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Der Friedensreiter.

Eine Geschichte von Ludwig Bäte.

Der Friede war, nachdem man seit anno 1643 redlich go marktet und geschachert hatte. Plötzlich fast über Nacht ge- kommen, da auch schon in Paris die Bürger gegen ihre Re­gierung aufbegchrten. Der Bluthund Serbien, wie das west­fälische Volk den französischen Hauptgesandten nannte, hatt« endlich nachgegeben, und man unterschrieb den letzten Trakten an einem klaren Oktobcrsonnabcnd zu Münster mit eilig cin- gerichteter Feierlichkeit. Der Stadtsckretär, von einem Heer­pauker, sieben Trompetern und drei rotgcklcidetcn Ratsherren begleitet, las den kurzen Inhalt der Bestimmungen öffentlich vor. Dann lösten die Fähnlein ihre Musketen, von der Wällen donnerten noch einmal die Stücke, indessen sich aus dem Ratbans und Sankt Lamberti die rotweißen Fahnen bei Siadr schoben, die schon seit Jahren für diesen Tag bereit lagen. Die Bürger wanderten von Straße zu Strage, man gab sich die Hand, trank sich in den Altdierschenken zu und ging beizeiten nach Hause. Keiner glaubte, daß es den Herren mir ihrem Fest ernst sei. Man war oft genug genarrt worden.

Bürgermeister Schardemann kam erst gegen Abend zur Ruhe. Doch dachte er Nicht an Schlaf. Vielmehr galt es, seiner Stadt Osnabrück so rasch wie möglich die gute Botschaft mitzuteilen. So ritt er kurz nach zwölf Uhr fort, den Regen nicht achtend, der bald nach Mitternacht einsetztè. Schaum iroff von den Lefzen des Pferdes, er gönnte ihm keine Rast. Bald lief Blut an den verschmierten Sporen herab. Friede! Die Glocken Münsters dröhnten mächtig in seinem Herzen nach. Die klein war die Beschwer, die ihm bcvorstand!

Der Wind keuchte und trieb ihn zu größerer Hast an. Manchmal brach der Mond durch und erhellte das blasse Ge­sicht, den breiten Hui und das Lcderkollcr, über das sich ein seidenes, reich gesticktes Ucbergewand spannte, besten Enden er in die Sätteltaschen gesteckt hatte. Die letzten Wochen waren furchtbar gewesen, und cs hatte aller Willenskraft bedurft, damit weder er noch sein Kollege, der erste Bürgermeister Gerhard Schepeker, zusammenbrachen. Man wollte die geliebte Vaterstadt reichsunmittelbar machen, sie für alle Willkür und Unduldsamkeit der hochfahrenden fremden Herrscher ent­schädigen: es war alles vergeblich gewesen. Man hatte das Geld nicht aufzubringen vermocht, ihnen die Hände zu schmieren, und verzweifelnd an seinem Werk bat Schepeler schließlich um seine Abberufung, die man ihm nur zögernd bewilligte.

Kein Mensch kam Schardemann entgegen. Die Häuser lagen mit toten Fenstern am Wege, hin und wieder blaffte ein Hund, ruderten Kraniche schrill unter dem schweren, niedrig hängenden Himmel her.

Aber cs war Friede, und alles würde sich finden. Sie würden weiter tapfer zusammenstehen, nun die schlimmste Arbeit begann, das zerrissene und gänzlich verwahrloste Volk wieder an regelrechten Fleiß und alte Zucht und Unterordnung zu gewöhnen. Ein Geschlecht war aufgewachsen, das nichts mehr von Treue und Glauben wußte und dem der Bakel des Schulmeisters ebenso fehlte wie der stille, fromme Zuspruch des Evangeliums. Doch hatte Gott ihnen das Leben gelassen, und sie würden lernen, es für ein Höheres willig und gern einzusetzen.

