Möaer Mzriger
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Nr^ 61”' 1932
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal »Julöaer Kreisblatt
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9. Jahrgang
Sulöa, Samstag, 12. März
Die entscheidende Stunde.
Wen soll ich wählen?
Wen |oll td) wählen? So werden sich viele am Sonntag morgen fragen, die bis jetzt sich darüber noch nicht klar geworden sind. Die Antwort läßt sich nun nicht weiter hinausschieben, nun ist's vorbei mit dem Mundspitzen, nun muß gepfiffen werden, wie ein alter Volksspruch sagt. Jetzt heißt's die Antwort geben und den Wahlzettel in die Urne werfen. Wie bei jeder Wahl, wird es natürlich auch diesmal viele geben, die sich um die Entscheidung einfach herumdrücken, die einen aus Leichtsinn, aus Gleichgültigkeit, Faulheit und Bequemlichkeit, die andern aus Verärgerung, aber viele auch, weil sie sich nicht anders aus der Gewissensklemme zu retten wissen. Sie alle werden sich mit der so oft gehörten Redensart helfen: Auf meine Stimme kommt es doch nicht an. Das ist ein alter Unsinn, der Unsinn bleibt, auch wenn er hundertmal wiederholt wird, denn in Wahrheit kommt es aus jede einzelne Stimme an.
Also noch einmal die Frage: „Wen soll ich wählen?" Bevor man sich eine Antwort gibt, muß man erst einmal darüber im klaren sein,
worum es eigentlich bei der Präsidentenwahl geht.
Fs handelt sich da nicht einfach darum, daß diese oder jene Persönlichkeit in den nächsten sieben Jahren den Titel „Reichspräsident" bekommt und in dem schönen PalaiS in der Wilhelmstraße in Berlin wohnt, wo die Doppelposten vor dem Tor stehen. S» einfach liegt die Sache nicht. An diesem Tage geht »4 um etwas anderes, da soll jeder klar und eindeutig sagen, wie er über die Politik der letzten Jahre denkt und soll mitbestimmeu, wer in Zukunft « m Steuer des deutschen Staatsschiffeâ stehen soll. Wie er über die Politik der letzten Jahre zu urteilen hat, mutz heute schließlich jeder wissen, und wer den Mut nicht hat, dies in aller Öffentlichkeit zu tun, der hat ja jetzt am 13. März Gelegenheit, geheim durch die Abgabe des Stimmzettels seine Meinung ârzulegen.
Wer sich hum die Antwort gegeben hat, wie er über die Politik der letzten Jahre denkt, soll sich dann d i e Kandidaten b e I r a ch t e n die als Bewerber für den ReickS- Präsidentenpoften «nfgejteUt sind.
Arümng verieiKigi HinöeMMg.
In einer Kundgebung des Hindenburg-AusschusseZ 'm Berliner Sportpalast befaßte sich der Reichskanzler vor 68cm mit der Agitation gegen Hindenburg. Er wehrt sich dagegen, daß man die Kandidatur Hindenburg nun als Parteikandidatur darstelle. Dann ging er auf die bekannten «rhandlungen ein, die darauf hinzielten, die Präsident- chaft Hindenburgs auf parlamentarischem Wege zu verlängern. Er wiederholte, daß die Verhandlungen nicht an seiner Person gescheitert seien, sondern behauptete, daß die Schuld an dem Scheitern an den Gegensätzen zwischen den beiden Rechtsparteien liege. Hindenburg habe es dehnen müssen, sich auf Bedingutlgen einzulassen.
Dann wandte er sich vor allem gegen die Agi- «n, in der Hindenburg die Unterschrift unter 5 Notverordnungen zum Vorwurf gemacht werden, Notverordnungen, die zu unterschreiben Hindenburg Merans schwergefallen seien, wären notivendig gewesen, »m außenpolitisch zu dem Ziel der Befreiung von den gasten und zur Gleichberechtigung mit anderen Völkern °u kommen. Dann wandte er sich gegen das Wort „Kampf System" und stellte dabei an die Gegenseite die '?âge, wie man sich dort zu der Frage „stabile Währung Inflation" stelle. Den Nationalsozialisten machte er ^rwurf, daß sie in den Versammlungen den Arbet- Versprechungen machten, und hinter verschlossenen hnm “^ Jndustrieführern verhandeln. Brüning wies n auf bie geschichtliche Persönlichkeit Hindenburgs hin, der klassischen Tradition des alten Generalstabs sehr ^lfcu sei und die Dinge in klarer, einfacher Linie ^i das Zeichen der Größe eines Menschen, leiten Männer könnten die Geschicke eines Volkes .tiefer Gottesfurcht habe Hindenburg alle seine kekakt sowohl im Kriege wie auch als Reichspräsident Frol.» ^ Kanzler appellierte zum Schluß auch an die 1n,für die Wahl Hindenburgs einzutrete«.
