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fir. 59 — 1932
Fulva, Donnerstag, 10. März
9. Jahrgang
„Zum Schutze der Wirtschaft".
Ke «eilt MsersrbMg
des Reichr-rSfideilteil.
Reichspräsident von Hindenburg hat eine Notverordnung „zum Schutze der Wirtschaft" unterzeichnet. Sie enthält die auf parlamentarischem Wege vorläufig nicht durchführbare Regelung des Zugabeverbots und andere Maßregeln gegen den unlauteren Wettbewerb; unter anderem strenge Richtlinien für das Ausverkaufs- wescn.
Ferner verlängert die Notverordnung die schon vorhandene Z 0 l l e r m ä ch t i g u n g des Reèchskabinctts.
Das teilweise Verbot der Zugaben gilt vom 1. Juli dieses Jahres ab.
In der Verordnung wird bestimmt, daß Ausverkäufe in Zukunft nur noch unter bestimmten Voraussetzungen (Ausgabe des gesamten Geschäftsbetriebes), einet Zweigniederlassung oder einer Warengattung) zulässig sind.
Teil 3 enthält auf die Dauer von zwei Jahren eine sperre für die Einrichtung weiterer Verkaufsstellen von Einheitspreisgeschäften in Städten unter 100 000 Einwohnern.
Teil 4 sieht eine Erneuerung der am 23. Februar d. J. abgelaufenen Ermächtigung an die ReichSregierung vor, Eingangszölle abweichend von den geltenden Vorschriften zu ändern und die vorläufige Anwendung zweiseitigen Wirtschaftsabkommens mit ausländischen Staaten zu verordnen. Im Zusammenhang hiermit hat die ReichSregie- rung die Ermächtigung der Einführung von Ausfuhrzöllen erhalten.
Teil 5 sieht Maßnahmen vor, die den Preisdruck auf dem Holzmarkte abschwächen lassen.
Wieder Winter.
Schneesiniflut über Deutschland.
Schneestürme in Amerika.
Eine wahre Schneesintflut ist über Deutschland nirder- gegangen. Nicht nur die Wintcrsportgcbietc profitieren davon, sondern auch das nördliche Deutschland weist eine ziemlich zusammenhängende Schneedecke auf. Teilweise erhöhten sich in den Gebirgen die Schneelagen um mehr als ein halbes Bieter. Aus dem Erzgebirge, dem Riesen- gebirge, dem Thüringer Wald und dem Schwarzwald wird Neuschnee gemeldet, und die Kältctcm-pcraturen bewegen sich zwischen 3 und 15 Grad. Den größten Schneefall scheint Bayern gehabt zu haben. In Südbayern sind selbst im nötigen Winter nicht so gewaltige Schneemaffen uiedcr- icgangen wie in diesen Märztagen. Der riesige Schneefall hat starke Verkehrsstörungen mit sich gebracht.
Der Witterungscharakter dürfte vorläufig rauh, naßkalt und nachwinterlich bleiben. Darin erinnert dieser Marz an den März deS Vorjahres: damals brachte die Weite Woche des Monats einen 110$ heftigeren Rach- mnter.
U. S. A. im Schnee.
Ein schwerer Schncesturm tobte über den östlichen Saaten der U. S. A. Hunderte von Automobilen, dar- unter zwei große Autobusse, blieben in den Schneemassen und mußten
durch Flugzeuge verproviantiert
W^n. Den Fahrgästen der Autobusse gelang es nach awolfstündiger harter Arbeit, sich nach Batavia bei Rew- Hork durch den Schnee durchzuarbeiten. Der Wächter der ^euchuurmbake aus dem Ringberg bei Sunbury im Staate ^unshlvania war 24 Stunden von der übrigen Welt ab- 8schnitten und würde von den Flugzeugen der Unitcb Air Ms c versorgt. Verschiedene Personen- und Güterzüge < ,en in Pennsylvania im Schnee stecken. Die Land- le der Umgegend arbeiteten sich mühevoll an die Züge versorgten die Fahrgäste und die Eisenbahner Lebensmitteln.
*
Der Rückfall.
