereitet auch das Melken selber keine Schwierigkeiten, so wird auf jeden Fall die so ausschlaggebende Sauberkeit stark darunter leiden.
Am vorteilhaftesten ist ohne Zweifel die elektrische Beleuchtung. Leicht lasten sich soviele Birnen anbringen, daß es überall, auch in den äußersten Ecken, hell genug ist. Schwieriger wird es schon dort, wo man sich noch mit Petroleum- oder Spirituslampen begnügen muß. Jede Lampe, die neu aufgehängt wird, bringt erhebliche Mehrarbeit mit sich, denn das Nachfüllen des Brennstoffs und das Inftandhalten erfordern Zeit und Mühe, — und gut geputzt müssen die Glasteile immer fein, sonst brennt die Flamme bald trübe. Ebenso darf man die wachsende Gefahr eines Brandes, der bei der geringsten Unachtsamkeit durch herumliegendes Stroh und Heu oder durch trockenes Holz entstehen kann, nicht unterschätzen.
Alle diese Gründe sollten aber niemals davon abhalten, lieber eine Lampe zuviel als eine zu wenig im Milchviehstall zu haben. Die im Verhältnis zum Nutzen unbedeutenden Mehrkosten lasten sich auch unter ungünstigen Wirtschaftsverhältnisten leichter ertragen als die großen Ausfälle beim Verkauf der Milch. Die Qualitätsbezahlung, dis in steigendem Maße von den Molkereien durchgeführt wird, läßt die ungünstigen Wirkungen einer mangelhaften
Beleuchtung im Melkstall besonders deutlich hervortreten. Jeder Landwirt sollte deshalb von Zeit zu Zeit seine Be- leuchtungsverhültnisse kritisch überprüfen und verbessern.
Mein Freund Friedrich
Von Adolf Häger.
sogar ein or schauerlichen Tronsctt jene
Mein Freund Friedrich ist heftiger Feind aller Alkoholika, ja sogar ein organisierter. Ich glaube, man muß in seinem Bunde einen schauerlichen Eid leisten, daß man nie wieder im Leben auch nur einen Tropfen jenes Teufelswassers durch die Kehle rinnen lassen will. Peinlich hatte mein Freund Friedrich Jahre hindurch Enthaltsamkeit geübt, ja selbst der Arzt mußte in zwei bösen Fällen mit seinen Medizmpul- lcn wieder abziehen, weil sie „Schnaps" enthielten. Ich habe ihm nie sein Selterswasser und seine faden Limonaden schlecht gemacht, doch er hat mir oft meine gehaltreicheren Getränke zu verekeln gesilcht. Das tat aber unserer Freundschaft weiter keinen Abbruch.
Aber mal fam Friedrich bei uns vorbei, als wir gerade bei dem gelbweißen Weifenpudding saßen mit jener wundervollen Tunke, wovon es im Kochbuch heißt: Man nehme eine Flasche guten Rheinweins oder Burgunder! — Doch, daß der Pudding Mkohol enthielt, hatten wir im Augenblick wirklich nicht bedacht und boten freund
Friedrich davon an.
Das war etwas für sein Vegctarierherz! Da hielt der Enthaltsame aber seinen „rechten Schlamm", und er rühmte den Pudding über alle Maßen. Natürlich mußte seine Gattin ihm alsbald den gleichen Pudding bereiten. Sie hielt sich streng an das übermittelte Rezept, nur für den Wein setzte sie eine Flasche Fruchtsaft ein.
Friedrich stellte mit kritischem Gesichte fest, daß ihr ja die Farbe so einigermaßen gelungen sei, im Übrigen wäre er mit dem bei uns gegessenen nicht im entferntesten zu vergleichen!
Vor allem die Tunke! Die Tunke habe ganz aiiders geschmeckt. Das da sei elende Schlabberbrüh dagegen! —
Die liebe Gattin schluckte das herbe Urteil hinunter und schwieg heroisch. Nach ein paar Wochen gelüstete es ihrem Friedrich wieder nach Welfenpudding. Die Gute rang lange mit sich selbst, dann kochte sie ihn wieder mit viel Liebe und Fruchtsaft. — Natürlich fand auch der keinen Beifall. Da schluchzte die Gekränkte: „Ich will es dir nur sagen, an dem andern Pudding, da war Schnaps! Darum hat er dir — hu! hu! so ganz anders geschmeckt!" —
Da hat denn Freund Friedrich gespuckt und gewettert und über die Gemeinheit geschimpft, ihm so etwas anzutun. Vierzehn Tage lang hat er unser Haus gemieden und mich noch lange als einen sittlich verkommenen Menschen betrachtet.
Wer im Herbst desselben Jahres sollte mir eine lustige Genugtuung werden.
