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Möaer /lnzeiger

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Nr. 54 1932 Rulöa, Freitag, 4. März 9. Jahrgang

Der Kanonenschuß im Fernen Osten.

Der Völkerbund tagt.

Schanghai und Serajewo.

Die von der chinesischen Regierung auf Grund des Artikels 15 des Völkerbundvertrages einberufene außer­ordentliche Vollversammlung des Völker­bundes, die zweite in der Geschichte des Bundes, ist in Genf unter starker Teilnahme des Publikums in dem gleichen Saale, in dem noch vor kurzem sich die Hauptaussprache der Abrüstungskonferenz abge­spielt hat, durch den amtierenden Präsidenten des Völker- bundrates, Paul-Boncour, eröffnet worden. Alle 52 Mit- gliedstaatcn des Völkerbundes sind vertreten, Deutsch­land durch den Gesandten von Weizsäcker.

HymanS, Vorsitzender der Völkerbundversammlung.

Paul- Boncour wies emlenend darauf hin, daß Me erste außerordentliche Vollversammlung im Jahre 1926 stattfand, um eine große europäische Macht,

Deutschland, in den Völkerbund aufzunehmen.

Seitdem habe diese Macht dem Völkcrbundral und der Mkerbundversammlung ihre wertvolle Mit­arbeit gewährt aus der Grundlage der Bestimmungen des Völkerbundvertrages, der heute allein maßgebend sei für die Regelung zwischenstaatlicher Streitigkeiten.

Unter tragischen Umständen

trete die zweite außerordentliche Vollversammlung zu- sammen. Zum ersten Male habe sich der Völkerbund mit einem großen, fernliegenden und außerordentlich schwic- rlgen Streit zu besassen, der sich in unmittelbarer Nähe emer großen, dem Völkerbund nicht angehörcnden Macht (Rußland) abspicle und nicht ohne die Mitwirkung r^ner anderen großen Macht, der Vereinigten v t a a t e n , gelöst werden könne.

Es sei unmöglich, heute den Ernst der Lage und die Tragik der Ereignisse mißzuverkennen. Der Kanonen- 'Zuß im Fernen Osten drohe den gleichen Umsturz Meizuführen, wie der A n s ch I a g i n S e r a j e w o.

Die Vollversammlung wählte mit 45 von 47 Stimmen Wb elgischen Außenministe r H y m a n s zum Präsidenten. Hymans war bereits Präsident der ersten völkerbundversammlung im Jahre 1920.

*

Saban stellt die Feindseligkeiten ein.

Die japanische Abordnung gab in Genf kurz vor bem neutritt der außerordentlichen Vollversammlung ^ Völkerbundes bekannt, daß nach aus Schanghai ciu- irrrosfcnen Telegrammen das japanische Truppcnkvm- , die Feindseligkeiten eingestellt habe. Die japani- ^? Truppen würden in den eingenommenen Stellungen "^'ücn, jedoch den Kampf nur dann wieder aufuehmen, chinesischer Seite ein Angriff erfolge.

inhA ^"^ Schanghai wird gemeldet, daß dort der hirit* ^e Etencralkonsul mitteilt, daß das Ziel der mili- . lajen Maßnahmen, die Sicherung des Lebe n s -und bnm 11111 5 der Japanè r, erreicht sei und des- ^?^^orgcheu eingestellt iverde.

vn>^^,v""cr haben die Front L i u h o (25 Kilometer 8 a V^ öon Wusung am Bangtse)T azan gN i c- bescstig^ c n i11 (bisheriges chinesisches Hauptquartier)

*

Fre>n^^^'"^^ iverben der Völkerbund und seine ihrer mC »Je$ -N a ch g ebe n" Japans aus das Konto cs dak "^uhungcn setzen. Viel wahrscheinlicher aber ist ^ölterhux v^nn gelungen ist, den Zusammentritt des bat s, J,cä so lange hinauSzuziehen, bis es in Schaug- ®turntnnnvH« ®.n 11 c 1 s a ß. Nachdem nach dem letzten von ^fJ,'; ! die japansche Flagge über den Trümmern Trüinvke » über den Wusnngfortö weht, hat cs die selb an der Hand und samt sich getrost vom Schlacht­est die Brüncn Disch begeben, fest davon überzeugt, Eonncu ffi!1 der Diplomaten ihm nicht das verderben ' ihm das Schwert cingebracht hat.

^ Ruhe in Schanghai.

W» 1 März, 10 Uhr vorm. Eine japanische ^Nnwn s^^^ung besagt, Latz ec, zu fci.nétft Kampf mehr. ^Wesfunn f^titent aestärr um 14 Uhr der B-ft-hs zur ^es Feuers ergangen sei.

China lehnt Zapans Bedingungen ab.

Vor Wiederaufnahme der Feindselig­keiten.

