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Nr. 64 1932

Fulda, Mittwoch, 16. März

9. Jahrgang

Neue Kriegsgefahr im fernen Osten.

Großer Aufstand In der Mandschurei.

Chinesische Truppen gegen die Regierung.

Aus der ganzen Mandschurei werden die schwersten Unruhen gemeldet, überall am westlichen Teil der chine­sischen Ostbahn haben sich chinesische Truppen gegen die neue Regierung erhoben. Alle japanischen Garnisonen sind mobilisiert und marschieren zum Teil bereits gegen die Chinesen.

In Mukden zogen die Chinesen in großen Gruppen durch die Vorstädte, bedrohten japanische Staatsange­hörige und plünderten zahlreiche Geschäfte und Häuser. In der Nähe des japanischen Hauptquartiers wurde eine Reihe von Häusern in Brand gesteckt. In M a n s ch u l i plünderte die chinesische Garnison die ganze Stadl. Der japanische Kommandeur wurde ermordet. Ein Regiment der chinesischen Hailungkiang-Armee in Peiho bei Tsitsikar ist nach Tsitsikar aufgebrochen, um die dortigen japanischen Besatzungstruppen anzugreifen. In der inne­ren Mongolei sind zwei mongolische Städte von chinesischen irregulären Soldaten und Banditen besetzt und geplündert worden.

Nach Schanghai Tsingtau?

Gefährliche japanische Manöver in der Mandschurei.

Sm japanisch-chinesischen Konflikt scheint M der Schanghaifront jetzt GefechtSruhe sin- tzstreten zu fein. Der Mandschurei-Ausschuß, der zur Prüfung der Verhältnisse im Fernen Osten vom Völkerbund dorthin entsandt worden ist, ist jetzt endlich i« Schanghai angelangt, und Japaner und Chines« werden sich während seines Besuches sicherlich bemühe», ihm zu zeigen, daß jeder von ihnen friedfertig und der andere es ist, der immer wieder angefangen hat. Wenn der Besuch wieder abgereist ist, wird man sich keine Scheu mehr auferlegen und wahrscheinlich wieder weiterknallen. Japan scheint bereits wieder an einem anderen Orte eine neue Aktion zu seinerSicherheit" vorzubereiten.

Nach japanischen Meldungen haben in Tsingtau neue japanfcindliche Kundgebungen stattgesunden. Zur Wahrnehmung der japanischen Interessen wurde der japanische PanzerkreuzerKuma" nach Tsingtau entsandt. Zu Schanghai fing die Sache genau so an.

Die Ankunft deS Mandschurei-Ausschusses M Völkerbundes wurde von der chinesischen Bevölkerung Schanghais mit großem Beifall ausgenommen. ES fanden große Studentenumzüge statt. Die Demonstranten trugen Fahnen mit Aufschriften, die den Friedenswillen der Chinesen verkündeten. Lord Lytton erklärte, der Völker- bundausschuß werde sehr gern zu einer Mitarbeit bei den ertlich-» Verhandlunaen zur Lösuna deS ckinesisw-iava- nischen Streitfalles bereit sein, falls er dazu eingeladen werde.

Ja der Mandschurei spielen inzwischen die Japaner ein gefährliches Spiel. Eine japanische Division befindet sich zur Zeit auf dem Marsch nach Manschuria an der mandschurisch-sibirischen Grenze, wo die chinesische »arnison gemeutert hat.

In russischen Kreisen wird der Marschentschluß der Iranischen Militärbehörde alâ ein gefährliches Manöver bezeichnet, da ein so nahes Hcranbringen manischer Truppen an die russische Grenze zu

Die Durchführung der Osthilfe.

Der Osthilfe-Enlschuldmgsbrief.

Die unbare Befriedigung der Gläubiger.

Im Rcichsgesetzblatt wird eine Verordnung zur ^RWübrung des Ost Hilfegesetzes veröffentlicht, die von Reichskanzler Brüning und dem Reichskom- r für die Osthilfe, Schlange-Schöningen, unterzeichnet ist.

Die allgemeinen Bestimmungen der Verordnung bc- "gcn u. a. folgendes: Soweit der Entschulduttgsplan re Befriedigung vorsieht, ist der Gläubiger ver- M^tet, O st Hilfe- E n t s ch u l d u n g s b r i e f e anzn- hat di"' ~*C Angabe von Osthilfe-Entschuldungsbriefeu gleicht Wirkung mic die Zahlung einer Geldsumme

des Nennbetrages der Entschuldimgsbriese. War D, betrieb sinh aber für eine Verbindlichkeit eine ^Verpflichtung eingegangen, so erstreckt sich die in dem Entschuldungsplan über die m ltchkeit getroffen ist, auch auf die Verpflichtung W,-»^^^üsinhaberS aus dem Weckisel. Die einer iiHrh A zugrunde liegende Verbindlichkeit cfi^ getilgt, daß die in den. Mchuldungs- ^^^"'duug an den Inhaber beS Wechsels gezahlt wird. WennL^ verpflichtet, Osthilse-Entschulduugsbricfe zum tuUn ^"g auzunchmeu. Soweit eine WechselvcrpfliK- durch Herabsetzung im Ent- übri "ü^Plan erlischt, bleiben die Verbindlichkeiten der Ter En W c ch s e I v c r p f l i ch t e t c n u n b e r ü h r t.

kann aus der Verpflichtung, Osthilfc- feivc 4>,vugèbriefe anzunehmen, Regreßansprüchc gegen summier nicht herleiten. Werden

8^ GlLrMgee« ^ !MLyirtschrMchr«

einem Zusammenstoß mit den russischen Truppen führen könne.