Mein alter Silberpepingbaum hatte ungeheuer getragen. Also wurde gekeltert. Die weinsauren Äpfel gaben einen wundervollen Most. In den glutenden Septembertagen jenes Jahres guckte Friedrich sehr oft bei mir rein, trank einen Schoppen Most und deckte mir die mancherlei Möglichkeiten auf, diesen Most vorm Gären zu schützen, daß daraus nicht der gottverdammte „Schnaps" werde. Ich sah ihn lächelnd an und sagte nur „Prost!"
Aber einige Tage später kam Freund Friedrich von einer langen Wanderung so im Dämmern zu uns herein und bat sich nur einen einzigen Schluck Most aus. Es wurde ein beträchtlicher Schluck!
Er blieb auch noch zum Abendbrot, wo er allerdings nur Butterbrot und Rettich aß. Davon kriegte er wieder neuen Durst. Schwarzen Tee lehnte er ab — ich glaube aus nationalen Belangen. Mso tranken wir wieder Most! —
Nun muß ich gestehen, daß die .sommerliche Wärme auch meinen Most ganz im Geheimen chemisch verwandelt hatte. Wer mag der Fachmann jene feine Grenze ziehen, wo aus dem Apfelsaft „Schnaps" wird! Ich dachte jedenfalls nichts dabei und war über die Wirkung dieses harmlosen Getränkes selber baß erstaunt.
Freund Friedrich hatte anfangs zwar ein paarmal sehr bedenklich sein Elas angeschaut. Jetzt wurde er aber plötzlich lustig unb trank immer „Rest weg!" Er schlug unser gutes altes Klavizimbel, das ihm doch garnichts getan hatte und hob einen verwegenen Landsknechtssang an.
Danach fing er an zu tanzen, ganz gewaltig tanzte er, Schuhplattler und Krakowiak waren seine Gipfelleistungen ! Er gefährdete etliche Möbelstücke und sackte beim Krakowiak dann plötzlich ab.
Beim Sternenschimmer brachte ich ihn sanft heimwärts. Dabei unterhielt er mich mit den verschiedenen Methoden, die Gärung des Mostes zu unterbinden.
„Hat das Zeug denn nicht prächttg geschmeckt?!"
Dabei hielt er mich am Ärmel fest und sah mich herausfordernd an. „Großartig!" sagte ich ganz kleinlaut.
„Na also! Dann laß da keinen Schnaps draus werden, hörst du!" — Damit entließ er mich an der heimischen Schwelle. Na, die Gattin würde ja schon sehen und das weitere veranlassen! —
Diesmal hat mich Freund Friedrich aber wochenlang geschnitten. Er überging auch späterhin diese Angelegenheit mit Schweigen. Der Kater muß doch ganz fürchterlich gewesen sein, der physische und erst der moralische! ,
Hetteres.
Warum soll er nicht
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Meneikes war ein ganz pfiffiger Kerl und sehr braver Mann, wenn er auch mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß stand und sich in den Verkehrston mit seinen Vorgesetz-^ ten nur schwer hineinfinden konnte. Sein Rekrutenoffizier liebte es, zwischen den Leuten herumzugehen und sich ge=, legentlich durch Fragen zu überzeugen, ob sie aus der Jn-^ struktionsstunde gelernt hätten. So wird denn Meneikes eines Tages gefragt? „Meneikes, darf sich der Rekrut be-i trinken?" — „Nein. Leitnant." — „Gut, aber rparumj nicht?" — Hierauf antwortet der Befragte mit wehmütig gem Lächeln: „Ja, Leitnant, warum nicht — fagg ich auch."
Zur Aussaai im Frühjahr.
Dichtcrwortc und Bauernsprüche, gesammelt von Hans Genug ist's, wenn es dir zu Herzen geht. Daß gut nur mäht, wer fleißig sät.
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Star und Schnepfe nicht mehr weit, Wird's zum Säen höchste Zeit.
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Wer säet und die Saat nicht pflegt, Hat umsonst die Hand bewegt.
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Früher Sämann borgt nie vom späten.
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Tiefer Pfluggang,
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Das beste Wappen Ist der Pflug im
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lange Ähren.
in der Welt Ackerfeld.
Gebrauchter Pflug blinkt, Stehend Wasser stinkt.
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Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Same M
Ernte, Ernte und Samen.
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Das Säen ist nicht so beschwerlich als das Ernten.
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Wie die Saat, so die Ernte.
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Nur wer gesät hat, wird eine Ernte haben.
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Frühe Saat trügt oft, späte nimmer.
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Wo der Pflug vom Rost zerfressen, Wird sehr wenig Korn gegessen.
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Nur nicht der Vögel halber die Aussaat unterlassen.
