Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Anzeiger

Erscheint feden werktag.Vezugspreis: monatlich 2.00 RM. Bei Bieferungsbehindevungen durch "höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Begleiter keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver­leger. Postscheckkonto-Frankfurt a.IH.Hr. 16009

Nr. 52 1932

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» Zul-a- und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt

Reöaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech^nschluß Nr. 2989

NachSruck Ser mit * versehenen Artitel nur mit chueUenangabe ,§ulèaer Anzeiger' gestattet.

Rnzelgènpreis: Für Behörden, Genossenschaf­ten,Banken usw. beträgt dießleingeile 0.30Ult, für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Beklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezelle 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Plahvorfchriften unverbindlich.

9. Jahrgang

Fulda, Mittwoch, 2. März

Die Gewitterwolken im Fernen Offen

Marschieren Amerika und Ruhland auf?

Atlantikflotie Amerikas in den Stillen Ozean beordert.

Fast die gesamte amerikanische Allantilflotte hat plötz­lich den Befehl erhalten, sich in den kalifornischen Flotten­stützpunkten San Pedro und San Diego zu versammeln, um an den großen Flottenmanövern im Stillen Ozean teilzunehmen.

. Diese Maßnahmen kamen selbst den höheren Marine­offizieren und dem Unterstaatssekretär Jahncke völlig un- «rwartet. Sie lehnten jedoch kategorisch die Unterstellung üb, daß diese Maßnahmen irgendwie mit der kritischen Lage zwischen Japan und China zusammenhängen könn­ten. Im Atlantischen Ozean verbleiben jetzt insgesamt nur neun Unterseeboote, acht kleinere Fahrzeuge und das stbilngsschifsWyoming".

*

Die Japaner eröffneten auf der ganzen Front von Tschapei bis K i a n g w a n eine neue Offensive. Nach vorhergehender Bombardierung Tschapeis durch Flug­zeuge rückte dir japanische Infanterie trotz des chinesischen Widerstandes im Bezirk Hougkiu vor. Auch bei T a s a n g Kifen die Japaner an. Flugzeuge belegten die chinefi- n Stellungen mit Bomben, während Tanks die chinesi­schen Schützengräben angriffen. An der Yangtsemündung wurden 12 000 Mann japanische Truppen gelandet. ES wird vermutet, daß diese Truppen die chinesische Front Water den WusungsartS umgehen sollen.

In eigentümlichem Gegensatz zu diesem erneuten liiegerischtn Vorgehen Japans steht die Entscheidung der sspanischen Regierung, die Genfer Vorschläge für die Einberufung einer Vermittlnngskonfe- ilnz in Schanghai für annehmbar zu erklären. Die von dem Präsidenten des Völkerbundralcs gemachten Vor- Mgc ständen nicht mit der japanischen Politik in Wider- Ümich. Die japanischen Vertreter in Gens sind von der Entscheidung der japanischen Regierung unterrichtet wor­den. Fast hat es den Anschein, alS ob diese japanische Nachgiebigkeit ein Manöver darstellt, das die jetzt in Tokio befindliche P S l k e r b u n d k o m in i s s i o n über die wahren Absichten Japans hinwegtäuschen soll.

Die internationale Kommission wurde vom japani­schen Ministerpräsidenten Jnukai empfangen. Der japa­nische Ministerpräsident informierte die Kommission über die Stellung Japans in der Mandschurei und er­läuterte die Gründe für das japanische Vorgehen in Schanghai.

Tie japanische Regierung hat angeordnet, daß sechs Mitglieder des japanischen Auswärtigen Amts und zwei Offiziere des japanischen Generalstabes die internationale Kanimisston dauernd begleiten sollen. Die Kommission wird elf Tage in Tokio bleiben, wo zu ihrer An­wesenheit Bankett und Empfänge abgcbalten werden.

Unabhängig von diesen sogenannten Untersuchungen ^3 Völkerbundes scheint Amerika jetzt dazu über- Mehen, statt durch Noten und Entschließungen, Japan durch kräftigere Mittel unter Druck zu setzen. Die Zu- »mmenziehung der gesamten A t l a u t i l f! o l t e der Vereinigten Staaten im Stillen Ozean scheint doch Zu mehr als nur Manöverzwecken zu erfolgen.