Als die Sonne aus brandigem Nebel aufstieg, lag Iburg schon hinter ihm. Kurz nach sechs Uhr kam er in Osnabrück an. Keiner traute seinen Worten, doch fand sich jeder, der nur abkommen konnte, nach der Kirche vor dem Rathaus ein, dessen Treppe man rasch mit grünen Tannen und buntem Tuch geschmückt hatte. Syndikus Böger las den Tert vor, den Schardemann mitgebracht, Christoph Kölling hob mit seinen Gesellen vom Umgang der Marienturmes 'ba$ „Nun lob7, mein Srel' den Herren!" an, in das man weinend einfiel. Die Prediger schritten von Gruppe zu Gruppe, den Verwirrten Trost sprechend. Die Kinder standen mit offenen Mäulern da. Die Glocken läuteten von allen Kirchen. Man brachte den Armen zu essen. Feinde schworen ihrem Zank ab. Mancher

Schlagbäume mitten im Teutschen Reiche.

Von Professor Dr. W. Halb faß - Jena.

. Daß durch die neuen Grenzen, namentlich im Osten des Reiches, unzählige natürliche Zusammenhänge des öffent­lichen und privaten Ledens zerrissen wurden, ist ja hin­länglich besannt. Wer auf der Eisenbahn mit den O-Zügen sie überschreitet, merkt freilich davon nicht viel; aber so manche Landstraße ist verödet, weil die neue Hoheitsgrenze des Nachbars auf ihr aufgepflanzt wurde und Schlagbäume im wörtlichen Sinne Länder und Menschen trennten, die jahrhundertelang zusammengehörten.

Auch innerhalb des Teutschen Reiches gibt es zahlreiche Hindernifse dieser Art. Ich meine damit die noch immer unglaublich große räumliche Zerrissenheit unseres Vater­landes, die auf den srüheren politischen Grenzen beruht und in gewissen Teilen Zustände hervorruft, die man nicht für möglich halten sollte.

Ten Höhepunkt erreicht diese Zerrissenheit in den beiden Gebieten Mitteldeutschland und Niedersachsen. Tie Verhältnisse in Niederfachsen hat erst in jüngster Zeit eine unter dem Titel „Niedersachsen im Rahmen der Neu­gliederung des Reiches" Bd. 2 Hannover 1931 erschienene Denkschrift enthüllt. Dem ahnungslosen Leser stehen die Haare zu Berge, Verwaltung, Rechtspflege, Furanz- " aesetzgebung, Verkehrswesen und das gesamte' Wirtschafts­leben werden von dieser Zersplitterung gleichmäßig in der empfindlichsten Weise getroffen, und die Vergeudung der Gelder ist so groß, daß man damit ein großes Loch in dem Haushalt des Reiches stopfen könnte. Nur die Reichsbank, die Post und die Versorgung mit Gas und Elektrizität bilden rühmliche Ausnahmen von der geradezu unbegreiflichen stumpfsinnigen Gleichgültigkeit, die sich hier breit macht.

Einige wenige ins Auge springende Fälle seien hier hervorgehoben: Der natürliche Zusammenhang zwischen Ostfriesland und Oldenburg, der übrigens schon einmal, nämlich während der französischen Besetzung von 1819 bis 1813, bestanden hat, ist vcrkehrstechnisch zerrissen. Tie von Emsland durch den Hümmling gezogene Bahnlinie endet unmittelbar vor der oldenburgischen Grenze, ihr End­punkt führt sogar den bezeichnenden Namen „Landesgrenze", also denselben wie die bekannte Station ausser Losotenvahn in Skandinavien. Dort bezeichnet sie aber wirklich die Grenze durchoemhrt.

In der Provinz S a chse n befindet sich ein Straßenstück von nicht ganz acht Kilometer Länge, auf der vierzehnmal die Grenze zwischen der preußischen Provinz sowie den Staaten Sachsen und Thüringen wechselt. Ein eigens hierfür angefertigter Ländervertrag mußte die Grundlage für eine möglichst einheitliche Behandlung und Unterhaltung dieses • Straßeustücks sicherstellen.