Der chinesische Gesandte Nen machte in der Nach­mittagssitzung der Vollversammlung des Völkerbundes zu Beginn seiner großen Anklagerede gegen Japan die Mitteilung, daß die Waffenstillstandsvcrhandlungen zwischen Japan und China abgebrochen feien, da die japanische Regierung Bedingungen gestellt hätte, wie sie ein Siegerstaat einem besiegten Staate aufzuerlegen Pflege. Diese Bedingungen seien für China untragbar. Die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten stünde bevor.

Schwere chinesische Anklagen gegen Japan.

In seiner Anklagerede richtete Gesandter den die schwersten Vorwürfe gegen die japanische Regierung, der er die gesamte Verantwortung für die Ereignisse im Fernen Osten zuschob.

Die Haltung Japans in den letzten Monaten sei eine ununterbrochene Herausforderung des Völker­bundrates. Es besteht nicht der geringste Zweifel, daß der Völkerbundpakt, insbesondere die im Artikel 10 erwähnten gegenseitigen territorialen Garantien, von Japan verletzt seien. Japan habe den Kellogg- Pakt und den N e u n mächtever 1 ra g ge­brochen. In dem Augenblick, wo die Vollversamm­lung des Völkerbundes Zusammentritt, sind Gebiete von

Beruhigung in Finnland.

Vor der Liquidierung des Lappo-Putsches?

Präsident S v i n n u f u d erließ eine ultimative Forderung an die Lappo-Leute, nach Hause zurückzu­kehren. Er sicherte den Anhängern der Bewegung, nicht aber den Führern, Straffreiheit zu, falls sie dieser Forderung nachkommen. Im anderen Falle würde er sie als Feinde betrachten und die entsprechenden Schlüffe ziehen. Im Anschluß an dieses Ultimatum haben viele der bewaffneten Lappomänner den Heimweg an­getreten. Angeblich versuchen die Führer neue An­werbungen, die jedoch keinen Erfolg haben. Zwischen General W a l l e n i u s und einem der Führer soll es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen sein, die damit endeten, daß Wallenius dem Gegner die militärischen Abzeichen und Auszeichnungen abriß.

Der I00-Millioiien-Dollar-Kredit verlängert.

Redisksntkreditverlängerung abgeschlossen.

Die Verlängerung des lvv-Millionen-Dollarlrcdits der Deutschen Reichsbank bis zuni 4. Juni ist nunmehr abgeschlossen. Sie erfolgt, aus der Grundlage einer Rück­zahlung von 10 Prozent innerhalb dieser dreimonatigen Frist

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Fieberhafte Suche nach dem Kinde Lindberghs.

Die Entführer bereits bekannt?

Die Suche nach dem Kinde des OzcanfliegerS Lind­bergh wird in Aluerika fieberhaft fortgesetzt. Rund 100 000 Beamte sind an den Nachforschungen beteiligt. In allen 48 Staaten, selbst im Golf von Mexiko und in Kanada, würd unter Zuhilfenahme von Flugzeugen und Schiffen nach dem geraubten Kinde gesucht. Das Ereignis wird in allen Zeitungen der Vereinigten Staaten in ungeheurer Aufmachung wicdergegcbcn. Die Pfarrer aller Konfessio­nen erflehten in Gebeten, die durch Rundfunk wieder- gegeben ivnrdcn, die Auffindung des Kindes.

Es verlautet, daß man die Entführer bereits auf- gespürt habe und daß sich Lindbergh selbst mit ihnen in Verbindung setzen wolle. Man glaubt, annchmeu zu können, daß das Kind ganz in der Nähe der Lindbcrghschen Villa verborgen gehalten werde.

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Die Hilfsaktion für Österreich.

Deutschland zu Zollverhandlungen bereit.

Der österreichische Bundeskanzler Dr. B u r e s ch bat an die Gesandten Deutschlands, Englands, Frankreichs und Litauens den Appell gerichtet, Österreich bei seinen Bemühungen zur Besserung seiner wirtschaftlichen Lage zu unterstützen. Der deutsche Gesandte Dr. Rieth bat daraufhin dem Bundeskanzler im Auftrage der Reichs.' rcgierung erklärt, wenn die Empfehlungen des Finanz- komitees des Völkerbundrates und die Mitwirkung der anderen Staaten die Möglichkeit begründen, Österreich Zugeständnisse für seine Ausfuhr,

unabhängig von den Folgen der Meistbegünstigung zu machen, so' ist Deutschland dazu bereit. Die deutsche Regierung ist zur Aufnahme alsbaldiger Verhandlungen über die Art und den Umsana solcher Zugeständnisse bereit

der Größe Deutschlands und Frankreichs zusammen mit Waffengewalt besetzt, sind ungeschützte Städte bombar­diert, sind 7000 Zivilpersonen den Bombenangriffen zum Opfer gefallen. Japan hat alle Versprechungen, die es in den letzten Monaten dem Völkerbund und der ameri­kanischen Regierung gemacht hat, gebrochen. Alle Ver­mittlungsvorschläge blieben erfolglos.