Auch auf dem mandschurischen Kriegs­schauplatz scheint sich die Lage zuzuspitzen. Ruß- 1 a n b, das bisher der Entwicklung dort ziemlich untätig Zugesehen hat, ist durch das eigenartige Verlangen der neuen mandschurischen Republik, Japan möchte doch seine Gruppen in der Mandschurei als Schutz belassen, miß- lrauisch geworden und fühlt sich dadurch au seiner Ost- Pcnze bedroht. Im Japanischen Außenministerium ist ^» Bericht des japanischen Konsuls in Wladiwostok gelaufen, daß zwei russische Armeekorps in der Nähe

Wladiwostok zusammengezogen worden seien. Weitere

000 Mann sollen im Ussuri-Gebict an der maudschu- nschen Grenze bcrcitftehcn. Der Konsul teilt in seinem Eicht ferner mit, daß die Russen früher oder später °'ucn Z ii s a m in e n st o ß mit den Japanern für unvermeidlich hielten

*

Die Waffenstittsiandsbedmgungm.

. Der Präsident des Völkerbundes, Paul Boucoux, legir Völkerbundrat einen Vorschlag vor, der folgende "Ule eines Waffenstillstandes im Fernen Osten umfaßt: lwi 11 sofortige Einberufung einer Konferenz in Schang- ' an der Vertreter der japanischen und chinesischen Re- , , ^ der interessierten Mächte teUnebmen sollen, lmh ucr endgültigen Einstellung der Feindseligkeiten ^Lederherstellung des Friedens zu gelangen;

Grundlage dieser Konferenz bildet: Japan erklärt, verkluischcu und territoriale« Ziele in Schanghai z« Schn« ^n» »och ein japanisches Konzessionsgebiet in niiL. n5U|irebcn, noch die Absicht zu haben, die japa- iu , ".. HNleressen in irgendeiner ausschließlichen Weise dem China nimmt an der Konferenz teil, in« Nalin» die Sicherheit und Unantastbarkeit des in ter* ^u n h unö dos französischen Konzessionsgebietes aus und M d" bestehenden Verträge grundsätzlich anerkennt Ücci^ o, Sicherheit der ausländischen Staalsaugchörigcu alle Gefahren garantiert;

vorb/fi^^ Zusammentritt der Konferenz häng! von einem leiten Abkommen über die Einstellung bot Feindselig- Die Vertreter der in Schanghai vertretenen

Mächte werden aufgefordert, ihre Mitwirkung zur Herbei­führung dieses Abkommens zu leisten.

4. Dieser Vorschlag zielt darauf hin, den Frieden in Schanghai wiederherzustellen, ohne daß dadurch die bis­herige Haltung des Völkerbundes oder irgendeiner anderen Macht in dem Konflikt berührt wird.

Paul-Boncour richtete darauf an die Vertreter von Japan und China die Aufforderung, diesem Vorschlag bei­zutreten. Der italienische Außenminister Grandi erklärte sich grundsätzlich mit dem Vorschlag Paul-Boucours ein­verstanden. Ebenso erklärten Außenminister Simon so­wie die Vertreter Amerikas, Frankreichs und Deutschlands ihr Einverständnis.

China wünscht, daß die Zurückziehung der Truppe allmählich unter der Kontrolle der Truppen der neutralen Mächte erfolgen soll. Die Vorschläge des Ratspräsioenten würden von der chinesischen Regierung als annehmbar an­gesehen. Nur Japan übermittelt diese Vorschläge nach Tokio.

Paul-Boncour schloß die Sitzung mit der Erklärung, daß nunmehr die Hoffnung auf einen Erfolg der Zu­sammenarbeit aller Mächte zur Beilegung der Feindselig­keiten und Wiederherstellung des Friedens vor atm

« m m e u t r i 1t

außererdentlichen

1» e r f a tu m l n n g d«L HSlkerbxndeS gegeben fei.

