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Nr. 70 — 1932
Fulda, Mittwoch, 23. März
9. Jahrgang
Der Eoethetag.
Sie Koelhe-Gedächlnisfeier in Weimar.
Professor Petersen spricht.
In der Weimarhalle in Weimar fand m Sterbetage Goethes die große Goethe- Gedächtnisfeier, an der auch Reichskanzler Dr. Brüning und Ncichsin nenminist er Dr. Groener teilnahmen, statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Gedächtnisrede des Präsidenten der Goethe-Gesellschaft. Prof. Dr. Iu l i u8 Petersen, der in etwa eineinhalbstündiger Rede ein Bild des Menschen und Dichters Goethe entwickelte. Umrahmt wurde die Gedächtnisrede von Gesangsvorträgen des Thomanerchors aus Leipzig unter Leitung von P r 0- jeff 0 r $r. Karl Straube.
Professor Petersèv
Irie? darauf hin, daß das 18. Jahrhundert trotz Friedrich dem tziiohen und Napoleon, trotz Kant und Hegel, trotz Mozart und Beethoven nach seinem geistigen Gewicht und bleibenden Gehalt als das Zeitalter Goethes bezeichnet werde. Es sei das Jahrhundert einer deutschen Renaissance, die in Weimar ihren Gipfel erreichte, das Jahrhundert eines geistigen Univer- jalismuS, wie er in Goethe seine letzte große Verkörperung gefunden habe. Das Jahrhundert feit Goethe, das jetzt ende, tonne gleichfalls sein Jahrhundert genannt werden, s.weit es in seinem Anblick lebte. Diesem Jahrhundert sei eS ver- C gewesen, die volle Größe Goethes zu ermessen. Professor fen kennzeichnete dann im einzelnen
das tiefe Wissen deS großen Weisen Goethe,
der «Sei kommen sah, waS nun gekommen sei. Er habe sme Shttätntartung der Menschheit gesehen in der Anhäufung in den Biatzstädten. und er habe die gesunde VolkSkraft d.eZ Landvolkes hcrbeigerusen, um die versinkende MschheU wieder anfzusrischeu.
Mißverstanden in feinem vaterländischen Fühlen, habe er «ni tröstenden und festen Glauben an die Zukunft seines Volkes ntemalâ verloren. Heute sei dieses große Volk niedergetreten M gedemütiat, ausrinandergerissen und in seiner Dauer Mrd«. Aber es werde immer bestehen in seinem großen Mensglauben. Am Todestage deS letzten großen Weltdichtèrs tz auch die Menschheit niedergetreten und auseinandergerissen. M verheißende Botschaft des Triumphes des rein Menschlichen rum einigenden Symbol der ganzen Menschheit ge-
y . Professor Dr. Petersen, Wltreüner aus der osstziellen Gocthefcier in KZeimar.
Goethemedaltte für Kunst und Wissenschast.
Als Auszeichnung für Verdienste um Kunst und Wissenschaft hat der Reichspräsident eine silberne Medaille gestiftet, die bei den Feierlichkeiten in Weimar erstmalig einer Reihe von Persönlichkeiten verliehen wurde. Die Medaille erhielten u. a.: Der Reichskanzler, die Minister Dr. Groener und Grimme, die thüringischen Minister Kästner und Leuthäußer, die Oberbürgermeister von Leipzig, Frankfurt a. M. und Weimar, die Dichter Stefan George, Gerhart Hauptmann, Thomas Mann, Stehr, Binding, Ricarda Huch, Walter von Molo, Professor Petersen usw.
Das ganze Ausland feiert Goethe.
In allen Kulturländern wurde am 22. März Goethes in besonderen Feiern und Festsitzungen literarischer und gelehrter Körperschaften gedacht, in besonders bemerkenswerter Weise in Frankreich, in Rußland, in England, in Amerika, in Ungarn, in Italien usw. Tie U n i v e r s i t ä t von Wisconsin ernannte den deutschen Botschafter von P r i t t w i tz , der bei der Goethe-Feier eine Ansprache hielt, zum Ehrendoktor. Der indische Dichter und N 0 belprei_sträger Rabin
Kamps um Preußen.