Krankheitsfällen ist ein plötzlicher Rückfall des zu bet sich bereits auf dem Wege der Genesung SrnnJk u schien, oft schlimmer als die vorangegangene Jal,»la. ü $m großen und ganzen paßt das auch aus die taJn tcn> Man läßt sich zwar nach stürmischen Herbst- flefar ™tncn unerwarteten Rückfall in den Sommer gern ^ber eine Rückwärtsdrehung von Lenz auf fonÄ bny "lögen wir nicht, das erscheint uns nicht be- noch ""genehm. Nun ist cs ja so, daß wir eigentlich haben "chtmätzigcn Anspruch aus den Frühling Mit kein^ 'venn er streng nach dem Kalender lebt, wir i Erscheinen noch ein bißchen warten kann. Aber "vinnè» lminerhiii gewohnt, daß es nicht so genau ge- 8rüblinâ^^ un^ klauben, im März schon richtiges es metif^ erwarten zu dürfen. llud dann geschieht man bentt ^ erstens anders kommt und zweitens als ^CTm^..^1 Wetterlage, die ihre Erfahrungen in ^rren sZammcü imbcn werden sich über bin
ZugabeverLot ab 10. Juni.
Die neue „Verordnung zum Schutze der Wirtschaft" bestimmt, daß
Zugaben in Zukunft nur zulässig sind, wenn der Verkäufer aus Wunsch des Käufers statt der Zugabe einen bestimmten Geldbetrag entrichtet, der nicht geringer sein darf, als der Einstandspreis für den Zugabeartikel.
Schlechthin verboten werden Zugaben, die als Geschenk bezeichnet werden oder die von einer Verlosung abhängig gemacht werden.
Diese Zugabeverbote gelten ab 1. Juni dieses Jahres.
Auf dem Gebiete der Wirtschaftsspionage haben sich ebenfalls in hohem Grade bedenkliche Erscheinungen gezeigt. Die Öffentlichkeit hat sich in letzter Zeit mit Vorgängen und gerichtlichen Urteilen besaßt, die den
Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse» betreffen. Es hat sich gezeigt, daß die geltenden Strasvor- schriften nicht ausreichen, um die deutsche Arbeit und Wirtschaft in dem erforderlichen Maße gegen Wirtschaftsspionage zu schützen. Die Notverordnung trifft daher die gesetzgeberischen Maßnahmen, die erforderlich sind, um die empfindlichsten Lücken des bisherigen Rechts zu schließen,
Einheitspreisgeschäfte.
Es wird eine auf die Dauer von zwei Jahren bemessene Sperre für die Errichtung weiterer Verkaufsstellen von Einheitspreisgeschäften in Städten unter 100 000 Einwohnern angeordnet. Diese Maßnahme soll für die nächsten zwei Jahre m i t t e l st ä n d i s ch e n Einzelhandelbetrieben in den mittleren und kleineren Städten einen gewissen Schutz ihres Bestandes sichern. Gerade in diesen Städten sind sie in der gegenwärtigen Krisenzeit durch Neugründungen von Einheitspreisgeschäften besonders hart bedrängt. Einzelne sind diesem Wettbewerb bereits erlegen.
Die weiteren Bestimmungen beziehen sich auch auf die bestehenden Einheitspreisgeschäfte und bezwecken die Beseitigung von Mißbräuchen, die sich in der Praxis herausgestellt haben.
Die Reichsregierung konnte sich bei Erlaß dieser Maßnahmen weitgehend auf umfassende Beratungen im Vorläufigen Reichswirtschasisrat stützen.
Wetierumschwung, der in diesen Tagen in einem großen Teile Deutschlands eingetreten ist, nicht allzusehr gewundert haben und mit Recht darauf hinweisen, daß es bei, uns schon Märzmonate gab — in schrecklicher Erinnerung aller älteren Leute steht noch der von 1888 —, in welchen eine Kälte herrschte, die jedem Januar Ehre gemacht hätte. Ganz so arg ist es jetzt glücklicherweise nicht: die Luft ist zwar nicht lenzlich lau und lind, aber ein harter, kernfester Märzfrost bleibt uns erspart und wird uns hoffentlich auch für den Rest des Monats erspart bleiben. Womit wir uns jetzt auseinanderzusetzen haben, das ist, soweit man die Wetterlage übersehen kann, nur der Schnee, der einige Besorgnis erregt, weil weiße Ostern nicht allzu beliebt sind. Der Schnee, der uns so plötzlich wieder ins Haus geschneit kam, war jedoch,einer von der milderen Sorte, einer, der der nicht mehr wegzuleugnenden Frühlingssonne nicht staiidhält und der nicht allzulange in seiner Blütcnweiße liegenbkcibt: in den meisten Fällen schlackerte cs nur, und das Endergebnis war fast überall jene breiige, weiche Masse, der ein Landfremder niemals ansehen würde, daß sie einmal weißer Schnee gewesen ist, weil sie nämlich schokoladenbraun aussieht.
