koenigen'Deutschen fei, die i$rer Geschichte nach unbestritten und ihrem Charakter nach unanfechtbar bestehen, oder ob etwas kommen solle wie daS Dritte Reick, von dem sich niemand eine Vorstellung machen könne. In der Rcpara- tionsfrage seien wir soweit gekommen, daß wir, ohne einen Buchstaben des Vertrages zu verletzen, heute die Reparationszahlungen eingestellt hätten, und daß wohl kein ernsthaft denkender Mensch noch glaube, Deutschland werde die Zahlungen am 1. Juli wiederaufnehmen.
DaS deutsche Geldwesen sei zurzeit in keiner Weise gefährdet. Die deutsche Währung sei stabil. Wir befänden uns in einer maßlosen Deflation, die gebremst werden müsse. Aus diesem Grunde kämen weitere Lohn- oder Gehaltskürzungen nicht in Frage.
Eine zweite Inflation sei für Deutschland untragbar.
Das privatkapitalistische System könne sich nur halten, wenn es im Stande sei, Arbeit zu schaffen. Was wir noch machen könnten, sei, den Osten Deutschlands umzugestal- ten. Das aber sei nur möglich, wenn die Besitzverhältnisse geändert würden, und dazu sei heute der Augenblick gekommen. Hier im Osten sei Land, und mit der Auffüllung dieses Landes mit Menschen würde auch die Mauer gegen die Welle von Osten geschaffen.
Reichskanzler a. D. Dr. Marx über Hindenburg.
Die Zentrumspartei Tüffeldorf veranstaltete eine Jugendkundgebung. Nach dem Einmarsch von über 100 Bannern sprach Reichskanzler a. D. Dr. Marr über „Unser Glaube — unser Kamps — unsere Zuversicht". Er führte u. a. aus: Wie der 13. März ausfällt, so wird sich im ganzen Umfange das Schicksal deS deutschen Volkes gestalten. Die jetzige Präsidentenwahl hat eine größere Bedeutung als die von 1925. Ich hätte die Kandidatur damals nicht angenommen, wenn ich gewußt hätte, was ich heute weiß. Wir haben uns damals geirrt. Wir wußten von Hindenburg weiter nichts, als daß er ein großer Feldherr sei. Wir wußten aber auch schon, daß er ein Mann der Pflicht war. Ich habe dann zwei Jahre als Kanzler mit Hindenburg zusammengearbcitet. Da habe ich ihn erst tennengelernt, wie er wirklich ist. Wenn alle so klug wären wie Hindenburg, dann stände es anders um uns. Dr. Marx wandte sich dann gegen die Gerüchte, daß hinter Hindenburg Leute ständen, die ihn beeinflußten: Hindenburg hat alle seine Reden meist selbst entworfen. Wenn es gelingt, Hindenburg wieder zu wählen, dann wird eine Beruhigung nach außen eintreten, die von ganz außerordentlicher Bedeutung ist.
Tie Eiserne Front im Berliner Lustgarten.
Die Eiserne Front veranstaltete im Lustgarten am Sonntag eine große Kundgebung, auf der der Führer der Sozialdemokratischen Partei, Reichstagsabgeordnelei Wels, sprach Anwesend waren auch Vertreter des Bueaus der Jugendinternationale aus Belgien, Polen, Dänemark und Osterreick. Während die einzelnen Verbände in langen Zügen mit Musikkapellen anrückten, kreisten über dem Lustgarten mehrere Propagandaflieger mit dem Namen Hindenburg an den Tragflächen.
Ende des Lappoausstandes.
Tie Lappoführer verhaftet.
Der Aufruhr der Lappoleute in Finnland scheint zu Ende zu sein. Die Lappoleute zogen ihre Posten ein und gingen auseinander. Die Lappoführer, darunter auch General W a l l e n i u s , wurden gefangengenommen und im Auto nach Helsingfors gebracht, wo sie von der Polizei in Empfang genommen wurden. Der Staatspräsident hat das militärische Oberkommando wieder niedergelegt. Der Belagerungszustand wurde ausgehoben Die Aburteilung der gefangenen Führer wird dem Zivil- gericht überlassen. Die Anklage wird auf Aufruhr oder Hochverrat lauten.