Seit 1862 versuchen die braunschweigische Stadt Holz- M r n d e N und das livvische Amt B l o m b e r a den Bau einer

gelobte, ein 'ncucs Leben zu beginnen. Kurz bevor die Tore geschlossen wurden, kam die Botschaft, daß die kleine Tochter des Apothekers Ameldung, bereit Mutter als Hexe verbrannt worden war, gestorben sei. Das Mädchen hatte die Freude nicht zu überleben vermocht und war zu den Engeln ein- gegangen, die es vom Rathaus herabkommend so oft im Traume gesehen. Die Nachricht ließ keinen rechten Jubel aufkommen: jeder Sinn kehrte sich dem schwergeprüften Manne zu, dessen Fenster als einzige in der Stadt am Abend ohne Licht blieben. Der Rat, der anfangs die Anzündung der Heerpfannen vor dem Rathaus angeordnet hatte, sah davon ab, um den Verstörten, der von einem Zimmer zum andern lief, nicht noch mehr zu quälen. Auch die Handwerker, die abends mit brennenden Lunten auf die Wälle zogen, vermieden es, dcn Markt zu überqueren, brachten aber dem Bürgermeister vor seinem Hause ein Vivat, in das die vielen, die noch spät die Straßen füllten, freudig einstimmten. Er dankte gerührt, und vor ihm erhob sich aufs neue das geliebte Vaterland deutscher Nation, über dem die Sterne des aufgehcllten Nacht- Himmels wie eine tröstliche Verheißung standen und mit tieferem Leuchten zu scheinen anhoben.

Der Hellseher.

Skizze von Herbert Schmitt-Carlön.

„Die Papiere müssen auf jeden Fall wieder zur Stell, geschafft werden, Trcysach!" wandte sich Oberst von Mellen­thin aufgeregt an seinen Adjutanten, der ihm in dem kleiner Gasthaus,zimmer gegenüberstand. „Sie wissen selbst, es be­finden sich Schriftstücke darunter, wie man sie sonst nicht mit ins Manöver nimmt. Wenn die in die unrechten Händi geraten, ist der Teufel los. Ich kann mir jedenfalls gleick meinen Zylinder bestellen. Hätte ich die Listen, wie ich wollte nur gleich wieder zurückgesandt! Aber da kam erst Exzellenz dazwischen, dann noch dies und das; inzwischen ist das Unheil geschehen."

„Herr Oberst sind überzeugt, daß die Papiere gestohler sind?" fragte vorsichtig der Adjutant.

„Kein Zweifel. Vor einer Stunde steckte der Umschlag noch in der Tasche meines Waffcnrocks, der dort am Nagel hängt; jetzt sind sie verschwunden. Wo sollen sie geblieben sein, wenn sie nicht gestohlen sind?"

Oberleutnant Trcysach nickte zustimmend. „Einen be­stimmten Verdacht haben Herr Oberst nicht?" erkundigte ei sich dann.

„Nicht den geringsten. Hier bei mir geht es ja aus uni ein wie in einem Bienenkorb. Ich habe vielleicht auch der Raum zeitweilig mal verlassen. Wie leicht kann da jemanè den Umschlag aus der Tasche und mitgenommen haben! Aber wie soll ich wissen, wer das war? Ich kann doch nicht jeder Mann der Kompagnie, die tn diesem Neste liegt, durch­suchen lassen. Und wer weiß, ob der Dieb die Papiere nichi schon weiterbefördert hat!"

„Letzteres glaube ich eigentlich nicht", sagte Treysach. „Dazu dürfte er doch wohl die Dunkelheit abwarten. Aber mir kommt da ein Einfall: Vielleicht lassen sich die Papiere, wenn sie noch hier im Orte sind, doch noch wieder herben schaffen. Es trifft sich gut, daß morgen Ruhetag ist. Dars ich Herrn Oberst Vorschlägen, die Kompagnie heute abeni zu einem Bierabend unten im Saal des Gasthofes einzuladen?"

Oberst von Mellenthin wußte nicht, was er sagen sollte. „Sind Sie des Teufels, Treysach?" brachte er endlich hervor. „Ich bin in größter Sorge wegen der gestohlenen Listen und soll einen Bierabend geben?"