Die neue mandschurische Republik ist auch insofern ein heißer Boden, als die chinesische Nankingregierung gedacht hat, die mandschurische Selbständigkeit zu ver­nichten und man bemüht ist, innerhalb der Mandschurei M e u t e r e i e n und A u f st ä n d e der chinesischen Trup­pen anzuzetteln, zu deren Niederkämpfung Japan nur allzu bereit der mandschurischen Regierung ihre mite

Hozenlesitl Mandschurei.

tarrsche Hilfe Bietet. Der Diktator der Mandschurei, Puyi, erklärte, daß, sollten die chinesischen Truppen versuchen, militärisch gegen die Mandschurei vorzugehen, sie auf den stärksten Widerstand stoßen werden. Die mandschurische Regierung werde verlangen, daß die S e l b st ä n d i g k e i t der Mandschurei auch von chinesischer Seite an­erkannt werde. Andernfalls werde der KriegSzu-' staut zwischen beiden Seiten dauernd bestehe« bleib«.

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Chinas Bedingungen.

Verhandlungen nicht unter dem Druck von Waffengewalt.

Der chinesische Gesandte Den hat im Auftrage seiner Regierung dem Präsidenten der P öl k e r b u n d ver­sa m m l u n g mitgeteilt, daß die chinesische Regierung die große Entschließung der Völkerbundversammlung für die weitere Behandlung des japanisch-chinesischen Konfliktes und die Einsetzung eines Sonderausschusses annchme. Die chinesische Regierung betont, daß für die Regelung des Konfliktes folgende Grundsätze maßgebend seien: Die Regelung dürfe nicht unter dem Druck von Waf­fengewalt erfolgen, und die Zurückziehung der japanischen Truppen müsse den Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen vorangehen. Die Mitgliedstaaten des Bölkerbundes seien verpflichtet, keinerlei Lage anzu- erkennen, die durch Mittel außerhalb des Pölkerbundpaktes und deS Kellogg-Paktes geschaffen sei.

im EntschuldungSplan herabgesetzt, so werden die Rechte der Gläubiger gegen Mitschuldner und Bürgen des Betriebsinhabers durch die Herabsetzung nicht be­rührt. Das gleiche gilt für Rechte der Gläubiger, auS einem für die Forderung bestehenden Pfandrecht, aus einer für sie bestehenden Hypothek, Grund schuld oder Rc n te »schuld oder ans einer zu ihrer Sicherung eingetragenen Vormerkung, sofern die Sicherheiten nicht von dem Betriebsinhaber, sondern von einer anderen Seite bestellt sind.

Die O st h i l f c ° E n t s ch u l d u n g s b r i e f e lauten auf den Inhaber mib werden auf Reichsmark ausgestellt. Die Eutschuldungsbriefc werden in Stücken von 200, 500,. 1000, 3000, 5000 und 10 000 Mark ausgegeben.

Ein weiteres Kapitel der Verordnung beschäftigt sich mit der Bereitstellung der zur E i n l ö s u n g der Osthilfc- Entschulduttgsbriefe erforderliche» Beträge. Die von dem Aufkommen aus der Aufbringungsunilage zur Verzinsung und Einlösung der Osthilfe Eutschuldungsbriefc zu ver­wendenden Beträge werden nach Maßgabe ihres Einganges und der Erfordernisse deS Zins und Tilgungsdienstes nach näherer Bestimmung des Reichskommissars für die Ost- Hilfe von der Jndustriebank an die Deutsche Rentenbank überwiesen.

Der Anschlag auf Twardowski.

Die Sowjetregierung wird in der nächsten Zeit durch den sowjetrusstschen Gesandten in Warschau der polnischen Regierung eine Erklärung zu dem Anschlag auf den deutschen Botschaftsrat von Twardowski über­mitteln. Därin wird darauf hingewkesen werden, daß bit Attentäter Stern und Wassiljew im Auftrage vor, polnischen Bürgern gehandelt davon. Die Sowjet- regieruna wird die Namen der polnischen Bürger, die nach he« AussgarM Sterns indirekt hatälißt waren, M Kew> nis der polnischen ReLiervvL bringen.

Vernachlässigte Außenpolitik.

