KerlirrLL Blätter.zur KuRzlerrede.
Die gestrige Rede des Reichskanzlers bildet das TIema der Leitartikel der meisten Breliner Blätter. Die „E x i wutttcT nennt sie einen „großen und entschlossen geführten Angriff gegen die demagogisch unterbauten Stellen der soaenannten Nationalen Opposition" und ein „vitales poli- tisches Bekenntnis". „Die „V o s s i s ch e Zeitung" schreibt, selbst in diesen „Zeiten der Verkrampfung und der Massensuggestion" wirke doch immer wieder die Persönlichkeit. Das „BerliuerTagblat t" sagt, Brüning klagte nn, aber er sprach kein Urteil, er schlug zu, aber er unter» lieg den Todesstoß. Der „V o r w ä r t s" verweist auf die erbitterte leidenschaftliche Schärfe Brünings, die den tiefen Riß zeige, der zwischen den bürgerlichen Parteien klaffe. Feind sei, wer am weitesten rechts stehe; dieser Feind müsse geschlagen werden. — Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" spricht von einer „tapferen Rede". Der Vor- wurf, Brüning habe sich selbst in die falsche Front hinein- inanövriert, könne nicht in jeder Beziehung als haltlos bezeichnet werden.
Die „B ö r s e n z e i t u n g" bemängelt, daß der Kanzler seine Rede nicht dazu benutzt habe, seine Politik ausführlich zu begründen. Der weitaus größte Teil der Rede sei der Polemik unter dem Motto „Der Feind steht rechts!" gewidmet gewesen. Der „L o k a l a n z e i g e r" schreibt, daß der Reichskanzler zwar „in bester Form" war, daß er aber eigentlich nichts gesagt habe. Der „T a g" sagt, daß Brüning sich nur hinter dem „schweren Tank" Hindenburg gut gedeckt vorzuschleichen wage.
Die „Deutsche Tageszeitung" ist der Auffassung, daß die Aeußerungen über das Vorgehen Deutschlands in der Frage der Zollunion wenig überzeugend wirke. Das Blatt bemängelt, daß der Kanzler mehr innen- als außenpolitisch polemisierte.
W Seffen-Aaffau und AachSargebielen.
Merkblatt für den 27. Februar.
1807: Der Dichter Henry Longfellow in Portland geb.
1861: Der Anthroposoph Rudolf Steiner in ~ "
geboren.
evo
Wem es nicht ein Genuß ist, einer Minderheit anzugehören, die die Wahrheit verficht und für die Wahrheit leidet, verdient nicht, zu siegen! PauldeLagarde.
Wetterbericht.
Um das im Westen liegende Hochdruckgebiet strömen im raschen Wechsel kalte und warmè Luftmassen von Skandinavien her südwärts nach Mitteleuropa. Zur Zeit bringen wieder östliche Winde einen kälteren Luftkörper bei uns zur Geltung, und starke Ausstrahlung bewirkt in der Nacht zum Freitag wieder stärkere Fröste. Die nächste Milderung, die mit westlichen Winden und Druckfall im Ostseegebiet stärkere Schneefälle bringt, dürfte dann im Laufe des Freitags sich auch in unserem Gebiet mit Bewölkung und vereinzelten Niederschlägen bemerkbar machen. Dahinter ist ein erneuter Vorstoß kälterer Luftmassen wahrscheinlich. — Vorhersage bis Freitagabend: Nach klarer und wieder recht kalter Nacht mit mäßigem Frost zunächst ziemlich heiter, Mittagstemperaturen über Null ansteigend, später von Norden aufkommende Bewölkung, abflaucnde und auf West drehende Winde. — Witterungsaussichten für Samstag: Zunächst milder und meist bewölkt mit zeitweisem Niederschlag, später neuerliche Abkühlung.
* Fulda, den 26. Februar 1932.
Wintersportmöglichkeiten in Rhön und Vogelsberg.
