Zul-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Nr. 51 — 1932
Fulda, Dienstag, 1. März
9. Jahrgang
Die Wahltribüne
Ein Brief Hitlers an
den Reichspräsidenten.
Der Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, hat am Sonntag ein längeres Schreiben an den Reichspräsidenten von Hindenburg gerichtet. Hitler erklärt darin, als Führer der großen Nationalsozialistischen Partei, gezwungen zu sein, die Aufmerksamkeit des Reichspräsidenten aus gewisse Vorkommnisse hinlenken zu müssen. Die Sozialdemokratische Partei, so sagt Hitler, versuche, das Ausland gegen die freie politische Meinungsentscheidung der deutschen Nation unter Bezugnahme auf Ihren Namen mobil zu machen. Ich habe in meinen Äußerungen Ausländern gegenüber nie unterlassen, daraus hinzuweisen, daß jede bisherige deutsche Regierung von wahrhafter und aufrichtiger Friedensliebe beseelt gewesen ist. Versuche, eine unbequeme deutsche Bewegung vor dem Auslande als Unruhestifterin hinzustellen, werde ich, wenn sie unter Hereinziehung Ihres Namens, Herr Reichspräsident, erfolgen und nicht zurückgewiesen werden, von jetzt ab persönlich in der geeigneten Weise zurückzuweisen wissen.
Hitler wendet sich dann scharf gegen die Ansprache des preußischen Innenministers Severing an dir preußischen Ober- und Regierungspräsidenten und höheren Beamten hin, in der Severing, laut Pressenachrichten, die Nationalsozialistische Partei als staatsfeindlich hingestellt hat. Er sehe in dem Vorgehen des preußischen Innenministers Severing einen unzulässigen Druck. auf die preußische Verwaltung, ihren Einfluß bei der Wahl in einem für die NSDAP, ungünstigen Sinne geltend zu machen. Er erinnert an den Wunsch des Reichspräsidenten, daß dieser Wahlkampf in ritterlicher Weise geführt werden soll. In diesem Zusammenhang lenkt er die Aufmerksamkeit des Reichspräsidenten darauf, daß trotz erfolgter Aufklärung Reichsinnenminister Groener seinen schweren Vorwurf gegen Goebbels nicht zurückgenommen habe. Im Gegenteil sei die NSDAP, durch Notverordnungen gc- itoimgen gewesen, die vom Innenministerium verbreitet« Wiedergabe dieser Stelle in der nationalsozialistischen Presse zum Abdruck zu bringen. Hitler fragt den Reichspräsidenten, ob es ritterlich sei, die nationalsozialistische Presse unter Vorwänden von einem Manne verbieten zu lassen, der die Ehre des Gegenkandidaten Hindenburgs aus das denkbar schwerste angegriffen habe. -
Adolf Hitler schließt seinen Brief an den Reichspräsidenten: „Herr Generalfeldmarschall, halten Sie es Ihres Namens für würdig, sich selbst als Präsidentschaftskandidat durch ein Gestrüpp von Notverordnungen und Gesetzesparagraphen in Ihrer persönlichen Ehre schützen zu lassen, Ihren Gegenkandidaten aber als Freiwild der parteipolitischen Lüge und Verleumdung preiszugeben? Was gedenken Sie, Herr Reichspräsident, zu tun, um in diesem Kampf, der auch um Ihre Person geht, die Prin- zivien der Ritterlichkeit wieder herzustellen?'
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Hitler empfängt die ausländische Presse.
Der Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, empfing Vertreter der ausländischen Presse und erläuterte ihnen den Brief, den er am Mittag an den Reichspräsidenten von Hindenburg gerichtet hatte. Die Tatsache, daß tr — entgegen seiner ursprünglichen Absicht — sich?» dieser Angelegenheit jetzt an die ausländische Presse wende, begründete er mit dem Hinweis aus die Lage seiner eigenen Presse unter der Handhabung der Notverordnung. Es stellte ein Novum dar, daß man bei einer innenpolitischen mage das Ausland mobil mache und erklär^, wenn der Gegenkandidat gewählt werde, so könne das'zum Krieg fuhren. Durch solche Redensarten würde nur der Nährboden für einen Krieg vorbereitet. Ein Sieg seiner Person und seiner Partei würde aus die Außenpolitik nicht ungünstig einwirken, sondern das Gegenteil bewirken. Wer ließ dann zum Schluß den Brief an den Reichspräsidenten verlesen.