Vücherecke.
War Goethe Politiker? — Diese Frage hat vor einiger Zeit der Altmeister deutscher Geschichtschreibung, Erich Marcks, in einem Rundfunkvortrag behandelt. Er beantwortet sie jetzt in einem weit ausholenden Essay, dessen Veröffentlichung er Velhagen u. Klasings Monatsheften in ihrem soeben erschienenen Aprilheft anvertraut hat. Diese Abhandlung wird zu dem wenigen gehören, was den Literaturwust dieses Gedenkjahres überdauert. Sie ist auch in ihrer künstlerischen Form ihres großes Gegenstandes würdig und schließt: „Goethe ist eine der tragenden Säulen unserer Einigung geworden, obwohl er sie so, wie sie ihm entgegentrat, nicht gewollt hat. Daß wir eine Nation waren und zukunftsvoll, das begriff Goethe und begriff Deutschland in den Zeiten unserer Ohnmacht aus unserer geistigen Lebendigkeit heraus. Er ist aus der Geschichte unseres Volkwerdens und so auch unseres Staatswerdens nicht wegdenkbar. Die geistige Welt warb für die politische, Stein und die Seinen wußten, was Goethes Dasein beiden bedeutete, und die klassische Persönlichkeit verlangte nach einer Nation und nach erweiterter Betätigung, von Goethe kam selbst Heinrich von Treitschke her. Die Lebenskräfte strömten über die Grenzen der Epochen hinweg, von Goethe zu Bismarck, und nicht der Gegensatz der beiden, so stark er i^ überwog und blieb, sondern ihr Zusammenhang. Goethe hat die nächlolgenve • Zeit der Staatsgröße mitermöglicht und mitbeseelt, er als Geistesmacht, als Weltmacht; 1914 wie 1813 stak in den Tornistern der Freiwilligen der .Faust'. Und heute? Wir hören heute von einer Welle, die Goethe aus unserer Gegenwart und Zukunft wegzuspülen Neigung habe. Einer solchen Abwendung würde ich, mit vielen unter den Alten und vielen unter den Mittleren und den Jüngeren, als eine Wahrheit der Ehrfurcht und als eine Wahrheit deutschen Eesamtgefühls entgegenhalten: er ist reicher, als viele unter den Jüngsten das annehmen mögen, auch in seiner Zugehörigkeit zum Gemeinschaftsleben, als Verwaltungsmann uno h Jdeenpoet. Dahinter und darüber aber stand in 'M Z lebenslag der Künder großen Menschentums und dessen »Bild: aristokratisch-persönlich nach Leben, Dichtung uno »eigenem Dasein."
8 Getanzte Sprache. Als sichtbare Sprache und »sichtbare Musik bezeichnet Rudolf Steiner die von ihm m »Leben gerufene eurythmische Kunst. Die „Eurythmie I »kein eigentlicher Tanz, sie hat auch nichts mit Eymnasu^ »Mimik oder Pantomime zu tun. In der Eurythmie w Iden die beim Sprechen oder Singen feststellbaren Bewegu ngen des Kehlkopfes in Bewegungen des ganzen Korm Iumgesetzt. So hat jeder Ton und jeder Buchstabe P »bestimmte Darstellungsform und Bewegung. Ein inter - Msantes Beispiel, wie ein auf diese Weise in einzelnen ' »staben dargestelltes Gedicht und der Anfang einer Hay ' gSonate aussehen, bringt die Münchner Illustrierte in
Bilderreihe ihres neuesten Heftes (Nr. 15).
Aus dem Operaüonssaal.
Berichte vom Deutschen Chirurgenkongretz.
Jede chirurgische Tagung gibt Kunde von ärztlicher Kühnheit und ärztlicher Unternehmungslust; deshalb ist auch die Chirurgie, wie sehr man auch als Patient den „Eingriff mit dem Mester" fürchten mag,der volkstümlichste Zweig des Arztberufes. Auch auf dem diesjährigen Chirurgischen Kongreß, der in Berlin stattfand, wurden wiederholt Mitteilungen über staunenswerte Leistungen der chirurgischen Kunst gemacht. Nur über einiges, das besonders hervorsticht, kann hier berichtet werden. Nicht geringes Aufsehen erregte Professor Sauerbruchs Bericht über
operative Eingriffe an der Speiseröhre.