Die Lappoleute geben nicht nach

Hochspannung in Finnland

Belagerungszustand wegen der Lappobewegung.

Sie Lage in Finnland ist außerordentlich ge­spannt. In Helstngfors sind im Garten der Villa des Oberkommandierenden der sinnlichen Armee, General Sthvo. fünf Männer verhaftet worden, die allem Anschein nach der L a p p o b e w e g u n a an- gehören und einen Anschlag aus General Slhso «uS-

gehören uns e führen ro «fiten.

Blick aus Helstngfors, die Hauptstadt Finnlands.

Der finnische Staatspräsident hat Verhand­lungen mit den Lappoführern abgelehnt. Darauf gaben die Vertreter der Lappobewegung einen Brief an den Staatspräsidenten ab, in dem u. a. erklärt wird, daß die

Deuischlands neue ZoNwasse.

Die Einführung eines KampstarifcS beschloffcn.

Das Rcichskabinett hat die Einführung des Ober­tarifs beschlossen, der Ka m p f z ö l! e gegen die Länder enthält, die ihrerseits gegen Deutschland aus dem Zoll­gebiet vorgegangen sind, oder sich zu derartigen Maßregeln anschicken. Der Obertarif tritt nicht, wie man zunächst er­wartet hatte, automatisch für alle Länder in Kraft, mit denen Deutschland gegenwärtig keinen Handelsvertrag besitzt. Die Länder, auf die er anzuwenden ist, sollen viel­mehr durch besondere Verordnung bestimmt werden. Auf diese Weise ist für eine Reihe von Ländern die Möglichkeit gegeben, zunächst die gegen Deutschland getroffenen Maßregeln noch einmal zu überprüfen und, soweit möglich, zurückzunehmen.

Offener Wirtschaftskrieg Polens gegen Danzig.

Die D a n z i g - p o l u i s ch e n K o n t i n g e u t v er­st a n d l u n g e n sind wegen unannehmbarer politischer Forderungen Polens ergebnislos abgebroch e n worden. Während der Verhandlungen hat die polnische Regierung ihre Danzig schwer schädigenden Maßnahmen so verschärft, daß heute nur noch von einem regel- r c ch se n Wirtschaftskrieg Polens gegen Danzig gesprochen werden kann.

Das Wettrennen der Frachtschiffe zur engischen Küste.

Die englische Presse bringt aufsehenerregende Berichte uocr große Wettrennen der ausländischen Schiffe nach englischen Häfèn, die ihre Waren noch vor dem In­krafttreten der S ch u tzzölle in englische Häsen bringen wollten. Vielen Schiffen sei es infolge des Sturmes nicht gelungen, rechtzeitig anzukommen, was einen Mehrgewinn von vielen tausend Pfund für das Schatzamt bedeute. Die große Zahl der noch im letzten Augenblick angekommenen Schiffe habe für die Zollbeamten eine ganz ungeheure Mehrbelastung bedeutet.

Die neuesten Funkberichte vom japanisch-chinesischen Kriegsschauplatz.

Die Kämpfe um Schanghai. Die Chinesen ziehen sich zurück.

Schanghai, 2. März. Die japanische Offensive, die während der ganzen Nacht durch heftiges Artilleriefeuer im Kiangwanabschnitt vorbereitet worden war, hat auf der ganzen Front begonnen. Die Schlacht um Tschapei dauert noch an. 712 chinesische Soldaten sind gestern in der ausländischen Konzessionszone eingeliefert worden.

Wie aus Tokio gemeldet wird, ist in einem Vorort von Chardin ein chinesisches Pulvermagazin in di e Luft geflogen. Hierbei sind 100 Personen getötet oder verletzt worden.

Schanghai, 2. März, 9.45 Uhr vorm. (Reuter.) Einer japanischen Meldung zufolge haben die chinesischen Trup­pen ihre Stellungen an der Kiangwan-Front geräumt. Während der Nacht wurde unter dem Schutz der Dunkelheit ein allgemeiner Rückzug durchgeführt, offenbar ohne daß dies auf japanischer Seite bemerkt wurde, und als die japanischen Truppen bei Tagesanbruch ihren allge­meinen Angriff begannen, trafen sie auf keinen Wi­derstand. Sie rücken jetzt gegen T a s a n g vor.