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^^g -hätten, nicht direkte Ansprache Hindenburg, atz ^J”'^ in weiten Kreisen Erstaunen erregt haben, abend tvurde. daß Hindenburg am Donnerstag bin* N' am Mikrophon stand, sondern daß seine Rede foar fnTWatten übertragen wurde. Die Übertragung nicht kL.'?°b das sonst übliche Nebengeräusch der Nadel bie «!^.^uhören war. Tausende haben im Geiste b ornZu des alten F c l d ma rsch a l l s sich haben J, < ‘ - als sie seine Stimme hörten, Tausende ^i'bcn ubt- " spräche unmittelbar zu ihnen : sie alle ^cnbcii Ä ?,nuaS enttäuscht sein. Von den maß- Um sey,,,, Fallen wird diese Maßnahme so begründet: hatte lnrilt Aiarungsversuch von vornherein zu vereiteln, ^amvu>n > ^ede am Vormittag auf Schallplatte» auf- Natcn non • "och bis zum Abend in mehreren Erem- «eben uns f n^ul9‘- Diesmal wollte man ganz sicher ^drch yr. die raffinierteste Sabotage ausschalten.
Aufnahme der Schallplatte war es nämlich
möglich, die Übertragung vom Retchsprästdenienpaiais zum Funkhaus zu vermeiden und ebenso die Kabelübertragung vom Funkhaus zum Deutschlandsender in Königswusterhausen. So hat man eine der Platten im Funkhaus in Berlin unmittelbar auf den Sender übertragen und eine zweite Platte im Laufe des Nachmittags nach Königswusterhausen geschickt, wo sie ebenfalls unmittelbar und ohne Leitungsverbindung dem Deutschland'' fenber anvertraut wurde, und gleichzeitig dem Kurzwellensender. der die Rede über den Ozean nach Amerika
Dev Reichswahlmarschakt.
Reichswahlleiter Dr. Wagemann, der Präsident des Statistischen Reichsamtes tsitzend), und sein Stellvertreter, Geheimrat Meisinger, in deren Händen die Durchführung der Reichspräsidemenwahl liegt. Durch ihn wer- »9M wir erfahren, wer Sieger in der Wahlschlacht geblieben ist.
übertrug. Hörer, die zeitweise aus Königswusterhausen umschatteten, konnten die seltsame Tatsache beobachten, daß die Ansprache über den Deutschlandsender mit einer ganz geringen Verzögerung gesendet wurde. Das erklärt sich dadurch, daß die Platte in Königswustcrhauscn einige Sekunden später als in Berlin zu laufen begonnen hat.
BauernkundgeSungen für Duesterberg.
Im Zusammenhang mit Duesterbergs Rede in der schwäbischen Hauptstadt Stuttgart haben der Bauern-
Dunkle Taten und Pläne.
Geständnis des Moskauer Attentäters.
Eine weitere Vcrhastung. — Polcn im Wintergrün d.
Von russischcr a m t l i ch e r Seite wird mit- geteilt, daß der Attentäter des Botschaftsrats v o n ^war. dowsli, Stern, gestanden hat, in Moskau einen Komplicen namens Sergei S e r g c s c w l. s ch W a f 11 i c ) zu haben. Wafiljew ist bereits von der Politischen Polizei verhaftet worden.
Stern gab tvciter an, daß Wafiljew und er
von polnischen Staatsangehörigen beauftragt worden sei, den Anschlag auszuführen, um die Beziehungen zwischen Moskau und Berlin zu stören und tue internationalen Beziehungen der Sowjetunion zu verschlechtern. Stern habe mit Hilfe Wasrliewv tue Seit feftgeftcut, in der von Dircks e n die Botschaft zu verlassen pflegte, Um ibn, nicht aber von Twardowski, zu erschießen.
Weiter gab Stern nach der russischen amtlichen, Mitteilung Erklärungen über feine Beziehungen zu polmichen Kreisen ab, die im Interesse der Untersuchung zedoch wtzt nicht,veröffentlicht werden können. Die Sitten werden nunmehr per obersten Staatsanwaltschaft zur Erhebung von Klagen wegen
Vorbereitungen zum Mord und Konterrevolution übergeben. Der Prozeß wird demnächst im Militär- roDegium des Obersten GcricMS der Sow^ stattfinden. Die Verhandlung wird öffentlich sein. Auf bu|c Verbrechen steht Todesstrafe.
MordMn gegen Santdirettor vonStavß.
Von der Polizei vereitelt.
Die Berliner Kriminalpolizei hat einen Mordanschlag, der gegen den bisherigen Direktor der Teutschen Bank, E m 11 Georg von Stauß, geplant war, im letzten Augenblick verhindert. Ein arbeitsloser Mctaüschleiscr namens W c i h m a n n wollte mit Komplicen den Lauk- direlwr i» seiner BLa überfalle«, ayspwnpsrn urS er- schieLLN.
b ü n d Hohcnzollern-Sigmaringen und der Württember- gische I u g e ii d l a n d b u n d den Beschlutz gefaßt, geschlossen für den Kandidaten des Kampfblockes Schwarz- Weiß-Rot für Duesterberg, einzutreten. Gleichlautende Be
schlüsse liegen bekanntlich bereits von einer Anzahl weiterer Landvolkorganisationen, wie z. B. vom bayerischen und thüringischen Landbund, vor. In seiner Rede in Stuttgart besaßt? sich Duesterberg besonders mit den Plänen gewisser Berliner Regierungskreise alle Macht immer mehr in Berlin zu zentralisieren. Dagegen wandte sich Duesterberg und sagte dazu: Ebenso wie für ihn kein Gegensatz zwischen Nord und Süd bestehe und sowenig es für ihn eine Mainlinie gebe, ebenso kenne er im nationalen Kampf keinerlei Unterschied der Konfession, sondern das große einigende Band sehe er darin, daß wir alle uns als deutsche Christen in vaterländischer Arbeit zusammenfänden. Er lehne jeden üb?rtrieb?nenZen- t r a l i s m u s ab und trete für eine gesunde Gliederung und Erhaltung aller deutschen Stämme ein.