„Atte Kraft aus Preußen!"
Die Entscheidung deS Stahlhelms.
Der Slahlheimpressedlcnst schreibt zu der Tagung des Bundesvorstandes des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, u a.: Der Stahlhelm ist Der Überzeugung, daß der zweite Wahlgang Der Retchspiäsidemenwahi für ihn keinerlei politisches Interesse mehr besitzt. da Die eigentliche Entscheidung trotz des Fehlens von 0.4 Prozent an der absoluten Mehrheit schon im ersten Wahlgang gefallen ist. Infolgedessen richtet sich Die gesammelte politische Energie des Bundes, Die durch Die letzten Kampf- wochen noch größer geworden ist, als sie es vorher war, in einmütiger Geschlossenheit auf das nächste große Ziel: die Beseitigung DeS heute in Preußen herrschenden Systems.
So klar die Hauptkampfrichtung des Stahlhelms auf Beseitigung des heutigen Systems geht, so unverändert ist auf der anderen Seite Der schon bei Der Reichsprä- sidenienwahl vertretene Standpunkt, daß eine einseitige Diktatur einer bestimmten Partei nicht in Frage kommt. Falls Die Nationalsozialisten an Diesem einseitigen Vormachtsanspruch unbedingt festhalten, nehmen sie Damit Die Verantwortung für eine Entwicklung der Dinge aus sich, die den zweifellos vorhandenen gemeinsamen Interessen der Harzburger Front schnurstracks entgegenläuft.
Praktisch wird das Eingreifen des Stahlhelms bei den Preußenwahlen auf eine Befürwortung der Paroleder Deulschnationalen Volkspart et hinauslaufen. Die innere Freiheit des Bundes von allen Einflüssen Der Parteipolitik wird dadurch in keiner Weise berührt. Wohl aber hält er es für seine Pflicht, bei der elementaren politischen Bedeutung der Preußenwahl alle Kräfte einzusetzen, um den Sturz des heutigen Systems herbeizuführen.
dranath Tagore sandte anläßlich der Goethe-Feier an den Reichspräsidenten von Hindenburg ein Telegramm mit einem Gruß an das ganze deutsche Volk. In Rom legten der Gouverneur der Stadt, Fürst Boncompagni, namens der Ewigen Stadt und der deutsche Botschafter von Schubert im Namen der Rcichsregierung am Goethedenkmal in der Villa Borghese Lorbeerkränze nieder. ' "
Der Höhepunkt der Goethefeier in Weimar.
Weimar, 23. März. (Eigene Funkmeldung.)
Weimars großer Eoethetag fand seinen Höhepunkt in der Aufführung von Goethes Tass 0 durch Mitglieder des Wiener Vurgtheaters. Der Vorstellung wohnten der Reichskanzler, der Reichsinnenminister, Staatssekretär Meißner und sämtliche diplomatische Ehrengäste des Tages bei.
Im Anschluß an die Vorstelluna begab sich der größte Teil der Zuhörer in die Weimar-Halle zur „Stunde der deutschen Volksgemeinschaft". Zuerst sprach der Präsident der preußischen Dichterakademie, Walter von Molo, nach ihm der Dichter Erwin Guido Kolbenheyer-München und zum Schluß Dr. Hans von Eidls-Wien.
Anläßlich der Goethefeiern in England veranstaltete dieCityvonLondon gestern abend einen glänzenden Empfang, zu dem mehrere hundert hervorragende Persönlichkeiten erschienen waren.
Braun und Severing Spitzenkandidaten für Preußen in allen Wahlkreisen.