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Amtlich wird zu dem Brief Hitlers an Hindenburg ruiigeteilt, daß der Reichspräsident das Schreiben nach r!c!!?^ânahme zur Prüfung der darin erhobenen Be« 1 «werben dem Reichsminister des Innern zugeleitet hat.
Riesenwahlpropaganda der NSDAP.
.„„.Aus einer Mitteilung im Völkischen Beobachter geht . E.°r> daß während des Wahlkampfes für die Reichs-
. Unwohl von der NSDAP, jeden Abend 3000 Per- L»???06” abgehalten werden sollen, insgesamt also II '° 50000. Acht Millionen Broschüren und zwölf Mil- Zeitungssonderansaaben werben verteilt werden, werd ^ ^^" ^"^ Million Bildplakate angeschlagen
^igebenheitstelegramm an Oberstleutnant a. D.
Ouesterberg.
s._.Dic Führerschaft des Stahlhelms Mitteldeutschland nr , e an Oberstleutnant a. D. Duesterberg folgendes Tele-
"Ihrem stellvertretenden Landessührer erneuert „gesamte Führerschaft des Stahlhelms Mitlcldeutsch- .111 dieser schicksalsschweren Zeit das Gelöbnis un- tra » °"rer Treue. Wir folgen in unbeirrbarem Brr- un[„;.n und unerschütterlichem Glauben an den Sieg Gaiwâ Duesterberg.' Die Führcrvcrsammlung deö Osnabrück telegraphierte: .Führerversammlung
Gau Osnabrück erneuert Gelöbnis unverbrüchlicher Treue zu Ihnen im Kampf um Deutschlands Zukunft."
Der Bayerische Landbund tritt im Präsidentschaftskampf für die Kandidatur Duesterbergs ein.
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Das Bündnis Deutschnationale—Stahlhelm.
Auf einer deutschnationalen Tagung in Halle, die zugleich als Wahlversammlung für die KandidaturDuester- bergs diente, sprachen die Reichstagsabgeordneten Schmidt-Hannover und Schiller-Ostpreußen. Schmidt- Hannover erklärte u. a.: Die Bündnisgemeinschaft mit dem Stahlhelm ist nicht nur für die Reichspräsidentenwahl, sondern auch für die kommenden Parlamcntswahlen geschlossen worden. Die Führung der politischen Verhandlungen während des ganzen Ablaufs der Reichs- Präsidentenwahl liegt in den Händen Dr. Hugenbergs. Der von Nationalsozialisten neuerdings leider ausgegebenen Parole, daß Harzburg zerbrochen sei, setzen wir das verstärkte Bekenntnis zu den Zielen und Wünschen der Harzburger Tagung entgegen. Die NSDAP, weiß, daß ohne und gegen die im schwarzweißroten Block vereinigten Kräfte der Sturz des gegenwärtig herrschenden Systems nicht durchführbar ist.
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Duesterberg spricht im Rheinland.
Wie in Köln, so veranstaltete der für die Präftdent- schaftswahlen gebildete „Kampfblock Schwarz-Weiß-Rot' auch in Barmen, in Elberfeld und in Düsseldorf öffentliche Kundgebungen, denen in Essen eine Führertagung des Landesverbandes Westmark des Stahlhelms vorausgegangen war. In den drei großen Kundgebungen sprach der Präsidentschaftskandidat des Kampfblockes, Duesterberg.
Das Wort des alten Kaisers, „Die Treue ist das Mark der Ehre,' so führte Duesterberg aus, hat sich auch bei GenLralfèldmarschall von Hindenburg als Lebensspruch
Brot, Bier und Licht
Preisfragen im Reichskabinett.