„Kawohl, Herr Oberst. Einen Bierabend, auf dem ich als Hellseher auftreten werde."

„Auch da» noch! Können Sie denn überhaupt Gedanken lesen, Treysach?"

„Keine Spur, Herr Oberst. Aber ich bin erst seit drei Tagen beim Regiment, mit den beiden Herren von der Kom­pagnie und auch mit den Leuten noch gar nicht in Berührung aekommen. Nun stammt zufällia sowohl Leutnant Bremer

Lanoftraße Holzminden-Nahle-Hummersen durchzusetzen. Da der westfälische Kreis Höxter und das hannoversche Amt Polle zu durchqueren sind, scheiterten jedesmal die wieder­holten Verhandlungen. Tie umfangreichen Akten hierüber schließen mit der Nachricht aus oem Jahre 1915, daß der bisherige Fußweg, der ausgebaut werden sollte, nunmehr mit Stacheldraht verrammelt sei!

Im O b e r h a r z e ist noch im Jahre 1929 beobachtet worden, wie ein die preußisch-braunschweigische Grenze kreuzender Weg unbrauchbar gemacht wurde, indem man längs der Grenze einen tiefen Graben quer über den Pfad zog.

Die Konzessionierung der Kraftfahrlinien auf den Land­straßen ist zwar durch Reichsgesetz geregelt, ihre Ausführung aber den Ländern überlassen. Ein lippisches Unternehmen beantragte die Erlaubnis für eine Kraftwagenlinie von Bad Salzuflen (Lippe) über Sockhausen nach Herford (Preußen). Die preußische zuständige Behörde versagte die Genehmigung für das preußische Gebiet. Ein preußischer Unternehmer richtete statt dessen eine Autobuslinie von Herford bis an die lippische Landesgrenze ein, wozu er die Genehmigung hatte. Die Benutzer der Linie müssen an der Landesgrenze aus­steigen und können dann lippische Wagen für die Weiterfahrt verwenden. Da aber die preußische Straße nahe der Landes- grenzc sehr schmal ist, können die Preußischen (Hcrsordcr) Kraftwagen nicht auf preußischem Gebiete wenden, sondern müssen eine, wenn auch nur kurze Strecke, leer auf lippisches Gebiet fahren, alsdann wenden, um bann in Preußen wieder Personen für die Rückfahrt aufzunehmen!

Tas Oertchen R e g e n st e i n bei Blankenburg blieb deshalb eine preußische Euclave im „Auslande", weil 1670 der Große Kurfürst diese Felsenburg als „Harzer Gibraltar" besetzt hatte.

Ter Kreis Ilfeld gehört, obwohl er ringsum von der Provinz Sachsen umgeben ist, dennoch zu Hannover. Tie dem Landrat zugeteilten Sachverständigen, 22 an der Zahl, haben sämilich ihren Sitz außerhalb des Kreises, der übrigens nur 18 000 Einwohner zählt. Beantragt z. B. ein Bewohner des zu Ilfeld gehörigen Amtes Elbingerode einen Kraftwagen- schein, so muß er zunächst zum Landratsamt in Ilfeld, das die Papiere prüft, von da nach bem Finanzamt Blankenburg, das die Steuerkarte ausstellt, und bann zurück nach Ilfeld reisen, wo, die Abstempelung des Wagens und die AnS- händigUng der Papiere erfolgt, bis er die Zulassung des Wagens erreicht hat! Sind das nicht Schlagbäume lchllm m per Ar t ? —

Vielleicht am sinnfälligsten treten diese Schranken zutage, wo es sich um zwei Schwesterstädte handelt, die unmittelbar nebeneinander liegen, aber verschiedenen Ländern angehören. Als Beispiel/ greife ich die beiden Städtepaare R ü - str i ngen - W i lhelmsha v en und Wesermünde» Bremerhaven heraus. Erstere sind in ihren Erwerbs­und Wirtfchaftsvevbältnisten miteinander auf Gedeih und

als auch Unteroffizier Niemeyer âus demselben Ort in h ich geboren bin. In solch kleinen Nestern weiß bekannt einer alles vom andern. Daß die beiden mich erkenn glaube ich nicht, denn sie waren noch Schuljungen, als ich?- Dannenberg fortging. Sie werden nicht schlecht überrM sein, wenn heute abend ein gänzlich Fremder allerlei -O ihrem Leben erzählt. Und darauf baue ich meinen