Fassen wir alles zusammen, so kommen wir zu dem Schluß, daß wahrscheinlich auch dieser jetzige Märzenschnee noch nicht der letzte Gruß des abziehenden Winters ge- Wesen ist. Aber darum bleibt trotzdem bestehen, daß wir in dieser Hinsicht nicht mehr in allzu großer Sorge zu sein brauchen, denn mit jedem Tage, den Gott jetzt werden läßt, befestigt der Lenz seine Stellung mehr und mehr, und der Rückfall in den Winter wird sich wohl kaum so schlimm auswirken, wie viele befürchtet haben mögen. Bedenklich ist nur eines: solches Rückfallwetter hat oft Krankheiten im Gefolge, besonders Erkältungskrankheiten, und es wäre nicht sehr erfreulich, wenn wir jetzt noch ernstlich mit der gefürchteten Grippe zu rechnen haben sollten. Vorsicht kann also bei dem derzeitigen Wetter nicht schaden!
Biersteuer- und Bierpreissenkung.
Amtlich wird nutgcteilt: Die Senkung der RcichSbicr- steuer und der Gcmciiidebicrstcucr ist von den ReichsratS- nuSschüsscn unter Vorsitz des Reichsfinanzministcrs be- sprachen worden. Die Angelegenheit ist nunmehr soweit vorbereitet, daß die endgültige Entscheidung in Kürze er- folgen kann. Dabei wird auch Gewähr dafür gegeben werden, daß gleichzeitig mit der V i c r st c u c r s c n k u n g eine kräftige B i e r p re i s s e n l u n g cintrctc» wirL
Keine Schlachtsteuer für Preußen.
Die vom Stadtkämmerkr von Frankfurt a. M. ausgesprochene Annahme, daß man zur Abhilfe der Not der Gemeinden auf den Plan der Einführung einer Schlacht» steuer in Preußen zurückgreifen werde, entspricht, wie an zuständiger Stelle auf das beftiznmtè versichert wird, n i ch t den Tatsachen.
Das steigende Pfund.
Nach einer langen Kette von „Wenn" und „Aber", also nur unter sehr großen und leider nicht unberechtigten Bedenken hat der Reichsbankpräsident die Tiskontermäßi- gung begleitet. Die Devisenlage macht ihm heftige Kopfschmerzen. Er hat ja im Juni und Juli ver- gangenau Jahres für die Wirtschaft einen großen Gold- ^ump aufnehmen müssen, um dem damaligen Ansturm zu begegnen, und seitdem ist er die Kopfschmerzen um diese 420 Millionen geliehenen Goldes um so weniger losgeworden, als der französische Gläubiger dabei wegen der von ihm hergegebenen hundert Millionen andauernd Schwierigkeiten machte. Paris hat es nun auch erreicht, daß an die dreimonatige Verlängerung des Kredit die Bedingung für Deutschland geknüpft wurde, sofort den zehnten Teil davon, also 42 Millionen Devisen, an die vier Gläubiger abzubezahlen. Also an die Staatsbanken von Amerika, England, Frankreich und an die Baseler Tributbank. So etwas ist bitter, wenn leider Dr. Luther nur noch über einen sehr kleingewordenen Gold- und Devisenschatz verfügt! Und wir wurden schonend darauf aufmerksam gemacht, daß demgemäß der nächste Reichsbankausweis ein weiteres nicht unerhebliches Zurückgehen des Gold- und Devisenbestandes aufweist. Aber noch dringender als die Sorge um die Goldbafis des Notenumlaufs selbst wirkt die Notwendigkeit, der Wirtschaft gerade jetzt „jede nur mögliche Erleichterung zu gewähren", also die Kreditzinsen zu mäßigen. Besonders, da die großen anglo-amerikanschen Industrieländer uns darin schon vorangegangen sind.