Nah und Fern
o Haftbefehle gegen Steuerdefraudanten. Die Steuerbehörde Berlin hat gegen eine Reihe von Sleucrdefrau- dantcn Haftbefehle erlassen. ES soll sich um fünf Personen und um einen Betrag von etwa acht Millionen Mark, der ins Ausland verschoben worden sein soll, handeln.
O Ein Obcrlandjägcr auf der Straße ermordet. In Schiffweiler bei Saarbrücken wurde der Oberlandzager Schlad von bisher unbekannten Tätern erschossen. Schlad wurde nachts von zwei Nachtwächtern mit dem Bemerken geweckt, daß in der Kirchenstraße anscheinend Diebe am Werk seich. Er zog sich sofort an und ging weg, um einen seiner Kollegen abzuholen. Unterwegs wurden plötzlich von zwei Seiten 12 bis 15 Schüsse auf ihn abgegeben. Ein Schutz verletzte die Schlagader, so daß der Tod bereits nach wenigen Minuten eintrat. Schlad hat auch noch geschossen, aber anscheinend nicht getroffen.
O Die deutsche Flugexpcdition nach China. Die deutsche Flugexpedition nach Asien, die unter Leitung von Hans Bertram steht, hatte wegen Schnecsturms in Norditatten einige Tage Aufenthalt in Friedrichshafen genommen. Ta das Wetter anhaltend schlecht blieb, entschloß sich die Expedition, die Alpen im Blindflug zu überqueren, und ist wohlbehalten in Lugano gelandet. Dèan will über Venedig weiterfliegen.
0 Ein tschechisches Steueramt in die Luft gesprengt. In der mährischen Gemeinde Ungarisch-Ostra wurde das Steueramt in die Luft gesprengt. Unbekannte Täter warfen durch die Fenster des Gebäudes ein Bündel Dynamitpatronen, die unter gewaltiger Detonation explodierten. Das Steueramt wurde fast ganz zerstört. Menschen kamen nicht zu Schaden.
0 Ein Straßenbahnwagen rast gegen ein Automobil. In der Nähe von Nancy raste ein vollbesetzter Straßenbahnwagen an einem Bahnübergang gegen ein Privat- automobil, in dem drei junge Leute saßen. Ter Führer des Autos und sein Freund wurden buchstäblich in Stücke gerissen. Ein Ungar, der im Innern des Wagens saß, erlitt schwere Verletzungen und wurde in hoffnungslosem Zustand in ein Krankenhaus gebracht.
0 Der Fischdampfer „Lübeck" gestrandet. Aus Reykjavik (Island) wird gemeldet, daß der deutsche Fischdampfer „Lübeck" im Sturmwetter vor der isländischen Küste gestrandet ist. Ein isländisches Jnspektionsschifs fing die Notsignale des Dampfers auf, und es gelang ihm, die aus 14 Mann bestehende Mannschaft an Bord zu nehmen.
Börse und Handel.
Frankfurter Eetreidebörse vom 7. März. Tendenz: stetig. An der Getreidebörse entwickelte sich zu Beginn der neuen Woche nur kleines Konsumgeschäft. Die Haltung wurde etwas beeinträchtigt durch die bevorstehende Wahl, so daß der berufsmäßige Handel nur wenig llnterneh- inungslust aufwres. Brotgetreide lag gut behauptet, Roggen sogar etwas höher. Durch recht feste Tendenz fiel Futtergetreide auf; Gerste und Hafer verzeichneten Erhöhungen um 7% bzw. 2>- RM. per Tonne. Der Mehlmarkt zeigte keine Belebung; die Forderungen für Roggenmehl lauteten eine Viertel Mark niedriger. Kraftfuttermittel hatten unveränderte Preise bei eher etwas festerer Sim- mung. Es notierten: Weizen 286, Roggen 225—227.50, Gerste für Brauzwecke 190—200, Hafer 157.50—165, Weizenmehl südd. Spez. 0 mit Austauschweizen 38.25—39.45, do. Sondermahlung 36.50—37.70, Weizenmehl Niederrhein. Spez. 0 mit Austauschweizen 38.25—39.20, do. Sondermahlung 36.50—37.45, Roggenmehl 70prozentige Ausmahlung 30—30.50, Weizenkleie 9.40—9.50, Roggenkleie 10.25, Heu 5—5.25, Weizen- und Roggenstroh drahtgepretzt oder gebündelt 4—4.25, Treber 12.25—12.50. — Kartoffeln: Jn- dustriekartoffeln hies. Gegend 2.90 RM. per 50 kg bei Waggonbezug. Tendenz: stetig.
Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 7. März. Der Auftrieb des Hauptmarktes bestand aus 1446 Stück Rindern
Gießen 1336 am letzten Hauptmarkt), darunter Lesande» sich 297 Ochsen, 140 Bullen, 507 Kühe und 460 Färsen U ncr aus 532 (601) Kälbern, 66 (69) Schafen und 4707 (4601) Schweinen, darunter 80 aus Litauen. Bezahlt wurde pro Ztr. Lebendgewicht in Mark: Ochsen: al) 29—w a2) 24—28, bl) 20—23. Bullen: a) 26—30, b) 20—25 Kühe: a) 24—26, b) 20—23, c) 15—19. Färsen: a) ZgZ 33, b) 25—29, c) 20—24. Kälber: b) 37—40, c) 32— d) 28—31. Schafe nicht notiert. Schweine: b) 40—4» c) 40—44, d) 39—42, e) 36—40, f) —, Sauen 30—36. Z Preisverhältnis zum Hauptmarkt vom 29. Februar blieben Rinder und Schweine fast unverändert, Kälber zogen bis zu 4 Mark an. Marktverlauf: Rinder ruhig, Schweine schleppend, geringer 'Ueberstand. Kälber und Schafe mittelmäßig, geräumt. Fleischgroßmarkt. Ochsen- und Rindfleisch 1. 48—56, Ochsen- und Rindfleisch 2. 42—48. Bullen- sleisch 45—48. Kuhfleisch 2. 30—38, Kuhfleisch 3. 20—28 Kalbfleisch 1. 58—68, Kalbfleisch 2. 48—55. Hammel- und Schaffleisch nicht notiert. Schweinefleisch 50—55 RM. für 1 Ztr. frisches Fleisch. Geschäftsgang des Fleischgroßmark- tes: schleppend.
* Devisenbörse. Dollar 4,20—4,21; engl. Pfund 14,85 bij 14,89; holl. Gulden 169,33-169,67; Danz. 82,02-82,18; fram Franc 16,55-16,59; schweiz. 81,22-81,38; Belg. 58,54-58,66; Italien 21,79—21,83; schweb. Krone 81,67—81,83; dän. 81,sj bis 81,98; norweg. 80,92—81,08; tschech. 12,46—12,48; österi. Schilling 49,95—50,05; Argentinien 1,073—1,077; Spanien 32,37 bis 32.43.
Gewlnnauszug
5. Klasse 38. Preußisch-Süddeutsche Staats-Lotterie.
Ohne Gewähr Nachdruck »erboten
Aus jede gezogen« Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Stummer in den beiden Abteilungen I und II
24. Ziehungstag 7. März 1932
In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 91. gezogen
4 Gewinns zu 10000 M. 192464 231297
10 Gewinne zu 5000 M. 81437 187975 234672 353858 367441
18 Gewinne tu 3000 31L 23200 39974 69380 100593 119943 122134 129836 136551 345141
43 Gewinne zu 2000 M. 9563 12476 24387 32105 65706 69096 70822 101206 107570 114414 114848 122124 168380 173253 182190 211428 229240 241664 255957 270238 270394 283108 340940 381522 110 Gewinne zu 1OOO M. 5461 27229 29413 29990 33266 39131 41739 50177 64006 78369 80506 81126 86131 87610 88940 102801 104658 115127 116730 117523 1 21996 1 41 827 1 48693 1 50551 156692 1 57535
158373 1 67955 1 85624 1 87516 1 88009 1 92336 1 97223 1 97490 1 97510
22 3323 225077 242583 2 70132 272705 273201 279546 286347 289969 293821 297754 300386 311191 313943 349966 371341 371503 379224 389169 390972
164 Gewinne zu 500 M. 543 2984 4642 22235 24992 31342 37488 44204 47544 59571 72327 73277 73317 75867 77888 79443 84855 86771 98099 105366 106443 106532 107047 107168 113131 121106 121613 123711 130539 131764 143343 145395 147401 149114 155054 166357 174129 176477 176638 182597 183524 186020 191785 191820 191832 195402 199218 199619 203259 216604 222154 223769 248167 255784 266362 266905 282211 284670 289121 291539 304523 308702 310326 310765 318233 318628 318687 321600 324236 334373 335935 345047 347492 34949 9 351924 362557 3 6341 9 37460 0 374695 376293 393441 393579
In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen
6 Gewinne zu 10000 M. 111792 287020 294019
8 Gewinne zu 5000 M. 15614 46791 275283 382804
12 Gewinne zu 3000 M. 37229 1 29857 1 44 1 97 241139 322960 355022
46 Gewinne zu 2000 M. 15602 31545 35858 40955 77988 81443 83396 83558 138164 139561 169740 172651 187184 196500 214187 236212 239362 250122 265455 271583 338339 345908 383005
90 Gewinne zu 1000 M. 7967 27173 45001 55153 60296 79069 109701 113137 115748 138301 141709 149211 164851 173983 180632 180957 212692 215820 226986 231098 246317 250357 256160 261 228 265239 265319 266838 267783 271824 2 77971 288651 293446 295529 2SÖ180 320574 323329 342229 352009 355829 361346 366379 367056 367798 388865 397093
168 Gewinne zu 600 M. 357 1736 13321 16701 26609 27992 38967 58927 60663 61994 62469 63215 65605 76159 77500 98006 98284 103238 106275 107733 128113 130520 131338 138645 140870 150585 153467 1 57594 1 60254 1 65303 1 67031 171775 1 72637 1 97194 1 98613 220251 220451 222590 224417 225668 229972 230576 231774 231782 237105 238610 239029 244274 262428 264829 267826 268772 278188 287589 292945 294078 304134 306897 311347 325080 325681 331342 335364 336640 337578 338501 338737 340252 341448 356138 356402 356957 357862 363781 366601 367831 368372 378441 379730 381923 385771 390420 391092 396759
Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien je zu 500000, 2 Gewinne zu je 75000, 4 zu je 50000, 8 zu je 25000, 40 zu je 10000, 98 zu je 5000, 204 zu je 3000, 512 zu je 2000, 1004 zu je 1000, 1620 zu je 500, 4852 zu je 400 Mark.
Die Wahrsagerin.
Von E r n st Eimer.
(Schluß.)
Eilig und leichtfüßig wie ein Zwanziger stapfte der Ziegen- hirr der Heimat entgegen. Hin und wieder schwang er seinen Eichenknüppel drohens in der Luft und brummelte dem Rappel- nasendieb keine guten Wünsche zu.
Nun war es an diesem Nachmittag ganz barbarisch heiß, und der Christian bekam eine trockene Zunge. Aber da platschte neben ihm von einem hohen Baum eine saftige Birne ins Gras, die leuchtete wie blankes Gold.
„Ah, jubelte der Alte mit seiner ausgedörrten Kehle, „du kommst mir wie gerufen".
Und im nächsten Augenblick hatte der Ziegenhirt seinen Fund auch schon am Wickel und biß mit seinen letzten fünf Zähnen gierig hinein.
„Ei guten Morgen, und schmeckt sie denn?" rief nun hinter ihm der Feldschütz aus Dummelbach und lachte wie der Teufel.
„O du Erogerche", staunte da der Christian, „o Mann, wo kommt Zhr her?"
„Ich gucke nach dem Rechten, und Sie haben hier das Gras oertrampelt und die Birnen gemaust", knurrte der Andere barsch und böse.
„Ich hatte Durst und habe auch nur einen Kratzen".
„Einen oder Tausend", brummelte der Schütz, „ich muß Ihren Namen wissen".
„Ei ich bin der Christian Vohnentopf aus Knullehain", sagte der Brrneneâer, „und hüte dort die Geißen. Aber mir wurden alle Rappelnasen gestohlen, und ich habe den Spitzbub auch noch nicht."
„Was ich brauche^ habe ich", schmunzelte der Dummelbacher und machte sich eifrig Notizen.
Da bekam der Bohnentopf das Zittern in die Beine. „Mutz ich nun im Stockhaus sitzen? fragte er voller Angst.
„Amtsgeheimnisse werden nicht verraten", knurrte der Feldschütz und stapfte hochnäsig davon.
„Ei, ei, et“ jammerte der Ziegenhirt, „was wird das denn nun geben? Der Satan zeigt mich an, und ich muß die Kosten bezahlen".