„Nun gut, Treysach, Sie müssen ja wissen, iw £ tun. Die Hauptsache bleibt, daß ich die Papiere iviedi bekonime." — — 1

Die Bierabend war in vollem Gange, als Oberle»^., Trcysach, etwas verspätet, erschien. Er wurde den O unbekannten Offizieren vorgestellt und setzte sich, ioobä ei seinen Platz möglichst weit von Leutnant Bremer wählte W mit diesem nicht in Berührung zu kommen und nicht Don ihm erkannt zu werden. Nach einer Viertelstunde erhob er M und bat, durch einige Proben seiner hellseherischen Fähigkeit zur allgemeinen Unterhaltung beitragen zu dürfen forderte die Anwesenden auf, ihm beliebige Gegenstände, einen Ring, eine Uhr, ein Messer oder dergleichen, zuzureichen. & werde dann in der Lage sein, allerlei Einzelheiten aus dm Leben der Besitzer zu berichten.

. Allgemeiner Beifall. Der Adjutant zog sich mit den etiro 20 ihm ausgehändigten Stücken an einen etwas erholst stehen­den, mit einem großen schwarzen Tuche bedeckten Tisch zurüt und begann dann seine „Vorstellung". Scheinbar wahllo- nahm er einen Ring — es war der des Leutnants Bremer - hielt ihn einen Augenblick an seine Stirn und sagte langsam mit geschlossenen Augen, wie nachdenkend: „Ich sehe... eine kleine Stadt. Sie liegt... an einem großen Flusse... x« ist... ja es ist die Elbe ... Eine breite Straße... ein grèßeè Haus aus roten Ziegeln ... Vor der Tür ein hochgewachsene! Mann ... in angegrautem Haar... eine zierliche blond, Frau neben ihm... vor den beiden spielt ein kleine. Junge..." Und so berichtete er allerlei Einzelheiten aui der Familie des Leutnants Bremer, der mit ungeheuchelten, Erstaunen den Worten des „Hellsehers" lauschte.

„Das ist ja geradezu unheimlich", wandte Bremer ft^ an seine Kameraden, „jede Kleinigkeit stimmt genau!"

Oberleutnant Treysach hatte inzwischen einen anderer Gegenstand ausgenommen — es war ein Messer des Unter­offiziers Niemeyer. Genau wie zuvor berichtete er nun Tat­sachen aus dem Leben des Genannten, die eigentlich nm diesem selbst bekannt sein konnten. Niemeyers Bestürzung war zu echt, um nicht alle Anwesenden zu der Ueberzeugung zu bringen, daß der Hellseher tatsächlich übernatürliche Fähig­keiten besitze, und mit Spannung wartete man auf die weitem „Enthüllungen".

Der Oberleutnant führte jetzt einen großen gelben Um« schlag mit dicken Siegeln, wie sie im Dienst verwandt wurden, an die Stirn. Niemand hatte bemerkt, daß er ihn heimlich unter dem schwarzen Tuch hervorgeholt hatte. „Dieser Um­schlag", begann er mit seiner zögernden Stimme, „enthält wichtige Papiere... geheim zu haltende Listen... Er steckte bis vor kurzem... im Rock eines hohen Offiziers... wurde daraus gestohlen ... heute erst gestohlen... Ich sehe, wie der Täler ihn mit schnellem Griff herausninimt... mb cm- steckt... Ich kenne den Mann nicht... aber sein Name..."

Soweit war Treysach gekommen, als sich vom Unter- offiziertisch der Sergeant Ziolecki erhob und mit kreidebleichen, Gesicht, dicke Schweißperlen auf der Stirn, dem Ausgang zu- sirebte. Aber dort wurde er auf einen Wink Treysachs, bei plötzlich gar nichts Hellseherisches mehr an sich batte, vor zivei an Der Tür aufgestellten Leuten festgenommen.