*

Schanghai, 2. März, 10.50 Uhr vorm. Die chine­sische 19. Armee befindet sich auf dem Rückzug. Einer späteren Meldung zufolge sind die japanischen Streitkräfte in Tafaug eingerückt.

aufrührerischen Sozialdemokraten und Kom­munisten unter dem Schutz der Regierung und des Gesetzes seit zehn Jahren Druck und Erpressung gegen die Teilnehmer des Freiheitskrieges ausübten.- Viele von diesen seien ermordet worden, ohne daß die Staatsgewalt auch nur den Versuch gemacht habe, die Marxisten daran zu hindern. Finnland solle jetzt wiederum zu einem roten Gemeinwesen gemacht werden. Für das, was geschehen werde, trügen diejenigen die Verantwortung, die in ihrer Beschränktheit den Marxismus schützten. Die Lappo­bewegung denkenichtan Rückzug, nicht an Nach - lassen und Unterwerfung.

*

In ganz Finnland ist wegen der neuen Lappobewe­gung der Belagerungszustand erklärt worden.

Die ersten Zusammenstöße.

In der Umgebung von Helsingsors haben die ersten Zusammen stoße zwischen Lappoleuten und und Regierungstruppen stattgefunden. Die Lappoleute, die unter Führung des Generals W a l l e n i u s gegen die Hauptstadt voxzudringen versuchten, wurden von den Regierungstruppen aufgehalten. Bei Mäntfâlä, von wo die Aufstandsbeivegung ausgeht, sollen die Lappoleute von den Truppen umzingelt worden sein,

Scharfe Zensur in Finnland.

HelsingforS. Die finnische Regierung hat eine scharfe Telegramm- und Telephonzensur etngcfübrt, so daß zuver­lässige Meldungen über die Ereidnisse bei Mäntsäla nicht zu erhalten sind. Die Wege nach Helsingsors werden von Trupp enbewacht. Alle Züge nach Helsingsors werden von Militär durchsucht.

Um Deutschlands Gleichberechtigung,

Der Kamps in Genf verschoben.

An der langen vertraulichen Unterredung in Genf zwischen Ministerpräsident Tardieu und dem Botschafter Nadolny nahm auch Paul-Boncour teil. Es wurden die grundsätzlichen Fragen der Abrüstung und die Deutschland und Frankreich besonders berührenden Fragen eingehend erörtert, vor allem, die die Gleichberechtigung Deutschlands mit allen übrigen Staaten berühren.

Von deutscher Seite wird zu den bevorstehenden Ver­handlungen im politischen Ausschuß der grundsätzliche Standpunkt uneingeschränkt aufrcchterhaltcn, daß die Mit­arbeit der deutschen Regierung an der Abrüstungskonferenz nur unter der selbstverständlichen Voraussetzung der voll­ständigen Gleichberechtigung Deutschlands in der Ab- rüstungsfrage möglich sei und daß jede Regelung der Ab­rüstungsfrage in gleicher Weise für sämtliche Mächte gelten muß.

Tardieu erklärte kurz vor seiner Abreise nach Paris: Die grundsätzlichen Schwierigkeiten beständen weiter. Die großen Fragen der Abrüstung, die mit dein Artikel 1 des Abkvmmcnscntwurfcs Zusammenhängen, würden gleich zu Beginn der jetzt einsctzcndcn sachlichen Verhandlungen aus den Abschluß der Konferenz verschoben werden.

Alan wolle die mit diesem Artikel zusammenhängen­den Schwierigkeiten erst am Ende der Konferenz beraten, voraussichtlich erst nach der Osterpausc.

"*'"

Kleine Geltung für eilige Leser

* Der Preußische Landtag ist zu einer kurzen Tagung zu- sammengetreten.

* Finnland wurde wegen der neuen Bewegung der Lappoleute der Kriegszustand erNârt.

* Sie japanischen Truppen sind an der ganzen Schanghai- sronl zu einem großen Angriff geschritten.