Berlin. Der Parteiausschuß der Sozialdemokratischen Partei nahm, wie parteiamtlich mitgeteilt wird, einen Vortrag des Parteivorsitzenden Otto Wels über die politische Lage im Hinblick aus den zweiten Wahlgang zur Reichspräsidentcliwah» bzw. die Preußenwahlen entgegen. Es wurde einstimmig beschlossen, an die Spitze sämtlicher preußischer Wahllisten Otto Braun und Karl Severing zu setzen.
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Der Nerchslandbund zur innerpolitischen Lage.
Der Bundesvorstand deS R c i ch s l a n d b u n d e s faßte eine Entschließung, in der cs u. a. heißt: „Der Reichslandbund hat schon für den ersten Wahlgang die Herausstellung der Persönlichkeiten bewußt den anderen Gruppen der Nationalen Front überlasten. Seine Stellungnahme für den zweiten Wahlgang bedeutet daher keine parteipolitische Haltung. In der Stimmabgabe für Hitler sieht der Reichslandbund eine starke kämpferische Kundgebung. Der notwendige Kampf des deutschen Landvolkes um Befreiung und Selbsterhaltung des Berufsstandes gegen das hinter der Person Hindenburgs schutzsuchende Stiftern muß in den darauffolgenden Entscheidungskämpfen bei den Landtagswahlen stärksten Ausdruck erhalten. Der 24. April muß den Sieg bringen."
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Hitler darf nicht im Rundfunk sprechen.
Berlin. Von nationalsozialistischer Seite wird mitgeteilt: Der Führer der NSDAP-, Adolf Hitler, hatte vor einiger Zeit den Antrag gestellt, anläßlich des zweiten Wahlganges zur Reichspräsidentenwahl den Rundfunk zu einer Ansprache zur Verfügung gestellt zu bekommen. Der politische Überwachungsausschuß der Funkstunde hat diesen Antrag abgelehnt.
Die Wallfahrt zur Fürstcngruft.
der, außerordentlich eindrucksvollen Rede Prof, die starken Widerhall fand, pilgerten die eiiiavk»»^"de aus aller Welt, die sich zur Feierstunde ®e hatten, zur FursteNgruft auf dem Friedhof hinaus: Abgesandte aller Kultur- Erde, Botschafter, Gesandte, Geschäftsträger, WfrhJ, 0» Wissenschaft und der Kunst, Vertreter der tüten k ^"nderregierungen, der Kirchen, der Uuivcrsi- bor Städte. Als in der Stunde, in der Goethe deri Jahren gestorben ist,
riefen r- """ allen Türmen die Glocken seltne den Friedhof eine Viclhundertlöpfige treife schweigender Erwartung. In weitem Um» Minium Fürstengruft, die sich in ein Meer von bie c h jWbanbelt hatte, loderten Fanale. Nachdem N e i,, r sie Großherzogin von Sachsen- A c i r, n 5’ 311 ihrer Rechten Staatssekretär Dr. ihrer 91.,/ Vertreter des Reichspräsidenten und zu Mienen war V ' ch ^ kaiizlcr D r. B r ü n i n g , cr- Professor Petersen kurze ^t DiciAf Gedenkens. Die ehemalige Großherzogin, ^ der der Vertreter des Reichspräsidenten mit »!? !," der Goethe Gesellschaft sowie Vertreter ”«8 Geweihe verwandten Familien gingen hinab in Älen, -sm’ u!P die Kränze am Sarge selbst nieder« übrigen Abordnungen brachten ihre Wurf - " bDr einer Gocthebüste in der Grufthalle dar. WincufJA110’ "achvcm die offiziellen Abgesandten ihre Äe uns nievergèlegt hatten, kamen Menschen, , ^ihcs um Blumen darzubringen. Diese Ehrung '"eiseypo. ihrer schweigenden Würde die er- c °es Goethe.Gcdcnktaoes.
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Das Bier wird billiger.