Erstaunlich ist ja, wie England sich durch seine Währungs- und Kreditkrise hindurcharbeitet. Auch dieses Land hat sich im August 1931 enorme Goldkredite in Frankreich und in Amerika verschafft, hat sie aber inzwischen schon zum größten Teil zurückgezahlt. Der blasse Neid kann uns Deutsche packen, wenn man so hört, wie England nicht bloß kräftige Goldhilfe ans seiner größten Wtb wertvollsten Kronkolonie Indien erhalten hat, sondern daß ein sehr erheblicher Teil des hereinströmendcn Goldes unmittelbar aus Verkäufen von gemünztem oder Schmuckwarengold in England selbst stammt. In Massen wurden — gegen ein Aufgeld von etwa 30 Prozent — die Goldpfunde gegen Papiergeld abgegeben; in Massen wanderten die goldenen Beweise alten oder jüngeren englischen Reichtums zum Wechsler oder zum Juwelier, um dann von dort in den Schmelzofen zu gelangen und zu „gängigem" Barrengold zu werden. Alles gegen Papiergeld. Tas alle» mußte natürlich die Wirkung haben, daß der Kurs« ivertdes Pfundes ins Steigen geriet. Man hatte eben in „Old merry England“, dem „alten glücklichen England", das feste Vertrauen, daß das Papierpfund im Werte nicht weiter sinkt, sondern stabil wird oder steigt. Und man hatte durch jene Massenvcrkäufe den praktischen Beweis für das Vorhandensein dieses allgemeinen Vertrauens geliefert, denn man hat ja auch einen nicht unerheblichen privarcn Gewinn davon, wenn zwar der Wert des Pfundes steigt, nicht aber auch gleichzeitig damit das allgemeine Preisniveau der Waren. Es wird also ein bißchen âlahauss» des Pfundwertes „spekuliert".
Darüber ist man nun aber bei der Regierung und vor allem in den Kreisen des Exporthandels nicht sehr entzückt. Denn heftige Störungen der Währungskurse sind immer sehr unerfreulich, wobei gleichgültig ist, ob der Kurs nach oben oder unten springt. Man ist natürlich stolz darauf, fcststellcn zu können, daß „das erschütterte Vertrauen gegenüber dem Pfund Sterling völlig »viedcrhcrgestell:" lind daß „England ivieber sein früheres Selbst geworden" ist. Aus eigener Kraft hat es die goldenen Fesseln ab gestreift, die man ihm namentlich durch die französischen Kredite angelegt hat. Aber man sieht mit einiger Besorgnis, daß diese Befreiung ein bißchen allzu plötzlich vor sich geht und »vill das hemmen durch eine weitere E r ui ä ß i g u n g d e s j e tz t a u f 6 P r 0 z e n t st e h e n d s n D i s k ö u t s a tz e s d e r B a n k V 0 n E n g l a n d. Wenn das Gold vertrauensvoll aus dem Kasten in die Kassen der Bank von England herüberspringt, dann ist eben so viel Gold, soviel Kredit da, daß man ohne weiteres dazu übergehen kann, die offizielle Zinsrate hcrabzusctzen.
Denn dem hier zum Ausdruck und Ausbruch kommen den Optimismus entsprechen nicht bic Zustände in Eng lands Wirtschaft. Der geht cs — trotz der bisherigen Währungsschwäche — auch nicht viel besser als der deutschen. Und in der Zeit >vic der jetzigen allzu rasch neues Kapital zu investieren, die Erzeugung zu erweitern — auch wenn dafür geringere Zinsen als bisher gezahtt zu werden brauchen —, ist infolge der Undnrchsichtigkekt orr Weltwirtschaftslage ein recht gewagtes Unternehmen. Man hat den Mut so gründlich verloren, daß selbst die alten belvährtcn Reizmittel der Diskontsenkung nur eine zögernde und vorsichtige Wirkung ausüben können. In England ebenso wie in Deutschland. Anders freilich wäre sK, wenn es möglich wäre, sofort und gerade jey: btt große, wirtschaftlich wahrhaft befreiende Tat zu erleben, daß nämlich der Alpdruck der Rcparationssrage von der Welt genommen würde. Aber . . .!
Meine Zeitung für eilige Leser
• Die Notverordnung deS Reichspräsidenten zum Schutze der Wirtschaft regelt das Zngadcwctrn und verbietet für zwei Jahre, neue Einheitspreisgeschäfte zu gründen.
* Unter dem Verdacht, den hanmischen Federmantel nuS dem Göttinger völkerkundlichen UnivcrsiiâtSiustitui entwendet zu haben, ist in Dresden der Student Artur Pfleghar test- genommen worden.
• Der ehemalige Kaiser von China, Puni, leistete alS Präsident der neuen Randsckuriichen Republik den Eid auf die Erfassung.