Die Birne wollte dem Christian nun gar nicht mehr schmecken, und am lieben hätte er sie dem Dummelbacher an die Nase geworfen. Aber was man gerne möchte, ist selten durchzuführen, und so schleuderte Bohnentopf nun den halbgegessenen Kratzen voller Empörung in ein Kartoffelfeld. Den Eichenstecken packte der Alte immer fester in die Faust, und immer schneller trappelte er der Heimat zu.
„Und alles wegen dem Rappelna^enkujon!" schrie Christian plötzlich hinaus, „aber tu sachte, wir sprechen uns am Garten- zaun!"
Als der Ziegenhirt nach Knullehain kam, rannen ihm ote Tropien von oer Stirn. Und er guckte keine Häuser und kein« Menschen, sondern nur die Gärten an.
Gatzaui lief Der Alte und gaßab, aber was er suchte, wollte sich nicht finden.
„Alt und alt und alles alt", brummelte der Gehetzte immer vneser enttäuscht vor sich hin.
Doch plötzlich klangen helle Hammerschläge in den späten Tag. „Ah—haa. machte der Alte und stand still wie angenagelt.
Mit vorgeschobenem Kopfe und verhaltenem Atem horchte er auf das Klopfen.
„Das ist beim Drusch-Konrad, so wahr ich die Geißen hüte", keuchte dann der Bohnentopf und sprang wie ein Verrückter den Hoppelweg entlang.
Und dort vor Dem letzten Bauernhause, das an die Felder grenzte, hantierte der fleißige, sechzehnjährige Jörg, der Sohn vom Drusch-Konrad, und nagelte an einem neuen Gartenzaun. Und die weißgelben Latten standen noch hell und leuchtend in der Dämmerung. Als nun der Junge gar emsig messend eine neue Stange neben die vorige setzte und dann den Hammer wieder musizieren ließ, da schlug's ihm plötzlich an den Kops, daß er taumelnd in die Kniee sank.
„Hölle und Feuer, du Bösewicht", zischtelte es hinter ihm, „jetzt will ich dir einmal Rappelnasen geben".
Und der tolle Christian ließ seinen Eichenknüppel wieder unbarmherzig auf dem armen Buben tanzen.
„Ach — ei — ei helft mir doch", schrie da der wunde Jörg gar laut hinaus und wehrte sich auch selber seines Lebens. Wie ein Athletenmann schlug er mit seinem Hammer auf den bösen Alten ein, und da plumpste der zusammen wie ein gefällter Baum.
Und dem Drusch-Jörg war es nun gerade, als wenn ein Karussell in seinem Schädel kreise. Er torkelte um sich selber und purzelte dann neben den Ziegenhirt.
Mit entsetzten Augen und händeringend kam auch schon Jörgs Mutter gesprungen und warf sich iamnternb über ihren Jungen. Und der Drusch-Konrad, der um diese Zeit das Vieh versorgte, rannte vom Stalle her und hatte noch den Futterkorb in den Händen.
„Großer Gott, was soll denn das nun heißen?" stammelte er und beugte sich, vor Schrecken zitternd, zu seiner Frau und seinem Sohn.
Zehn, zwanzig und dreißig Menschen kamen gelaufen, und schließlich fast alle Bewohner von Knullehain.
Und ein altes Frauchen stürzte mit lautem Aufschrei neben den nun stillen Zießenhirt.
„Christian", riet es „ei Christian, ei kennst du denn dein jettchen nicht?" Und Die verzweifelte Frau küßte ihren Mann und streichelte ihm den blutenden grauen Kopf.
Auch dem Drusch-Jörg sickerte ein rotes Bächlein über die Schläfen und die Hände,' und hundert Fragen nach dem Täter schwirrten in der Luft. Doch niemand konnte sagen, warum Das Unglück kam.
.„Die zwei", rief der dicke Stoppelfritz über alles Getuschel und Jammern hinweg, „haben sich gegenseitig selber verdro- schen^ich sah's von meinem Fenster aus .
„In dieser Sache", sagte kopfschüttelnd der Bürgermeister, „mag der Teufel stecken; denn der Jörg ist ein braver Bub, und der gute Christian hat doch eigentlich Angst vor jedem Mäuschen".
Der Leinweber Truttel-Hans, der früher einmal Sanitäter gewesen, war auch zur Stelle, verband den Beiden die Wunden und untersuchte ihnen den Puls.