Wie lange, ist freilich recht ungewiß; denn mögen auch die Nächte noch empfindlich kalt sein, so bringt doch die höhersteigende Sonne schon ganz annehmbare Tagestemperaturen, unter denen der Winter seine Herrschaft nicht mehr allzulange wird ausüden können. Wenn er nun seine Macht nochmals zur Geltung bringt, so sei den diesmal sehr schlecht weggekommenen Wintersportlern die wahrscheinlich nur kurze Freude herzlich gegönnt. Doch hören wir, was der amtliche Wintersport-Wetterbericht vom 25. Februar meldet:
Rhön. Wasserkuppe:5 Grad Kälte, 10 cm Schnee (Pulverschnee), Sportmöglichkeiten gut. Ellenbogen: 4 Grad Kälte, 12 cm Schnee (Pulverschnee), Ski und Rodel
Vogelsberg: Hoherodskopf: Bei 6 Grad Kälte cur Schnee, davon 2 cm Neuschnee (Pulverschnee). Sport-
Mglichkeiistt für Eli und ^rdsl ziemlich gut. — 5er» chenhainc r Höste ' Disk Grad Kälte, SchnsrstSye 10 Zentimeter, davon 2 cm Neuschnee (Pulverschnee) ebenfalls ziemlich gute Sportmöglichkeiten.
„Allzeit hilfsbereit".
Arbeitstagung der Vaterländischen Frauenvereine.
Die Vaterländischen Frauenvereine vom Roten Kreuz des Eüdbezirks fanden sich am Dienstag nachmittag im Sitzungssaal des hiesigen Landratsamtes zu einer von etwa 60 Vertretern besuchten Arbeitssitzung zusammen. Nachdem die Vorsitzende des Zweigvereins Fulda Freifrau v o n G «gern, die Sitzung eröffnet und die Erschienenen begrüßt und die Vorsitzende des Bezirksverbandes in großen Zügen Ziele und Leistungen der Vereine geschildert hatte, sprach Frau Oberin Daniel von dem Mutterhaus Marburg (Deutschhausklinik) über Ausbildung und Verwendung von Vereinshilfskräften (Vereinssamariterinnen, Nothelferinnen, Helferinnen) im Vereins- und Hilfsdienst, sowie über den Ausbildungsgang von Voll- und Hilfsschwestern des Roten Kreuzes. Sie führte im besonderen die Pflichtaufgabe unserer Zweigvereine aus, Hilfskräfte für die Unterstützung des amtlichen Sanitätsdienstes auszubilden und gab ein anschauliches Bild über ihre verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten.
Frau Ida Braun, Vorsitzende des Zweigvereins Melsungen, gab ein Bild von dèr Winterarbeit ihres Vereins. Sie berichtete zunächst über die Winterhilfe, die in Melsungen in gemeinschaftlicher Arbeit mit den anderen Wohlfahrtsverbänden und tatkräftiger Unterstützung der Behörden erfolgreich durchgeführt wird. Demgemäß ist das Ergebnis sehr erfreulich. Des weiteren berichtete Frau Braun von dem frischen Treiben im Kindergarten des Vereins sowie von seiner vorbildlich durchgeführten Nachbarschaftshilfe ferner von Lehrgängen (Hauskrankenpflege und Kochkurse), die viel Anklang finden.
Ueber Aufbau und Aufgaben der Jugendabteilungen vom Roten Kreuz sprach die Sachberaterin Frau Mensch i n g (Kassel). Sie legte die große Bedeutung gerade dieses Zweiges der Vereinsarbeit für die Zukunft des Roten Kreuzes überzeugend dar. Sodann folgte ein Bericht der Freifrau von der Tann, Vorsitzende des Zweigvereins Tann in der Rhön, über die dort ausgeübte Gemeindekrankenpflege. Sie ist für 10 Gemeinden zusammengefaßt in dem Krankenhaus des Vereins, dem Berta- heim, das so für die Gegend von besonderer Bedeutung ist. Aus dem Bericht ging hervor, wie außerordentlich schwierig es heute ist, unter den schweren Zeitverhältnissen die Einrichtungen der vorbeugenden Fürsorge aufrecht zu erhalten, die gerade in der jetzigen Notlage außerordentlich wertvoll sind. — Ein Film „Die Arbeit der Vaterländischen Frauenvereine vom Roten Kreuz" beschloß nach anregender Aussprache die Sitzung.