„Darf ich Herrn Oberst den Dieb der Papiere vorstellen" wandte sich der Adjutant lächelnd an seinen Vorgesetzten, du erstaunt den Vorgängen gefolgt war. „Den Täter hätten wir, und nun werden wir auch gleich den richtigen Umschlag kommen. Dies ist natürlich nur eine von mir angefertiatt Nachahmung, aber ich dachte mir, daß der Schuldige auf d« Entfernung den Unterschied nicht bemerken würde."

Verderb verbunden und bilden auch städtebaulich eine vcll'g Einheit. Diejenigen Behörden, deren Tätigkeit nicht ou q die Landesgrenzen eingeschränkt wird, erstrecken ihre Tatigi über beide Städte, aber in Bezug auf die KoMmunalverw - tung sind das oldenburgische Nüstringen und das preuhG Wilhelmshaven vollkommen selbständige Bezirke, hie ost scharfem Gegensatz zu einander geraten. Obwohl, die » in beiden Städten augenblicklich fo groß ist, daß sie Zusaw kaum eine einzige Kommunalverwaltung aus eigener M bezahlen können, sind sie gezwungen, deren , z^ff!., unterhalten, lediglich infolge der Trennung durch die Lay . grenze. — In Bremerhaven und Wesermünde befteljen v Polizeiverwaltuugen, getrennte Gas-, Wasser- und . trizi^^-^^ unb eine große Zahl sonder einrichtungen, deren Ausnutzung im umgekehrten zu ihren Kosten steht. Die steucrschwächere Gemeinde < münde hat, abgesehen von bestimmten kulturellen ? tungen Bremerhavens, weitaus die größeren offenu»^ Aufgaben zu erfüllen, weil sie über ein viel größeres

Am schlimmsten zeigt sich die gegenseitige Abfck durch geistige Schlagbäume wohl in den Grenz- und ® L( Verhältnissen des Dorfes Woltorf, das an ber von Braunschweig nach Hannover sechs Kilometer voi f ^ entfernt liegt. Ein Teil des Dorfes ist preußisch, ein t, Teil braunschweigisch, ein dritter Teil untersteht o «^ mischten Hoheit", d. h. zugleich der preußischen " ^ braunschweigischen. In ihm gelegene Grundstücke 1 ^ weder im preußischen noch im Hraunschweigischen ' ^t geführt, können also nicht ausgelassen Iverbeit, «’ , ..cit

Polizeibehörde vermag weder ihre Bebauung Z11 noch zu verhindern. Dabei sind die verschiedenen H i Ackerstücke der verschiedenen Hoheiten bunt durchei würfelt. Man kann sich denken, daß dadurch o c urcii> liebsten Vorfälle zustande kommen. Bei Branden A^ ßischeu Grundstücke» ist die Freiwillige Feuerwehr )lt(ii schweigischen Anteils nicht verpflichtet, zu

Jügdüberschreitnngen endigen meist mit bot Betroffene die Grenzverhältnisse nicht erker ( »öf

— _ die Grenze ist nämlich nicht permern. ~ Vev

Brücken, Straßen und ihre zeitweilige, legen von Kabeln erfordert stets langimertge ^lei

Der. Hausierer, der nur einen Gewerbephem l lobalA Dorftcil hat, kann von der Polizei belangt we , AomE auch andere Häuser mit. aussucht. Das Ws) h '^ W bei ber Sache ist, daß dieser Zustand bereits P jWß b< 1566 besteht und unzähligen Verhandlungen z j« « nicht geändert werden konnte! ES ist ^HÄt W greifen, warum wir in unserer Verarmung ^Laftif^Lt einer durch reine Zufälligkeiten beeinflusste ^^ beü torialen Entwicklungsgeschichte ein radika und mit eisernem Besen ausgekehlt haben.

nicht geändert werden konnte! greifen, wartim wir in unserer einet durch reine ^-°-»--«--^