„Gott sei gelobt", sagte er, „sie leben alle zwei, müssen aber letzt schnell aufs Stroh“
Von beherzten, hilfsbereiten Männern wurden die Patienten nun eiligst in ihre Betten getragen. Und der Drusch-Jörg schlug dort nach kurzer Zeit schon wieder die Augen auf.
„Mutter", flüsterte er, „mir tut der Kopf so weh, aber ich will
jetzt wieder an meinen Gartenzaun", — dann lächelte der Jorg ein wenig und machte die Augen wieder zu.
Der Ziegenhirt hatte wegen dem Hammerschlag einen festen Schlaf. Er würbe erst am nächsten Tag wieder wach und plapperte dann wirres Zeug.
„Ach du lieb Himmelche", jammerte da das Jettchen, „wenn er nur den Verstand nicht verliert".
„Sein Schädel hat einen kleinen Knacks", sagte der Arzt, „aber gefährlich ist bas weiter nicht. Nur immer kalte U«- schläge auf den Kopf, dann lernt er auch wieder denken".
Drei lange Wochen lag der Bohnentopf auf dem Strohso« mit getrübtem Geist. Aber am zweiundzwanzigsten Tag machte er Helle Augen, setzte sich ausrecht ins Bett urib schrie:
„Lau-bub, nun gib die Rappelnasen her!"
„Ei du Lrewesi, mein guter Christian", rief das Jettchen in ihrem Glück, ,,jetzt wirst du wieder gesund".
Und an einem der nächsten Tage durfte der alte Rappest nasenmann schon wieder ein bißchen neben seinem Frühapfel- baum in der Sonne sitzen. Wenn er bann nach den leeren Zweigen guckte, da zuckte es ihm schmerzlich um den faltigen Mund, und den Eichenstecken packte er fester in die magere FaUst.
Das Erlebnis mit der Wahrsagerin hat Christian seinem Jettchen dann- genau erzählt. Und alle Leute in Knullehain erfuhren, warum der Ziegenhirt den Drusch-Jörg verhauen mußte.
Daß der Jörg aber ein braver Junge sei und in seinem ganzen Leben noch keine halbe Rappelnase gestohlen habe, davon konnte Jettchen ihren Christian nicht leicht überzeugen.
„Ja aber Frau", fragte der immer wieder, „für was soll mir die Fanny nun eigentlich gewahrsagt haben?" ,,
„Ei für die Katz", schalt das Jettchen. „Das Luder macht nur die Leute verrückt
Christian mußte seine Doktorrechnung bezahlen, und einc- Tages flatterte ihm auch ein Strafzettel aus Dummcivaat wegen Birnenentwendung ins Haus.
„Großer Gott" schrie das Jettchen, „du hast Obst gestohlen und sollst drei Mark lllnsundsechzig bezahlen, und vielleicht stecken sie dich auch noch ein!"
Da klapperten dein Christian vor Anast die Zähne. '
„Ach Jettchen", stotterte er, „es war so heiß, und die Zunge hing mir zum Halse heraus. Da lag die Birne im Gras, ich och sie an. Aber es war nur ein einziger Krotz." ,irf
„Wenn es so gewesen ist", lobte ba das Jettchen, „dann v du gewiß kein Dieb, und wenn der Durst kommt, da suckett nia», wo man kann". . ,
Auch dem Drusch-Bauer schickte der Arzt für den nun wieoe geheilten Jörg keine kleine Rechnung. ,
„Eigentlich , sagte der Konrad zu seiner Frau, Dohnentopf auch die Kosten bezahlen. Aber weil attc"- n / gut verlaufen ist, und weil der behexte Christian doch meisten zu leiden hatte, deshalb will ich es diesmal selber .
Daß nun die Wahrsagerin den Ziegenhirt so beM'P ^ hatte, das konnte dieser nicht vergessen. Denn er pack» .t Tages den Eichenstecken und stapfte nach Dumnielsbach. i wollte mit der Fanny ein ernstes Wörtchen über den zaun reden und vor allem seine Taler auch wieder die Doktorpfennige noch dazu. . öct
„Lieber Mann", gab man aber dem Vohnentopf Knoblauchgasss Bescheid, „da kommt Ihr din bißchen denn die Fanny ist mit Sack und Pack über alle Bergel