Die Reichsregierung beschäftigt sich weiter mit den Maßnahmen, die sie treffen will, um die verordnete Beibehaltung des alten Brotpreises für das Bäcker- gewerbe tragbar zu machen. Abgaben von russischem Roggen durch die Getreidehandelsgesellschast sollen als Bremse für ein Heraufgchrn der Roggenpreise wirken. Ferner macht dem Reichskabinett der immer weiter um sich greifende Bierboykott Kopfzerbrechen, der beibehaltcn wird, trotzdem die Regierung den Abbau der Bierstcuer zugesagt hat. Auch die L i ch t st r e i k b c w c g u n g, die sich gegen die hohen Werktarife richtet, beschäftigt ständig das Reichskabinett.
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Bierstreik und Aeichslichistreik.
Noch keine Verhandlungen über Bierste u e r s e n k n n g.
Amtlich wird mitgeteilt: Die Reichsregierung hat, wie bekannt, in der vorigen Woche mit dem Deutschen Gastwirteverband und den Brauereivertretern über die Frage der Bicrstcuersenkung verhandelt. Sie hatte die Absicht, abgesehen von dem erforderlichen Benehmen mit den Ländern und Gemeinden, die Vcrhandlmigcn in
diesen Tagen fortzusctzcn und beschleunigt zum Abschluß zu bringen. Dieser Absicht stehen jedoch die zurzeit in Gang befindlichen Streikbewegungen entgegen.
Die Reichsregierung hatte, wie in der Generalversammlung einer Brauerei mitgeteilt wurde, in Aussicht
sammlung einer __________ gestellt, das Hektoliter Bier, das bisher steuerlich mit 22 Mark belastet war, um 7 Mark steuerlich zu entlasten. Brauereien und Gastwirte möchten jedoch die Spanne noch vergrößert und auch die Sonderbelastungen des Bieres verringert sehen. In der Generalversammlung wurde erklärt, daß man Aussicht hätte, mit der Regierung zu
einer Einigung zu gelangen.
Hamburger Bicrstrcik dauert an.
Die Mitgliederversammlung des Hamburger Gast- wtrtcvereins von 1871 und des Norddeutschen Gastwirteverbandes hat einstimmig beschlossen, den Bierstreik fort- zusctzcn. Die bestehende Groß-Hamburger Einheitsfront im Bicrstrcik ist nach wie vor bereit, ihre Gcsamtforde- rungen bis zur letzten Konsequenz durchzusetzen.
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Anhali verhandelt mit den Gastwirten.
In Dessau fanden Verhandlungen zwischen dem Vorsitzenden des Anhaltischen Gastwirtcvcrbandeö und einem Ausschuß der Gastwirte einerseits und dem an- baltischen Staatöministcrium und den Fraktionsführern des Landtages andererseits statt. Man möchte durch Zugeständnisse aus st e u e r l i ch e m Gebiete den Bierstreik verhüten. Die Aussichten dazu sind allerdings gering. Der Brauerbund betonte die Gleichheit der Interessen mit den Wirten. Die entscheidenden Verhand- lungert finden am Donnerstag iP. Magdeburg mit
gewählt.' Treue'ohne heiße Vaterlandsliebe ist undenkbar? Daß aber jene Kräfte jetzt den Generalfeldmarschall zu Parteizwecken mißbrauchen und sich hinter seinem großen Namen verstecken können, die den November 1918 verursachten, ist das Schmerzliche und Unbegreifliche.
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Die OVP. für Hindenburg.
Reichsausschuß und Parteivorstand der Teutschen Volkspartei erlassen zur Reichspräsidentenwahl einen Auf- ruf zur Wiederwahl Hindenburgs. In dem Aufruf heißt es u. a.: Die Teutsche Volkspartei erstrebt als Gegengewicht gegen die demokratische Parlamentsherrschaft eine Stärkung der Macht des Reichspräsidenten. Wer dem Reichspräsidenten Bedingungen für die Führung seines Amtes vorschreiben will, schwächt seine verfassungsmäßige Stellung und zieht ihn in die Niederungen des Parteikampfes hinab.