Die außerordentliche Vollversammlung des Völker­bundes beschloß, den gesamten Komplex der Streitfragen zwischen China und Japan einem neugebildeten Aus­schuß zu überweisen, dem sämtliche auf der Abrüstungs­konferenz vertretenen Mächte angehören.

Der Ausschuß tritt am Freitag nachmittag zu seiner ersten Beratung zusammen und stimmt in seiner Zu­sammensetzung völlig mit der Vollkonferenz überein.

Japans Front gegen Rußland.

Japan verhandelt mit den Weißgardisten.

In C h a r b i n fanden vor dem Verwaltungsgebäude der Ostchinabahn sowjetfeindliche Kundgebungen statt. Die Teilnehmer bestanden in erster Linie aus russischen Emigranten, sogenannten Weißgardisten. Wie ver­lautet, hat das japanische Konsulat in Chardin mit einer Abordnung der w e i ß g a r d i st i s ch e n Emigranten Be­sprechungen abgehalten. Zu Ehren der Weißgardisti­schen Offiziere wurde im japanischen Offiziersklub ein seierlicher Empfang veranstaltet. Zur Einholung einer von auswärts eingetroffenen Weißgardistischen Gruppe wurde eine Abteilung japanischer Kavallerie entsandt.

Senkung der Biersteuer.

Das Ende des Berliner Bierstreiks.

Nachdem der Ortsausschuß des Gastwirteverbandes in Berlin die Aufhebung des Bierstreiks den ihm an- geschloffenen Verbänden empfohlen hat, fand in der Industrie- und Handelskammer zwischen Vertretern des Reichsfinanzministeriums, des Gastwirtsgewerbes und der Brauindustrie eine Besprechung statt, an der sich auch das preußische Handelsministerium beteiligte. Der Ver­treter des Reichsfinanzministeriums gab die Erklärung ab, daß der Reichsfinanzminister sein Versprechen, bis zum 20. März die geltende Biersteuer, soweit sie 22 Mark betrage,

um sieben Mark je Hektoliter zu ermäßigen, aufrechterhalte. Die Aufteilung dieses Senkungsbetrages auf Reichsbiersteuer und Gemeindebierstcuer bilde noch Gegenstand von Verhandlungen zwischen Reich und Län­dern. Diese Verhandlungen seien durch den Bierstreik verzögert worden, würden aber jetzt unverzüglich wieder ausgenommen werden. Die Reichsregierung gehe dabei von der Erwartung aus, daß die erhebliche Steuerermäßi­gung, die bei der heutigen Finanzlage des Reiches ein großes Opfer bedeute, sich durch Mitwirkung aller Be­teiligten zu einer

entsprechenden Preisherabsetzung auswirken werde.

Der Vertreter des preußischen Handelsministeriums drückte das besondere Interesse an den weiteren Verhand­lungen wegen der Erstreckung auf die Gcmcindebicrsteuer und die Schankverzehrsteuer aus und sagte tätige Mit- lvirkung zu.

Die Vertreter der Interessenten wiesen be>anders aus die Schädigung der Gewerbe durch die Schank^ verzehrsteuer

und Lustbarkeitssteuer hin und trugen Wünsche auf deren Senkung sowie Beschwerden über die Handhabung vor, die die Regierungsvertreter zur Kenntnis nahmen.

Weitere Verhandlungen werden zwischen den Gc- werbcvertretern und dem Reichsfinanzministcrium un­mittelbar geführt werden.

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In Berlin wurde am Donnerstag schon wieder fleißig Bier getrunken. Der größte Teil der Berliner Gastwirte hat den Streik abgebrochen. Die Brauereien wurden mit Neubestellungen bestürmt, werden aber allen Anforderun­gen Nachkommen können.

Neichskurortegesetz gefordert.

Im Reichstag hat die Fraktion der Deutschen Volks­partei einen Antrag cingebracht, der die Regierung um die Vorlage eines Reichskurortegesetzentwurses ersucht, der zur Erhaltung eines vorbildlichen deutschen Bäderwesens den Kur- und Badeorten und ihren Heil­mitteln Schutz und Sicherung gewährleistet.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die Vollversammlung des Völkerbundes trat in Rens zur Behandlung des Konflikts im Fernen Osten Mammen.

* Die Verlängerung deS lW-Millionen-DollarkreditrS an die ReichSbank ist abgeschlossen wordcm

* Der Preußische Landtag wurde wegen Beschlußunsâhigkeit vorzeitig auf den 15. März vertagt.

* akach Abbruch deS BirrstreilS in Berlin haben die Ver­handlungen zur Lenkung der Biersteuer begonnen.

' * Die japanische Trupp«; laben bei Schanghai die Fcind- sxligkeiten eingestellt.