Fuldaer Schöffengericht.
Wer Blankowechsel unterschreibt, gefährdet seineExistenz.
Vor dem Großen Schöffengericht standen gestern die Gebrüder K. und Z. T., beide Gesellschafter der offenen Handelsgesellschaft I. T. in Fulda, weil ihnen zur Last gelegt wurde, gemeinschaftlich im letzten Jahre bis vor Konkurseröffnung der offenen Handelsgesellschaft in zahlreichen Fällen von Kunden unterschriebene Blankowechsel mit bedeutend höheren Beträgen als vereinbart war ausosfüllt
und einer
hiesigen Kasse zum Einzug übergeben zu haben, z. B. ein Wechsel für eine tatsächliche Schuld
So wurde z. B.
von 63 Mark auf 665 Mark ausgestellt. In anderen Fällen wurde statt 139 Mark 1339 Mark, statt 57 Mark 457 Mark, statt 177 Mark 670 Mark, statt 80 Mark 637 Mark usw. geschrieben. Insgesamt handelt es sich um 29 derartige Fälle. Die Blankowechsel wurden zum größten Teil von K. T. im Geschäft unterschreiben lassen; aber auch durch I. T. wurden in den Wohnungen auswärtiger Kunden Blankowechsel zur Unterschrift vorgelegt. Im gestrigen Termin wurde festgestellt, daß das Geschäft der Firma J. T., das schon seit einer Reihe von Jahren mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, am 1. Mai 1931 auf die beiden angeklagten Brüder übergegangen war. Der Konkursverwalter erklärte, daß bei der Eröffnung des Konkurses eine große Unterbilanz festgestellt wurde. Von Seiten der beiden Gesellschafter seien ihm bei Ausübung seines Amtes viel Schwierigkeiten gemacht worden. Auch er habe zahlreiche Wechsel festgestellt, die bedeutend höher ausgestellt waren, als die Schuld der betreffenden Kunden betragen habe. Der Konkurs wurde mit einem Zwangsvergleich von 70 % beendet. Im gestrigen
Termin wurde ferner sestgesteuL, daß die Tlizeptanien der gefälschtrn Wechsel nicht iN Anspruch genommen wurden, weil Verwandte ser Angeklagten Lie Wechsel einigsten. Das Große Schöffengericht verurteilte wegen fortgesetzter Urkundenfälschung und Betrugs K. T. zu 3 Monaten und J. T. zu 2 Monaten Gefängnis, In der Urteilsbegründung wurde betont, daß die beiden Angeklagten durch die gefälschten Wechsel eine hiesige Kasse getäuscht hatten, um sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen. Zu Schädigungen der Schuldner sei es glücklicherweise nicht gekommen, da Verwandte einsprangen und die gefälschten Wechsel selbst einlösten. K. T. sei in größerem Maße an den Fälschungen beteiligt. Da Wechselfälschungen einen moralischen Schaden für Handel und Landwirtschaft bedeuteten, müsse auf hohe Gefängnisstrafen erkannt werden. Die Angeklagten sind noch nicht vorbestraft, es soll ihnen daher Strafaussetzung gewährt werden unter der Bedingung, daß jeder eine Buße von 200 Mark bezahlt und beide für die Eerichtskosten aufkommen.
Sicherheitsüberpignung unbezahlter Gegenstände.