Es ist geradezu auffallend, mit welchem Eifer der französische Ministerpräsident sich auf der Genfer Ab­rüstungskonferenz seiner Aufgabe widmet, die ihm schon übertragen war, als er nur Mitglied des Kabinetts, aber nicht Regierungschef gewesen ist. Dr. Brüning hingegen ist nur für eine ganz kurze Zeit in Genf gewesen und fuhr aus innenpolitischen Gründen wieder in die Heimat zurück, sobald er seine Rede beendet hatte. Daß aber in Genf nur weniges vor den Kulissen, desto mehr hinter denselben vorgeht, ahnt man nicht bloß, sondern weiß es, seit dort die letzten Vereinbarungen für den französischen Vorschlag der Donaukonföderation ge- troffen wurden. Außerdemtut sich" dank der emsigen Geschäftigkeit des Herrn Tardieu er ist ja auch noch zu allem französischer Außenminister doch zwischen Paris undLondon so manches, worüber man kaum Andeutungen erfährt; trotzdem ist unschwer zu erraten, daß hierbei das Reparationsproblem, aus deutsch: die Frage des Poung-Plans und unserer Tributleistungen, allmählich in den Vordergrund rückt. Wenn es daneben von Ge­rüchten geradezu hagelt, Tardieu wolle auf der Ab­rüstungskonferenz selbst einen Stoß gegen Deutschlands

politisier Burgfriede zu Ostern.

Die Reichsregierung plant für die O st e r z e i t einen p »li tischen Burgfrieden, wie er schon zu Weih­nachten eingeführt worden war. Wie verlautet, soll der Burgfrieden jedoch nicht aus die Karwoche beschränkt bleiben, sondern noch auf einige Tage über Ostern hinaus ausgedehnt werde«.

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Berichtigte Wahlergebnisse.

Amtlich werden für einige Wahlkreise noch berichtigte Zahlen bekanntgegebc». Das Gejamlergcbuis ist auf Grund der Berichtigungen das folgende: Es wurden ab­gegeben:

Gültige Stimmen 37 657199

Duesterberg 2 558 813

Hindcnburg 18 654 244 Hitler 11 341 119 Thälmann 4 982 870 Winter 111 492 Zersplittert 8 661

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Der Stahlhelm zum Ergebnis der Reichspräsidentenwahl.

Berlin, 16. März. In einer Stellungnahme des offiziel­len Pressedienstes des Stahlhelms zum Ergebnis der Reichspräsidentenwahl wird u. a. erklärt: Der Reichspräsi­dent von Hindenburg hat am 13. März 18,5 Millionen Stimmen auf sich zu vereinigen vermocht. Ein zweiter Wahlgang könnte kein anderes Ergebnis zeitigen. Wenn eine Möglichkeit besteht, um die Formalität des zweiten Wahlgangs herumzukommen, so haben wir dagegen nichts einzuwenden. Der Entschluß, sich keiner nationalsozialisti­schen Parteidiktatur zu unterwerfen, bleibt richtunggebend bestehen.

Verlangen nach einer tatsächlichen Abrüstung und nach einer Rüstungsgleichheit führen, so erscheint ein derartiges Vorhaben verständlich, wenn man wie Tardieu es tut und in der Leichenrede auf Briand in nicht gerade takt­voller Weise unterstrich - die ganze Politik Frankreichs auf das Hauptziel eingestellt hat: U n b e d i n g t e A u s - rechterhaltung der Versailler Diktatbc- ft i nt nt u n g e n einschließlich allerFortsetzungen". Das gilt für die deutsche Entwaffnung ebenso wie für die deutschen Tribute. Schließlich soll in dieser Richtung auch der Plan der Donaukonföderation wirken. Und man darf angesichts der Betriebsamkeit des Herrn Tardieu nicht ver­gessen, daß er dabei zum mindesten mit einem Auge aus die in nächster Zukunft erfolgenden französischen K a m m e r w a h l e n blickt, bei denen er sicherlich ein stark außenpolitisch gefärbtes Programm in den Kampf werfen 1VU%ie Abrüstungskonferenz selbst gibt also nur gewisser »laßen die Kulissen her, hinter denen sich ganz andere, für Deutschland hochbedeutsame Dinge abspielen. Wie weit Tardieu wegen der Donaukouföderation bereits mit beut englischen Außenminister einig geworden ist, wird man wohl in den nächsten Tagen erfahren; denn in Genj soll eine Art Vorkonferenz hierüber stattfinden, an bet auch Deutschlands Vertreter teilnehmen wird. Daß dies Dr. Brüning nicht persönlich tut, muß man läwn deswegen bedauern, weil Frankreichs und Englands Außenminister in Genf anwesend sein werden. ^miun

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der preußische Finanzminister Dr. Klepper leitete die Etatöbcrntungcu im Preußischen Landing mit einer großen

* Tic Einführung der Osthilfe Entfchuldungöbricsc wird in einer Verordnung zum OsthUfrgcsctz geregelt

* Durch japanische Manöver in der Mandschurei ist eine neue gefâvrlichc Lage an der russischen Grenze entstanden.

* Die seit mehrere« Mono:« beovachret« Bcrschlechicrung »er deutsch-» ^tz-nhenLEMs-; W LvÄ iw Fevrr-2- M- geholtem