Mit den Kreisen der Rechten steht die Teutsche Volks- Partei in Opposition zur gegenwärtigen Reichsregierung. Mit den Unzähligen aber, für die Dankbarkeit, Treue und echte Vaterlandsliebe noch stärkere Begriffe sind als parteipolitische Interessen, steht sie zum ersten Vorbild für diese Tugenden zum Feldmarschall von Hindenburg.
Die Teutsche Volkspartei setzt ihre ganze Kraft ein, um seine Wiederwahl zu erreichen als ein Shmbol der Zusammenfassung der Kräfte für die Sicherung des inneren und äußeren Wiederaufstiegs der deutschen Nation.
Auslegung der Wahllisten vom 3. bis 6. März.
Amtlich ist angeordnet worden, daß die Listen und Karteien zur Reichspräsidenlenwahl vom Donnerstag, dem 3., bis Sonntag, dem 6. März, bei den Gemeindebehörden ausgelegt werden. Pflicht jedes einzelnen ist es, selbst oder durch eine Vertrauensperson nachsehen zu lassen, ob sein Name in der Liste verzeichnet ist. Fehlt sein Name, so muß er dies sofort der Gemeindebehörde mitteilen.
den Vertretern des provinzialsächstscheri Gastwirtrver- bandes statt.
Von dem Bierstreik, der in Hamburg begonnen and in Berlin seine Fortsetzung gefunden hat, ist jetzt auch
ganz Sachsen erfaßt.
Auch im Rheinland und in Westfalen sowie in Schleswig-Holstein ist in vielen Orten der Bier- boykotl proklamiert worden und zahlreiche Städte i n der Provinz Brandenburg haben sich ebenfalls der Bewegung angeschlosien. Auch Hannover und viele süddeutsche Städte bereiten den Bierstreik vor.
Da nach der Absage der Regierung zurzeit keine direkten Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und den Gastwirten stattfinden, hat der Deutsche Gastwirteverband jetzt Fühlung mit verschiedenen politischen Parteien genommen, die die Vermittlerrolle übernehmen sollen.
SmeStteilleiillngfürdenReichslichtstreik.
Der Vorstand des Reichskartells des selbständigen Mittelstandes faßte in der Frage eines Lichtstreiks folgende Entschließung:
Die Beschlußfassung über den Eintritt in einen Lichtstreik ist Sache der örtlichen Organisationen. Das Reichs- kartcll des selbständigen Mittelstandes wird für alle in den Lichtstreik getretenen Orte eine Zcntralstreiklcitung bilden, die für die örtlichen Aktionen Richtlinien aufstcllcn wird. Es sollen sofort Verhandlungen mit der Regierung ausgenommen werden, mit dem Ziele der Senkung der Werkgebühren der öffentlichen Tarife und aller öffentlichen Abgaben, an die sich bisher die Regierung und der Prciskomlniffar nicht hcranwagten.
Meldepflicht für drotpreiserhöhmg.
Neue Verordnung für den Einzelhandel.
Der Reichsanzeiger veröffentlicht eine am 28. Februar in Kraft getretene Verordnung des Rcichskommissars für Preisüberwachung über die Meldepflicht bei Preiserhöhungen im Kleinhandel mit Brot. Danach sind Preiserhöhungen nur nach schriftlicher Anmeldung bei der zuständigen Orlspolizcibchörde zulässig. Die Anmeldung ha« durch die örtlichen Innungen oder örtlichen Händlerverbande zu erfolgen. Eine Preiserhöhung darf frühestens drei Tage nach erfolgter Anmeldung (ohne Einrechnung von Sonn- und Feiertagen! erfolgen. Bei der Anmeldung ist der bisher gültige, ferner der in Aussicht g e n 0 m m e n e Prei s und schließlich der G r u n d für die Preiserhöhung anzugeben. Zuwiderhandelnde werden mit Geldstrafe bestraft.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Das ReichSknrtcü des selbständigen Mittelstandes will für alle in den Lichtstreil getretenen Orte eine ZentralftreiNeitung bilden.
* In Finnland hat erneut die Lappobcwcgung mit Versammlungen bewaffneter Bauern eingesetzt.