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Der Stahlhelm verbreitet folgendes Bekenntnis Duesterbergs: „In einer todernsten Nachtstunde, allein im ehemaligen deutschen Großen Hauptquartier im November 1918 in Spaa, wohin ich zum Empfang Der ersten französischen Unterhändler kommandiert war, fiel mir das Wort Friedrichs des Großen ein, das er einst in verzweifelter Lage bei Bunzelwitz prägte: „Erst wenn die Hoffnung zerrann, zeigt sich der Mann!" Dies Wort wurde in den letzten 13 Jahren mein Stampf» spruch und wird es immer bleiben! Nicht mit dem Verstand allein, sondern nur in inniger Verbindung mit den Kräften deS Herzens und deS Gemüts, in unerschütterlichem Glauben an Gott und an die Jugend unseres Volkes unter restlosem Einsatz aller.sittlichen und seelischen Kräfte ist Deutschland zu retten. Aus dem innersten Deutschtum heraus, nicht durch fremde Kraft und Hilfe, wird Die innere und äußere Usfreiung Deutschlands rs- folgen."
Hitler irr Dortmund.
Bei einer Kundgebung in der großen Westfalenhalle tn Dortmund sprach Adolf Hitler über die Politik der letzten Jahre. Das gegenwärtige System befinde sich in stetiger Abwärtsentwicklung. Das Deutsche Reich sei nach kurzer Scheinblüte in tiefste Not verfallen und habe gelernt, sich jedem Diktat zu beugen. Daß das Volk trotz aller 9iot noch nicht zusammengebrochen sei, habe es nur seinem eminenten Lebenswillen zu verdanken. Erst wenn das Volk in seinem innersten Kern wieder gesund fei, könne auch die deutsche Wirtschaft sich wieder erholen. Nach dem 13. März werde man nicht über das nationalsozialistische Programm, sondern über das Programm und die Unterlassungen der derzeitigen Machthaber zu Gericht sitzen. Die Entscheidung liege nicht im Ausgang der Wahl, sondern darin, ob es gelingen werde, das Gift des Internationalismus, der Demokratie und des Pazifismus aus Deutschland auszurotten. Nach der Wahl, gleichgültig, wie sie ausgehe, werde der Kampf um Deutschlands Freiheit mit aller Schärfe fortgesetzt werden.
Weißinann, der nicht ganz bei Sinnen sein soll, hatte sich zuerst an den Chausseur des Bankiers herangemacht, um sich nach den Lebensgewohnheiten der Familie von Stauß zu erkundige«. Als er hiermit fein Glück hatte, bombardierte er den Direktor von Stauß mit Droh- und Erpresserbriefen. Der Bricfschreiber wurde von der Polizei rasch ermittelt und festgenommen. Er hatte an andere Arbeitslose Briefe gerichtet, in denen er das Attentat auf den Bankdirektor vorschlug. Einer der Adressaten übergab den an ihn gerichteten Brief der Kriminalpolizei
polittscher Mord in Helsingsors?
Frühere Lapposchatzmcisterin erschossen aujgcfundcn.
Die frühere Schatzmeisterin der Lappobewegung, Frau Craucher, wurde mit durchschossener Schläfe tot auf- gefunden. Pressemeldungen zufolge soll Frau Craucher der Linkspresse wichtige Dokumente der Lappobewegung übergeben haben. Anderen Meldungen zufolge steht sie im Verdacht, internationale Spionin gewesen zu sein.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Für die preußische Polizei ist für Die RcichSprSsidcntcn- Wahl erhöhte Alarmbcrcilschaft vom 12. März ab angeprynct worden.
* Tic Watzlcn zum Preußischen Landtag werden nach einer Erklärung des Reichspräsidenten bestimmt versossungsmablg fratifinben.
* Dem Präsidenten des Deutschen _ Saubnurtfd^
Dr. Brandes, wurde anlnnlid) seines .). Geburt lagcs i .r Adlerschild des Reiches verliehen.
* Die Berliner Kriminalpolizei vereitelte einen Ranbuber. soll der gegen Herrn von Stauß, den früheren ^crr.tor der Deutschen Bank, geplant war.
• 'M- R-seluna be? jssssifS HisiPfâü« StrritfsSr» ®utb* -.am âiMâss ^w-jckuk bei AMâpSverß:«Mlr«'A eine® èsndctR-rjchuß übertrugen.