Es handelt sich nicht um die Operation des Speiseröhrenkrebses, aber auch diesem schwierigen Problem wird man jetzt wohl näherkommen können als bisher. Tie ganze medizinische Literatur verzeichnet nur fünf gelungene Operationen des Speiseröhrenkrebses, darunter zwei, die Sauerbruch ausgeführt hat. Sauerbruchs jetziges Verfahren zu operativen Eingriffen an der schwer zugänglichen Speiseröhre ist überaus kunstvoll: er geht durch das Zwerchfell hindurch vom Bauche aus, aber er hält diesen schwierigen Weg für den einzig möglichen. Bei gewissen Erkrankungen der Speiseröhre (Geschwüre, Geschwülste usw.) wurde der erkrankte Teil herausgeschnitten und der gesunde Teil mit dem Magen vernäht. Bei einer Frau, bei der durch ein schrumpfendes Geschwür der Speiseröhrenweg verschlossen war, mußten vier Operationen vorgenommen werden — ein großer Teil der Speiseröhre wurde dabei geopfert —, ehe der Nahrungsweg dauernd durchgängig gemacht werden konnte. Da von Sauerbruch die Rede ist, muß auch seiner großen Erfolge auf
dem Gebiete der Lungenchirurgie gedacht werden. Nicht nur Besserungen, sondern hundertprozentige Heilungen wurden hier erzielt. Da waren Patienten mit sogenannter „Gitterlunge", d. h. mit gitterförmig offener Brustfistel und Patienten mit eitersackartiger Erweiterung der Bronchien (Luftröhrenenden), denen ganze Lungenlappen entfernt wurden. Röntgenaufnahmen bestätigten die glatte Vernarbung an den kranken Lungen. Bei einer Patientin hatte Sauerbruch wegen einer unstillbaren Herzblutung im letzten Augenblick d i e Herzwand genäht. Diese Patientin war schon auf dem vorjährigen Chirurgischen Kongreß gezeigt worden und erschien diesmal nur, um sich in ihrem blühenden Gesnndheitszustande zu zeigen. Eine neue Methode zur
Ermittlung des Sitzes von Gehirngeschwülsten
zeigte Professor Löhr- Magdeburg. Er spritzt eine kleine Menge eines Stoffes, der Thorium enthält, in das Blutgefäßsystem, und es gelingt ihm dadurch, die Gefäßverzweigungen im Gehirn auf der Röntgenplatte darzustellen und aus ihren etwaigen Abweichungen von der „Norm" auf den Sitz einer Hirngeschwulst zu schließen. Dieses Verfahren ermöglicht operative Hilse auch dort, wo es früher nicht möglich war. Über
die Leber in der Chirurgie
sprachen vom Standpunkte der Chirurgen Professor Henschen- Basel und vom Standpunkte des Internisten (inneren Mediziners) Professor Brugsch- Halle. Störungen der Leber, Schwäche der Leber können nicht nur bei Operationen an der Leber selbst Gefahren bringen, sondern auch bei Operationen an anderen Organen und schon bei der Narkose. Bei den innigen Beziehungen zwischen der Leber (die in erster Linie den Zucker-, Fett- und Eiweiß, stöffwèchsel regelt und in mannigfacher Hinsicht eine ent
giftende Tätigkeit ausübt) und den anderen Organ kommt es leicht zu einem tragischen Ausgang einer an ! / ungefährlichen Operation. Hier muß der innere Chirurgen helfen, indem er vor der Operation dw ü»» tionstüchtigkeit der Leber prüft: erst muß die Leber;chwa l behandelt werden, dann erst kann operiert werden. anderes wichtiges Kapitel, das zur Behandlung , betraf
das Brandigwerden von Gliedmaßen (Gangrän). Hierüber referierten der Chirurg Röpke ^Barmen n der Pathologe C e e l c n - Bonn. Das Krankheitt-bü - Gliedbrandes kennt man seit Jahrtausenden. Sau griechische Dramatiker Sophokles hat cs in seinem „Philoktet" beschrieben. Philoktet Ivar von einer £) j gebissen worden. Es hatte sich daraufhin Brand entw und Philoktet wurde wegen des unerträglichen u ' der Wunde auf Lemnos ausgesetzt. Man kennt veri i ,^^ Formen des Brandes: die eine als Folge der nllf Heit, die andere als Alterserscheinnng, eine m ^ Grund der Erkrankung der Jnnenhant der, - ^^ Entstehungsursachc können gehäufte Kälteschaden,- mißbrauch, Infektionen usw. angenommen : „§» Jugendlichen ist der Gliedbrand oft abhängig ^s bösen Störungen; nach dem Kriege ist er m ! ' sich früher feftgeftedt worden. Vor wenigen Jahre' man die einzige Möglichkeit einer Heilung " jst sichtslosen Amputation des betreffenden (llteo , » y^ne man auf dem Wege zu einer unblutigen «»fft Verstümmelung, jedoch sind die hieran geMM vordem innigen und Erwartungen leider vielfach gem i / ,-zst fast Auffallend ist, daß im jugendlichen Alterdn nur Männer betrifft, während Frauen selten