Der früher in Tann (Rhön) ansässige Dentist H. K. aus Ehrenbreitstein hatte sich vor einigen Jahren bei der Vcr- einsbank in Geisa ein Kredit von 700 Mark verschafft und dabei einen Sicherheitsübereignungsvertrag auf feine ärztlichen Einrichtungsgegenstände abgeschlossen. Es stellte sich jedoch heraus, daß die von einer Frankfurter Firma gelieferten Gegenstände noch nicht voll bezahlt waren und die Lieferantin noch das Eigentumsrecht darauf hatte. Der Angeklagte hat noch keine Abschlagszahlung bei der Vereinsbank auf den erhaltenen Kredit geleistet. Das Kleine Schöffengericht verurteilte K., der vom Erscheinen im Termin befreit war, wegen Betrugs zu 200 Mark Geldstrafe oder zu 20 Tagen Gefängnis.
Verwickelte „Finanzaktionen" um einen Mantel.
Der schon sehr häufig vorbestrafte 33jährige Arbeiter E. Ph. S. aus Fulda hatte Anfang August v. I. im Auftrage seines Kollegen dessen Mantel für 10 Mark an eine hiesige Althändlerin verkauft. Der Mantel sollte jedoch nach einer bestimmten Zeit für 15 Mark wieder zurückge- kauft werden und zwar sollte jeder (S. und sein Kamerad) 7,50 Mark bezahlen. Der Kollege zahlte auch alsbald an S. 7,50 Mark und bat ihn, weitere 7,50 Mark hinzuzulegen und den Mantel zurückzukaufen. Dies geschah jedoch nicht, und die Althändlerin verkaufte den Mantel im Monat Oktober für 14 Mark weiter. Der Kollege des S erstattete darauf Anzeige, was S. veranlaßte, 12,50 Mark zurückzu- zahlen. Weil sich S. Lurch die Enbehaltung der 7,50 Mark eines groben Vertrauensbruchs schuldig gemacht hatte, verurteilte ihn das Kleine Schöffengericht zu einer Woche Gefängnis.
Wegen Urkundenfälschung und vollendeten Betrugs
stand gestern der 46jährige Maurer L. J. aus Michelsrombach vor dem Kleinen Schöffengericht. Es wurde ihm zur Last gelegt, zwecks Erlangung von Erwerbslosen-Unter- stützung eine Arbeitsbescheinigung angefertigt und sie fälschlich mit der Unterschrift seines damaligen Arbeitgebers versehen zu haben. Das Urteil lautete auf Freisprechung. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last.
Vom Postamt
wird uns geschrieben: In letzter Zeit sind wiederholt Klagen von Personen, die unsere Schalter besucht oder die öffentlichen Fernsprechstellen benutzt hatten, darüber vor- gebracht worden, daß ihnen inn Schalterraum oder in der Sprechzelle Geld, Geldbörsen oder andere Gegenstände z. B. Brieftaschen, Aktentaschen usw. abhanden gekommen seien. Jedem Postbesucher empfehlen wir deshalb dringend, ehe er den Schalterraum oder dis Frnsprechzslle verläßt, sich zu vergewissern, ob er nichts liegen gelassen hat. LMem Anschein nach^ nutzen lichtscheue Elemente die Unachtsamkeit und Vergeßlichkeit der betr. Postbenutzer und der Sprech- " gästc aus, um ihrem unsauberen Gewerbe nachzugehen.
Ueber die in dem Schalterraum und in den öffentlichen Fernsprechzellen gesundenen und von den Findern an einen Schalterbamten abgegebene Gegenstände wird je 6 Wochen lang ein Aushang im Schalterraum geführt.
Zum gestrigen Theaterabend im Stadtsaal.
Aus technischen Gründen mußte die Veröffentlichung unserer Besprechung der gestrigen Aufführung des Dramas „Gespenster" von H. Ibsen durch die Landestheater des Bühnenvolksbundes für die Samstag-Ausgabe zurückgestellt werden.
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