Einigung in der BicrprciSfrage.
Nach mehrtägigen Verhandlungen zwischen dem RcichspreiSkommissär einerseits und Den Brauereien und Gastwirten andererseits ist cs zu einer Einigung über die Frage der B i e r p r e i s s c n k u n g gekommen. Die Brauereien senken den Bierpreis um 2,25 Mark und Die Gastwirte den Ausschankpreis um die gleiche Summe je Hektoliter. .
Die Preissenkung tritt bei den Vraucreien sofort in Kraft, bei den Gastwirten a m S 0 n n a b e n d. Tie Senkung beträgt etnschließiich der Bierstcucrscnkung in Höhe von 7 Mark insgesamt 11,50 Mark je Hektoliter.
Wie wird der nette AuSschankpreis berechnet?
Der durchschnittliche A u s sch a n k p r e i s wird ge« mäb der Bicrprctssenkung wie folgt berechnet: Durch Gegenüberstellung der Preise vom 8. Dezember 1931 und der neuen Preise ist festzustellen, welcher Ausschankpreis je Hektoliter sich für jede Ge m ä ßart unter Zugrundelegung des hierfür geforderten Preises ergibt. Die Hekto- literpreisc für die einzelnen Gcmäßartcn sind zusammen- zurechneu lind Die Summe ist durch Die Anzahl der Gcmäßartcn zu teilen. Gemäße von mehr als einem halben Liter bleiben uubcrückstchngt. cie Senkung hat vorzugsweise bei den gebräuchlichsten Gemaßarlen zu erfolgen, jedoch soll dort, wo die Steuersenkung den Betrag von 7 Mark ausmacht, der Ausschankpreis für wenigstens eines Der am 8. Dezember 1931 vorhandenen Gemäße mit weniger als einem halben Liter Inhalt uin^ volle fünf Pfennig ermäßigt werden. Tic Senkung der y l a s ch e n- b i e r p r e i s e und der Weißbierprelse in Berlin bleiben in Kraft. Die Verkaufspreise sind um den Betrag zu ermäßigen, um den die Steuer für daS -Hektoliter er-
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Die Notlage der geiverblichen Gläubiger.
Zusammenschluß der Gläubiger der Landwirlschaft.
Die durch die Ost Hilsenotverordnungen entstandene Notlage bei gewerblichen Gläubiger hat in Den betroffenen Bezirken Die Gläubigerschaft der Landwirtschaft veranlaßt, sich zu organisieren. Zwecks einheitlicher Wahrnehmung Der Interessen hat beim Reichsverband des Deutschen Groß- und Überseehandels eine Aussprache Der Verbände stattgefunden, in der beschlossen wurde, gemeinschaftlich mit Dem Teutschen Industrie- u n D Handelst a g vorzugchen. Tie zuständigen Stellen sollen mit größter Eindringlichkeit auf Die ständige Verschlechterung Der Lag e der Gläubigerschaft bei der Durchführung Der Umschuldung hingewiesen werden. Bei der bisherigen Art Der Durchführung der Umschuldung dürfte Die Gläubigerschaft nicht mehr in der Lage sein, dürchzuhalten.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Der großen Goethe Gedenkfeier in Weimar wohnten Ver- trctrr aller Kulturländer der Welt bei. Der Gedenkrede des Professors Petersen folgte eine weihevolle Kraw,nnderlcgung am Sarge Goethes.
* zwischen dem RcichSprciSkommiffar, den Vraucreien und Gastwirten ist eS zu einer Einigung über die BierpreiSicnkung
gekommen.
* Die Funkeröwcrke in Dessau haben daS gerichtliche Ver- alcicliSvcnaüren beantragt und die Zahlungen eingestellt.
• Die Wirbcsiturmkatastrophe in den Südstaateu Nordamerikas hat nach den bisherigen Fefistelluttgen 275 Todesopfer ge« inrhrrt.